Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, sowie Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 558: Hoch und niedrig, Teil 2
Einleitung und Rahmen der Erzählung
Jesus ist im Haus eines Pharisäers zum Essen eingeladen. Als er das Gerangel der Gäste um die besten Plätze wahrnimmt, erzählt er eine Beispielgeschichte (Lukas 14,8-10).
Er sagt: Wenn du von jemandem zur Hochzeit eingeladen wirst, so setze dich nicht auf den ersten Platz. Denn vielleicht ist jemand Geehrter als du eingeladen, und der Gastgeber wird zu dir sagen: „Mach diesem Platz Platz!“ Dann musst du beschämt den letzten Platz einnehmen.
Stattdessen, wenn du eingeladen bist, setze dich auf den letzten Platz. Wenn der Gastgeber dann kommt und zu dir sagt: „Freund, rücke höher hinauf!“, wirst du vor allen anderen Gäste Ehre erfahren.
Die wahre Botschaft hinter der Geschichte
Was will der Herr Jesus mit dieser Geschichte sagen? Beginnen wir mit dem, worum es ihm nicht geht. Diese Geschichte ist keine Anleitung zur Taktik. Jesus möchte nicht zeigen, wie man durch falsche Bescheidenheit mehr Ehre erlangt. Die Pointe des Textes liegt nicht darin, dass man auf raffinierte Weise Demut und Zurückhaltung nutzt, um sozial aufzusteigen.
Das ist nicht das Ziel von Jesus, obwohl hinter dem Gleichnis natürlich auch eine gute Portion Weisheit steckt. Es ist im sozialen Miteinander durchaus sinnvoll, nicht hochmütig aufzutreten. So lesen wir in Sprüche 25,6-7: „Brüste dich nicht vor dem König und setze dich nicht an die Stelle der Großen, denn besser sagt man zu dir: ‚Komm hierherauf‘, als dass man dich vor einem Edlen herabsetzt.“
Es ist also gut, zurückhaltend aufzutreten. Angeberei und Selbstdarstellung kommen selten gut an – besonders nicht bei Menschen, die wirklich etwas erreicht haben. Sie durchschauen einen sofort und ordnen einen in die Kategorie der Speichellecker ein. Es ist klug, bescheiden zu sein und die anderen Stück für Stück entdecken zu lassen, was in einem steckt.
Ein solches Verhalten ist weise, doch genau darum geht es Jesus in dieser Geschichte nicht.
Die Herzenshaltung hinter dem Verhalten
Natürlich steckt im Ringen der Pharisäer um die besten Plätze auch Dummheit. Doch viel schlimmer ist das Herz dahinter – ein Herz, das die eigene Ehre sucht, dem es aber egal ist, wie Gott über einen denkt.
Lukas 14,11 sagt: „Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Die Frage ist: Von wem? Die Antwort lautet: Von Gott.
Damit wird die Beispielgeschichte von dem Hochzeitsgast, der sich auf den letzten Platz setzt, plötzlich zu einem Gleichnis. Und zwar zu einem Gleichnis, das beschreibt, mit welcher Herzenshaltung – eben einer Haltung der Demut – ich mein Leben führen soll.
Wenn Jesus sagt, lege dich auf den letzten Platz, dann ist das nicht pragmatisch-praktisch gemeint, sondern eschatologisch-ethisch. Es geht hier nicht um menschliche Anerkennung, sondern um das göttliche Urteil über mein Leben.
Das Gerangel um die besten Plätze ist nur ein Symptom für ein tiefer liegendes Problem im Innern des Menschen. Auch das war schon Thema im Gespräch mit den Pharisäern.
Kritik an den Pharisäern und das Prinzip der Demut
Lukas 11,43
Wehe euch, Pharisäer, denn ihr liebt den ersten Platz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten. Pharisäer genießen es, gesehen zu werden, geehrt und begrüßt zu werden. Im Gesehenwerden finden sie ihren Lebenssinn.
