Ich freue mich, bei euch zu sein. Wir sind in der Apostelgeschichte angekommen, genauer gesagt in Kapitel 22. Und wir befinden uns gerade in der Fastenzeit. Ich weiß nicht, ob ihr irgendwie fastet, aber Ostern ist tatsächlich nicht mehr weit entfernt. In etwa vier Wochen geht das mit den Osterhasen so richtig los. Deshalb wird die Predigt heute ein bisschen osternlastig sein. Ihr werdet das gleich sehen.
Zuerst möchte ich euch mit etwas bekannt machen, das man die Minimal Facts Method von Gary Habermas nennt. Worum geht es dabei? Es geht um Ostern und die Auferstehung. Ich glaube an die Auferstehung, aber warum eigentlich? Warum glauben Christen an die Auferstehung? Sind sie einfach nur ein bisschen naiv oder gibt es im Hintergrund vielleicht auch richtige Gründe, an die Auferstehung zu glauben?
Gary Habermas ist Historiker und hat sich gefragt: Was sind die Minimal Facts, also die Tatsachen, die jeder denkende Mensch akzeptieren muss? Auch die Mehrheit der kritischen, skeptischen und atheistischen Historiker muss sagen, dass diese Dinge gelten. Egal, ob man gläubig ist oder nicht.
Wenn man historisch akkurat arbeitet und mit christlichen Quellen so umgeht wie mit normalen historischen Berichten, kommt man auf ein bestimmtes Set an Aussagen, denen man zustimmen muss. Diese sind objektiv. Wenn man sagt, diese Tatsachen gelten nicht, dann ist man historisch nicht mehr objektiv.
Gary Habermas hat diese Minimal Facts vorgeschlagen, und ich zeige sie euch mal. Es sind sechs Punkte, an denen man eigentlich nicht vorbeikommt. Wir reden hier nicht über Glauben, sondern über historische Fakten. Egal, was man zu Ostern und zur Auferstehung glaubt, diese Dinge müssen in jede Theorie mit einfließen.
Erstens: Es gab eine Kreuzigung. Daran führt kein Weg vorbei. Es gibt christliche, jüdische und römische Quellen, die das belegen. Es ist klar: Es gab die Kreuzigung von Jesus.
Zweitens: Es gibt Berichte über das leere Grab, die auch historisch gut belegt sind. Sogar Gegner haben versucht, das zu widerlegen. Wäre das Grab nicht leer gewesen, hätten sie einfach das Grab geöffnet und gezeigt: „Schaut mal, der Leichnam liegt noch drin.“ Das haben sie nicht getan. Das ist ein historischer Fakt.
Drittens: Es gab Erscheinungen von Jesus. Einzelpersonen und Personengruppen behaupten, sie hätten ihn gesehen.
Viertens: Die Bekehrung von Paulus. Das ist sehr spannend, denn ein Christenverfolger wird zum Missionar. Das ist ein Fakt.
Fünftens: Die Bekehrung von Jakobus, dem Halbbruder Jesu. Er war zunächst ungläubig, wurde dann Christ und schließlich Leiter der Jerusalemer Gemeinde.
Sechstens: Es gibt die Gemeinde, die Kirche. Da ist wirklich etwas entstanden. Zunächst versteckten sich die Jünger aus Angst. Dann traten sie plötzlich mitten in der Stadt hervor und predigten das Evangelium.
Wie passt das alles zusammen? Aus der Sicht eines Historikers, der die Minimal Facts betrachtet, gilt: Was auch immer man von den Berichten der Bibel über die Auferstehung hält – wenn man sagt, dass alles, was Christen glauben, Humbug ist, dann muss man diese sechs Fakten irgendwie erklären. Wenn man das nicht kann, ist die eigene Theorie nicht objektiv.
Man kann natürlich subjektiv glauben, was man will. Aber historisch objektiv sind diese Fakten unumgänglich.
Die Bedeutung der Bekehrung Paulus’ im Kontext der Minimal Facts
Bis hierher die Einleitung zu meiner Predigt. Warum? Ich möchte mich mit euch beschäftigen.
Fakt vier: Da steht die plötzliche Bekehrung von Paulus – vom Christenverfolger zum Missionar – aufgrund einer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Und da sind wir gerade. Wir sind in Apostelgeschichte 22.
