Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblischer Rahmen
Jetzt hören wir den Text zur Predigt von heute. Es ist eine Begebenheit, die uns im Johannesevangelium berichtet wird, in 8,2-11. Überschrieben ist sie hier mit: Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde – Freispruch statt Verurteilung.
Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren. Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte. Dann wandten sie sich an Jesus: Meister, sagten sie, diese Frau ist eine Ehebrecherin. Sie ist auf frischer Tat ertappt worden. Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?
Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger in die Erde. Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen. Dann beugte er sich wieder vor und schrieb weiter auf die Erde.
Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz, die Ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo die Ankläger sie hingestellt hatten. Er richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
Nein, Herr, keiner, antwortete sie. Da sagte Jesus: Ich verurteile dich auch nicht. Du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr.
Die Absicht hinter der Konfrontation
Früh am Morgen geht Jesus nach Jerusalem in den Tempel. Viele Leute hören ihm dort zu, während er über das Reich Gottes lehrt.
Plötzlich platzt eine Horde Schriftgelehrter und Pharisäer dazwischen. Es ist ihnen offensichtlich egal, dass sie Jesus unterbrechen. Schliesslich, so meinen sie, sind sie ja die geistliche Autorität des Landes und des Volkes Israels.
Sie schleppen eine Frau mit sich und stellen sie für alle gut sichtbar vor Jesus hin. Auf frischer Tat haben sie sie ertappt, wie sie mit einem anderen Mann Ehebruch beging. Heute spricht man etwas verharmlosend von einem Seitensprung. Und Jesus soll ihnen nun sagen, was zu tun ist.
Sie sagen: Meister, diese Frau ist eine Ehebrecherin. Sie ist auf frischer Tat ertappt worden. Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?
Jesus will sich mit diesen Leuten auf kein Gespräch einlassen. Er neigt sich zu Boden und schreibt mit dem Finger etwas auf die Erde. Was Jesus schreibt, wissen wir nicht. Was ich dazu sagen würde: Alle Spekulation wäre nicht hilfreich und deshalb schade um die Zeit. Wäre das, was Jesus auf die Erde schreibt, für das Verständnis dieser Begebenheit wichtig, dann würde es hier stehen.
Von daher sagt uns das jedoch in aller Deutlichkeit, dass Jesus ihnen sagt: Ich will mit euch scheinheiligen Leuten kein Gespräch führen. Es interessiert mich überhaupt nicht, was ihr mir jetzt vorbringt. Diese Männer hassen nämlich Jesus. Würde er sich auf eine Diskussion einlassen, würde niemand, wirklich niemand, davon irgendetwas Hilfreiches lernen können.
In den Sprüchen heisst es treffend: Hass sucht Streit, Liebe sucht Verständigung. Diese Männer suchten eindeutig Streit. Sie wollten nichts von Jesus lernen. Scheinheilig ist ihr Anliegen. Die Anklage dieser Frau trieft nach Scheinheiligkeit. Das wird einem fast übel, wenn man sich darüber einmal Gedanken macht.
Erstens: Bringen Sie nur die Frau! Wenn sie es mit dem Gesetz des Mose ernst meinen, was hätten sie dann tun müssen? Beide! Denn dort heisst es: Wenn jemand mit der Frau eines anderen Israeliten Ehebruch begeht, müssen beide getötet werden, der Ehebrecher und die Ehebrecherin. Aber natürlich, sie nehmen nur die Frau mit. Auch auf frischer Tat ertappt heisst doch, dass der Mann ebenfalls in der Nähe war. Aber die Frau muss herhalten. Übrigens ist das nicht unüblich, auch heute, in gewissen Kulturen. Die Männer kommen irgendwie davon, die Frau muss dann den Preis dafür bezahlen. Das ist scheinheilig.
Und als Zweites geht es ihnen nicht darum, den moralischen Zerfall im Volk Israel aufzuhalten und so die Ehrfurcht vor Gott zu erhalten. Denn das war der Sinn dieser Massnahme ursprünglich. Im Gesetz des Mose heisst es: Ihr müsst das Böse aus der Mitte entfernen. Das war eine Warnung, damit das Böse nicht überhandnimmt. Aber darum ging es ihnen nicht.
