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Hebräer 8,1-13

Hebräer 8,1-8,1301.01.2019
Serie•Teil 14 / 25Hebräerbrief
Brauchst du wirklich noch mehr Regeln – oder endlich ein neues Herz? Der alte Weg zeigt nur, wo du scheiterst; der neue bringt dich wirklich zu Gott und schenkt echte Vergebung.

Einleitung und Ausgangsfrage

Ja, schön, dass ihr wieder da seid, oder vielleicht auch zum ersten Mal da seid. Bibelwoche 2018, immer noch Hebräerbrief, Kapitel 8, und das machen wir heute ganz. Es ist auch nicht so furchtbar lang, Kapitel 8, Verse 1 bis 13.
Und ich weiß nicht, wie es euch mit den ersten Vorträgen ging. Für mich als Prediger stellen sie eine ziemliche Herausforderung dar. Und zwar jetzt gar nicht so sehr, weil der Text so völlig unverständlich wäre, das ist er gar nicht, sondern weil mir die Thematik selbst aus diesem Brief irgendwie fremder vorkommt als das, was wir normalerweise hier von vorne predigen.
Ich hatte euch gestern in der Austauschrunde nach dem Vortrag die Frage gestellt: Wie geht es dir mit dem Gedanken, dass du einen Hohenpriester brauchst, ohne den du nicht gerettet werden kannst? Wenn ihr euch die Frage stellt: Wie ist der Kerl auf den Gedanken gekommen? Ganz einfach: Ich habe bei mir selber festgestellt, dass ich im Denken, in meinem christlichen Denken, einen ganz starken Fokus auf das Kreuz habe. Jesus als das Opfer, das Kreuz als der Ort, wo meine Schuld getilgt wird.
Vielleicht liegt das auch daran, dass in vielen Lobpreisliedern von Jesus als dem Priester kaum die Rede ist, aber ganz, ganz viel vom Kreuz. Ich weiß es nicht genau. Aber Fakt ist: Über Jesus nachzudenken, über Jesus als meinen Hohenpriester nachzudenken, beziehungsweise überhaupt zu realisieren, dass meine Errettung daran hängt, dass er mein Hoherpriester geworden ist, dass es eben nicht nur um das Kreuz geht, sondern dass Golgatha eingebunden ist in eine viel umfassendere Idee eines ewigen Priestertums, das Gott für mich aufrichtet, damit ich völlig gerettet werden kann, das ist so ein Gedankengang.
Der ist ja nicht neu, aber ich merke: So ganz sonnenklar ist er eigentlich auch nicht immer, es sei denn, ich beschäftige mich mit dem Hebräerbrief. Dann ist er natürlich da, ja, kapitelweise. Das ist so das Besondere.

Warum der Hebräerbrief herausfordert

Warum sage ich das? Ich weiß, dass der Hebräerbrief schwere Kost ist. Die Formulierungen setzen schon allein beim Lesen oder Hören eine ganze Menge Wissen aus dem Alten Testament voraus. Und auch die Logik der Argumentation hat manchmal etwas Orientalisches. Ich glaube, wer nicht in der Kultur der Empfänger groß geworden ist, für den ist manche Auslegung im Hebräerbrief, na ja, schlicht komisch.
Und doch lohnt sich der Hebräerbrief, weil er Jesus groß macht und uns zeigt, auf welch umfassende und auf welch fabelhafte Weise Gott dafür gesorgt hat, dass wir gerettet werden können. Also: Wir sind gerettet, auch wenn wir den Hebräerbrief nicht verstehen. Aber es ist trotzdem noch einmal so, dahinter zu blicken. Das ist ein bisschen wie Autofahren und dann die Motorhaube aufzumachen und zu sagen: Ah, so geht das. Das passiert, wenn ich aufs Gaspedal drücke, deswegen wird der schneller. So ähnlich ist das hier.
Ich bin gerettet, und wenn du nie in deinem Leben über Jesus als Hohenpriester nachdenkst, bingo! Aber jetzt, wo wir es dürfen, hey, cool. Vielleicht hast du vorher immer gedacht: Rettung heißt ein Leben für ein Leben, ja, Jesus stirbt für meine Sünde, okay? So wird ja auch meistens das Evangelium gepredigt. Und jetzt merken wir, dass Rettung konzeptionell irgendwie viel komplizierter ist. Es geht nicht nur darum, dass ich die Schuld meiner Sünde loswerde. Das allein wäre nicht genug, damit wäre noch nichts gewonnen.
Wir brauchen mehr als ein reines Gewissen. Wir brauchen, und das wird der Hebräerbrief eben deutlicher machen als in meinen Augen jeder andere Brief, einen ungehinderten Zugang zu Gott. Denn Gott allein besitzt Unsterblichkeit. Das steht im 1. Timotheus 6,16. Und unsere Hoffnung auf ein ewiges Leben, auf diese Unsterblichkeit, die Gott besitzt, hängt daran, dass wir durch Jesus einen Zugang, eine nie mehr endende Zweisamkeit mit Gott leben dürfen. Das ist das Besondere.
Und diesen Zugang haben wir, weil Jesus ihn für uns aufgeschlossen hat.

