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Weder Willkür noch Langeweile

Apostelgeschichte 20,2725.05.2018
Wie predigt man ein ganzes Bibelbuch, ohne die Gemeinde zu überfordern? Der Schlüssel: planen, begrenzen, konzentrieren – so bleibt Gottes Wort umfassend und trotzdem frisch.

Einleitung und Zielsetzung

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Es freut mich, mit euch hier zu sein und in der nächsten Stunde über das Thema zu sprechen, wie man eine Predigtserie durch ein Bibelbuch plant. Mein Name ist Daniel Knoll. Ich bin Pastor der Immanuelgemeinde Wetzlar und Teil des Trägerkreises von Evangelium 21.
Wir sind ja hier die meisten von uns auch auf dieser Konferenz, weil ein wesentliches Anliegen von uns hier als Evangelium 21 das ist, dass Gottes kostbares Wort gepredigt wird, dass es ausgelegt wird und dass dadurch Gott Menschenherzen überzeugt und verändert. Wir hören immer viel, auch auf diesen Konferenzen, wie man eine Predigt halten kann, wie man sie vorbereiten kann. Es gibt auch eine ganze Menge guter Bücher dazu. Aber es gibt eher wenig dazu, wenn man da nicht nur eine Predigt halten will, sondern mehrere hintereinander, also eine Predigtserie. Und das ist das Thema, worum es mir heute geht.
Ich stelle gleich voran, dass es natürlich verschiedene Wege gibt, eine Predigtserie zu gestalten. Was ich euch jetzt hier heute vorstelle, erhebt nicht den Anspruch, der eine Weg zu sein, wie man das machen müsste. Aber ich hoffe, es zeigt euch einige Möglichkeiten auf und ist hoffentlich hilfreich für uns.
Bevor wir einsteigen, lasst uns noch einmal zusammen beten.
Unser Herr, wir beugen uns vor allem erst vor dir und vor deinem Wort. Wir sind von Herzen dankbar, dass du es uns gegeben hast, dass es mächtig ist, Menschenherzen zu verändern, zu erlösen und zu dir zu ziehen. Wir selbst brauchen dein Wort, aber auch die Gemeinden, in denen wir dienen, sie brauchen dein Wort. Und wir freuen uns über alles, was wir hören auf dieser Konferenz, über Christus als das Zentrum deines Wortes und hoffentlich auch unserer Gemeinden und unseres Lebens. Wir beten, dass du auch dieses Seminar gebrauchst, um uns zu helfen oder zu ermutigen, dein Wort weiterzugeben, zu erklären, zu lehren und zu predigen, zu deinem Lob. Amen.
Ich weiß nicht, wie viele von euch hier im regelmäßigen Predigtdienst sind. Die Frage ist ja gestern auch schon einmal gestellt worden. Mich interessiert nur einfach mal ganz grob: Okay, auch alle anderen, die jetzt noch nicht aufzeigen und vielleicht in Vorbereitung sind oder mehr Bibelstunden halten usw. Ihr seid eingeladen, und ich hoffe, auch ihr profitiert irgendwie davon.
Ich möchte gerne zwei Pole für uns an den Anfang stellen, die ein bisschen den Rahmen geben von dem, was wir dann besprechen.

Der Spannungsbogen zwischen Vollständigkeit und Erfrischung

So schlagt bitte mit mir auf Apostelgeschichte, Kapitel 20.
Hier haben wir die Abschiedsworte von Paulus an die Ältesten in Ephesos. Er blickt zurück auf die Zeit, die er dort gedient hat, vor allem als Prediger in Apostelgeschichte 20. Dann kommt dieser berühmte Satz über die Art und Weise, wie er dort in dieser jungen Gemeinde gepredigt hat. In Vers 27 schreibt er: „Ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.“
Ein wichtiges Ziel unseres Predigtdienstes auf lange Sicht ist es, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Die Frage ist natürlich, wie wir das füllen. Aber ich möchte einen anderen Pol aufzeigen. Den finden wir an verschiedenen anderen Stellen in der Bibel, zum Beispiel in Psalm 19, einem der Psalmen, in denen es um Gottes Wort geht. Dort lesen wir Sätze wie: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und es erquickt die Seele, die Vorschriften des Herrn sind richtig und sie erfreuen das Herz, das Gebot des Herrn ist lauter und es macht die Augen hell.“
Das zeigt uns: Es gibt eine gewisse Spannung zwischen dem umfassenden Predigen von Gottes Wort auf der einen Seite und dem erfrischenden Predigen auf der anderen Seite, das die Gemeinde und uns selbst erquickt. Damit meine ich jetzt nicht einfach eine einzelne Predigt, also wie man irgendwie erfrischend predigt, sondern eine Reihe von Predigten oder unser Predigen insgesamt.
Ich möchte heute ein paar Hinweise geben, die uns vielleicht helfen können bei diesem Spagat zwischen dem umfassenden Ratschluss Gottes und dem erquickenden Aspekt von Gottes Wort, den wir predigen.
Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten, Gottes Ratschluss zu predigen, das ist mir klar. Ich gehe hier davon aus, dass das auch grundsätzlich der Tenor dieser Konferenz ist: dass wir es für wertvoll halten, Auslegungspredigten zu halten. Das heißt, ein Thema anhand eines Textes zu beleuchten und die Bedeutung des Textes zu erklären und zu verkündigen. Im Vergleich dazu steht eine Themenpredigt, bei der wir irgendein Thema nehmen, etwa die Liebe Gottes, und dann verschiedene Verse aus der Bibel dafür heranziehen.
Jetzt gibt es natürlich auch verschiedene Arten von Auslegungspredigten, und das sollte uns ebenfalls bewusst sein. Man kann zum Beispiel an einem Sonntag einen bestimmten Bibeltext auslegen und am nächsten Sonntag den nächsten Bibeltext. Das wären dann Textpredigten. Man kann auch über das Leben einer Person in der Bibel predigen und dabei ebenfalls Auslegungspredigten halten, also Lebensbildpredigten. Oder man predigt über ein Buch der Bibel, also Buchpredigten.
Wovon ich hier aber ausgehe, ist das, was man seit der Reformationszeit auch Lectio continua nennt, also das Predigen durch ein ganzes Buch der Bibel. Ich gehe also davon aus, dass es, bei allen anderen Methoden, die auch legitim, angebracht und gut sein können, grundsätzlich gut ist, durch Bücher der Bibel zu predigen.

Warum Predigtserien durch Bibelbücher sinnvoll sind

Das bringt uns zu unserem ersten Punkt hier, der auch auf eurem Handout steht. Hier habt ihr ein bisschen die Übersicht, wo wir in der nächsten Stunde langgehen werden.
Ich will noch einmal ganz kurz zusammenfassen, um uns alle abzuholen: Was sind die Vorteile von Auslegungspredigten?
Es ist praktisch. Es zeigt der Gemeinde auf sehr konkrete Weise, wie sie ihre Bibel lesen kann. Es ermutigt die Geschwister, morgens Gottes Wort aufzuschlagen und einen Abschnitt zu lesen. Und in der Art und Weise, wie wir ihn in der Predigt auslegen, liegt auch ein Aspekt darin, dass wir sie dadurch lehren, wie sie die Bibel lesen können und wie sie die Zusammenhänge zwischen einzelnen Abschnitten und Versen usw. erkennen.
Es ist auch ausgewogen. Es bewahrt uns davor, einfach unsere Lieblingstexte zu nehmen. Denn wenn wir durch ein Buch predigen, dann sind die Texte da, die da sind, und wir müssen sie auslegen. Wir können nicht einfach auslassen, was uns gerade nicht so passt.
Es ist auch zusammenhängend. Es hilft uns, die Heilsgeschichte Gottes besser zu erkennen, und es hilft auch, in Gottes Wort auszuharren, auch bei den etwas schwierigeren Passagen.
Es ist außerdem, was für mich sehr sympathisch ist, planbar. Mir fällt wenig schwerer, als für irgendeinen Anlass einen Bibeltext auszusuchen. Es gibt sehr begabte Männer Gottes, die das immer so gemacht haben. Mir hilft es ungemein, wenn ich weiß: Das sind die nächsten Texte, und ich brauche jetzt nicht viele Stunden damit zu verbringen, zu suchen, worüber ich als Nächstes predige.
Auslegungspredigten durch Bibelbücher sind auch, glaube ich, fruchtbar, weil sie zunächst einmal in mir als Prediger und dann hoffentlich auch in der Gemeinde ein tieferes Verständnis fördern, wenn wir ganze Bücher studieren.
So, nicht alles will ich dazu sagen: Nicht alle guten und begabten Prediger der Kirchengeschichte haben das gemacht. Ihr habt gerade heute Morgen über Charles Haddon Spurgeon gehört; er hat es nicht so gemacht. Bei manchen wurde das ausgeglichen durch ihre hervorragende Begabung als Prediger, und Spurgeon wäre ein Beispiel dafür. Manche haben andere Möglichkeiten, kontinuierlich durch die Bibel zu gehen, zum Beispiel durch kontinuierliche Bibelstunden in der Woche usw.
Aber ich gehe einmal davon aus, dass die allermeisten von uns sich hier in einem Kontext befinden, in dem wir in der Regel — wenn ich mich zumindest einmal voraussetze — eher von durchschnittlich begabten Predigern oder Pastoren ausgehen. Und wo wir meistens auch nur eine Predigt am Sonntag haben und dann oft noch Zuhörer, die immer weniger damit vertraut sind, selbst Gottes Wort zu lesen. Das spricht für mich dafür, grundsätzlich davon auszugehen, dass es gesund ist, durch Bücher der Bibel zu predigen, auch wenn es immer Raum gibt für einzelne Predigten, kurze Serien oder dergleichen.
Wenn man sich jetzt entscheidet: Okay, ich möchte gerne durch ein Evangelium predigen oder durch einen Propheten, dann kann das aber auch bestimmte Herausforderungen mit sich bringen.
Eine Herausforderung ist, dass die Predigtserie häufig zu lang wird. Manche verstehen diesen Vers, den ganzen Ratschluss Gottes zu predigen, in der Weise, dass wir Vers für Vers, Kapitel für Kapitel durch das ganze Bibelbuch gehen. Das funktioniert ganz gut, wenn man durch den Philipperbrief predigt. Es wird ein bisschen schwieriger, wenn man durch Jeremia predigt oder durch das Buch Chronik, weshalb diese Leute es manchmal auch nicht machen.
Das kann schnell dazu führen, dass so eine Predigtserie auf einmal 40 bis 60 oder noch mehr Predigten hat und dass sie nicht nur ein Jahr geht, sondern vielleicht manchmal zwei Jahre lang die ganze Gemeinde mit diesem einen Buch befasst ist.
Und es kann lang sein. Es kann auch zu einer weiteren Herausforderung führen, nämlich dass es dann unübersichtlich wird. Man hat schon mal das Gefühl: Was hat jetzt noch einmal dieser Abschnitt mit dem ganzen Thema des Buchs zu tun? Oder: Was hat jetzt noch einmal dieser Text damit zu tun? Warum steht dieser Text ausgerechnet hier? Oder wie passt das noch einmal zu der Einleitung zum Buch, die wir vor anderthalb Jahren gehört haben? So kann es passieren, dass wir die Wahrnehmung haben: Okay, wir hören eigentlich jeden Sonntag viele einzelne Predigten, aber ich hätte auch gar nicht gemerkt, ob die alle jetzt aus demselben Evangelium kommen oder irgendwie woanders her. Diese Übersichtlichkeit geht uns verloren.
Eine Herausforderung kann auch sein, dass es redundant wird. Themen in den biblischen Büchern wiederholen sich häufig. Dann kommt man zum siebten Wunder von Jesus, zur siebten Wunderheilung oder zur fünften Missionspredigt der Apostel oder zum zehnten Mal, dass Israel in der Wüste untreu wurde, und man fragt sich: Was hole ich jetzt da eigentlich noch heraus? Die Details in all den Texten mögen unterschiedlich sein, aber das Thema ist doch eigentlich sehr ähnlich.
Und das führt dann manchmal auch dazu, dass so eine Predigtserie langatmig werden kann. Manche nicht so geneigten Gemeindemitglieder würden vielleicht sogar sagen: langweilig. Wahrscheinlich nicht bei euch, aber ich kann es mir vorstellen. Sie verlieren die Motivation.
Es ist natürlich gut, dass wir nicht einfach Predigtthemen auswählen, danach, was jetzt neu ist und was unbedingt frisch wirkt. Deswegen habe ich das vorangestellt: Es ist gut, Predigtserien durch Bücher zu halten. Aber es ist auch wichtig wahrzunehmen, dass sich vieles in den Büchern wiederholt, besonders wenn wir uns dann außerhalb der Briefe befinden, im Großteil der Bibel, in den Erzähltexten, in den prophetischen Texten und so weiter.

