Zum Inhalt

Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 9

Jesu Leben und Lehre | Episode 739
Matthäus 23,29-3219.08.2026
SerieTeil 6 / 8Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
Ehrst du Glaubenshelden nur mit Worten, während du ihren Mut heute meidest? Wer Wahrheit feiert, aber ihr im Alltag ausweicht, macht das eigene Maß voll.

Einleitung und Ausgangspunkt des Weherufs

Gott wird Mensch. Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 739: Wehe-Rufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 9
 Matthäus 23,29-31
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben.
Zum siebten Mal ein Weh, diesmal geht es um die Vergangenheit. Und ich habe mich gefragt, wie das heute aussehen könnte. Ich meine das Schmücken der Grabmäler. Wie ehrt man heute verblichene Märtyrer und verhält sich gleichzeitig wie ihr Feind?
Hier mal ein paar Ideen:
Man schmückt Grabmäler, wenn man Luther als mutigen Reformer feiert, aber gleichzeitig jeden Ruf nach Korrektur oder Veränderung aus den eigenen Reihen abwehrt, weil man ihn nur als Angriff auf die Einheit, die Tradition oder den Gemeindefrieden versteht.
Man schmückt Grabmäler, wenn man die Täuferbewegung dafür feiert, dass sie ihrem Gewissen treu gefolgt ist, während man gleichzeitig in der eigenen Gemeinde Geschwister unter Druck setzt, damit die bloß nicht aus der Reihe tanzen.
Man schmückt Grabmäler, wenn man begeistert die Biografien von Missionaren liest, die alles für Jesus riskiert haben, und im selben Moment die Geschwister belächelt und vielleicht ein wenig verachtet, die bewusst ihren Lebensstandard herunterschrauben, auf Haus oder Karriere verzichten, nur um mehr Zeit fürs Evangelisieren zu haben.

Äußere Verehrung und innere Distanz

Man schmückt Grabmäler, wenn man sich an Erweckungsprediger erinnert, die Sünde klar beim Namen genannt haben, aber dann jeden aktuellen Aufruf zur Buße als lieblos, zu direkt oder spalterisch abtut. Oder man lobt Paulus für seine Klarheit gegenüber falschen Lehrern, findet es aber unpassend, wenn heute öffentlich vor Irrlehrern gewarnt wird.
Man schmückt Grabmäler, wenn man gute geistliche Bücher längst verstorbener Autoren sammelt. Aber wenn es darum geht, die Wahrheit dieser Werke ins eigene Leben zu übertragen, dann reicht es plötzlich, sie im Bücherschrank stehen zu haben.
Merkt ihr, worum es immer wieder geht? Der ehrfürchtige Blick zurück kann zu einer Ausweichbewegung werden. Ich bewundere den Glauben vergangener Generationen, damit ich mir nicht die Frage stellen muss, ob derselbe Glaube heute mein eigenes Leben prägt. Ich stelle mich formal auf die Seite der alten Helden, aber ich bin gleichzeitig nicht bereit, ihr geistliches Leben zu imitieren. Ich verbinde mich äußerlich mit ihren Idealen, aber im Innern bleiben mir ihre Prioritäten und ihre Hingabe an den Herrn Jesus fremd.

Ein praktischer Umgang mit geistlichen Vorbildern

An dieser Stelle ein banaler Tipp: Lies Bücher, um anders zu werden. Lies sie nicht, um sie gelesen zu haben. Lies geistliche Bücher, um dich prägen zu lassen. Weniger ist da manchmal mehr. Vorbilder sollen uns inspirieren, achte aber darauf, dass sie das auch wirklich tun. Belasse es nicht bei dem guten Gefühl, ein Buch gelesen zu haben. Habe beim Lesen immer einen Bleistift zur Hand, um dir Notizen zu machen. Und wenn du dann merkst, dass es da etwas gibt, auf das der Heilige Geist dich aufmerksam machen möchte, dann schreib es auf und wage kleine Experimente der Veränderung. Das und nur das ist Wandel im Geist.

