Einleitung
Jesus befand sich auf seiner letzten Reise nach Jerusalem. Er wusste,
dass er die schreckliche Hinrichtung durch das Sterben am Kreuz vor sich
hatte.
In Jericho machte Jesus halt und war beim Zöllner Zachäus zu Gast.
Zachäus wurde durch diese Begegnung zu einem eifrigen Anhänger von Jesus.
Jesus sagt den Leuten, was sein wirklicher Auftrag ist:
Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was
verloren ist. (Lk 19,10)Und dann lesen wir weiter
Alle Leute hatten gehört, was Jesus zu Zachäus sagte. Deshalb, und weil
Jesus nun auch schon nahe bei Jerusalem war, meinten sie, die neue Welt
Gottes werde in allernächster Zukunft anbrechen. Darum fügte Jesus noch
ein Gleichnis hinzu. (11)
Die Gäste bei Zachäus waren also der Überzeugung, dass Jesus, weil er
nun nach Jerusalem reiste, dort die Herrschaft über Israel ergreifen
werde. Eben die Friedensherrschaft, auf die das Volk Israel so sehnlichst
wartete. Die Ankündigungen von Jesus, dass er einen Leidensweg vor sich
habe, wurden von seinen Jüngern einfach nicht richtig wahrgenommen,
obwohl er es deutlicher nicht hätte sagen können.
Sie werden ihn auspeitschen und töten, doch am dritten Tag wird er
auferstehen.« (Lk 18,33)Noch nach der Kreuzigung äusserten sich die enttäuschten Jünger zu ihren
Hoffnungen.
Und wir hatten doch gehofft, er sei der erwartete Retter, der Israel
befreien soll! Aber zu alledem ist heute auch schon der dritte Tag,
seitdem dies geschehen ist! (Lk 24,21)Selbst als Jesus nach seiner Auferstehung mit den Jüngern sprach,
interessierten sie sich für das Königreich Gottes. Sie fragten Jesus.
Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Königreich für
Israel? Apg.1,6.
Die Erwartung ist richtig, der Zeitpunkt ist einfach ein anderer. Jesus
wird kommen und sein Königreich aufrichten – aber später. Mit einem
Gleichnis versucht nun Jesus bei Zachäus zu Hause zu erklären, wie sein
Weg und vor allem auch der Weg seiner Nachfolger aussehen wird.
(Lk.19,11-27 wird gelesen)
I. Die Zeit der Bewährung (12-14)
1 Der aktuelle Bezug
Jesus greift eine Begebenheit auf, die in Israel sehr gut bekannt war.
Ein Mensch von hoher Herkunft, einer aus königlicher Geschlecht, zieht
in ein fernes Land, um das Königtum zu empfangen, um dann als
beglaubigter König in sein Land zurückzukehren.
Er betraut seine Diener, die in dieser Zeit für ihn arbeiten sollen,
mit einer kleinen Summe. Sie sollen wirken bis er wieder kommt.
Die Bürger des Landes, senden eine Gesandtschaft hinter dem Fürst her
um dem, der ihm das Königtum zuspricht zu sagen:
Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.
Dies ereignete sich genau so nach dem Tod des Herodes des Grossen.
Herodes wollte seinen Sohn Archelaos zum König machen. Dies hielt er in
seinem Testament fest.
Er behielt aber vor, dass der Kaiser in Rom dieses Testament noch
beglaubigen musste. Er überliess die letzte Entscheidung dem Kaiser in
Rom, ob Archelaos König werden soll oder nicht.
So zog Archelaos, ein brutaler Herrscher, der bevor er nach Rom reiste,
im Tempelbezirk in Jerusalem ein Blutbad anrichtete, mit seinen
Verwandten nach Rom, eben in ein fernes Land, damit er vom Kaiser als
König beglaubigt werde.[1]
Übrigens war dieser Archelaus der Grund, weshalb die Familie von Jesus
von Ägypten ins galiäische Land zog (Mt.2,22).
Als er aber hörte, daß Archelaus in Judäa König war anstatt seines
Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum
empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land. Mt.2,22.
Eine Gesandtschaft von 50 Mann, Bürger aus Israel, Juden, reisten
ebenfalls nach Rom, unterstützt wurden sie durch über 8000 Juden, die in
Rom lebten. Sie verlangten vom römischen Kaiser, dass er Archelaos nicht
als König einsetze. Trotzdem wurde er provisorisch eingesetzt.[2]
Dieses Ereignis, das den Juden in Israel gut bekannt war greift Jesus
nun auf, um es auf sein Königtum anzuwenden.