Wer sich noch an die letzte Predigt erinnert: Paulus ist gerade von den Römern festgenommen worden, weil ein Mob ihn lynchen will. Er bittet den römischen Hauptmann: „Lass mich noch mal zu diesen Leuten reden!“
Frage: Worüber redet er in dem Moment, wo er die einmalige Chance bekommt, seinen Gegnern, Kritikern, diesem Lynchmob ins Auge zu schauen?
Antwort: Er redet über die eine Sache, die ihn begeistert, nämlich darüber, dass er dem Auferstandenen begegnet ist. Das ist im Leben von Paulus der Wendepunkt gewesen.
Frage: Bei diesen harten Fakten – warum führen wir da gerade Paulus auf? Warum ist er so etwas Besonderes?
Antwort: Weil man einfach erklären muss, wie es sein kann, dass der bekannteste Missionar der frühen Kirche, der vorher Christenverfolger war, genau das Gegenteil wurde.
Versteht ihr: Wenn man jetzt sagen würde, ich nehme Petrus. Petrus war ein unbekannter Fischer, der irgendwo im Nirgendwo in Galiläa gewohnt hat und sich dann an Pfingsten in Jerusalem hinstellt und eine Predigt hält. Da würde man immer sagen: Na ja, der war sowieso drei Jahre mit diesem Wanderprediger unterwegs. Logisch, dass der jetzt beim Thema Auferstehung ein bisschen, ich sag’s mal, parteiisch ist. Das ist halt sein Idol, und er möchte da so ein bisschen dran festhalten. Deswegen stellt er sich hin und erklärt, dass Jesus auferstanden ist.
Also auch Petrus ist schillernder, als man denkt. Man muss ja dann immer noch erklären, warum Petrus plötzlich predigen kann, warum der Typ für Leute betet und sie gesund werden oder Tote wieder lebendig werden. Also ist es schon auch mit Petrus nicht ganz einfach. Aber beim Thema Auferstehung würde man jetzt sagen: Na ja, Petrus hat ja ein gewisses Eigeninteresse. Sonst müsste er ja seine ganze Geschichte umschreiben und zugeben, dass das mit Jesus nichts war. Vielleicht ist er beim Thema Auferstehung doch irgendwie ein bisschen parteiisch.
So, deswegen taucht Petrus bei den harten Fakten nicht auf. Logisch.
Anders ist es bei Paulus. Paulus ist der Typ Mensch, bei dem du einfach sagen musst: Es gibt rein menschlich keinen Grund, keinen nachvollziehbaren Grund, warum gerade er Missionar werden sollte. Es macht einfach überhaupt keinen Sinn.
Und wie wenig Sinn es macht, das werden wir uns heute anschauen.
Paulus’ Hintergrund und seine Leidenschaft als Christenverfolger
Apostelgeschichte 22, Verse 1 bis 4:
Ihr Brüder und Väter, hört jetzt meine Verantwortung vor euch. Als sie aber hörten, dass er sie in hebräischer Mundart anredete, hielten sie noch mehr Ruhe. Er spricht: Ich bin ein jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aber aufgewachsen in dieser Stadt, zu den Füßen Gamaliels. Unterwiesen nach der Strenge des väterlichen Gesetzes war ich, wie ihr alle heute seid, ein Eiferer für Gott.
Ich habe diesen Weg verfolgt bis auf den Tod, indem ich sowohl Männer als auch Frauen band und in die Gefängnisse überlieferte.
Wer wird hier beschrieben? Paulus ist ein Jude, der in Tarsus, das ist in der heutigen Türkei, geboren wurde, aber in Jerusalem erzogen wurde. Er lernte unter Gamaliel, einem der besten und bekanntesten Lehrer seiner Zeit.
Theologisch ist Paulus ultrakonservativ. Deshalb sagt er: Ich war ein Eiferer für Gott, wie ihr das jetzt auch gerade seid.
Er war Eiferer für Gott nicht nur auf eine intellektuell-theoretische Weise. Er war nicht einfach nur ein Bücherwurm in seinem Elfenbeinturm, sondern handelte ganz praktisch. Er sagt: Ich habe diesen Weg verfolgt bis auf den Tod, indem ich sowohl Männer als auch Frauen band und in die Gefängnisse überlieferte.
