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Wie können
Spaltungen
verhindert werden?
G E M E I N D E
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Wilfried Plock, Mannheim
Ich ermahne euch aber ... durch
den Namen unseres Herrn
Jesus Christus, dass ... nicht
Spaltungen unter euch seien."
1. KORINTHER 1,10»Aber
ich glaube fest,
daß wir die
Gefahr von
Spaltungen
verringern
können.«
In der letzten Zeit bin ich im-
mer wieder mit dem Problem von
Spaltungen in Gemeinden kon-
frontiert worden. Solange es Ge-
meinde Jesu auf dieser Erde gibt,
solange hat sie auch mit dieser Ge-
fahr zu kämpfen. Die Bibel läßt
keinen Zweifel daran: wo Gott
wirkt, da macht sich auch der Teu-
fel auf. Er ist es, der seit fast zwei-
tausend Jahren Zwietracht und
Spaltung in die Gemeinden bringt.
Aber ich glaube fest, daß wir die
Gefahr von Spaltungen verringern
können. Freilich werden wir sie
nicht ganz aus der Welt schaffen
können. Aber wir können die Ge-
fahr minimieren. William MacDo-
nald nannte vor einigen Jahren in
einem Vortrag in München wert-
volle Grundsätze, die ich hier ger-
ne aufgreifen möchte.
DREI GRUNDKATEGORIEN
Die gesamte Bibel ist
Gottes inspiriertes Wort.
Aber es ist eindeutig, dass
nicht jede Aussage der Bi-
bel die selbe Gewichtung
hat. Das neutestamentliche
Zeugnis der Auferstehung
Jesu wiegt ganz gewiß
schwerer als das Geschlechtsregi-
ster des Esau im Alten Testament.
Darum glaube ich, daß es weise ist,
wenn William MacDonald die
Aussagen der Bibel im Blick auf
ihre Gewichtung in drei Grundka-
tegorien einteilt.
1. AUSSAGEN, DIE ABSOLUT
FUNDAMENTAL UND
GRUNDSÄTZLICH SIND
Das sind Dinge, über die nicht
verhandelt werden kann. Hier geht
es um Grundlagen des christlichen
Glaubens, die alle wahren Christen
auf der Welt glauben.
Wer diese fundamen-
talen Aussagen leug-
net, ist ein sektiereri-
scher Mensch und ein
Irrlehrer.
Zu den Fundamen-
ten des Glaubens gehö-
ren zum Beispiel die
Inspiration der gesam-
ten Heiligen Schrift in
ihren 66 Büchern, die
Dreieinheit Gottes (vie-
le falsche Sekten leug-
nen die Dreieinheit), die absolute
Gottheit und Menschheit des
Herrn Jesus Christus (auch die
wird von vielen Sekten geleugnet),
der stellvertretende Tod, die Grab-
legung und leibliche Auferstehung
Jesu, die Errettung allein aus Gna-
de durch den Glauben, die Wieder-
kunft des Herrn Jesus und die ewi-
ge Seligkeit der Erlösten und die
ewige Bestrafung der Verlorenen.
Das alles sind grundlegende, fun-
damentale Lehren der Schrift und
Glaubensinhalte der Christen. Was
ihnen widerspricht, wurde eigent-
lich seit der Reformation durch-
gängig als Irrlehre bezeichnet.
Diese fundamentalen Lehren
der Schrift haben wir in unserer
Mannheimer Gemeinde in den so-
genannten Glaubensgrundsätzen"
(eine Art von Glaubensbekenntnis,
das die wichtigsten Lehrpunkte
der Bibel abhandelt) zusammenge-
faßt.
2. WICHTIGE DINGE, DIE ABER
NICHT FUNDAMENTAL SIND
Diese Dinge sind wichtig; sonst
würde sie die Bibel nicht lehren.
Aber sie sind nicht fundamental.
Das heißt: jemand der diese Dinge
anders sieht oder anders prakti-
ziert, ist trotzdem ein Kind Gottes
und darum auch mein Bruder.
Nehmen wir zum
Beispiel die Taufe.
