
Johannesevangelium 1,15-17;Johannes 20,30-31 Jesus ist der Christus
Johannes 1,15-1703.11.2019
Serie•Teil 4 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in den Abschnitt und den größeren Zusammenhang
Ich freue mich, dass ihr alle da seid. Vor dem Mittagsgottesdienst ist das für uns, die wir den Nachmittagsgottesdienst gewohnt sind, manchmal doch eine Herausforderung.
Es geht weiter im Johannesevangelium. Ich würde mit euch heute gerne Johannes 1,15-17 und 1,30-31 anschauen. Im zwanzigsten Kapitel machen wir miteinander Johannesevangelium.
Und wir stecken immer noch im Prolog des Johannesevangeliums. Was ist ein Prolog? Ein Prolog ist so etwas wie ein Vorspann. Die eigentliche Geschichte hat also noch gar nicht angefangen, aber Johannes gibt uns schon einmal einen Überblick. Er gibt uns einen Überblick darüber, wer Jesus ist und warum er eigentlich auf die Erde kommt. Wer ist dieser Jesus, von dem wir, wenn der Text dann weitergeht, im Johannesevangelium hören werden?
Die Antwort: Er ist Gott. Das wissen wir schon. Genauer gesagt ist er der Teil der göttlichen Dreieinigkeit, den Johannes das Wort nennt. Durch Gott, das Wort, wurde alles geschaffen. In ihm sind Leben und Licht.
Aus der Sicht der Bibel ist der Mensch ohne Gott wie ein Zombie. Er bewegt sich irgendwie, aber er ist geistlich tot und lebt in der Finsternis. Und jetzt kommt Jesus, und er bringt Leben und Licht. Er bringt ewiges Leben und Erleuchtung.
Und mehr noch: Gott, das Wort, wird Mensch. Damit kommt uns Gott so nahe, wie es nur irgend möglich ist. Er kommt uns so nah, dass wir als Menschen eine Entscheidung treffen können. Nämlich die Entscheidung: Wollen wir an diesen Jesus glauben, oder wollen wir das nicht?
Und dort, wo Menschen das tun, ist der Glaube an Jesus der Einstieg in eine ganz exklusive Beziehung mit Gott. Johannes nennt die Gläubigen Kinder Gottes.
Wir hatten gerade die Kinder hier vorne. Und ich schmunzle ja, was dieses Jahr an Kindern geboren wird. Und wenn man erlebt, wie die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern ist, dann muss man das nur einmal so betrachten: Wenn nach einer Geburt die ersten Bilder herumgeschickt werden und man diesen verklärten Blick eines Vaters sieht, der sein Kind im Arm hält, dann merkt man, da ist eine Beziehung. Sie ist so exklusiv, so einmalig und so tief von Liebe und Fürsorge geprägt wie sonst nichts auf dieser Welt.
Und genau an dieser Stelle setzt jetzt Gott an und sagt: Das wünsche ich mir. So eine Beziehung mit Menschen zu haben, das ist wirklich das Beste, was diese Welt zu bieten hat.
All das wissen wir schon, weil wir das im Prolog, also im Vorspann, schon gehört haben: Wer kommt da auf uns zu? Wer ist Jesus? Warum ist er da? Und die Antwort lautet: damit wir glauben.
Der Zweck des Evangeliums als Schlüssel zum Text
Wenn ich das so sage, Jesus kam, damit wir glauben, dann möchte ich mit euch gerne etwas wagen. Ich möchte mir mit euch den Zweck des Johannesevangeliums anschauen.
In vielen biblischen Büchern steckt irgendwo eine solche Aussage: Das wurde geschrieben, weil ... Und jemand hat einmal gesagt: Mit dem Zweck eines biblischen Buches oder mit der Schreibabsicht verhält es sich ein bisschen wie mit einem Schlüssel in einer Tür. Er steckt häufig ganz vorne oder ganz hinten drin.
Im Johannesevangelium steckt die Schreibabsicht hinten. Und deswegen springen wir jetzt etwas weiter hinein, hier in Johannes 20,30-31.
Ich lese mal vor: Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind; diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist.
