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Apostelgeschichte 1,6-14: "Reife: Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann?"

Apostelgeschichte 1,6-1,1419.01.2014
Serie•Teil 2 / 64Apostelgeschichte
Gott sucht keine Superhelden, sondern Menschen, die warten können und beten. Wer nicht alles im Griff haben muss, wird frei für seinen Auftrag.

Einleitung: Die Frage nach dem, was Gott sucht

Was zeichnet eigentlich Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Also, was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Das ist eine Frage, die ich über die nächsten drei Predigten stellen werde. Und wie bin ich darauf gekommen? Ich werde nachher noch etwas sagen, wie es eigentlich dazu kam. Aber wir sind am Anfang der Apostelgeschichte, und wenn man so die Apostelgeschichte beginnt, dann ist es schon bemerkenswert, wie Jesus seine Jünger ausgewählt hat.
Es sind ja nicht unbedingt die Leute mit dem größten Wissen. Es sind auch nicht die Leute mit einer herausragenden sozialen Stellung. Sie sind weder besonders populär noch reich, noch wirklich kreativ. Sie sind auch nicht übermäßig mutig und, wie gesagt, auch intellektuell jetzt nicht die Überflieger. Und trotzdem wählt Gott sie aus. Und trotzdem verändert diese Gruppe von Menschen Geschichte. Deswegen interessiert mich dieser Gedanke: Was zeichnet sie eigentlich aus?
Wir haben das letzte Mal angefangen, die Apostelgeschichte zu betrachten. Die Apostelgeschichte ist der zweite Teil eines Berichtes, den Lukas schreibt über Jesus. Er fängt ganz am Anfang mit Johannes dem Täufer an. Dann kommt die Geburt Jesu, das ist das Lukas-Evangelium, der erste Teil. Und dann schließt sich an das Lukas-Evangelium ein zweiter Teil an, die Apostelgeschichte, und zieht diesen Gedanken, wie es mit Jesus weitergeht, hinein über Pfingsten hinaus bis etwa Anfang der sechziger Jahre. Also Lukas-Evangelium plus Apostelgeschichte decken einen Zeitraum von etwa siebzig Jahren ab.
Nach der Auferstehung, haben wir uns letztes Mal angeschaut, erscheint Jesus vierzig Tage bis zur Himmelfahrt immer wieder seinen Jüngern. Und er macht das, damit sie am Ende dieser Zeit ganz sicher eine Sache verstanden haben: Jesus ist wirklich auferstanden. Ja, das ist kein Gespenst. Das ist kein Geist. Das ist keine Illusion. Das ist keine Halluzination. Er ist wirklich auferstanden, und er lebt.
Und in dieser Zeit hat Jesus sich viel mit seinen Jüngern unterhalten. Wir schlagen auf Apostelgeschichte 1, die Verse 6 und 7. Dort fasst uns nämlich Lukas eine dieser Unterredungen zusammen. Apostelgeschichte 1,6-7. Immer wieder geht es um das Thema Reich Gottes. Reich Gottes, und wir werden das merken, kann man unterschiedlich interpretieren.
 Apostelgeschichte 1,6: Sie nun, das sind die Jünger, fragten ihn, als sie zusammengekommen waren: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her? Tolle Frage. Herr Jesus, sichtbares messianisches Reich, sag mal, dauert das jetzt noch lang? Also sind wir da? Das müsste doch jetzt irgendwie, ich meine: Tod, Auferstehung, das müsste doch langsam losgehen, oder? Haben wir da irgendwas?
Und Jesus sagt: Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat. Ihr merkt, die Jünger hängen an dieser Idee, Jesus wird sein Reich sichtbar aufrichten. Und das ist so ein ganz wichtiger Punkt, den ich euch mal ganz nebenbei sagen möchte: Wenn jemand in seinem Leben sich irgendwann irgendetwas richtig wünscht, dann wirst du ihm das nicht ausreden. Selbst diese irrationale Neigung, an etwas festzuhalten und es sich zu wünschen, selbst dann, wenn eigentlich alles dagegen spricht, ist ganz tief in uns drin. Selbst wenn du Fakten hast, die dagegen sprechen, reicht das oft nicht aus.
Also ich glaube, es gibt nichts, was einen Menschen mehr prägt und mehr in eine Richtung schiebt als das, was er sich wirklich wünscht. Da kann die Realität dagegen sein. Er bleibt und beharrt auf dieser Sache. Das ist ganz merkwürdig. Und die Jünger sind da nicht anders. Also fragen sie ihn: Herr Jesus, sag mal, richtest du jetzt dein Reich langsam auf?
