Generierte Mitschrift
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Einführung und Ziel des Seminars
Bevor ich starte, will ich einfach kurz einen Ausblick geben, was wir machen und was wir nicht machen.
Zum einen weiß ich nicht, wer von euch die Nashville-Erklärung kennt oder gelesen hat oder sich vielleicht schon mehr damit beschäftigt hat. Ich bin in meinem Seminar davon ausgegangen, dass Leute hier sind, die vielleicht noch gar nicht wirklich etwas davon wissen, die also gedacht haben: Okay, vielleicht ist dieses Thema oder biblische Sexualität irgendwie interessant oder relevant. So dass ich wirklich bei den Grundlagen anfange.
Es kann sein, dass ihr schon viel mehr wisst. Vielleicht hilft euch das noch einmal, manche Dinge schärfer zu sehen oder in diesem Seminar einfach einen Schritt weiterzugehen. Genau, also ich will gern einfach ein bisschen grundlegend ein paar Sachen dazu sagen.
Ich bin im Seminar in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil werde ich selbst ein paar Impulse geben und ein paar Sachen auch zur Nashville-Erklärung sagen, inhaltlich also ein bisschen da durchgehen. Im zweiten Teil will ich euch ermutigen, oder würde ich gerne, dass wir ein paar Kleingruppen machen, einfach vier, fünf Leute zusammen, und das versuchen, was wir hier drin haben und was wir hören, ein bisschen konkreter zu fassen: Wie sieht das für uns konkret aus? Wie sieht das für unsere Gemeinden aus vor Ort?
Denn ich habe mir gedacht, ich will bei dem Seminar nicht nur eine Infoveranstaltung geben, hier das gibt es oder das steht da oder so, sondern irgendwie diese Frage bewegen: Wie fordert mich das heraus? Oder wie prägt mich das oder uns das in unseren Gemeinden? Und dass wir dann auch Zeit haben, für unsere Gemeinden zu beten, das ist mein Plan für unser Seminar heute.
Und bevor ich jetzt rein starte, bete ich mit uns:
Hey, ich danke dir von Herzen, dass du uns liebst und dass du uns erwählt hast, dass du uns deine Gnade geschenkt hast und dass wir erlöst sein dürfen, dass wir zu deiner Familie gehören dürfen. Ich danke dir, dass wir diese Konferenz erleben dürfen. Ich danke dir für die wertvollen und wunderbaren Impulse, die du uns schenkst, für die wertvollen Redner, von denen wir gute Impulse auch aus deinem Wort hören, was uns ermutigt und was uns gleichzeitig herausfordert.
Und ich bitte dich auch für die Seminare, die jetzt laufen, dass du zu uns redest, Herr. Dass du dein Wort gebrauchst, dass du die Dinge gebrauchst, die wir gemeinsam bewegen, dass du unsere Gespräche gebrauchst, um dich selbst zu verherrlichen und um uns näher zu dir zu ziehen, um uns zu verändern, um uns zu prägen, Herr, mit deiner Wahrheit, mit deinem Evangelium.
Ich danke dir, dass du hier gegenwärtig bist und dass du jetzt wirken willst, Herr. Amen.
Ausgangslage und gesellschaftlicher Wandel
Als Erstes die Frage: Wer von euch hat so ein Heft, und wer von euch hat keines? Wer eins hat, kann es kurz zeigen.
Ansonsten habe ich hier einige Hefte. Ich würde sie einfach herumgehen lassen, damit jeder, der keines hat, sich eins nimmt. Sie sind von FNG 21, quasi gedruckt auf Spendenbasis. Das heißt: Wenn ihr jetzt eins habt, dürft ihr gerne am Stand von Evangelium 21 nachher eine Spende dalassen oder heute Abend in die Kollekte eine Spende tun. Das hilft einfach, solche Dinge weiter zu produzieren.
Ich denke, es ist hilfreich, wenn jeder diesen Text vor sich hat, weil ich nicht das ganze Heft lesen werde. Ich werde einzelne Artikel herausgreifen und lesen. Und bei so einer Erklärung ist das schon sehr kompakt formuliert. Deswegen glaube ich, dass es eine Hilfe ist, das selbst vor sich zu haben.
Ich habe auch noch einen Stapel hier vorne, falls das nicht reichen sollte. Ihr braucht das jetzt noch nicht durchzulesen. Ich lese auch nicht die ganze Erklärung. Aber ihr könnt das dann im Nachhinein noch einmal tun, wenn ihr das bisher nicht gemacht habt.
Wir leben in einer Zeit mit einer Reihe von Herausforderungen. In unserer Gesellschaft, in unserer gesellschaftlichen Entwicklung und in unserer Kulturwelt gibt es viele Dinge, die in Frage gestellt werden. Dinge, die vor dreißig Jahren vielleicht selbstverständlich waren, sind heute längst nicht mehr selbstverständlich. Ihr kennt das alle aus eurem persönlichen Leben, eurem beruflichen Umfeld oder wo auch immer.
Eines der bestimmenden Themen der letzten Jahrzehnte, und ich würde es noch etwas konkreter fassen, vielleicht der letzten zehn bis fünfzehn Jahre, ist das Thema Sexualität. Das bestimmt uns schon seit einigen Jahrzehnten, aber noch enger gefasst geht es um die sexuelle Identität von Mann und Frau, vielleicht noch konkreter seit fünfzehn Jahren, soweit ich das überblicken kann.
Ich bin noch nicht so alt und habe nicht alle Strömungen miterlebt. Aber ich habe schon den Eindruck, dass sich das irgendwie stärker fokussiert hat und dass das eine Entwicklung ist, die uns alle betrifft.
Die prägenden Vorstellungen von Geschlecht
Ich gehe davon aus, dass der Begriff Gender bei euch allen schon einmal irgendwo aufgetaucht ist. Also diese Gender-Bewegung, die in verschiedenen Strömungen und durch verschiedene Einflüsse entstanden ist, ist spätestens in den letzten paar Jahren wirklich im Alltag jedes Menschen in Deutschland angekommen, glaube ich.
In unserer Gesellschaft ist es normal geworden, dass du über dein Geschlecht selbst entscheiden kannst. Das ist die Idee, das ist das, was wir in der Zeit, in der wir leben. So wie du über dein Hobby entscheidest, welches Hobby du wählst, oder über deinen Beruf, den du auswählst, oder vielleicht darüber, wen du heiratest, ist es genauso normal geworden, dass ich mich für mein Geschlecht entscheide, also für das, was ich haben will oder was ich empfinde. Es ist nichts Normatives mehr, nichts Gegebenes, Festgesetztes. Nach dem Motto: Das wäre ja unfair. Ich kann alles in meinem Leben entscheiden, aber über mein Geschlecht kann ich nicht entscheiden, also ist das unfair. Das ist ein bisschen diese Denkweise, die wir um uns herum erleben.