Grenzen, Wiederholungen und die Belastung langer Reihen

Ja, wer hat das schon einmal gehört in einer Gemeinde, die eigentlich auch Auslegungspredigt durch Bibelbücher betreibt, dass da mal jemand gefragt hat: Ich wünschte, wir hätten mehr Themenpredigten. Hört man das nicht immer wieder? Und es drückt eigentlich nur aus: Ich nehme einfach nur eine Predigt nach der anderen wahr. Dadurch wird es auch schwieriger für den Prediger.
Das Ganze hat für mich angefangen, als ich beschlossen hatte, eine Predigtserie durch die Apostelgeschichte zu halten. Ich sprach mit einem schon erfahrenen Prediger hier bei Evangelium 21 darüber, und er sagte: Ja, das habe ich auch mal gemacht, und nach dem sechsten Kapitel habe ich aufgegeben. Ich fragte: Warum? Er sagte: Da kam die ganze Zeit alles wiederholt vor: Krankenheilung, dann wurde die Gemeinde wiederverfolgt, und irgendwie konnte ich nicht mehr, was ich da jetzt Neues dazu sagen soll.
Okay, und das war für mich so ein entscheidender Hinweis, darüber nachzudenken: Was kann ich machen, um mit dieser Spannung umzugehen? Mit der Spannung zwischen dem Anspruch, den ganzen Ratschluss Gottes zu predigen, auf der einen Seite, und andererseits das so zu tun, wie Gottes Wort es ja auch über sich selbst sagt, auf eine erfrischende Art und Weise.
Noch eine Herausforderung: Wenn man durch ein ganzes Buch der Bibel predigt und das sehr, sehr ausführlich, sehr, sehr detailliert macht, dann wird das automatisch in gewisser Weise einseitig. Wenn du versuchst, möglichst komplett durch ein ganzes Buch der Bibel zu predigen, dann wird das bedeuten, dass du auf der anderen Seite relativ wenig durch die anderen Bücher der Bibel predigen kannst. Meine Milchmädchenrechnung ist dann einfach: Wenn man zwei, drei Jahre braucht oder anderthalb Jahre durch ein Buch predigt, dann reicht meine normale Lebenszeit nicht aus, um die anderen Bücher der Bibel auch abzudecken. Ihr könnt dafür beten, aber grundsätzlich kann man davon ausgehen: Es gibt irgendwie so eine Begrenzung, in der ich hier meinen Dienst zu tun habe.
Es wird natürlich noch weniger möglich, wenn wir mal den Wunsch hätten, dass Geschwister vielleicht auch zu einem Wiederholungsmal in ein Buch eintauchen und das noch einmal neu hören. Es gibt in gewisser Weise, ich will nicht sagen einen Konflikt, aber sagen wir eine Spannung dazwischen, den ganzen Ratschluss Gottes aus einem Buch zu predigen und den ganzen Ratschluss Gottes aus der ganzen Bibel zu predigen.
Und hier sind, wie ich finde, drei Gründe für diese Herausforderung:
Erster Grund: fehlende Planung. So ist mein Eindruck, es gibt etliche Prediger, die sich nicht mehr auf die Frage konzentrieren. Die haben das gute Anliegen: Ich predige durch ein Bibelbuch. Und dann lesen sie mal so ein, zwei Artikel oder eine Einleitung kurz dazu, und dann starten sie einfach am Sonntag mit den ersten Versen. Und ihr einziger Plan ist: Der nächste Predigttext ist der nächste Abschnitt. Und sie haben keinen Überblick, wie viele Predigten wir hier halten, wie lange wird das Ganze dauern, welche Themen werden auf uns, auf mich als Prediger und auf die Gemeinde zukommen, was wird sich wiederholen oder was werde ich machen, wenn die sechste Buchspredigt des Propheten dran ist und so weiter. Also fehlende Planung kann dazu beitragen, dass diese Herausforderungen entstehen.
Zweiter Grund: fehlende Begrenzung. Nach 25 Predigten geht dann etlichen Predigern die Puste aus, und den Zuhörern vielleicht schon ein paar Predigten vorher. Und dann müssen wir alle irgendwie bis zum Schluss durchhalten, bis wir dieses lange Buch geschafft haben, und dann hangeln wir uns vielleicht entlang an den Highlights.
Dritte Herausforderung: fehlende Konzentration auf das Wesentliche. Fast jedes mittellange oder längere Buch der Bibel ist voll von Details, und man kann zu allen Dingen etwas sagen. Und man kann zu manchen Dingen sogar noch einmal extra Predigten halten. Das führt dann dazu, dass es lang und redundant wird und für manche dann auch schwierig.

Drei Leitlinien für die Planung

Und deswegen hier als Nächstes einige Prinzipien, die mir helfen, jedenfalls für die Vorbereitung einer Predigtserie, die ich von genau diesen Gründen ableite, nämlich: Prinzip eins, planen; zweitens, begrenzen; und drittens, konzentrieren.
Nummer eins: planen.
Mein Tipp ist: Plant, wenn ihr Prediger seid, mit anderen Predigern oder Ältesten zusammen. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Plant die nächsten Predigserien im Voraus und im Zusammenhang.
Meine Empfehlung ist, einen Ausgleich zu haben zwischen Predigten aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament, Stichwort: ganzer Ratschluss Gottes. Einen Ausgleich dann auch zwischen den verschiedenen Gattungen, also Literaturarten, die wir haben: ein Prophetenbuch, dann ein Weisheitsbuch, ein Evangelium, dann ein Brief usw. Das meine ich damit: Plant Predigtserien für die Gemeinde im Zusammenhang.
So, hier ist ein Beispiel der Predigtserien, die wir in den letzten Jahren in unserer Gemeinde hatten: Buch Exodus, dann das Markus-Evangelium, Philipperbrief, Apostelgeschichte, Sprüche, 1. Petrus, Hesekiel, Bergpredigt, Lukas-Evangelium, Genesis, 1. Johannesbrief, Samuelbücher. Okay, das nur als Beispiel.
Jetzt, die laufen bei uns nicht im Wechsel. Bei uns laufen die oft parallel. Aber egal, ob ihr im Wechsel predigt, ob eine Person eine Predigtserie hält, wie wir das in der Regel machen, oder ob sich die zwei, drei, vier Prediger einer Gemeinde zusammentun, um eine Predigtserie zu halten: In allen Fällen kann es gut sein, vorher zu überlegen, wie decken unsere Predigtserien die Bibel ab?
Und dann der zweite Aspekt, und darum geht es mir natürlich jetzt schwerpunktmäßig: Plant die einzelne Predigtserie im Voraus. Das heißt, nimm dir Zeit vorher, dich mit dem Buch vertraut zu machen. Lies es mehrfach durch. Wir kommen da nachher wahrscheinlich auch noch mal kurz zu. Ich lese das gerne durch in verschiedenen Sprachen, in verschiedenen Bibelübersetzungen. Man kann es auch noch mal zusätzlich als Audiobuch hören, um einfach mit dem Buch vertraut zu werden und zu wissen: Was kommt hier wann und wo?
Dann das Buch analysieren, sich Zeit nehmen, schon Arbeit zu machen, Bücher, Artikel, Überblicke zu lesen zu dem Buch. Und dann, bevor die Predigtserie beginnt, bereits einen ersten, nennen wir es mal vorläufigen Predigtplan zu erstellen. Also nicht einfach nur ein paar Gedanken machen und: Ja, ich hätte jetzt irgendwie Lust, durch das Johannesevangelium zu predigen, und dann einfach loszulegen. Sondern die Zeit sich zu nehmen, ein Buch mehrmals durchzulesen, Literatur dazu zu sammeln, je nachdem, was ihr da für Möglichkeiten und auch Ausbildung habt, und dann einen Predigtplan zu erstellen, wo schon mal ersichtlich wird: So und so viele Predigten etwa werde ich brauchen, und das sind die Themen, die abgedeckt werden, und so weiter.
Ich bete in diesem Prozess, der durchaus mal ein, zwei Wochen dauern kann, je nachdem, wie viel Zeit man hat, gerne dafür, wie es in der Offenbarung heißt, dass Gott mir zeigt, was der Geist der Gemeinde sagen will.
Das ist Punkt eins: Planen. Prinzip Nummer zwei: Begrenzen.