Christus kann man auch übersetzen. Das ist lateinisch; auf Hebräisch wäre es Messias, in einem etwas allgemeineren Sinn auch Retter. Also: dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
Johannes bringt ganz bewusst im Johannesevangelium nur eine Auswahl von Zeichen. Zeichen sind besondere Wunder. Es sind Wunder, die er tut und die über sich selbst hinausweisen, mit denen er noch so eine langfristige Idee verknüpft. Johannes bringt jetzt eine Auswahl von Zeichen. Und ja, es gibt noch viel mehr. Aber die, die er erzählt, die dienen dem Zweck, dass man glaubt.
Die Frage ist: Was sollen wir glauben? Der Text sagt, dass Jesus der Christus ist. Damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist. Darum geht es.
Du liest das Johannesevangelium, und wir haben das früher oft gemacht. Also, da hinten sehe ich noch Klaus, einer der ersten evangelistischen Hauskreise. Wir haben das Johannesevangelium gelesen. Und das ist total cool, weil ich heute noch weiß: Wir haben das gelesen, gelesen, gelesen. Und ich bin nicht der Typ, der sagt: Du musst glauben, du musst glauben, du musst glauben, du musst glauben. Also, ich lese mit Leuten in der Bibel, bis sie sich bekehren. Das ist überhaupt nicht mein Ding, aber ich würde sie nie dazu drängen.
Und irgendwann kam Klaus zu mir nach Hause und meinte: Du, irgendwas ganz Komisches ist passiert. Ich habe mich da hingekniet und habe so ein Gebet gesprochen, und ich glaube da jetzt.
Und das fand ich total lustig, weil er gar nicht wusste, dass er sich bekehrt hat. Er hat einfach nur angefangen, an diesen Jesus zu glauben. Er hat das Johannesevangelium studiert, und irgendwann hat es bei ihm Klick gemacht. Und er hat festgestellt: Hey, Jesus ist der Christus. Jesus ist der, auf den ich immer gewartet habe. Und er hat einfach damit angefangen, daran zu glauben, dass Jesus Christus Messias, Retter ist.
Und was passiert, wenn man glaubt, wenn man zutiefst davon überzeugt ist, dass es Gott gibt, dass er Mensch wurde, um uns zu retten, dass es sich wirklich lohnt, das zu tun, was er sagt? Das ist der zweite Teil: damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
Wenn wir das tun, dann haben wir durch den Glauben Leben. Und hier ist nicht das natürliche Leben gemeint, logisch. Es braucht zum natürlichen Leben keinen Glauben. Oder anders ausgedrückt: Auch Atheisten atmen, auch wenn sie nicht glauben. Hier ist einfach ewiges Leben gemeint. Durch den Glauben bekommt ein Mensch ewiges Leben. Die Qualität von Leben, die wir noch kennenlernen werden. Wir sind ja noch im Prolog, wir dürfen noch vieles tiefer betrachten. Da gibt es noch ein paar Verse.
Und wenn wir uns jetzt fragen: Warum Johannesevangelium? Klar, es wurde geschrieben, damit wir erstens an Jesus glauben und zweitens dadurch ewiges Leben finden. Das ist das Ziel.
Deswegen lohnt es sich, immer wieder solche Kreise zu starten. Und mir geht es gerade so, dass ich total motiviert bin, darüber nachzudenken, nächstes Jahr wieder so einen Bibelkreis zu starten und sogar wieder einzuladen, vielleicht auch über die Zeitung, damit einfach Leute dazukommen können und erleben können, dass Jesus der Christus ist. Denn das ist der Punkt, um den es geht.
Die erste Aussage über die Größe Jesu
Kommen wir zurück zu unserem Prolog. Das war jetzt nur der Ausflug zu Johannes 1,15.
Ich lese mal vor: Auf ihn, meint Jesus, wies Johannes die Menschen hin. Er ist es, rief er. Von ihm habe ich gesagt: Der, der nach mir kommt, ist größer als ich, denn er war schon vor mir da.
