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:Hölle: Wie kommt ein Mensch eigentlich in die Hölle?

Matthäus 5,29-30
Matthäus 5,29-5,2926.01.2003
Serie•Teil 23 / 37Matthäus-Evangelium
Wie kommt ein Mensch eigentlich in die Hölle? Diese provokante Frage führt zu einem tiefen Nachdenken über Sünde und deren Konsequenzen. Oft ignorieren wir, wie ernst unser Umgang mit Sünde ist und schieben Verantwortung beiseite. Doch wenn es um die Ewigkeit geht, gibt es klare Warnungen durch Jesus, der die Hölle als Ort ewiger Trennung von Gott beschreibt. Tragisch wird es, wenn wir nach dem Tod feststellen, dass wir Gott nie wirklich in unser Herz gelassen haben. Kommst du mit diesem Thema ins Grübeln?

Ein unerwartetes Gespräch im Alltag

Stellt euch folgende Situation vor: U-Bahn, Berlin-Spandau, Richtung Altrudo. Wer sitzt da? Eine von unseren Schwestern, frisch bekehrt, total begeistert, hat ihre große Bibel aufgeschlagen, so eine mit einem besonders prächtigen, auffälligen Einband. Wie sehr jetzt modern sind, liest sie darin.
Ihr gegenüber sitzt so ein typischer Intellektueller mit Nickelbrille. Er schaut immer so ein bisschen abfällig zu ihr rüber, schaut dann wieder weg, schaut wieder rüber, wird leicht irritiert. Und nach einer Weile kann er sich nicht mehr auf seinem Sitz halten, steht auf, geht rüber, setzt sich neben sie und fragt, immer noch mit so einem leicht abfälligen Ton: Glauben Sie das, was Sie da lesen?
Und unsere junge Schwester dreht sich hin, schaut ihm in die Augen und sagt: Ja.
Auch das mit Jona und dem Wal? Ja.
Und wie soll das gegangen sein, drei Tage im Bauch eines Fisches?
Ich weiß es nicht. Aber wenn ich im Himmel bin, dann kann ich ja Jona fragen.
Und wenn Jona gar nicht im Himmel ist?
Na ja, also wenn Jona nicht im Himmel ist, dann nehme ich an, dass Sie ihn für mich gerade wissen.
Der Titel meiner Predigt heute Morgen heißt: Highway to Hell oder Untertitel: Wie kommt ein Mensch eigentlich in die Hölle?
C. S. Lewis, einer der herausragenden apologetischen christlichen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts, sagt: Der sicherste Weg, in die Hölle zu kommen, ist der allmähliche. Der mit einem sanften Gefälle, weichem Untergrund, ohne scharfe Kurven, ohne Meilensteine und ohne Wegweiser. Der sicherste Weg in die Hölle ist der allmähliche, der Weg, den man geht, ohne zu merken, wohin er letztlich führt.
Ich weiß nicht genau, wer heute Morgen hier sitzt und mehr oder weniger beruhigt auf diesem Weg geht. Vielleicht sollte ich auch sagen: noch auf diesem Weg geht. Aber ich vermute eine Sache, mit der wir starten: dass nämlich alle Menschen, die auf diesem Weg sind, an einer Stelle in ihrem Leben einen bestimmten Fehler machen, der dazu beiträgt, dass sie überhaupt auf diesem Weg bleiben.
Diesen Fehler wollen wir uns heute Morgen anschauen, denn er ist genau der Punkt, an dem meine Reihe über die Bergpredigt weitergeht: Matthäus 5, die Verse 29 und 30. Matthäus 5, die Verse 29 und 30.

Der radikale Ernst im Umgang mit Sünde

Ihr erinnert euch daran: Das letzte Mal haben wir über das Thema Ehebruch gesprochen. Wir haben gesagt, Ehebruch fängt an einer Stelle an, wo wir es gar nicht vermuten würden, nicht da, wo man die Tür zum Schlafzimmer aufmacht und sich darüber unterhält, welche Form von Verhütung man wählt. Sondern es fängt an der Stelle an, wo man hinschaut, begehrt, träumt.
Und wenn man sich mit Leuten unterhält, die in solcher Sünde drinstecken, dann bekommt man sehr häufig eine, ich möchte es fast sagen, typische Ausrede, eine typische Ausrede für Sünde im Allgemeinen. Und diese typische Ausrede lautet: „Ich kann nicht anders“ oder „Ich bin halt so“ oder „Das liegt so in mir drin, und wenn es mich überkommt, dann muss ich das einfach tun.“
Und wenn du diese Haltung kennst oder wenn du Leute kennst, die diese Haltung haben, dann schau dir die zwei Verse an, die wir heute gemeinsam betrachten wollen. Denn diese Haltung erteilt Jesus ganz unmissverständlich eine endgültige Absage, wenn er in Matthäus 5,29-30 sagt:
Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