Und als Drittes geht es ihnen überhaupt nicht darum, von Jesus etwas in Sachen Rechtsprechung zu lernen.
Die Falle und ihre Raffinesse
Um was geht es diesen Leuten? Mit dieser Frage wollten sie Jesus in eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Das war der Grund, das war das Motiv. Einmal mehr wollen sie unter dem Deckmantel der Frömmigkeit Jesus eine Falle stellen. Es geht ihnen einzig und allein darum, einen Grund zur Hinrichtung von Jesus zu finden. Jesus musste so schnell wie möglich vom Erdboden verschwinden, um jeden Preis. Sie mussten irgendeinen Grund haben, mit dem sie das rechtfertigen konnten.
Und zugegeben, die Falle, in die sie Jesus locken wollen, ist raffiniert. Was wäre geschehen, wenn Jesus gesagt hätte, er fände, dass man diese Frau jetzt nicht steinigen sollte, er fände, das sei nicht richtig? Was wäre dann passiert? Er hätte gegen das Gesetz verstoßen. Wer hätte gegen das Gesetz des Mose verstoßen, und was hätten dann diese sehr feinen, gelehrten Leute gesagt? Das ist kein Prophet, das ist ein falscher Prophet. Es ist nicht möglich, dass ein Prophet sich gegen Mose stellt. Das ist ein falscher Prophet. Und dann hätten sie eine Hetzkampagne im Volk gegen Jesus gestartet, der sich gegen das Gesetz des Mose stellt.
Und was wäre geschehen, wenn Jesus gesagt hätte, man müsse die Frau wirklich steinigen? Was wäre dann geschehen, was hätten sie dann gemacht? Dann hätten sie ihn bei den Römern verklagt, hätten ihn hingeschleppt und gesagt: Seht, er verstößt gegen das römische Recht, er erlaubt sich einfach, die Todesstrafe auszusprechen und duldet es, wenn sie vollzogen wird. Sie hätten ihn zum Volksaufrührer gebrandmarkt, was sie ja dann auch später tatsächlich taten.
Und als sie das wussten, das wird deutlich, als sie Jesus vor Pilatus schleppten, da sagt dann Pilatus zu ihnen: Nehmt doch ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. Was habe ich mit dem zu tun? Und das antworten die Juden: Wir haben nicht das Recht, jemanden hinzurichten. Sie wussten genau, wie das läuft. Sie wussten es ganz genau.
Und hätte Jesus gesagt, steinigt diese Frau, hätten sie ihn vor das römische Prokurat geschleppt und gesagt: Wir haben hier einen Volksaufwiegler, der nimmt sich das Recht heraus, gegen das römische Recht zu verstoßen. Es war ihnen alles egal. Einzig Jesus musste beseitigt werden, und egal, wie Jesus auf diese Frage reagierte, meinten sie, würden sie ihn verklagen können.
Das ist ganz schön raffiniert. Dumm waren diese Leute nicht. Es handelt sich hier, ich würde das bezeichnen, um kreative Bosheit. Kreativität in der Bosheit ist weit verbreitet, bis heute leider. Ganz schlimm ist es, wenn diese Bosheit unter dem Deckmantel von Frömmigkeit und Religiosität daherkommt.
Jesu Antwort und der Spiegel für alle
Jesus schenkt diesen scheinheiligen Männern keine Aufmerksamkeit. Er schreibt, scheinbar in sich versunken, etwas auf die Erde. Doch sie lassen nicht locker und stürmen weiter auf ihn ein. Sie sind entschlossen, von ihm eine Antwort zu erzwingen. Jetzt muss er etwas sagen: entweder steinigen oder nicht steinigen. Sie wollen, dass diese Falle jetzt zuschnappt.
Ich weiss nicht, wie lange Sie darüber nachgedacht haben, wie Sie das machen. Aber jetzt soll sie zuschnappen. Er soll ihnen nicht noch einmal entwischen.
Und endlich richtet Jesus sich auf. Ich denke, er schaut diesen Männern in die Augen und sagt: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Er neigt sich wieder und schreibt weiter auf die Erde.