Wo stehen sie? Sie stehen in der Nähe von Bethanien auf dem Ölberg. Es ist der letzte Tag mit Jesus, eigentlich sind es die letzten Momente, und immer noch träumen sie von dem großen Durchbruch, dass es doch jetzt irgendwie so richtig losgehen muss. Hatte Herr Jesus davon gesprochen, dass er erst mal weggehen muss? Ja, hatte er. Hatte er davon gesprochen, dass sie erst mal leiden müssen? Ja, klar. Er hat ausführlich darüber gesprochen, was jetzt vor ihm liegt.
Und das, was vor ihm liegt, ist nicht das messianische Königtum, sondern: Ich schicke euch wie Schafe unter Wölfe. Das ist eure Zukunft. Ihr werdet verfolgt werden, ihr werdet ein Evangelium predigen, und man wird nicht in die Hände klatschen, wenn ihr kommt. Man wird euch aus den Synagogen werfen, man wird euch in die Gerichte ziehen. Man wird euch anklagen. Das steht vor ihnen.
Und sie stehen da und fragen ernsthaft: Stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her? Es ist so herrlich. Und die Antwort von Jesus ist ganz klar: Freunde, das ist einfach nichts, was euch etwas angeht. Das ist nicht eure Sache. Das hat Gott der Vater festgelegt, und das geht euch nichts an.
Die Frage ist: Was geht sie eigentlich an? Was müssen sie denn verstehen? Und die Antwort ist: Sie müssen ihren Auftrag verstehen, für die jüngeren Leute ihre Quest. Gott hat ja noch etwas mit ihnen vor.

Der Auftrag weitet den Blick

Und da heißt es dann in Vers 8: Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Merkt ihr, was sie haben? Einen Traum. Hach, geht es hier in Israel los. Und Gott sagt: Träumt mal ein bisschen größer. Also Israel ist schon schön, ja, aber geht mal so ein bisschen einfach in die Breite. Und wenn wir Apostelgeschichte lesen, wird es zehn Kapitel dauern, bis sie so ganz langsam anfangen, in den Dimensionen zu denken und zu träumen, in denen Gott unterwegs ist.
Gott hatte sie beauftragt. In Johannes 20,21 sagte Jesus: Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch. Der Auftrag Gottes besteht darin, die Mission des Messias zu Ende zu bringen.
Und jetzt kann man sich die Frage stellen: Was ist denn eigentlich die Mission des Messias? Wir denken ja bei Jesus oft nur in diesen Dimensionen, vielleicht bis zum Kreuz und bis zur Auferstehung, vielleicht nur bis zur Himmelfahrt. Und dann denken wir irgendwie, seine Mission ist vorbei. Aber das stimmt ja nicht. Das ist nur der Startschuss seiner Mission. Wir führen seine Mission zu Ende.
Und schon das Alte Testament beschreibt den Auftrag des Messias folgendermaßen. Ich lese euch mal aus Jesaja 42,6 und 7 einfach vor, was der Auftrag des Messias ist. Und ihr werdet merken, lest es einfach nur mal mit. Ihr werdet merken, der Messias ist nicht nur für Israel da. Das war nie nur die Idee, dieses kleine Land zu erreichen.
 Jesaja 42,6: Ich, der Herr, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei deiner Hand, und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes. Das ist Israel, ja. Der Bund Gottes startet mit dem Volk Israel, richtig. Aber bleib da nicht stehen: zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen. Da kommt es: die Nationen, das sind die Heiden, das sind die anderen Völker. Der Messias ist von Anfang an Licht für die ganze Welt.
Und dann die Bilder, die wir kennen: blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen, aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. Von Anfang an ist das die Vision Gottes. Ich möchte die ganze Welt, die in Finsternis liegt, ich möchte die ganze Welt ins Licht holen. Und wir starten an einem Punkt mit dem Messias in Israel, und dann bringen wir diesen Gedanken in die ganze Welt.
Das ist die Quest, das ist der Auftrag, den die Apostel haben. Das ist die Daseinsberechtigung für uns, dass es einen Auftrag gibt, und der heißt: Wir sollen seine Zeugen sein.
Ich mag das Wort Zeuge sein, weil ich denke manchmal, wenn ich so in Foren unterwegs bin, wo Leute das Christentum angreifen, es gibt so viele Fragen, wo ich keine Antworten zu weiß. Aber ich kann Zeuge sein. Das ist so entspannt, einfach nur zu sagen: Was hat Gott in meinem Leben getan? Wie ist Tod und Auferstehung Jesu mit mir verknüpft? Was heißt das für mich, dass Jesus lebt und in mir lebt und mich verändert?
Das kann ich bezeugen. Da kann ich sagen: Das habe ich jetzt 25 Jahre lang erlebt. Ich habe wirklich nicht auf alle Fragen, die man an den Glauben stellen kann, eine Antwort. So schlau bin ich nicht, und das werde ich auch nie sein. Und ich glaube, niemand ist wirklich so schlau. Aber was ich sagen kann, ist: Ich kann Zeuge sein. Da ist was passiert in mir. Und wenn du wissen möchtest, was da passiert ist, ich erzähle dir das gerne. Wenn du wissen willst, wie das passiert ist, muss ich sagen: Tut mir leid, also erklären kann ich es dir nicht. Ich kann dir sagen, was passiert. Aber wie das so genau in mir drin, tut mir leid, das weiß ich nicht. Und das verlangt Gott auch nicht.