Was Jesus mit seinen Bildern wirklich meint

Wovon spricht Jesus hier? Ich will zuerst sagen, wovon er nicht spricht. Er spricht nicht von Selbstverstümmelung. Er sagt nicht: Hier ist eine Nadel. Wer Probleme mit den Augen hat, der trete nach vorne. Eins, zwei, drei, vier, und das machen wir zwei Sonntage, und dann sind hier alle blind.
Warum meint er das nicht? Oder woher wissen wir, dass er hier, wenn er so etwas sagt, nicht wörtlich meint: Wally, tritt nach vorne. Er hatte schon mal Probleme mit dem Sehen, ja, ach, du kennst das ja, noch einmal Probleme gehabt. Warum meint er das nicht? Oder woher wissen wir das?
Wir wissen das daher, weil wir über das Thema Sünde ja schon ein wenig nachgedacht haben. Weil wir schon wissen, wo Sünde anfängt. Sie fängt ja gar nicht erst an mit: Mein Auge ist auf, und ich schaue hin. Wo fängt Sünde an? Wir haben gesagt: Im Herzen fängt Sünde an. Und selbst wenn ich jemandem die Augen ausstechen würde, wenn jemand auf diesen absurden Gedanken käme, das würde das Problem lösen, würde es an deinem Herzen gar nichts ändern.
Aber was Jesus hier tut, ist: Er verwendet eine Übertreibung, ein besonders scharfes Bild. Er sagt: Ich nehme mal die zwei Dinge im Leben eines Menschen, die quasi wertvoller sind als fast alles andere. Nehmen wir das rechte Auge. Und das rechte Auge war für die Leute in der damaligen Zeit besonders wertvoll, weil ihr euch vorstellen müsst: Ein Krieger trug damals links ein Schild. Und nur mit dem rechten Auge konnte er an diesem Schild vorbeisehen. Ein Mann ohne rechtes Auge war nutzlos für den Krieg, nutzlos für die Verteidigung seines Landes. Er war einfach ein Krüppel, ein Mann zweiter Wahl.
Und die rechte Hand, das liegt uns näher. Das ist so, weil die meisten Menschen Rechtshänder sind. Stell dir vor, du würdest sie verlieren. Was für eine Einschränkung das für dein Leben wäre.
Und Jesus verwendet jetzt diese beiden extrem starken Bilder, um eines deutlich zu machen, um ein Prinzip zu verdeutlichen. Ich sage das Prinzip mit meinen eigenen Worten: Tu, was nötig ist, um Sünde in deinem Leben in den Griff zu bekommen. Tu, was nötig ist, um Sünde in deinem Leben in den Griff zu bekommen.
Und das Bild ist bewusst auch ein bisschen schärfer. Jesus möchte sagen: Sei dabei ruhig ein bisschen radikal. Es ist nicht verkehrt, Dinge, die dich zur Sünde verleiten, wegzuschmeißen. Es ist nicht verkehrt, Kontakte abzubrechen. Es ist nicht verkehrt, jede Gewohnheit zu ändern, wenn uns das im Kampf gegen die Sünden in unserem Leben hilft.

Praktische Konsequenzen und die Grenze bloßer Selbsthilfe

Ich erinnere mich an mein Leben. Als junger Christ stellte ich fest, dass mein großes Problem der Fernseher war. Ich kam nach Hause, machte ihn sofort an, und das Ding ging oft erst spät nachts wieder aus. Ich habe mir dabei so viel Schuld angeschaut. Und irgendwann kotzt dich ja dein eigenes Leben an. Irgendwann denkst du dir: Ich mag nicht mehr so weiterleben.
Ich weiß noch wie heute, wie ich dann, das war nur so ein kleiner Schwarz-Weiß-Fernseher, zu der Strippe hinten an dem Gerät ging, den Stecker nahm und dann zog. Dann merkte ich, wie schwach ich bin. Aber dann habe ich noch ein bisschen kräftiger gezogen, und dann hatte ich den Stecker in der Hand und das Kabel auch. Damit war mein Problem gelöst.
Jetzt möchte einer sagen: Das ist wirklich radikal. Aber an manchen Stellen muss man Dinge tun, die mir einfach dabei helfen, Sünde aus meinem Leben ganz praktisch rauszuschmeißen. Und dazu möchte Jesus ermutigen.
Gene Gibson erzählt, wenn er Schuldenberatung hat, ist eines der ersten Dinge, die er macht, zu fragen: Hast du eine Kreditkarte? Ja? Dann zeig mal her. Und dann sagt er: Du machst Schulden, ja? Ja, wenn ich die Kreditkarte verwende, richtig? Ja, ja. Wenn ich die Kreditkarte dabei habe, dann sehe ich ja nicht, wie wenig Geld ich habe. Ah, schön, schau mal, hier ist eine Schere, schneid sie durch. Wie, ich soll meine Kreditkarte durchschneiden? Ja, schneid sie durch.
Wenn dein Problem darin besteht, dass du Geld ausgibst, das du nicht hast, weil dir diese kleine Karte suggeriert, du hättest noch etwas, dann gehst du zur Schere und schneidest sie durch. Und Gene wäre nicht bereit, mit jemandem Schuldenberatung auch nur noch eine Minute länger zu machen, wenn er nicht bereit ist, an dieser Stelle sein Problem anzupacken.
Und ich finde das richtig. Wenn wir bereit sind, Sünde ernst zu nehmen, dann sind wir auch bereit, die radikalen Schnitte in unserem Leben zu tun, von denen wir schon lange wissen, dass sie eigentlich dran sind.
Oder um ein Bild zu gebrauchen, das wir als Gemeinde jetzt in den letzten Wochen plastischer vor Augen haben: Sünde ist wie Krebs. Und wenn jemand Krebs hat, dann verwenden wir radikale Methoden. Das ist eigentlich keine Medizin, die man da verwendet. Man bestrahlt das Gewebe, bis es tot ist. Man traktiert den Körper mit Giftstoffen, bis man auch die letzte Zelle vergiftet hat, die zum Krebs gehört. Man macht womöglich eine OP und schneidet das einfach raus.
Und jetzt stell dir vor, du hättest Krebs, und du gehst zum Arzt. Und der Arzt sagt dir: Ach, das ist gar nicht so schlimm mit dem Krebs, weißt du, da musst du ein paar Vitamintabletten schlucken, und dann müssen wir so heile, heile Gänschen machen, dann geht es schon wieder weg. Dann wirst du sagen: Halt, ich habe Krebs. Ja, ich weiß, was ich habe. Das ist gefährlich. Ich möchte nicht daran sterben.
Auch ein bisschen heile, heile Gänschen machen reicht schon? Nein, das reicht nicht. Ich möchte entweder eine OP, eine Bestrahlung und eine Chemotherapie. Ich möchte gesund werden. Auch ein bisschen heile, heile Gänschen ist schon okay? Wir merken dann: Das ist überhaupt nicht in Ordnung.
Aber viele Christen leben so, als würde man im Umgang mit Sünde einfach ein bisschen heile, heile Gänschen machen. Es wird schon irgendwann, man muss es nicht so ernst nehmen. Heute ein bisschen dran rumfuddeln, morgen ein bisschen und übermorgen vergessen. Dann wird es aber übermorgen wieder ein bisschen. Irgendwie wird die Sünde schon weggehen aus meinem Leben.
Und was Jesus hier sagt und mit diesem Beispiel deutlich macht, ist: Sünde wird dein Leben nicht verlassen, und du wirst Sünde in deinem Leben nicht in den Griff kriegen, wenn du nicht bereit bist, an der einen oder anderen Stelle radikal gegen Sünde vorzugehen. Alles andere ist Illusion, ist Traum, ist nicht Wirklichkeit.

