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Zu tolerante Christen

THYATIRA | Sendschreiben der Offenbarung des Johannes (einfach erklärt)
10.12.2021

Manche Menschen und Organisationen tun viel Gutes und nennen das christlich. Hast du dich schon einmal gefragt, was das eigentlich genau bedeutet? Heißt das, dass man christlich sein muss, um Gutes zu tun?

Feste feiern und soziales Engagement sind wichtig. Aber sollten große Kirchen nicht mehr im Blick haben als nur den Einsatz gegen Rechts und fürs Klima? Auf welcher biblischen Grundlage stehen du und ich eigentlich?

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir steigen tiefer in die Bibel ein. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft an uns Christen stellt.

Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools: Hörbücher, Onlinekurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände. Diese kannst du dir auf der Website gratis mitnehmen.

So transparent: Finanziert wird all das durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, denn dieses Projekt nimmt langsam Fahrt auf.

Einführung in die Videoreihe und die Offenbarung

Und damit willkommen zur neuen Videoreihe über die sieben Sendschreiben der Offenbarung. In sieben Videos schauen wir uns die sieben Sendschreiben der Offenbarung an, jeden Freitagnachmittag eines. Dabei erkläre ich jedes Sendschreiben möglichst bibeltreu am Urtext und zeige, was du und ich daraus lernen können und praktisch für unser Glaubensleben als Christen umsetzen können.

Zum Hintergrund: Das finale und letzte Buch der Bibel ist die sogenannte Offenbarung. Die Offenbarung besteht aus zwei großen Teilen. Kapitel 1 bis 3 enthalten die Einleitung, die Charakterisierung und die Sendschreiben. Kapitel 4 bis 22 umfassen Prophezeiungen, die viel Bibelkenntnis voraussetzen. In ihnen geht es um die Zukunft, die letzten Jahre menschlicher Zivilisation, ein kommendes Friedensreich, das jüngste Gericht mit der Hölle und die Ewigkeit.

Die Sendschreiben sind sieben kurze, prägnante Briefe, die der auferstandene Jesus diktiert hat. Sie sollten an christliche Gemeinden in der heutigen Türkei geschickt werden – von den beiden Metropolen Ephesus und Pergamon bis hin zu den kleineren Städten. Fast jedes dieser Sendschreiben enthält, dass Jesus die jeweilige Gemeinde für etwas lobt, sie für etwas kritisiert und ihnen eine Aufgabe gibt.

Historisch spricht einiges dafür, dass diese Sendschreiben als tatsächliche Briefe an die Leiter der sieben Gemeinden übergeben und dort öffentlich verlesen wurden. Spannender ist jedoch, dass diese sieben Sendschreiben schnell und weit außerhalb der ursprünglichen sieben Gemeinden verteilt, regelmäßig gelesen und weiterverbreitet wurden. Zusammen mit dem allgemein tiefgründigen Charakter der Offenbarung legt das nahe, dass es unter der Oberfläche um einiges mehr geht als nur um Arbeitszeugnisse für türkische Frühkirchen.

Die Bedeutung der Sendschreiben für Christen heute

Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche wertvolle und gute Auslegungen dieser Sendschreiben. Auch wenn es bei Details Unterschiede gibt, sind sich viele kundige Exegeten darin einig, dass hier sieben verschiedene Gemeindementalitäten beschrieben werden. Vereinfacht gesagt handelt es sich um sieben Arten von Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen.

Das bedeutet, Jesus hält uns beiden mit unseren momentanen Stärken und Schwächen einen immens wertvollen Spiegel vor. Er zeigt uns, woran wir arbeiten sollten. Dieser Spiegel soll dich und mich wachrütteln.

Insgesamt nimmt die Offenbarung dabei kein Blatt vor den Mund. Deshalb wollen wir uns beim Lesen und Hören dieser sieben Sendschreiben ganz selbstkritisch fragen: Was findet Jesus an deinem Glaubensleben gut? Wo aber ist deine Beziehung zu Gott angreifbar? Und worauf kannst du in den kommenden Wochen besonders den Fokus legen?

Die Frage, die sich dir stellt, lautet also: Was für ein Sendschreiben-Typ bist du?

Bevor wir starten, kannst du der Community hier kurz helfen, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy. Auf YouTube kannst du das Video gerne liken. Indem du die Glocke unter diesem Video drückst, erhält YouTube ein Signal. Dadurch werden auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte angezeigt, die sie ansprechen können.