Ein bisschen später wird er dann sagen (Apostelgeschichte 22, Vers 19): „Herr, du selbst weißt, dass ich die an dich Glaubenden ins Gefängnis werfen und in den Synagogen hin und her schlagen ließ. Und als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, stand auch ich dabei, willigte ein und bewachte die Kleider derer, die ihn umbrachten.“
Wenn Paulus davon spricht, was er getan hat, meinte er das damals wirklich todernst. So richtig todernst. Selbst wenn er bei Stephanus nicht selbst die Steine geworfen hat, wurde er zu einem Komplizen in diesem Mordkomplott.
Er ist dafür bekannt, ein junger Wilder zu sein, der gerade dabei ist, sich die Anerkennung der theologischen Elite in der Stadt zu erarbeiten.
Der Auftrag nach Damaskus und Paulus’ innere Haltung
Wir schauen uns das mal an: Apostelgeschichte 22, Vers 5.
„Wie auch der hohe Priester und die ganze Ältestenschaft mir Zeugnis gibt, von ihnen empfing ich auch Briefe an die Brüder und reiste nach Damaskus, um auch diejenigen, die dort waren, gebunden nach Jerusalem zu führen, dass sie bestraft werden.“
Ihr müsst verstehen: Das ist der Ritterschlag. Hier wird Paulus mit einem ganz besonderen Auftrag nach Damaskus geschickt. Ein Spezialauftrag: Christen finden, gefangen nehmen und zurück nach Jerusalem bringen, damit man sie dort einkerkert, auspeitscht und gegebenenfalls tötet.
Paulus hat es an dieser Stelle wirklich geschafft. Ihr müsst euch vorstellen, der hohe Priester und die Ältesten vertrauen ihm. Sie geben ihm diesen ganz heiklen Auftrag.
Ich weiß nicht, ob du mal in so einer Situation warst: Da kommt der Chef zu dir und sagt: „Ich habe dein Potenzial erkannt. Ich habe hier so eine etwas diffizile Geschichte. Ich traue dir das zu. Wenn du das jetzt richtig gut machst, dann stehen dir alle Türen offen hier in der Firma. Dann kannst du dir aussuchen, wie es weitergehen soll.“
Wenn du in so einem Moment drin bist, wie ist dann deine innere Haltung? Versteht ihr das? Du hast so richtig mehr Eifer, mehr Leidenschaft – mehr kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen als der junge, wilde Paulus bei diesem Damaskus-Job.
Ein junger Theologe mit Feuer im Herzen, klaren Überzeugungen und einer unerschütterlichen Mission: „Ich will zur Ehre Gottes leben. Und ich werde nach Damaskus gehen.“
Ich stelle mir das so vor: Wenn er diesen Brief in Händen hält, wie das Herz so schneller schlägt, wie er innerlich aufgeregt ist. Persönlich autorisiert, bevollmächtigt von den Oberen. Die höchsten Instanzen Israels stehen hinter mir. Eben noch junger Schriftgelehrter, jetzt Mann mit einer Mission.
Die Begegnung mit Jesus auf dem Weg nach Damaskus
Apostelgeschichte 22. Wir erleben Paulus auf dem Höhepunkt seines Eifers. Er ist an dem Punkt, an dem er voller Überzeugung losgeht, um endlich auch für sich zu beweisen, wer er ist. Doch dann passiert etwas, womit niemand gerechnet hat: Er begegnet Jesus.
Hier Apostelgeschichte 22, Vers 6: Es geschah mir aber, als ich reiste und mich Damaskus näherte, dass um die Mittagszeit plötzlich aus dem Himmel ein helles Licht mich umstrahlte. Ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Ich aber antwortete: „Wer bist du, Herr?“ Und er sprach zu mir: „Ich bin Jesus, der Nazurea, den du verfolgst.“ Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. Ich sagte aber: „Was soll ich tun, Herr?“ Der Herr aber sprach zu mir: „Steh auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt werden, was dir zu tun verordnet ist.“ Da ich aber vor der Herrlichkeit jenes Lichtes nichts sehen konnte, wurde ich von denen, die bei mir waren, an der Hand geleitet und kam nach Damaskus.