Die tiefere Umkehr, die hinter allen äußeren Schritten steht

Jetzt muss ich, wenn ich so etwas sage, einen Einschub machen. Ich muss sagen, ich habe Sorge, dass mich jemand falsch versteht. Ich weiß natürlich, dass diese Äußerlichkeiten, von denen ich jetzt hier rede, niemanden in den Himmel bringen werden. Ein äußerlich gutes Leben mit durchgeschnittenen Fernsehkabeln und solchen Sachen, ja, und das ist nicht das, was Gott zuerst in unserem Leben sehen möchte.
Das, was Gott zuerst sehen möchte, das, was ein Mensch überhaupt braucht, ist das, was wir am Anfang der Bergpredigt gesehen haben. Er braucht eine echte Umkehr zu Gott. Und diese echte Umkehr geschieht nicht auf der Ebene Fernseher, Kreditkarten, Computerspiele und was weiß ich, was ihr jetzt im Kopf habt. Sie findet auf einer viel tieferen Ebene im Herzen statt. Da wird zu Gott umgekehrt.
Nur wenn ich diese Umkehr im Herzen vollzogen habe, wenn ich sage: Ich will mit Gott leben, dann bin ich einer, der nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, der so sein will wie Gott, der an keiner Stelle ein Stückchen von diesem Weg abweichen will. Und dann bin ich im Allgemeinen auch bereit, gegen das, was mich von Gott trennt, radikal vorzugehen. Dann habe ich auch begriffen, dass es besser ist, kleine Einbußen in Kauf zu nehmen, als am Ende unwillentlich den allergrößten Verlust zu erdulden, den es überhaupt nur in diesem Universum gibt.

Warum die Frage nach der Hölle nicht nur Theorie ist

Ich muss zugeben, bei diesem Thema kommt jetzt ein bisschen meine Egalhaltung durch. Ich habe mir gedacht: Wie tief gehe ich jetzt in die Theologie hinein?
Und ich möchte euch sagen: Mir ist völlig egal, ob du heute Morgen glaubst, dass Gläubige in die Hölle kommen können, oder ob du davon ausgehst, dass das ein Schicksal ist, das allein den Ungläubigen vorbehalten ist. Ich möchte heute Morgen uns Konsequenzen vor Augen halten, ernste Konsequenzen vor Augen malen, die im Leben eines Menschen eintreten können. Wo der Herr Jesus das auch sagt, der lax mit Sünde umgeht.
Denn eines ist für mich klar: Wenn jemand von uns hier den Himmel verfehlt, wenn er, wie der alte Prophet Daniel das sagt, aufersteht zur ewigen Abscheu, wenn er vor Gott im Gericht steht und Gott sagt: Weg mit dir, und wenn er hinabgerissen wird in den Schlund der Hölle, dann nützt es dir überhaupt nichts, ob du sagst: Ja, aber Jürgen hat doch gesagt oder Walli hat doch gepredigt, und ich dachte immer, es ist dann völlig egal.
In unserem persönlichen Leben stehen wir allein vor Gott. Und so ein Thema wie das, was wir heute Morgen haben, Umgang mit Sünde, kann nie für einen anderen entschieden werden: Ja, der hat doch gesagt, und der macht doch auch ... sondern es ist immer eine ganz, ganz persönliche Sache. Wo wir vor unserem Schöpfer stehen und wo wir überlegen müssen: Meint er mich?
Und seid vorsichtig, dass ihr nicht solche Bibelstellen beiseiteschiebt, die gelten mir sowieso nicht. Lasst sie doch bitte in der Schärfe stehen, wie sie da sind, und lasst uns ermutigen, uns einfach gegenseitig dazu zu ermutigen, mit Sünde wirklich radikal umzugehen. Denn es ist besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