Ist das nicht stark? Deshalb lass uns die Glocke gerne nutzen, solange wir können. Vielen Dank!

Historischer Hintergrund zur Gemeinde Thyatira

Und damit sind wir beim heutigen Sendschreiben an die Gemeinde in Thyatira.

Die Gemeinde von Thyatira ist in gewisser Weise das Gegenteil der allerersten Gemeinde, des ersten Sendschreibens an die Gemeinde in Ephesus.

Ein kurzer historischer Hintergrund, um das für dich anschaulicher zu machen: Ephesus und Pergamon waren riesengroße Metropolen, beeindruckende Großstädte. Thyatira hingegen war nicht ganz so bedeutend.

Thyatira liegt im Tal des Flusses Lykos. Wenn du dir das auf der Karte anschaust, ist das nicht der beste Ort an dieser Durchgangsstraße. Deshalb wurde diese Stadt auch häufig erobert. Das machte es schwer, dass sich dort eine Hochkultur oder Ähnliches etablieren konnte, wenn ständig ein Wechsel stattfand.

Ursprünglich wurde diese Stadt von Alexander dem Großen gegründet. Er ließ dort einfach seine Soldaten ansiedeln. In Thyatira wurden Farbmittel hergestellt.

Noch eine Sache am Rande, damit du es mal gehört hast: Aus der Stadt Thyatira stammt die allererste Christin aus Europa, eine Frau namens Lydia.

Lob und Anerkennung für die Gemeinde Thyatira

Was lobt Jesus an der Gemeinde in Thyatira?

Er sagt: „Ich kenne deine Werke, ich kenne deine Taten.“ Das bedeutet, die Christen in Thyatira sind engagiert. Sie sind präsent und setzen sich sozial ein – für Menschen, die arm oder unterprivilegiert sind, für Kranke und Schwache. Sie sind da und tun etwas.

Weiter sagt er: „Ich kenne deine Liebe.“ Das heißt, sie handeln nicht einfach nur, weil sie denken, es sei ihre Pflicht als Christen oder aus Angst vor Strafe. Nein, er weiß, dass sie aus Liebe handeln – heute würde man sagen, aus intrinsischer Motivation.

Er fährt fort: „Ich kenne deinen Dienst.“ Es gibt einen Unterschied zwischen Werken und Dienst. Vereinfacht gesagt bedeutet Dienst: Werke plus Demut. Wenn du also etwas tust, aber mit einem Geist der Demut und für Dinge, für die du dich eigentlich zu gut fühlen könntest, dann ist das Dienst.

Jesus sagt außerdem: „Ich kenne deinen Glauben.“ Er kennt das Vertrauen, das sie auf Gott setzen, und auch das Vertrauen, das sie auf ihn setzen.

Er betont auch: „Ich kenne dein standhaftes Ausharren, ich kenne deine Geduld.“ Jetzt wird es interessant: Er sagt, dass ihre letzten Werke, also die neuesten Taten, mehr sind als die ersten, die ältesten. Was bedeutet das? Es heißt, das Engagement ist durchgehend stark vorhanden, vor allem im sozialen Bereich. Dieses Engagement geschieht aus den richtigen Motiven und nimmt im Laufe der Zeit sogar noch zu. Die Gemeinde war dafür bekannt.

Bevor wir zu dem kommen, was Jesus diesen Christen mit großem Nachdruck rät, um bei all dem den Überblick zu behalten und tiefer einzusteigen, kannst du dir gern diese schöne Übersicht über die sieben Sendschreiben der Offenbarung kostenlos mitnehmen. Dort findest du eine kurze, einfache Erklärung der Offenbarung und eine Übersicht über alle sieben Sendschreiben.

Diese Übersicht kannst du gern für deinen Hauskreis, Jugendstunden, Katechismus, Konfirmanden- und Religionsunterricht verwenden. Dank der Hilfe vieler Menschen, die hier mitspenden, konnte ich diese Übersicht erstellen und jetzt öffentlich und kostenfrei verschenken. Du kannst sie dir gerne über den Link unter diesem Video herunterladen, solange es möglich ist.

Kritik an der Gemeinde Thyatira: Die Gefahr der falschen Lehre

Was kritisiert Jesus Christus an dieser Gemeinde? Er sagt: „Ich habe ein Weniges gegen dich.“ Das beginnt schon so, dass er etwas zulässt. Sie machen nicht aktiv etwas, sondern sie tun nichts dagegen, dass jemand etwas tut. Sind sie vielleicht zu lieb? Manche Sünden in unserem Leben passieren doch einfach, weil wir zu lieb sind und zu wenig Widerstand leisten.