Mit dieser Antwort hatten sie natürlich nicht gerechnet. Selbst wenn sie wochenlang ein Seminar gehalten hätten, wie man eine solche Frage beantworten könnte, sie wären nie, ich sage euch, nie auf diese Antwort gekommen, die Jesus gegeben hat.
Und das ist es, was mich immer wieder fasziniert an Jesus. Nicht einmal, nicht wirklich nicht ein klitzekleines Mal haben sie Jesus in eine Falle locken können. Immer waren sie die Blamierten am Schluss. Sie wären nie auf diese Idee gekommen, dass Jesus so etwas sagen könnte, da bin ich tief überzeugt. Diese Antwort ist einfach sensationell.
Jesus widerspricht in keiner Art und Weise dem Gesetz des Mose. Er sagt nicht, das sei gar nicht schlimm, was diese Frau getan hat. Natürlich war es schlimm, selbstverständlich missfällt das Gott. Aber darum ging es diesen Leuten ja gar nicht, wie ich schon ausführte.
Jesus sagt ihnen: Wenn euch das Gesetz Mose so wichtig ist und ihr wisst offenbar, was zu tun ist, dann macht es doch. Was fragt ihr mich? Ihr seid ja Pharisäer und Schriftgelehrte, ihr habt das Recht gepachtet. Was soll ich dazu sagen? Dann werft doch diese Steine.
Bevor sie das Gesetz des Mose anwenden, sagte Jesus ihnen, sollen sie sich überlegen, ob sie vor dem Gesetz des Mose bestehen können. Denn wer nach dem Gesetz leben will, der muss das ganze Gesetz halten. Das sagt auch Jakobus jenen Christen, die meinten, dass sie durch Einhaltung des Gesetzes in den Himmel kommen würden. Jakobus schreibt: Wer das gesamte Gesetz befolgt, aber gegen ein einziges Gebot verstösst, hat gegen alle verstossen und ist vor dem ganzen Gesetz schuldig geworden.
Dieses Prinzip gilt auch im Alten Testament. Wie schnell sehen wir die Fehler und Sünden der anderen, aber sind für unsere Fehler und Sünden blind.
Paulus sagt über den gottlosen Menschen: Du sagst, man soll die Ehe nicht brechen, warum brichst du sie dann? Du verabscheust die Götzen, warum bereicherst du dich dann an ihnen, indem du ihre Tempel plünderst?
Dieses Verhalten, von dem man denkt, was richtig ist, und von dem, was man wirklich lebt, macht auch vor Menschen nicht halt, die Jesus lieben. Jeder von uns steht in der Gefahr, sich über den zu erheben, der sich offensichtlich versündigt. Und wie leicht ist es, wenn dann die Folgen einer Sünde sichtbar werden. Für meine eigene Sünde bleibe ich jedoch blind.
Und Jesus hält diesen Männern und somit auch uns mit seiner Antwort einen Spiegel vor die Augen. Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen.
Bist du bereit, in diesen Spiegel hineinzuschauen, auch heute Morgen?
Selbstprüfung und ehrliche Umkehr
Ich kann dir sagen, wie das ganz praktisch sein kann. Ganz praktisch kann es sein, dass ich Gott darum bitte, dass er mir die Augen öffnet für Sünden in meinem Leben, die ich noch nicht in Ordnung gebracht habe. Ich bin überzeugt: Wenn jemand das von Herzen tut, wird Gott das offenbaren, wenn Sünde da ist.
Ich bin übrigens keiner von denen, die auf dieser Welle reiten und sagen, wir versündigen uns tausendmal am Tag. Wenn ich von Sünde spreche, spreche ich von handfesten Dingen, von Lug und Betrug, von Eifersucht, von Neid. Handfeste Dinge. Gott wird es dir zeigen, er wird dir die Augen öffnen, wenn du das willst.
Und vielleicht weisst du jetzt ganz genau, wenn du hier sitzt, wo du dich mit deiner Sünde arrangiert hast, und du weisst genau, eigentlich sollte ich das schon lange in Ordnung bringen, dann lass diesen Spiegel stehen und schau hinein und bringe das in Ordnung.