Unsere Kinder wachsen in einer Kultur und Gesellschaft auf, in der es normal scheint oder normal ist – ich weiß nicht, je nachdem, wo ihr vielleicht wohnt –, dass es in den Klassenkameraden unserer Kinder immer wieder welche gibt, die zwei Mütter haben oder zwei Väter. Ja, das ist etwas, was wir selbst schon erlebt haben bei einem unserer Kinder und was irgendwo zum normalen gesellschaftlichen Erscheinungsbild dazugehört heutzutage.
Ein Kernbegriff ist dieser Transgender-Begriff, der im Prinzip meint: Ich bin entweder männlich oder weiblich geboren, ja, körperlich betrachtet. Also ich bin entweder als Junge oder als Mädchen auf die Welt gekommen, aber ich kann später entscheiden, welches Geschlecht ich wirklich annehme oder welches Geschlecht ich haben möchte. Das hat dann mit einigen Dingen zu tun, mit Operationen und so weiter. Je nachdem, wie die Situation ist, sieht das unterschiedlich aus.
Transgender ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität oder Geschlechtsrolle von dem Geschlecht abweicht, das ihnen zu Beginn ihres Lebens aufgrund augenscheinlicher körperlicher Geschlechtsmerkmale zugewiesen wurde. Also das ist mal so eine Kompaktdefinition. Ich bin geboren und habe bestimmte Geschlechtsmerkmale, bin als Mann oder als Frau geboren, und Transgender sagt im Prinzip: Meine Geschlechtsidentität ist eine andere als die, die ich bei der Geburt hatte. Das ist etwas, was mit diesem Begriff einhergeht.
Wenn es um die menschliche Sexualität geht und darum, was bestimmt, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, dann gibt es einfach zwei grundlegende Konzepte. Ich beschreibe das jetzt erst einmal nur, und dann gehen wir gleich zu der Nashville-Erklärung.
Das Denken, das wir viel um uns herum erleben und das so diese Prägung unserer Kultur ausmacht, ist, dass mein Empfinden mich bestimmt. Und mein Empfinden, welches Geschlecht ich empfinde, bestimmt, welches ich haben will, und das hat damit zu tun. Ich entscheide mich für dieses Geschlecht. Gender wird im Englischen als das soziale Geschlecht bezeichnet, also das, was ich durch Prägung, durch Einflüsse und auch durch meine eigene Entscheidung irgendwie selbst wählen kann. Ich fühle mich als Mann oder als Frau, unabhängig von meinem Geschlecht, das ich von Geburt an habe, aufgrund der biologischen Merkmale. Das ist das erste Konzept: dieses vom Empfinden bestimmt sein.
Das zweite Konzept ist letztlich das klassische. Das kennt ihr auch. Es sagt, die biologischen Gegebenheiten sind ausschlaggebend. Mit anderen Worten: Gott hat mich als Mann oder als Frau geschaffen, und das andere, was in meinem Denken oder in meinem Empfinden vielleicht ist, muss sich dem unterordnen. Ja, also das sind die zwei Wege, die wir haben, die zwei Konzepte. Spannung entsteht da, wo das eine mit dem anderen nicht zusammenpasst oder zusammenzupassen scheint. Ich empfinde ein anderes Geschlecht, als ich vielleicht von Geburt an habe. Und die Frage ist: Was setze ich jetzt höher? Ist mein Empfinden das, was bestimmen darf, was entscheiden darf, oder ist es mein von Geburt an gegebenes Geschlecht?
Und da haben wir in unserer Gesellschaft eine Veränderung hin zu der Tendenz, ganz klar, dass mein Empfinden, das ich selbst entscheiden kann, mein soziales Geschlecht, das ich selbst wählen kann, übergeordnet ist. Von der Bibel her würden wir eigentlich klar sagen: Hey, Gott hat uns als Mann oder als Frau geschaffen, und wenn das mit meinem Empfinden, mit meinem Denken, mit meinem Kopf irgendwie nicht zusammenpasst, dann ordne ich mein Empfinden erst einmal dem unter, was Gott gemacht hat. Und ich hinterfrage mein Empfinden, meine Gefühle, und ich hinterfrage nicht Gott, als hätte er letztlich irgendeinen Fehler gemacht. Das ist ja die Spannung, die irgendwo dann entsteht. Ich hinterfrage nicht das, was Gott gemacht hat, sondern sage: Okay, Gott hat es gemacht, und Gott hat es gut gemacht. Sondern ich hinterfrage dann etwas wie: Wie empfinde ich das eigentlich?
Könnt ihr folgen, so von den Grundrichtungen? Und dieses Chaos erleben wir aktuell in unserer Gesellschaft, und wir erleben ja auch beide Strömungen.
Biblische Orientierung und die Nashville Erklärung
Ich gehe davon aus, dass ihr alle irgendwo in Gemeinden verankert seid oder der Bibel treu seid oder der Bibel treu sein wollt und alles. Da haben wir natürlich diese Richtung, wo wir sagen: Hey, Gott schenkt uns ein biologisches Geschlecht, er schafft uns als Mann und als Frau, und das ist ganz grundlegend für meine Identität. Und ich stelle das nicht einfach in Frage.
Gleichzeitig haben wir diese starke Bewegung in der Gesellschaft, die das völlig kippt und völlig von der anderen Seite angeht. Ich will jetzt an dieser Stelle nicht in weitere Details gehen, sondern ich will jetzt versuchen, diesen Weg mit der Nashville-Erklärung zu gehen, mit der Frage: Wie gehen wir mit solchen Herausforderungen um?
Ich will jetzt gar nicht argumentieren, wie man dagegen argumentieren kann, wie man mit Leuten in irgendeine Gespräche darüber geht, sondern für mich ist vielmehr die Frage: Hey, das ist eine Beobachtung, eine Wahrnehmung in unserer Gesellschaft, und damit müssen wir uns irgendwo auseinandersetzen, auch als Christen und als Gemeinden. Und wir vertreten auf der Basis der Bibel eine andere Sicht, und da spricht die Nashville-Erklärung eine klare Sprache.
