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Hosea – Teil 5

Hosea 9,1-11,722.06.2017
Serie•Teil 8 / 12Spurgeon-Konferenz 2017
Ein Vortrag auf der Spurgeon-Konferenz 2017. Die Konferenz stand unter dem Thema Hosea: Das Gericht und die Gnade Gottes – Wie man einen alttestamentlichen Propheten verstehen und predigen kann, damit Menschen Gott begegnen.

Einführung und Einordnung des Abschnitts

Also, wir sind bei Hosea Kapitel 9. Wir brauchen die Unterlagen auf den Seiten 10, 11 und 12. Und wir machen die zweite Hälfte von diesem ganzen Abschnitt. Hosea bringt seine Botschaft zum zweiten Mal, Kapitel 6,4 bis Kapitel 11,11. Auf Seite 10 sind wir dann bei Kapitel 9.
Gut, wir haben den Teil Sünde angeschaut, und jetzt machen wir weiter mit dem Teil Gericht ab Kapitel 9. Das ist Kapitel 9,1 bis Kapitel 11,7. Dieser Teil beginnt auch damit, dass Gott Israel direkt anspricht.
Kapitel 9,1: „Freu dich nicht, Israel, wie die Völker frohlocken, denn du bist deinem Gott durch Hurerei untreu geworden, hast gerne Hurenlohn genommen auf allen Korntennen. Tenne und Kelter werden sie nicht nähren, und der Most wird sie im Stich lassen.“
Freut euch nicht, Israel, weil das Gericht kommt. Vers 3: Sie sollen nicht bleiben im Land des Herrn, sondern Ephraim muss nach Ägypten zurückkehren, und in Assyrien unreine Speisen essen. Also, wieder ist Ägypten ein Bild für Gefangenschaft. Und wir wissen sofort, wo die Gefangenschaft sein wird: am Ende von Vers 3 in Assyrien. Es wird immer deutlicher, wie das Gericht Gottes aussehen wird. Aber Israel hört nicht zu.
Ich lese weiter Vers 4: „Sie sollen dem Herrn keinen Wein zum Trankopfer spenden, und an ihren Schlachtopfern wird er kein Wohlgefallen haben. Wie Trauerbrot sollen sie ihnen sein. Alle, die davon essen, verunreinigen sich; denn ihr Brot soll für ihren Hunger sein. Es soll nicht ins Haus des Herrn kommen. Was wollt ihr am Feiertag tun, am Tag des Festes des Herrn?“
Ich glaube, er meint: Wenn ihr weg seid, wenn ihr in Assyrien seid, dann wird, siehe, wenn sie wegen der Verwüstung weggezogen sind, so wird Ägypten sie aufnehmen. Memphis wird sie begraben. Disteln werden ihre silbernen Kleinodien überwuchern, Dornen ihre Hütten.
Jetzt kommt Vers 7: „Die Tage der Heimsuchung sind gekommen, die Tage der Vergeltung sind da. Israel soll erfahren, ob der Prophet ein Narr ist, der Geistesmensch wahnsinnig“, und das um deiner großen Schuld willen, weil du so feindselig bist.
Das ist angeblich schwer zu übersetzen, dieser Vers 7. Es kann sein, dass es eigentlich in der Mitte einfach bedeutet, dass die Menschen gesagt haben: Menschen wie Hosea, Propheten, sind Idioten. Menschen, die uns Gottes Wort bringen, brauchen wir gar nicht. Sie sind Trottel, sie haben uns nichts zu sagen, wir können sie nicht ernst nehmen.