Wir wissen alle, daß
es in dieser Lehrfra-
ge sehr unterschied-
liche Sichtweisen
gibt – vom extremen
Sakramentalismus
bei den Befürwortern
der Säuglingstaufe
bis zum extremen
Baptismus auf der
anderen Seite.
Wie sichert man
nun die Einheit der Gemeinde?
Wie kann eine örtliche Gemeinde
verhindern, daß es wegen der Tauf-
frage zu einer Spaltung kommt?
Zunächst sollten die Geschwi-
ster, die eine Gemeinde gründen
und aufbauen wollen die Bibel
hinsichtlich dieses Themas gründ-
lich studieren. Wenn sie erkennen,
dass die Schrift die Taufe der Gläu-
bigen durch Untertauchen lehrt,
dann legen sie diese Sicht als Ge-
meindelehre fest. Die Gemeinde
Mannheim, Pirnaer Straße, zum
Beispiel lehrt und praktiziert die
biblische Taufe. Aber wir zwingen
natürlich niemanden zur Taufe.
Nur erwarten wir von allen Ge-
schwistern, gleich ob sie verbindli-
che Gemeindeglieder sind oder
nicht, daß sie diese Lehr-
meinung der Gemeinde re-
spektieren und nicht dage-
gen arbeiten – weder öf-
fentlich noch im Stillen.
Das könnte nämlich sonst
die Einheit der Gemeinde
zerstören.
Ein weiteres Beispiele
aus dieser zweiten Katego-
rie ist die prophetische
Lehre von der Zukunft
(Eschatologie). Wir glauben in un-
serer Gemeinde, dass der Herr Je-
sus vor den Ereignissen der Trüb-
salszeit zur Entrückung seiner Ge-
meinde kommen wird. Das ist die
Lehrauffassung unserer Gemeinde.
Aber wir wissen, daß es wiederge-
borene Christen gibt, die in diesem
Punkt anders denken. Manche Gläu-
bige meinen, die Entrückung ge-
schehe in der Mitte der antichrist-
lichen Trübsalszeit. Manche Chri-
sten meinen sogar, die Entrückung
sei erst am Ende der Drangsal.
Auch im Blick auf die Stellung
und Dienst der Frau in der Ge-
meinde gibt es unterschiedliche
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Wer ißt, der verachte den
nicht, der nicht ißt; und wer
nicht ißt, richte den nicht,
der ißt. Denn Gott
hat ihn aufgenommen."
RÖMER 14,3Sichtweisen in den christlichen
Gemeinden. Ebenso verhält es sich
mit den Gaben des Heiligen Gei-
stes. Wir glauben, daß Gott seiner
Gemeinde viele Geistesgaben ge-
schenkt hat; im NT werden mehr
als 20 Gaben genannt. Aber wir
wissen auch, daß der Apostel Pau-
lus in 1. Kor. 13,8 gelehrt hat, daß
drei dieser Gaben aufhören wer-
den. Darum halten wir dafür, daß
die direkt-inspirierten Gaben Pro-
phetie, Erkenntnis und Zun-
genrede mit der vollendeten
Zusammenstellung des NT
aufgehört haben. Wir ma-
chen diese Sicht nicht zum
'Schibbolet' des Christen-
tums. Aber wir erwarten,
daß diese Lehrauffassung
der Gemeinde respektiert
wird, und das niemand öf-
fentlich oder im Verborge-
nen dagegen arbeitet. Das
könnte nämlich sonst leicht
zu einer Spaltung führen.
Auch in der Lehrfrage
'Scheidung und Wiederhei-
rat' gibt es sehr verschiedene An-
sichten unter Christen. Wir glau-
ben, daß Gott grundsätzlich keine
Scheidung will; und wenn sie doch
geschehen ist, dann will er auf kei-
nen Fall eine Wiederheirat. Das
belegen eine Reihe von Bibelstel-
len. Es gibt sicherlich noch wei-
tere biblische Themen, die in
diese zweite Kategorie gehören;
aber wir wollen es jetzt dabei be-
lassen.
