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Keine Frucht – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 684
Matthäus 21,12-1326.02.2026
SerieTeil 2 / 5Keine Frucht

Einführung und Rückblick auf die letzte Episode

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 684: Keine Frucht, Teil 2
In der letzten Episode haben wir einen ersten Blick auf die Verfluchung eines unfruchtbaren Feigenbaums und auf die Tempelreinigung geworfen.
Nun wollen wir uns die Tempelreinigung noch einmal genauer anschauen.

Die Tempelreinigung im Lukas-Evangelium

 Lukas 19, Verse 45 und 46: Als Jesus in den Tempel eingetreten war, begann er, die Verkäufer hinauszutreiben. Er sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“
Der Tempel bestand aus verschiedenen Vorhöfen. Ganz außen lag der Vorhof der Heiden. Dieses äußerste Tempelareal umschloss alle anderen Vorhöfe und war den Nichtjuden vorbehalten. Zu dieser Gruppe gehörten sowohl echte Heiden als auch diejenigen, die an anderer Stelle als Gottesfürchtige bezeichnet werden.
Gottesfürchtige waren Heiden, die mit dem Judentum sympathisierten, aber nicht vollständig zum Judentum konvertiert waren. An den Vorhof der Heiden schloss sich der Vorhof der Frauen an. Beide Vorhöfe waren durch eine Balustrade voneinander getrennt. An dieser Balustrade waren Warnhinweise angebracht, die Nichtjuden den Zutritt in den inneren Bereich bei Todesstrafe untersagten.
Jüdische Männer und Frauen durften den Vorhof der Frauen betreten. Daran schloss sich der Vorhof der Männer an. Dabei handelte es sich eigentlich nur um einen eher kleinen Streifen, auf dem sich die Männer als Repräsentanten ihrer Familien während der Opferhandlungen versammelten.
Der Vorhof der Männer grenzte an den Vorhof der Priester. Dort befanden sich der Brandopferaltar, die Waschbecken und der Zugang zum Tempel. Laien durften diesen Vorhof nicht betreten.
Ganz im Innern lag der Tempel mit dem Allerheiligsten. Während der Tempel selbst von den diensttuenden Priestern betreten werden durfte, ging nur der Hohepriester – und auch er nur einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag – in das Allerheiligste.

Jesu Handeln im Tempel nach Matthäus

 Matthäus 21,12-13: Jesus trat in den Tempel ein und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften. Er stieß die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um und sagte zu ihnen: „Es steht geschrieben: Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.“
Beginnen wir mit den Wechslern. Jeder jüdische Mann musste jährlich einen halben Schekel als Tempelsteuer zahlen. Im ersten Jahrhundert wurde diese Abgabe mit dem thürischen Schekel entrichtet. Warum? Weil diese Münzen einen konstant hohen Silbergehalt hatten.
Wenn die Pilger in den Tempel kamen, hatten sie natürlich verschiedene Münzen dabei: griechische Drachmen, römische Denare und andere lokale Währungen. Die Aufgabe der Wechsler war es, diese Fremdwährungen gegen thürische Schekel einzutauschen.
Neben den Geldwechslern gab es auch Verkäufer von Opfertieren. Pilger konnten zwar ihre eigenen Tiere mitbringen, doch diese mussten makellos sein und durften auf dem Weg keinen Schaden erleiden. Deshalb war der Kauf der Tiere vor Ort praktisch und bequem.

Gründe für Jesu Kritik an der Tempelpraxis

Warum ist Jesus dann dagegen? Ich denke, es gibt zwei Gründe. Den ersten kennen wir schon: Der Vorhof der Heiden war der einzig legitime Gebetsraum für Nichtjuden. Dieser Raum wurde jedoch praktisch zu einem Marktplatz umfunktioniert.
Die Kritik des Herrn Jesus richtet sich also nicht gegen die Opfergesetze, wohl auch nicht gegen die Existenz von Wechselern und Taubenverkäufern, sondern gegen die Zweckentfremdung des Tempels.
Aus der Formulierung „Räuberhöhle“ lässt sich sicherlich noch etwas ableiten. Hier wurde Gewinn gemacht. Wir dürfen davon ausgehen, dass überhöhte Wechselkurse normal waren. Dasselbe gilt für die Preise der Opfertiere. Rabbinische Quellen legen nahe, dass dabei besonders die Familie des Hohenpriesters profitiert hat.
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Tauben das Opfertier der Armen waren, dann bereicherten sich die Händler besonders auf Kosten der Ärmsten.