Rückblick auf die verlorene Nähe

Und jetzt wird Gott nostalgisch. Dreimal denkt er zurück an die guten alten Tage, und dann sagt er, dass er sein Volk richten muss.
Diese Nostalgie ist wie die Nostalgie eines Mannes, dessen Ehefrau Ehebruch begangen hat, ihn verlassen hat und zu einem anderen Mann gegangen ist. Und dieser Ehemann, das ist natürlich wie Gott in Beziehung zu Israel. Dieser Ehemann lebt jetzt allein. Jeden Abend sitzt er allein im Wohnzimmer, fühlt sich ganz einsam. Und hin und wieder steht er auf, geht zum Schrank und holt aus der Schublade ein Fotoalbum.
Es ist das Fotoalbum mit den Fotos von der Hochzeit. Und er blättert durch, schaut die Fotos an und erinnert sich daran, wie das war, wie schön der Tag war, wie groß die Freude war. Hin und wieder berührt er ein Foto, vielleicht küsst er einmal ein Foto. Aber es ist alles schiefgegangen.
Diese drei Abschnitte, die mit Nostalgie beginnen, enden mit Gericht. In jedem Abschnitt sehen wir Gottes Liebe, Gottes Enttäuschung und Gottes Gericht.

Der erste Blick zurück: Liebe, Enttäuschung und Gericht

Der erste Abschnitt ist Kapitel 9, die Verse 10 bis 17.
Schaut Gottes Liebe an, Kapitel 9, Vers 10: Wie Trauben in der Wüste, so fand ich Israel.
Stellt euch vor, ihr seid in der Wüste. Die Wüste ist trocken, ihr seid durstig. Ihr fragt euch, ob ihr überleben werdet, und dann findet ihr plötzlich Trauben. Wie fühlt ihr euch? Bitte redet untereinander. Wenn euch nichts einfällt, redet über das Wetter, und ich werde denken, dass ihr über meine Frage redet. Aber wie fühlt ihr euch? Ihr seid in der Wüste, ihr habt nichts zu essen, nichts zu trinken, und ihr findet Trauben. Wie fühlt ihr euch?
Super! Schaut mal, was wir haben, zum Beispiel? Bitte? Zur Anbetung, ja. Andere Antworten? Dankbar, erfreut, weitere Worte? Lotto gewinnen. Wie weißt du, wie sich das anfühlt? Okay, kein Problem, ja. Du möchtest was? Ich meckere darüber, dass es keine Äpfel sind. Das sind die Engländer. Wahnsinn. Wir freuen uns, dass Ausländer bei uns sind. Andere Antworten? Ja, also riesige Freude, oder? Ja, dankbar. Überwältigt, begeistert.
Und wenn ihr die Trauben in euren Mund tut, die erste Traube ... Also Gott sagt: So habe ich mich gefühlt, als ich Israel kennengelernt habe. Überwältigt, so erfreut, so froh. Und es steht auch in Vers 10: Wie eine frühreife Frucht am jungen Feigenbaum erblickte ich eure Väter. Überraschung, Freude. So geht es Gott, wenn er an uns denkt, übrigens. Wagen wir, das zu glauben?
Schaut euch Gottes Enttäuschung an. Die zweite Hälfte von Vers 10: Sie aber gingen zum Baal-Peor und weihten sich der Schande und wurden zum Gräuel wie der, den sie lieben. In Baal-Peor hat Israel Ehebruch begangen, geistlichen Ehebruch und physischen Ehebruch. Die Männer haben mit Frauen aus Moab Sex gehabt, sie haben dem Baal Opfer gebracht. Stellen wir uns Gottes Enttäuschung vor: Es hat so super angefangen, oder? Und jetzt schaut sie an!
Und deswegen kommt Gottes Gericht. Vers 11: Ephraims Herrlichkeit fliegt wie ein Vogel davon, keine Geburt mehr, keine Schwangerschaft, keine Empfängnis. Ja, wenn sie auch ihre Söhne aufziehen, so mache ich sie doch kinderlos, dass kein Mensch mehr da ist. Denn wehe ihnen, wenn ich mich von ihnen abwende. Ephraim, wie ich ihn sehe, ist gepflanzt wie Tyrus in der Aue, aber er muss seine Söhne zu dem hinausführen, der sie erwürgen wird.
Ich lese doch weiter: Gib ihnen, Herr, was willst du ihnen geben? Gib ihnen einen unfruchtbaren Leib und trockene Brüste. Alle ihre Bosheit stammt von Gilgal her, so dass ich sie dort zu hassen begann. Wegen ihrer schlimmen Handlungen will ich sie aus meinem Haus vertreiben. Ich kann sie nicht mehr lieben, alle ihre Fürsten sind Abtrünnige. Ephraim ist geschlagen, ihre Wurzel ist verdorrt, sie bringen keine Frucht. Wenn sie auch Kinder gebären, so werde ich doch die Lieblinge töten, die aus ihrem Leib hervorkommen.
Vers 17: Mein Gott wird sie verwerfen, weil sie ihm nicht gehorcht haben. Darum müssen sie als Flüchtlinge umherirren unter den Heidenvölkern.
Gottes Gericht, Liebe, Enttäuschung und Gericht.