Was passiert hier? Es ist so interessant: Es ist Mittag, und glaubt mir, mittags in Damaskus ist es schon ziemlich hell. Paulus ist fast am Ziel, als dieses helle Licht erscheint – ein Licht, das viel heller strahlt als die Mittagssonne. Natürlich kennt Paulus seine Bibel. Er weiß, dass Gott derjenige ist, der sich in Licht hüllt (Psalm 104,2). Paulus fällt zu Boden und hört diese Stimme: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Es ist nur logisch, dass er jetzt nachfragt: „Wer bist du, Herr?“
Die Antwort muss für diesen leidenschaftlichen Pharisäer mehr als überraschend gewesen sein. Die Stimme sagt: „Ich bin Jesus, der Nazurea, den du verfolgst.“ Das ist der erste Moment, in dem Paulus Jesus persönlich begegnet. „Ich bin Jesus der Nazurea, den du verfolgst.“ Eigentlich verfolgt Paulus ja die Christen, aber Jesus macht ihm klar: Niemand kann Christen verfolgen, ohne mich zu verfolgen. Dieses helle Licht stellt sich nun als Jesus der Nazurea vor, also Jesus aus Nazareth.
Für Paulus ist völlig klar, mit wem er da spricht, mit wem er es zu tun hat. Wer aus diesem hellen Licht ihn anspricht und ihn blendet, versteht ihr? Dieser junge Schriftgelehrte war so davon überzeugt, den Durchblick zu haben – den absoluten Durchblick. Und jetzt kommt Gott in sein Leben und macht erst einmal etwas: Er macht ihn für ein paar Tage blind. So blind, dass er von seinen eigenen Leuten nach Damaskus hineingeführt werden muss.
Doch bevor das geschieht, fragt Paulus diesen Jesus noch, was er tun soll. Und wir müssen uns jetzt ganz genau anhören, wie er das tut. Es ist nämlich absolut faszinierend, was hier steht.
Die geistliche Erkenntnis und das Wunder der Heilung
Apostelgeschichte 22, Vers 10:
Ich sagte aber: „Was soll ich tun, Herr?“ Der Herr aber sprach zu mir: „Steh auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt werden, was dir zu tun verordnet ist.“
„Was soll ich tun, Herr?“ Im Griechischen steht hier das Wort Kyrios für „Herr“. Diese Bezeichnung, die Paulus an dieser Stelle verwendet, zeigt bereits, dass in seinem Denken ein Umdenken stattgefunden hat. Wenn er Jesus „Herr“ nennt, bringt er damit zum Ausdruck: „Ich anerkenne dich als Gott.“
Woher wissen wir das? Die Anrede „Herr“ ist im Neuen Testament die Bezeichnung, die dort verwendet wird, wo im Alten Testament der Eigenname Gottes steht. Ich habe euch dazu ein Beispiel mitgebracht: Lukas Kapitel 3, Vers 4 ist ein Zitat aus Jesaja 40, Vers 3. Dort heißt es in Lukas 3,4: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, Kyrios, macht seine Pfade gerade.“
Wenn wir uns das Original anschauen, dann heißt es dort: „Eben eine Stimme ruft in der Wüste: Bahnt den Weg des Herrn.“ Und da steht im Original JHWH, dieses Tetragramm Jachwe, der Eigenname Gottes, der im Neuen Testament mit Kyrios übersetzt wird.
Wenn Paulus also sagt: „Was soll ich tun, Kyrios?“, dann ist in diesem Moment schon völlig klar, dass er auf der einen Seite physisch blind ist, auf der anderen Seite aber geistlich schon den absoluten Durchblick hat. Er weiß, wer da aus dem hellen Licht zu ihm spricht. Jesus, der Nazoräer, ist niemand anderes als Gott selbst.
Dieses Wissen wird jetzt noch einmal unterstrichen, indem Gott ihm ein Wunder und ein prophetisches Wort schenkt. Wir lesen weiter in Apostelgeschichte 22, ab Vers 12:
Ein gewisser Hananias, ein gottesfürchtiger Mann nach dem Gesetz, der ein gutes Zeugnis von allen dort wohnenden Juden hatte, kam zu mir, trat heran und sprach zu mir: „Bruder Saul, sei wieder sehend!“ Und zu derselben Stunde schaute ich zu ihm auf.
Er aber sprach: „Der Gott unserer Väter hat dich dazu bestimmt, seinen Willen zu erkennen, den Gerechten zu sehen und eine Stimme aus seinem Mund zu hören. Denn du wirst ihm an allen Menschen ein Zeuge sein von dem, was du gesehen und gehört hast.“
„Sei wieder sehend!“ – Paulus kann wieder sehen, das ist das Wunder. Die Frage ist: Wer hat ihn da sehend gemacht? Genau, einer von denen, die er gefangen nehmen wollte, einer von denen, die er gebunden nach Jerusalem bringen wollte.