Natürlich, wenn ein Kind ausserhalb der Ehe gezeugt wurde, ist das nicht in Ordnung. Jeder, der das nicht getan hat, kann sich ja zurücklehnen und sagen: Seht einmal, was die beiden Schlimmes gemacht haben. Da fällt das, was ich im Verborgenen mache, gar nicht ins Gewicht. Ja, schön wär's.
Wie steht es dann mit deinen sexuellen Fantasien? Hast du die im Griff? Jesus sagt in der Bergpredigt: Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst?
Wir können so blind für uns selber sein. Wir können anderen etwas vorwerfen, was wir selber tun, und merken es nicht. Ich muss einfach das Prinzip noch einmal erklären. Ich wollte es zwar gar nicht, aber es passt halt trotzdem, auch ich habe es schon oft gesagt, aber ich finde es einfach hilfreich.
Oft sind wir dort, wo wir selber ein Problem haben, höchst sensibel auf den anderen. Das heisst: Wenn mein Problem Neid ist, dann stehe ich in der Gefahr, dass ich immer denke, dass die anderen neidisch sind auf mich. Die anderen sind aber nicht neidisch. Das Problem ist: Weil ich selber dieses Problem habe, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es andere Menschen gibt, die mit Neid nicht zu kämpfen haben. Menschen, die mir einfach etwas gönnen und Freude haben, dass es mir gut geht.
Ich sehe immer hinter ihrer Freude den versteckten Neid, weil ich dieses Problem habe. Also ich reflektiere praktisch mein Problem auf die anderen. Und für mich ist das seit Jahren eine ganz hilfreiche Sache, wo ich mich selber immer wieder reflektiere und selbstkritisch mit mir sein kann. Wenn ich merke, dass ich bei anderen immer dasselbe Problem entdecke, dann frage ich mich beim zwanzigsten Mal vielleicht oder hoffentlich schon früher: Jürg, ist das vielleicht dein Problem?
In den meisten Fällen ist es mein Problem. Ich habe wirklich Leute erlebt, die haben den Eindruck, die ganze Welt, alle sind immer neidisch auf sie. Und es war ihr Problem.
So können wir schauen, dass sich nicht ein Balken in unserem Auge niederlässt und wir dann mit dem Balken dem anderen den Splitter aus dem Auge ziehen wollen. Wir müssen uns das mal vorstellen: die Katastrophe im anderen Auge. Wie fein ein Augenarzt ins Auge gelangen muss, und dann ich mit dem Balken. Ich will mir vorstellen, ein Augenarzt kommt mit einem Balken vor dem Gesicht und sagt: Jetzt machen wir mal hier eine kleine Operation. Also ich würde nicht hinhalten, ich würde den Augenarzt wechseln, ihr vermutlich auch.
Wir sehen die Fehler und Sünde der anderen und realisieren gar nicht, wie schlecht es um uns steht.
Korrektur, Barmherzigkeit und rechte Ermahnung
Nur würden wir diese Aussage von Jesus falsch verstehen, wenn wir meinen, man dürfe niemanden mehr ermahnen. Das ist das andere Extrem. Wir dürfen niemanden auf eine Sünde aufmerksam machen, wir müssen jede Sünde einfach akzeptieren und sagen: Ja, das ist halt so im Leben, wir sündigen halt mal da und mal dort, und es ist ja gar nicht so tragisch, wenn man ein bisschen sündigt. Wenn wir das meinen, haben wir Jesus komplett falsch verstanden.
Natürlich sollen wir disziplinarische Maßnahmen ergreifen, wenn jemand nicht einsichtig ist. Jesus will sagen, dass wir das nur mit der nötigen Selbstkritik tun dürfen. Und er sagt übrigens im selben Abschnitt, diesen Vers zieht jemand dann halt nicht so gern: Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge! Dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.