Jesus sagt weiter: „Ich habe gegen dich, dass du zulässt, dass die Frau Isebel, die sich eine Prophetin nennt, meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.“ Wo kommt diese Frau her? Bei den letzten Sendschreiben hatten wir bereits eine Figur aus dem Alten Testament, die wieder auftauchte. Jetzt ist es eine weitere historische Persönlichkeit aus der Zeit des Alten Testaments.

Wer ist Isebel? Es gibt viele verrückte Theorien darüber, wer Isebel ist und was das Ganze eigentlich bedeutet. Zum Beispiel in einem Interview auf Spiegel TV wird gesagt: „Also die Kanzlerin ist für Sie eine Satanistin?“ – „Die Kanzlerin ist eine Satanistin, eindeutig.“ Man schaut in die Bibel, was diese Frau macht, und sieht einen Bezug zur geschichtlichen Isebel.

Zu den Fakten: Ungefähr neunhundert Jahre bevor dieses Sendschreiben verfasst wurde, war Isebel eine Königin im Großraum Israel. Das war die Zeit von Elija. Sie führte eine Art Reform von oben durch. Sie verwandelte Israel, das eigentlich dem Herrn geweihte Volk, zusammen mit der mindestens Duldung ihres Mannes Ahab, in ein Land, das den Baal verehrte.

Der Baal wurde verehrt – mit allem, was dazugehört. Ob Menschenopfer dabei waren oder nicht, ist in der Forschung bisher nicht abschließend geklärt. Aber auf jeden Fall gab es Tempelprostitution und viele merkwürdige Rituale. Menschen verletzten sich selbst aus religiösen Motiven – Dinge, bei denen man sich nur an den Kopf fassen kann.

Vielleicht hast du schon vom bekannten Bericht über Nabots Weinberg gehört. Dort kaufte Isebel falsche Zeugen, also bestach Leute, damit sie vor Gericht falsches Zeugnis ablegen. So wurde das Gebot „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“ gebrochen. Unter einem Vorwand wurde ein Justizmord an einem Agrarbesitzer begangen, damit ihr Mann diese Immobilie bekommen konnte. Da denkt man sich: Geht’s noch schlimmer?

Und noch schlimmer: Sie verfolgte und tötete die Propheten des Herrn. Wer ist jetzt Isebel in unserem Sendschreiben? Wahrscheinlich eine konkrete Person, die entweder diesen Namen selbst trägt oder diesen Namen als Bezeichnung bekommt. Es ist eine Frau, die die Gemeinde auf schlimme Abwege führt.

Man kann sagen, sie trägt den Geist von Isebel. Dabei ist nicht gemeint, dass hier irgendwelche Geister oder Spukwesen am Werk sind, sondern dass sie sich so verhält wie Isebel. Das ist gemeint.

Jesus Christus schreibt weiter: „Ich gab ihr Zeit, Buße zu tun von ihrer Unzucht.“ Unzucht bedeutet immer unerlaubte sexuelle Verbindungen. Zur Erinnerung: Für den biblisch-christlichen Gott ist Sexualität nur zwischen einem Mann und einer Frau erlaubt, die in Liebe und Treue eine lebenslange Ehe eingegangen sind. Alles darüber hinaus ist nicht erlaubt.

Das Wort „Unzucht“ wird in manchen Bibelübersetzungen auch mit „nicht erlaubte sexuelle Verbindungen“ übersetzt. Häufig ist damit auch gemeint, wenn Menschen den Glauben an den biblisch-christlichen Gott missachten und stattdessen sozusagen „spirituell fremdgehen“.

Jedenfalls schreibt Jesus Christus weiter: „Sie hat nicht Buße getan.“ Jesus hat viel Geduld und ein weiches Herz. Wenn Menschen wirklich bereit sind, Buße zu tun, ihre Sünde anzuerkennen, ihr ins Gesicht zu sehen und daran zu arbeiten, und um Jesu Hilfe bitten, ist Jesus extrem geduldig.