Die biblische Grundlage für Jesu Kritik

Jesus zitiert hier aus Jesaja 56 und Jeremia 7. Schauen wir uns Jesaja 56,6-7 an:
„Und die Söhne der Fremden, die sich dem Herrn angeschlossen haben, um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben, ihm zu Knechten zu sein, jeden, der den Sabbat bewahrt und ihn nicht entweiht, und alle, die an meinem Bund festhalten: Die werde ich zu meinem heiligen Berg bringen, und sie werden sich freuen in meinem Bethaus. Ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer sollen mir ein Wohlgefallen sein auf meinem Altar, denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker.“
Das ist also die Vision Gottes: Der Tempel als Bethaus für alle Völker.
Doch genau das wurde unmöglich gemacht. Ein Heide, der nach Jerusalem kam, um den Gott der Juden anzubeten, fand sich plötzlich inmitten eines geschäftigen Bazars wieder. Man kann sich gut vorstellen, wie schwierig es für so jemanden war, in Ruhe anzubeten, wenn nicht weit entfernt Waren angeboten und um den Preis gefeilscht wurde, wenn Tauben, Gurten, Ziegen meckerten und Schafe blökten.
Der Tempel soll ein Bethaus sein, aber sie machten daraus eine Räuberhöhle – einen Ort, an dem sich diejenigen trafen, die den Pilgern das Geld aus der Tasche zogen.

Jeremia und die Warnung vor äußerlicher Frömmigkeit

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf Jeremia Kapitel 7. Jeremia soll sich in den Tempel stellen und rufen.
 Jeremia 7,3-4: So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Macht gut eure Wege und eure Taten! Dann will ich euch an diesem Ort wohnen lassen. Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: „Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies.“
Erinnert euch bitte an den unfruchtbaren Feigenbaum. Er sah gut aus und war voller Blätter, aber er trug keine Frühfeigen. So ist es auch hier. Das Judentum sieht gut aus. Es hat einen Tempel, ein Priestertum, Opfer, Feste und Pilger, aber das ist Gott nicht genug.
Wie schon bei Jeremia vertraut Israel auf Äußerlichkeiten, auf die Blätter, doch es fehlt die Frucht.
 Jeremia 7,5-7: Denn nur wenn ihr eure Wege und eure Taten wirklich gut macht, wenn ihr wirklich Recht übt, den Fremden, die Weise und die Witwe nicht unterdrückt, kein unschuldiges Blut an diesem Ort vergießt und nicht anderen Göttern nachlauft zu eurem Unheil, dann will ich euch an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe, wohnen lassen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Merkt ihr, Gott sucht nicht die äußerliche Frömmigkeit. Er will Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Gottesfurcht sehen. Wege und Taten müssen gut sein.
 Jeremia 7,8-10: Siehe, ihr verlasst euch auf Lügenworte, die nichts nützen, wie stehlen, morden und Ehebruch treiben, falsch schwören, dem Baal Rauchopfer darbringen und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mein Angesicht in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, und sagt: Wir sind gerettet, um all diese Gräuel weiter zu verüben.
Hier beschreibt Jeremia die Heuchelei seiner Zeitgenossen. Sie wollen in Sünde leben, aber zugleich in den Tempel gehen, wo die Priester ihnen versichern, sie seien gerettet.
 Jeremia 7,11: Ist denn dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden in euren Augen?
Und die Antwort lautet: Ja, genau das ist geschehen. Der Tempel ist ein Ort geworden, an dem sich Gottlose treffen – nicht um über ihre Sünden Buße zu tun, sondern um sich gegenseitig zu versichern, dass trotz ihrer Sünde mit Gott alles in Ordnung ist.

Abschluss und praktische Anregung

Was könntest du jetzt tun? Suche im Internet nach einem Grundriss des herodianischen Tempels und mache dich mit den Gegebenheiten vertraut.
Das war's für heute. Bete für die Gemeinde, zu der du gehörst, dass sie bleibende geistliche Frucht bringt und nicht nur ein Programm abarbeitet.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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