Jetzt eine Erklärung für die Kinder. Die meisten Erwachsenen unter euch werden das wissen. Schaut mal, hier steht NGÜ. NGÜ steht für Neue Genfer Übersetzung. Wir haben in Deutschland das Vorrecht, ganz viele tolle Bibelübersetzungen zu haben. Da gibt es Bibelübersetzungen, die wir vorhin vorgestellt bekommen haben, zum Beispiel die Lutherbibel. Dann gibt es Bibelübersetzungen, die wir kennen. Die heißen die Elberfelder Bibel, die Schlachter Bibel, die Zürcher Bibel oder eben auch die Neue Genfer Übersetzung.
Was ich hier von vorne sagen möchte, weil das immer mal wieder so durch die christliche Szene wabert, ist: Da wäre eine dieser Übersetzungen besser als die andere. Das stimmt nicht. Lest von diesen Übersetzungen, was ihr wollt. Ich lese Elberfelder und habe normalerweise die Bibelverse nach der Elberfelder Bibel da vorne dran. Aber wenn ich das mal nicht habe, weil ich denke: Ach, da gefällt mir die andere Übersetzung besser, die kommt dem originalen Stück näher, dann schreibe ich immer in Klammern dahinter, welche Übersetzung ich verwende. Und dann gibt es so kleine Abkürzungen. NGÜ steht für Neue Genfer Übersetzung.
Nochmal zum Text: Auf ihn, Jesus, wies Johannes die Menschen hin. Wieder Achtung: Obwohl das Johannesevangelium vom Johannes, dem Apostel, geschrieben wurde, geht es hier im Text wieder um Johannes den Täufer. Wir hatten das schon in der, glaube ich, vorletzten Predigt. Johannes der Täufer ist der Vorbote von Jesus. Erst kommt Johannes der Täufer, dann kommt Jesus. Johannes weist auf Jesus hin. In anderen Übersetzungen heißt es auch: Er zeugt von ihm. Ein Zeuge ist jemand, der sagt, was er weiß.
Und für Johannes ist hier an dieser Stelle ganz am Anfang im Johannesevangelium ein Punkt total wichtig: Er weist darauf hin, dass Jesus größer ist. Das ist sein Punkt. Er möchte zeigen: Jesus steht in der Hierarchie über mir. Jesus ist wichtiger. Das ist die eine Sache, die Johannes dem Täufer wichtig ist. Er will verhindern, dass Menschen ihn toll finden. Und er hat wirklich, ihr müsst euch das vorstellen, einen total irren Typen, der da in der Wüste predigt, so ein bisschen schräg. Und du kommst da hin und du wirst in deinem Herzen überführt von deiner Sünde, lässt dich im Jordan taufen und löst eine Riesenbewegung aus. Und seine Sorge ist, dass man ihn sieht und Jesus übersieht. Und das möchte er nicht.
Deswegen sagt Johannes, wenn er den Mund aufmacht, solche Sachen wie: Jesus ist größer als ich. Und er bringt drei Punkte, an denen er das festmacht.
Punkt eins: Er war schon vor mir da. Diese Formulierung „Er war schon vor mir da“ betrifft nicht das Alter Jesu. Im Gegenteil: Als Mensch ist Jesus jünger als Johannes der Täufer. Also nicht viel, aber ein paar Monate.
Frage: Woher weiß ich das? Na ja, wenn ihr die Weihnachtsgeschichte vor Augen habt, dann wisst ihr, da gibt es diesen Moment, wo der Engel Gabriel Maria besucht und sagt: Jetzt geht’s los. Maria sagt: Ich lasse mich darauf ein. Und dann, das ist ungefähr sechs Monate nachdem etwas anderes passiert war, nämlich dass eine Verwandte von Maria, Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer, schwanger geworden war, geht Maria los. In dem Moment würden wir sagen: Da sieht man noch nichts, das ist gerade passiert, da ist gerade so losgegangen. Sie geht zu Elisabeth. Und Elisabeth, seht ihr schon, hat einen dicken Bauch. Die ist also schon mindestens im sechsten Monat schwanger.
Das heißt: Welches Baby kommt zuerst raus? Genau, das von Elisabeth. Und das ist eben Johannes der Täufer. Deswegen ist Johannes der Täufer einen kleinen Tick älter, vielleicht so ein halbes Jahr, als Jesus. Aber obwohl Jesus jünger als Johannes ist, sagt Johannes: Er war schon vor mir da.