Das Bild der Hölle als Ort des Gerichts

Hölle ist zunächst einmal die Übersetzung für ein griechisches Wort, nämlich für Gehenna. Gehenna selbst stammt von Hinnom, der Bezeichnung für ein Tal, also ein Tal zwischen zwei Bergen, das südwestlich von Jerusalem liegt.
Mit diesem Tal hat es eine besondere Bewandtnis. Dort hatte zur Zeit des Alten Testaments König Ahas, ein sehr böser König, fremden Göttern Rauchopfer gebracht, hatte Altäre aufstellen lassen und hat, um das Furchtbare seines Götzendienstes vollzumachen, seine eigenen Söhne als Opfer leibhaftig verbrannt.
Ungefähr hundert Jahre später kommt es in Israel zu einer Reform. König Josia kommt an die Macht, und natürlich ist eines der ersten Dinge, die er tut, dass er diese ekligen Altäre wegreißt. Er verbietet diese Art von Opfer und verwandelt das Tal, wir würden heute sagen, in eine Sondermülldeponie, also in eine Müllkippe. Dort wurde der Müll des ganzen Landes, vor allem der Hauptstadt Jerusalem, hingebracht.
Diese Funktion als Müllkippe hatte das Tal Ben Hinnom, von dem das Wort Gehenna und wir das Wort Hölle haben, auch noch zur Zeit des Neuen Testaments. Es war ein Ort, den normale Leute mieden, weil dort fortwährend Abfall verbrannt wurde. Über dem Tal, das kann man sich ein wenig vorstellen, lagen Rauchschwaden und ein ganz übler Gestank. Und wohin man auch schaute, sah man Dinge, die gerade verrotteten.
Wenn du dieses Bild im Kopf hast, wenn Jesus sagt: dessen Wurm nicht stirbt und dessen Feuer nicht ausgeht, dann ist das wie eine glimmende, schwelende Mülldeponie. Du gräbst da ein bisschen an, siehst die weißen Maden, so wie aus der Biomülltonne im Sommer, und überall glimmt es, und es stinkt fürchterlich.
Es ist klar: So ein Ort, vor dem die Eltern sagen, da gehst du nicht hin, und zu dem die kleinen Jungen natürlich trotzdem am liebsten einmal hingehen und schauen wollen, was Sache ist, bekommt schnell eine bildliche Bedeutung. Er wird zum Bild für den Ort, der Ort der ewigen Strafe ist, für die Hölle.

Warum die Hölle für den Glauben eine Rolle spielt

Für viele Christen spielt die Hölle in ihrem Glaubensleben keine Rolle. Ein Großteil wird gar nicht an sie glauben, und andere denken selten über sie nach. Ich fand es interessant, noch ein Zitat von C. S. Lewis bei ihm zu finden, in dem er sagt, er hätte nie eine Person getroffen, die einen lebendigen Glauben an den Himmel hat und nicht gleichzeitig eine wenigstens ebenso lebendige Vorstellung von der Hölle.
Ich muss sagen, der Satz hat mich ermutigt, die Predigt heute Morgen zu halten, weil ich dachte: Ja, das stimmt. Wenn ich weiß, wie der Ort aussieht, wo Menschen hinkommen, die keinen Retter, die keine Hoffnung haben, dann hilft es mir tatsächlich, ein Stückchen froher zu sein über das, wo ich hinkomme. Und es hilft mir, ein Stückchen begeisterter zu sein von meinem Herrn, der mich genau dazu bestimmt hat, an den Ort zu kommen, wo er einmal in Ewigkeit in Herrlichkeit und Majestät regieren wird und wo wir in Gemeinschaft leben können.
Es war relativ schwer für mich, mir zu überlegen, welche Aspekte dieses Riesenthemas Hölle ich denn heute Morgen bringe, weil es so viel dazu zu sagen gibt. Je tiefer man einsteigt, umso spannender wird das Thema. Ich möchte es eigentlich fast jedem Hauskreis empfehlen, dazu ein bisschen Literatur zu lesen und darüber nachzudenken.
Ich habe mich dann auf einen kleinen Ausschnitt durchgerungen, den ich heute Morgen bringen möchte. Ich möchte heute Morgen zu dem Thema Hölle nur sagen, warum ich an die Hölle glaube. Und ich habe drei Gründe herausgearbeitet, die mich persönlich bewegen, zu sagen: Ja, ich glaube wirklich an die Hölle.
Ich glaube nicht an die Hölle, wie sie auf irgendwelchen mittelalterlichen Gemälden dargestellt ist. Ja, ich glaube auch nicht an das, was in manchen modernen Filmen zum Thema Hölle gesagt wird. Aber an die Hölle als einen Ort, wo Menschen in Ewigkeit bestraft ihre Existenz fristen müssen, da glaube ich. Und ich gebe euch jetzt drei Gründe, warum ich daran glaube.