Aber wenn Menschen keine Buße tun, sondern hartherzig bleiben und in ihrer Arroganz und Hochmut weiterfahren, findet er das nicht gut. Jetzt schreibt er weiter: „Siehe, ich werfe sie auf ein Bett, und die, welche mit ihr Ehe brechen, in große Drangsal, wenn sie nicht Buße tun über ihre Werke.“ Das ist nicht gut.

Die theologische Bedeutung von Götzendienst und falscher Lehre

Worum geht es hier eigentlich? Worum handelt es sich bei der Gefolgschaft dieser Isebel? Es geht um heidnische Christen, die von ihrer Vergangenheit geprägt sind und eine falsche Lehre vertreten. Diese falsche Lehre wird in der Bibel manchmal als Götzendienst bezeichnet.

Götzendienst bedeutet nicht nur, dass man vor antiken Statuen niederfällt, auch wenn das ein Beispiel dafür ist. Es geht vielmehr darum, dass man ein falsches Bild von Gott hat. Das ist genau das, was Gott bereits in den Zehn Geboten sagt: Du sollst kein Bildnis machen. Denn jedes Bildnis ist immer falsch. Du sollst dir kein eigenes Gottesbild einbilden, sondern den echten, biblisch-christlichen Gott kennenlernen. Dafür muss man die Bibel lesen.

In diesem Zusammenhang bedeutet Götzendienst also, nicht die Bibel zu erforschen, um den biblisch-christlichen Gott wirklich zu verstehen. Stattdessen versucht man, sein eigenes Gottesbild zu schaffen. Das führt automatisch zu falschen Glaubenspraktiken.

Deshalb ist reine Lehre kein Selbstzweck. Reine biblische Lehre ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, weil sie immer Folgen für dein Handeln hat. Zum anderen, weil es um dein ewiges Heil geht. Hier können wir uns keine Missverständnisse oder Grauzonen erlauben. Das ist einfach zu gefährlich.

Jesus Christus sagt weiter: „Und ihre Isebels Kinder will ich mit dem Tod schlagen.“ Dazu muss man wissen, dass „Kinder“ in diesem Kontext von alttestamentlichen Propheten ein hebräisches und griechisches Wort ist, das häufig für die Anhänger steht. Wenn zum Beispiel von den „Söhnen des Propheten“ die Rede ist, bedeutet das im Hebräischen oft die Anhänger des Propheten. Sehr wahrscheinlich sind also die Anhänger von Isebel gemeint.

„Will ich mit dem Tod schlagen“ – die Sünde führt zum Tod, wen überrascht das? Alle Gemeinden werden erkennen, dass ich, sagt Jesus Christus, derjenige bin, der Nieren und Herz erforscht.

Nieren und Herz sind ebenfalls besondere Begriffe. Das Herz ist in der Bibel, auch im Hebräischen, der Sitz der Gedanken. Die Nieren sind der Sitz der Gefühle. Das heißt, Jesus Christus sagt, dass er unsere Nieren erforscht, also unsere Empfindungen und Gefühle. Er sieht, welche Gefühle wir zulassen, welche wir vielleicht nicht zulassen und in welche wir uns vielleicht auch hineinsteigern. Außerdem erforscht er unser Herz, unser Denken.

Dann sagt er weiter: „Ich werde jedem einzelnen von euch geben nach seinen Werken.“

Die Bedeutung von Werken im biblischen Gericht

Jeder, der bibelfest ist, weiß das bereits: Immer wenn in der Bibel steht, dass jemand nach seinen Werken oder Taten beurteilt wird oder dass nach seinen Taten abgegolten wird, ist das fast immer eine schlechte Nachricht. Es ist nichts Gutes daran. Werke beziehen sich häufig auf die Taten, die wir begangen haben – und zwar meist auf die schlechten Taten.

Wie du wahrscheinlich weißt, kannst du schlechte Taten, die du begangen hast, nicht einfach durch gute Taten ausbügeln. Du kannst nicht sagen: „Ja, ich habe Steuerhinterziehung begangen, aber ich habe gleichzeitig für Brot für die Welt gespendet.“ So funktioniert das nicht. Ebenso kannst du nicht sagen: „Ich bin bei Oma Winkelmann von nebenan eingebrochen und habe sie ausgeraubt, aber ich habe auch schon mal Suppen für Obdachlose verteilt.“ Das funktioniert nicht so.

Wenn du nach deinen Taten beurteilt wirst, wird eine Sünde als Sünde beurteilt – egal, was du vorher oder nachher gemacht hast. Es geht um die Sünde, um das Verbrechen.