Und gleichzeitig ist, glaube ich, die größte Herausforderung, die ich sehe, für mich als Christ persönlich, aber auch für uns als Gemeinde: Wie gehen wir mit dieser Herausforderung um? Ja, wie gehen wir damit um, wenn in unsere Gemeinden Leute kommen, die so leben, die so geprägt sind? Klar, das kommt immer mehr, sicher auch die nachfolgende Generation. Die wächst so auf, die ist so geprägt, und die kommen auch so in unsere Gemeinden, ob sie diese Konzepte jetzt selbst für sich nehmen oder nicht. Aber das ist einfach erst mal das, was an Prägung da ist.
Aber wenn Menschen in unsere Gemeinden kommen, die solche unterschiedlichen sexuellen Orientierungen haben oder ausleben, die dieses Empfindungskonzept höher stellen als das biologische Geburtskonzept, nenne ich das mal, wie gehen wir mit so Leuten um? Wie gehen wir mit Menschen um, die in unsere Gemeinden kommen und wo ein Mann mit einem Mann verheiratet ist, wo eine Frau mit einer Frau verheiratet ist, wo sie vielleicht auch noch ein Kind adoptiert haben und ein Kind irgendwie mit dabei ist? Wie gehen wir damit um, wenn einer von denen zum Glauben kommt und Mitglied werden will oder sich taufen lassen will? Wie gehen wir mit solchen Fragen um?
Ich glaube, das sind schwierige Sachen, und es ist schwierig für mich, jetzt einfach zu sagen: Ja, so und so haben wir das zu machen. Aber ich will euch ein bisschen sensibilisieren dafür, dass das eine ist, klar, wie wir grundsätzlich sehen, wie wir es von der Bibel her sehen, und da gucken wir jetzt gleich eben rein, und gleichzeitig ist die Frage: Wie gehen wir als Gemeinden in einer guten Art und Weise mit diesen Dingen um, die uns betreffen?
Wir leben in einer Gesellschaft, wo das einfach gegeben ist. Und wenn wir Menschen in unsere Gottesdienste einladen, die kommen halt. Oder es ist schön, wir freuen uns, wenn sie kommen. Und da ist so die Herausforderung: Wie gehen wir mit diesen Herausforderungen um?
Bevor wir dann diesen Übertrag zu uns praktisch machen, und das würde ich nachher gerne in diesen Kleingruppen machen, will ich jetzt mal durch die Nashville-Erklärung durchgehen. Genau, ihr könnt sie einfach mal aufschlagen. Also es gibt ein Vorwort, eine Präambel, und insgesamt besteht die Nashville-Erklärung aus 14 Artikeln. Seite 5 geht es los mit dem ersten Artikel.
Und aufgrund der Herausforderung, die ich eben so geschildert habe und ein bisschen unsere Gesellschaft auch skizziert habe, ist die Nashville-Erklärung ein absolut notwendiges Statement in unserer Zeit. Es kommt genau richtig, es ist eine klare Positionierung, eine klare Positionierung, ein klares Einstehen für die Wahrheit, die wir in der Bibel finden.
Und deswegen finde ich die Nashville-Erklärung so hilfreich, weil sie das, was wir in Gottes Wort finden, was Gott selbst offenbart hat, irgendwie sehr klar auf den Punkt bringt und nicht nur irgendwie Glaubenssätze zusammenfasst, sondern gleichzeitig in diesen Dialog geht mit unserer Gesellschaft, mit den Themen, die einfach um uns herum passieren und uns prägen und mit denen wir konfrontiert sind.
Und deswegen kann ich das nur sehr empfehlen. Ihr könnt auch mehr Exemplare am FNG 21 Stand euch mitnehmen, eure Gemeinden. Also wir haben als Gemeinde einen ganzen Stapel davon schon liegen und planen jetzt im Herbst, das thematisch einzubringen und das irgendwie da reinzubringen, auch mit Hilfe dieser Erklärung.
Schöpfung, Ebenbild Gottes und die Ordnung von Mann und Frau
Wenn ich das selbst lese, habe ich im Prinzip so eine Dreierstruktur, mit der ich einmal ein bisschen durchgehen will. Ich habe versucht, das thematisch einzuordnen. Und zwar habt ihr die Artikel 1 bis 7, wie gesagt. Ich lese nicht jeden Artikel, aber die Artikel 1 bis 7, wo es grob um die Ehe geht, um die Schöpfung, darum, wie Gott uns geschaffen hat, und um die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Und die Basis natürlich, also vielleicht ist es selbstverständlich, aber ich sage sicherheitshalber noch einmal: Die Basis für die Nashville-Erklärung ist Gottes Wort. Gottes Wort ist die Grundlage für alles, was wir über die menschliche Sexualität sagen können, sagen sollen und sagen brauchen. Davon bin ich zutiefst überzeugt, und das ist auch der Ansatz der Nashville-Erklärung.
Die Nashville-Erklärung fängt nicht situationsorientiert an, wo sie sagt: Hier haben wir eine Situation von einem homosexuellen Paar und so weiter, und was ist, wenn die das und das in die Gemeinde kommen oder was auch immer. Sondern die Nashville-Erklärung setzt bei dem gesamtbiblischen Verständnis von Sexualität an. Das ist ganz wichtig: nicht in speziellen Detailfragen anzufangen. Vielleicht habt ihr eine konkrete Frage, eine konkrete Situation vor Augen. Dann ist es aber wichtig, bei diesem Thema nicht da anzusetzen und zu fragen: Wie gehe ich jetzt denn damit um?, sondern grundsätzlich zu gucken: Was ist das gesamtbiblische Verständnis von Sexualität überhaupt? Wie versteht Gott das eigentlich? Und von dort aus die Auswirkungen zu beschreiben und auch konkret zu überlegen, was das in unserer Situation bedeutet.
Im Schöpfungsbericht ist es wunderbar beschrieben: Gott schafft den Menschen als Mann und Frau. Also, wenn ihr aufschlagen wollt, oder ihr hört einfach zu: 1. Mose 1,26-27. Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild. Im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.
Das ist der grundlegende Text, wenn es um ein biblisches Verständnis von Sexualität geht, um ein biblisches Verständnis von Mann- und Frausein. Und hier sehen wir ganz klar: Der Mensch, Mann und Frau, sind im Ebenbild Gottes geschaffen. Gott schafft uns in seinem Bild, und er schafft uns eben genau als Mann und Frau. Wir sind gleichwertig im Blick vor Gott, weil wir als Ebenbilder geschaffen sind, als Männer und als Frauen. Und gleichzeitig unterscheidet dieser Text in Vers 27 Mann und Frau. Ja, es ist nicht einfach nur ein Mensch, der geschaffen ist, und wo es egal ist, ob du Mann oder Frau bist oder so etwas. Sondern: Im Bild Gottes schuf er ihn, den Menschen, als Mann und Frau schuf er sie. Hier haben wir diese Unterscheidung. Ja, also wir sind gleichwertig vor Gott. Und gleichzeitig sind wir unterschieden in der Beziehung miteinander.
