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"Geistesgaben: Die Einheit der Gemeinde"

04.04.2011
SerieTeil 7 / 17Gaben in der Gemeinde
Nicht jede Begeisterung kommt von Gott. Entscheidend ist: Dient sie der Gemeinschaft – oder macht sie nur laut? Paulus zeigt, warum jeder zählt und keiner allein stark ist.

Einführung in das Kapitel und seine Ausgangslage

Heute: 1. Korinther, Kapitel 12. Das Thema lautet: Lektionen aus dem zwölften Kapitel des ersten Korintherbriefes zum Thema Gnadengaben.
Ich möchte mit euch wirklich nur eine Sache tun: Ich möchte mit euch Stück für Stück durch diesen Brief, durch dieses Kapitel gehen und schauen, was Paulus dort der Gemeinde zu sagen hat.
Wer sich mit dem ersten Korintherbrief vielleicht nur ganz kurz beschäftigt hat, ihn wirklich nur durchgelesen hat, der weiß: Dort werden verschiedenste Themen angesprochen. Das beginnt dann meistens mit einem Satz wie: Was aber betrifft ... Dann weiß man: Aha, hier kommt etwas Neues.
Es ist wirklich ein Brief. Briefe sind sehr spezifische Dinge. Und hier ist es ein Brief, der auf zwei Quellen zurückgeht. Zum einen hatte Paulus ein Gespräch mit Leuten, die ihn in Ephesus besucht haben und gesagt haben: Hör mal her, so sieht das gerade in der Gemeinde aus. Kannst du uns da mal helfen?
Und zum zweiten gibt es im Hintergrund einen Brief mit Fragen, die er beantwortet.

Der erste Prüfstein für geistliche Rede

Wenn er also hier schreibt: Erste Korinther, Kapitel zwölf, Vers eins, was aber süß ist, oder? Wir freuen uns mit euch, also ganz ehrlich, ja, lasst sie schreien! Ihn, sorry, sorry, ja, wie konnte ich nur, das darf man nicht machen, also lasst ihn schreien, lasst sie schreien.
Also, was aber die geistlichen Gaben betrifft, 1. Korinther 12,1, was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder – das Wort Brüder kann man übersetzen oder sollte man hier mit Geschwister übersetzen, weil der Grieche dort, wo er Brüder sagt, Geschwister meint? Er meint also alle Leute in der Gemeinde, Männer und Frauen. Was aber die geistlichen Gaben betrifft, so will ich nicht, dass ihr ohne Kenntnis seid.
Die Korinther waren Praktiker, vorneweg. Aber mit der Theorie und damit, was das alles bedeutet und wie das alles funktioniert, ja, da war es eher schwierig. Das ist so, wie wenn ein Mann ein Ikea-Regal aufbaut und die Anleitung erst einmal zur Seite legt. Man möchte sich erst einmal selbst beweisen, und die Anleitung kommt dann später, wenn alles steht und man noch so irgendein Teil in der Hand hat und denkt: Das gehört da rein.
Und so ähnlich waren auch die Korinther mit den geistlichen Gaben. Sie sind einfach vorweggeschossen, wollten etwas erleben, wollten Gott praktisch. Und Stück für Stück muss Paulus dann noch ein bisschen Theorie nachlegen, um ihnen zu zeigen, wie es denn jetzt richtig geht. Denn im Moment stehen sie in ihrer Gemeinde so wie der mit dem Ikea-Regal da: Eigentlich ist das schon Gemeinde, aber da ist noch so ein Teil in der Hand. Das muss da noch irgendwie rein, da muss noch einmal Ordnung geschaffen werden.

Rückblick auf die frühere religiöse Prägung

Und er sagt jetzt zu ihnen, Vers 2: Ihr wisst, dass ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja fortgerissen wurdet.
Es gibt also beides: Man kann Heide sein, und man kann Christ sein. Und er denkt: Denken wir doch einmal zurück, wie war das, als ihr Heiden wart?
Ihr wisst, dass ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja fortgerissen wurdet.
Es gab eine Zeit, da drehte sich euer ganzes Denken um Erfahrungen, die überhaupt nichts mit Gott zu tun hatten. Und ich habe mir überlegt: Das ist natürlich für uns sehr fremd. Man muss sich das einmal vorstellen: Da geht jemand in so einen Tempel hinein, und dort steht eine riesige Götterstatue. Und wir gehen da heute hinein und denken: Na ja, schick irgendwie. Aber wir würden überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, dass uns das anspricht.
Aber stell dir einmal vor, das wäre keine Götterstatue, sondern da wäre der neueste Harry Potter herausgekommen. Und du merkst: Leute, die nie gelesen haben, werden plötzlich dazu gebracht, sich nachts um zwölf mit einem Kostüm vor einen Laden zu stellen und nur darauf zu warten, dass er endlich ausgeliefert wird. Und nicht ein Kind, sondern Tausende, Zehntausende auf der ganzen Welt. Und du denkst dir: Was passiert hier?
Also, ich meine, es ist ja gut, wenn Bildung vorangetrieben wird. Aber irgendwie steckt da schon etwas dahinter. Das ist ja merkwürdig.
Oder wenn du dir die Massen in einem Fußballstadion einmal anschaust. Natürlich steht da nicht in der Mitte so eine Götterstatue. Aber wenn du mir sagst, da passiert nichts, da ist keine Macht dahinter, da werden Leute nicht angesprochen, und zwar über ein normales Maß hinaus, also über das hinaus, was üblich ist, wenn elf Männer hinter einem Lederball herlaufen, dann stimmt das nicht. Da passiert etwas. Da ist eine Dynamik dahinter.