Wenn dort steht: „Ich werde jedem Einzelnen geben nach seinen Werken“, dann ist das eine Gerichtsbotschaft. In dem Sendschreiben heißt es weiter: „Einige hier haben erkannt die Tiefen des Satans.“ Natürlich gibt es viel Spekulation darüber, was genau das sein könnte. In manchen Facebook-Gruppen findest du dazu allerlei Mutmaßungen. Aber lassen wir das außen vor.

Die Antwort findest du im Text selbst, wenn du einfach die Verse davor und danach liest. Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn du in der Bibel etwas nicht verstehst, solltest du erstens einfach weiterlesen und dich nicht sofort an etwas festbeißen. Zweitens klären sich die meisten Dinge wirklich auf, wenn du weiterliest und die Verse davor oder danach, beziehungsweise die Kapitel davor und danach liest.

Deshalb solltest du niemals nur einen einzelnen Bibelvers lesen, sondern immer den Zusammenhang beachten. Das ist wichtig.

Falsche Moral und falsches Gottesbild als Gefahr

Worauf bezieht sich das? Es bezieht sich auf falsche Moral, also falsches Verhalten im Alltag, und auf ein falsches Gottesbild.

Als deutliches biblisches Beispiel kannst du dir die Situation vorstellen, in der der erste Johannesbrief geschrieben wurde. Dieser Brief entstand in einer Zeit, in der Menschen behaupteten, als Christ könne man tun, was man wolle – besonders mit dem eigenen Körper. Die Behauptung dieser Leute war, dass Christsein etwas Spirituelles in der unsichtbaren Welt sei. Was man mit seinem Körper in der physischen Welt mache, sei dagegen völlig egal und habe angeblich keine Auswirkungen auf die spirituelle Welt. So sieht Gott das aber nicht.

Im ersten Johannesbrief wird von solchen Leuten gesprochen. Wir wissen auch aus anderen Quellen, dass es sich dabei um Christen handelt, die meinen, sie könnten total faul sein. Sie könnten jeden Tag ausschlafen, nicht nur am Wochenende oder an Feiertagen, sondern wirklich jeden Tag. Sie müssten sich nie anstrengen oder Mühe im Alltag geben. Das funktioniert aber nicht.

Diese Menschen könnten auch gefräßig sein, sich vollessen, wie sie wollen, ohne auf ihre Linie oder Gesundheit zu achten. Dabei gibt es wenige Dinge, die gesundheitlich so schaden können wie Übergewicht – vorausgesetzt, man kann es steuern. Auch zu viel Alkohol schadet, obwohl der biblisch-christliche Gott und das Neue Testament nichts gegen ein Glas Wein haben. Es gibt aber ein Zuviel, und diese Grenze kann bei jedem anders sein.

Drogen passen sowieso nicht zur Bibel. Auch die Vorstellung, sexuell mit wem man will, funktioniert so nicht. Der biblisch-christliche Gott hat aus bestimmten Gründen – die wir immer besser verstehen – sehr klare Vorstellungen davon, wie Sexualität gelebt werden soll. Nämlich innerhalb der Ehe. Einfach mit wem man will zu schlafen, passt nicht zur Nachfolge Jesu.

Wenn wir Christen werden, müssen wir wirklich einen Cut machen und sagen: Nein, jetzt machen wir es anders. Wir versuchen uns an dem zu orientieren, was im Neuen Testament steht. Im ersten Johannesbrief, in der Situation, in der er geschrieben wurde, gab es Leute, die behaupteten, man könne mit seinem Körper machen, was man wolle. Das funktioniert nicht!

Ihre Begründung war teilweise: „Du sollst nicht richten. Wer bist du, mir zu sagen, wie ich mein Leben führen soll?“ Eine Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass die meisten Menschen, die vom Christentum keine Ahnung haben, immer nur zwei Bibelverse kennen: „Du sollst nicht richten“ und „Gott ist Liebe“. Als ob damit alles gesagt wäre oder alles Wesentliche, worum es im Neuen Testament und in der Bibel geht.

Das Kuriose ist, dass in beiden Bibelstellen nur wenige Sätze später von Verdammnis, Gericht und Gottes Strafe die Rede ist. Doch davon will kaum jemand etwas wissen. Das ist merkwürdig.