Als junger Christ dachte ich immer, ich muss allen alle Fragen erklären können. Ich kann erst dann ein guter Evangelist sein, wenn ich auf jede Frage, die man an mich hat, eine Antwort weiß. Und heute glaube ich, man ist ein besserer Evangelist, wenn man sich hinstellt und sagt: Weiß ich nicht. Aber weißt du, was ich weiß? Was Jesus in meinem Leben gemacht hat. Und das ist ganz schön, das erzähle ich dir gerne. Und wenn du so etwas Ähnliches erleben willst, dann trau dich an der Stelle, weil Gott ist kein Gott, den man logisch erklären kann. Gott ist ein Gott, den man erfahren muss. Er ist keine mathematische Aufgabe, die es zu lösen gilt, sondern ein Geheimnis, das es zu entdecken gilt. Er ist eine Person, die es zu erfahren gilt.
Und dafür können wir Zeugen sein. Das ist unser Job, das ist unsere Aufgabe.

Die Himmelfahrt und die Verheißung der Wiederkunft

Mit diesem Auftrag entlässt Jesus seine Jünger. Er lässt sie stehen und verlässt tatsächlich die Erde.
 Apostelgeschichte 1,9: Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
Tja, das war’s. Jetzt sind sie alleine, jedenfalls fast. Denn erst einmal gibt es noch zwei Engel. Wir hatten das ja vor kurzem auch schon: Immer dann, wenn es irgendwie wichtig ist, tauchen die Engel auf. Auch hier, in den Versen 10 und 11.
Und als sie gespannt zum Himmel schauten, kann man sich das ja vorstellen: Da steht er eben noch vor ihnen, und dann wird es um ihn herum so ein bisschen wolkig. Wie auch immer man sich das vorstellen mag. Heutzutage würde ich sagen: Jemand hat den Trockeneis-Nebelwerfer angeworfen. Ja, es wird so ein bisschen undurchsichtig. The fog. Und da steht er dann mittendrin, vielleicht noch ein bisschen angeleuchtet.
Ich stelle mir das persönlich wie so eine Herrlichkeitswolke vor. Die strahlt auch noch ein bisschen, mit einem 500-Watt-Strahler in die Mitte, ja, dass da auch ordentlich etwas passiert. Und dann so ganz langsam, wie man ein Ufo abheben sieht. Ja, ja, und du stehst da und denkst: Boah, jetzt ist er weg. Das war schon ungewöhnlich.
Dann stehen da zwei Männer, in Vers 10 und 11:
Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.
Ihre Botschaft ist eine Trostbotschaft: Jesus kommt wieder. Er ist nicht für immer weg. Die Geschichte hört an der Stelle einfach nicht auf.

Die wartende Gemeinde als Vorbild

Also, die Frage ist: Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Das, was ich heute und in den nächsten Predigten sagen werde, ist vielleicht keine abschließende Charakterisierung. Aber ich glaube ganz stark, dass das Dinge sind, die eine Rolle spielen, wenn wir uns wünschen, dass Gott uns gebraucht.
Ich lese mal 12 bis 14:
Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt, also knapp zwei Kilometer. Und als sie hineingekommen waren, stiegen sie hinauf in den Obersaal, wo sie sich aufzuhalten pflegten, und da war die ganze Liste: Petrus, Johannes und Jakobus, Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alpheus, und Simon der Eiferer und Judas, der Sohn des Jakobus. Also die üblichen Verdächtigen, würden wir sagen. Diese alle verharrten einmütig im Gebet mit einigen Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.
So, das ist das, was da steht. Sehr unspektakulär und doch irgendwie großartig. Zwei Dinge fallen mir auf.
Was charakterisiert Leute, die Gott gebrauchen kann? Der erste Punkt ist: Sie können auf Gott warten. Sie können auf Gott warten.
Das heißt in Vers 4, das war ja der Auftrag: Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten. Das war der Job. Ein simpler Job: Bitte bleibt hier in der Stadt und wartet! Und was machen sie, nachdem er weg ist? Sie gehen in die Stadt und warten.
Und jetzt wirst du dir denken: Was ist denn das für eine Eigenschaft, warten? Ja, ich finde sie fantastisch. Je länger ich darüber nachdenke, umso besser finde ich sie. Jesus hat nämlich nicht gesagt: Und wartet bis Pfingsten. Das sind noch zehn Tage, das werdet ihr wohl hinkriegen, anderthalb Wochen, oder? Jesus sagt einfach: Wartet. Da steht nicht, wie lange. Und sich darauf einzulassen, das ist schon etwas.