Die biblische Grundlage und das Gericht des Messias

Der erste Grund ist der: Jesus beziehungsweise die Bibel sagt, dass es die Hölle gibt. Soweit ich sehen kann, redet Jesus mehr über die Hölle als über den Himmel. Und der, der auf diese Erde gekommen ist, um für unsere Sünde zu sterben, der kam, weil er ganz genau wusste, dass jeder, der nicht an ihn glaubt, nicht irgendwie, sondern ganz real, so real, wie es nur irgend geht, ganz real verloren geht.
Sollte es wirklich keine Hölle geben, wäre Jesus ein Lügner, und er wäre natürlich nicht der Retter der Welt. Es gäbe überhaupt nichts zu retten, wenn wir wüssten, dass es kein Feuer gibt. Na, dann lasst uns da drüben diese Feuerwehrstation dicht machen, denn wenn es kein Feuer gibt, dann brauche ich keine Feuerwehr.
Und wenn es wirklich keine Hölle gibt, keine ewige Verlorenheit, keinen Ort, wo Menschen ewiglich ausgeschlossen sind von jeder Schönheit und Freude, wenn es diesen Ort nicht gibt, dann können wir auch getrost die Gemeinde dicht machen. Denn wir sind auf dieser Erde geblieben, um eine Botschaft in diese Welt hinauszuschreien, mit unserem Leben, mit unseren Predigten, mit der Art, wie wir mit Geld und Zeit umgehen. Wir sind dazu da, eine einzige Botschaft in diese Welt hinein zu hämmern, und die heißt: Lass dich versöhnen mit Gott.
Und diese Botschaft ist deshalb real, weil wir daran glauben, dass der, der sich nicht versöhnen lässt, tatsächlich ganz real verloren geht.
Lesen wir das Matthäusevangelium, dann finden wir zuerst Johannes den Täufer, der im Blick auf den Messias etwas über die Hölle sagt. Und wir wollen mit der Stelle beginnen: Matthäus 3,11-12.
 Matthäus 3,11-12: Johannes der Täufer kontrastiert, stellt also gegenüber, zwei Dinge: sein eigenes Werk und das, was der Messias, was der Retter der Welt tun wird. Und Johannes der Täufer macht sehr deutlich: Der Messias, und nennen wir ihn ruhig beim Namen Jesus, wird nicht nur als der Retter, sondern auch als der Richter kommen.
 Matthäus 3,11: Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt, ist stärker als ich. Dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin, er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen. Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Zwei Bilder für Entscheidung und Ausschluss

Johannes der Täufer sagt, dass der Messias, wenn er kommt, zwei Arten von Taufe bringt. Jetzt müsst ihr verstehen: Taufe heißt erst einmal, dass ich, wenn ich jemanden ins Wasser tauche, von allen Seiten von etwas umhüllt bin. Das ist die Idee von Taufe. Ich bin von allen Seiten umhüllt. Es ist das, was mich ausmacht, was mich umgibt.
Und Johannes der Täufer sagt, Menschen werden sich entscheiden müssen zwischen der Taufe im Heiligen Geist und der Taufe mit Feuer. Damit wir das Bild der Taufe mit Feuer richtig verstehen, erklärt er es den Leuten. Man sagt: Stellt euch eine Tenne vor, meist ein ebener Platz oben auf einem Hügel, wo der Wind drüber pfeift. Dort brachte man das Getreide hin. Dann schlug man mit einem Stecken darauf oder ließ arme Ochsen außen herum laufen. Auf alle Fälle schlug man auf die Getreidekörner ein, bis sich das eigentliche Korn, das man haben wollte, von den Spelzen, von der Spreu, trennte.
Ich hatte also einen riesigen Platz, und da in der Mitte so einen Wust, ja, Spelzen, Spreu, Körner. Und jetzt muss ich die voneinander trennen. Wisst ihr, wie man das macht? Man wirft sie hoch, genau, eine Windsichtung. Also du hast deine Worfschaufel, das ist der Name, ja. Du gehst da rein und schmeißt es hoch, und dann kommt der Wind, und die Spreu verweht in Windrichtung, setzt sich dann da irgendwie zu einem eigenen Häufchen ab. Und die schweren Körner machen einfach plupp. Und das machst du noch mal: hochschmeißen, die Spreu verweht, und die schweren Körner plupp. Und am Ende, wenn ich das lang genug mache, dann ist auf meiner Tenne alles voll gutem Korn. Und an einem entfernteren Ort habe ich ein Häufchen Spreu.
Und was macht man damit? Na ja, das eine kommt in meine Scheune, und das andere verbrenne ich. Wie bei der Kartoffelernte, da kennt man das auch: Da scharrt man alles auf einen Haufen, und dann verbrennt man das. Was will man sonst mit dem Zeug anfangen? Man kann das ja nicht jedes Jahr speichern, damit es da rumliegt und vergammelt.
An der Stelle, wo es um Verbrennen geht, entwickelt sich das Bild in einer Weise, die ungewöhnlich ist. Denn Johannes der Täufer sagt jetzt nicht: Na ja, man verbrennt, bis es halt verbrannt ist. Sondern er sagt: Die Spreu aber wird mit unauslöschlichem Feuer verbrannt. Wir merken: Er geht über das eigentliche Bild der Tenne und der Ernte hinaus. Er sieht etwas anderes. Er sieht ein anderes Feuer, das brennt. Es ist das Feuer des Gerichts.
Das, was mit dem Messias auf diese Erde kommt, ist eine Entscheidung zwischen der Taufe mit dem Heiligen Geist und der Taufe mit Feuer. Entweder bekehre ich mich zu ihm und ich lebe mit ihm, oder ich gerate in die Taufe mit Feuer. Ein unauslöschliches Feuer, das Feuer des Gerichts.
Wenn die Bibel Feuer als Bild für Gericht gebraucht, dann speichert das mal ab. Denn es wird euch davor bewahren, wenn ihr Begriffe lest wie Feuersee, an einen wirklichen See zu denken, wo irgendwelche Flammen drin lodern. Das ist ein Bild. Denkt von mir aus daran, wenn es euch hilft. Aber habt im Hinterkopf, was eigentlich gemeint ist: Gericht in einem Maß, wie du es dir nicht vorstellen kannst. Und wie du in einen See hineingeworfen wirst und erst einmal untergehst, so wirst du in diesen See hineingeworfen, und du gehst unter im Gericht. Und Gericht ist das, was dich von allen Seiten umgibt. Es ist so groß, dass du nicht mehr herauskommst.
Derselbe Jesus, der mit so viel Mitgefühl gesagt hat: „Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen, all ihr Beladenen“, ist derselbe Jesus, der ganz unmissverständlich über ein ewiges Feuer spricht, Matthäus 18, über ewige Pein spricht, Matthäus 25, und das seinen Zuhörern persönlich mitgibt. Damit arbeitet er auch einen zweiten Charakterpunkt der Hölle heraus.