2 Die Situation Jesu
Jesus ist von königlichem Geschlecht. Wie Archelaos geht er in ein
fernes Land, d.h. er geht zum Vater im Himmel, um sein Königtum zu
empfangen.
Damit weist Jesus auf sein Sterben, seine Auferstehung und Himmelfahrt
hin.
Er rief zehn seiner Diener und gab jedem Geld, in der Höhe von etwa 100
Tagelöhnen. Ein relativ geringer Betrag, ca. 4 Monatslöhne.
D.h. sie mussten nicht das Königreich verwalten, bis er wiederkommt,
was die Diener des Archelaos mussten. Diese Diener bekamen nur eine
geringe Summe, mit der sie arbeiten sollten.
Die Bürger, die dem Mann nachreisten, sind die Juden, die Jesus nicht
als Messias anerkannten.
Jesus macht damit deutlich: Ich werde das Königreich noch nicht
aufrichten, sondern ich werde euch zuerst für eine gewisse Zeit
verlassen.
Ihr werdet eine kleine Schar sein und euch bewähren müssen. Handelt mit
dem, was ich euch gegeben habe bis ich zurückkomme.
Jeder Diener bekommt gleichviel oder besser: gleichwenig.
Der angehende König möchte offenbar sehen, ob ihm seine Diener treu
sind.
Anwendung
Das ist unsere Situation. Wenn wir ewiges Leben haben, so sind wir in
derselben Situation.
Unser König ist weg. Niemand kann ihn sehen. Er hat uns durch den
heiligen Geist eine Art Anzahlung gemacht, wie das Paulus den Ephesern
erklärt:
Durch Christus habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, die Gute
Nachricht, die euch Rettung bringt, und ihr habt es im Glauben
angenommen. Durch Christus hat Gott euch den Heiligen Geist gegeben,
den er den Seinen versprochen hatte; damit hat er euch sein Siegel
aufgedrückt. (13) Dieser Geist ist das Angeld dafür, dass wir auch
alles andere erhalten, alles, was Gott uns versprochen hat. Gott will
uns die Erlösung schenken, das endgültige, volle Heil - und das alles
wird geschehen zum Lobpreis seiner Herrlichkeit. (Eph 1,13-14)Dieser Geist wird nun in unserem Leben wirksam. Wir leben nun nicht
mehr aus unserer eigenen Kraft, sondern aus Gottes Kraft. Aber eben, Gott
nimmt uns nicht einfach in Besitz. Wir können den Geist Gottes auch
hindern, in dem, was er in uns bewirken will.
Aber eines ist für uns ganz wichtig. Jesus überfordert uns nicht. Er
erwartet nicht, dass wir die Welt auf den Kopf stellen. Er gibt uns eine
kleine Aufgabe, die wir bewältigen sollen und auch können.
II. Die Zeit der Abrechnung (15-26)
1 Die Belohnung (15-19)
Nun kommt der Fürst als rechtmässiger König zurück. Er wird jetzt die
Regierung offiziell und vor aller Augen antreten.
Zuerst lässt er seine Leute zu sich kommen, er will mit ihnen abrechnen
und sie belohnen. Der erste kommt und sagt:
Herr dein Pfund Silberstücke hat zehn Pfund eingebracht. 16.
Beachtlich ist die Bescheidenheit dieses Mannes. Er spricht nicht von
dem was er mit seinem Pfund erreichte. Nicht seine Leistung stellt er in
den Vordergrund, sondern die Gabe seines Königs: Dein Pfund hat zehn
Pfund eingebracht.
Hier kommt die Haltung zum Ausdruck, die ein richtiger Knecht haben
sollte, so wie Jesus sagt:
So ist es auch mit euch. Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch
befohlen hat, dann sagt: 'Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur
getan, was uns aufgetragen war.'« (Lk 17,10)Der König rühmt diesen Diener, der in aufrichtiger Weise dem König
zurückgeben will, was er erwirtschaftet hat:
Sehr gut", sagte sein Herr, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du in
so kleinen Dingen zuverlässig warst, mache ich dich zum Herrn über zehn
Städte". 17.
Nun bekommt dieser Knecht einen Lohn, der alle Erwartungen übersteigt.
Er wird Verwalter über zehn Städte.
Dasselbe auch beim zweiten Knecht. Er hat fünf Pfund erwirtschaftet und
wird über fünf Städte gesetzt.