Die Jünger im Obersaal sitzen da und wissen nicht, wie lange sie warten sollen. Kannst du warten? Ich tue mir da schwer. Warten ist nicht meine Stärke. Ich stehe manchmal an der Bushaltestelle, lese den Fahrplan, sehe, ich habe noch fünf Minuten Zeit, und hasse Warten so sehr, dass ich meine, ich gehe schon mal zur nächsten Bushaltestelle. Und in der Hälfte aller Fälle fährt in dieser Zeit der Bus, mit dem ich fahren wollte, an mir vorbei. Ah, manch einer lacht, ihr kennt das.
Gut, also die Frage ist: Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Antwort: Sie können auf Gott warten. Sie sind damit einverstanden, dass es nach Gottes Zeitplan geht. Sie machen Gott keine Vorwürfe, wenn er sich Zeit lässt, weil sie ganz genau wissen: Gott macht alles just in time. Das heißt, er macht es so, dass es passt, nicht früher und nicht später, weil Gott ein Gott ist, der die Zeit und die Zeitpunkte optimal ausnutzt. Die Frage ist, ob wir das glauben können, aber es ist erst mal so.
Und mein Eindruck ist: Wenn ich so über Glauben nachdenke, über Glaubensleben nachdenke, dann sind Zeiten des Wartens irgendwie die Zeiten, die meinen Glauben zumindest immer wieder enorm auf die Probe gestellt haben. Vielleicht sind Wartezeiten die ehrlichsten Zeiten des Glaubens, die ich überhaupt hatte. So dieses: Ich stehe da, ich kann nichts machen außer warten. Das ist eine ganz interessante Erfahrung.
Und wenn man in die Bibel hineinschaut, wenn man sich die großen Glaubenshelden mal anschaut, dann wird man feststellen: Zu ihrer Erfahrung gehört Warten. Zum Beispiel Abraham. Abraham ist schon ewig alt. Der bekommt ein Versprechen: Du wirst einen Erben bekommen. Schön. Und zwar von deiner Frau. Okay, die ist auch schon alt. Der Clou: Es gibt dieses Versprechen, und dann passiert erst mal nichts.
Und weil er eine sehr pragmatische Frau geheiratet hat, die Sarah, dann sagt die: Du, ich habe da eine grandiose Idee, vielleicht meinte Gott ja gar nicht mich, sondern meine Magd Hagar. Probier es doch mal mit der. Macht Abraham, funktioniert auch, und der kleine Ismael wird geboren. War aber nicht das, was Gott gesagt hatte, war auch nicht das, was Gott wollte, und Gott lässt Abraham noch mal 13 Jahre warten, mindestens. Abraham ist dann schon fast hundert, Sarah neunzig, nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu holen. Und dann, dann wird plötzlich Sarah schwanger, dann gibt es den kleinen Isaak.
Wie lange hat Abraham gewartet? 15 Jahre? 20 Jahre? Länger? Merkt ihr: Warten, nicht dieses Heute kommt Gott vorbei, gib mir eine Verheißung, und morgen kannst du dir schon mal einen Schwangerschaftstest kaufen. Nein, du wartest und wartest und wartest.
Anderes Beispiel, auch so ein Wartebeispiel: David. Der Teenager David wird zum König gesalbt. Das ist ja schön. Du weißt, da so: Es gibt einen Ehrengast, du bist nur nicht eingeladen, weil du in der Familie der Kleinste bist. Dann wirst du doch noch geholt und wirst plötzlich zum König gesalbt. Das ist die Geschichte von David. Und dann heißt es für ihn: warten. Also erst ist das Warten und Schafe hüten, dann kommt Warten und Riesentöten, dann kommt Warten und Krieg führen, dann kommt Warten und von Saul gejagt werden, dann kommt Warten und so ein halber König in Hebron sein, und endlich, ich weiß gar nicht, wie lange das gedauert hat, müsste man mal nachrechnen, endlich, ganz am Ende, wird dieses Versprechen, das der Teenager David mit der Salbung von Gott bekommen hat, du wirst mein König über Israel sein, ganz am Ende, nach ganz viel Warten und wir würden heute sagen: nach ganz viel Umwegen, wird er doch König. In Jerusalem, über ganz Israel.
Merkt ihr was? Wir hätten uns doch auch gedacht: Der wird heute gesalbt und morgen eingesetzt. Ist aber nicht so. Also was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Ich glaube, es sind Menschen, die auf Gott warten können. Sie haben Zeit, nicht weil sie Phlegmatiker sind, sondern weil sie Gott kennen, weil sie einfach wissen: Gott macht keinen Fehler.
Jakobus, einer von denen, die hier in der Apostelgeschichte, das heißt ja, mit der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern, mitgewartet haben, würde uns, glaube ich, gern folgende Lektion beibringen. Jakobus 5,7-8:
Da schreibt dieser Halbbruder Jesu: Habt nun Geduld, Brüder, Geschwister, bis zur Ankunft des Herrn. Ja, also der Herr kommt wieder, und auf dem Weg dahin brauchen wir Geduld, wir müssen es lernen zu warten. Ja, warum? Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange.