Begrenzung als Schutz vor Überforderung

Ich glaube, es ist ein gutes Ziel für eine Predigtserie, wenn es eine Mischung aus Beständigkeit und Abwechslung gibt: Stabilität und ansprechende Abwechslung, diese beiden Dinge. Ja, das ist es, was ich versuche.
Und ich glaube, das Ziel aller Serien zusammen, also der Predigtserien, die wir über einen langen Zeitraum in einer Gemeinde predigen, ist ein gutes Ziel, wenn wir versuchen, innerhalb einer Generation durch die meisten Bücher der Bibel zu predigen. Das klingt jetzt vielleicht etwas herausfordernd, aber ich glaube, das ist ein sehr gesundes Ziel.
Ich stelle mir die Frage: Wenn jemand in meiner Gemeinde zwanzig Jahre lang, oder 22, 25 Jahre, nehmen wir einmal zwanzig Jahre lang, unter Gottes Wort kommt, was wird er dann gelernt haben? Kann er dann einen grossen Teil der Bücher der Bibel ausgelegt bekommen haben? Oder wenn ein Student nur für drei Jahre zu uns kommt, wird er in diesen drei Jahren ausschliesslich über das Buch Genesis gehört haben? Oder wird er mehrere Bücher, mehrerer Gattungen, in verschiedenen Arten und Weisen Gottes Ratschluss kennengelernt haben?
Hier ist einmal ein Rechenbeispiel. Die Bibel hat wie viele Bücher? Sechsundsechzig Bücher. So, ich glaube, man muss nicht sechsundsechzig einzelne Predigtserien halten. Man kann die sechsundsechzig Bücher ein Stück weit herunterrechnen, denn es gibt da ein paar Zusammenhänge. Ich würde sagen, man kann sie gut auf fünfzig bis einundfünfzig Predigtserien begrenzen.
Im Alten Testament haben wir Bücher, die eigentlich zusammengehören: 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, 1. und 2. Chronik, Esra und Nehemia. Da kann man schon einmal vier herausstreichen, weil man sie eigentlich konsequenterweise als ein Buch behandelt.
Und dann haben wir die kleinen Propheten, die zwölf, die eigentlich auch eher so eine Einheit darstellen. Selbst wenn man sagt: Gut, die grossen Bücher Hosea und Micha und Sacharja und das vielleicht besondere Buch Jona, das würde ich gerne einmal getrennt behandeln, kann man trotzdem schon sechs andere zusammenfassen.
Und dann gibt es ja die ganz kleinen Bücher im Neuen Testament: der zweite Petrusbrief und der Judasbrief, die ganz eng beieinander sind und ganz ähnlich sind. Und dann der Philemonbrief, der braucht jetzt auch nicht unbedingt 15 oder 20 einzelne Predigten. Oder zweiter und dritter Johannesbrief. Oder im Alten Testament Ruth und Esther und Hohes Lied und Klagelieder.
Das heisst, man kann von den 66 Büchern gut und gern auf etwa 50 Predigtserien herunterkommen, wenn man sagt, das wäre eine Möglichkeit, durch die Bücher der Bibel zu predigen.
Wie viele Sonntage haben wir im Jahr im Schnitt? Ziemlich genau 52. Und ich rechne bei uns immer gerne von 52 Sonntagen sieben ab. Das heisst, fünf Sonntage sind dann so für die Feiertage, Weihnachten, Ostern, Missionstag, Dankfest, was es so gibt, und dann noch einmal zwei als Puffer, vielleicht für einen Gastprediger. Aber in etwa 45 Predigten kann man für regelmässige Predigtserien planen.
45 Predigten im Jahr heisst: Wenn man 15 Predigten für eine Serie annimmt, und ich halte das für einen ziemlich guten und gesunden Schnitt, den man anstreben kann, dann kann man drei Predigtserien durch ein Bibelbuch in einem Jahr halten. Oder wenn das Buch dann wirklich einmal lang ist, würde ich sagen, bis zu maximal 22 Predigten. Denn dann kann man immer noch zwei Bücher in einem Jahr durchgehen.
Also, ob es 15 bis 22 sind für ein normales langes Buch oder ein ganz langes Buch: Im Schnitt könnte man zweieinhalb Bücher im Jahr predigen mit 45 Predigten.
Wahrscheinlich ist es auch für die Aufnahme am besten, wenn wir das am Schluss mit Fragen machen. Da haben wir dann noch einmal Zeit.
Es ist also theoretisch erst einmal möglich, wenn man das annimmt, dass wir in guten Jahren, ohne dogmatisch zu sein, durch die allermeisten Bücher der Bibel predigen könnten, wenn wir uns entsprechend begrenzen.
Jetzt ist mein Ziel nicht unbedingt, dass hier jemand rausgeht und sagt: Ja, okay, das ist das Ziel, wir müssen ungefähr in 22 Jahren durch die ganze Bibel predigen. Aber ich würde es eher so formulieren: Könnten wir unsere Predigtserien so planen, dass wir die Gemeinde in einer Weise ernähren, dass sie innerhalb einer Generation durch einen Grossteil der Bibelbücher gepredigt bekommen könnte? Ich glaube, das wäre ein gutes Ziel.
Jetzt mag sich vielleicht jemand denken: Ja, aber das fühlt sich für mich irgendwie so ein bisschen komisch an. Dann müsste ich ja Abschnitte rauslassen, wenn ich durch ein Buch predige, oder nur sehr kurz zusammenfassen. Ganz ehrlich: Das tun wir sowieso immer. Du kannst nie einen Abschnitt völlig erschöpfend erklären. Egal, wie gross du den Abschnitt nimmst, du wirst immer Schwerpunkte setzen in deiner Predigt. Also vielleicht in den Briefen etwas weniger, aber in den Narrativtexten ganz bestimmt. Du wirst nicht jede Beschreibung ausführlich zwanzig Minuten lang in der Predigt behandeln.
In den allermeisten Texten setzen wir sowieso Schwerpunkte. Wenn wir das ohnehin tun müssen, in den Abschnitten der Bibel, dann soll es auch möglich sein, dass wir das in einem ganzen Buch der Bibel tun können. Bedenke noch einmal: Mit zu viel Zeit für zu viele Details in einem Bibelbuch heisst es automatisch, dass ihr weniger Zeit für andere Bücher der Bibel habt. Ihr begrenzt uns automatisch. So möglichst vollständig durch ein Buch der Bibel zu predigen, heisst ziemlich unvollständig durch den Rest der Bibel zu predigen, zumindest auf lange Sicht.
Ja, also wer dann sagt: Ich möchte gerne alle Evangelien Vers für Vers durchgehen, das kann dazu führen, dass die Gemeinde kaum einmal eine Predigt durch ein Weisheitsbuch oder durch Prophetenbücher hört.
Die andere Herausforderung, die das vielleicht für euch bedeuten kann, ist: Das ist ja Arbeit. Und das stimmt. Es ist tatsächlich Arbeit, die man sich macht, bevor man beginnt, eine Predigtserie zu predigen. Das heisst: schon vor Beginn das Buch kennen, grob einordnen, strukturieren. Aber ganz ehrlich: Wenn wir die Verantwortung wahrnehmen, als Prediger die Gemeinde zu ernähren, und wir nehmen sie mit auf eine mehrwöchige, vielleicht mehrmonatige Reise, ist es dann nicht angemessen, auch Zeit zu investieren, damit wir ihnen zeigen können, wo die Reise hingeht?
Ich glaube, das wird langfristig zu mehr Gewinn aus jeder Predigtserie führen.

Konzentration auf die Schwerpunkte eines Buches

Also, das Grobe hier: kürzere Predigtserien. Das an sich ist jetzt nicht neu oder unbedingt revolutionär, aber die Frage ist: Nach welchen Kriterien wähle ich denn dann aus, welche Teile aus einem Bibelbuch ich predige? Das ist hier der dritte Punkt: Konzentrieren.
Ein Prinzip von Auslegungspredigt lautet, die Hauptaussage des Textes zu predigen. Das heißt: nicht alle theologischen Wahrheiten, die sich in einem Text befinden, versuchen auszuschlachten, nicht alle Randthemen und Nebenaussagen, die man vielleicht dann in der systematischen Theologie durchaus mal verwenden kann, sondern das Hauptthema des Abschnitts zu predigen.
Ich würde sagen, ein Prinzip für die Auslegungspredigt-Serie durch ein Bibelbuch ist, die Hauptaussage beziehungsweise die Hauptaussagen des Buches zu predigen. Das heißt: nicht alle theologischen Wahrheiten und Randthemen, die sich in dem Buch wahrscheinlich finden lassen, sondern sich zu konzentrieren auf die großen theologischen Schwerpunkte.
Die Kernfrage, die ich dafür immer stelle, wenn ich ein Buch aufschlage, ist: Was trägt dieses Buch in seiner Art, wie Gott es geschaffen hat, zur Theologie der Bibel bei? Welche theologischen Wahrheiten werden in diesem Buch besonders betont? Oder anders gefragt: Was würde uns fehlen, was würde weniger deutlich werden, wenn dieses Buch in der Bibel fehlen würde?
Mir geht es hier nicht darum zu sagen, man predigt nur diese besonderen Beiträge, sondern wir nehmen das generell als eine hilfreiche Betonung und einen Schwerpunkt. Es geht darum, sich auf die Schwerpunkte dieses Buches, die theologischen Schwerpunkte, zu konzentrieren. Das heißt: Texte und damit verbundene Themen für die Predigtserie aus diesem Buch auszuwählen, anhand der Theologie dieses Buches, und dann einen Plan zu erstellen. Mit 15 oder 20 Texten: Aus diesen Texten werde ich folgende Themen dieses Buches predigen.
Wir werden uns gleich praktisch anschauen, was das bedeutet. Ja, das hat diverse Vorteile. Man verliert sich dann auch im ganzen Buch nicht in Nebensächlichkeiten. Man wählt dann auch, wenn man sagt, ich lasse bestimmte Abschnitte aus oder fasse die nur zusammen, und dieses Raster bewahrt mich davor, dann trotzdem nur meine Lieblingsthemen auszuwählen.
Und die Gemeinde lernt, die Betonungen und Schwerpunkte der einzelnen Bücher der Bibel wahrzunehmen und nicht immer nur im Prinzip das Gleiche zu hören, nur von einem anderen Buch. Jetzt natürlich sind die Grundwahrheiten des Evangeliums immer wieder die gleichen, und doch ist es gut, wenn wir wahrnehmen: Es gibt diese theologischen Betonungen in den unterschiedlichen Büchern und Gattungen der Bibel.
Es hilft dann auch mir selber als Prediger, die Predigten besser zu begrenzen, die einzelnen Predigten, weil ich weiß, was noch kommen wird, wenn ich meinen Predigtplan schon erstellt habe. Das heißt, ich bin an diesem Abschnitt und ich lese in diesem Kommentar, dass hier jetzt noch mal das oder ich merke es auch selber im Text, dass hier das Thema Buße noch mal ausführlich behandelt wird. Aber ich bin eigentlich mit der Predigt schon durch, und dann ist die Herausforderung: Quetsche ich das da jetzt noch rein oder nicht?
Und ich mache es nicht, weil ich weiß: Das Thema Buße kommt schwerpunktmäßig in einem der späteren Themen, die ich schon geplant habe, und ich kann meine Predigt entsprechend begrenzen. Weil ich weiß, was kommen wird, was auf mich zukommt in der Predigtserie, kann ich mich auch langfristig darauf vorbereiten.
Das heißt, ich habe meine Predigtserie jetzt gerade durch das Buch Samuel schon vor Augen. Ich weiß die Themen, die drankommen, und dann lese ich diesen Artikel und denke: Das ist eine passende Illustration für das Thema, was eigentlich erst in zehn Wochen kommt. Aber ich kann es mir schon abspeichern, weil ich weiß, was kommt. Ich kann Beispiele und Dinge schon im Voraus sammeln, und ich habe dann eine Datei, da habe ich dann alle Predigtthemen meines Plans schon abgelegt. Und alles, was ich dazu lese, vielleicht auch in einem Kommentar zum ersten Kapitel über etwas, was erst im achtzehnten Kapitel kommt, schreibe ich mir dann schon rein, und es wird dann akut, wenn ich da hinkomme. Aber hätte ich nicht vorher die Planung gemacht, wüsste ich nicht, wie wird das irgendwann für mich relevant.
Es hilft mir auch und uns dann auch, uns theologisch auf die einzelnen Predigten vorzubereiten. Also nicht nur: Ich bin jetzt hier in der Woche, und am Sonntag ist die Predigt, und ich habe jetzt noch meine zweieinhalb Tage, und ich wälze dann nach meiner grundsätzlichen Arbeit, die ich gemacht habe, noch die Kommentare. So bin ich nicht nur beschränkt auf das, was die einzelnen Kommentare dazu schreiben, sondern wenn ich weiß: Irgendwann in fünf Wochen geht es um das Thema Zufriedenheit, dann kann ich auch mal ein puritanisches Buch über das Thema Zufriedenheit lesen und werde meine Predigt viel mehr füllen können, als wenn ich jetzt innerhalb von zwei Tagen schnell noch irgendwie nur eine kurze Referenz finden muss.
Oder ich kann in der systematischen Theologie zum Thema Gemeinderziehung oder Taufe noch einmal gründlich und länger mich darauf vorbereiten, als wenn ich nur die paar Stunden habe, die Predigt für den Sonntag vorzubereiten. Je länger bekannt ist, worüber wir predigen, desto besser haben wir, desto mehr Zeit haben wir, uns gründlich auf die einzelnen Predigten und Themen vorzubereiten.
Also: planen, begrenzen und wie begrenzen wir uns? Indem wir uns konzentrieren auf die Schwerpunkte des Buches.