Jedenfalls führt das dazu, dass manche Christen denken, Gebote seien für sie irrelevant. Später hat sich übrigens in derselben Stadt auch die Sekte der Montanisten niedergelassen und ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Sie drifteten in eine ganz andere Richtung ab und sagten, man müsse sich an ultra strenge Gebote halten, sonst komme man überhaupt nicht in den Himmel.

Damals war an diesem Ort nicht klar, wie das mit Geboten und Körperlichkeit zu handhaben ist. Das war ein Thema, das diskutiert wurde.

Nächstes Jahr werde ich ein eigenes Video dazu veröffentlichen, welche Gebote für dich und mich als Christen heute relevant sind und welchen Stellenwert Gebote für Christen überhaupt noch haben. Wenn du möchtest, kannst du die Glocke unter diesem Video aktivieren. Dann wird dir mein Video zu den Geboten und ihrem Stellenwert angezeigt.

Die Bedeutung von geistlicher Wachsamkeit und biblischer Grundlage

Heute nur so viel als Gedanke hier in diesem Zen-Schreiben:

Es ist so, dass wir als wiedergeborene Christen durch Gottes Gnade vor Gott diplomatische Immunität haben. Wir können nicht mehr verurteilt werden. Aber nur weil wir diplomatische Immunität haben, heißt das nicht, dass wir spirituell unverwundbar sind – denn das sind wir nicht.

Was sagt Jesus jetzt dieser Gemeinde, was sie tun soll? Diese Gemeinde ist sozial engagiert, all das. Aber hinter den Kulissen ist der Glaube, den sie haben, nicht wirklich auf fester biblischer Grundlage. Wenn man ganz, ganz fies wäre – ich übertreibe jetzt mal massiv, ich mache es absolut unfair schwarz-weiß – könnte man sagen, dass vom Kopf her nichts dahintersteckt. Da ist ganz viel Herz dabei, ganz viel Emotion, ganz viel Aktionismus und so weiter. Aber es ist nicht wirklich ein durchdachter, reflektierter, bewusst entschiedener Glaube.

Das Gegenteil von Ephesus sozusagen, wenn du das ein bisschen übertreiben willst. Ephesus war diese Gemeinde, die so hartherzig und dogmatisch war, bei der es vor allem darum ging, an der richtigen Lehre festzuhalten – manchmal auch auf Kosten von Menschenliebe. Diese Gemeinde hier ist genau das Gegenteil. Es sind Menschen ohne christliche Vergangenheit, die Gottes tun wollen und deshalb vielleicht Christen werden. Oder sie verfangen sich in liberaler Theologie, wo es vor allem darum geht, gegen Recht zu sein, sich für das Klima zu engagieren, politisch aktiv zu werden und zu versuchen, die Welt im politischen Sinne zu verändern. Aber das ist es eigentlich nicht.

Was sagt Jesus zu ihnen? Er sagt: „Doch, was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme.“ Was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme.

Jetzt denkst du dir vielleicht: Okay, was hatten sie denn? Na ja, dieses „Was ihr habt, haltet fest“ – hör mal, was dazu in der Apostelgeschichte steht. Dort heißt es, es ist einer der wichtigsten, besten und schönsten Verse der Bibel, wir können so dankbar sein, dass wir ihn haben: „Sie, die jungen Christen, hielten beharrlich fest an folgenden Dingen: an der Lehre der Apostel, an der geschwisterlichen Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und am gemeinsamen Gebet.“

Was heißt das also? Das Leben eines Christen zeichnet sich durch folgende Dinge aus:

Das Gebet. Christsein ohne Gebet funktioniert nicht.
Das Brechen des Brotes. Das bedeutet zusammenzukommen, das Abendmahl in Gemeinschaft zu feiern und diese Gemeinschaft zu haben sowie miteinander Dinge zu teilen.
Die Gemeinschaft überhaupt, die geschwisterliche Gemeinschaft. Christsein allein funktioniert nicht. Ich habe es mal ein paar Jahre meines Lebens probiert. Es war eine der dümmsten und folgenreichsten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Ich bereue es massiv, tu es nicht. Als Christ brauchst du die Gemeinschaft.
Und sie hielten beharrlich fest an der Lehre der Apostel. Was ist das? Die Lehre der Apostel findest du heute im Neuen Testament. Im Neuen Testament haben wir die Lehre der Apostel in Reinform.

Das heißt, du und ich können genau das machen, was die ersten Christen in Apostelgeschichte 2 gemacht haben. Und wir können genau das machen, was die Gemeinde dieses Sehnschreibens tun sollte.