Und natürlich unterstreicht Gott damit durch dieses Wunder die Botschaft des Hananias. Was sagt dieser? „Der Gott unserer Väter hat dich dazu bestimmt, seinen Willen zu erkennen, den Gerechten zu sehen und eine Stimme aus seinem Mund zu hören.“
Merkt euch: Hier ist jemand, der genau weiß, was Paulus erlebt hat. Lukas betont in dem Bericht extra noch einmal, dass die Begleiter des Paulus die Stimme, also das, was da gesagt wurde, nicht gehört haben. Sie haben zwar etwas gehört, aber die Stimme selbst nicht.
Jetzt kommt Hananias, der eigentlich der Einzige ist, der diese Stimme gehört hat – nämlich Paulus selbst. Doch jetzt sagt Hananias zu Paulus: „Du weißt doch, du hast da etwas gesehen und auch eine menschliche Stimme gehört, oder?“
Und wen hat Paulus gesehen? Er hat den Gerechten gesehen. Natürlich ist der Gerechte in der Apostelgeschichte, wenn wir ein bisschen genauer hinschauen, eine Bezeichnung für Jesus. Diese Bezeichnung wird auch von Petrus und Stephanus verwendet. Jesus ist der Gerechte.
Ganz logisch, weil er ohne Schuld am Kreuz hingerichtet wurde. Deshalb wird er als der Gerechte bezeichnet.
Und Hananias ist noch nicht einmal fertig mit Paulus’ Bekehrung, denn es geht weiter, Vers 16:
„Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und wasche deine Sünden ab, indem du seinen Namen anrufst.“
Für uns ist das, was hier steht, einfach. Paulus soll jetzt bald wieder eine Taufe empfangen. Den Namen Jesu anrufen bedeutet so viel wie zu Jesus beten.
Aber überlegt euch mal, was das für den Juden Paulus bedeutete. Was bringt er damit zum Ausdruck, wenn er sich öffentlich bei seiner Taufe auf die Seite Jesu stellt und zu Jesus betet? Er war doch gerade nach Damaskus gekommen, um all die zu binden, die den Namen Jesu anrufen.
Und jetzt wird er selbst so einer. Jetzt wird er selbst ganz offiziell Christ. Das hier ist der Moment, an dem er alles verliert. Er verliert seine Sünden – das ist die gute Seite – und er verliert seine Reputation.
Das ist der Moment, in dem er eigentlich sein ganzes altes Leben verliert, alles, worauf er gehofft hat, alles, wofür er gearbeitet hat. In dem Moment, in dem er Jesus anruft und öffentlich vor Zeugen zu diesem Jesus betet und sagt: „Herr Jesus, bitte rette mich!“ ist sein altes Leben vorbei.
Und der Clou: Paulus ist dazu bereit. Er ist dazu bereit.
Die zweite Begegnung und die Berufung zum Apostel der Nationen
Und Jesus begegnet ihm noch einmal, wie in der Apostelgeschichte 22, Vers 17 beschrieben wird. Es geschah mir aber, als ich nach Jerusalem zurückgekehrt war und im Tempel betete, dass ich in Verzückung geriet. Und ich sah ihn, der zu mir sprach: „Eile und geh schnell aus Jerusalem hinaus, denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen.“
Ich sprach: „Herr, sie selbst wissen, dass die an dich Glaubenden ins Gefängnis geworfen und in den Synagogen geschlagen werden.“ Und als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, stand auch ich dabei, willigte ein und bewachte die Kleider derer, die ihn umbrachten.
Er sprach zu mir: „Geh hin, denn ich werde dich weit weg zu den Nationen senden.“
So ist Paulus, nun bekehrt, zurück in Jerusalem. Er betet im Tempel und erlebt dort eine Begegnung mit Jesus. Ich weiß nicht genau, was er mit „Verzückung“ meint, aber klar ist: Er begegnet Jesus im Tempel und Jesus warnt ihn. Er sagt: „Eile, geh schnell aus Jerusalem hinaus, denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen.“
Das Erstaunliche ist, Paulus kann sich das überhaupt nicht vorstellen. Er denkt: „Na, Mann, meine Glaubwürdigkeit ist doch kaum zu übertreffen. Ich bin der ultimative Christenverfolger, von Anfang an voll und ganz gegen diese Christen. Die müssen doch auf mich hören!“ Es gibt doch keinen, der ein besserer Zeuge dafür ist, dass Jesus wirklich auferstanden ist.
