Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 553: Herodes der Fuchs
Warnung vor Herodes und Jesu Antwort
In derselben Stunde kamen einige Pharisäer zu Jesus und sagten zu ihm: „Geh hinaus und zieh fort, denn Herodes will dich töten.“
Er antwortete ihnen: „Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet sein.“
Das ist eine ganz interessante Geschichte. Die Pharisäer, die nicht wirklich Freunde von Jesus sind, kommen und warnen ihn: „Geh hinaus und zieh fort, denn Herodes will dich töten.“
Lukas schreibt nichts über eine böse Absicht hinter dieser Warnung. Vielleicht ist es besser, die Sache nicht weiter zu bewerten. Natürlich könnte es auch eine elegante, gewaltfreie Art sein, diesen Rabbi aus Nazaret loszuwerden.
Wenn mit Herodes Herodes Antipas gemeint ist – dem Sohn von Herodes dem Großen –, dann handelt es sich um denselben Herodes, der auch Johannes den Täufer hinrichten ließ. Wenn Herodes wirklich Jesus töten lassen will, dann hält sich Jesus zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich in Galiläa auf.
Die Bedeutung von Jesu Bezeichnung „Fuchs“
Lukas 13,32: Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: „Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet.“
Drei Dinge fallen hier auf:
Erstens sagt Jesus: Geht hin. Das bedeutet, die Pharisäer hatten eine persönliche Beziehung zu Herodes. Sie kamen gut mit ihm aus und konnten ihm von Jesus eine Nachricht überbringen. In dieser Geschichte wirken sie jedoch ein wenig verloren. Sie erscheinen wie Menschen, die nicht genau wissen, wohin sie gehören.
Man hat fast den Eindruck, dass sie nicht wirklich mit dem Mann paktieren wollen, der einfach mal einen Reformprediger enthaupten lässt. Gleichzeitig wollen sie sich aber auch nicht gegen ihn stellen und öffentlich für Jesus Partei ergreifen. Es sind Leute, die nicht wissen, wofür sie stehen. Sie haben etwas Nähe zur Macht, das schon, aber nicht so viel, dass sie für die Exzesse der Politik mitverantwortlich gemacht werden könnten.
Deshalb schweigen sie beim Ehebruch von Herodes und Herodias, warnen aber gleichzeitig Jesus vor den Mordplänen des Königs. Wie gesagt, sie wissen nicht wirklich, wo sie hingehören.
Zweitens: Was bedeutet es, dass Jesus Herodes einen Fuchs nennt? „Fuchs“ ist hier ein mehrdeutiger Begriff. Ein Fuchs ist ein zeittypisches Schimpfwort für eine listige, aber letztlich unbedeutende Person. Das ist eine angemessene Beschreibung für Herodes Antipas, der politisch schwächer als Pilatus war, aber dennoch gefährlich.
Die Frage nach Respekt gegenüber Autoritäten
Die Frage stellt sich, warum Jesus einen solchen Begriff verwenden darf, obwohl es uns doch klar verboten ist, schlecht über Politiker und Autoritätspersonen zu sprechen. In Apostelgeschichte 23,2-5 lesen wir:
Der hohe Priester Hananias befahl denen, die bei ihm standen, Paulus auf den Mund zu schlagen. Darauf sprach Paulus zu ihm: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand!“ Und weiter: „Du sitzt da, um mich nach dem Gesetz zu richten, und handelst selbst gegen das Gesetz, indem du mir befiehlst, geschlagen zu werden.“
Die Anwesenden fragten empört: „Schmähst du den hohen Priester Gottes?“ Paulus antwortete darauf: „Ich wusste nicht, Brüder, dass er der hohe Priester ist. Denn es steht geschrieben: Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden.“
Offenbar konnte Paulus nicht gut sehen. Er erkannte nicht, dass Hananias, der Hohepriester, den Befehl gegeben hatte, ihn schlagen zu lassen, und nannte ihn eine „getünchte Wand“. Dieses Bild steht für eine äußerlich schöne, aber innerlich marode Mauer, die jederzeit einstürzen kann.