Also Jakobus sagt: Schau mal, so ein Bauer, der sät da seinen Samen, und dann wartet er. Was soll er denn auch sonst tun? Kann er nicht jeden Tag zu seinem Feld gehen und sagen: Gut, gut, gut, gut, ja, damit das ein bisschen schneller sprießt? Das macht ja keinen Sinn. Der kann einfach nur warten, der weiß einfach: Es braucht den Frühregen, es braucht den Spätregen. Gute Frucht braucht ihre Zeit. Punkt. Da kann ich nichts dran drehen, egal wie intensiv ich mir das wünsche. Bestimmte Dinge haben einfach ihren eigenen Zeitplan.
Vers 8: Habt auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen. Jetzt wird einer sagen: Nahe? Das dauert ja schon zweitausend Jahre. Nahe ist hier in der Heilsgeschichte, es ist das nächste Ereignis, was kommt. Wir warten auf nichts anderes davor. Wie lange das dann dauert? Wie gesagt, es ist immer wieder ein bisschen Gottes Sache. Wir müssen einfach nur warten. Wir dürfen daran glauben, der Herr kommt wieder, es wird das nächste sein, was passiert, aber bis dahin heißt es warten.
Und wenn wir ins Alte Testament reinschauen, dann finden wir ein ganz tolles Wort, das heißt harren. Harren auf Gott. Harren heißt warten ohne Meckern. Das ist harren. Und es gibt einen Vers, den finde ich wunderschön: Psalm 43,5. Der hat es mir persönlich wirklich angetan. Wenn ihr euch an die Predigt über das Auswendiglernen von Bibelfersen erinnert, das wäre einer, der sich lohnt. Also in meinen Augen, ich mag den. Der hat sogar unglaublich Humor. Hört euch das an! Psalm 43,5:
Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und was stöhnst du in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen!
Warum finde ich diesen Vers so schön? Habt ihr gesehen, wer zu wem spricht? Hirn spricht zu Herz. Oder Verstand spricht zu Gefühl und sagt ihm Folgendes: Pass auf, Bauch, ich verstehe, dass du im Moment nicht gut drauf bist, Angst hast und vielleicht öfter aufs Klo musst, aber hier spricht das Großhirn: Wir laufen nicht weg, wir harren aus, wir warten auf Gott, denn eins ist sicher: Ich werde ihn noch preisen. Sprich: Wenn die ganze Sache durchgestanden ist und wir am Ende stehen und nochmal kurz zurückschauen, sagen wir: Boah, cool. Nur da sind wir noch nicht. Deswegen müssen wir auf dem Weg warten. Und Warten bedarf dieser Einstellung.
Ich mag den Vers wirklich, weil ich öfter mal in einer Situation drinstehe, wo ich entmutigt bin. Da wache ich morgens schon auf, wo ich nicht genau weiß, wie soll das werden, wo Dinge passieren, die mich überfordern. Und dann merke ich das hier so, ja, dann fällt es mir schwer, und dann brauche ich so einen Vers, dann brauche ich dieses Korrektiv. Deswegen mag ich den Vers.
Also was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Sie können auf Gott warten. Sie tun es wie ein Abraham, der hofft, wo es menschlich gesehen nichts mehr zu hoffen gibt. Sie tun es wie ein David, trotz all der menschlichen Widerstände bleiben sie einfach dran, und sie tun es im Geist eines Jakobus. Sie wissen einfach: Gute Frucht braucht ihre Zeit, um zu reifen.
Seien wir ehrlich, es ist so leicht, ein Lied zu singen wie: Meine Zeit steht in deinen Händen. Ich habe das Lied kaum gesungen, meine Zeit steht in deinen Händen, das Lied ist vorbei, dann nehme ich meine gesamte Wochenplanung wieder in meine Hände. Kennt ihr das? Eben noch dachte ich: Meine Zeit steht in Gottes Händen, und dann sage ich: Ach, wenn es um meine Wochenplanung geht, da will ich doch lieber selber mal so ein bisschen.
Wir stecken so leicht, oder wir opfern unser Leben gerne einem Götzen, nämlich dem Götzen Effizienz. Und er kann ein sehr schlimmer Tyrann sein, und zwar dann, wenn wir vergessen, dass wir nicht mehr tun können und nicht mehr tun müssen als die guten Werke, die Gott vorbereitet hat. Ich sage das gerne noch mal: Du musst nicht mehr können und nicht mehr tun als die guten Werke, die Gott vorbereitet hat. Das steht in Epheser 2,10.
Komm, den Vers lesen wir, der ist so schön, Epheser 2,10:
Denn wir sind sein Gebilde, sein Kunstwerk in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat.