Noch einmal: Wenn Jesus sagt, man solle sich auf den letzten Platz legen, dann ist das nicht pragmatisch oder praktisch gemeint, sondern es ist eschatologisch und ethisch zu verstehen. Es geht nicht darum, sich auf einer Party klug zu verhalten, sondern um das Prinzip, dass bei Gott Demut der Weg zur Erhöhung ist. Das gilt aber natürlich nur, wenn die Demut echt ist.
Lukas 14,11
Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
In diesem Leben darf ich aufhören, mich selbst zu wichtig zu nehmen. Wenn ich mich frage, wie weit das gehen soll, zeigt Gott mir selbst, was er meint. Er tut es, indem er Mensch wird.
Gottes Vorbild in der Demut
In diesem Leben darf ich mich bewusst an die letzte Stelle setzen und mich bewusst zum Diener machen. Ich muss nicht auf meine Rechte pochen und schon gar nicht mich in den Mittelpunkt stellen.
Ich muss das alles nicht tun, weil der Herr Jesus es nicht getan hat. Wenn Gott als Mensch in einem Stall zur Welt kommt und irgendwo im Nirgendwo die wichtigsten Predigten der Weltgeschichte hält, dann verzichtet er auf Status und eine große Show.
Genau so darf und soll ich sein. Warum?
Lukas 14,11: Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Also: Wer sich selbst erniedrigt, wird von Gott erhöht werden. Darum geht es hier.
Ein neuer Lebensinhalt für die Pharisäer
Was der Herr Jesus den Pharisäern mitgeben will, ist ein neuer Lebensinhalt. Es soll ihnen nicht länger darum gehen, selbst im Mittelpunkt zu stehen.
Aus solchen, die gesehen, anerkannt und begrüßt werden wollen, sollen Menschen werden, die für die Schwachen leben. Das Gegenmittel zu Hochmut und Ehrsucht ist gelebte Demut in Form von Barmherzigkeit.
Beispiel für gelebte Demut und Barmherzigkeit
Dazu noch ein Beispiel gefällig? In Lukas 14, Verse 12 bis 14 heißt es:
Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: „Wenn du ein Mittag- oder Abendessen machst, so lade nicht deine Freunde ein, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir Vergeltung zuteilwird. Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Und glücklich wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten. Denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“
Das ist ein Beispiel für gelebte Demut in Form von Barmherzigkeit. Es geht dabei um die Motivation hinter einer Einladung. Entweder lade ich Freunde, Verwandte oder reiche Nachbarn ein, weil ich mir vielleicht insgeheim erhoffe, auch von ihnen eingeladen zu werden. Oder ich lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein – also nur Leute, die nichts haben und mich definitiv nicht wieder einladen können.
Ich tue das, weil ich weiß, dass Gott mich sieht und mich nach meinem Tod in der Auferstehung der Gerechten dafür belohnen wird.
Zwei Lebenskonzepte im Vergleich
Jesus stellt seinem Gastgeber zwei Lebenskonzepte gegenüber: Lebe ich für mich selbst oder lebe ich für andere?
Lade ich Gäste ein, weil ich selbst eingeladen werden möchte? Oder lade ich Gäste ein, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Warum sollte man überhaupt einladen? Was ist die Motivation hinter der Einladung von Armen, Krüppeln, Lahmen und Blinden?
Die Antwort lautet: Gott. Meine Motivation ist Gott. Ich möchte ihm gefallen und noch mehr: Ich hoffe, von ihm belohnt zu werden.
Fragen zur echten Demut und Ausblick
Aber ist das dann noch echte Demut? Ich meine, ist es wirklich Demut, wenn ich davon ausgehe, dass Gott mir meinen Dienst an den Armen vergelten wird?
Darüber machen wir uns am besten in der nächsten Episode Gedanken.
Abschluss und praktische Anregung
Was könntest du jetzt tun? Überlege, in welchen Situationen du in Gefahr bist, dich in den Vordergrund zu spielen oder dich zu wichtig zu nehmen.
Das war es für heute.
Eine wichtige Frage für den Wochenstart: Habe ich die Sonntagspredigt bereits durchdacht und mir überlegt, wie ich sie anwenden möchte?
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