Inhalt statt bloßer Begeisterung

Und Paulus sagt: Erinnert euch mal, wie war das bei euch? Spirituelle Dynamik vor eurem Leben als Christ, was hat euch begeistert? Da gab es eine Zeit, da waren das stumme Götzenbilder. Da wart ihr Heiden.
Und die Korinther haben dieses Problem, dass sie diese Leidenschaft, diese Begeisterung wieder haben wollen. Sie wollen etwas erleben mit Gott. Und ihnen ist ein Stück weit eigentlich egal, was da passiert, Hauptsache, es geht ab. Also Hauptsache ist es richtig so, da brummt der Bär, da muss einfach etwas passieren. Und Hauptsache, es passiert, Hauptsache, es hat Fetz. Was dann im Detail passiert, ist ihnen ein bisschen weniger wichtig.
Also jetzt ein Beispiel: Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet – das ist jetzt für uns schwierig, weil wir die Szene nicht genau kennen. Hintergrund ist: Die Korinther treffen sich zum Gottesdienst, und viele von denen haben eine Gabe, wo sie im Geist Gottes reden können. Das heißt, sie können Dinge sagen, von denen sie denken, es kommt irgendwie von Gott. Sie sind, ich sage es mal, Leute, die gerne ekstatisch darauf losreden. Und jeder denkt: Super, da kommt was über mich, das muss jetzt aber auch raus. Und alle blubbern da was zusammen, und es gibt ein heilloses Durcheinander.
Wie gesagt: Die Korinther, reich begabt, aber sehr auf dieses Lass es krachen, Freunde, ausgerichtet. Und da passieren alle möglichen Sachen, und Paulus muss sagen: Wenn jemand redet – und das ist nur ein Beispiel dafür, wie man eine geistliche Gabe nutzt –, wenn das eine Redegabe ist und der redet drauf los und der denkt sich: Boah, ich weiß gar nicht, was ich ... Dann hör mal genau hin, was der da sagt. Denn ich tue euch kund, dass niemand, der im Geist redet, sagt: Fluch über Jesus. Oder man kann das auch anders übersetzen: Jesus sei verflucht.
Da denkst du dir: Es kann doch keiner im Gottesdienst gesagt haben: Jesus sei verflucht. Da stellt sich doch keiner hin. Also, wenn das mal jemals passiert, jemand geht hier vorn und sagt: Jesus sei verflucht, den hole ich von der Kanzel. Ich hoffe, jeder holt ihn von der Kanzel und sagt: Stopp, du kannst viel von der Kanzel machen, aber das kannst du nicht sagen.
Anscheinend gibt es bei den Korinthern tatsächlich Leute, die da dachten: Na ja, Hauptsache, es kommt irgendwo her, Hauptsache, ich fühle mich da so getrieben. Und sie haben quasi jeden inneren Impuls, jeden Moment der Begeisterung immer gesagt: Du musst doch vom Heiligen Geist kommen. Und Paulus sagt: Stopp, schau dir mal den Inhalt an. Nicht alles muss vom Heiligen Geist kommen, das kann woanders herkommen. Und deswegen ist es wichtig, dass er sie hier aufklärt.
Und gleichzeitig sagt er: Das gilt natürlich nicht nur negativ, das gilt auch positiv. Niemand kann sagen: Herr Jesus. Und jetzt heißt das jetzt nicht, dass nicht ein Scharlatan Jesus Herrn nennen könnte, sondern ehrlichen Herzens, so geistlich ehrlich, Jesus Herrn nennen, kann niemand, außer nur im Heiligen Geist.
Wir sind mitten in diesem Thema Geistesgaben drin. Ein Beispiel genommen, wichtiger Punkt: Schau dir den Inhalt an. Nicht dass etwas passiert, ist interessant, sondern was passiert. Begeisterung erzeugen ist relativ einfach, geistliche Impulse bekommen ist auch relativ einfach. Aber den richtigen Inhalt zu erkennen und dann zu wissen, dass wirklich der Geist Gottes mich getrieben hat, das ist die Kunst.

Einheit in Vielfalt: Geist, Herr und Gott

Vers 4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben. Okay, das sollte euch bewusst sein. Inzwischen hat der eine oder andere 1. Petrus 4,10 schon gelernt. Wenn nicht, ich werde euch so lange damit nerven, bis ihr ihn, ohne ihn zu lernen, irgendwann auswendig könnt: wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat usw.
Also, es gibt Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist. Unterschiedliche Begabungen in der Gemeinde – dahinter steckt ein einziger, ein und derselbe Heilige Geist.
Und dann geht es weiter: Es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und es ist derselbe Herr. Spannender Gedanke: Ich bin begabt, nicht damit ich sage, meins gebe ich nicht mehr her, das behalte ich jetzt, sondern ich bin begabt, um das, was ich habe, einem Herrn zur Verfügung zu stellen.
Ich habe in euer Skript „Chef“ reingeschrieben. Wo Herr steht, meinen wir eigentlich Chef: jemand, der sagt: Super, mit der Gabe hätte ich so eine Idee, wo du sie anwenden kannst. Ich habe da eine Gemeinde, in der du sie anwenden kannst. Ich habe konkrete Situationen, wo du sie anwenden kannst. Ich bin der Herr, der das, was du jetzt hier hast, was du vom Geist bekommen hast, benutzen möchte.
Und das da hinten, was rauskommt, Vers 6, das kommt von Gott, dem Vater. Und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles wirkt.
Wir merken, dass die Dreieinigkeit als Konzept hier in der Reihenfolge Geist, Sohn, Vater etwas ist, was hinter diesen ganzen Gaben steckt. Wenn das nicht so wäre, wenn Gott einfach nur uns begaben würde, einfach nur sagen würde: Ich schmeiße jetzt die Gabe auf dich, dann wären wir ganz schön verloren. Denn wir wüssten gar nicht, was wir damit machen sollen.
Aber weil es nicht nur eine Gabe gibt, sondern zu der Gabe einen Herrn, der diese Gabe einsetzen will, und einen Gott, der mit seiner Kraft durch uns wirkt, deshalb macht das ganze Gabenthema so viel Sinn.