Johannes will damit sagen: Bitte haltet diesen Jesus nicht für einen normalen Menschen. Er sieht vielleicht auf den ersten Blick so aus wie ein ganz normaler jüdischer Rabbi, der so umherzieht und predigt. Aber Vorsicht, das wäre ein ganz großer Irrtum, wenn du denkst, das ist ein normaler Mensch. Jesus kommt tatsächlich aus der Ewigkeit. Also in dem Moment, wo Johannes der Täufer gezeugt wird, da ist Jesus schon lange da. Er kommt aus der Ewigkeit.
Und es heißt da im Propheten Micha, wenn wir davon sprechen, dass das Wort Fleisch wurde, dann heißt es im Propheten Micha, immer so ein Text für Weihnachten: Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll. Das ist jetzt wieder Jesus. Und dann wird über diesen Jesus gesagt: Und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.
Deswegen ist Jesus größer als Johannes, eben weil er zwar Mensch ist, aber seine Existenz nicht da beginnt, wo der Heilige Geist im Körper von Maria einen Embryo erschafft. Aus der Ewigkeit kommend betritt der lebendige Gott die Bühne der Weltgeschichte, und zwar in Gestalt eines Mannes namens Jesus von Nazaret.
Das ist der erste Punkt, warum Johannes sagt: Er ist viel größer. Egal, was ihr von mir haltet, das ist viel mehr.
Gnade als Kennzeichen seines Wirkens
Zweiter Punkt: Johannes 1,16
Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.
So, was ist eine Gnade? Eine Gnade ist ein Geschenk. Und jetzt Achtung: Hier spricht Johannes der Täufer. Das übersieht man manchmal, weil der Vers so weit gebraucht ist, dass man übersieht, wer das sagt. Johannes der Täufer beschreibt Jesus. Er beschreibt, was Jesus auszeichnet.
Achtung: Johannes der Täufer weiß nichts vom Kreuz. Das ist nicht geschrieben nach Kreuz und Auferstehung, sondern Johannes der Täufer stirbt noch in der Zeit, in der Jesus predigt. Die überlappen sich ein bisschen, ja, und dann ist Johannes der Täufer irgendwann tot. Und wenn Johannes der Täufer über Jesus spricht, dann sagt er das: Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.
Und die Frage dahinter lautet ja: Was macht Jesus größer als Johannes? Und hier sagt er: Es ist schlichtweg die Menge an Gutem, an Gnade, die er gewirkt hat. Weil Jesus schlichtweg Fülle ist. Und Fülle ist so ein Wort, das irgendwie gar nichts rüberbringt. Also Fülle ist für das, was es ausdrücken will, viel zu kurz.
Versteht ihr ja? So, gleich vorbei: Fülle! Das müsste viel gewaltiger klingen, das Wort, ist aber halt manchmal in den Sprachen so. Fülle heißt: Jesus steckt hinter allem Guten, was es auf der Erde gibt.
Ich will das erklären. Alles Gute, was ein Mensch erlebt, kommt von Gott. Jeden Tag erfährt jeder Mensch Gnade um Gnade. Jeder Atemzug, den du tust – ich weiß, du hast dich daran gewöhnt, du hast es ja –, aber du musst nur mal für fünf Minuten die Luft anhalten, und du wirst nach ungefähr einer Minute dreißig merken, dass es Gnade ist, dass du atmen darfst. Es ist so, probier es. Jeder Atemzug, den wir tun, ist ein Geschenk Gottes.
Und wenn wir dann noch eine Wohnung haben, ein paar Freunde oder eine Bibel, dann sind das alles Geschenke Gottes. Jeder Mensch lebt jeden Tag aus der Güte Gottes. Und wenn Paulus im Römerbrief erklärt, warum Gott eigentlich so zornig auf die ungläubigen Menschen ist, dann ist seine Antwort folgende: Da gibt es einen Grund. Die sind undankbar. Undankbarkeit ist die große Sünde der Heiden. Der Heide genießt jeden Tag in vollen Zügen die guten Gaben Gottes, aber er hält es kein Stück für nötig, mal Danke zu sagen. Und das merkt sich Gott.