Finsternis, Verlust und die Realität des Ausschlusses

 Matthäus 8, Entekos Leser wissen mehr. Matthäus 8,11-12
Hier warnt Jesus seine Zuhörer davor, einen Fehler zu begehen. Er sagt seinen jüdischen Mitgenossen, dass, wenn ihr nicht Glauben habt, Glauben habt wie dieser Hauptmann, dieser heidnische Hauptmann, dann werdet ihr genau das Schicksal erleiden, von dem ihr denkt, dass es nur Heiden erleiden werden: Ihr werdet in die Hölle kommen.
 Matthäus 8,11: Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden im Reich der Himmel. Aber die Söhne des Reiches, das heißt diejenigen, die eigentlich dazu bestimmt waren, dieses Reich zu bekommen, werden hinausgeworfen in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
Hier steht jetzt nicht im Vordergrund das Feuer, das heißt, der Aspekt des Gerichts wird hier so beschrieben, dass die Hölle als äußerste Finsternis dargestellt wird. Und Finsternis ist an dieser Stelle ein Bild für die Abwesenheit von Licht. Es ist der Ort, wo es kein Licht mehr gibt.
Und wir wissen, dass in der Bibel Licht mit Gott gleichgesetzt wird. Gott ist der, der in die Welt gekommen ist, um jedem Menschen etwas zu erleuchten. Und es scheint so zu sein, dass jeder Mensch von Gott ein Stück Licht bekommt in seinem Leben, ein Stück Erkenntnis, Einsicht und Durchblick hat, um eine moralische Entscheidung zu treffen, für oder gegen Gott.
Und wenn er diese Entscheidung getroffen hat und sein Leben zu Ende gelebt hat, dann gibt es einen Ort, der als die äußere Finsternis bezeichnet wird. Dort gibt es kein Licht mehr, wo Gott nicht mehr mit seinem Licht hineinscheint, nicht mehr hineinwirkt, wo es kein Erkennen, kein Verstehen, keine Umkehr und keine Rettung mehr gibt, wo du einfach alleine bist.
Zu Judas wird gesagt, Matthäus 26,24: Es wäre besser, er wäre nicht geboren worden, als in seinen Sünden zu sterben. Das ist ein ernstes Wort. Es ist für einen Menschen besser, nie da gewesen zu sein, als in dieser Welt gelebt zu haben, das Licht gehabt zu haben und sich gegen dieses Licht entschieden zu haben.

Missverständnisse über den Teufel und die Hölle

Der erste Grund, warum ich an die Hölle glaube: Jesus sagt, dass es sie gibt. Und jetzt ist die Hölle nicht der Ort, das muss man sagen, ja. Wer sich End of Days und ähnliche Filme anschaut, der kennt das vielleicht: Da fängt es immer ungefähr so an. Da dampft dann alles, und irgendwie kommt von unten der Teufel raus und ist plötzlich da auf der Erde. Dann denkt man: Ach, der Teufel wohnt in der Hölle.
Das ist doch das, was die meisten Leute denken, oder? Die Hölle, das ist der Ort, wo der Teufel wohnt, und die bösen Dämonen. Und irgendwann kommen da die bösen Menschen hin. Dann flimmert es überall so ein bisschen rotgelb, und dann stehen da die Engelchen, die bösen Engelchen mit so kleinen Haken, und die piksen dann die Bösen in den Bobbo. Irgend so sind die Vorstellungen der Leute.
Und das ist natürlich großer Quatsch. Der Teufel wohnt nicht in der Hölle. Der Teufel wohnt nicht in der Hölle. Und warum nicht? Genau, aus zwei Gründen.
Erstens: Er will da gar nicht wohnen. Nein, er will da gar nicht wohnen. Er möchte hier auf der Erde wohnen. Und er wird bezeichnet als der Fürst der Welt, als der, der hier auf dieser Erde sein Reich aufrichtet, der hier Menschen verführt.
Und das Zweite ist: Es gibt noch gar keine Hölle. Die Hölle ist ein Ort, der für den Teufel und für seine Engel gemacht wird. Der kommt da rein. Im Moment wohnt da noch niemand.
Jetzt habe ich gesagt, es gibt sie nicht. Ich weiß nicht, wann sie gemacht wird. Aber ich sage ja, dass die Hölle eigentlich ein Ort des Gerichts ist. Das heißt: Die Hölle gibt es erst, wenn das Gericht kommt. Und solange das Gericht noch nicht da ist, das Gericht über den Teufel und seine Engel, solange brauchen wir auch noch gar keine Hölle.
Und deswegen ist der Teufel da jetzt nicht drin, sondern er ist uns viel näher, als wir meinen. Aber so viel nur zu einem allgemeinen Bild über die Hölle, damit ihr das wisst. Ich muss meinen zweiten Punkt noch bringen.