Der zweite Blick zurück: Fruchtbarkeit, falsche Wege und das kommende Urteil

Jetzt fängt Gottes Nostalgie noch einmal an, ab Kapitel 10, Vers 1. Zunächst einmal Gottes Liebe, am Anfang von Kapitel 10, Vers 1: Israel ist ein rankender Weinstock, der für sich selbst Frucht bringt.
Gott war stolz auf Israel, oder? Frucht, Wachstum. Ich arbeite nicht gern im Garten, ich muss auch gar nicht im Garten arbeiten, aber ich verstehe die Freude von Leuten. Vielleicht gibt es einige hier, die etwas gesät haben: Eine kleine Pflanze ist da, und dann pflegt man die Pflanze, und die Pflanze wird stärker. Dann bringt sie Frucht, sie blüht, und sie ist schön. Und dann erlebt man Stolz und Freude.
Und das hat Gott erlebt, als er Israel damals angeschaut hat: Stolz, Freude. Dieses Volk war blühend. Aber schauen wir Gottes Enttäuschung an: die zweite Hälfte von Vers 1. Je mehr Früchte erbrachte, desto mehr Altäre bauten sie. Je besser ihr Land war, desto schönere Götzenbilder machten sie. Das sind Altäre für Baal. Diese Götzenbilder sind vielleicht Gedenksteine, sie gehören sicher nicht zur JHWH-Anbetung dazu. Es ist alles falsche Religion, alles leere Religion.
Leere Worte reden, Vers 4. „Na, Vers 3, dann werden Sie bekennen müssen: Wir haben keinen König mehr, weil wir den Herrn nicht fürchteten. Und ein König, was kann der uns helfen?“ Leere Worte reden, falsche Eide schwören, Bündnisse schließen, so dass das Gericht aufsprosst wie Giftkraut aus den Furchen des Ackers.
Und deswegen das Gericht, Vers 5: Um das Kalb von Bet-Awen wird den Einwohnern von Samaria bange sein. Ja, seine Bevölkerung trauert darum, und seine Götzenpriester zittern wegen seiner Herrlichkeit, weil sie von ihnen weggeführt wird. Ja, es selbst wird nach Assyrien gebracht, als Tribut für den König Jareb. Man könnte das, glaube ich, auch übersetzen: für den großen König. Das ist der König von Assyrien.
Scham erfasst Ephraim, und Israel muss sich seines Rates schämen. Samarias König fährt dahin wie ein zerbrochener Zweig, der auf der Wasserfläche schwimmt. Stellt ihr euch dieses Bild vor? So zerbrechlich ist Israel. Gottes Gericht!
So werden, Vers 8, die Höhen von Awen, die Sünde Israels, verwüstet. Dornen und Disteln werden auf ihren Altären wachsen. Da werden sie zu den Bergen sagen: Bedeckt uns! Und zu den Hügeln: Fallt über uns!
Seit den Tagen von Gibea hast du gesündigt, Israel. Dort sind sie stehen geblieben. Sollte sie nun nicht auch in Gibea der Krieg erreichen, der gegen die frevelhaften Kinder geführt wird? Hören wir Vers 10: Ich will sie züchtigen nach Herzenslust, und es sollen Völker gegen sie versammelt werden, zur Züchtigung für ihre zweifache Schuld.
Was ist die zweifache Schuld? Eventuell andere Lösungen: und falsche Religion, andere Lösungen: Bündnisse mit anderen Nationen, oder? Falsche Religion, Götzendienst, andere Götter. Aber Gott will nicht richten.
Ich lese vorher Vers 11 vor: Ephraim ist eine ans Joch gewöhnte junge Kuh, die gerne drischt. Aber ich fahre über ihren schönen Hals, ich will Ephraim anspannen, Juda soll pflügen, Jakob soll eggen. Das Wort eggen habe ich noch nie gesehen.
Und jetzt kommt Vers 12, der ist sehr wichtig, weil Gott nicht richten will. Vers 12: Sät euch Gerechtigkeit, erntet nach dem Maß der Gnade, pflügt einen Neubruch. Denn es ist Zeit, den Herrn zu suchen, bis er kommt und euch Gerechtigkeit regnen lässt. Gott will nicht richten, das ist seine Liebe wieder, oder?
In Vers 13: Als ihr Gesetzlosigkeit pflügtet, habt ihr Unheil geerntet und die Frucht der Falschheit gegessen, weil du dich auf deine Wege und die Menge deiner Helden verlassen hast, so soll sich Kriegslärm gegen deine Bevölkerung erheben, und alle deine Festungen sollen zerstört werden, wie Schallmann Bet-Arbel zerstörte am Tag des Kampfes und die Mutter samt den Kindern zu Boden streckte.
Vers 15: Dasselbe Geschick bringt Bethel über euch um eurer großen Bosheit willen. Beim Anbruch des Morgenrots wird der König Israels völlig vertilgt sein. Und im Jahr 722 ist das passiert. Im Jahr 722 ist der König zerstört worden, als die Assyrer gekommen sind. Und dann hat das Königreich Israel aufgehört zu existieren.
Wahnsinn, das ist stark, oder? Gericht!