Der erhöhte Priester und das himmlische Heiligtum

Wir starten mit Hebräer, Kapitel 8, Vers 1. Da heißt es: Die Hauptsache oder vielleicht auch die zentrale Idee, die Hauptsache aber bei dem, was wir sagen, ist: Wir haben einen solchen Hohen Priester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln.
Der Hintergrund ist immer noch das, was wir gestern genauer angeschaut haben: Psalm 110. Da heißt es: Spruch des Herrn für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße. Das schwingt hier immer noch im Hintergrund mit.
Die levitischen Priester im Alten Testament, die durften sich nie hinsetzen. Das mag eine kleine Anekdote sein, aber es ist so. Sie mussten quasi immer bei ihren Aufgaben stehen. Und die Tatsache, dass sie immer stehen, bringt zum Ausdruck, dass ihr Dienst nie fertig ist.
Ich habe mir überlegt, ob ich das illustrieren kann. Wenn du mal von uns eingeladen bist auf eine Feier und du kommst rein und meine Frau sitzt im Wohnzimmer, dann kannst du wissen: Alles ist vorbereitet, alles ist fertig. Denn meine Frau wird sich erst dann hinsetzen, wenn in der Küche wirklich alles fertig ist.
Und so ist es hier auch: Jesus sitzt. Und damit wird zum Ausdruck gebracht, dass alles, was zu tun war, getan ist. Jesus sitzt, und zwar nicht irgendwo, um auszuruhen, so irgendwie im hintersten Winkel des Himmels neben irgendeinem erschöpften anderen Engel, sondern zur Rechten des Thrones der Majestät. Das ist der Ehrenplatz im Himmel.
Und jetzt Achtung: Wir haben es hier mit Bildern zu tun. Das Bild eines irdischen Thronsaals wird auf den Himmel übertragen, weil wir ganz einfach die unsichtbare Welt und das, was da ist, nicht anders beschreiben können als mit Worten, die wir aus der sichtbaren Welt nehmen.
Es geht hier darum, dass wir zwei Dinge verstehen. Unser Hohepriester hat sich gesetzt, sein Dienst ist erledigt, da ist nichts mehr hinzuzufügen. Und zweitens: Er sitzt zur Rechten der Majestät, man hat ihm tatsächlich den Ehrenplatz im Himmel gegeben.
Der Apostel Paulus würde das vielleicht mit folgenden Worten beschreiben. Er würde sagen: Darum hat Gott ihn auch erhoben, hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist. Die gleiche Idee: Da sitzt einer ganz oben.

Das Vorbild der Stiftshütte und die Wirklichkeit Gottes

Vers zwei: Als Diener des Heiligtums, und zwar als Diener des wahrhaftigen Zeltes, das der Herr errichtet hat, nicht ein Mensch.
Mit diesem Wörtchen Zelt ist die Stiftshütte gemeint. Morgen beschäftigen wir uns noch ein bisschen mehr mit der Stiftshütte. Also, wenn ihr die ganze Zeit darauf wartet und sagt: Ach, bekomme ich da noch mehr heutige Bilder mitgebracht? Dann gehen wir morgen noch ein bisschen genauer darauf ein.
Das wahrhaftige Zelt ist das himmlische Gegenstück, das Mose als Vorlage für den Bau der Stiftshütte zu sehen bekam. Schauen wir dazu einmal in 2. Mose 25,9. Das ist nämlich die Stelle, an der Gott Mose auffordert. Dort sagt er: Hier, nach allem, was ich dir zeige, nämlich dem Urbild der Wohnung und dem Urbild aller ihrer Geräte, danach sollt ihr es machen.
Mose hat sich die Stiftshütte also nicht ausgedacht, sondern er bekam einen Bauplan gezeigt, einen himmlischen Bauplan. Auf dem Berg Horeb zeigt Gott dem Mose das Urbild, das wahrhaftige Zelt, und dann baut Mose danach die Stiftshütte mit ihren Geräten.
Dieses Urbild ist das wahrhaftige Zelt im Sinne von himmlisch oder im Sinne von bleibend. Im Gegensatz zu irdisch und vorübergehend, nicht im Gegensatz zu falsch. Es geht nicht um wahrhaftig und falsch, sondern um wahrhaftig und himmlisch, bleibend, irdisch, nicht irdisch, nicht vorübergehend. Es ist wahrhaftig, weil es der Wahrheit entspricht.
Also: Das himmlische Heiligtum bei Gott, das ist eigentlich die Realität. Die Stiftshütte ist, wie wir heute noch sehen werden, der Schatten. Das irdische Heiligtum zu bauen war nicht falsch. Also nicht, dass ihr sagt: Die Stiftshütte war irgendwie völlig blöd. Nein, nein, Gott hat den Bau der Stiftshütte beauftragt. Aber was wir nicht vergessen dürfen: Die Stiftshütte ist nur ein Abbild.
Es war der durchaus gelungene Versuch, mit irdischen Mitteln ein himmlisches Heiligtum nachzubauen. Etwas, das nicht von dieser Schöpfung war, wurde mit Hilfe der Schöpfung, mit dem, was mir zur Verfügung stand, abgebildet.
Jetzt heißt es hier im Text in Hebräer 8,2 von dem wahrhaftigen Zelt, also von dem himmlischen Heiligtum, dass der Herr es errichtet hat, nicht ein Mensch. Den Gedanken finde ich total spannend.
Das himmlische Heiligtum hat der Herr errichtet. Also ist das himmlische Heiligtum nicht ewig, sondern es wurde von Jesus geschaffen. Und ich behaupte mal, es wurde von ihm erschaffen für seinen Dienst als Hohepriester.
Also ist das wahrhaftige Zelt eine himmlische Realität. Das sage ich deshalb, weil man ganz leicht denken könnte: Wenn das alles so himmlisch, ja so überirdisch ist, gibt es das vielleicht gar nicht. Vielleicht steht das nur für Prinzipien und für Gesetzmäßigkeiten. Das ist quasi wieder nur ein Bild.
Das sagt der Text aber nicht. Der Text sagt: Es gibt dieses himmlische Heiligtum. Jesus ist als himmlischer Hohepriester nicht irgendwo hineingegangen, sondern genau in dieses himmlische Heiligtum. Und dieses himmlische Heiligtum ist, obwohl nicht von dieser Welt, obwohl für uns nicht zu sehen, obwohl unsichtbar und himmlisch, obwohl es in die Dimension Gottes gehört, trotzdem auf seine Weise real.