Offenbarung, Nutzen und die Vielfalt der Gaben

Vers 7: Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes gegeben.
Es ist spannend, dieses Wort Offenbarung. Denkt jetzt aber nicht an das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, okay? Offenbarung heißt: Da kommt etwas hoch, da wird etwas sichtbar. Wie wird so etwas sichtbar? Nun, ich schaue mir mein Leben an und denke mir: Ja, stimmt, das bin ich.
So ist es. Du warst das vorher schon, aber dir war es vielleicht noch nicht so klar. Wenn wir bei der Heilungsgabe vom letzten Mal bleiben: Ja, irgendetwas ist da. Stell dir vor, du bekommst das mit. Wenn ich für Leute bete, mich um Leute kümmere, passiert tendenziell mehr. Da wird etwas sichtbar, da wird etwas offenbar. Und deswegen kann der Begriff hier, Offenbarung des Geistes, als Synonym verwendet werden für Geistesgaben.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. Und jetzt wirst du sagen: Super, was meinst du? Dieses Wort, das hier mit Nutzen übersetzt ist, kommt von einem Begriff, der heißt zusammentragen. Es meint einen Nutzen allgemeiner Art. Es ist wiederum nicht die Idee: meins, schön, dass ich so begabt bin, super, ich werde mit meiner Gabe mein Leben jetzt mal maximal befüllen. Sondern immer ist die Idee dahinter: Gott begabt mich, um nach außen zu wirken und anderen zum Nutzen zu sein.
Dann kommt diese erste Aufzählung in Kapitel 12, wo verschiedene Gaben beschrieben werden. Ich lese da nur darüber; wir kümmern uns ja um die einzelnen Gaben oder haben uns schon gekümmert. Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist, keinem anderen Geist, einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, einem anderen aber Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidung der Geister, einem anderen aber verschiedene Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. Da gehen wir noch darauf ein, auf jede einzelne.
Für uns ist nur klar: Es gibt wirklich ganz unterschiedliche Gaben. Und dann heißt es: Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist. Es sind nicht verschiedene Geister, die in uns drinstecken. Das ist wichtig für Leute, die aus dem Heidentum kommen, weil die natürlich mit ihren okkulten Praktiken Erfahrungen gemacht haben, lebendige Erfahrungen mit ganz, ganz unterschiedlichen Geistern, mit unterschiedlichen dämonischen Strömungen, esoterisch-okkulten Strömungen und da Verschiedenes erlebt haben. Und jetzt muss klar sein: Wir haben nur noch einen Geist, nämlich den Heiligen Geist, der uns prägt.
Und dieser eine Geist teilt jedem besonders aus, wie er will. Ganz schöner Punkt und ganz wichtiger Punkt. Ich möchte aber etwas anderes haben. Nochmal: Gott gibt, wie er will. Jedem besonders, also auf seine persönliche Weise, aber doch so, wie er will.
Und wir haben das das letzte Mal besprochen: Da steckt eine Gefahr drin bei diesem wie er will, weil es uns in die Position versetzt, suchen zu müssen. Ja, was habe ich denn? Vorhin sagtest du, bei einigen ist das sichtbar, die haben es gut. Stimmt, ja, ist wirklich so. Wenn du so ein Quatschetyp bist wie ich, kommt das relativ schnell in unserer Gesellschaft raus, weil du immer mal reden musst. Und wenn du dann feststellst, dass dir das leichter fällt, denkst du: Suche ich mal in die Richtung.
Bei anderen wird es schwieriger. Und trotzdem: Gott gibt, wie er will. Gott hat eine Idee dahinter. Es ist nicht so wie beim Mäxchenspiel: brrrr, bam! Ja, was haben wir denn, schauen wir mal drunter. Nicht so mischen und was rauskommt, spielt eigentlich keine Rolle. Sondern Gott überlegt sich, was könnte die Gemeinde brauchen, was passt zu dem. Und das überlegt er sich wahrscheinlich schon in dem Moment, wo er sich das erste Mal dich denkt, wo so das erste Mal der Gedanke aufkommt: Du. Und fragt mich nicht genau, wann das ist.

Der Leib als Bild für Gemeinde

Warum macht Gott das? Warum macht er die Verteilung der Gaben eigentlich zur Chefsache? Warum sagt er: Das geht nach meinem Kopf?
Es hätte doch auch so sein können: Du wirst Christ, und danach fällt dir aus dem Himmel so ein Blatt Papier runter. Das liegt dann morgens, wie bei der Zahnfee, unterm Kissen. Und da sind alle Gaben drauf, und du darfst einmal ankreuzen. Bei manchen Leuten ist das ja, wenn man so am Frühstücksbuffet in Hotels ist, manchmal ein bisschen wie Ankreuzen, was man will.
Ja, warum macht Gott das nicht? Warum sagt er: Mir egal, was du willst?
Er meint es. Der Grund findet sich ab Vers zwölf. Gott hat dahinter eine Idee. Und weil Gott mit seinen Ideen immer ein bisschen klüger ist als wir, weiß er halt, was er tut. Und wir müssen uns da bei ihm einklinken, wenn wir mit dieser Idee, die er hat, an sein Ziel kommen wollen.
Ein Vergleich:
Denn wie der Leib, mein Körper, einer ist. Sinnig, ich habe wirklich nur einen. Ihr könnt in mein Schlafzimmer gehen, alle Schränke aufmachen, da ist kein zweiter Jürgen drin. Ich bin einer.
Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, also ein Beispiel: ein Finger, noch ein Finger, noch ein Finger, verschiedene Glieder, ein Leib. Eins, zwei, drei, vier, fünf und so weiter. Dann gibt es die hier noch an der Seite, die hier vorne. Und ich bin wirklich verschieden.
Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, und alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: Du kannst nicht sagen, mein Finger, das ist Jürgen. Wenn Sie ihn abschneiden, hasst mich nicht, sondern der Finger gehört irgendwie dazu. Und alle zusammen bilden mich.
So auch der Christus. Gemeint ist der Leib Christi oder, wie wir gleich sehen werden, die Gemeinde: ein Leib, verschiedene Glieder, verschiedene Begabungen, die zusammenwirken und die ein funktionierendes Ganzes ergeben.
So viel die Theorie. Das muss man erst mal leben und umsetzen. Aber das ist die Theorie dahinter, die Gott hat.

Zugehörigkeit durch den Geist

Vers 13: Denn in einem Geist könnte man etwas schicker übersetzen mit: Mit einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden. Gemeint ist nicht die Taufe, die jemand empfängt, wenn er sich bekehrt und dann zum Glauben findet und sich taufen lässt, sondern der Moment der Bekehrung, in dem wir den Geist Gottes empfangen. Weiter unten heißt es dann auch: und sind alle mit einem Geist getränkt worden.
Jeder Christ hat den Heiligen Geist. Und weil er den Heiligen Geist hat, gehört er zur Gemeinde. Und weil er den Heiligen Geist hat, ist er Teil am weltweiten Leib Christi. Dieser weltweite Leib Christi ist nun noch einmal unterteilt in greifbare Strukturen, wie zum Beispiel die Gemeinde hier. Es ist einfach schwer, so etwas zu verwalten, das einfach ein Stück größer ist und, sagen wir mal, ich weiß nicht, wie viele zig Millionen Leute umfasst.
Also bricht Gott das herunter und sagt: Das Prinzip gilt im Großen wie im Kleinen. Im Großen, weltweit, sind alle begabt. Aber ich kann das herunterbrechen: Ihr Korinther bildet das im Kleinen ab, ihr Spandauer bildet das im Kleinen ab.
Spinnt Paulus so ein bisschen weiter: Wie ist das denn im Körper?