Gott gibt. Und wenn ich das sage, Gott gibt, dann lasst uns jetzt noch einen kleinen Moment genauer hinschauen. Wer ist es, der uns da gibt, und zwar Gnade um Gnade, ein Geschenk nach dem anderen? Jetzt drücke ich es ein bisschen technisch aus. Wer ist in der Dreieinigkeit dafür zuständig, dass die Welt ein Ort ist, an dem die Sonne scheint? Also heute nicht. Also doch, irgendwie ja schon, ja, aber man sieht sie nicht. Oder dass es noch Schwerkraft gibt. Stell dir vor, du wachst morgens auf und es gibt keine Schwerkraft. Also du wärst nicht aufgewacht, weil vorher wäre die Atmosphäre verschwunden, ja, und du wärst erstickt oder, ja, oder würdest, was weiß ich, wenn du schneller oben bist, dann vielleicht erfrieren oder so. Aber wir gewöhnen uns daran, ja, morgen gibt es wieder Schwerkraft. Ja, warum? Oder wer ist dafür zuständig, dass es Liebe gibt, dass wir das empfinden können? Wer sorgt eigentlich für die Welt? Also, wer beschenkt uns da eigentlich mit allem Guten?
Und die Antwort finden wir hier in dem Text: Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Oder ich schaue mal in einen weiteren Text rein, im Kolosserbrief, da heißt es – Achtung, hier wieder N-G-Ü, ihr wisst, was es bedeutet, neue Genfer Übersetzung – Denn durch ihn, Jesus, wurde alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. Das ganze Universum wurde durch ihn geschaffen und hat in ihm sein Ziel. Er war vor allem da, und alles besteht durch ihn.
Also wenn du dir die Frage stellst, wer sorgt dafür, dass die Erde, die aus dem Nichts geschaffen wurde, nicht jetzt im Moment gleich wieder ins Nichts zurückfällt, dann kann ich dir sagen: Es ist Jesus.
Ich bin heute früh aufgestanden, in die Küche geschlurft und hätte mir einen Pott Kaffee gemacht. Ich liebe einen Pott Kaffee nach dem Aufstehen. Bevor ich mir Zeit zum Beten nehme, hole ich mir einen Kaffee. Ich liebe es, in diesem Pott Kaffee, der mir schmeckt, der mich belebt, eine von den vielen Gnaden zu sehen, mit denen Jesus mich beschenkt.
Und wisst ihr, wenn ich mich dann noch in meinen alten Oma-Ohrensessel fletzen darf, mein Laptop aufklappe, ich habe heute Morgen die Predigt fertig geschrieben, meine Frau reinkommt und mir einen guten Morgenkuss gibt, dann kann ich einfach nur eines denken: Gnade um Gnade.
Es muss nur die Augen aufmachen, und ich werde erleben: Gnade um Gnade. Das ist der zweite Punkt.
Das Verhältnis von Gesetz, Wahrheit und Rettung
Johannes hat noch einen dritten Punkt. Nicht nur kommt Jesus aus der Ewigkeit, nicht nur leben wir alle von seiner Fülle an Gnade, sondern Jesus schenkt uns auch mehr, als Mose uns jemals geben konnte.
In Johannes 1,17 heißt es: Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.
Für Bibelkenner ist das kein Problem. Wer sich in der Bibel noch nicht so gut auskennt, für den ist das eher schwierig. Ich sage es einmal so: Im Alten Testament bekommt Mose am Berg Sinai von Gott ein Gesetz. Der bekannteste Teil des Gesetzes sind die Zehn Gebote. Mose bekommt das Gesetz und gibt es dann an das Volk Israel weiter.
Heute kann es leicht passieren, dass wir als Christen auf die Gebote des Alten Testaments ein wenig herabsehen. Aber das sollten wir nicht. Natürlich hören sich manche Gebote komisch an. Wenn da zum Beispiel steht, dass man einen Spaten nehmen und vor dem Lager sein Geschäft verrichten soll, dann merkt man: Ja, die haben damals eben in Zelten in der Wüste gelebt. Das macht heute nicht mehr so viel Sinn. Heute darf man auf die Toilette gehen, okay? Also, manches klingt vielleicht ein bisschen seltsam. Es ist hineingesprochen in die Erlebniswelt eines antiken Volkes. Und doch zeigt sich Gottes Charakter im Gesetz.