Opferdienst, Grenzen des irdischen Priestertums und das Bild der Stiftshütte

So, warum der Aufwand? Warum macht Jesus das? Er wird Hohepriester, und er sorgt dafür, dass er als Hohepriester ein für ihn passendes himmlisches Heiligtum, ein wahrhaftiges Zelt, hat. Warum?
Tja, die Antwort ist relativ banal. Man kann nicht Hohepriester sein, wenn man nicht Opfer bringt. Versteht ihr? Das gehört irgendwie dazu. Vers 3: Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um sowohl Gaben als auch Schlachtopfer darzubringen. Daher ist es notwendig, dass auch dieser, in dem Fall Jesus, etwas hat, das er darbringt.
Was sagt der Text? Der Text sagt: Hohepriester ist nicht einfach ein Titel, den ich einfach so bekomme, im Sinne von: „Ich mache dich jetzt zu meinem Hohen Priester, haha, und dann bist du es irgendwie, ohne dass du etwas tust.“ Hohepriester ist eine Funktionsbeschreibung. Wer sagt: Jesus ist Hohepriester, der bringt damit zum Ausdruck, dass er tatsächlich ein Opfer bringt. Und er bringt damit zum Ausdruck, dass es irgendwo einen Ort gibt, wo er dieses Opfer bringt, nämlich ein himmlisches Heiligtum.
Denn auf der Erde kann er es nicht bringen. Vers 4: Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht einmal Priester, weil die da sind, die nach dem Gesetz die Gaben darbringen. Beim Priesterdienst würde es darum gehen, dass er im Tempel in Jerusalem Opfer bringt. Das würde nicht gehen. Die Jobs sind einfach den Leviten vorbehalten. Jesus hätte im Lauf seines Lebens so viele Wunder tun können, wie er will, so viele bemerkenswerte Predigten halten, er hätte sogar König werden können, und trotzdem hätte er nach dem Gesetz nicht ein einziges Opfer bringen dürfen. Das war die Aufgabe der Priester, ausschließlich der Priester.
Vers 5: Die dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, das Zelt aufzurichten. Denn: Siehe, spricht er hier, spricht Gott, 2. Mose 25,40, dass du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.
Auf der Erde: irdisches Heiligtum, da arbeiten die Priester, und da hat Jesus tatsächlich nichts verloren. Ein Abbild und ein Schatten der himmlischen Dinge, das ist die Stiftshütte. Jetzt kommt unser Bild. Ich wollte euch schon mal ein Bild mitbringen. So sieht die in etwa aus, die Stiftshütte, okay? Da hat das jemand mal nachgebaut, und da seht ihr: Oh ja, das ist jetzt nicht aus Steinen, sondern das ist ein Zelt. Das wahrhaftige Zelt.
Ihr könnt euch vorstellen: Diese Zeltbänke außen herum begrenzen den Vorhof, und dann ist in der Mitte das eigentliche Zelt. Und das wird dann noch einmal unterteilt, das werden wir uns morgen anschauen, in das Heilige und das Allerheiligste. Dieses Zelt, wie ihr es da auf dem Bild seht, das war das Heiligtum der Israeliten in der Wüste. Das konnte man mitnehmen, konnte man abbauen, zusammenrollen, wegtragen und wieder aufbauen. Dann war es wieder da. Und dann haben sich außen herum die Stämme gelagert, und es war dann immer so schön in der Mitte.