Wenn ein Teil sich ausgeschlossen fühlt

Vers 15: Wenn der Fuß spräche: „Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib“, dann wäre das so, als würde dein Fuß morgens aufwachen und sagen: „Ich gehöre nicht dazu, ich bin keine Hand.“ Dann würdest du dir denken: Was hast du denn für ein Problem? Dann sagt der Fuß: „Ich will Hand sein.“ Und du denkst: Du bist aber mein Fuß. „Nein, ich will Hand sein.“ Aber du bist der Fuß.
Wenn wir dieses Fuß-Hand-Beispiel nehmen, dann müssen wir darüber lachen. Wenn der Fuß spräche: „Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib“, gehört er deshalb nicht zum Leib? Gehört er nicht dazu, nur weil er gerne etwas anderes wäre? Nein, er gehört dazu.
Und wenn das Ohr spräche: „Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib“, dann ist das genauso. Stell dir vor, dein Ohr würde morgens aufwachen, in den Spiegel schauen und sagen: „Ich gehöre nicht dazu. Ich fühle mich ja ausgegrenzt. Ich wäre gern etwas anderes.“ Und jetzt spinnen wir das weiter. Stell dir vor, wir denken das zu Ende: Wenn der ganze Leib Auge wäre, dann müsst ihr euch ein Auge vorstellen, das 1,80 Meter groß ist. Du stehst vor diesem Auge, und es schaut dich an. Ja, das wäre kein Leib, das wäre ein Monster. Das ist das Augenmonster. Das kann auch nur eine Sache: dich anschauen. Und dann hört es auch schon auf.
Also: Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Und wenn alles nur Gehör wäre, wo wäre der Geruch? Stell dir vor, du hättest so einen großen Waschel da. Der fällt dann sowieso um und kann eh nichts riechen. Also, das kann es irgendwie nicht sein.
Wir merken das schon: Wenn wir alle dieselbe Gabe hätten, wenn wir quasi alle dasselbe Megaauge wären, dann könnten wir in dieser Welt überhaupt nichts bewirken.

Gottes Platzanweisung und die Würde der Schwachen

Vers 18 Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen am Leib. Das ist ein ganz wichtiger Gedanke: Gott überlegt sich genau, da gibt es den einen, da gibt es die andere, dich ganz persönlich nehme ich und setze ich mit der Begabung an einen bestimmten Punkt. Das ist vielleicht Teil der größten Würde, die wir haben.
Gott will nicht, dass wir alles machen. Sondern Gott möchte, dass wir genau das tun, wozu er uns bestimmt hat, so wie er es wollte.
Vers 19 Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib? Das wissen wir schon: Wenn alle dieselbe Gabe hätten, dann stellt euch mal vor, alle würden Prediger sein. Nehmen wir dieses schöne Beispiel. Und sonntags rangeln wir uns hier vorne, alles auf der Bühne, und wir haben dann zwanzig Stunden Sonntagsgottesdienst, weil ja jeder seine Predigt bringen muss. Na, viel Spaß, das ist doch Quatsch. Kein Kaffeetrinken, kein Kuchen, nichts, einfach nur 20 Stunden. Da möchtest du auch nicht größer als 50 Mann werden. Also: Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib? Den würde es nicht geben, der würde einfach hinten runterfallen.
Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib. Das ist die Realität.
Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Das ist ganz wichtig. Das eine ist: Ich möchte etwas anderes sein. Da sagt Paulus: Quatsch. Jetzt drehen wir den Spieß mal um. Haha, ich bin hier das Auge, und du, Ohr, dich will ich nicht. Ich komme ohne dich klar. Nein, es ist genau so falsch. Oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.
Ja, stell dir mal vor, du wachst morgens auf, und dein Kopf sagt zu deinen Füßen: Ey, ich brauche euch nicht. Und die Füße sagen: Na, das schauen wir mal. Ja, und du stehst auf und fällst erst mal um, weil du stellst fest, dass du die Füße doch brauchst. Und dann liegt das Haupt da auf dem Boden und kommt nicht mehr richtig hoch, weil es ja keine Füße hat.
Und ich verstehe, wenn einer sagt: Ja, ich bin aber nicht so gerne Fuß. Ja, wenn du sagst: Super, ich bin in der Gemeinde der, der durch den Schlamm watet und die Hauptlast trägt. Klasse, vielen Dank! Das macht vielleicht keinen Spaß. Diese Idee, hier würde ich gern etwas anderes sein, kann ich voll verstehen. Nur wenn du das nicht annimmst, was du bist, oder wenn du sagst: Ich schaffe es alleine, ich komme ohne die anderen klar, dann irrst du dich einfach.
Es geht sogar noch einen Schritt weiter, und jetzt treibt Paulus die Analogie mit dem menschlichen Körper fast auf die Spitze, sondern in Vers 22 gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen. Und jetzt mit schwächer: Wenn man das auf Menschen überträgt, ist damit gemeint, es sind Menschen, die von ihrem Charakter oder von ihrer Herkunft her oder vielleicht, wenn man ihre Begabung nach den Maßstäben der Welt beurteilt, wie sie da draußen ankämen, nicht so viel hermachen.
Sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig.
Vers 23 Und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit reichlicherer Ehre. Das Letzte, was du ausziehst, ist die Unterhose. Es gibt nun mal Dinge, da schämt man sich so ein bisschen, die zeigt man nicht jedem. Die Sache, wo du so ein bisschen dich für schämst, wo du sagst: Nee, das soll nicht jeder sehen. Da passen wir auf, reichlichere Ehre, eine Lage mehr, ein bisschen einfach vorsichtig sein. In der Sauna das extra lange Handtuch, so in die Richtung, das ist das, was er hier meint.
Das kennen wir beim menschlichen Körper, und das darf bei Gemeinde ähnlich sein. Wir dürfen die, so lautet hier das Wort, die nicht anständigen, die unschicklichen Glieder mit größerer Wohlanständigkeit umgeben.
Und dann sagt er in Vers 24: Unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Denn wir müssen ja übertragen. Wenn du Prediger bist, dann bist du im Bild der Mund, der etwas redet. Das ist immer cool, logisch, ja, da muss man sich, das hat immer so irgendwie, das mögen alle.
Wenn du, nehmen wir an, du wärst der Blinddarm, man sieht dich gar nicht so richtig, bist irgendwie wichtig, weiß noch nicht so genau wozu, aber du gehörst auch dazu. Wie kriege ich das denn hin, dass so ein Blinddarm nicht irgendwann denkt, was wir vorhin gelesen haben: Weil ich nicht Mund bin, bin ich doch eh nichts wert? Wie mache ich denn das in einer Gemeinde? Wie lebe ich dieses Prinzip, dass nicht irgendwann jemand sagt: Na, ich bin so schwach begabt, also wenn man mich aus der Mitgliederliste streichen würde, würde nichts zusammenfallen. Vielleicht stimmt das sogar faktisch von den Abläufen her.
Und hier kommt ein ganz wichtiges Prinzip, was für Älteste von einer ganz hohen Bedeutung ist, wenn sie Gemeinde leiten wollen. Da heißt es nämlich: Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben. Gott hat sich Körper ausgedacht, und was hier steht mit Mangelhafterem, das klingt so, dass es missverständlich übersetzt. Ich will es mal anders übersetzen: das Mangleidende, das zu kurz Gekommene.
In einer Gemeinde gibt es Schwache, das ist das, was Paulus sagt. Es gibt Menschen, die, wenn du sie anschaust, merkst du schon, die sind von ihrem Hintergrund her, von dem, was sie mitbringen, sie sind tatsächlich Gezeichnete. Und sie kommen in Gemeinde hinein. Und sie müssen in Gemeinde etwas erfahren.
Erstens: Ich werde mit meiner Gabe ernst genommen. Zweitens: Auch wenn ich nicht der Hyperbegabte bin, den man an jeder Ecke predigen hört und immer sieht, der so als Aushängeschild der Gemeinde fungieren kann, der bei jeder The Rock Voice irgendwie auf dem Bild drauf ist oder so. Der Job besteht darin, dass wir begreifen: Diese Menschen sind nicht nur nicht weniger wert, sondern wir haben die Aufgabe, ihnen größere Ehre zu geben.
Gerade diesen Mangel auszugleichen, dafür zu sorgen, dass Leute in die Gemeinde hineinkommen, die draußen sowieso am Rande der Gesellschaft stehen, die draußen sowieso am Arbeitsplatz immer gesagt bekommen: Na, du kriegst es doch eh zu nichts. Und jetzt kommen die in Gemeinde, und wir müssen sie lernen, mit den Augen Gottes zu betrachten, als absolut begabte, wertvolle, von Gott geliebte Menschen, die hier etwas erfahren an Wertschätzung. Die erfahren, sie werden gebraucht.
Wir können ihnen das vielleicht nicht abnehmen, dass sie ihre eigene Berufung und Begabung erkennen, da müssen sie selber sich auch ein bisschen mit reinhängen. Aber wir können ihnen in der Gemeinde Wertschätzung vermitteln und ihnen zeigen, dass wir sie haben wollen.
Denn in Gottes Idee von Gemeinde gibt es zwei Prinzipien. Das eine lautet: Wir sind eine Einheit. Das zweite Prinzip lautet: Wir leben diese Einheit dadurch, dass wir uns umeinander kümmern.
Das finden wir in Vers 25, damit keine Spaltung im Leib sei. Gott will eines auf keinen Fall: Er will keine Spaltung. Wir können uns nach vielem ausstrecken, aber was nicht passieren darf, ist Spaltung. Wo ein Christ in einer Gemeinde dazu beiträgt, dass Spaltung passiert, dass Gemeinde sich in Grüppchen aufteilt, ja, die womöglich auch so ein bisschen gegeneinander sind, dann kann ich dir sagen: Du hast Gott gegen dich.
Gott hat sich Gemeinde gerade ausgedacht, damit das nicht passiert. Weil wenn das nicht so laufen würde wie hier, dann würde es die Macher und Überflieger geben. Die würden sich in ihrem Club treffen, so wie es Business Clubs gibt, wo du nicht mal reinkommst. Da kann ich klingeln, und die lassen mich nicht mal rein. Da brauche ich eine offizielle Einladung oder so eine Membership Card. Dann würden sich die Macher treffen, und die Schwachen, die, wo Jesus sagt: Ich habe ein Herz für die Schwachen, ich will die Schwachen, ich will die, die es alleine nicht schaffen. Ich möchte die Gezeichneten, ich möchte die Beladenen, ich möchte die Mühseligen.
Das geht so weit, dass das Neue Testament sagt: Gott hat die Schwachen, das Schwache, erwählt. Gott sagt: Ich bin für die, die sonst keinen Fürsprecher haben. Ich bin für die, die emotional gezeichnet sind. Ich bin für die, die selber nicht mehr weiter wissen. Ich bin für die, die ihre eigenen Grenzen nur zu gut kennen. Ich bin für die, die kaputte Beziehungen erlebt haben und vielleicht immer noch erleben. Ich bin für die, die anderen Menschen wehgetan haben und nicht wissen, wie sie aus diesen Verhaltensweisen herauskommen. Ich bin für die, für die Sünde nicht nur so ein abstrakter Begriff ist, sondern die auf die letzte Woche zurückschauen und sagen: Da und da und da und da. Für die bin ich.
Und ich schaffe jetzt eine Gemeinschaft, in der die aufgefangen werden und wo es eine Mischung gibt aus denen, die ein Stück stärker sind, und denen, die ein Stück schwächer sind. Wo ich jeden einzelnen begabe. Wo keiner sagen kann: Ich komme ohne den anderen klar. Wo keiner sich hinstellen kann und sagen kann: Ja, aber ich bin nichts wert. Weil jeder begabt ist. Und das nenne ich Leib Christi, und das wird abgebildet in einer Gemeinde.