Oder Paulus würde sagen: Es bleibt also dabei, dass das Gesetz heilig ist, seine Forderungen sind heilig, gerecht und gut. Ganz wichtig, dass wir das verstehen. Das Gesetz ist heilig, gerecht und gut. Es ist nichts Schlimmes am Gesetz. Nur, und das ist ganz wichtig, das Gesetz selbst hat keine Kraft, uns zu retten. Ein Gesetz kann Sünder davon überführen, dass sie sündig sind, aber mehr kann es nicht.
Da heißt es in Galater 3,19, und das ist falsch, das muss heißen 19, bin ich mir ziemlich sicher. Kann das jemand noch einmal checken, während ich vorlese? Also Galater 3,19: Denn welche Aufgabe hatte dann das Gesetz? Das ist eine gute Frage. Wenn wir heute sagen, wir haben Jesus, welche Aufgabe hatte dann das Gesetz? Es wurde hinzugefügt, um ans Licht zu bringen, dass wir mit unserem Tun Gottes Gebote übertreten. Dafür ist es da. Und so sollte es lange in Kraft bleiben, bis jener Nachkomme Abrahams da war, auf den sich Gottes Zusage bezog, nämlich Jesus.
Ich versuche das einmal deutlich zu machen. Wenn jemand die Zehn Gebote liest, auch das Sabbatgebot, das ist ein bisschen spezieller, oder wenn er sich mit anderen Geboten beschäftigt, dann merkt er etwas. Er merkt: Mit mir stimmt das nicht. Da steht: Du sollst nicht lügen. Dann denkst du dir: Naja. Du sollst nicht neidisch sein. Dass das irgendwie Paulus beschreibt, steht in Römer 7. Das hat ihn so getroffen. Und dann denkst du dir: Ganz schön heftig. Sollst du deine Eltern ehren? Hm, ja. Denkst du dir: Ja, aber manchmal mache ich das nicht. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen? Hm, ja, aber rutscht mir manchmal so raus.
Genau das ist der Punkt des Gesetzes. Ein Gesetz, und das gilt grundsätzlich auch für Gesetze, hier aber eben für das Gesetz Gottes, bringt Sünden ans Licht. Und wenn man ehrlich wäre – nicht immer sind wir das –, dann ist es sogar noch ein bisschen schlimmer. Denn wenn ich weiß, dass etwas verboten ist, dann habe ich manchmal erst recht Lust darauf. Es ist total schräg. Geh an einer Rasenfläche vorbei, und dann kommt das Schild: Rasen betreten verboten. Du wirst nicht auf den Gedanken kommen, einen Fuß auf diesen dusseligen Rasen zu setzen. Aber wenn da steht, ich darf das nicht, dann kommt in dem Moment etwas in einem auf. Das muss man richtig wegschieben, um dann nicht doch zu sagen: Doch, jetzt erst recht. Das steckt in uns drin. Total schräg.
Das heißt: Es reicht nicht, zu wissen, dass etwas falsch ist. Wir brauchen mehr im Leben. Wir brauchen Jesus. Das ist das, was hier in Johannes 1,17 steht: Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben. Das ist etwas Gutes. Jetzt wissen wir: Aha, die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.
Ihr Lieben, durch Jesus Christus werden Gnade und Wahrheit in meinem Leben Realität. Ein Gesetz kam und will mich verurteilen. Und es ist gut zu wissen, dass Gott mein Leben nicht mag. Es ist gut zu wissen, dass ich verloren bin und im jüngsten Gericht nicht bestehen kann. Es ist gut zu wissen, dass ich auf der Abschlussliste stehe. Warum ist das gut? Weil ich dann hoffentlich aufhöre, an mich zu glauben, und mich auf die Suche nach einem Retter mache. Und genau der ist gekommen: Jesus Christus.