Wie man die Theologie eines Buches erkennt

Jetzt, wie kommt man auf die Theologie eines Buches? Faktoren
Die ersten drei Faktoren, die ich euch vorstellen und vorschlagen würde, für die Auswahl von Predigtperikopen aus einem Predigtbuch sind: Die ersten drei Faktoren betreffen die Theologie des Buches, wie sie sichtbar wird. Der letzte Faktor, also Struktur, Gattung und Themen, und der letzte Faktor, Situation, betrifft dann eher unsere Zuhörer. Ich werde die Dinge kurz erklären und dann schauen wir uns das noch an Beispielen an.
Erster Punkt: die Struktur.
Die Struktur eines Buches ist gewissermaßen das Gerüst, auf dem die Theologie des Buches entfaltet wird. Mein Prinzip, das ich vorschlagen würde, ist, dass die Predigten einer Serie durch ein Bibelbuch möglichst Texte aus allen Teilen der Struktur des Buches enthalten sollten. Das heißt jetzt nicht, dass unbedingt gleich viele Predigten aus jedem Teil sein müssen. Da gibt es auch unterschiedliche Gewichtungen. Manchmal sind manche Teile gewichtiger, haben mehr Kalorien als andere. Oft ist die Einleitung und der Schluss eines Buches ganz besonders wichtig, und dazwischen ist es dann manchmal ein bisschen flacher.
Das Buch Hiob: Die ersten zwei Kapitel sind entscheidend für alles, und das letzte Kapitel auch. Und dann die ellenlangen Reden, da kann man dann mal sehr viel zusammenfassen. Ich meine also: Die Anzahl der Predigttexte für jeden Teil der Struktur ist nicht abhängig vom Textumfang allein, sondern auch von den Kalorien der einzelnen Texte im Buch.
Und das führt zu einem zweiten Faktor: der Gattung des Buches.
Die Gattung, also welche Art von Buch es ist, etwa ein prophetisches Buch oder ein Weisheitsbuch, ist sozusagen die Verpackung, mit der die Theologie kommuniziert wird. Jedes Buch ordnen wir einer bestimmten Hauptgattung ein, zum Beispiel einem Brief oder einem Weisheitsbuch. Aber dann haben wir in den Büchern doch immer auch verschiedene andere Arten von Literatur. In dem einen Prophetenbuch gibt es eine große Vision, dann gibt es eine Prophezeiung, dann gibt es mal eine Predigt von dem Propheten, dann gibt es ein Klagelied und so weiter.
Die Texte, die wir auswählen für die Predigtserie durch ein Bibelbuch, sollten aus den verschiedenen enthaltenen Gattungen dieses Buches stammen. Denn das lässt dann auch die Gemeinde lernen: Wie gehe ich mit diesen unterschiedlichen Gattungen in dem Buch um? Wie kann ich das gewinnbringend selbst verstehen beim Bibellesen? Und es bedeutet, dass wir die Mittel verwenden, die Gott gegeben hat, mit denen er dieses Buch inspiriert hat, um uns anzusprechen.
Das ist ein Teil der Rolle der Gattung für die Auswahl der Bibeltexte. Aber es gibt einen anderen Aspekt, nämlich zu berücksichtigen, dass es gattungsspezifische Elemente gibt, um das mal kompliziert auszudrücken, die eine bestimmte rhetorische Funktion haben.

Die Rolle von Struktur, Gattung, Themen und Situation

Also, im Buch Joshua haben wir so einige Kapitel mit sehr langen Listen. Welche Länder sind erobert worden, welche Städte sind erobert worden, dann werden alle Könige genannt, die sie besiegt haben, und dann gibt es kapitelweise Angaben dazu, welcher Stamm von Israel welches Gebiet in dem eroberten Land bekommt, etliche Kapitel lang.
Jetzt kann man natürlich ganz fleißig herangehen und die Gemeinde mitnehmen, und wir predigen den ganzen Sommer durch diese Kapitel: eine Stadt nach der anderen, einen besiegten König nach dem anderen und so weiter. Sehr ehrgeizig. Aber eigentlich haben diese ganzen Kapitel eine rhetorische Funktion.
Am Anfang des Buches Joshua heißt es: „Jedes Stück des Landes, auf das dein Fuß treten wird, werde ich dir geben, wie ich es deinen Vätern schon im Pentateuch verheißен habe.“ Und in dem Buch schreibt der Autor dann auf. Nicht nur schreibt er auf, was genau geschehen ist, sondern er malt sozusagen eine Landkarte vor Augen und sagt: Schaut, Volk Gottes, jeder einzelne Fleck auf der Landkarte, wie Gott es verheißt hat, das hat er auch erfüllt. Jeden einzelnen König habt ihr besiegt, wie er gesagt hat. Keiner wird vor euch standhalten können, auch nicht einer. Jeder Stamm bekommt seinen Anteil.
Und schaut, auf einmal wird dieser extrem langweilige Text lebendig, weil es einfach ein Bild ist, das über Kapitel gemalt wird von der Treue Gottes. Und wir zeichnen dieses Bild am besten, wenn wir es zusammenfassend zeigen, statt Stück für Stück da durchzugehen.
Und das haben wir an ganz vielen verschiedenen Stellen in den Bibelbüchern. Sie haben diese Art, die Gattung des Geschichtstextes, die Art, wie sie geschrieben werden, hat oft eine rhetorische Funktion. Also Wiederholungen, die vorkommen, ganz lange Reden usw. und Berichte lassen sich zusammenfassen, oft auch zu einer einzigen Predigt, die zum Beispiel da im Buch Joshua die Treue Gottes vor Augen führt.
Dritter Aspekt: Die Themen, die im Buch betont werden. Die Themen sind sozusagen die Inhalte, aus denen sich die Theologie eines Buches zusammensetzt. Jedes Buch der Bibel hat bestimmte theologische Schwerpunkte, bestimmte theologische Themen. So das dritte Buch Mose: Heiligkeit, Opfer, Anbetung. Das Buch Joshua: Gottesmacht, Gottes Treue, unser Gehorsam. Oder auch wenn man die Evangelien miteinander vergleicht: Natürlich geht es schwerpunktmäßig um Jesus Christus, aber dann spricht das Lukasevangelium über Gebet wie keines der anderen Evangelien. Man hat den Eindruck, alles wird hier von Gebet getrieben. Und wenn man mal irgendetwas finden will, worum es darum geht, wie wir als Christen mit unserem Geld umgehen, nirgendwo findet man mehr dazu als im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte. Das ist ein thematischer Schwerpunkt dieses Buchs.
Natürlich gibt es daneben dann alle möglichen anderen Themen, aber das Ziel ist, die Theologie des Buchs zu predigen, indem wir die wesentlichen theologischen Themen dieses Buches abdecken. Das heißt, der Weg dahin ist, zentrale Themen und Texte auszuwählen, an denen diese zentralen Themen dann entfaltet werden. Und dann kann man von da aus auch sagen: Hier, ich nehme diesen Text über Gebet, und dann schaue ich noch einmal und zeige: Hier gibt es noch die anderen Texte dazu. Aber wir fassen das zusammen an dieser Stelle im Buch und müssen jetzt nicht fünf oder sechs oder sieben Mal darüber predigen, jedes Mal, wenn es vorkommt.
Und dann gibt es diesen vierten Aspekt, den ich für wichtig halte. Diese drei Aspekte sind dazu da, um die Theologie des Buches zu finden und uns daran zu orientieren für die Planung der Predigtserie. Aber dann würde ich sagen, es ist wichtig, auch die Situation unserer Zuhörer mit zu berücksichtigen. Und das bedeutet für mich, dass ich in einem Buch vor allen Dingen bei denen, die nicht so gut bekannt sind, auch besonders die schon bekannten Abschnitte abdecken will.
Man predigt durch einen Propheten, wir sehen das gleich am Beispiel von Hesekiel, und die Chancen sind ganz gut, dass der nicht so bekannt ist bei den allermeisten in der Gemeinde. Aber dann gibt es ein paar Abschnitte, die sind bekannt, und dann ist es gut, die auch zu versuchen zu berücksichtigen. Denn dann können die Geschwister etwas anknüpfen, was sie schon kennen, und besser verstehen und hoffentlich besser einordnen.
Aber dann ist ein anderer Aspekt auch, die Situation zu berücksichtigen: spezifische Situationen, die vielleicht in meiner Gemeinde gerade nötig sind und wichtig sind anzusprechen. Und dann kann die Auswahl hier anders ausfallen als in einer anderen Gemeinde. Ja, ich habe mal eine Predigtreihe durch das Buch der Sprüche gehalten, und im zweiten Teil der Sprüche ab Kapitel zehn haben wir dann einfach eine große Sammlung von einzelnen Sprüchen. Und dann kann man auswählen, wie viele Themen, die in diesen Sprüchen behandelt werden, predige ich jetzt. Und ein Teil der Auswahl war, was die Themen sind, die auch für unsere Gemeinde gerade besonders wichtig sind. Vielleicht hätte jemand von euch das für seine Gemeinde etwas anders ausgewählt.
Also hier, um das zusammenzufassen: Die Struktur ist das Gerüst, auf dem die Theologie des Buches transportiert wird. Die Gattung ist die Verpackung. Die Themen sind der Inhalt, aus dem sich die Theologie zusammensetzt. Und Situation, damit meine ich die Adressaten, an die wir die Theologie des Buches verkünden.
Meine Prinzipien, die ich verwende, die ich empfehlen kann, sind: Ein Predigtplan, den wir erstellen, sollte möglichst Predigten aus allen wesentlichen Teilen des Buchs, also der Struktur, enthalten, und das habe ich euch aufgelistet auch auf dem Handout. Er sollte möglichst viele literarische Formen im Buch abdecken, die Gattung. Er sollte möglichst alle wesentlichen Themen des Buchs behandeln, also die Theologie. Und er sollte über die möglichst relevanten und auch akuten Abschnitte predigen, also die Situation der Zuhörer.