Er sagt nicht, dass man den Splitter aus dem Auge des Bruders nicht ziehen darf. Das ist eine wichtige Aufgabe. Aber bitte zuerst den Balken raus. Und ich kann euch garantieren: Wenn man mal den Balken rausgenommen hat, hat man auch genügend Barmherzigkeit, um einen Splitter rauszuziehen. Wenn man den Balken nicht weg hat, dann schlägt man wie ein Trottel auf den anderen ein und macht das ganze Auge kaputt.
Aber wenn ich selber sehe, dass das Prinzip gilt, dass ich weiß, dass mir vergeben worden ist, dass Gott mir barmherzig war, dann gebe ich diese Barmherzigkeit weiter, die mir widerfahren ist. Erst wenn ich bei mir aufgeräumt habe, kann ich dem anderen beim Aufräumen helfen.
Und erstaunlich finde ich, das muss ich jetzt wirklich sagen, dass diese scheinheiligen Männer in diesen Spiegel geschaut haben. Stellt euch das vor! Sie haben in den Spiegel geschaut! Ja, vielleicht, ich weiß es zwar gar nicht, vielleicht sind sie auch einfach gegangen, weil sie gedacht haben: Wenn wir jetzt die Steinigung eröffnen, haben wir das Problem mit dem Römischen Reich. Warum auch immer, sie sind auf jeden Fall abgezottelt. Beschämt schleichen sie sich fort. Keine Chance, Jesus auf diese Weise zu beseitigen.
Die Frau vor Jesus und die Kraft der Gnade
Und nun der dritte, letzte Punkt: Jesus kümmert sich also nicht um diese selbstgerechten, stolzen, schriftgelehrten Pharisäer. Er schreibt wieder irgendetwas auf den Boden, während sich die Männer davonschleichen.
Die Frau bleibt stehen. Sie bleibt vor Jesus stehen. Sie hätte ja auch weggehen können. Sie hätte denen hinterherschleichen können. Die hatten schon gesehen, wann der Letzte dann weg war, von diesen Leuten, die da gekommen sind. Dann hätte sie hinterhergehen können oder wenigstens auf die andere Seite, vermutlich nicht gerade hinterher bei diesen Leuten. Sie weicht Jesus nicht aus.
Und nun richtet sich Jesus wieder auf, schaut diese Frau an und fragt: Wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Die Frau sagt: Niemand hat mich verurteilt.
Jesus, der ohne Sünde war und als Sohn Gottes als Einziger das Recht gehabt hätte, einen Stein zu heben und auf diese Frau zu werfen und die Steinigung zu eröffnen, sagt dieser Frau: Ich verurteile dich nicht. Er wäre der Einzige gewesen, der es mit Recht hätte tun können, denn er war ohne Sünde. Ich verurteile dich nicht. Jesus begnadigt diese Frau.
Und das war keine fromme Floskel von Jesus. Jesus wusste, dass er diese Strafe für die Sünde dieser Frau noch selber bezahlen wird. Jesus wusste: Wenn ich dieser Frau sage, dass ich sie nicht verurteilen werde, dann werde ich das Urteil am Kreuz auf Golgatha tragen. Er wird auch für die Schuld dieser Frau am Kreuz sterben.
Im Römerbrief 3,25 heißt es: Jesus hat Gott vor den Augen aller Welt zum Sühneopfer für unsere Schuld gemacht. Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen, und durch den Glauben kommt sie uns zugute. Damit hat Gott unter Beweis gestellt, dass er gerecht gehandelt hatte, als er die bis dahin begangenen Verfehlungen der Menschen ungestraft ließ.
Das ist ein ganz interessanter Vers. Gott ist gerecht, auch in der Vergangenheit. Als Jesus noch nicht starb, ließ er, wenn jemand Buße getan hat, die Sünde im Hinblick auf das Opfer von Jesus, der dann sterben wird für diese Schuld, ungestraft.
Da Jesus dieser Frau sagte, er werde sie nicht verurteilen, wusste er ganz genau: Für diese Sünde werde ich auch ans Kreuz gehen. Für diese Frau werde ich ans Kreuz gehen.
Einladung zur Umkehr und neues Leben
Wenn du die Erlösung durch Jesus noch nicht angenommen hast, dann komm jetzt, heute, zu Jesus. Einen gnädigeren und barmherzigeren Gott wirst du nirgendwo finden. Vertraue auf Jesus, vertraue ihm dein Leben an, bekenne deine Sünden, und du wirst die Strafe nicht selbst ertragen müssen. Gott wird dich begnadigen.