Das ist deine Berufung. Und deswegen ist die Frage, Herr, oder das Gebet: Herr, was möchtest du, dass ich heute tun soll? Dieses Gebet ist womöglich wichtiger als ein prall gefüllter Terminkalender mit so vielen To-dos und Terminen, dass du morgens schon eigentlich keine Lust hast aufzustehen, weil du ganz genau weißt: Selbst wenn ich gut drauf bin, bin ich am Abend mit allem nicht durchgekommen, ich habe es doch nicht geschafft.

Der zweite Zug: Gebet als Lebensrhythmus

Und deswegen kommen wir jetzt mal zum zweiten Punkt. Der erste Punkt, der erste Charakterzug ist: Sie können auf Gott warten. Der zweite Charakterzug ist: Menschen, die Gott gebrauchen kann, beten.
 Apostelgeschichte 1,14: Die waren im Obersaal, und dann heißt es da: Diese alle verharrten einmütig im Gebet mit einigen Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. Sie beten.
Ihr merkt schon, es ist auch jetzt wieder die riesige Offenbarung, dass man sagt: Oh, das habe ich noch nie gehört in der Bibel, dass Christen beten. Aber es fällt mir halt an der Stelle auf: Gott gebraucht Beter. Das ist ganz einfach und doch irgendwie wichtig, dass man das immer wieder betont.
Je anspruchsvoller unser Leben ist und je herausfordernder der Dienst, in dem wir stehen, ich kann das zeigen am Thema Gemeindedienst. Da beschreiben nämlich in Apostelgeschichte 6,4 die Ältesten und Apostel ihren Dienst als einen Dienst, in dem sie im Gebet und im Dienst des Wortes verharren werden. Ich kann dieses Prinzip übertragen auf jeden Dienst, der anspruchsvoll ist.
Wenn du merkst, ich habe mehr Verantwortung auf meine Schultern gelegt bekommen, dann brauchst du vielleicht eine bessere Organisation. Das kann sein. Auch die Bibel sagt etwas zu guten Arbeitsmitteln, ja. Aber was du auf alle Fälle brauchst, ist mehr Gebet. Du kannst mit einer schlechteren Terminplanung leben, aber nicht mit einem schlechteren Gebetsleben. Denn was du brauchst, ist mehr Weisheit von oben in deinem Leben. Du hast mehr Punkte, die du mit Gott besprechen musst, nicht weniger. Auch wenn du vielleicht scheinbar weniger Zeit hast.
Und jetzt: Wen gebraucht Gott? Was sind das für Leute? Es sind Leute, die beten. Das sind die Leute, die Gott gebraucht. Und ich möchte mit euch jetzt keine Predigt über Gebet halten. Ich möchte euch nur eine Sache zeigen: Wenn wir die Apostelgeschichte lesen und diese ganz normalen Normalos kennenlernen, die die Welt einmal umgekrempelt haben mit ihrem Glauben, dann werden wir immer und überall sehen, dass sie beten.
Und wenn es in meinem Leben einen Bereich gibt, der angefochten ist, dann ist es das Gebet. Ich glaube, dass der Teufel alles daran setzt, um dir Gebet madig zu machen. Es zu einem Ritual werden zu lassen, das keinen Spaß macht. Wo du nicht mehr persönlich Gott begegnest. Dich dahin zu bringen, dass du keine Sehnsucht hast, mit Gott zu reden. Dich dahin zu bringen, dass selbst wichtige Gebetsanliegen, die eigentlich offenkundig auf der Hand liegen, nicht mit Gott besprochen werden. Dich dahin zu bringen, dass du es erst recht nicht schaffst, im Gebet zu einem Kämpfer zu werden oder zu einer Kämpferin. Zu jemandem, der fastet, lernt, fleht, sich da reinhängt und weiß: An dieser Stelle, im Reden mit Gott, da werden Dämonen bezwungen, da wird Zukunft geschrieben, da wird entschieden, wohin mein Leben wirklich geht. Und alles andere, was ich sonst noch tun kann, bleibt dahinter zurück.
Wenn wir aus einer ewigen geistlichen Perspektive unser Leben betrachten könnten, dann wäre alles andere weniger wichtig. Dieses Reden mit Gott ist das Schaltzentrum deines Lebens.
Und wenn du hier sitzt und sagst, ich bin eigentlich nicht der Typ, der in sich diese Leidenschaft spürt, mit Gott reden zu wollen, dann ist das, was ich dir wünsche, nicht, dass du sagst: Ich habe am Morgen eine Viertelstunde, und die ist dafür reserviert, und ich mache dann irgendwann einen Haken in meinem Leben. Wenn du das hast, dann würde ich sagen: Achtung, bist du sicher, dass du eine Beziehung zu Gott hast, oder bist du nur jemand, der eine Beziehung zu einem Ritual hat?