Ein praktisches Beispiel: Hesekiel

Lass uns das an einem ersten praktischen Beispiel anschauen, und zwar am Buch Hesekiel. Ich dachte, ich nehme ein Beispiel, in dem ihr alle schon sehr viel gearbeitet habt. Und wahrscheinlich waren hier sowieso etliche schon dran, die unbedingt einmal durch Hesekiel predigen wollten.
Das Buch Hesekiel ist durchaus lang, 48 Kapitel. Das macht es herausfordernd. Und für viele ist es auch gefühlt ziemlich düster und kompliziert. Das kann dazu führen, dass man entweder überlegt: Okay, es ist sehr lang, ich werde wahrscheinlich zwei bis fünf Jahre brauchen, um da durchzupredigen, wenn ich das Vers für Vers tun will. Oder man denkt: Weil es so düster und zu kompliziert ist, predige ich lieber nicht darüber. Und ich glaube, das passiert sehr häufig.
So, hier ist die Herausforderung: Wie erstellt man zum Beispiel einen Predigtplan für eine Predigtserie durch das Buch Hesekiel, der möglichst umfassend den Ratschluss Gottes aus diesem Buch predigt, die Gemeinde dieses Buch kennenlernen und verstehen lässt und sie trotzdem nicht überfordert, sondern in gewisser Weise erfrischend bleibt?
Also gehen wir unsere Schritte durch und schauen uns zuerst die Struktur des Buches Hesekiel an. Das ist schon mal praktisch, denn sie ist eigentlich sehr, sehr einfach. Es gibt zwei große Teile. Grundsätzlich können Bücher unterschiedlich strukturiert sein. Manche sind eher biografisch strukturiert. Das Buch Samuel hat einen ersten kleinen Teil mit Hanna, dann Samuel, dann Saul und dann David. Oder nehmen wir gleich noch die Apostelgeschichte: Sie ist eher geografisch orientiert, also danach, wie sich die Gemeinde ausbreitet. Und dann gibt es Bücher, bei denen die Struktur vielleicht besser inhaltlich zu erkennen ist. Ich glaube, das ist bei Hesekiel der Fall.
Das große Thema des Buches Hesekiel ist die Herrlichkeit Gottes, die sich in seinem Gericht und in seiner Erlösung seines Volkes zeigt. Dieses Thema der Gottesherrlichkeit im Gericht und in der Erlösung wird von der Struktur des Buches getragen. Wir haben also zwei Teile: die ersten 24 Kapitel das Gericht gegen Israel und dann die letzten 24 Kapitel die Hoffnung für Israel. Im Groben ist das auch Konsens. Man kann das ein bisschen verschieben, aber hier ist das, denke ich, relativ nachvollziehbar. Und dann gibt es in jedem Teil noch einmal drei Unterteile, die ihr hier seht. Die nenne ich jetzt nicht im Einzelnen, ihr habt sie auch auf dem Handout.
Das wäre also die Struktur: zwei Hauptteile, jeweils drei Unterabschnitte. Das heißt sechs Abschnitte im Propheten Hesekiel. Mein Ziel war es, als ich durch Hesekiel gepredigt habe, einen Predigtplan zu erstellen mit etwa 15 bis 22 Predigten aus allen Abschnitten.
Dann kommen wir zum zweiten Schritt: zur Gattung des Buches. Das Ziel hier war, dass der Predigtplan möglichst verschiedene literarische Formen beinhaltet, die wir auch im Propheten Hesekiel finden. Es ist also ein prophetisches Buch, und deswegen haben wir in Hesekiel ganz fantastische Visionen: das erste ganze Kapitel mit einer beeindruckenden Vision über die Herrlichkeit Gottes, dann diese apokalyptische Vision in Kapitel 38 und 39 über Gog und Magog und dann natürlich die Tempelvision in Kapitel 40 bis 48.
Dann gibt es diese komischen Zeichnungen von Hesekiel. Da liegt er dann am Boden und baut so eine Burg und solche Sachen, spielt die Belagerung nach und noch komischere Dinge. Und dann gibt es die langen Gerichtsreden, und dann gibt es die großen Völkerreden. Ja, das sind die Dinge, die meine Predigten abdecken sollen, möglichst aus allen Gattungen etwas. Aber dann ist es gut, auch wahrzunehmen, dass es eben bestimmte Besonderheiten gibt durch diese literarische Eigenart des Propheten Hesekiel.

Hesekiels Gerichtsreden und ihre Wirkung

Und schauen wir uns einmal eine Auslegung zu Hesekiel, Kapitel 25, an. Hier haben wir einen Abschnitt von Kapitel 25 bis 32. Ich weiß nicht, wie viele von euch die ganze Bibel jedes Jahr in ihrer Bibellese lesen. Das ist jedenfalls so ein Abschnitt, da freut man sich dann morgens.
Acht Kapitel lang einfach nur Gerichtsreden über die Fremdvölker Israels. Da muss man vorher viel beten, dass man dann auch erquickt wird für den Tag und vielleicht hinterher doch noch einmal ein paar Verse aus dem Johannesevangelium dranhängt.
Aber schaut: Diese acht Kapitel hören sich ungefähr so an: Und das Wort des Herrn geschah zu mir: Menschensohn, richte dein Gesicht gegen die Söhne Ammon und weissage über sie und sage zu den Söhnen Ammon: Hört das Wort des Herrn! So spricht der Herr: Weil du das und das gesagt hast und Israel und Juda entweiht hast, darum siehe, ich werde dich den Söhnen des Ostens zum Besitz geben und so weiter.
Vers 8: So spricht der Herr, Herr, über Moab und Seir, den nächsten Feind Israels, weil sie sagen: Siehe, das Haus Juda ist wie alle Nationen. Darum siehe, werde ich die Städte entblößen, ohne Ausnahme, die Zierde des Landes usw.
Vers 12: So spricht der Herr, Herr, weil Edom mit Rachsucht gegen das Haus Juda gehandelt und sich sehr schuldig gemacht hat, als sie sich an ihm rächten. Darum so spricht der Herr, Herr: Ich werde meine Hand gegen Edom ausstrecken und Menschen und Vieh aus ihm ausrotten usw. usw.
Wir haben nur begrenzt Zeit, ich werde jetzt nicht durch alle acht Kapitel gehen. Aber schaut: Diese acht Kapitel können in einer Predigt behandelt werden, denn sie haben, ähnlich wie wir es gerade bei Josua hatten, eine rhetorische Funktion. Hesekiel listet alle großen Feinde Israels auf, die um das Land stehen, und er zeigt ihnen einen nach dem anderen: Das sind eure Sorgen, das sind eure Nöte, das ist das, wovor ihr Angst habt. Mit Namen, jeder einzelne, was er euch antut oder angetan hat oder antun könnte. Und jeder von ihnen ist in Gottes souveräner Hand, und Gott wird sich darum kümmern.
Die Auflistung über acht Kapitel: Manchmal denken wir, hätte er nicht vier Kapitel nehmen können und dann noch einmal vier irgendwie später im Römerbrief spendieren? Da hätte ich noch ein paar Fragen mehr gehabt. Aber diese Auflistung in acht ausführlichen Kapiteln hat eine rhetorische Funktion. Sie soll uns in überwältigender Weise vor Augen führen, dass all die Nöte, die Gottes Volk sich vorstellen kann und auch tatsächlich hat, in seiner Hand sind, und er wird sich darum kümmern.
Man kann es in einer Predigt gut zusammenfassen. Man kann es, glaube ich, sogar besser so auf den Punkt bringen, als wenn man durch alle einzelnen Stellen durchgeht.
Oder ähnlich Hesekiel 16: Was steht hier in Hesekiel, Kapitel 16, dem ganz berühmten Kapitel? Ja, Israel lag da wie ein Baby im Blut, und Gott hat es angenommen und reich geschmückt. Und dann fällt sie in Ehebruch, statt ihm dankbar zu sein.
Aber dann haben wir Kapitel 23, das klingt eigentlich ganz ähnlich. Israel wird jetzt nicht als eine Frau dargestellt, sondern als zwei Schwestern mit ganz schlimmer Hurerei. Und eigentlich haben beide das gleiche Thema zum Inhalt: Israels Untreue gegenüber Gott. Das macht deutlich, wie unverdient die Liebe und Gnade Gottes ist, in einer Weise, wie wir es kaum irgendwo anders in der Bibel finden.
Aber man kann dann auswählen: Wähle ich dieses Thema aus Kapitel 16 oder 23? Man muss nicht unbedingt zweimal fast die gleiche Predigt halten.

Theologische Schwerpunkte und die Auswahl der Texte

Okay, wenn man dann das Buch Hesekiel erstmals selbst durchliest und sich währenddessen Notizen macht, und wenn man dann noch Kommentare und ein paar Bücher hinzunimmt, die das ebenfalls getan haben und über die Theologie des Buches schreiben, dann kann man zu dem Schluss kommen: Das sind wesentliche Themen im Buch Hesekiel: Gottes Herrlichkeit, Gottes Heiligkeit, Gottes Gegenwart, Gottes Souveränität, dagegen unsere Sünde als Menschen, unsere Verantwortung als Menschen und dann Gottes Gnade, Gottes Erlösungsplan, Gottes Wort.
Merkt ihr, was hier deutlich wird? Das ist das pure Evangelium. Hesekiel eignet sich hervorragend, um die Herrlichkeit Gottes im Evangelium von Jesus Christus zu predigen. Wenn ihr nur das mitnehmt, dass ihr irgendwann im Leben einmal durch Hesekiel predigt, dann hat sich das schon gelohnt.
So, jetzt: Von welchen Texten predige ich diese Themen? Man kann die Herrlichkeit Gottes hervorragend aus Kapitel 1 herausarbeiten, weil es diese Vision von Gottes Herrlichkeit ist. Dann haben wir Kapitel 4 und 5, die man durchaus zusammenfassen kann, um die Schrecklichkeit der Sünde zu betonen. Man muss aber jetzt nicht sechs Predigten hintereinander über die Schrecklichkeit der Sünde halten. Das klingt dann vielleicht sehr puritanisch oder geistlich, aber es kann auch irgendwie einseitig sein. Es reicht mit einer Predigt, und dann noch einmal Kapitel 8 bis 10, die Auswirkung der Sünde, nämlich dass Gottes Herrlichkeit weg ist. Oder, wie ich eben gesagt habe, die Souveränität Gottes aus Kapitel 25 bis 32 und so weiter.
Und von hier aus, wenn man also durchgegangen ist und sich dann angeschaut hat, wie wähle ich jetzt, wovon ich was predige, zum Beispiel: Kapitel 20 betont immer, dass Gott Israel erlöst hat um seines Namens willen. Und in Kapitel 36 kommt das Thema wieder vor, da ausdrücklich: nicht um eures Namens willen, sondern um meines Namens willen habe ich euch erlöst. Und so dieses Thema: Dann wähle ich aus, predige ich das aus Kapitel 20 oder predige ich das aus Kapitel 36? Aber ich werde es nicht zweimal predigen, nur weil es zweimal vorkommt.
So, ich habe mich entschieden, das aus Kapitel 20 zu predigen, weil ich schon mehrere andere Predigten um Kapitel 36 herum hatte, ja, und mein Ziel war, möglichst aus allen Teilen des Buches zu predigen. Genauso habe ich aus Kapitel 16 die Erlösung allein aus Gnade gepredigt und nicht noch einmal aus Kapitel 23.