Und was vielleicht klar ist, aber ich glaube, es ist gut, in unseren Zeiten das noch einmal zu klären: Gott schafft den Mann als einen Mann und die Frau als eine Frau. Das ist die Gegebenheit, das ist das, wie Gott sich das gedacht hat, wie Gottes Idee von Menschsein ist. Er hat nicht noch eine dritte Kategorie oder eine vierte oder fünfte geschaffen, er hat Mann und Frau geschaffen, und das ist es.
Wenn ihr in die Nashville-Erklärung schauen wollt, findet ihr das in Artikel 3 wieder. Den lese ich uns mal vor:
Artikel 3: Wir bekräftigen, dass Gott Adam und Eva, die ersten Menschen, nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Sie sind als Personen vor Gott gleichwertig, aber als Mann und Frau verschieden. Genau das ist der Punkt, das ist es, was wir in 1. Mose 1 finden. Und gleichzeitig gibt es in jedem Artikel ein Bekräftigen und ein Verwerfen. Wir verwerfen, dass die göttlich bestimmten Unterschiede zwischen Mann und Frau ungleiche Würde oder Wert bedeuten sollen.
Also, um das einfach zu klären und noch einmal deutlich zu machen: In Artikel 3 wird genau dieses Verwerfen deutlich. Es geht nicht darum, unterschiedliche Würde oder unterschiedlichen Wert deutlich zu machen, wenn Mann und Frau unterschiedlich sind, sondern darum, dass wir in der Beziehung verschieden sind, in unseren Rollen, in unseren Aufgaben, in dem, was Gott sich gedacht hat. Aber nicht in Würde und Wert. Da sind wir im Ebenbild Gottes geschaffen.
Welches Geschlecht wir haben, ist Gottes Absicht mit uns. Ihr könnt es selbst ein bisschen empfinden: Unser Geschlecht spielt eine ganz große Rolle bei unserer Identität. Bei unserem Selbstverständnis. Wer sind wir eigentlich? Und wie sieht Gott uns? Und was hat Gott mit mir vor in meinem Leben? Und was ist der Sinn meines Lebens? Das hat ganz viel mit unserer Identität zu tun und damit, wie wir uns in Beziehung zu Gott sehen. Und gleichzeitig auch, wie wir uns selbst sehen und wie wir uns selbst erleben als Mann und als Frau.
In der Schöpfung finden wir nichts davon, dass es darum geht, sich ein Geschlecht zu wählen, später entscheiden zu können: Ich bin ein Mann oder eine Frau. Sondern es ist Gottes Absicht, dass er das bestimmt, dass er einen Mann als einen Mann und eine Frau als eine Frau schafft.
Artikel 5 schaut da bitte noch einmal rein. Da wird das noch einmal deutlich, was ich auch vorhin schon angedeutet habe:
Wir bekräftigen, dass die Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen integraler Bestandteil von Gottes Absicht für das Selbstverständnis von Mann und Frau sind.
Es hat mit Gottes Absicht zu tun, und es ist kein Zufall, wenn wir als Mann oder als Frau auf die Welt kommen. Die Unterschiede der verschiedenen Geschlechtsmerkmale sind integraler Bestandteil, es gehört zu Gottes Absicht dazu. Das ist das, was diese Erklärung deutlich macht und was wir in der Bibel finden.
Wir verwerfen, dass körperliche Abweichungen oder psychologische Zustände die von Gott bestimmte Verknüpfung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem Selbstverständnis als Mann oder Frau aufheben würden.
Mit anderen Worten: Ich habe eine Legitimation, mir irgendwie das Geschlecht selbst zu wählen. Das ist das, was in Artikel 5 steht.
Kurz will ich einfach noch einmal darauf hinweisen, da schlage ich jetzt nicht auf, aber wenn Jesus über die Ehe spricht, in Matthäus 19,3-6, in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern, macht Jesus noch einmal deutlich: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Und was ist Gottes Absicht? Dass sie zwei ein Fleisch werden. Dass sie zwei ein Fleisch werden. Das ist Gottes Absicht von der Schöpfung, was Jesus sagt. Und diesem Ein-Fleisch-Werden liegt die Absicht Gottes zugrunde.
Das hängt direkt zusammen mit der Ehe, mit unserem Verständnis von Ehe, dass es mit der Bibel nicht tragbar ist zu sagen, ein Mann kann einen Mann heiraten oder eine Frau kann eine Frau heiraten, sondern die Ehe besteht aus einem Mann und aus einer Frau, und die zwei werden ein Fleisch, sie werden eine Einheit.
Beim biblischen Verständnis von Ehe, das würde jetzt noch ein bisschen zu weit werden, aber das hängt natürlich mit unserem Thema zusammen, geht es nicht um romantische Gefühle. Heutzutage ist unser Verständnis oder unser Empfinden oft so: Ja, wir heiraten, wenn wir irgendwelche Schmetterlinge im Bauch haben oder so. Das gehört zu einer Hochzeit und zur Ehe dazu, und es ist irgendwo auch so. Aber in der Bibel kommt das nicht vor. In der Bibel geht es um ein tieferes Verständnis, es geht um Ein-Fleisch-Werden. Es geht um eine Einheit, die etwas widerspiegelt von Gottes Beziehung zu seinem Volk Israel im Alten Testament, von der Beziehung Jesu zu seiner Gemeinde im Neuen Testament und von der Einheit, die wir mit Jesus haben werden in der Ewigkeit.
Das ist das Spiegelbild, das ist das, was Gott hier auf der Erde platziert, in der Schöpfung verankert, in der Ehe verankert, dass wir anhand der Ehe sehen können, wie Gott eigentlich ist. Wie Gott in Beziehung zu uns steht und in Beziehung mit uns eintritt durch seinen Bund, den er schließt mit Jesus. Die Ehe spiegelt diese größere Realität wider, und die Ehe hat mit Mann und Frau zu tun. Es sind zwei unterschiedliche Geschlechter, zwei unterschiedliche Personen, die hier zusammenkommen, die Gott hier zusammenfügt.
Okay, wir könnten da noch weiter darüber reden, aber ich würde gern weitergehen, damit wir auch noch Zeit haben für unseren Austausch nachher.