Der dritte Blick zurück: Gottes Zuwendung, Israels Abkehr und die Hoffnung auf Heimkehr

Und jetzt fängt die Nostalgie wieder an, zum dritten Mal. Kapitel 11, die Verse 1 bis 7. Schauen wir zunächst einmal Gottes Liebe an.
Vers 1: Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Ich weiss, das ist uns sehr bekannt, aber schau bitte diese drei Worte an: liebte ich ihn. Das ist der Schöpfer von Himmel und Erde, der Schöpfer des Universums. Und er sagt von Israel: Ich liebte ihn. Und das ist nicht nur ein Kopfwort, das ist auch ein Gefühlswort. Ich liebte ihn.
Und Matthäus im Neuen Testament zitiert die zweite Hälfte von Vers 1: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn, und bezieht das auf Jesus. Er verwendet dabei sein Fernrohr und sagt, es gibt eine weitere Erfüllung, weil Jesus aus Ägypten gekommen ist als Kind mit Joseph und Maria.
Vers 3: Die Liebe Gottes ist auch da: Ich war es doch, ich war es doch, der Ephraim gehen lehrte, der sie auf seine Arme nahm. Das ist so ein schönes Bild von der Liebe Gottes. Ich meine, es ist nicht sicher, wie man das übersetzen sollte: der sie auf seine Arme nahm. Es kann sein, dass es einfach ein Bild ist von einem Vater, der ein ganz kleines Kind so vielleicht auf die Schulter nimmt oder so trägt. Aber das ist Liebe, oder? Das ist Zuneigung.
Und ich merke das am Anfang von Vers 3: Ich weiss doch, der Ephraim gehen lehrte. Das heisst, das kleine Kind kann gerade stehen, aber noch nicht gehen, ohne umzufallen. Und der Vater oder die Mutter beugt sich, nimmt die Hände und sagt: Ja, schau mal, schau mal, ob du das schaffst. Ja, ja, ja, ja, ich habe das für Israel gemacht, sagt Gott, sagt der Schöpfer des Universums. Ich habe Israel das Gehen beigebracht, ich habe Israel geholfen, anzufangen, als Volk Gottes zu leben, das Gehen. Habe ich Israel beigebracht? Das ist Gottes Liebe.
Und in Vers 4 gibt es noch mehr: Mit menschlichen Banden zog ich sie, mit Seilen der Liebe. Ich hob ihnen gleichsam das Joch auf vom Kinn und neigte mich zu ihnen, um ihnen Nahrung zu geben. Das Kind sitzt am Boden, und der Papa oder die Mama beugt sich mit dem Löffel und will unbedingt, dass die Konzentration nicht nachlässt. Es kommt: Uuuuu, super. So ist Gott mit Israel umgegangen. Es ist irrsinnig zärtlich, oder? Gottes Liebe zu Israel. Der allmächtige Gott hält Israels Hände und bringt Israel das Gehen bei. Der allmächtige Gott beugt sich, um Israel zu essen zu geben. Das ist die Liebe Gottes.
Einige Christen sagen: Ja, die Liebe Gottes findet man nicht im Alten Testament. Blödsinn. Schau diese Stelle an, schau diese Nostalgie an. Das hier, wo es in den Kapiteln 10 und 11 um die Liebe Gottes geht, das ist, denke ich, die Stelle im Alten Testament, die am klarsten und am bewegendsten von Gottes Liebe spricht. Es ist eine der besten Stellen in der ganzen Bibel, wo es um Gottes Liebe geht. Wow! Und da ist sie mitten im Propheten Hosea.
Aber schauen wir uns Gottes Enttäuschung an, auch. Vers 2: Aber sobald man sie rief, wandten sie sich vom Angesicht der Rufenden ab, den Balen opferten sie und den Götzenbildern räucherten sie. Gott hat Israel aus Ägypten geholt, aber er konnte Ägypten aus Israel nicht holen. Sie haben noch immer diese Rebellion in sich, sie sind von Gott weggelaufen zu Götzen. Können wir uns vorstellen, wie Gott sich gefühlt hat? Nach all dem, was er für Israel getan hatte, hat er sie aus der Sklaverei gebracht, aus Ägypten, und jetzt geht Israel fremd. Die Schlösser gewechselt, ausgewechselt, Schlösser, Schlösser, bitte? Schlösser.
Gottes Enttäuschung. Israel ist wie ein Teenager, der all das vergisst, was die Eltern für ihn getan haben. Und deswegen ist Gottes Gericht auch da, die Verse 5 bis 7.
Vers 5: Er soll nicht nach dem Land Ägypten zurückkehren, sondern der Assyrer soll ihr König werden, weil sie nicht umkehren wollen. Und das Schwert soll in ihren Städten umgehen und ihre Riegel vernichten und sie wegen ihrer Ratschläge verzehren.
Vers 7: Mein Volk hält am Abfall von mir fest; ruft man es nach oben, so erhebt sich gar niemand.
Und das ist das Ende des zweiten Teils, das ist der Teil, wo es um Gericht geht, also von Kapitel 9, Vers 1 bis Kapitel 11, Vers 7. Freut euch nicht, Israel, das Gericht Gottes kommt! Aber das Gericht ist nicht das Ende. Das ist das Tolle, der Gnadenteil kommt jetzt. Die schlechte Nachricht ist schlimmer als unsere schlimmsten Albträume, und die gute Nachricht ist besser als unsere schönsten Träume, weil Gott gnädig ist.