Ein möglicher Predigtplan für Hesekiel

So könnte ein Predigtplan aussehen. Durch das Buch Hesekiel waren es in meinem Fall siebzehn Predigten. Wenn ihr euch hier darunter noch einmal die Struktur vor Augen haltet, dann seht ihr ungefähr ausgewogen, wobei das jetzt nicht das Wichtigste ist: neun Stück aus dem ersten Teil und acht Predigten aus dem zweiten Teil, jeweils mit Titeln.
Zuerst schaue ich, wo ich die Themen in diesem Buch finde. Wenn ich das verteilt habe, entwerfe ich noch Titel für die Predigten. Und es kann sein, dass ich dann, wenn ich zu der einzelnen Predigt komme, den Titel auch noch einmal anpasse.
Also: Nochmal, der Vorteil von so einem Predigtplan und der Arbeit, die man im Vorhinein hineinsteckt, ist, dass ich, wenn ich weiß, Gottes Souveränität kommt später noch in diesem Kapitel, oder das Thema Sünde oder das Thema Liebe kommt dann noch ausführlich, mich bei den Texten, wo ich mich gerade befinde, auf diesen Schwerpunkt konzentrieren kann. Ich muss dann nicht den Eindruck erwecken, dass ich versuche, alles hineinzupacken und drei verschiedene Themen in einer Predigt zu behandeln.
Und hier reichen 17 Predigten in Hesekiel. Die waren schon herausfordernd genug für manche in meiner Gemeinde. Aber bloß nicht jetzt irgendwie 40 oder 50 Predigten durch Hesekiel leiden. Das kann ganz schnell nach hinten losgehen.
Ich habe mal von einem Pastor gehört, der hat zehn Jahre lang durch das Buch Hiob gepredigt. Hinterher waren nicht mehr viele Leute da. Er konnte die Stühle verkaufen, außer denen, die halt nicht gehen konnten; die sind ihm treu geblieben. Also, das war natürlich ein toller Ansatz, wirklich Vers für Vers durch das Buch Hiob zu gehen. Aber ihr merkt, das ist irgendwie so diese Extremform, die man vermeiden kann.

Zweites Beispiel: Apostelgeschichte

Hier ein zweites Beispiel aus dem Buch Apostelgeschichte. Also, wir fangen wieder an bei der Struktur. Die Predigten bei einem Predigtplan aus dem Buch Apostelgeschichte sollten möglichst aus allen Teilen der Struktur kommen. Es gibt verschiedene Gliederungsmöglichkeiten zur Apostelgeschichte, aber man schaut sie sich an und wählt aus, welche am besten begründet ist und möglichst das betont, was der Autor betont.
Und ich würde von dem Schlüsselvers in Apostelgeschichte 1,8 ausgehen: Ihr werdet Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und ganz Judäa und Samaria und bis an die Enden der Erde. Von da aus entfaltet sich das Thema dann auch tatsächlich: die Ausbreitung der Gemeinde und des Evangeliums. Und so würde ich das Buch auch hier strukturieren.
Teil eins in Jerusalem, Teil zwei Samaria, Damaskus, Cäsarea und Antiochien, Teil drei dann die Ausbreitung in Kleinasien und Europa, vor allem durch Paulus, und dann natürlich bis nach Rom in Paulus’ Verhören und Gefangenschaft.
Dann hat auch wieder die Gattung als Geschichtsbuch, als Narrativtext, eine besondere Rolle. Ich gebe euch hier noch mal so ein paar Schlagworte. Wir finden wiederholte Stichworte im ganzen Buch Apostelgeschichte, zum Beispiel den Heiligen Geist 57-mal in dieser Funktion. Das zeigt uns: Das ist ein wesentliches Thema. Allerdings müssen wir es nicht 57-mal predigen, oder das Thema Erlösung.
Wir haben wiederholte Berichte im Buch. Wir haben Paulus’ Bekehrung dreimal erzählt in der Apostelgeschichte. Das bedeutet nicht, dass ich dreimal über die Bekehrung von Paulus predigen muss, oder auch über Cornelius’ Bekehrung oder über die Verhöre von Paulus. Es ist gut, die zusammen zu betrachten. Es gibt einen Grund, warum sie wiederholt werden, weil das betont, wenn wir durch das ganze Buch lesen: Das ist ein sehr wichtiges, entscheidendes Ereignis hier. Deswegen wird das noch einmal aufgeführt, und seine Bedeutung wird dann in den paar Malen entfaltet, in denen es berichtet wird.
Wir haben parallele Berichte in der Apostelgeschichte: Petrus auf der einen Seite, Apostel der Juden, Paulus, Apostel der Heiden. Das unterstreicht die Verbindung von Judenmission und Heidenmission. Wir haben Stephanus, Philippus und Paulus, die alle das Evangelium verkündigen und in unterschiedlicher Weise dafür leiden.
Wir haben auch gegensätzliche Berichte. Wir haben Barnabas in Kapitel 4, und er ist großzügig und spendet eine Menge Geld. Direkt danach kommen Hananias und Saphira, und sie sind großzügig und spenden eine Menge Geld, aber es stellt sich heraus: Ah, nicht wirklich. Das eine ist tatsächliche innere Motivation fürs Geben, und das andere ist reine äußere Motivation fürs Geben. Es ist wertvoll, diese Berichte zusammen zu predigen und nebeneinander zu stellen, damit dieser bewusste Kontrast auch deutlich wird.
Genauso die Juden in Thessaloniki: Sie hören das Wort Gottes und lehnen es ab, und es entsteht dann Aufruhr. Dazwischen die Juden in Beröa: Das sind die, die das Wort aufnahmen und es dann studierten und so weiter.

Heidenmission als Schwerpunkt der Apostelgeschichte

Dann kommen wir wieder zu den Themen im Buch. Was sind die Schwerpunktthemen?
Ich gehe mit uns einmal beispielhaft ein Thema durch, um zu zeigen, wie man das wahrnehmen kann. Wenn man die Apostelgeschichte liest, merkt man zum Beispiel, dass das Thema Heidenmission ein Schwerpunkt ist. Es gibt dazu einerseits ausdrückliche Aussagen. Wir haben jetzt nicht die Zeit, sie im Einzelnen anzuschauen. Andererseits gibt es verschiedene Berichte zur Heidenmission. Dann gibt es die Debatten, als Cornelius sich bekehrt hat, nicht wahr, oder das Konzil in Kapitel 15: Ist das jetzt so richtig, wie wir damit umgehen, dass Juden und Heiden zum Glauben kommen?
Dann haben wir immer wieder ausdrücklich, dass Paulus sich darauf konzentriert, das Evangelium zu den Heiden zu bringen. Außerdem sehen wir oft den Widerstand von außen, von ungläubigen Juden, Widerspruch, Strafen und so weiter. Und dann haben wir das Motiv, dass die Juden das Evangelium ablehnen und das sozusagen die Brücke bildet, über die Paulus geht, um es dann den Heiden zu bringen.
Ich will euch das hier einmal als Beispiel grafisch vor Augen führen. In Apostelgeschichte 13 predigt Paulus das Evangelium. Nicht nur er, sondern auch die anderen sind in der Synagoge, und Juden und Griechen hören zu. Von beiden Gruppen kommen einige zum Glauben. Aber dann gibt es einige Juden, denen geht das gegen den Strich, dass er das Evangelium predigt. Sie wiegeln auch die anderen, sogar die Heiden, auf, und das führt dazu, dass die Apostel gehen müssen.
Wenn ihr jetzt durch die Apostelgeschichte lest, dann werdet ihr merken, dass genau dieses Muster immer und immer wieder passiert. So sieht das aus. Das Gleiche noch einmal, nicht so ausführlich: ganz ausführlich beschrieben in Kapitel 13 einmal grundlegend und dann immer wieder in Zusammenfassungen. Noch einmal das Gleiche in Ikonium in Kapitel 14 und in Lystra in Kapitel 14, dann in Kapitel 17 in Thessalonich und in Beröa, dann in Korinth und dann in Ephesus.
Seht ihr, der Autor will das betonen. Das ist eine Bewegung, die immer und immer wieder stattfindet. Und wir müssen jetzt nicht da hingehen und immer und immer wieder dasselbe predigen. Sondern ich würde dann vorschlagen: Wir predigen das von Kapitel 13 aus, erklären das und wenden es an. Und zeigen dann in dieser Predigt noch, dass das etwas ist, was immer und immer wieder passiert: Die Juden lehnen es ab, und das Evangelium gelangt zu den Heiden, zu denen auch wir gehören.
Ja, also das als Beispiel. So kann man erkennen: Aha, das Thema Heidenmission ist ein Schwerpunkt im Buch. Und so könnte man eben auch die anderen Themen im Buch entdecken.

Mit Hilfe von Forschung und Kommentaren arbeiten

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Nicht wirklich, das schaffe ich ja im Leben nicht. Und wenn ich es schaffen würde, würde ich allein Jahre brauchen, um das alles herauszufinden.
Und tatsächlich: Es gibt jemanden, der hat ein Buch geschrieben, nur eine Zusammenfassung, ziemlich dick. Geschickt: 30 Jahre Forschung über die Theologie der Apostelgeschichte.
Also ist mein Ziel nicht, dass ihr jetzt hier auf einmal denkt: Da verliere ich mich total. Ich will euch das Prinzip zeigen, dass wir ein Buch lesen können, mit einem Blick dafür, dass es hier Themen gibt, die schwerpunktmäßig behandelt werden in diesem biblischen Buch, die in einem anderen Buch nicht so stark behandelt werden, und sie kommen auf unterschiedliche Art und Weise zum Ausdruck.
Ich kann einige davon selbst wahrnehmen, selbst wenn ich das Buch einfach nur durchlese. Und dann gibt es ja glücklicherweise Menschen, die Zeit dafür haben, das ganz intensiv zu tun. Und dann irgendwann, wenn ich das Buch mehrfach durchgelesen habe, dann nehme ich mir Ihre Kommentare und Artikel und schlage nach, welche Themen Sie gefunden haben in der Apostelgeschichte als Schwerpunktthemen.
Das kann dann ungefähr so aussehen wie hier. Das ist einerseits eine Einleitung, dann sind da zwei, drei Kommentare drin, und dann ist da noch mal ein Artikel in einem Sammelband drin, die darüber schreiben, was die Theologie der Apostelgeschichte ist. Und dann seht ihr: Die haben durchaus auch unterschiedliche Themen, die sie da sehen. Aber ich markiere mir dann mal, was die Themen sind, die bei allen oder bei den meisten vorkommen. Und das sind die, die hier jetzt so fett markiert sind.
Als Beispiel: So kann man das nebeneinander halten. Und da kann ich das vergleichen mit dem, was ich gefunden habe. Dann kann ich noch einmal anschauen: Welche Stellen und Konstruktionen haben Sie da im Text entdeckt? Warum denken Sie, dass Gottes Plan, Mission und der Heilige Geist tatsächlich ein Schwerpunktthema sind?
Dann wähle ich entsprechend die Themen aus. Ich habe mir das hier für die Apostelgeschichte mal kategorisiert, also Gott und die Heilsgeschichte und Nachfolge. Und dann zu Offenbarung über Gott haben wir eben die Erfüllung von Gottes Plan, das Erlösungswerk Jesu, das Wirken des Heiligen Geistes. Und dann gehört bei der Heilsgeschichte dazu: Weltmission, die Ausbreitung des Evangeliums, auch durch Evangelisation lokal, erst einmal in Jerusalem.
Dann die Rolle des Gesetzes im neuen Zeitalter, die explizit diskutiert wird in Kapitel 15, aber dann auch implizit an anderen Stellen vorkommt. Warum gehen die nicht in den Tempel und so weiter? Die Rolle der neutestamentlichen Gemeinde und dann auch diese praktischen Themen der Nachfolge: Umgang mit Geld, Gebet, Evangelisation, Leben als Gemeinde, Leiden usw.
Und dann kommt man dahin.