Der bessere Bund und die Rolle Jesu als Mittler

 Hebräer 8,6
Wir müssen zurück zu Jesus. Jetzt aber ist es so: Auf der einen Seite stehen die Priester, bei denen kein Raum bleibt für Jesus. Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gestiftet worden ist.
Obwohl es auf der Erde die levitischen Priester gibt, hat Jesus seine Nische als Priester gefunden, nur eben nicht in den Reihen der Tempelpriester. Er hat nicht nur einen vortrefflicheren Dienst. Das ist ein effektiverer, ein umfassenderer Priesterdienst. Sondern er hat auch gleich noch einen besseren Bund gestiftet, steht hier.
Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gestiftet worden ist.
Wer war der Mittler des alten Bundes? Mose, richtig. Wer ist der Mittler des neuen Bundes? Jesus.
Mittler ist hier nicht im Sinn von Vermittler zu verstehen, auch nicht als Unterhändler. Warum nicht? Weil es den nicht braucht. Die Bedingungen des Bundes, die Bedingungen des neuen Bundes, werden von Gott festgelegt, und die sind nicht verhandelbar. Der neue Bund ist ein Gnadenbund für jeden Menschen auf der Grundlage des Glaubens an den Messias. Also jeder, der an den Messias glaubt und dessen Glaube echt ist, der gehört zum Neuen Bund.
Die Aufgabe des Mittlers besteht darin, die Vertragspartner zusammenzubringen. Und Jesus tut das, indem er durch seinen Opfertod die Gläubigen erst tauglich macht für die Gemeinschaft mit Gott. Also: Durch das Opfer werde ich tauglich für den Bund, und dadurch wird Jesus zum Mittler eines neuen Bundes.
Was die besseren Verheißungen angeht, von denen es in Vers 6 heißt, die werden wir uns am Ende noch ausführlicher miteinander anschauen. Sie finden sich in Jeremia 31. Es sind im Wesentlichen drei Dinge.
Die besseren Verheißungen umfassen erstens ein neues Herz, zweitens Gottes Erkenntnis als eine ganz persönliche Erfahrung und drittens völlige Sündenvergebung. Diese drei Dinge sind neu im Neuen Bund und machen den Neuen Bund tatsächlich zu einem besseren Bund als den Alten Bund.

Warum ein neuer Bund nötig wurde

Also verheißt Gott in Psalm 110 einen neuen Priester. Damit ist klar, dass das alte Priestersystem, das zu der Zeit, als der Brief geschrieben wurde, in Jerusalem noch voll in Betrieb ist, nicht ausreicht.
Wir heute kennen das nicht mehr, weil im Jahr 70 nach Christus der Tempel zerstört wurde und damit alles aufhörte. Es gibt Leute, die das gerne wieder aufrichten wollen. Vielleicht habt ihr das vor Kurzem gelesen: Da ging also eine ganz tolle Nachricht durch die christliche Medienlandschaft. Endlich hat man wieder eine rote Kuh gezüchtet. Es gibt also endlich eine Kuh, die nur rotes Fell hat.
Erst einmal könnte man sagen: Wen interessiert eine rote Kuh? Für die Leute, die das mosaische Gesetz wieder ins Leben zurückbringen wollen, ist das total wichtig. Denn für ein bestimmtes Ritual brauche ich die Asche einer roten Kuh. Um die Asche einer roten Kuh zu bekommen, brauche ich erst einmal eine rote Kuh. So, jetzt gibt es also ein rotes Kälbchen, und jetzt geht es darum: Ist es rot genug?
Ja, denn wenn das passt, dann haben wir wieder einen Baustein mehr in Richtung mosaisches Gesetz. Das machen Leute, aber im Moment gibt es das alles nicht. Es gibt nirgendwo einen Hohen Priester, nirgendwo einen Tempel. Das ist alles im Jahr 70 nach Christus zerstört worden.
Gott verheißt einen neuen Bund, etwas komplett Neues. Das alte Priestersystem reicht nicht, und es muss ersetzt werden.
Frage: Gibt es im Alten Testament irgendwo eine Verheißung für einen neuen Bund? Da könnt ihr euch die Antwort denken: Ja, klar. Also es gibt nicht nur diesen Psalm 110, wo drinsteht, ich werde einen neuen Priester schicken, und damit wird klar: Aha, die anderen haben es irgendwie nicht gebracht. Sondern es gibt genau so eine Verheißung, es gibt einen neuen Bund. Ihr könnt euch denken, das bedeutet genau das Gleiche: Anscheinend hat es der alte nicht ganz gebracht.
 Hebräer 8,7: Denn wenn jener erste Bund tadellos wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden.
Also ist das eine simple Logik, oder? Wenn es der erste gebracht hätte, hätte ich keinen zweiten gesucht. Aber im Alten Testament, wenn man genau liest, wird man feststellen, dass dort tatsächlich von einem zweiten, einem neuen Bund gesprochen wird. Und allein die Tatsache, dass Gott sagt: Ich habe da die Idee, einen zweiten, einen neuen Bund ins Leben zu rufen, zeigt, dass der erste nicht tadellos ist.
Der alte Bund ist nutzlos und schwach. Warum? Weil er, das haben wir schon gelesen, nichts zur Vollendung gebracht hat.
Allerdings, Vorsicht! Wenn ihr jetzt quasi sagt: Wunderbar, dann nehme ich mir meine Bibel, und dann kann ich ja hier vorne irgendwie alles herausreißen, was ich nicht mehr brauche. Das ist ja alles nutzlos, das ist ja auch sehr praktisch. Ich meine, das sind irgendwie eine ganze Menge Texte, die man nicht regelmäßig lesen muss. Reißen wir raus. Das würde ich nicht tun.
Auch wenn es hier heißt, dass der alte Bund oder das Gesetz, das zum alten Bund gehört, nichts zur Vollendung gebracht hat, dann meint das, wenn es um Vollendung geht, die endgültige Errettung des Menschen. Also kann der alte Bund mit seinen Gesetzen den Menschen nicht von dem wichtigsten Problem retten, das er hat: von der Sünde.
Die Gesetze selbst, die ich im Alten Bund finde, sind trotzdem gut. Paulus wird sogar sagen in Römer 7,12: Diese Gesetze oder die Gebote des Alten Bundes sind heilig, gerecht und gut.
Und es ist wichtig, dass wir das unterscheiden. Auf der einen Seite können die mosaischen Gesetze einen Menschen nicht retten. Der alte Bund ist zu schwach und zu nutzlos, um den Menschen zu retten. Aber trotzdem ist das mosaische Gesetz bis heute gut, wenn man es gesetzmäßig gebraucht, und kann ein großer Segen sein.