Der Wendepunkt zur Gnade

Kommen wir dann zum dritten Teil, Kapitel 11, die Verse 8 bis 11: Gnade.
Auch dieser Teil fängt damit an, dass Gott Israel direkt anspricht, das haben wir schon gesehen. Kapitel 11, Vers 8: Wie könnte ich dich dahingeben, Ephraim? Wie könnte ich dich preisgeben, Israel?
In den Versen 8 und 9 geht es um Gottes Liebe zu Israel. Hören wir die Fragen in Vers 8. Ich lese weiter: Wie könnte ich dich behandeln wie Adama, dich machen wie Zeboim? Das waren zwei der Städte in der Nähe von Sodom und Gomorra, die auch zerstört worden sind. Ich kann dich so nicht behandeln. Mein Herz sträubt sich dagegen, mein ganzes Mitleid ist erregt. Es ist Gott, der spricht: Mein Herz sträubt sich dagegen, mein ganzes Mitleid ist erregt.
Sehen wir, wie Gott voll dabei ist, vom Herzen dabei ist. Weil er gnädig ist und weil er sein Volk doch noch immer liebt. Es geht hier um Gottes Gefühle. Ich glaube, den letzten Satz in Vers 8 kannst du nicht lesen, ohne zu sehen, dass Gott Gefühle hat. Und Gott sagt, dass er es sich anders überlegt hat, irgendwie. Vers 9: Ich will nicht handeln nach der Glut meines Zorns, will Ephraim nicht wiederum verderben; denn ich bin Gott und nicht ein Mensch, als der Heilige bin ich in deiner Mitte und will nicht in grimmigen Zorn kommen.
Trotz Gericht kommt Gnade auch. Israel, wie ich schon gesagt habe, ist im Jahr 722 nach Assyrien weggeschleppt worden, aber einige Israeliten sind doch zurückgekehrt. Und zwar nicht nur ins Land, sondern auch zu Gott.
In den Versen 10 und 11 geht es um Israels Wiederkehr zu Gott. In den Versen 10 und 11 gibt es zwei Bilder, die er schon vorher verwendet hat, als er gepredigt hat. Aber jetzt verändert er die Bedeutung dieser Bilder. Und ich finde das gewaltig, was jetzt kommt.
Schau zunächst einmal bitte Kapitel 5, Vers 14 an mit mir. Kapitel 5, Vers 14: Ich bin wie ein Löwe gegen Ephraim und wie ein junger Löwe gegen das Haus Juda. Ja, ich zerreiße und gehe davon und nehme weg, dass niemand retten kann. Dort war der Löwe ein zerstörender Löwe, oder? Der in Gericht kommt.
Jetzt schau bitte Vers 10 an: Sie werden dem Herrn nachfolgen, der brüllen wird wie ein Löwe. Wenn er brüllt, so werden die Söhne zitternd vom Meer herbeieilen. Dieses Brüllen ist nicht ein Brüllen zum Zerstören. Dieses Brüllen ist ein Brüllen, das sagt: Kommt nach Hause! Das ist ein Ruf an das Volk Gottes: Kommt nach Hause, kommt nach Hause ins Land, kommt nach Hause zu mir!