Sünde, Begierde und der Ruf zu einem heiligen Leben
Die Artikel 8 bis 11 habe ich jetzt mal als zweiten Block überschrieben, mit so ein bisschen diesen Themenstichworten: Leben als Christ, Umgang mit Sünde, was ist Sünde? Also, das wird hier thematisiert. Am Anfang haben wir diese Schöpfung, Ehe, wie Gott sich das vorstellt, und hier haben wir jetzt das Leben als Christ, was ist Sünde, wie gehen wir mit Sünde um?
Im Artikel 9, also guckt bitte mal in Artikel 9: Wir bekräftigen, dass Sünde sexuelles Begehren verzerrt, indem sie es vom Ehebund weg zu sexueller Unmoral hinlenkt. Eine Verzerrung, die sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Unmoral umfasst. Wir verwerfen, dass ein anhaltendes Begehren nach sexueller Unmoral sexuell unmoralisches Verhalten rechtfertigen soll.
Also, mit anderen Worten: Dieses Verwerfnis, meine Emotionen bestimmen, was ich tun darf, und rechtfertigen das. Das ist nicht das, was die Bibel sagt, und die Nashville-Erklärung bestätigt das. Sie sagt ganz klar: Nein, wir lassen uns bestimmen von Gottes Wort, von seinen Weisungen und von seiner Absicht für uns. Und lassen wir uns nicht von unseren Begehren und von unseren Emotionen bestimmen an dieser Stelle.
Ich weiß nicht, ob Ihnen das aufgefallen ist in Artikel 9, das finde ich sehr gut: Es ist nicht eng geführt, dieser Artikel, nur auf eine spezielle Situation, auf eine spezielle Problematik. Sondern letztlich geht es hier um grundsätzlich Sünde im sexuellen Bereich, sexuelle Unmoral. Es geht um Sünde, die von der Ehe wegführt, zu sexueller Unmoral, so beschreibt das die Nashville-Erklärung. Und dann sagt sie: Das betrifft sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Unmoral.
Wir sind ja schnell dabei, bei dieser Erklärung, bei diesen Themen, das auf homosexuelles Verhalten zuzuspitzen. Aber das stimmt nicht. Wir alle haben mit Sünde zu kämpfen. Und auch im sexuellen Bereich, manche mehr vielleicht als andere, aber wir haben damit zu kämpfen. Und ich glaube, dieser Artikel hilft uns, nicht herablassend auf Menschen zu schauen, die da zu kämpfen haben, auch im homosexuellen Bereich. Nicht zu sagen: Ach nee, der hat einfach seine Gefühle, seine Begierden nicht im Griff. Hast du sie im Griff? Habe ich sie jederzeit im Griff?
Ich glaube, dieser Artikel hilft uns, selbst zu sehen: Hey, ich selbst bin Sünder. Ich selbst brauche Gottes Vergebung in Jesus immer wieder neu, Tag für Tag. Und es hilft uns, nicht herablassend auf die anderen zu schauen, sondern ihnen mit Liebe zu begegnen. Und ich kann mit meiner Sünde und mit meinen Versuchungen einen Bezug finden zu den Herausforderungen und Kämpfen der Menschen, die mit gleichgeschlechtlicher Anziehung zu kämpfen haben. Das ist ein Link, ein Hinweis auch, wenn es darum geht, wie gehen wir mit solchen Menschen um.
Ich glaube, dass wir an vielen Stellen auch Dinge nachempfinden können oder empfinden können, die uns auch betreffen oder wo wir sehen können: Hey, da habe ich auch zu kämpfen. Das ist nicht alles so: Sagt Gott das, und dann ist alles gut. Wir haben an verschiedenen Stellen mit Sünde zu kämpfen, und es ist gut, sich dessen bewusst zu sein, wenn wir mit dieser ganzen Thematik zu tun haben.
Artikel 11 führt das ein Stück weiter. Das ist eigentlich mein Lieblingsartikel, muss ich sagen. Artikel 11: Wir bekräftigen unsere Pflicht, die Wahrheit zu jeder Zeit in Liebe zu sagen, auch dort, wo wir zu oder übereinander als Mann und Frau sprechen. Wir verwerfen jegliche Verpflichtung, auf eine Weise zu reden, die Gottes Schöpfung von Mann und Frau als seine Ebenbilder entehren würde.
Also hier merkt ihr: Es geht hier um die Umsetzung schon stärker. Wir haben die Grundlagen gehabt in den Artikeln vorher, und hier geht es darum, die Wahrheit zu jeder Zeit in Liebe zu sagen. Die Wahrheit zu jeder Zeit in Liebe zu sagen, das ist die Spannung, das ist die Herausforderung, das ist die Balance, die es gilt, in dieser Thematik ganz stark im Blick zu haben. Ich komme gleich noch mal darauf zurück.
Gnade, Veränderung und die Mitte des Evangeliums
Ich will noch einmal kurz den Schluss machen, die Artikel 12 bis 14, wo der Ausblick ist: Gottes Gnade gilt uns Sündern, sie gilt für Sünder. Ich habe gerade gesagt, dass dieses Realisieren wichtig ist: Ich bin selbst Sünder. Und dann ist der nächste Schritt zu sehen, dass Gottes Gnade uns gilt.
Wir alle leben aus Vergebung. Wir alle leben, weil Gott gnädig ist. Und Gottes Gnade gilt auch für Veränderung. Kein Mensch ist so gefangen in seiner Sünde, dass Gott nicht sagen könnte: Hey, ich schenke dir die Gnade, dass sich das ändert. Mit meiner Hilfe, mit meiner Kraft gibt es Veränderung, gibt es Hoffnung auf Veränderung. Keiner ist so festgelegt, dass das nicht möglich wäre mit Gottes Hilfe.
Dazu können wir ja Artikel 12 lesen, der das, glaube ich, ganz gut noch einmal auf den Punkt bringt. Wir bekräftigen, dass die Gnade Gottes in Christus uns sowohl Vergebung als auch Kraft zur Veränderung schenkt. Genau das ist es: Das bekommen wir von Gott geschenkt. Und dass diese Vergebung und verändernde Kraft es einem Nachfolger Jesu ermöglichen, sündhafte Begierden abzutöten und herrnwürdig zu leben. Das ist möglich durch die Gnade Gottes.