In unserer Mannheimer Ge-
meinde stehen die Punkte dieser
zweiten Kategorie nicht in unseren
Glaubensgrundsätzen", sondern in
unserer Gemeindeordnung". Sie
sind nicht fundamental. Man darf
niemanden, der sie anders sieht,
als Irrlehrer bezeichnen. Aber wir
halten sie für wichtig; und wir ha-
ben die Schrift zu diesen Punkten
studiert, und es hat sich eine Lehr-
auffassung der Gemeinde gebildet,
die nicht zementiert ist, aber doch
solange gilt, bis uns jemand mit
der Bibel in der Hand von einer
anderen Sicht überzeugen kann.
Wir erwarten übrigens in unserer
Gemeinde von jedem Gemeinde-
glied, die Anerkennung der Glau-
bensgrundsätze und der Gemeinde-
ordnung. Dieser Weg hat sich bis-
her voll und ganz bewährt.
3. DINGE, DIE
NICHT WESENTLICH SIND
Nach meiner Erkenntnis finden
wir diese Dinge im 14. Kapitel des
Römerbriefes beschrieben. Die Ge-
meinde in Rom bestand aus einem
Teil Judenchristen und einem Teil
Heidenchristen. Da waren von der
unterschiedlichen Prägung her
Spannungen vorprogrammiert. Span-
nungen entstanden und entstehen
meistens dort, wo die Heilige Schrift
keine klaren Aussagen macht. In
der Bibel sind viele Dinge geboten
oder verboten, aber es gibt durch-
aus Bereiche, welche die Bibel of-
fen läßt. Hier müssen Christen
Wie können
Spaltungen
verhindert werden?
nach bestem Wissen und Gewissen
entscheiden.
Damals in Rom fragten die
Christen zum Beispiel, ob sie
Fleisch essen durften oder nicht;
denn alles auf dem Markt erhältli-
che Fleisch war zuvor irgendwel-
chen Göttern geopfert worden.
Sollten bestimmte Tage (alttesta-
mentliche Feiertage) gehalten wer-
den oder nicht? Durften Gläubige
Wein trinken oder nicht? usw.
In unserer heutigen Gesellschaft
führen andere Fragen zum Streit.
Dürfen Christen am Sonntag bü-
geln oder nicht, Blutwurst essen
oder nicht, muss beim Abendmahl
Wein verwendet werden oder kann
es auch Saft sein? Dürfen christli-
che Ehepaare Verhütungsmittel ge-
brauchen oder nicht?
Erkenntnisse und Prinzipien
Erkenntnisse und Prinzipien
Erkenntnisse und Prinzipien
Erkenntnisse und Prinzipien
Erkenntnisse und Prinzipien
aus Röm. 14aus Röm. 14aus Röm. 14aus Röm. 14aus Röm. 14
a) Gläubige haben unterschied-
lich geprägte Gewissen (14,1-2).
Paulus spricht von 'Schwachen im
Glauben'. Das heißt nicht, körper-
lich oder seelisch schwach sein. Es
bedeutet auch nicht geistlich
schwach sein. Schwache sind Men-
schen, die in gewissem Sinn über-
ängstlich sind. Starke hingegen
meint in diesem Zusammenhang
Menschen mit weiterem, freien
Gewissen. Allerdings gibt es keines
von beiden in Reinkultur. Christen
haben unterschiedlich geprägte
Gewissen.
b) Jeder Gläubige steht und fällt
seinem Herrn (14,4). Ich brauche
zunächst einmal nicht
nach dem Gewissen mei-
nes Bruders zu leben, und
meine Schwester lebt
nicht nach meinem. Jeder
steht vor dem Herrn, der
uns alle mit seinem Blut
erkauft hat. Er kennt
mich und liebt mich. Er
weiß auch um die Prä-
gung meines Gewissens.
Vor ihm lebe ich, und von
ihm werde ich einmal be-
urteilt (14,10-12). Vor
dem Richterstuhl des
Christus wird es nicht um
meine Errettung gehen, sondern
um mein Leben als Christ, meine
Motive und mein Dienst. Jeder
Christ steht und fällt seinem Herrn
..." ist für mich eine ungeheuer
tröstliche Aussage.
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c) Jede Gewissensprägung ist mit
einer Gefahr verbunden (14,3+10).
Der Starke ist in Gefahr, den
Schwachen zu verachten. Was, du
trinkst keinen Wein? Komm, stell dich
doch nicht so an! Ein
Gläschen in Ehren ..."