Mit ihm kommen Gnade und Wahrheit, und das ist das, was ich brauche. Das Gesetz enthält Wahrheit. Es sagt mir, was Sache ist in meinem Leben, aber keine Gnade. Das Gesetz kann verurteilen, aber nicht retten. Jesus kann das schon. Durch ihn bekomme ich einerseits Wahrheit in Vollendung. Er geht sogar noch tiefer in die Gebote hinein und zeigt, was dahinter steckt. Gruselig, wenn du die Bergpredigt liest. Während er das tut und Wahrheit in Vollendung predigt, bekomme ich Gnade.
Und ich weiß nicht, inwiefern Johannes hier schon etwas ahnt. Er weiß nicht, wie die Geschichte Jesu im Detail ausgeht. Aber es ist klar: Im Alten Testament steht, dass Gott den Messias schickt und dass er die Schuld auf ihn legen wird. Damit werden wir uns in den zwei Predigten ungefähr beschäftigen, wenn wir sehen, dass er sagt: Hier ist das Lamm Gottes, das die Schuld der Welt wegnimmt. Und in dem Moment gibt es plötzlich Gnade.
Gott kann uns begnadigen, uns unsere Schuld vergeben, weil es Jesus gibt, der für unsere Sünden bezahlt hat, und zwar mit seinem Leben am Kreuz. Gnade und Wahrheit sind, ganz kurz noch, eine irre Mischung. Eigentlich passen die beiden Begriffe überhaupt nicht zusammen. Entweder nämlich Gnade oder Wahrheit. Entweder decke ich Schuld zu, Gnade, oder aber ich bringe sie ans Licht, Wahrheit. Und doch wird mit Jesus diese unglaubliche Mischung im Leben eines Christen Realität.
Wir sind gleichzeitig Begnadigte und Verurteilte. Niemand fängt an zu glauben, wenn er nicht vorher verstanden hat: In meinem Leben habe ich ein riesiges Problem. Und der Gag ist: Wenn du anfängst zu glauben, weißt du noch nicht die Hälfte deines Problems. Du fängst nämlich dann an, die Bibel zu lesen, und stellst fest: Wow. Oh, das ist noch viel schlimmer, als ich dachte.
Aber ich darf das in aller Ruhe so formulieren: Ich bin viel schlimmer, als du denkst, und ich bin sogar viel schlimmer, als ich denke, weil ich immer noch nicht alles an mir richtig verstanden habe. Es gibt immer noch Dinge in mir, die ich toll finde, wo Gott später einmal vielleicht durch die Bibel oder durch eine gute Predigt oder im Himmel sagen wird: Jürgen, fast richtig.
Und während ich quasi zu gut von mir denke oder an anderen Stellen so richtig sehe, wie tief ich im Dreck sitze, darf ich gleichzeitig sagen: Ich bin begnadigt. Ich gehöre dazu. Das ist alles bezahlt. Schräge Mischung, die durch Jesus Realität wird, wo das Gesetz verurteilt, das Kreuz die Verurteilung aufhebt und aus Kriminellen Kinder Gottes macht.
Schlussgedanke und Einladung zum Staunen
Kommen wir zum Schluss. Verstehen wir jetzt etwas von der Begeisterung dieses Mannes, den Jesus selbst für die größten Propheten des Alten Testaments hält? Johannes darf den Messias ankündigen, und er will nicht, dass irgendwer Jesus unterschätzt. Und wir sollten das auch nicht tun.
Ich mache mal mit folgender Idee Schluss, ihr Lieben: Wenn wir morgens aufstehen und uns Zeit nehmen, mit Gott allein zu sein, die Bibel zu lesen, auf Gott zu hören und zu beten, dann lasst uns einfach jeden Morgen kurz innehalten und darüber staunen, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben.
Jesus ist der, der aus der Ewigkeit kommt, der für alles Gute in dieser Welt verantwortlich ist und durch sein Leben Gnade und Wahrheit bringt. Und dann nehmen wir andere Begriffe: Erlösung und Ehrlichkeit. Er bringt sie ins Leben derer, die an ihn glauben.
Was für ein Gott! Amen!
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