Mitleiden, Mitfreuen und das gemeinsame Leben

Und wenn wir wissen wollen, wie sich das anhört, dann so: damit keine Spaltung im Leib ist, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander haben. Keine Spaltung, Einheit, gegenseitige Fürsorge dadurch, dass wir uns umeinander kümmern.
Es ist genauso falsch, von einem Leiter zu erwarten, dass er sich um alle kümmert, weil man sich zurücklehnt und sagt: Na ja, sollen sie doch machen, jetzt haben sie den Job, viel Spaß. Es ist genauso falsch, das zu denken, wenn ich selbst jemand bin, der die Begabung hat, sich um andere zu kümmern, und ich mich zurückziehe. Genauso falsch ist es, wenn der Leiter sagt: Na ja, komm, die anderen brauche ich sowieso nicht. Es muss immer ein Miteinander sein.
Im Beispiel in Vers 26: Wie sieht so ein Miteinander aus? Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Soll ich es euch zeigen? Das ist sehr simpel. Wenn ich an diese Kerze gehe und ich halte meine Hand über diese Kerze, dann leidet meine Hand, und es tut wirklich weh. Und wenn ich das hier lasse, dann fackelt nicht nur meine Hand ab und wird irgendwann unten drunter ein bisschen schwarz, und ich habe eine Brandblase, sondern ich sage dir: Schon diese Hand, die ganz weit weg ist, möchte da nicht sein, die leidet mit. Und sie leidet mit. Ich leide als ganzer Mensch, nur weil eine Hand heiß wird. Ein Glied leidet, alle leiden mit.
Wenn du nicht mitleiden kannst, wenn so ein Tod wie der von Eugen an uns vorbeigeschrammt wäre, so nach dem Motto: Wer ist denn Beate? Na ja, hat ihren Mann verloren, das ist halt so passiert manchmal. Wenn das bei dir so viele Emotionen auslöst, was weiß ich, wie der Tod von dem Hamster deines Nachbarn, dann sage ich dir: Dann hast du ein existenzielles Problem. Dann ist irgendwas schräg. Dann hast du nicht verstanden, wie Gemeinschaft funktioniert.
Wenn du dich nicht gefragt hast: Bin ich der oder diejenige, die hier trösten soll? Dann weiß ich noch nicht. Also vielleicht sagst du: Nee, das ist nicht mein Ding. Wenn ich sie getröstet hätte, hätte sie danach noch mehr geheult. Ja, es gibt solche unter uns. Ich weiß, warum ich in der Situation nicht anrufe. Ja, sorry, ich kann es nicht. Ich bin viel zu wenig empathisch in der Situation.
Aber wir müssen uns das fragen. Wir müssen uns einlassen auf Leid. Und das andere: Wenn ein Glied verherrlicht wird, wenn einem etwas richtig gut gelingt. Ich habe vorhin für den Ehekurs gebetet, den Bärbel und ich in Schwante machen. Wenn dich das total kalt lässt, dann hast du ein Problem. Dann lebst du keine Einheit. Dann ist das für dich etwas, wo du sagst: Ja, ich habe meinen Stiefel, ich mache mein Ding.
Also: Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Und wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Berufung statt Konkurrenz