Leben unter moralischer Verantwortung

Mein zweiter Grund lautet: Wir leben in einem moralischen Universum. Die grösste Lüge, die der Teufel in diese Welt hineingebracht hat, ist die, dass ich, solange ich nur für mich lebe, also das tue, was mir richtig erscheint, wirkliches Glück und wirkliche Zufriedenheit finde.
Und statt dass wir leben wie Jesus in Gethsemane, der gesagt hat: Dein Wille geschehe, leben die meisten Menschen nach dem Prinzip: Mein Wille geschehe. Nicht umsonst ist das Leitmotiv der Satanisten: Tu, was dir gefällt. Nur liegt am Ende dieses Weges die Hölle.
Warum? Nun, jetzt muss ich noch einen Mythos über die Hölle ein wenig angreifen. Die Hölle ist keine himmlische Folterkammer. Die Hölle sind logische Konsequenzen. Also: Die Hölle ist nicht ein Ort, an dem jemand hinkommt und sich Gott dann überlegt, wie er ihn am besten traktieren könnte, mit Daumenschrauben oder mit Fussnägeln rösten, und dann denkt: Ja, wie könnte man es ihm besonders unangenehm machen? Das ist die Hölle nicht.
Die Hölle ist die logische Konsequenz aus unserem Leben. Stephan hat darüber einmal gepredigt. Er hat gepredigt über Galater 6,7-8, übrigens Kassette 136 in der Kassettothek. Seine Predigt hiess damals: „Was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“
Wenn wir ein Leben lang Gott ablehnen und nur für uns leben, dann landen wir am Ende an dem Ort, wo Gott nicht mehr ist: in der Finsternis. Und jetzt kann man sich die Frage stellen: Wenn da Gott nicht ist, was hat das dann mit Strafe zu tun? Ich meine, die Ungläubigen leben ohne Gott doch auch ganz nett hier. Und wenn die so nett weiterleben, dann ist Hölle doch gar nicht schlimm.
Aber an dieser Stelle muss ich euch zwingen, noch einen Gedanken weiterzugehen. Und ich möchte euch fragen: Was macht euch Freude? Morgens, wenn ich aufstehe, dann schaue ich hinaus und sehe die Sonne aufgehen. Das ist so ein roter Ball, der über dem Horizont steht, und ich schaue dahin und denke mir: Gigantisch, ist das schön heute. Und ich weiss: Mein ungläubiger Nachbar, dem geht es ganz genauso. Der empfindet die gleiche Freude. Er glaubt nicht an Gott, aber er hat die gleiche Freude.
Okay, was heisst das? Das heisst, alles Gute und alles Schöne, was diese Welt hier zu bieten hat, kommt irgendwie von Gott. Denn unter uns gesagt: Die Sonne hat Gott gemacht, und sie gehört ihm. Und er hat sie aufgehen lassen. Alles Gute und Schöne, was es in dieser Welt gibt, hängt irgendwie mit Gott zusammen. Und lasst es mich noch deutlicher sagen: Es ist letztlich eine Reflexion, eine Widerspiegelung seiner Freundlichkeit und Güte im Umgang mit uns.
Alles, was ein Ungläubiger an Schönheit erlebt, ein gutes Buch, das er liest, ein leckeres Essen, das er schmecken kann, eine Sache, bei der er sagt: Das war gigantisch gestern – das ist nichts, nicht im Ansatz etwas, was er selber geschaffen hätte, was aus ihm herausgekommen wäre. Es ist nur so, dass er die guten Gaben Gottes nimmt, geniesst und danach sagt: Aber Gott, den Geber, gibt es nicht.
Aller Genuss im Leben eines Menschen kommt von Gott. Und jetzt stellt euch Folgendes vor: Ein Mensch steht da und erlebt sein Leben mit sich selbst im Zentrum. Alles dreht sich um ihn selbst. Er nimmt die guten Gaben Gottes für sich, er gebraucht sie, er geniesst sie, aber nicht, um Gott Dank zu geben, sondern um sich selbst einen Charakter zu schaffen, der ausgerichtet ist auf sich selbst, auf das eigene Wohlbefinden. Ich lebe für mich, mit dem, was ich hier so sehe.
Und er geht diesen Weg zu Ende, diese Ichbezogenheit, und er stirbt. Und er kommt ins Gericht. Und Gott fragt ihn: Sag mal, warum sollte ich dich in den Himmel lassen? Und es gibt keinen Grund, weil niemals jemand seine Schuld bezahlt hat. Und er wird in die äusserste Finsternis geworfen, dort, wo Gott und wo die guten Gaben Gottes nicht mehr sind.
Und er steht mit seinem ichbezogenen Charakter da, aber er hat nichts mehr, um dieser Sehnsucht nach Leben irgendwie Ausdruck zu verleihen. Da gibt es nichts mehr, was er verwenden kann, was er missbrauchen kann, was er umdrehen kann für seine eigenen Bedürfnisse. Er ist mit sich und seinem Charakter ganz allein, ausgeschlossen, ohne Gott in alle Ewigkeit.
Wir leben in einem moralischen Universum, und es spielt eine Rolle, wie wir leben. Wir werden einmal ernten, was wir säen, entweder ewiges Leben oder Verderben.