Wir verwerfen, dass die Gnade Gottes in Christus nicht ausreichen soll, alle sexuellen Sünden zu vergeben, und dass sie nicht imstande sein soll, jedem Gläubigen, der sich zur sexuellen Sünde hingezogen fühlt, Kraft für ein Leben in Heiligkeit zu verleihen. Das kann ein Argument auf der anderen Seite sein: Es funktioniert eh nicht, ich kann das nicht ändern, es ist gegeben, mein soziales Geschlecht, mein Empfinden ist einfach so stark, da kann ich nichts gegen tun. Und da sagt die Nashville-Erklärung: Nein, Gottes Gnade reicht aus, dass wir Veränderung erleben können, selbst da, wo wir vielleicht wenig Hoffnung haben oder wenig sehen können. Gottes Gnade ist größer, und darauf können wir vertrauen.
Es ist wunderbar, dass die Nashville-Erklärung mit diesen Aussagen endet. Ich lese jetzt nicht noch Artikel 13 und 14, das könnt ihr später selbst noch tun.
Wahrheit, Liebe und die Frage der Umsetzung
Jetzt, bevor wir in die Kleingruppen gehen und noch einmal etwas konkreter diskutieren und uns austauschen können, will ich noch kurz etwas sagen zu der Frage: Wie setzen wir das um?
Bringen wir diese Erklärung, ich habe gesagt, es ist eine ganz notwendige Erklärung. Es ist wunderbar, die biblische Wahrheit so klar formuliert zu haben. Deswegen kann ich es jedem empfehlen, das durchzugehen oder auch in Kleingruppen oder in Gemeinden zu bearbeiten und zu behandeln. Es ist ein klares Statement, es ist eine klare Formulierung. Und trotzdem müssen wir schauen: Wie setzen wir das um? Wie gehen wir damit um? Wie transportieren wir das zu den Menschen, die in unsere Gemeinden kommen, mit denen wir zu tun haben, mit denen wir leben?
Artikel 11, wo ich gesagt habe, das ist mein Lieblingsartikel, gibt uns da, glaube ich, schon einen guten Hinweis, einen guten Schlüssel dazu. Dort steht, dass wir die Wahrheit zu jeder Zeit in Liebe sagen sollen. Und ich glaube, der Schlüssel ist, mit meinen Worten formuliert: das Evangelium in Jesus Christus. Das ist der Schlüssel. Ohne das verdammen wir Leute, verdammen wir Menschen und verdammen wir uns selbst letztlich. Jesus muss unser Maßstab sein.
Ich mag die Formulierung, die Johannes in seinem Evangelium wählt, am Anfang, wenn er vor Jesus schreibt und sagt: Jesus ist voller Gnade und Wahrheit. Jesus ist voller Gnade und voller Wahrheit. Das ist eine Eigenart, das sind zwei Dinge, die nur auf Jesus in dieser Intensität zutreffen, in diesem hundert Prozent Gnade und hundert Prozent Wahrheit. Und das erleben wir, wenn wir das Leben von Jesus in den Evangelien anschauen. Er begegnet Menschen mit hundert Prozent Gnade und mit hundert Prozent Wahrheit.
Und das ist, glaube ich, gleichzeitig unsere Herausforderung in dieser Thematik, aber an anderen Stellen sicher genauso. Ich erlebe es, dass ich oder dass wir leicht von einer Seite vom Pferd fallen. Wenn wir hundert Prozent Gnade oder Liebe, wie das jetzt die Nashville-Erklärung sagt, die Liebe zu sagen, und die Wahrheit auf der anderen Seite haben, dann tendieren wir dazu, auf die eine Seite mehr zu gehen. Wir sagen, die Wahrheit ist so wichtig, die Wahrheit von Gottes Wort, und haben gleichzeitig die Liebe nicht im Blick, wie wir Menschen mit Liebe und mit Gnade begegnen. Dann ist das keine wirkliche Wahrheit, die wir haben, weil wir die Wahrheit da so hinstellen und letztlich ist es Verdammnis für den Menschen, mit dem wir zu tun haben. Es ist keine Liebe, die die Brücke schlägt von der Wahrheit zu dem Menschen.
Und andersherum ist es, wenn wir, es gibt Menschen, und das sind die Gegner der Nashville-Erklärung, oder wie ich es mal sagen würde, grundsätzlich sagen: Wir brauchen ganz viel Liebe, hundert Prozent Liebe, Jesus ist doch mit allen Menschen liebevoll umgegangen, und hundert Prozent Gnade, uns ist doch vergeben und alles. Und wenn die gleichzeitig dann die Wahrheit nicht mehr hochhalten und sagen: Ja, das brauchen wir doch nicht so eng sehen, und hier in der Bibel und guten Gewissens, wenn Mose das geschrieben hat, wusste er ja noch nichts davon, dass es Transgender irgendwann geben wird und was weiß ich. Wenn wir die Wahrheit klein halten, dann ist es auch keine wirkliche Liebe mehr, die wir haben. Wirkliche Liebe sagt die Wahrheit. Wirkliche Liebe spricht die Wahrheit aus und will Gottes Willen nicht verbergen, abschwächen oder ignorieren.
Das ist die Spannung, und das ist eine Spannung, vor der ich zittere, weil ich weiß, ich kriege das nicht hin. Ich kann nicht hundert Prozent Wahrheit und hundert Prozent Liebe verbinden. Das funktioniert nur bei Jesus und in Jesus und durch Jesus. Und deswegen brauchen wir das Evangelium. Wir brauchen dieses Bewusstsein, dass wir selbst Sünder sind und dass wir auch selbst aus der Gnade Gottes leben und in dieser Demut anderen Menschen begegnen. Mit Wahrheit und Klarheit hilft uns die Nashville-Erklärung sehr, und gleichzeitig mit Liebe und Gnade.
Und das ist das, wozu ich euch ermutigen will: das mitzunehmen, vor diesem Seminar, in euren Gemeinden, in euren Beziehungen, in euren Kleingruppen. Und ich will euch ermutigen, Wahrheit und Liebe durch Jesus dem Menschen nahezubringen in Bezug auf biblische Sexualität, im Zusammenhang mit der Nashville-Erklärung. Da gehört eigentlich auch das Beispiel bei Jesus und der Ehe weiter. Es ist einmal ohne Sinn, den ersten Stein zu werfen, aber niemals diesen Menschen vorgefallen. Genau, also bei Jesus finden wir eine Reihe Beispiele, wo genau das zutrifft. Jesus unterscheidet ja nicht zwischen Sinn und Sünde, sondern es sind Sünde.
Genau, was ich euch noch mitgeben will, bevor wir jetzt in die Kleingruppen gehen, ist, dass wir nicht mehr davon ausgehen können, glaube ich, in unserer Gesellschaft, in unserer nachkommenden Generation, dass alle automatisch davon überzeugt sind, dass die biblische Wahrheit maßgebend ist. Ihr kennt das, ihr erlebt das selbst, das sind Kämpfe, die wir zu kämpfen haben. Es ist nicht davon auszugehen, dass die biblische Wahrheit maßgebend ist. Und das macht es natürlich manchmal noch komplexer, mit Leuten irgendwo ins Gespräch zu gehen.