Nur so funktioniert, was in Vers 27 steht: Ihr aber seid Christi Leib und einzeln genommen Glieder. Das ist die Idee.
Bitte versteht das jetzt nicht als Joch, nach dem Motto: Ach, was muss ich noch alles in der Gemeinde tun? Sondern versteht es als eine Idee. Du sollst das tun, wozu du berufen bist, und das, wozu du nicht berufen bist, lässt du sein. Und dann schaust du ein wenig, wie du dich in den Kreis einbringen kannst. Finde deinen Platz.
Denkt nicht ständig darüber nach: Ich muss Auge, Ohr, Mund, Blinddarm, ach, was weiß ich, und was es sonst noch für Därme gibt, Nieren, Herz, Lunge sein. Das muss nicht alles sein. Das ist Quatsch. Du bist eine Sache. Die müssen wir finden, die müssen wir leben.
Und wenn wir das leben und wenn wir das tun, wozu wir berufen sind, dann kommt auch nicht dieser Gedanke auf: Oh, es ist ja immer mehr und immer schwerer. Dann tue ich das, wozu ich da bin. Und dann finde ich in dem, was ich tue, Erfüllung, selbst wenn ich viel arbeiten muss und selbst wenn viel los ist.

Weitere Dienste und die Frage nach dem Größeren

So, dann schließt er am Ende noch einmal mit einer Liste von Gaben ab. Die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt: erstens zu Aposteln, zweitens zu Propheten, drittens zu Lehrern. Dann kommen Kräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen und so weiter, und so weiter, und so weiter.
Dann fragt er in Vers 29: Sind etwa alle Apostel? Und er fragt das ganz bewusst so, dass man schon weiß, wie die Antwort ist. Man muss also nicht lange darüber nachdenken: Nein, sind alle Apostel? Nein. Sind alle Propheten? Nein. Sind alle Lehrer? Nein. Also keine zwanzig Stunden Gottesdienst am Horizont, ihr müsst keine Angst haben. Haben alle diese Wunderkräfte? Nein. Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Nein.
Ich weiß noch nicht, wer sie letzte Woche hatte, und für den Fall, dass euch nicht klar ist, was Wolfgang erzählt hat: Jetzt ist hinten, ja. Für mich ist das wirklich ein Wunder, weil ich nicht damit gerechnet hätte. Wolfgang hat diese Sache verschleppt, so nach dem Motto: Ich höre zwar nicht mehr, und ich kann es mit meinem Hörgerät ein bisschen regeln, und irgendwann reicht das dann nicht mehr. Und Wolfgang ist irgendwie, wie viel später bist du zum Arzt gegangen? Genau, 14 Tage nach einem Gehörsturz, wo man normalerweise sagt: Was? Auch nicht. Ach so, ja, wo man normalerweise sagt: Sofort ins Krankenhaus, sofort Infusion. Wolfgang ist da ein bisschen entspannter. Ich kann ja noch ein bisschen lauter drehen, es ist noch nicht so, ich höre überhaupt noch was, lassen wir laufen.
Und er ist nur zum Arzt gegangen, weil es wegen einer anderen Sache war, nicht wahr? Das war gar nicht so geplant. Und jetzt sagt er: Alles wieder gut. Wo du normalerweise sagst: In seinem Alter, entschuldigung, wenn ich das so sage, ja, da kannst du froh sein, wenn dann hinten noch etwas übrig bleibt an Hörfähigkeit. Da regeneriert sich etwas Übernatürliches, und ich stehe davor und denke mir: Schon interessant. Ich weiß noch nicht, was ich damit mache, aber ich finde es total interessant.
Und wenn ich von dem kleinen Aaron höre, für den wir, glaube ich, das erste Mal, oder ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, mal gebetet haben, dann finde ich das einfach spannend. Bitte, ich baue da keine Theologie drauf, aber ich finde es einfach spannend, was man gemeinsam als Gemeinde erlebt. Und ich denke mir: Lasst uns da in diese Richtung weiterentwickeln.
Reden alle in Sprachen? Nein. Legen alle aus? Nein.
Und jetzt kommt der letzte Vers: Eifert aber um die größeren Gnadengaben. Und das macht anscheinend gar keinen Sinn. Er sagt ein Kapitel lang: Jede Gabe hat ihren Wert. Ein Kapitel lang: Nimm die Gabe an, die du hast. Ein Kapitel lang: Zusammen sind wir ein Team. Was soll dieser Satz? Gibt es jetzt größere und kleinere Sachen? Muss ich jetzt davon ausgehen, dass das Kapitel davor alles unsinnig war? Nein, die Lösung ist relativ einfach.
Ich werde euch jetzt nicht mit Griechisch belasten, aber man kann das auch übersetzen statt „eifert aber um die größeren Gnadengaben“ mit „eifert um die größeren Gnadengaben“. Das ist nämlich genau das Problem der Korinther. Bei den Korinthern gibt es die hippen Gaben. Das sind die, bei denen man am Sonntag in den Gottesdienst kommt und so richtig anderen die Schau stellen kann. Ja, da geht was ab, wenn ich vorne bin, da rockt die Gemeinde. Und alle wollen das.
Und Paulus muss sich Zeit nehmen, ihnen zu erklären: Es gibt gar keine größeren und kleineren Gaben. Jede Gabe hat ihren Wert, ganz persönlich. Was nur wichtig ist, wenn du schon etwas Größeres suchst. Wenn du schon sagst, ich möchte mich ausstrecken, ich möchte weiterkommen, dann überlege zwei Dinge.
Erstens: Wie sieht es mit der Liebe aus in deinem Leben? Das wäre Kapitel 13. Und zweitens: Was braucht die Gemeinde? Das ist dann Kapitel 14. Aber eigentlich ist Kapitel 12 dazu da, uns die Frage zu stellen: Haben wir verstanden, wie Gemeinde funktioniert?
Es ist so leicht, alles an sich zu reißen, weil man irgendetwas anderes sein will, sich nicht mit dem identifiziert, was man selber ist, oder neidisch zu werden: Ich wäre ja auch gerne so wie der und der. Es ist genauso leicht zu sagen: Lasst mich alle in Ruhe, ich habe meinen Part, Game over, ich brauche euch eigentlich nicht.
Aber der Gedanke ist: Wir sind ein Körper, wir sind ein Organismus, und du bist ein Teil davon.