Das Gesetz als Spiegel der Sünde

Gib mir mal die Stelle aus 1. Timotheus 1,8-9a bitte. Das bezieht sich auf das Alte Testament.
Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht. Indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist.
Also: Wenn du gerecht lebst, dann kann dir das Gesetz nichts geben. Aber das heißt nicht, dass das Gesetz nicht durchaus hilfreich wäre, und zwar für all die Leute, die nicht gerecht leben, für alle die Leute, die sich die Frage stellen: Wie ist Gott eigentlich so drauf? Was mag der eigentlich, und was mag der nicht? Das geht ja weiter: Indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder. Und das geht noch ein bisschen weiter.
Also wenn ich jemandem zeigen möchte, dass er ein Sünder ist, okay, dann nehme ich gerne mal das Alte Testament. Das ist das, was das mosaische Gesetz kann. Das ist das, was der Alte Bund kann. Das mosaische Gesetz kann Sünde aufdecken. Es kann den Menschen mit seiner Gesetzlosigkeit, mit seiner Widerspenstigkeit, mit seiner Gottlosigkeit, mit seinem Sündigsein konfrontieren. Das Gesetz kann zu Recht verdammen, aber, und das ist wichtig, es kann nicht retten. Versteht ihr den Unterschied?
Das Gesetz kann mir zeigen, dass ich ein Riesenproblem mit Gott habe. Und wenn du dann sagst: Was muss ich jetzt machen? Muss ich all die Gesetze halten? Dann kannst du ja nicht. Na, probier es doch. Nimm dir nur die Zehn Gebote eine Woche lang, probier es mal in der Auslegung, am besten so, wie Jesus sie in der Bergpredigt noch bringt. Ja, ja, ja, mach mal, ja, hab Spaß, wird nicht funktionieren.
Da kann etwas aufgedeckt werden. Aber der Alte Bund und das Gesetz können verdammen, aber sie können das Problem der Sünde in meinem Leben nicht lösen. Ganz wichtig, dass wir das verstehen. Wir leben im neuen Bund, und wir können zurückschauen. Wir können den Alten Bund und seine Gesetze benutzen, um Menschen zu zeigen, wie Gott tickt, was Gott sich wünscht, welche moralischen Vorstellungen er hat.
Dann müssen wir aufhören. Mehr kann das nicht. Dann müssen wir dahin kommen und sagen: Was du jetzt brauchst, ist etwas anderes. Und jeder weiß das auch. Noch mehr Bildung und noch mehr Wissen macht Menschen nicht heiliger. Es ist ja eher andersherum. Wir hatten das schon mal vor Jahren, als wir uns über den Römerbrief unterhalten haben. Wisst ihr noch das Beispiel, das ich brachte?
Wenn ich ein neues Gesetz kriege, dann gibt es in mir etwas, das nicht sagt: Super, dass es ein neues Gesetz gibt, da werde ich mich jetzt gern daran halten. Es ist genau andersherum. Mein Standardbeispiel ist: Du gehst spazieren, du gehst an einer Rasenfläche vorbei, und da steht ein Schild: Rasen betreten verboten. Du hast bis dieses Schild kam nicht mal im Ansatz daran gedacht, auf den Rasen zu gehen. Aber in dem Moment, wo du das Schild liest, ist verboten, gibt es in dir so eine kleine Stimme, die sagt: Wollen wir nicht mal den Rasen betreten?
Das ist das Problem des Menschen. Mehr Gebote helfen ihm nicht, heiliger zu sein, sondern je mehr Gebote du hast, umso mehr merkst du, wie verloren du bist, weil in dir diese Sehnsucht danach ist, das Falsche zu tun. Und das zu entdecken, das ist super. Dafür kannst du das Alte Testament super verwenden. Nimm dir die Gebote, die drin sind, und du stellst immer nur eins fest: verloren, verloren, verloren.
Und weil das so ist, deswegen schafft Gott einen neuen Bund.