Dann schau bitte das andere Bild an, Kapitel 7, Vers 11. Kann man das aufschlagen? Kapitel 7, Vers 11, das ist jetzt das Bild, das das Volk beschrieben hat. Vers 11, Kapitel 7, Vers 11: Ephraim, Israel hat sich benommen wie eine einfältige Taube ohne Verstand. Ägypten haben sie herbeigerufen, nach Assyrien sind sie gelaufen. Sie sind wie dumme Vögel, so dumm sind sie, kein Gehirn.
Schau jetzt Kapitel 11, Vers 11 an. Und schau, wie Gnade die Bedeutung dieses Bildes verändert hat: Wie Vögel werden sie aus Ägypten zitternd herbeieilen und wie Tauben aus dem Land Assyrien. Und ich werde sie in ihren eigenen Häusern wohnen lassen, spricht der Herr. Jetzt sind sie wie Brieftauben. Jetzt kommen sie nach Hause. Sie wissen, was zu tun ist, sie kommen nach Hause. Im Kapitel 7, Vers 11 waren sie dumm, aber jetzt im Kapitel 11, Vers 11 sind sie wie Brieftauben, die nach Hause fliegen zu Gott. Das ist alles Gnade.
Eines Tages wird das geschehen, sagt Gott durch Hosea. Gott hätte Folgendes sagen können, er hätte sagen können: Ich will nichts mehr mit euch zu tun haben, verduftet, verschwindet. Aber er sagt: Na, komm nach Hause! Der Löwe brüllt, dass sie nach Hause kommen sollen, und sie werden wie Brieftauben nach Hause kommen. Wow, das ist alles Gnade!
Und die Schlüsselworte sind hier, ist es euch aufgefallen, in Vers 10 und Vers 11 am Ende von Kapitel 11? Kommen ist da und Beben ist da. In meiner Übersetzung ist es Zittern, aber es ist das gleiche Wort, es ist Beben, genauso wie wir Beben gesehen haben in Kapitel 3, Vers 5. Es ist ein Zeichen, dass dieser Abschnitt jetzt das Ende erreicht hat. Sie werden bebend nach Hause kommen, sie werden zurückkommen. Bebend oder zitternd ist in Vers 10 da, bebend oder zitternd ist in Vers 11 da. Es ist alles Gnade und Vergebung und Versöhnung. Und das bringt mich zum Anbeten.
Aber es gibt ein Problem. Kann Gott diesen Menschen vergeben? Weil, schau, wer Gott ist: Mitten in Vers 9, wenn du genau schaust, beschreibt sich Gott. Er sagt: Ich bin der Heilige, mitten in Vers 9. Wie kann der heilige Gott diesen Menschen nach Hause rufen und ihnen vergeben? Die Antwort ist in Vers 10, wenn wir das Fernrohr verwenden. Der Löwe wird kommen, und es wird der Löwe aus Juda sein.