Abendmahl, Selbstprüfung und gemeinsames Gebet

Ich habe mir heute etwas vorgenommen. Ich würde gerne mit euch zusammen diesen Gedanken unterstreichen.
Es gibt in der Bibel ein Symbol, das die Einheit mehr ausdrückt als irgendetwas anderes. Das ist das Symbol des Abendmahls oder des Brotbrechens. Das sind verschiedene Begriffe. Ich möchte kurz erklären, auch für die Gäste, was wir darunter verstehen, damit wir nicht aneinander vorbeireden.
Ich habe das mitgebracht. Der Herr Jesus hat sich in der Nacht, in der er verraten wurde, noch einmal mit seinen Jüngern getroffen und hat mit ihnen ein letztes Mal das Passa gefeiert. Beim Passa geht es darum, dass ein Lamm geschlachtet wird und man es gemeinsam isst.
Was hat er mit seinen Jüngern getan? Er hat mitten hinein in dieses gemeinsame Essen einen Kelch genommen und zu diesem Kelch gesagt: Dieser Kelch, dieses Symbol des Kelches, soll dafür stehen, dass ich mein Blut vergossen habe für euch. Dafür, dass, wenn jemand an Jesus glaubt, er gerechtfertigt ist, seine Schuld ihm vergeben ist und dass er wirklich zu Jesus gehört.
Und das Gleiche macht er mit einem anderen Zeichen. Ich habe das jetzt mal so vorbereitet. Wir haben hier oft einfach ein Brot, von dem jeder etwas abreißt. Ich habe das jetzt mal durch Oblaten ersetzt. Keine Sorge, wer jetzt vielleicht an irgendetwas denkt: Es war einfach ein Versuch, mal etwas auszuprobieren, weil wir da noch nicht so die Art haben, wie wir das miteinander feiern.
Ich möchte euch dann bitten, dass jeder eine Oblate nimmt und dann einfach hier eintunkt, so dass wir nicht dieses Problem haben: Jeder trinkt vom Kelch, der eine findet es eklig und so weiter. Ihr wisst schon. Es wird funktionieren.
Der Herr Jesus nimmt ein Brot und sagt: Lasst uns dieses Brot teilen, so wie das, was hier auf diesem Teller liegt. Und so wie das Brot geteilt wird, so werde ich mich zerteilen lassen, ich werde mich zerbrechen lassen an einem Kreuz für die Schuld.
Das heißt: Wenn jemand diese beiden Zeichen sieht, dann steht das Brot für den Leib Christi, der zerbrochen wurde, und der Kelch steht für das Blut des Herrn Jesus, für die Einheit, für die Gemeinschaft, die er aufgerichtet hat.
Ich möchte jetzt etwas vorneweg tun, was wir noch nie getan haben. Aber ich finde es total spannend. Wenn man in den alten Büchern, so im ersten Jahrhundert, liest, wie sie das gemeinsame Brotbrechen gefeiert haben, dann haben sie immer eine Sache vorneweg getan, die heute noch die evangelische Kirche tut und die wir selten tun: ein Sündenbekenntnis.
Das heißt, man hat sich die Frage gestellt: Wenn ich jetzt diese Zeichen nehme, und diese Zeichen sind also ein Ausdruck dafür, dass ich wirklich ein Jünger Jesu bin, dass ich wirklich von ganzem Herzen Jesus nachfolgen möchte, dass ich diese Entscheidung getroffen habe, mein Leben gehört Gott, wenn ich diese Zeichen nehme, und wer diese Entscheidung für sich nicht getroffen hat, das gilt jetzt sehr für die Gäste, die ich nicht so kenne, es ist kein Ding, es einfach vorbeigehen zu lassen. Es geht aber auch darum, dass diese Entscheidung jetzt getroffen wird, dass man sagt: Ja, das will ich.
Weil manchmal ist es so, dass man im Leben an einen Punkt kommt, an dem man diese Entscheidung immer weiter aufschiebt: Will ich jetzt mit Gott oder will ich jetzt nicht mit Gott? Man hat immer so eine Dreiviertelentscheidung. Und dann ist so ein Symbol eine Möglichkeit zu sagen: Das geht. Das kann man treffen. Man kann das zu sich nehmen und kann sagen: Eigentlich ist das für mich jetzt das Bekenntnis, ich will ganz mit diesem Gott.
Es sind Symbole, die für eine innere Realität stehen, für uns anderen, die wir diese Entscheidung getroffen haben. Wenn wir Gott begegnen, finde ich es eben schön, dass sich Leute in der alten Zeit die Frage gestellt haben: Ist zwischen mir und Gott alles in Ordnung?
Und ich möchte uns ganz kurz die Zehn Gebote geben und euch einfach diese Frage stellen: Wie sah es in der letzten Woche aus? Gibt es da noch Dinge, die bereinigt werden müssen?
Ich mache das deshalb, weil ich mich selber immer wieder dabei ertappe, beim Beten, dass zwar im Vaterunser steht: Und vergib uns unsere Schuld, aber dass mir dieser Gedanke, ich könnte schuldig sein, gar nicht so regelmäßig kommt, dass man an seine eigene Sünde gar nicht so oft denkt.
Ich möchte ein paar Texte von den Zehn Geboten vorlesen. Ich werde nicht das Sabbatgebot vorlesen, das hat den Grund, dass das nicht mehr gilt. Ja, soll ich sagen? Aber es heißt hier: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Wie ist das in deinem Leben? Ist das passiert in der letzten Woche, dass irgendetwas anderes sich in dein Leben hineingedrängt und gezwängt hat und Gott verdrängt hat? Wo man sagte: Eigentlich habe ich dafür gelebt. Und moderne Götter können Karriere sein, können Geld sein, können Beziehungen sein. Wir können versklavt sein unter allem Möglichen. Es kann einfach passiert sein, ohne dass man es so richtig wollte. Ja, man lebt einfach drauf los und plötzlich ist mein Terminkalender mein Gott. Er ist der, der alles in meinem Leben bestimmt, der sogar meine Stimmung bestimmen darf. Ist das in der letzten Woche passiert?
Oder aber dann heißt es: Du sollst dir kein Götterbild machen. Wie habe ich in der letzten Woche über Gott gedacht? War das okay, wie ich da über ihn gedacht habe?
Und dann heißt es da: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht zum Nichtigem aussprechen. Wie bin ich mit Gott umgegangen? Gab es Momente, in denen ich ihn vielleicht angemurrt habe, in denen ich vor ihm davongelaufen bin, in denen ich mir so ein eigenes Gottesbild gemacht habe, in denen ich einfach schlecht mit ihm umgegangen bin? Wenn ja, dann nimm jetzt die Zeit, das vor Gott zu bekennen. Das muss ja nichts Lautes sein, aber dass man es einfach mit Gott in Ordnung bringt.
Du sollst Vater und Mutter ehren: Wie waren unsere Beziehungen in der letzten Woche? Sei es die Beziehung nach oben, da, wo uns Autoritäten begegnet sind, Lehrer, Chef, Ausbildungsleiter. Gab es da Momente, in denen wir uns eigentlich danebenbenommen haben? Haben wir unsere Eltern geehrt oder haben wir über sie schlecht geredet, schlecht gedacht? Waren wir im Umgang miteinander so, weil wir das Ehren ja auf alle übertragen sollen, dass man echt sagen kann: So, wie ich über Menschen geredet habe, wie ich mit Menschen in der letzten Woche umgegangen bin, das war top? Oder geht ihr jetzt durch die Woche und merkt: Da ist etwas passiert, und da bin ich ein bisschen ausgerastet, da habe ich etwas Blödes gesagt, dafür schäme ich mich sowieso. Das passiert schneller, als ihr denkt. Ich stehe hier vorne als einer, der, wenn er das vorliest, ja, das macht auch bei mir plopp.
Wie war das? Dann heißt es hier: Du sollst nicht töten. Und Mord fängt da an, wo wir sauer werden auf Leute, sagte der Herr Jesus. Du sollst nicht Ehe brechen. Und Ehe brechen fängt da an, wo man, ja, sorry, da sitzt du bis in das Fitnessstudio auf dem Stepper und da steigt neben dir eine andere Frau auf und du denkst dir: Nee, du wirfst keinen Blick hin, nee. Und dann schaust du doch hin. Da fängt es an. Und wir dürfen das nicht verstecken, wir müssen das einfach rausholen und bekennen.
Du sollst nicht stehlen. Ich fand das so lustig, dieses Ding mit den falschen Programmen, woher, ja? Jedes, ja, das ist an dieser Stelle, geklaute Programme, geklaute Musik, geklaute Sachen, Sachen, die uns einfach nicht gehören. Das gehört jetzt vor Gott gebracht und bekannt.
Und dann sollst du gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aufstehen, nicht lügen, keine falschen Sachen sagen, nichts sagen, was nicht stimmt.
Du sollst nicht neidisch sein, ist das so? Du sollst nicht begehren deines Nächsten und so weiter und so weiter. Also nicht neidisch sein, zufrieden sein mit dem, was ich bin und was ich habe.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber jetzt ist ein Moment, einfach die letzte Woche ehrlich Revue passieren zu lassen und da, wo wir uns in Worten oder in Gedanken oder in Taten versündigt haben, es einfach vor Gott zu bringen und Gott ehrlich um Vergebung zu bitten.
Wenn jemand von euch sagt, ich habe nichts getan, dann bist du ein Lügner. Es tut mir leid, wenn ich das sage, die Bibel sagt das. Wenn wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, sagt die Bibel. Es stimmt einfach nicht. Vielleicht bist du oberflächlich. Mag sein, aber es stimmt einfach nicht.