Und gleichzeitig will ich euch ermutigen, die Wahrheit, die biblische Wahrheit, hochzuhalten, mit der Liebe und der Gnade kombiniert und immer wieder darum zu ringen: Wie kann das gehen? Und euch von Jesus prägen zu lassen, von seinem Evangelium, und das weiterzugeben.
Rückfragen und praktische Einordnung
Ja, ja, natürlich, das gibt es alles. Ja, okay, gibt es an dieser Stelle Rückfragen? Gibt es noch irgendetwas, was jetzt allgemein oder zu dem, was ich gesagt habe, was das betrifft?
Dann haben wir jetzt so kurze Zeit irgendwo, dass wir danach noch Zeit in den kleinen Gruppen haben, ja.
Wenn man nun einmal annimmt, dass sich unsere Gesellschaft so weiterentwickelt, trotz nationaler Erklärung, dass sie sich immer mehr der Perversion zuneigt, und dass es nicht normal ist, dass Mann mit Mann und Frau mit Frau zusammenlebt, sondern auch Männer mit Kindern, beide geschlechtlich, Frauen mit Kindern, beide geschlechtlich, so wie es ja auch in den Siebzigerjahren teilweise in der Hippieszene schon propagiert und teilweise praktiziert wurde: Wie weit geht eigentlich unsere Definition von Liebe und Wahrhaftigkeit in der Balance, wenn jetzt Leute zu uns in die Gemeinde kommen? Da sitzt ein Mann in den Mittfünfzigern mit seiner Partnerin, elf Jahre, geklaut von der Nachbarstadt, vom Kühlspülplatz. Die unruhige Gesellschaft findet es nicht mehr verdammbar, auch nicht mehr strafbar.
Wie sieht dann unsere Reaktion aus, um diese Balance zwischen Wahrheit und Liebe zu wahren? Also, man gibt die Frage, die Sie anschließen: Welchen Grad der Perversion tolerieren wir unter diesem Maß der Liebe, ohne dass wir irgendwann einmal sagen, das ist pervers, und das hat keinen Raum? Verstehst du, was ich meine? Es liegt ja am Ausmaß der Perversion. Ja, natürlich kann auch so ein Mann noch gerettet werden, wenn er Buße tut, dann findet er bei Jesus Vergebung. Aber gibt es ein Maß der Perversion, wo wir irgendwie auch klarer auftreten müssen als, ich sage jetzt mal, nur mit dem Evangelium? Das ist komisch, kann auch nicht verstanden werden, was ich meine, aber wissen wir nicht.
Also, ich meine, ich finde es schwer, das pauschal zu beantworten. Beziehungsweise: Du konstruierst eine Situation und sagst, okay, was geht zu weit? Oder in welcher Situation? Das ist mir schon klar, dass das weiter gedacht ist, aber ich finde es schwierig, das an diesem Standpunkt jetzt klar zu sagen. Aber ich glaube, vom Grundansatz her gibt es einen Punkt, wo du sagen musst: Eigentlich, hier sind die Türen dicht, irgendwo.
Trotzdem ist es natürlich eine gewisse Spannung. Und ich denke, auch innerhalb von 11.21 oder von denen, die hier im Raum sitzen, sind wir in unterschiedlichen Gemeindekontexten und mit unterschiedlichen Gemeindepägungen. Auch da wird es wahrscheinlich unterschiedliche Antworten zu unterschiedlichen oder zu ähnlichen Situationen geben können. Ich glaube, das ist nicht immer alles ganz klar schwarz-weiß, und das macht es natürlich alles ein bisschen schwieriger, wo gehst du wie mit um. Deswegen finde ich es schwer, das pauschal zu beantworten.
Es gibt Situationen oder es gibt Grenzen in einer Gesellschaft, als Christen oder als christliche Gemeinde, wo ich sagen muss: Okay, hier ist jetzt ein absoluter Punkt gesetzt, wo es nicht geht. Das ist eine allgemeine Antwort, aber ich kann es dir, glaube ich, nicht konkreter beantworten. Also, ihr könnt gleich in den Gruppen auch noch mal ein bisschen darüber reden. Ich habe nicht die gleiche Frage, aber schon so ein bisschen diese Frage: Wie gehen wir damit um oder wie erleben wir das auch in unseren Gemeinden?
Ich hätte da noch eine Anmerkung dazu. Aber ich bin hier von der Auffassung her: Es ist eigentlich ziemlich eindeutig, dann zu unterscheiden, wer ist drin und wer ist draußen. Ungläubige können ja nicht von außen nach innen kehren. Da ist geboten, Liebe zu geben und christlich zu predigen. In dem Augenblick, wo sich jemand bekehren will oder die Gemeindemitgliedschaft zur Gemeinde steht, dann greift ganz klar die Gemeindezucht. Das heißt, so jemand, der hinge von der Gemeinde war und in der Länge nachweislich ungläubig ist, es ist unsere Aufgabe, Christus zu predigen.
Genau, also vielen Dank. Genau, das ist sehr hilfreich, diese Unterscheidung letztlich zu sagen: Okay, ich meine, es gibt unterschiedliche Punkte, wo Leute am Gemeindeleben teilnehmen, ja. Und es gibt einen sehr öffentlichen, weiten Rahmen, wie jetzt den Gottesdienst einfach oder irgendetwas Öffentliches, wo Leute einfach kommen. Und dann gibt es natürlich das, was sicher dann deutlich enger ist, das ist eben die Frage zu Taufe und Mitgliedschaft oder so etwas oder Kindersegnung oder so Sachen, wo ich als Gemeinde viel stärker komme, wie sieht jetzt die Situation aus. Aber da bist du oder Trauung oder so. Aber da bin ich in der Gemeinde natürlich in Gesprächen, da kann einfach jeder kommen, und das passiert einfach. Das sind unterschiedliche Grade, die sind alle zu berücksichtigen. Es ist ein komplexes Thema, aber das ist eine sehr hilfreiche Richtung auf jeden Fall.