Hananias verkörpert genau das: Obwohl er Richter ist, übertritt er das Gesetz. Äußerlich wirkt er fromm, innerlich aber ist er gesetzlos. Bis zu diesem Punkt ist alles verständlich. Doch als Paulus erkennt, wen er da geschmäht hat, macht er einen Rückzieher und sagt: „Ich wusste nicht, Brüder, dass es der hohe Priester ist. Denn es steht geschrieben: Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden.“
Dieses Zitat stammt aus 2. Mose 22,27, wo es heißt: „Gott sollst du nicht lästern, und einem Fürsten in deinem Volk sollst du nicht fluchen.“
Die Spannung zwischen Respekt und prophetischer Kritik
Da haben wir es. Und doch nennt Jesus den Herodes definitiv einen Fürsten, einen Fuchs. Wie lösen wir diesen Widerspruch? Handelt Jesus gegen das Gesetz Gottes?
Ich möchte das Thema einmal so zusammenfassen: Erstens, einem Fürsten in deinem Volk sollst du nicht fluchen. Der hebräische Imperativ bedeutet tatsächlich „verfluchen, verächtlich reden“. Die Bedeutung ist klar: Autoritäten im Volk Israel stehen unter dem Schutz Gottes und dürfen nicht öffentlich entehrt werden, auch dann nicht, wenn sie moralisch fragwürdig sind.
Zweitens, Paulus entschuldigt sich nicht, weil Hananias Recht hatte, sondern weil er in Unkenntnis gehandelt hat. Er erkennt das Gebot aus 2. Mose 22,27 als verbindlich an. Damit wird die moralische Gültigkeit des Gesetzes bezüglich des „Respekts vor Ämtern“ von den Aposteln bestätigt. Und das selbst gegenüber einem Hohepriester, der gesetzlos handelt und dessen Amt durch den neuen Bund eigentlich keine Bedeutung mehr hat. Unser Hohepriester heißt ja nicht Hananias, sondern Jesus.
Drittens, wenn Jesus den Herodes einen Fuchs nennt und später die Pharisäer als getünchte Gräber bezeichnet, dann ist das stilistisch die Sprache alttestamentlicher Propheten. Jesaja nennt die Verantwortungsträger seiner Zeit „stumme Hunde“. Hesekiel vergleicht die Obersten mit beutereißenden Wölfen und die Propheten mit getünchten Wänden.
Viertens, es gibt einen Unterschied zwischen persönlicher Schmähung und prophetischer Schmährede. Paulus spricht als Angeklagter, der grundlos geschlagen wird, impulsiv und emotional. Seine Worte sind persönlich motiviert. Er spricht deshalb gegen das Gesetz; was er tut, ist Sünde. Ganz anders bei dem Herrn Jesus: Er spricht als bevollmächtigter Prophet und Messias mit göttlicher Autorität im Stil klassischer Prophetie. Seine Worte dienen der Offenlegung geistlicher Korruption, nicht persönlicher Rache oder Verachtung.
Der Unterschied liegt also nicht in dem, was gesagt wird, sondern in der Funktion des Sprechenden. Jesus übertritt nicht das Gesetz von 2. Mose 22,27, da er in der Funktion eines göttlichen Richters redet. Seine Worte sind keine persönliche Schmähung, sondern göttlich inspirierte Anklage und prophetische Offenbarung. Paulus hingegen erkennt an, dass seine Reaktion emotional und eben gerade nicht prophetisch war.
Ausblick und persönliche Anwendung
Wie sehr Jesus sich hier tatsächlich im Prophetenmodus befindet, werden wir sehen, wenn wir weiterlesen. Das tun wir jedoch erst in der nächsten Episode.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, ob du über Menschen in Leitungsfunktionen abfällig denkst oder sprichst. Das können deine Chefin, ein Lehrer, eine Polizistin oder der Bundeskanzler sein.
Das war's für heute. In der Frogwords-App findest du hinter dem rosa Frosch-Gesicht die neuesten drei Gebetsanliegen von meiner Frau und mir. Bete doch für uns.
Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lass dich in seinem Frieden leben. Amen.