Der Blick auf die Erfüllung im Neuen Testament

Schauen wir uns zum Schluss bitte Offenbarung, Kapitel 5 an. Im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, gibt es, wie sagt man auf Deutsch, ein Buch mit sieben Siegeln, und niemand kann es öffnen. Das Öffnen dieses Buches bedeutet, dass Gottes Heilsplan für die Welt in Gang kommen wird und geschehen wird, passieren wird. Und niemand ist würdig, das zu tun.
Vers 4, Kapitel 5, Vers 4: Ich weinte sehr, sagt Johannes, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und zu lesen, noch auch hineinzublicken. Dieselbe Frage: Wie ist Vergebung möglich? Wie ist es überhaupt möglich, dass Menschen zu Gott nach Hause kommen können?
Vers 5: Einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht. Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen. Also, das ist eine gute Nachricht.
Ich liebe das. Das passiert zwei-, dreimal im Buch der Offenbarung. Johannes hört eine Botschaft, und dann denkt er, das muss ich mir anschauen. Also hört er in Vers 5, dass der Löwe die Lösung ist. Und er denkt: Ich muss diesen Löwen anschauen, ich muss diesen Löwen anschauen.
Vers 6: Er schaut, und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm wie geschlachtet, aber es stand. Das heißt, der Löwe aus Juda ist ein Lamm, das geschlachtet worden ist, aber das jetzt wieder lebt. Das ist das Evangelium. Der Löwe ist ein Lamm. Und natürlich geht es um Jesus, um sein Kreuz, dass er gestorben ist für unsere Sünden, dass er den Preis bezahlt hat, dass er für schuldig erklärt worden ist, damit wir mit Gott versöhnt werden können. Das Kreuz, das Zentrum unseres Glaubens.
Und wir vergessen oft, wie erstaunlich das ist, dass das Kreuz das Zentrum unseres Glaubens ist. Es gibt einige Leute, das mag ich eigentlich, die eine Halskette haben mit einem kleinen Kreuz drauf. Das finde ich gar nicht schlecht. Ich finde es nett, dass man immer wieder daran erinnert wird.
Aber ich komme manchmal in Versuchung, eine Kette extra anfertigen zu lassen. Ist das deutsch? Wahnsinn, ich bin auch überrascht. Aber statt ein Kreuz drauf zu haben, gäbe es einen elektrischen Stuhl, ganz klein, ganz lieb gemacht. Und ich gehe herum und warte gespannt auf das erste Gespräch. Und jemand sagt: Du, deine Halskette ist recht schön, recht schön. Was ist das da, was da hängt? Ich sehe nicht ganz, was das ist. Und ich strahle und sage: Ja, es ist wunderbar, das ist ein elektrischer Stuhl.
Aber das Kreuz ist der elektrische Stuhl des ersten Jahrhunderts. Und das ist das Zentrum unseres Glaubens, oder? Dass Jesus, der Löwe aus dem Stamm Juda, das Lamm Gottes, für uns zum Kreuz gegangen ist. Wegen des Kreuzes sind wir von Gott angenommen, sind wir mit Gott versöhnt.