Die Verheißung des neuen Bundes

 Hebräer 8,8-9, denn tadelnd spricht er zu ihnen. Und jetzt kommt ein Zitat aus Jeremia 31, die Verse 31-34:
Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen.
Damals, also schon im alten Bund, steht bereits drin: Ich mache etwas Neues. Nicht nach der Art des Bundes, den ich mit ihren Vätern machte, an dem Tag, da ich ihre Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Denn sie blieben nicht in meinem Bund, und ich kümmerte mich nicht um sie, spricht der Herr.
Also: Der Grund für einen neuen Bund, der Grund findet sich hier in Vers 9, findet sich im Verhalten der Israeliten. Sie blieben nicht in meinem Bund. Der neue Bund ist Gottes Reaktion auf den Ungehorsam seines Volkes. Ihr Verhalten zeigt das ganz deutlich, also für mich zumindest, der ich so ein bisschen im Alten Testament vielleicht mehr zu Hause bin. Wenn ihr das jetzt nicht so vor Augen habt, nehmt euch einfach vor, das Alte Testament mal durchzulesen, einfach mit diesem Blick: wie großartig diese Gebote sind, wie Gott sich müht, ihnen ein unglaublich gutes Gesetzeswerk zu geben, und wie sie die ganze Zeit es einfach nicht schaffen, darüber hinaus zu Gott zu finden.
Die Grenzen des alten Bundes: Der alte Bund funktioniert nicht, wenn es darum geht, Herzen zu gewinnen. Das ist das Problem. Ein Gesetz kann von zeichenhaften Ritualen begleitet sein, ein Gesetz kann intellektuell überzeugen, es kann im Praktischen funktionieren, es kann Heiligkeit definieren, ein Gesetz kann die Fürsorge Gottes offenbaren, und es kann sogar Angst verbreiten, wenn es nur entsprechende Sanktionen einführt. Aber wisst ihr, was ein Gesetz nicht kann? Ein Gesetz kann keine Beziehung mit Gott herstellen. Das ist das Problem, und zwar egal, wie sehr das Gesetz Liebe zu Gott und Gottesfurcht fordert.
Einfach dadurch, dass das Gesetz da steht, vor mir steht, heißt nicht, dass ich anfange, diesen Gott zu lieben, ihn zu fürchten, ihm zu folgen, dass er mein König und mein Hirte und mein Retter sein darf und dass ich ihm mit meinem ganzen Herzen vertraue. Das kann der alte Bund mit seinen Gesetzen nicht.
Und weil der alte Bund auf Gegenseitigkeit angelegt war, deswegen gilt dieses Prinzip: So wie du dich um den Bund kümmerst, so kümmert sich Gott um dich. Und schon gleich die erste Generation, die eben nicht an Gott glaubt und irgendwann mal sagt: Wir würden lieber in der Wüste sterben, kriegt genau das. Also: Wenn du lieber in der Wüste sterben willst, kannst du das haben. Die stirbt in der Wüste. Wenn du dich nicht um mich kümmerst, sagt Gott: Okay, dann kümmere ich mich nicht um dich.

Die Kennzeichen des neuen Bundes

Wie ist der neue Bund jetzt? Das ist der alte Bund.
Der neue Bund, Hebräer 8,10-12, ich lese mal die drei Verse, weil sie zusammengehören, und dann gehen wir sie einzeln noch einmal durch: Denn dies ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr. Und jetzt kommen drei Dinge, die diesen Bund qualifizieren.
Erstens: Meine Gesetze gebe ich in ihren Sinn und werde sie auch auf ihre Herzen schreiben. Zweitens: Ich werde ihnen Gott sein, und sie werden mir Volk sein. Und nicht mehr werden sie, ein jeder seinen Mitbürger und ein jeder seinen Bruder, lehren und sagen: Erkenne den Herrn. Denn alle werden mich kennen, vom Kleinen bis zum Großen unter ihnen. Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein. Und das ist der dritte Punkt: Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.
Was hier gelesen wird, sind die besseren Verheißungen des neuen Bundes. Der neue Bund wird, wie hier gesehen, mit dem Haus Israel geschlossen, wobei er nicht nur den Juden offensteht, sondern allen Gläubigen. Das braucht in der Apostelgeschichte ein bisschen, bis Petrus das auch versteht. Das ist die Geschichte mit Cornelius, wenn ihr euch erinnert, wo er ganz zögerlich den Heiden das Evangelium predigt und da eigentlich gar nicht hin will. Erst danach merkt er: Oh, in diesem Bund dürfen ja auch gläubige Heiden hinein. Das ist ja toll, das ist für uns toll.
Also: Er wird mit dem Haus Israel geschlossen, das stimmt. Aber er steht offen für alle Gläubigen, auch für die Heiden.