Ich wünsche dir, dass, wenn du an einem Tag so viel zu tun hast, dass du nicht dazu kommst, genügend mit Gott zu reden, du lieber auf Schlaf verzichtest, so wie der Herr Jesus, und sagst: Boah, ich kann jetzt nicht anders, aber ich habe so eine tiefe innere Sehnsucht, so eine tiefe Not, mit Gott noch zu reden. Ich muss es jetzt einfach tun, selbst wenn ich weniger Schlaf habe. Markus 1,35, für die, die dies nachlesen wollen.
Das ist die Beziehung, die die Apostel haben. Eine Beziehung, die sich überall zeigt. Die Apostelgeschichte präsentiert eine betende Gemeinde. Wir werden das schon in der nächsten Predigt sehen. Da geht es um die Frage: Wer wird Nachfolger von Judas? Und was machen sie? Sie beten. Und dann kommt Pfingsten, und Lukas beschreibt: Was sind die Kennzeichen einer funktionierenden Gemeinde? Da steht: Gebet. Was tut Stephanus, wenn er gesteinigt wird? Er betet. Was tun die Apostel in Samarien, da klappt das nicht so mit dem Heiligen Geist, irgendwie will das nicht überspringen? Was machen sie, damit es dann doch klappt? Na, sie beten. Was tut Paulus nach seiner Bekehrung? Na, er betet. Wenn Petrus die Tabea zum Leben auferwecken will, was macht er? Na, er betet.
Merkt ihr was? Es ist eigentlich immer dieselbe Antwort. Du schaust irgendwo rein, wo richtig was passiert in der Apostelgeschichte, und du findest irgendwie Gebet. Was kennzeichnet den ersten Heiden, der sich bekehrt? Na ja, da steht dann, dass er alle Zeit zu Gott betete. Was tut die Gemeinde, wenn Petrus verhaftet wird, ganz automatisch? Sie beten, treffen sich zum Gebet. Wie sendet man Missionare aus? Na, man betet. Wie setzt man Älteste und Diakone ein? Man betet. Was macht man, wenn man in Philippi in dem Hochsicherheitstrakt sitzt? Man betet. Wie verabschiedet man sich von seinen besten Freunden? Man betet.
Und das waren jetzt nur Beispiele aus der Apostelgeschichte. Hallo, noch irgendjemand eine Frage, dass das Gebet irgendwo zum Leben der ersten Jünger nicht dazugehört hätte, so als Add-on, wenn ich heute Abend vorm Schlafengehen noch drei Minuten Zeit habe, bevor mir irgendwo die Müdigkeit das Licht ausknipst, dann kann ich ja nochmal schnell das Vaterunser durchbeten. Das ist nicht so. Die haben einen ganz anderen Bezug dazu.
Und deswegen: Was charakterisiert Menschen, die Gott gebraucht? Auf der einen Seite können sie auf Gott warten, und auf der anderen Seite gebraucht Gott Betende. Ich höre das selber nicht so furchtbar gern, das gebe ich euch zu, aber es ist die Wahrheit. Gott kann mehr mit denen anfangen, die viel beten und ihn immer wieder fragen: Herr, was ist jetzt dran?, als mit denen, die wenig beten und sich dafür einen tollen Plan zurechtlegen, wie sie ihr Leben für Gott leben wollen.
Den Satz wiederhole ich: Gott kann mehr mit denen anfangen, die viel beten und ihn immer wieder fragen: Herr, was ist jetzt dran?, als mit denen, die wenig beten, sich dafür aber einen tollen Plan zurechtlegen, wie sie ihr Leben für Gott leben wollen.
Versteht mich nicht falsch, ich bin für Planung, für Organisation, für Termine. Und nicht nur, weil ich Deutscher bin. Ich will in meinem Leben etwas schaffen. Es macht mir Spaß, ich bin so ein Typ. Aber geistliches Leben funktioniert nicht, wenn du die fünf Schritte zum perfekten Karriereplan nimmst und einfach auf dein Leben mit Gott überträgst. Das funktioniert nicht. Dies ist Gott. Und deswegen hat Gott das Recht, uns warten zu lassen, wenn er das will, weil er weiß, wann die Zeit passt. Und ich muss nicht mehr tun, als ihm restlos vertrauen. Dann ist alles gut.
Und während ich das tue, falte ich meine Hände und bete, bespreche mit ihm meine Ideen und meine Wünsche, meine Ängste, rede mit ihm über die Menschen und über die Projekte, die mir wichtig sind, über Gemeinde und Missionare. Ich nehme mir Zeit, meine Sünden zu bekennen, über mich selber nachzudenken und dann Gott leidenschaftlich anzubeten.
Und wenn du jetzt denkst: Boah, muss ich das tun? Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen: Nein, du darfst. Wenn du sagst, ich bin Kind Gottes, dann heißt das, du darfst in allen Lebenslagen mit deinem Vater im Himmel reden. Das ist keine Pflicht.