Freiheit, Liebe und die Würde der Entscheidung

Ohne Hölle gibt es eigentlich weder Liebe noch echtes Menschsein.
Mein drittes Argument: Gott ist Liebe. Und weil Gott Liebe ist und uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat, hat er uns als Menschen gemacht, die sich frei entscheiden können. Zur Liebe gehört es dazu, dass ich dem, der mich liebt, und dem, den ich liebe, auch zugestehe, Nein zu sagen.
Und Gott hat uns ganz bewusst nicht als Marionetten, nicht als Roboter geschaffen. Er ist keiner, der uns vergewaltigt oder tyrannisiert. Er appelliert an die Freiheit, die in uns als Menschen drinsteckt. Er sagt: Ich habe dich frei geschaffen, damit du dich für mich entscheiden kannst. Ich liebe dich. Ich bin auf diese Welt gekommen und für dich gestorben. Ich liebe dich. Kehr doch um zu mir. Es gibt eine Hölle, bitte kehr um!
Der Mensch hat das Recht, dieses Angebot anzunehmen und zu sagen: Nein, nein, ich will das nicht. Und Gott wird diese Entscheidung respektieren. Nicht, weil er uns hasst, sondern weil er uns liebt und weil er uns so gemacht hat, dass wir ihn aus freien Stücken lieben können. Und weil er uns das Recht und die Freiheit gibt zu sagen: Nein, ich möchte nicht bei dir sein in Ewigkeit, ich möchte mit dir nichts zu tun haben.
Gott ist nicht der Erfinder der Hölle. Wir sind es. Gott hat sich Sünde nicht ausgedacht, wir haben sie gewählt. Gott erschuf eine perfekte Welt und in diese Welt hinein Engel und Menschen mit einem freien Willen. Und er hat es uns überlassen, dafür zu sorgen, ob diese Welt weiter perfekt geht und läuft oder ob eine andere Welt, eine Welt mit Hölle und mit Gericht, beginnen sollte. Und der Mensch hat die Trennung gewählt.
Und wir können jetzt nichts anderes tun, als nur festzustellen: Diese Wahl ist getroffen worden. Und wir können sagen: Danke, Vater, dass es für uns einen Ausweg gibt, wenn wir an den Herrn Jesus glauben.
Chesterton hat diesen Punkt, diesen dritten Punkt, warum ich an Hölle glaube, weil es ohne Hölle keine wirkliche Liebe Gottes und keine wirkliche Freiheit gibt, so zusammengefasst. Er sagt: Die Hölle ist Gottes großes Kompliment an die Wirklichkeit menschlicher Freiheit und an die Würde der menschlichen Persönlichkeit.
Ich sage es noch einmal: Die Hölle ist Gottes großes Kompliment an die Wirklichkeit menschlicher Freiheit. Es ist real, du kannst dich entscheiden. Und an die Würde der menschlichen Persönlichkeit. Gott nimmt dich ernst.
Ich glaube an die Hölle, weil erstens Jesus sagt, dass es sie gibt, zweitens Gott gerecht ist und der Sünder das bekommt, was er verdient, drittens, weil zu wahrer Liebe, die Gott zu den Menschen hat, dazugehört, dass der, der geliebt wird, Nein sagen kann. Alles andere wäre keine Liebe, sondern Tyrannei.

Persönliche Betroffenheit und der letzte Blick auf das Tor

Und ich muss ehrlich sagen, das Thema jagt mir ein bisschen Angst ein. Ich kann nicht über dieses Thema nachdenken, ohne mein eigenes Christsein zu hinterfragen. Ich hätte das vorher nicht gedacht.
Als ich anfing, dachte ich, das wird eine, naja, super einfache Predigt. Dann fing ich an zu lesen, zu studieren und nachzudenken. Und ich dachte mir: Das ist wie so ein Sog, der dich immer weiter hineinzieht. Du kannst gar nicht mehr aufhören zu denken.
Am Ende hatte ich so viel Stoff, dass ich dachte: Wie kriege ich da nur einen Teil davon in meine Predigt hinein? Ich habe gemerkt, wie mein Herz von diesem Thema angerührt worden ist. Und ich sagte mir: Wenn das so real ist, wenn Verlorenheit so aussieht, müsste ich dann in meinem Leben nicht eine ganze Menge Dinge ändern? Kann mein Leben so bleiben, wie es ist, wenn Verlorenheit so furchtbar ist, wie die Bibel sie vorstellt?
Ich möchte abschließend einen Vers zitieren aus einem Buch, das schon vor ein paar hundert Jahren geschrieben wurde. Dante Alighieri beschreibt in der göttlichen Komödie, wie er ans Tor der Hölle kommt. Er steht vor diesem Tor der Hölle, und dann stehen auf dem Tor der Hölle Zeilen, da ist etwas eingeschrieben. Und das möchte ich euch noch zum Schluss vorlesen.
Auf dem Tor zur Hölle steht: Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer. Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerz. Durch mich geht man zu dem verlorenen Volk. Lasst jede Hoffnung, wenn ihr eingetreten.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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