Was bei der Bekehrung geschieht

Was passiert, wenn ich mich bekehre? Also, ich rede ja zu euch als zu bekehrten Menschen. Bekehrung ist so ein typischer evangelikaler Fachbegriff. Bekehrung.
Also gibt sie meinem Leben so einen Lebensweg. Ja, und ich bin da so für mich unterwegs. Und irgendwann merke ich: falsche Richtung, ja. Und dann drehe ich mich um. Und dann sehe ich Gott und laufe auf ihn zu. Das ist Bekehrung. Ich drehe um, ich tue Buße.
Was passiert, wenn ich mich bekehre? Und ich rede mal davon, dass jemand wirklich zu Gott umgekehrt ist. Es gibt diesen oberflächlichen Glauben, der nicht rettet. Aber was ist, wenn jemand wirklich Buße getan hat, wenn jemand wirklich ganz auf Gott vertraut hat, wenn jemand wirklich von neuem geboren ist, den Heiligen Geist empfängt und dann Teil dieses neuen Bundes wird? Was erwartet der?
Drei Dinge.
Erstens: Er kann erwarten, dass Gott seine Gesetze auf sein Herz schreibt. So. „Herz“ oder im Text heißt es auch „Sinn“ – ein Begriff, der für das Denken, für das innere Wollen des Menschen steht. Mit der Bekehrung bekomme ich ein neues Herz, das empfindsam ist für die Gebote Gottes.
Hesekiel, ein anderer Prophet – wir haben jetzt gerade Jeremia zitiert, aber in Hesekiel 36 steht das –, spricht davon, dass Gott das alte, das steinerne Herz durch ein neues, ein fleischernes Herz ersetzt. Im Neuen Bund schreibt Gott seine Gesetze nicht mehr auf Steintafeln, die dann irgendwo stehen und die ich lesen kann. Sondern Gott schreibt das Gesetz auf die Herzen derer, die zum Bundesvolk gehören.
Was heißt das? Gott macht, dass ich viel über das Wort Gottes nachdenke und ihm gehorchen will. Das heißt noch nicht, dass ich das auch tue. Das ist so der Unterschied zwischen dem, was an Wollen in mir drinsteckt, und was an Tun aus mir rauskommt. Aber grundsätzlich: Ein neues Herz ist eine Sehnsucht nach Gehorsam.
Es gibt im Gläubigen einen tiefsitzenden Wunsch, Gottes Gebote zu halten und Gott zu gefallen. Und zwar ist das ein Wunsch, der von Gott kommt. Gott hat das gemacht. Wir können tatsächlich nicht mehr tun als erschrecken, sehen: Ich stehe unter dem Zorn Gottes, was soll ich tun? Tut Buße und glaubt. Also drehe ich mich um, vertraue auf Gott. Und in dem Moment, wo ich das tue, passieren all diese Dinge: Ich werde von neuem geboren, ich bekomme seinen Geist, und unter anderem bekomme ich ein neues Herz. Gott macht hier innen drin etwas wieder ganz.
Ein anderes Bild aus dem Alten Testament wäre, dass Gott mein Herz beschneidet. Er schneidet quasi alles, alle Rebellion, ab. Und was übrig bleibt, ist ein Herz, das Gott gefallen will. Das ist etwas, was zum Neuen Bund dazugehört, ein Kennzeichen.
Weil das so ist – da müsst ihr euch jetzt an die Bibelwoche letztes Jahr erinnern, ja, doch, letztes Jahr erinnern –, deshalb ist das auch so gefährlich, wenn man plötzlich feststellt, dass bei einem anderen Gemeindeglied oder bei einem selber, wie hieß das da in Hebräer 3,12, ein böses Herz des Unglaubens im Abfall vom lebendigen Gott steckt. Wenn ich plötzlich feststelle, da ist ein böses Herz drin, der will gar nicht Gott gefallen. Der dreht da so sein eigenes Ding und gießt dann so einen christlich-religiösen Zuckerguss drüber, damit es keiner mitkriegt.
So ein Herz, so ein böses Herz des Unglaubens, passt nicht zu jemandem, der sich bekehrt hat und der von Gott ein neues Herz geschenkt bekommen hat.