Das Maß der Schuld und die Logik des Gerichts

 Matthäus 23,32. Und ihr macht nur das Maß eurer Väter voll.
Das hier ist prophetische Ironie und kein bisschen positiv gemeint. Wer das Maß der Väter vollmacht, der bringt das eigene Volk an den Rand von Gottes Gericht.
Ein kurzer Blick in die Geschichte: Als Gott mit Abraham einen Bund schließt, lesen wir in 1. Mose 15,13: Und er sprach zu Abram: Ganz gewiss sollst du wissen, dass deine Nachkommenschaft Fremdling sein wird in einem Land, das ihnen nicht gehört. Und sie werden ihnen dienen, und man wird sie unterdrücken vierhundert Jahre lang.
Die Frage ist: Warum diese vierhundert Jahre Wartezeit und Unterdrückung, bis Israel endlich ins verheißene Land einziehen darf? Die Antwort hört sich so an in 1. Mose 15,16: Und in der vierten Generation werden sie hierher zurückkehren, denn das Maß der Schuld der Amoriter ist bis jetzt noch nicht voll.
Merkt ihr: Das Maß der Schuld der Amoriter ist bis jetzt noch nicht voll. Gott ist kein willkürlicher Gott, der Völker einfach so bestraft. Er wartet mit dem Gericht, bis das Maß der Schuld voll ist.
Wenn Jesus also davon spricht, dass seine Gegner das Maß der Väter voll machen, dann ist das ein deutlicher Hinweis auf ein Gericht, auf das sie hinarbeiten. Gericht kommt, wenn die Schuld ausgereift ist.

Paulus, die Verfolgung und die heraufziehende Konsequenz

Etwa zwei Jahrzehnte später schreibt Paulus an Heidenchristen über die Juden, 1. Thessalonicher 2,14-15:
Denn Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind, in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt wie auch sie von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind.
Hier beschreibt Paulus, was Jesus vorhersagt: eine Generation, die sich nicht von der Linie der Vorväter abbringen lässt, sondern den Herrn Jesus und die Propheten tötet und dann die Apostel verfolgt. Und dann formuliert der Apostel in 1. Thessalonicher 2,16:
Indem sie, um ihr Sündenmaß stets voll zu machen, uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit sie gerettet werden. Aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.
Zwei Dinge sind hier interessant. Zum einen machen sie das Sündenmaß voll, indem sie die Apostel davon abhalten, den Heiden das Evangelium zu predigen. In Gottes Augen ist es eben nicht nur eine schlimme Sünde, seine Boten zu verfolgen und zu töten. Ebenso schlimm ist es, wenn man die Rettung von verlorenen Menschen behindert. Auf welche Weise auch immer: Wo ich das tue, werde ich ganz praktisch zum Feind aller Menschen.

Gottes Langmut, aber auch sein endgültiges Handeln

Und noch etwas ist hier interessant. Paulus formuliert, dass der Zorn endgültig über sie gekommen ist. Jetzt wissen wir, dass der Zorn über das Volk Israel erst siebzig nach Christus hereinbrechen wird. Dann wird Titus Jerusalem einnehmen, weite Teile der Stadt sowie den Tempel zerstören und das Volk deportieren. Und doch formuliert Paulus: Der Zorn ist endgültig über sie gekommen.
Paulus beschreibt hier das Schicksal des jüdischen Volkes von außen, aus der Perspektive Gottes. Mag der Höhepunkt von Gottes Zorn noch zwanzig Jahre in der Zukunft liegen, so ist er doch schon eine bereits wirksam gewordene Realität. Hier ist etwas endgültig entschieden, das Maß ist voll, das Gericht Gottes steht vor der Tür.
Gott ist ein langmütiger Gott. Er warnt und wartet, er gibt Zeit zur Besinnung und Buße. Er reagiert nicht im Affekt, aber er reagiert. Bei den Amoritern wartet er vierhundert Jahre, bis ihre Schuld voll ist. Bei den Juden zur Zeit Jesu wartet er ungefähr vierzig Jahre, bis sich sein Zorn über sie ergießt.
Wie gesagt: Gott warnt und wartet, aber er wartet nicht unbegrenzt. Wenn das Maß der Schuld voll ist, kommt sein Gericht, gerecht, entschieden und unausweichlich über die Schuldigen.

Schlussappell und abschließender Rat

Was könntest du jetzt tun? Frage dich, ob du jemand bist, der Grabmäler von Glaubenshelden schmückt, aber ihre Leidenschaft nicht imitiert.
Das war’s für heute. Der Tipp aller Tipps: Lern Bibelverse auswendig, jede Woche wenigstens einen, und wiederhole die gelernten. Das Wort muss ins Herz.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.