Schlussgebet und Segensbitte

Okay, wir singen jetzt ein Lied, nämlich „O Haupt voll Blut und Wunden“. Und wir benutzen dieses Lied einfach, um vor Gott still zu werden, um uns zu vergegenwärtigen, wer Gott ist, vielleicht eine Entscheidung zu treffen, vielleicht Sünde einfach zu bekennen. Dann möchte ich mit euch das Abendmahl feiern.
Ich möchte jetzt mit uns noch beten und will das noch einmal sagen: Wenn jemand sagt, ich möchte das vorbeigehen lassen, das ist für mich noch nicht so weit, mit Gott und mir bin ich dann noch unschlüssig, kein Problem. Aber alle anderen möchte ich herzlich bitten, einfach das zu tun, was der Herr Jesus sagt. Er hat sich darauf gefreut, mit uns dieses Mahl zu feiern, sein Zeichen an das, was er getan hat. Und wenn wir das durch die Reihen gehen lassen, dann verkünden wir etwas. Das ist eine Proklamation. Dann stellen wir uns hin und sagen: Jesus ist unser Herr.
Herr Jesus, wir danken dir dafür, dass wir Brot und Wein unter uns teilen dürfen. Wir danken dir dafür, dass wir den Kelch durch unsere Reihen gehen lassen dürfen. Er ist ein Zeichen dafür, dass du unser Gott bist, dass du uns stärkst und stark machst, dass du der bist, der uns wahre Speise und wahrer Trank ist. Dass wir von dir das bekommen, was wir zum Leben brauchen. Dass du der bist, der in unserem Leben im Mittelpunkt steht, für den wir leben, durch den wir leben, der uns das gibt, was wir zum Leben brauchen.
Herr Jesus, wir sind auf dem Weg durch die Wüste, auf dem Weg, der nicht immer einfach ist, durch eine Welt, die uns das Leben auch nicht unbedingt leichter macht. Und so brauchen wir es, dass du uns stärkst. Im Blick auf dich, aufblickend auf das, was du uns jeden Tag schenken möchtest, symbolisch tun, diese Zeichen zu uns nehmen und daran denken, dass du uns einfach alles bist, dass wir wirklich für dich leben wollen.
Vielen Dank, Herr, dass du uns das mitgibst. Vielen Dank, dass wir es hier tun dürfen und Gemeinschaft haben dürfen, dass wir zusammengehören, ein Leib sind, dass keiner alleine als Einzelkämpfer durchs Leben gehen muss. Ich danke dir von ganzem Herzen dafür. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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