Die Situation der Zuhörer und die Auswahl bekannter Texte

Und dann diese Themen auszuwählen, dann kommt der vierte Schritt: die Situation zu berichten. Was sind also noch einmal die Abschnitte in der Apostelgeschichte, über die ich hier auf jeden Fall predigen sollte, wenn ich durch dieses Buch predige? Die kennen alle: Pfingsten, Saulus’ Bekehrung, auch die Bekehrung von Cornelius, das Apostelkonzil usw.
Bei der Apostelgeschichte wird das nicht so kompliziert sein. Sie ist in den meisten Fällen relativ gut bekannt, sogar ein Stück weit besser als Hesekiel. Aber da sind auch die herausfordernden Abschnitte. Wir sollten dann nicht Hananias und Saphira unbedingt übergehen. Oder Simon der Zauberer kommt zum Glauben, wird getauft, und dann muss Petrus ihm sagen: Wenn du so weitermachst, gehst du geradewegs in die Hölle. Das ist vielleicht ein Text, der gerade auch wichtig ist, den dann klar zu predigen.
Wenn man die Texte auswählt, dann ordnen wir das wieder ein in die Struktur des Buches. Hier mal ein Beispiel aus den ersten beiden Teilen, also die Predigten, die man halten könnte aus den ersten sieben einleitenden und auch wichtigen Kapiteln, und dann die Texte. Das sind jetzt noch nicht die Predigtitel, das sind jetzt einfach nur die Texte entsprechend der theologischen Themen. Also ich nehme die Themen und ordne die dann zu und sage, aus welchem Text predige ich dieses Thema.
Und so geht das weiter hier im nächsten Teil. Hier sieht man noch einmal deutlich: Ich will auf jeden Fall eine Predigt aus der ersten Missionsreise halten, auf jeden Fall aus dem Konzil, dann aus der zweiten Missionsreise und auch aus der letzten Missionsreise. Da soll mindestens eine Predigt drin vorkommen, damit ich in den groben Teilen der Struktur aus jedem Teil eine Predigt hatte.
Und dann erstelle ich daraus den Predigtplan, der von der Struktur her genauso aussieht, wo ich dann allerdings schon Predigtitel habe. Also, und so könnten diese Titel aussehen. Ich lese sie jetzt nicht im Einzelnen vor. Und diesen Predigtplan kriegt die Gemeinde dann auch vorab, bevor ich beginne. Dann weiß sie: Da geht die Reise hin, so und so viele Predigten erwarten uns, das sind die Themen, um die es gehen wird.
Und dann kann es durchaus passieren, dass ich dann kurz vor der Predigt am Sonntag den Titel noch einmal ändere, weil ich sage: Der passt dann doch nicht ganz so gut. Ich habe mir ja die Texte erst einmal nur grob angeschaut. Aber das ist gar nicht schlimm. Es hilft, dass man erst einmal weiß, wo es langgeht.

Praktische Schritte und Hilfsmittel

Ich komme zu meinem letzten Punkt noch einmal mit einer kurzen Zusammenfassung über die Schritte, die man gehen kann, wenn man in dieser oder ähnlicher Art eine Predigtserie vorbereiten will. Und dann noch vielleicht ein kurzes Wort zu den Hilfsmitteln, die es dazu gibt.
Also, als Erstes würde ich sagen: Wesentlich ist, das Buch zu lesen, zu lesen, wieder zu lesen, noch einmal zu lesen. Wenn wir ein Bibelbuch predigen wollen, dann sollten wir es am meisten gelesen haben. Ja, und ich würde vorschlagen, möglichst das erste Mal in einer Sitzung, egal wie lang das ist. Dann muss man sich halt mal zwei, drei Stunden Zeit nehmen, um ein Stück durchzulesen. Da werden die Zusammenhänge klar. Und dann bei den nächsten Malen in möglichst großen Abschnitten. Und dann vielleicht eben in verschiedenen Bibelübersetzungen, wenn ihr könnt, auf Deutsch und Englisch oder auf Griechisch und Hebräisch, je weiter es auch geht. Und dann vielleicht zu sagen: Ja, ich habe ja noch ein bisschen Zeit zu meiner Predigtserie, und dann lese ich jetzt mal in meiner persönlichen Zeit durch dieses Buch und habe schon einen auslegenden Kommentar dabei, der mir schon Ideen gibt, in welche Richtung das so gehen kann.
Dann das Buch analysieren, Überblicke, Einleitungen lesen, je nach den Möglichkeiten, die ihr dazu habt, Strukturen vergleichen und dann eine eigene Gliederung des Buchs erstellen. Dann sich mal mit den verschiedenen Gattungen vertraut machen, die darin vorkommen, und die Eigenarten kennenlernen. Und dann natürlich auch über die Theologie des Buches lesen. Wenn ihr beim Lesen die Themen, die wiederholt werden, die betont werden, aufgeschrieben habt, dann das mit dem vergleichen, was andere gefunden haben.
Dann kommt eben, den Predigtplan zu erstellen, nach den Prinzipien, die wir am Anfang gesehen haben: Predigten aus allen wesentlichen Teilen des Buches, Predigten aus den verschiedenen literarischen Formen des Buches, Predigten über alle wesentlichen Themen des Buches und dann Predigten über die bekannten oder auch besonders benötigten Abschnitte des Buches.
Und dann würde ich sagen, ist es gut und wichtig, auch die Gemeinde einzubinden, gerade wenn man jetzt also ein Projekt hat, in so einer Weise durch ein Buch zu predigen. Wir machen das so: Ich schicke den Predigtplan vorher an die Gemeinde mit der Gliederung, so dass sie schon mal einen Überblick haben und vielleicht irgendwann zwischendrin in der Serie auch noch einmal.
Und dann, wenn es zu Predigten über größere Abschnitte geht, das passiert dann bei mir häufiger, sei das jetzt Hesekiel 25-32, dann sollte man sich gut überlegen, ob man jetzt wirklich die acht Kapitel am Anfang vorlesen will. Dann ist die Predigtzeit nämlich schon um. Besser also nicht. Andererseits ist es dann hilfreich, wenn die Geschwister sie schon mal kennengelernt haben. So, wir schicken immer vorher in der Woche rum: Es geht um diesen Text, und lest den nach Möglichkeit schon vorher. Es sind nicht immer acht Kapitel, manchmal sind es nur sieben. Und dann hat man noch die Herausforderung: Was lese ich jetzt im Gottesdienst? Und ich wähle dann immer Abschnitte aus, die möglichst einen Eindruck geben und den Zusammenhang darstellen, wie der Text hier jetzt funktioniert.
Und das kann mal ein bisschen Arbeit sein. Und mein Ziel ist, möglichst um die zwanzig, maximal dreißig Verse. Die werden dann bei uns gelesen vor der Predigt. Oder wenn ihr die selber lest, lest ihr die selber. So, das heißt, die Geschwister können den Text, die Kapitel vorher gelesen haben. Sie kriegen dann noch einmal zusammengefasst Ausschnitte vorgelesen, und dann predige ich den Text und lese gegebenenfalls noch einmal einzelne Stellen in der Predigt.
Ja, und dann kommen wir hier zum allerletzten Teil. Hier, das habt ihr alles auf dem Handout, deswegen gehe ich jetzt nicht mehr groß darauf ein: ein paar Hilfsmittel, die man benutzen kann, einmal für den Überblick und die Struktur. Es tut mir leid, die allermeisten davon sind leider nur auf Englisch verfügbar, zumindest die, die ich kenne. Dann ein paar Hilfsmittel und Hermeneutiken im Blick auf die Gattung, wie das funktioniert, wenn man jetzt so ein Weisheitsbuch predigt. Und dann hilfreiche Bücher, die in einzelnen Artikeln die Theologie eines einzelnen Buches zusammenfassen, ganz besonders das Dictionary of Biblical Theology, wo Don Carson ein Herausgeber davon ist, und die anderen, die ihr hier seht, für das Alte und für das Neue Testament. Das sind die Hilfsmittel, die ich empfehlen kann.
Und noch einmal: Ich wollte euch ein bisschen eine Möglichkeit aufzeigen, nicht um irgendjemanden zu erschlagen, auch nicht um zu kritisieren, wenn jemand das anders macht. Aber das ist eine Möglichkeit, wie man durch Bücher der Bibel predigen kann, auch durch die langen, auch durch die herausfordernden Bücher der Bibel predigen kann. Und damit einerseits tatsächlich den ganzen Ratschluss Gottes möglichst so gut wie möglich auf lange Sicht zu predigen und andererseits in einer Weise, die die Gemeinde nicht überfordert, sondern erfrischen kann, indem sie in einer überschaubaren Anzahl von Predigten durch dieses Buch kommt.
Ich hoffe, das kann eine Ermutigung oder ein Weg sein, Gottes Wort mit mehr Freude und Umfang zu predigen. Vielen Dank für euer Verständnis und eure Geduld, und wir haben noch ein paar Minuten für eure Fragen oder auch Anmerkungen und Rückmeldungen. Können wir auch stoppen, sonst hören wir die wahrscheinlich nicht.