Ihre Macht ist unverhältnismässig gross, die sie bekommen im Vergleich
zu dem immer noch kleinen Ertrag.
Der König wollte nur die Treue dieser Knechte prüfen.
Anwendung
Es hängt nicht davon ab, wie mächtig und einflussreich wir sind. Jesus
möchte dass wir ihm treu sind. So sagt Jesus der Gemeinde in
Philadelphia:
Ich kenne euer Tun. Ich habe euch eine Tür geöffnet, die niemand
zuschliessen kann. Eure Kraft ist nur klein. Trotzdem habt ihr euch
nach meinem Wort gerichtet und das Bekenntnis zu mir nicht widerrufen.
(Offb 3,8)Wenn wir Gottes Wort bewahren, und das heisst nicht nur, wenn wir es
wissen, sondern wenn wir entsprechend leben, dann sind wir treue Diener.
Gott wird es uns lohnen, wie diesen Dienern. Nicht der Erfolg ist das
Ausschlaggebende. Der, welcher fünf Pfund zurückbrachte wurde nicht
getadelt, weil er weniger hatte als der andere. Es gibt keinen absoluten
Massstab.
2 Die Strafe (20-26)
Der dritte Mann hatte nun ein Problem, sein Geld vermehrte sich nicht.
Er hat auch eine Begründung:
Ein dritter aber kam und sagte: 'Herr, hier hast du dein Pfund
Silberstücke zurück. Ich habe es im Tuch verwahrt und immer bei mir
getragen. (20) Ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist.
Du hebst Geld ab, das du nicht eingezahlt hast, und du erntest, was du
nicht gesät hast.' (Lk 19,20-21)Wie kommt der Mann bloss auf eine solche Idee? Die ersten beiden Männer
sind der Beweis dafür, dass der König ihnen mehr anvertraute, als sie
erarbeitet hatten.
Und hat der König dem Mann dieses Pfund nicht ohne eine Gegenleistung
gegeben? Nichts musste er für dieses Pfund tun. Er hat es einfach
geschenkt bekommen.
Nur weil er zu faul war den Auftrag wahrzunehmen, klagt er den König
der Unbarmherzigkeit an. Was für eine Ungeheuerlichkeit, welch eine
Frechheit.
Dieser Mann hatte noch nicht begriffen wer er ist. Er sieht die wahren
Verhältnisse verschoben, anstatt sich selbst anzuklagen, wagt er es den
König anzuklagen und ihn in ein schlechtes Licht zu rücken.
Der König antwortet nicht weniger deutlich, er sagt zu ihm:
Zu ihm sagte der Herr: 'Du Nichtsnutz, du hast dir selbst das Urteil
gesprochen. Du wusstest also, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich
abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät
habe. (22) Warum hast du dann mein Geld nicht wenigstens auf die Bank
gebracht? Dort hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen
wiederbekommen.' (Lk 19,22-23)
Die Worte dieses Mannes habe seine Gesinnung verraten. Er ist ein böser
Diener. Seine Anklage gleicht eher eine Ausrede, als einem wirklichen
Tatbestand.
Würde er der Überzeugung sein, dass sein Herr ein harter Mann ist, dann
hätte er doch gearbeitet und das Geld mindestens so angelegt, dass es
Zinsen erbringt, um einer Strafe zu entgehen.
In Wahrheit war es Gleichgültigkeit und Ungehorsam des Dieners, der zu
Folge hatte, dass er keinen Ertrag einbrachte.
Der König lässt ihm das eine Pfund abnehmen und dem geben der bereits
zehn hat. Die dabeistanden verstanden das nicht, denn jener hatte doch
schon zehn, aber Jesus antwortet ihnen:
Aber der König erwiderte: 'Ich sage euch, wer viel hat, soll noch mehr
bekommen. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das Letzte weggenommen
werden. (Lk 19,26)
Anwendung
Jesus macht uns damit etwas ganz drastisch deutlich: Wir können uns
nicht auf unserer Rettung ausruhen. Jesus erwartet, dass wir wirken bis
er kommt. Er will, dass wir dem Heiligen Geist Raum geben und die Rettung
nicht einfach für uns aufbewahren.
Jesus will uns an der Arbeit finden wenn er zurückkommt. Wer ist nun
dieser Diener, der sein Pfund vergraben hat?
Er ist einer der Jesus kennt, der um die Rettung weiss, der aber nicht
bereit ist Opfer zu bringen. Er ist ein Mensch, der den Heiligen Geist
nicht wirken lässt. Er ist egozentrisch, kümmert sich vor allem um sich
selbst.