Doch Jesus macht ihm klar: „Lass gut sein, geh hin, ich werde dich weit zu den Nationen senden.“
Auf diese Weise kommt Paulus durch diese zweite Begegnung mit dem Auferstandenen zu seiner Berufung.
Die Herausforderung, Paulus’ Bekehrung historisch zu erklären
Und ich möchte noch einmal ganz an den Anfang zurückgehen: Minimal Facts – einer dieser minimalen historischen Fakten, die man berücksichtigen muss, wenn man sich eine Meinung zur Auferstehung bildet.
Ein solcher Fakt ist die Bekehrung von Paulus. Wie kann man das erklären? Warum sollte ein hartgesottener, ultrakonservativer Pharisäer, der sich als Christenverfolger einen Namen gemacht hat, plötzlich zu einem glühenden Nachfolger Jesu werden? Was hätte ihn dazu bringen können?
Lukas, einer der Weggefährten von Paulus, zeigt uns in diesem Text den Grund dafür. Er beschreibt, dass Paulus eine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus hatte – nicht nur einmal, sondern zweimal. Diese Begegnungen, vor allem die bei Damaskus, waren für ihn entscheidend.
Ihr müsst euch vorstellen, wie Paulus sich selbst beschreibt: Er sagt hier, er sei ein Eiferer gewesen, an anderer Stelle bezeichnet er sich als Lästerer, Verfolger und Gewalttäter. Trotzdem wird diese Begegnung mit Jesus für ihn zum absoluten Wendepunkt.
Ich weiß nicht genau, was Paulus vor Damaskus über Jesus dachte. Sicherlich kannte er das Zeugnis der Christen. Aber es ist die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen, die ihn vollständig verändert.
Die persönliche Reaktion und das Vorbild Paulus’ für uns heute
Frage: Was machen wir mit dem Text?
Zwei Dinge. Zum einen freuen wir uns – wir freuen uns mit Paulus, oder? Wir freuen uns darüber, dass er Jesus gefunden hat. Und man muss es ja deutlich sagen: Millionen und Abermillionen Menschen sind durch seinen Dienst zum Segen geworden. Das hätte dieser Eiferer, dieser kleine Schriftgelehrte, der Hetzer, nicht erwartet.
Aber dann gibt es noch etwas. Und ich hoffe, dass ihr diesen letzten Punkt mit in die Woche nehmen könnt. Mich begeistert die radikale Loyalität, mit der Paulus an Gott hängt. Da ist er mir wirklich ein Vorbild.
Dort, wo er Gott begegnet, ist er bereit, alles aufzugeben, um diesem Gott zu folgen. Deswegen zum Schluss Philipper 3,8: Dieser Vers lässt uns einen tiefen Blick in das Herz des Paulus werfen. Da sagt er:
„Ja, wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessen Willen ich alles eingebüßt habe – und alles ist wirklich alles – alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne.“
Paulus hat wirklich alles verloren. Er ist bereit, für seinen Herrn und für seine Berufung bis zum Äußersten zu gehen.
Weil er eine Sache verstanden hat, und diese eine Sache prägt sein Leben wie nichts anderes: Jesus ist für mich gestorben, er ist für mich auferstanden. Und wenn er mich dazu beruft, bei ihm Vergebung und ewiges Leben zu finden, dann ist wirklich jedes Opfer, das ich bringen kann, um ihm Loyalität zu beweisen, angemessen.
Was ich uns wünsche: Ich wünsche uns, dass Gott uns dieselbe Gewissheit, Festigkeit und Opferbereitschaft schenken möge, die wir im Leben des Paulus sehen. Und dass er uns tatsächlich bewahren möge vor jedem Bisschen Unglauben, vor aller Wankelmöglichkeit und Selbstsucht.
Dass er uns da wirklich Gnade gibt in diesem Leben, weil wir wissen: Jesus ist gestorben und Jesus ist für mich auferstanden.
Dass wir sagen: Okay, wenn das wahr ist, dann lasst uns all in gehen. Und das, was in unserem Leben nicht passt – die Halbheiten und diesen ganzen Mist – lasst uns das wirklich rausschmeißen.