Gotteserkenntnis und Vergebung als zweite und dritte Verheißung

Also, wenn ich bei jemandem feststelle, dass er, egal wie oft er in die Gemeinde kommt, egal welchen Dienst er in der Gemeinde tut, egal wie christlich er reden kann – man kann sich ja auch solche Floskeln angewöhnen –, eine tiefsitzende Lust auf Unreinheit hat, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, dass so jemand sich nicht bekehrt hat. Das muss nicht gleich Sünde sein, einfach so eine Lust auf Unreinheit oder auch eine Lust auf Sünde, logischerweise, auch so eine Lust auf Widerspenstigkeit. Da fällt es jemandem wirklich schwer, die Gebote Gottes zu lieben und gerne zu tun. Einfach deshalb, weil Gott mir, wenn ich mich bekehre, ein neues Herz schenkt.
Ein zweiter Punkt: Ich lese noch einmal den dazugehörigen Text:
Und ich werde ihnen Gott sein, und sie werden mir Volk sein. Und nicht wird ein jeder seinen Mitbürger und ein jeder seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn alle werden mich kennen, vom Kleinen bis zum Großen unter ihnen.
So, das ist jetzt relativ einfach. Zum neuen Bund gehören nur Menschen, die Gott kennen. Gemeint ist nicht, dass sie schon alles über Gott wissen. Es muss auch noch einen Grund geben, warum ich hier vorne stehe. Aber trotzdem: Eine persönliche Gotteserkenntnis ist die Voraussetzung dafür, Mitglied im neuen Bund zu werden.
Warum ist das so? Es ist deshalb so, weil wir uns nicht bekehren, um Gott kennenzulernen, sondern wir haben uns bekehrt, weil wir Gott erkannt haben. Versteht ihr den Unterschied? Ich habe mich bekehrt, ja, weil ich Gott gesehen habe, weil ich begriffen habe, wer Gott ist – zumindest die ganz wichtigen Basics, wer er ist: ein heiliger Gott, der bereit ist, über mich Gericht zu halten, der als Mensch auf dieser Erde für meine Sünden gestorben ist, der mir Vergebung anbietet. Das sind so ganz viele grundlegende Dinge, die muss ich verstanden haben. Ich kann mich nicht zu Gott bekehren, ich kann ihn nicht anrufen und sagen: Herr, rette mich, wenn ich nicht weiß, wer er ist. Und das ist das, was hier steht.
Im Alten Bund gab es viele, die nicht an Gott glaubten, aber irgendwie doch zum Volk Israel dazugehörten. Heute gibt es das auch noch, heute spricht man von Namenschristen. Das waren Leute im Alten Testament, die hatten bestenfalls so ein oberflächliches Verständnis, ein oberflächliches Wissen über Gott, aber sie waren nicht im eigentlichen Sinn Gottesvolk.
Und jetzt kommt der neue Bund, und das sagt Gott: Das habe ich mir im Alten Testament angeschaut, dass das so ein Mischmasch war, das mache ich nicht mehr. Heute ist es so: Ohne eine persönliche Gottesbeziehung kannst du nicht Teil des neuen Bundes sein. Und deswegen gilt das tatsächlich: Jeder, der im Neuen Bund ist, kennt genug von Gott, um sich bekehrt zu haben.
Und wenn da einer ist und sagt: Ja, ich bin Christ, und man fragt so ein bisschen: Sag mal, wer ist denn Jesus, und wer ist denn Gott, und was denkst du da so? Und da kommt nur heiße Luft. Und du fragst einmal: Wie ist denn das passiert, dass du Christ geworden bist? Dann erzählt der dir von irgendeinem Ritual, was irgendjemand gemacht hat, irgendwann mal, und deswegen sei er jetzt Christ. Oder er erzählt dir von der tollen Gemeinde, wo immer diese tolle Stimmung ist, und deswegen sei er Christ. Oder von dem Hauskreis, der ihm so sehr geholfen hat, das hat ihm so gut getan, jetzt ist er Christ. Verstehst du? Das stimmt nicht.
Du kannst erst dann Christ werden, du kannst dich erst dann bekehren, wenn du weißt, wer Gott ist, zumindest die Basics von Gott verstehst. Und deswegen kannst du auch mit jedem, der wirklich bekehrt ist, über Gott reden. Und jeder wird dir begeistert von Gott erzählen, wird sagen: Halleluja, das ist mir passiert, total cool. Ich habe jetzt gerade in so einem evangelistischen Hauskreis, der kein evangelistischer Hauskreis mehr ist, weil keine Ungläubigen mehr drin sind, eine junge Frau. Die hat echt noch nicht viel Bibelwissen, aber die kennt Gott. Sie hat noch nie die Bibel durchgelesen, sie kann dir wahrscheinlich nicht einen Bibelfers vernünftig erklären, aber wenn sie über Gott redet und wer Gott ist und was Gott für sie getan hat und wie sehr Gott sie liebt, dann blubbert sie los.
Ich überlege immer noch, wann ich sie im Gottesdienst mal nach vorne hole, weil sie einfach so eine Ermutigung für mich ist. Einfach so zu hören, wie sie so blubber, blubber, blubber, blubber, blubber, blubber, blubber – die hört gar nicht mehr auf, so begeistert ist sie von Gott. Warum? Sie kennt Gott. Die kann ja nicht die Stiftshütte aufmalen, die kann ja nicht die Reihenfolge der kleinen Propheten aufsagen, die weiß auch nicht, wo die Bergpredigt in der Bibel steht. Die kann das alles nicht, aber sie kennt Gott.
Das ist der Unterschied. Und das gehört zum Neuen Bund dazu, dass jeder Gott kennt. Und umgekehrt: Wenn jemand Gott nicht kennt, dann würde ich immer sagen: Weißt du was, ich bin mir jetzt nicht ganz so sicher, ob du Teil des Neuen Bundes bist.
Dritter Punkt, letzter Punkt, kurz: Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.
Die Grundlage dieser neuen Gotteserfahrung, dieser neuen Gottesbeziehung, wie wir alle Gott im Neuen Bund kennengelernt haben, ist die endgültige Vergebung der Sünden. Und so haben wir am Ende dieses Vortrags drei gute Fragen, wenn wir wissen wollen, ob jemand bekehrt ist. Es sind auch drei gute Fragen, wenn wir wissen wollen, ob wir selber bekehrt sind. Der Apostel Paulus sagt ja mal: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid.
Und die Fragen lauten so:
Erstens: Hast du ein neues Herz? So eine innere Leidenschaft, Gott zu gefallen und seine Gebote halten zu wollen. Achtung, das bedeutet noch lange nicht, dass du alles richtig machst. Das habe ich nicht gesagt. Es geht nicht um Perfektion, es geht um diese Stufe davor. Versteht ihr mich? Diesen Wunsch, es richtig zu machen. Hast du das? Es geht auch nicht darum, so ein neues Herz mit möglichst viel Disziplin zu imitieren. Sondern es geht um die Frage: Wenn du einfach so da sitzt und in dein Herz hineinhorchst, was wünschst du dir? Ist da dieser Wunsch: Ich will Gott gefallen? Hat Gott dir dieses neue Herz geschenkt?
Zweiter Punkt: Hast du eine, ich nenne das mal bewusst, persönliche Beziehung zu Gott? Eine, die nicht nur auf einem Gefühlsüberschwall oder auf ein paar Lobpreisliedern beruht oder auf einer Gemeinschaft, sondern auf einem wirklichen persönlichen Wissen über Gott, und sei es noch so einfach und unvollständig.
Und die dritte Frage: Bist du dir ganz sicher, dass deine Sünden vergeben sind, dass dann nichts mehr – null, bitte null – dass da nichts mehr zwischen dir und Gott zu klären ist, dass er deiner Sünden nie mehr gedenken wird?
Das sind die drei Dinge, die zum Neuen Bund wesentlich dazugehören. Das ist das, was den Neuen Bund im Vergleich zum Alten Bund so besonders macht.

Schluss: Der alte Bund ist überholt

Und dann heißt es abschließend in Vers 13: Über den Alten Bund, indem er von einem Neuen Bund spricht, hat er den Ersten für veraltet erklärt. Was aber veraltet ist und sich überlebt, ist dem Verschwinden oder dem Untergang nahe.
Damals war es noch so, dass beide Bünde nebeneinander bestanden. Es war die Zeit der Überlappung. Aber hier wird schon gesagt: Der alte Bund mag ja auch noch da sein, aber er hat eigentlich schon ausgedient, und er wird verschwinden.
So viel für heute.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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