Anbetung und abschließendes Gebet

Und jetzt die Verse neun und zehn. Ich bin in Offenbarung 5, Vers 9.
Sie sangen ein neues Lied und sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen. Und du hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.
Und wir sind dabei. Und ganz zum Schluss werden wir dabei sein, wo die ganze Gemeinde Gottes vor dem Thron Gottes steht und Gott und das Lamm anbetet. Ich denke, wenn wir ganz genau auf diese riesige Menschenmenge ganz am Ende schauen, können wir Hosea sehen. Ich denke, dass Gomer auch dabei ist. Erstaunlich, die Gnade Gottes!
Aber wir müssen immer wieder bebend zurückkommen, bebend zu Gott, weil wir Sünder sind und um Vergebung bitten, weil Jesus für uns am Kreuz gestorben ist. Seine Liebe ist immer für uns da. Wie immer es uns geht, auch wenn es uns wirklich schlecht geht, dürfen wir wissen: Gott liebt uns. Gott ist immer bereit, sich zu beugen, um uns Nahrung zu geben, um uns das Gehen im Leben als Christ noch einmal beizubringen, wenn wir inzwischen vergessen haben, wie man geht. Er möchte neu mit uns anfangen, weil er gnädig ist.
Ich lese die Verse 11 bis 14 vor:
Und ich sah, und ich hörte eine Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend. Die sprachen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lob.
Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde ist und was auf dem Meer ist und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebührt das Lob und die Ehre und der Ruhm und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten den an, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja!
Ich kriege Heimweh, nicht nach England. Beten wir miteinander.
Kurze Zeit der Stille.
Vielleicht hat der Heilige Geist durch sein Wort dir etwas ganz Besonderes gesagt. Vielleicht war es eine Erinnerung an Gottes Liebe zu dir. Vielleicht war es der Gedanke, dass der Löwe aus dem Stamm Juda das Lamm ist und dass wir deswegen vor dem heiligen Gott stehen können, ohne Angst, weil Jesus am Kreuz für uns gestorben ist. Oder vielleicht ist es der Gedanke, dass du einen neuen Anfang mit Gott brauchst, weil du inzwischen vergessen hast, wie man geht als Christ. Aber der Heilige Geist hat dich durch sein Wort daran erinnert, dass Gott bereit ist, dir das Gehen noch einmal beizubringen.
Beten wir in der Stille, und dann werde ich ein kurzes Gebet sprechen.
Wir danken dir, dass in diesem Buch Hosea deine Liebe so groß geschrieben ist. Sogar in dem Tal, wo es um Gericht gegangen ist, haben wir deine Liebe zu deinem Volk gesehen. Wir danken dir für diese Bilder, dass der brüllende Löwe dein Volk nach Hause zu dir gerufen hat. Und danke auch, Herr, dass wir auch deine Gnade erlebt haben, dass du uns die Augen aufgetan hast, das Herz aufgemacht hast, dass wir erkannt haben, dass wir Sünder sind und dass wir Jesus, deinen Sohn, brauchen. Danke, dass du dieses Wunder in unserem Leben gewirkt hast.
Vater, wir beten dich an, und wir danken dir, dass der Tag eines Tages kommt, wo deine ganze Gemeinde vor deinem Thron stehen wird, um dich und um das Lamm anzubeten. Vater, wir danken dir. Bitte wirk du weiter in uns, rüste du uns weiterhin aus, damit wir die Botschaft von deiner Liebe anderen weitergeben können.
Und wir beten im Namen Jesu. Amen.