Jesus sagt: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung mehr zu. Er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. Heute kannst du diesen Schritt tun, wenn du das noch nicht getan hast. Heute ist die Zeit, es ist eine gute Zeit.
Also sagt Jesus nun zu dieser Frau: Du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr. Jesus begnadigt diese Frau, damit sie ihr Leben neu gestalten kann. Es ist keine billige Gnade, die einfach vergibt, und dann macht man wieder weiter, als wäre nichts geschehen. Er sagt nicht: Ich verurteile dich nicht, geh jetzt und mach weiter. Wenn du den Herrn hast, ist alles egal, die Liebe ist oberstes Prinzip, mach einfach weiter damit. Nein, geh und sündige nicht mehr. Gestalte jetzt dein Leben neu. Nutze jetzt diese Chance, die ich dir gebe, dass ich dich nicht verurteile, um dein Leben neu zu gestalten.
Jesus begnadigt, damit wir frei werden, frei, unser Leben zu gestalten. Was in der Vergangenheit liegt, kann nicht verändert werden, das kann nur vergeben werden. Was in der Zukunft liegt, kann gestaltet werden. Auch Christen können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Ich hätte das Rad meines Lebens auch schon einmal gern zurückgedreht und dann wieder das Dumme umgangen. Das geht nicht, das geht nicht. Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, man kann die Vergangenheit nicht mehr verändern. Was geschehen ist, ist geschehen. Wer sich versündigt hat, der kann das nicht einfach ungeschehen machen, so schön das wäre. Er kann einzig und allein vor Gott treten, so wie diese Frau es tat, vor Jesus stehen blieb und seine Sünde bekannte.
Johannes schreibt, diesen Vers haben wir eingangs schon gehört: Wenn jemand doch eine Sünde begeht, haben wir einen Anwalt. Da muss man ja sehen: Wenn jemand doch eine Sünde begeht. Johannes sagt, man soll gar nicht sündigen, das schickt sich gar nicht als Christ. Und dann räumt er ein: Aber wenn das doch geschieht, wenn das doch geschieht, dann haben wir einen Anwalt, der beim Vater für uns eintritt, Jesus Christus, den Gerechten. Er, der nie etwas Unrechtes getan hat, ist durch seinen Tod zum Sühneopfer für unsere Sünden geworden, und nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt.
Leben in Vergebung und Verantwortung
Wir können uns also mit unserer Schuld an Jesus wenden. Dann stehen wir vor ihm wie diese Frau mit ihrer Schuld. Jesus wird uns vergeben, wenn wir unsere Schuld bereuen. Aber er wird uns auch sagen: Du darfst gehen, sündige von jetzt an nicht mehr. So wird er uns wegschicken. Du darfst gehen, ich verurteile dich nicht, aber sündige jetzt nicht mehr.
Jesus starb für uns, damit wir unser Leben neu gestalten können, damit der Weg in den Himmel offen ist. Als Israel einen König verlangte und das durchboxte, merkten sie plötzlich, dass sie sich durch ihr Verhalten gegen Gott und auch in anderen Dingen massiv versündigt hatten. Das freute sie dann nicht, sondern sie realisierten plötzlich, dass das nicht in Ordnung war. Und dann sagt ihnen doch der Samuel etwas ganz Wunderbares: Habt keine Angst, ihr habt zwar all dieses Unrecht getan, aber haltet von jetzt an treu zum Herrn und gehorcht ihm von ganzem Herzen. Gestaltet jetzt eure Zukunft. Der König ist geblieben. Was in der Vergangenheit geordnet wurde, ist geblieben, aber jetzt ist es halt so, und jetzt gestaltet euer Leben ganz hingegeben an unserem Gott. Konzentriert euch auf das Leben, das ihr weiterführt.