Auf den anderen herab
schauen ist Sünde. Der
Schwache hingegen ist
in Gefahr, den Starken
in seiner Freiheit zu
richten. Was, du nennst
dich Christ und trinkst
Alkohol? Weißt du denn
nicht, was das für ein
Teufelszeug ist?" Den
Bruder, der freier
denkt und lebt, zu
richten ist ebenfalls
Sünde. Beide sollen
wissen: Christus hat
den anderen angenommen! Nun
gilt es, ihn auch anzunehmen, wie
er ist (15,7).
d) Im Konfliktfall soll der Starke
dem Schwachen entgegenkommen
(14,19-22). Wenn der Schwache
mit seinem engen Gewissen den
Starken Fleisch essen oder Wein
trinken sieht, so kann ihn das aus
der Bahn werfen. Wenn nämlich
der Schwache gegen sein eigenes
enges Gewissen Fleisch ißt oder
Wein trinkt, kommt er in große in-
nere Konflikte. Es kann ihm zur
Sünde oder sogar zum Verderben
werden. Das muß der Starke dann
wegen seiner Lieblosigkeit mitver-
antworten (14,23). Darum soll der
Starke auf den Schwachen Rück-
sicht nehmen. Das heißt in der
Praxis, neben dem Schwachen
nicht auf die eigene Stärke und
Freiheit zu pochen,
sondern um seiner
Schwachheit willen
aus Liebe zu verzich-
ten (14,21-22). Der
edelste Charakter der
Freiheit besteht dar-
in, aus Liebe zum an-
deren auf meine Frei-
heit zu verzichten. Je-
mand sagte: Zu mir
selbst will ich ein Herz
haben wie ein Nadel-
öhr, aber zu anderen
wie ein Scheunentor."
e) In der Gemeinde
Jesu steht grundsätzlich die Liebe
über der Erkenntnis (1.Kor.13,2).
Und wenn ich Weissagung habe und
alle Geheimnisse und alle Erkenntnis
weiß und wenn ich allen Glauben
habe, so daß ich Berge versetze, aber
keine Liebe habe, so bin ich nichts."
Das geistliche Ziel in der Gemein-
de ist die gelebte Jesus-Art (14,13;
15,2-3).
SCHLUSSGEDANKEN
Wir haben die Aussagen der
Schrift im Blick auf ihre Bedeu-
tung in drei Kategorien eingeteilt.
Es gibt Aussagen in der Schrift mit
fundamentalem Charakter. Über
diese Dinge dürfen wir nicht strei-
ten; ja, wir dürfen nicht einmal
darüber verhandeln. Gott hat in
seinem Wort gesprochen, und wir
beugen uns darunter. Punkt.
Dann gibt es Dinge, die sind
wichtig. Und es wäre gut, wenn wir
auch in diesen wichtigen Dingen
so nah wie möglich am Wort Got-
tes bleiben wollen. William Mac-
Donald sagte: Wenn ich schon irre,
dann möchte ich so nah wie möglich
am Wort Gottes vorbei irren."
Schließlich gibt es noch Dinge, die
von ihrer Gewichtung her nicht
wesentlich sind. Um wieviel Uhr
der Gottesdienst beginnt, ist nicht
wesentlich. Daß er beginnt, und
daß der Herr gegenwärtig ist, und
daß ich offen bin für sein Reden
und bereit bin, ihm und den Ge-
schwistern zu dienen, das alles ist
viel wichtiger. Ob wir Wein oder
Saft beim Brotbrechen verwenden,
ob wir aus einem Kelch trinken
oder aus mehreren, das alles ist un-
wesentlich. Aber daß wir den Sieg
des Herrn verkündigen, wenn wir
von dem Kelch trinken, und daß
wir in einer Haltung der Anbetung
dabei sind am Tisch des Herrn, das
ist wirklich wichtig.
Laßt uns alle miteinander be-
strebt sein, Spaltungen zu verhü-
ten und viel mehr die Einigkeit zu
bewahren durch das Band des Frie-
dens.
»In der
Gemeinde Jesu
steht grundsätz-
lich die Liebe
über der
Erkenntnis.«
(1.Kor.13,2)