Weitere Einwände und vertiefende Nachfragen
Ja, es gibt ein Phänomen, auf das hier vielleicht nicht so ausführlich eingegangen wird. Und das ist Folgendes: Ich gehe davon aus, dass wir alle Männer getroffen haben, bei denen wir auf den ersten Blick erkannt haben, dass sie homosexuell sind, ebenso wie Frauen, bei denen wir auf den ersten Blick den Eindruck hatten, dass sie lesbisch sind. Das hat nicht im Wesentlichen mit ihren Emotionen zu tun, sondern teilweise damit, wie sie in die Welt gekommen sind.
Und was ist die nachträgliche Erklärung für solche Leute? Wie meinst du, wie sie in die Welt gekommen sind? Nur um ein Beispiel zu geben: Man trifft zum ersten Mal einen Mann, und er macht sofort den Eindruck, dass er homosexuell ist, weil man das teilweise an seiner Stimme erkennt oder daran, wie er sich verhält. Und das ist meiner Meinung nach nicht das Resultat seiner eigenen Entscheidung, sondern teilweise davon geprägt, wie er als Kind in die Welt hineingestellt wurde oder was auch immer. Verstehst du, was ich meine? Und das scheint mir nicht ausführlich genug behandelt zu werden.
Ja, also ich glaube, die Nashville-Erklärung ist sicher eine starke Reaktion auf diese Transgender-Situation und auch ein wenig auf das, was ich gerade beschrieben habe. Das ganze Thema geht natürlich noch weiter, auch im Hinblick auf Homosexualität. Dazu gibt es eine ganze Menge guter Bücher, Hilfestellungen und so weiter. Aber natürlich ist das ein breites Feld: wie Leute geprägt sind oder wie das passiert.
Es ist nicht genau der Fall, den du beschreibst, aber es gibt eine parallele Sicht in Artikel 6 hier. Dort wird von anatomischen Problemen bei der gegebenen Erziehung ausgegangen. Was meinen Sie, psychologisch? Ich glaube, ein Parallelismus wäre da ein gut hilfreiches Verständnis. Ja, das stimmt, das ist hilfreich, genau. Genau, Artikel 6 habe ich jetzt nicht zitiert, aber das stimmt. Psychologisch wird in Artikel 5 von körperlichen Abweichungen oder psychologischen Zuständen gesprochen.
Ich denke, es geht wahrscheinlich auch ein Stück weit, wenn wir jetzt weiterdenken. Ich bin auch sehr an der Schule und bekomme es dort vielfach mit, wenn Kinder von homosexuellen Paaren so aufwachsen und nie mit, ich sage jetzt mal, heterosexuellen Paaren zusammenkommen und es nicht kennenlernen. Dann sind sie später erwachsen und denken: Mann und Frau ist normal, Frau und Frau ist normal. Das heißt, die gibt es ja, das andere gar nicht.
Genau, das macht ja deutlich, wie diese Herausforderung, der wir als Christen und Gemeinden begegnen, vermutlich mit großer Wahrscheinlichkeit noch deutlich stärker zunehmen wird, als wir es aktuell haben. Das ist ja ganz offensichtlich. Mit jeder weiteren Generation, die da kommt, wird es schwieriger und herausfordernder.
Kleingruppen und gemeinsames Gebet
Okay, ich würde gerne, dass wir jetzt noch, was haben wir? Ich glaube, bis viertel vor geht es, oder? Ist das richtig offiziell, dass wir jetzt vielleicht noch 20 Minuten Zeit haben, in Kleingruppen mit vier, fünf Leuten? Also ich würde ungern größere Kleingruppen machen, weil ich glaube, dann ist es schwieriger, dass jeder auch zu Wort kommen kann.
Deswegen setzt euch zusammen, wie ihr gerade passt, oder stellt euch zusammen. Hier könnt ihr vorne in die Ecken oder so. Vier, fünf Leute mit ein paar Fragen. Leider hat es mit dem Beamer nicht geklappt, sonst hätte ich sie vorne drauf.
Ich versuche, euch mal zu sagen, dass ihr so den Sinn versteht: Ihr müsst jetzt nicht jede einzelne Frage genau durchgehen. Mir geht es darum, dass ihr ein bisschen herausgefordert und sensibilisiert werdet, nochmal ein bisschen weitergehend zu denken und auch miteinander zu reden.
Warum ist es wichtig, die Wahrheit klar und in Liebe zu kommunizieren? Das ist dieser Aspekt von Wahrheit und Liebe. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht, wenn einer der Bereiche nicht so stark vorhanden war? Also das, was ich so ein bisschen geschildert habe. Vielleicht ist das eine Möglichkeit oder ein Ansatz, über den ihr auf jeden Fall reden dürft und könnt: Wahrheit und Liebe, die Balance irgendwie zu halten.
Wie werden Menschen, die im Blick auf ihre Sexualität nicht die biblische Sicht vertreten und leben, also die zum Beispiel homosexuell leben oder so, in deiner Gemeinde wahrgenommen oder aufgenommen? Also ich meine jetzt nicht im Sinne von Mitgliedschaft aufgenommen, sondern willkommen geheißen. Und wie wird mit ihnen umgegangen?
Gerade wenn ihr aus verschiedenen Gemeinden kommt, fände ich es gut, einfach mal darüber zu reden: Wie erlebt ihr das? Wie würdet ihr das von eurer Gemeinde sagen und beschreiben? Wie ist der Zustand da im Moment oder die Situation?
Und dann als dritte Frage nochmals zu diesem Wahrheit und Liebe: Wie kann es dir gelingen, dir persönlich, also du kannst es auch für deine Gemeinde nehmen, aber ich finde es eigentlich herausfordernder, erst mal für mich persönlich die Balance zwischen Wahrheit und Liebe im Umgang mit solchen betroffenen Personen zu behalten? Wie? Vielleicht hast du das, vielleicht hast du Situationen, in denen du solchen Leuten begegnest. Wie schaffst du es, diese Balance zu halten? Oder wenn du solche Leute nicht hast: Wie würdest du, was denkst du, was sind Dinge, die dir helfen, dass wir das mehr schaffen, diese Balance zwischen Wahrheit und Liebe zu behalten und hochzuhalten?
Ja, warum ist es wichtig, die Wahrheit klar und in Liebe zu kommunizieren, und welche Erfahrungen hast du damit gemacht? So.
Also ihr könnt auch die Fragen durcheinander mischen oder auch nur eine Frage. Ich kontrolliere euch jetzt nicht da, alles gut.
Genau, und dann würde ich euch aber gerne ermutigen, da kann ich aber nochmal kurz dann was sagen, einfach an der Stelle, dass ihr euch Zeit nehmt, einfach nochmal füreinander zu beten und auch für eure Gemeinden zu beten. Ja, das fände ich ganz toll. Dann enden wir so mit dem Seminar.