Fragen aus dem Plenum: Teamarbeit, Gemeindesituation und Redundanz

Moritz, in vielen Gemeinden predigen mehrere Älteste oder auch andere Laienprediger. Ich fand es immer eine große Herausforderung, so etwas gemeinsam mit anderen zu machen. Einerseits müssen sich alle an denselben roten Faden anarbeiten, andererseits haben unterschiedliche Älteste ja auch unterschiedliche Stile und unterschiedliche theologische Begabungen. Was würdest du dazu sagen? Wie macht man das als Team?
Ja, also ein sehr, sehr wichtiger Punkt. Es ist natürlich einfacher, wenn ich das alleine mache. Und wir haben dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gemeinde eine Predigtserie zusammen mit jemand anderem gehalten. Wie macht man das als Team?
Ich glaube praktisch: Wenn es jetzt zwei vollzeitliche Älteste sind, dann können die sich wirklich zusammen hinsetzen und sagen: Komm, wir arbeiten mal daran, wir lesen dieselben Artikel. Aber ich nehme mal an, du sprichst auch davon, dass man mehrere Älteste hat, von denen dann einige das nebenberuflich tun. Die können diese Zeit dann auch nicht mit allen anderen zusammen aufwenden.
Dann würde ich vorschlagen: Einer macht die Hauptarbeit in dieser Art und Weise. Man nimmt sich Zeit, sich zusammenzusetzen und zu treffen. Vielleicht reicht nicht ein Treffen, vielleicht braucht man zwei. Und man lässt vielleicht dann auch die ein, zwei, drei besten zusammenfassenden Artikel die anderen mal lesen. Dann sagt man: Hier, wir gehen jetzt hier durch, und ich zeige euch, wie ich das Buch strukturieren würde. Wir können das gemeinsam besprechen, wenn ihr andere Vorschläge habt, und wie ich hier die einzelnen Grenzen ziehen würde und den Predigtplan.
Dann spricht man darüber und moduliert das. So haben wir das gemacht. Wir haben dann zu zweit darüber gesprochen: Wie verschieben wir die Predigten? Oder ist es gut, dass wir das Thema von dem Kapitel wählen, wenn das danach kommt? Und dann auch die Aufteilung.
Also es braucht mehr Zeit, auch wenn man das zusammen macht. Aber es ist wertvoll, auch zusammen eine Predigtserie zu halten. Ich würde sagen, die Zeit sollte man investieren, um der Gemeinde willen, um möglichst viel Einheit zu erreichen. Aber dann auch die Bereitschaft und die Gnade zu haben, dass die Predigten natürlich unterschiedlich sein werden in der Art und Weise. Und dass dann vielleicht doch mal manche Redundanzen kommen, weil der eine noch mal etwas wiederholt. Aber man kann dann durch die Vorarbeit, glaube ich, schon viel an Einheit und Zusammenhalt schaffen.
Eine kurze Rückfrage dazu noch: Wenn du es vorher gemacht hast, war es dann so, dass du einfach ein halbes Jahr nur du gepredigt hast, oder war es dann so, dass du deine Predigtreihe quasi immer unterbrochen hast?
Exakt, genau. Also bei uns läuft es so: Die Hauptprediger haben jeweils ihre Reihe, und dann habe ich halt zweimal im Monat meine Reihe gepredigt und dazwischen dann die anderen. Und jetzt haben wir im Moment vier regelmäßige Prediger, und da haben wir dann gesagt: Da ist es zu viel, es ist schon grenzwertig, drei verschiedenen Reihen als Gemeinde zu folgen.
Das ist eben die Spannung, in der man ist: Machen wir zusammen eine Serie? Von der Serie ist es schöner, weil die Gemeinde weiß, wir gehen durch dieses eine Buch. Aber es wird nicht so homogen sein. Auf der anderen Seite, wenn man mehrere Prediger hat, gibt es eine Grenze dessen, was die Gemeinde verkraften kann, an verschiedenen Serien, die andauernd wechseln.
So war es dann möglich, dass dann zumindest eine Serie im Vordergrund steht, zweimal im Monat, und die anderen dazwischen. Und das muss jede Gemeinde so ein bisschen dann abwägen, je nachdem, wie die Situation da ist.
Ja, dann gibt es eine Frage.
Ja, ich finde das auch gut zu hören. Ja, es ist ganz wichtig. Ich mache momentan einen Bibelkurs, also in sieben Jahren durch die Bibel, ergänzt er sich sehr wunderbar. Aber wir dürfen nicht vergessen, es ist die Gefahr, dass das ein bisschen akademisch ist, wenn wir durch die Bücher durchpredigen.
Ich halte also auch Bibelstunden. Es ist für mich sehr hilfreich, hier, was du hier bringst. Wichtig ist, dass wir auch den Bezug zur Gemeinde herstellen, die Lebenswirklichkeit der Gemeinde nicht vergessen. Und manchmal ist es wirklich auch wichtig, über Themen zu predigen.
In unserer Gemeinde ist es so, wir haben jetzt gerade einen Tiefpunkt überwunden und sind wieder im Aufstieg begriffen. Man kann jetzt zum Beispiel nicht über Hesekiel blicken. Apostelgeschichte ist immer ein gutes Beispiel, oder auch Johannes. Aber bestimmte Bücher würden gar nicht passen in der Gemeindesituation. Und dann haben wir vielleicht das Ergebnis, dass sich die Plätze leeren und dann müssen wir die Stühle verkaufen. Wie siehst du das?
Also sagen wir mal zwei Dinge dazu. Das eine ist: Es ist immer gut, in der Pluralität von Ältesten auch darüber zu sprechen, was denken wir, was ist dran für die Gemeinde. So, ich hatte mal den Plan, durch das Buch Richter zu predigen, nachdem ich durch den Philipperbrief gepredigt hatte. Und dann sagten die Brüder: Wir glauben, in der jetzigen Situation, in der wir als Gemeinde sind, wäre es gut, wenn du durch die Apostelgeschichte predigst.
Also, ich denke, das ist gut: Was braucht die Gemeinde? Aber es sollte nicht dazu führen, dass wir sagen: Ja, wir sind in dieser Spannung, wir sollten nur Apostelgeschichte und dann Johannes-Evangelium predigen, wir können uns nicht trauen, einen Propheten zu predigen. Das sollte natürlich auf Dauer nicht kommen.
So, das ist die eine Sache. Und die andere Sache ist mit den Themen: Ich glaube, durch diesen Ansatz gibt es nicht mehr diese große scheinbare Konkurrenz zwischen Themenpredigt und Auslegungspredigt. Wenn wir haben hier Themen. Ihr habt es gesehen, ich finde das manchmal schwierig, wenn Leute sagen: entweder Auslegungspredigt oder Themenpredigt.
Wenn man diese Arbeit macht, dann hat man die Themen innerhalb einer Auslegungspredigtserie durch ein Buch. Und dann geht es eben, das habt ihr gesehen bei dem Beispiel Hesekiel oder Apostelgeschichte, hier war es noch deutlicher. Da habe ich die Themen so nebeneinander gehalten, in Apostelgeschichte waren die nicht so parallel formuliert. Da sind dann diese Themen, oder hier habe ich, glaube ich, noch das ist in den Sprüchen, ja, das ist ein Beispiel für einen Predigtplan durch die Sprüche. Da sind Themen dann drin.
Das heißt, ich glaube, auf diese Art und Weise muss man nicht sagen: entweder Predigtthemen oder Auslegungspredigt. Mit der Arbeit, die man reinsteckt, hat man innerhalb der Auslegungspredigten die Themen, weil wir die Themen des Buchs predigen und der Texte, und nicht sagen: Ich habe diesen Text, und er hat drei Themen. Wir predigen ein Thema aus diesem Text.
Weitere Fragen? Ihr dürft gerne gehen, weil wir am Ende unserer Zeit sind. Ich will euch einerseits entlassen, aber wer noch Fragen hat, ist eingeladen, noch weitere zu stellen oder Anmerkungen.
Herr Präsident! Erstmal ein ganz großes Danke für den Hinweis, wie man eben eine Kontinuitätspredigt auch anders als Vers für Vers und Abschnitt für Abschnitt machen kann. Wir sind in der Situation im Moment Gemeindegründung, reformierte Freikirche in Gladbeck seit anderthalb Jahren. Wir predigen tatsächlich durch die Apostelgeschichte Abschnitt für Abschnitt mit allen damit verbundenen Grausamkeiten für Gemeinde und Prediger, aber auch mit dem Schönen daran.
Ich habe an einer Stelle die Nachfrage: Du hast gelegentlich von Redundanz und dass es gilt, die zu vermeiden, gesprochen, hast das auch gut dargestellt. Ich erlebe an manchen nach dem Denkmuster redundanten Stellen in der Apostelgeschichte, dass die aber durchaus sinnvoll sind, auch wiederholt zu betrachten. Ich habe mal gelernt, dass Redundanz technisch gesehen etwas ganz Schlechtes ist, pädagogisch gesehen aber durchaus wertvoll sein kann, und wollte einfach nur den Aspekt dir noch mal hinlegen: Wenn es wichtig genug ist, in einem biblischen Buch wieder und wieder gesagt zu werden, mit unterschiedlichen Akzentsetzungen, ob man sich dann auch trauen kann, diese Redundanz einfach auch hinzunehmen.
Ja, also ich stimme dir zu. In dem Buch ist es ja bewusst so, so entstehen ja die thematischen Schwerpunkte durch die Wiederholung. Das soll uns ja teilweise quasi eingebläut werden aus den verschiedenen Perspektiven. Und es sollte auch deutlich werden. Deswegen versuche ich dann auch, bei so einem Thema auf die anderen Stellen hinzuweisen, in denen das deutlich wird.
Ich schätze nur insgesamt, also es ist absolut legitim, wenn man dann auch das eine Thema zwei- oder dreimal hat. Ich denke nur insgesamt, es ist vielleicht ein gutes Ziel, wenn diese Wiederholungen dann in anderen Büchern vorkommen. Wenn ich dann im nächsten Buch bin und im nächsten Buch über die Treue Gottes oder über Gehorsam, über Verführung usw. predige, dann muss das nicht in dem Buch quasi noch mal das Gleiche sein. Dann kommt das aus der anderen Perspektive.
Aber es ist grundsätzlich richtig, ich will da auch gar nicht sagen, es darf da nur einmal so sein. Ich glaube nur, dass es nachvollziehbar wäre: Man predigt dieses Thema einmal, weil wir lesen ja auch als Gemeinde nicht so durch das Buch, wie wenn ich es zu Hause am Stück durchlese. Dann ist ja diese Wirkung viel größer. In der Gemeinde muss ich dann nach drei Monaten daran erinnern, und wir hatten das schon mal. Mir ist das komplett präsent, weil ich die ganze Zeit im Buch bin. Aber den Zuhörern, na ja, kann sein, das war da mal irgendwie dunkel. Da bin ich manchmal nicht so sicher, ob diese Wirkung tatsächlich genau so zum Tragen kommt, wie wenn ich das Buch durchlese und noch mal durchlese und auf einmal tatsächlich das immer so wahrnehme.
Aber der Hinweis ist sonst berechtigt, ja. Dankeschön.
Genau, genau, und das brauchen wir am Ende des Tages, was wir machen. Meine Gemeinde hört in dem Sinne nicht immer einfach die ganze Zeit neue Predigten. Sie hört aus den verschiedenen Perspektiven, mit den verschiedenen Werkzeugen, die Gott in verschiedenen Büchern und Gattungen gegeben hat, hoffentlich dieselbe Botschaft des Evangeliums immer und immer wieder. Aber Gott hat sie eben nicht inspiriert, in einem kleinen dünnen Büchlein gesagt: Hier ist die Zusammenfassung, die könnt ihr haben, immer wieder lesen. Sondern er hat sich etwas dabei gedacht, dass er die Offenbarung über diesen langen Abschnitt in dieser Größe gegeben hat. Und dann ist es auch gut, wenn das irgendwie hoffentlich in unseren Predigten zum Vorschein kommt.