Es nützt nichts, wenn wir uns hinterher fragen, was wir hätten anders machen können. Das wissen wir ohnehin, aber wir haben es ja nicht anders gemacht. Und wir können es nicht mehr anders machen, es ist vergangen. Aber in der Zukunft können wir es anders machen. Und Gott sagte sogar zu seinem Volk in Ezekiel: All das Böse, das jemand früher getan hat, wird ihm nicht angerechnet, weil er danach das Rechte getan hat; bleibt er am Leben.
Das ist Evangelium: dass Leben neu werden, dass Menschen, die sich versündigen, neu Leben gestalten können, dass sie die Sünde abladen dürfen, dass Gott vergibt und sie freispricht. Nicht, dass es so weitergeht, wie wenn nichts geschehen wäre. Natürlich bleiben Spuren. Aber im Vordergrund steht, dass wir weitergehen in der Beziehung und Verbindung mit Jesus.
Schlussgedanke und Gebet
Wer wirft den ersten Stein? Jesus ist unser Vorbild. Wenn Jesus denen gnädig ist, die sich versündigen und ihre Sünde bereuen, sollten wir dann nicht auch gnädig sein? Oder sollten wir dann nachtragend sein und den anderen immer spüren lassen: Du hast damals das und das getan? Und wenn du jetzt etwas sagst, nehmen wir dich nicht mehr so ernst. Denn du weißt ja, wir können dich jetzt nicht mehr so ernst nehmen.
Wisst ihr, wenn Gott mit uns so handeln würde, dann könnte ich gar nicht mehr predigen. Wen wollen wir verklagen, wenn Gott freigesprochen hat? Paulus schreibt: Wer wird es noch wagen, Anklage gegen die zu erheben, die Gott erwählt hat? Gott selbst erklärt sie ja für gerecht. Ist da noch jemand, der sie verurteilen könnte? Jesus Christus ist doch für sie gestorben, mehr noch: Er ist auferweckt worden, und er sitzt an Gottes rechter Seite und tritt für uns ein.
Leben wir die Liebe, die wir von Gott selbst bekommen haben, sind wir nicht nachtragend, sondern helfen denen, die auf Abwege gekommen sind und bereit sind, ihre Schuld anzuerkennen. Ich wünsche mir, dass in unserer Gemeinde Menschen praktisch Vergebung leben können und erleben dürfen. Ich wünsche mir, dass in unserer Mitte verfahrene Lebenssituationen wieder neu gestaltet werden dürfen. Dass Gemeinde nicht nur von Vergebung und Erneuerung spricht, sondern dass sie das lebt.
Petrus sagt: Vor allem lasst nicht nach in der Liebe zueinander, denn die Liebe macht viele Sünden wieder gut. Das ist ein Vers, den man mal so aufschlürfen muss, nicht nur oberflächlich aufnehmen: Vor allem lasst nicht nach in der Liebe zueinander, denn die Liebe macht viele Sünden wieder gut. Praktizieren wir doch diese Liebe, die Liebe, die uns durch Jesus Christus geschenkt ist. Amen.
Ich bete mit uns:
Herr Jesus, es ist einfach faszinierend und beeindruckend, wie du Menschen begegnest. Wie du gerade Menschen, die sich verfehlen, die aber offen sind, die nicht davonrennen, die bereit sind, in den Spiegel hineinzuschauen, neu machst. Herr, wo wären wir, wenn du uns nicht vergeben hättest? Wo wären wir, wenn wir deine Liebe nicht erfahren hätten?
Und ich danke dir für diese Botschaft, dass du, Herr Jesus, es erlaubst, dass Leben neu gestaltet werden kann. Wir danken dir, dass du für unsere Schuld ans Kreuz gegangen bist und dass wir mit unserer Vergangenheit, die wir nicht mehr beeinflussen und nicht mehr ändern können, vor dich kommen dürfen. Und du sprichst uns die Vergebung zu, und du erlaubst uns, unser Leben neu zu gestalten.
Herr, ich bin einfach begeistert von dir, von deiner Gnade, deiner Barmherzigkeit, deiner Gerechtigkeit, deiner Heiligkeit und deiner Weisheit. Und wir dürfen deine Kinder sein, was für ein großes Vorrecht. Wir beten dich an. Amen.