Sorry, meine kleine Tochter ist gerade dabei, herauszufinden, wie es nach dem Studium weitergeht. Und ich kriege in regelmäßigen Abständen E-Mails, wo sie gerade am Denken ist. Muss sie das tun? Nee. Ist es klug, es zu tun? Ja, logisch, oder? Ich meine, ich bin ein Tick älter, habe ein Tick mehr Lebenserfahrung, kenne sie ziemlich gut, kenne auch die Szene, sie studiert Theologie, so ein bisschen, was da so geht und nicht geht. Es ist klug, mir immer wieder zu schreiben: Schau mal, darüber denke ich gerade nach, was denkst du? Und dann schreibe ich wieder zurück, und so entwickelt sich etwas.
Es ist völlig normal. Es wäre völlig unnormal, wenn meine Tochter im Juni nach Hause kommt und sagt: Ich habe jetzt meinen Bachelor hier, so geht es weiter, ich wollte das nie mit dir besprechen.
Und wir dürfen das. Wir dürfen mit Gott reden. Wir dürfen ihn um unser tägliches Brot bitten. Wir dürfen ihn um Ideen bitten für unseren Umgang mit den Arbeitskollegen. Wir dürfen ihn sogar um Predigtstrukturen bitten.
Diese Idee, darüber zu reden, Charakterzüge von Menschen, die Gott gebrauchen kann – wollt ihr wissen, wie sowas entsteht? Ganz simpel: Ich laufe spätenderweise durch den Spandauer Forst und denke mir: Gott, was mache ich mit dem nächsten Text in Apostelgeschichte? Und habe ihn so vor Augen und denke mir: Gott, was könnte man daraus machen? Und plötzlich, und ich kann dir nicht sagen, woher es kommt, macht es einfach nur schnipp, und vor meinem Auge stehen fünf Charakterzüge von Menschen, die Gott gebrauchen kann. Die sich zwanglos aus dem Text heraus ergeben. Und ich denke mir: Boah, ja, das machen wir.
Und damit, ich meine, ich muss die Predigt noch schreiben, aber ihr wisst ja, der kreative Punkt dahinter ist, eine Idee zu finden, wo will ich hin. Die Predigt dann selber ist vergleichsweise schnell gemacht. Der Text ist ja da, und reden kann ich auch. Aber so diese Idee, wo willst du hin, man einfach klick. Es ist nicht dieses: Boah, ich muss mich ausbrüten, sondern man betet und sagt: Gott. Und Gott hat mir so viele Ideen schon geschenkt, und das ist einfach so schön, in so einer Beziehung zu leben.
Deswegen möchte ich euch an dieser Stelle Mut machen.

Schluss: Das Vorbild der ersten Gemeinde

Also, mit der Apostelgeschichte machen wir Schluss. Die Apostelgeschichte zeigt mir ganz normale Menschen, die eine absolut verrückte Aufgabe anvertraut bekommen und sie meistern.
Und ich schaue sie mir an und merke: Sie sind mir in zwei Punkten ein echtes Vorbild. Erstens: Sie haben kein Problem, auf Gott zu warten. Und zweitens: Sie nutzen die Zeit zum Beten.
Mein Wunsch wäre, dass wir, ich schließe mich da mit ein, einfach darüber nachdenken: Sind das Dinge, die auch uns guttun würden, ganz neu zu praktizieren?
Du hast mich gebeten, dass ich zum Schluss beten soll. Das mache ich jetzt. Ihr dürft dazu aufstehen.
Vater im Himmel, du kennst unsere Herzen. Du weißt, wenn wir ehrlich sind, dass Warten wahrscheinlich keinem leichtfällt und Beten angefochten ist. Und dass oft genug unser Leben zu viel will und wir vielleicht zu selten danach fragen, ob das, was wir wollen, ob wir das brauchen, ob das überhaupt das ist, was du möchtest. Und wir uns vielleicht zu viel aufladen und uns zu sehr unter Druck setzen.
Herr, ich möchte dich darum bitten, dass du jeden Einzelnen hier ansprichst und ihn zu einem Menschen, zu einem Jünger Jesu machst, der warten kann. Der so viel Vertrauen in seinem Herzen auf dich hat, dass er einfach sagen kann: Du machst es gut.
Und dass die Unruhe aus unseren Herzen weggenommen wird, wenn Dinge länger dauern, wenn vielleicht die Umstände auch schwieriger werden. Und dass du auf der anderen Seite uns lehrst, gerade in Zeiten des Wartens nicht zu murren und zu meckern und uns aus der Gemeinschaft mit den Geschwistern rauszuziehen oder aus dem Gebet rauszuziehen, sondern unsere Hände zu falten, dass wir wartende und betende sind.
Und auf die Weise den Grundstein dafür legen, dass du unser Leben so gebrauchen kannst, wie du es für uns vorgesehen hast.
Darum bitten wir dich. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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