Es hängt sicher mit dem Bild zusammen, das wir gewöhnlich von Gott
haben – ein nicht sehr tiefes, aber gängiges Bild: Gott ist zweifelos ein
Gott der Liebe – also wahnsinnig nett. Aber so stimmt das Bild nicht. Wir
assoziieren Liebe" schnell mit nett", freundlich" – und ganz tief
drinnen harmlos". Das Bild eines harmlosen Gottes aber hat nie
gestimmt.[3]
Es ist ein Gläubiger, der in einer gewissen Gleichgültigkeit seinen Tag
so dahinlebt, er nimmt vermutlich an Veranstaltungen wie Bibelstunden,
Gottesdienste usw. teil, aber selbst nicht tätig ist in der Arbeit für
den Herrn. Er würde nie wirklich eine Aufgabe übernehmen, die seine
Freiheit einschränken könnte. Das Motto: Hauptsache ich bin gerettet. Bei
dieser Gesinnung tut man so wenig als möglich. Man meint, Gott müsse
zufrieden sein, wenn wir uns schlechter Handlungen enthalten.
Der Diener scheint noch so knapp davon zu kommen. Er bleibt noch
Diener. Es ist zu vergleichen mit der Beschreibung des Paulus:
Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes
legen. (11) Es wird auch nicht verborgen bleiben, was jemand darauf
baut, ob Gold, Silber oder wertvolle Steine, ob Holz, Schilf oder
Stroh. Am Tag des Gerichts wird sich erweisen, ob es Bestand hat. Dann
wird die Feuerprobe gemacht: Das Werk eines jeden wird im Feuer auf
seinen Wert geprüft. (12) Wenn das, was ein Mensch gebaut hat, die
Probe besteht, wird er belohnt. (14) Wenn es verbrennt, wird er
bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so, wie jemand gerade noch
aus dem Feuer gerissen wird. (1.Kor 3,11-15)Wie steht es mit Deinem Werk?
Vielleicht möchte Jesus auch, dass Du Dich für die Mission oder für
einen anderen Dienst bereitstellst und vorbereitest, dann tue es. Es
lohnt sich!
III. Das Gericht (27)
Nun fällt der König das Urteil über die Bürger, die ihn nicht
anerkannten als König. Er bezeichnet sie als seine Feinde.
Sie werden nicht in das Königreich aufgenommen, sondern sie werden hart
bestraft. Wie es auch zur damaligen Zeit üblich war.
Evangelisation
Das ist das Bild für das jüngste Gericht. Alle die Jesus nicht als
König anerkennen und ihm dienen, werden verloren gehen.
Hast Du Jesus schon als Herrn und König anerkannt?
Jesus sagt deutlich:
Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn
hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht
zugrunde gehen, sondern ewig leben. (16) Gott sandte den Sohn nicht in
die Welt, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten.
(17) Wer sich an den Sohn Gottes hält, wird nicht verurteilt. Wer sich
aber nicht an ihn hält, ist schon verurteilt, weil er Gottes einzigen
Sohn nicht angenommen hat. (18) So geschieht die Verurteilung: Das
Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die
Dunkelheit mehr als das Licht; denn ihre Taten waren schlecht. (Joh
3,16-19)
Gerne helfe ich bei diesem Schritt, ein richtiger Knecht dieses Königs
zu werden.
Schluss
Jesus erklärt mit diesem Gleichnis, dass die Jünger eine Zeit der
Bewährung vor sich haben. Das zu recht erwartete Königreich wird nicht so
schnell anbrechen, wie sie gedacht hatten.
Wir leben heute immer noch in diesem Spannungsfeld. Jesus hat uns
gerettet, der Heilige Geist wohnt in uns und er möchte, dass wir wirken,
solange bis Jesus als König sichtbar in Erscheinung treten wird.
Wie steht es um dein Pfund? Vermehrt es sich in Deinem Leben oder hast
Du es vergraben?
Ich wünschte, dass Jesus zu jedem von uns sagen kann, wenn er kommt:
'Sehr gut', sagte sein Herr, 'du bist ein tüchtiger Diener. Weil du in
so kleinen Dingen zuverlässig warst, mache ich dich zum Herrn über zehn
Städte.' (Lk 19,17)
Amen
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[1]Jos.bell. II,2.ff.
[2]Jos.bell. II,6.1ff o. II, 80ff.
[3] Wolfram Kopfermann
