Serie•Teil 2 / 7Der Prophet Daniel
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Orientierung in einer verwirrten Welt
Ein zerstreuter Professor ist umgezogen. Und wie das so ist bei solchen Professoren, vergisst er immer wieder seine neue Adresse. Wenn er nach der Vorlesung nach Hause geht, in irgendwelchen philosophischen Gedanken versunken, dann geht er wieder an seine alte Wohnung und steht auf einmal vor der alten Wohnung.
Also hat seine Frau ihm einen Zettel geschrieben: Lieber Gerhard, du wohnst jetzt in der Gartenstraße vier, an der Straßenbahn fünfzehn, drei Stationen.
So, was macht ein zerstreuter Professor? Na, er vergisst natürlich den Zettel und lässt ihn zu Hause liegen. Also, als er nach der Vorlesung wieder mal nach Hause gehen will, landet er wieder vor seiner alten Wohnung. Und da sieht er auf der Treppe einen kleinen Jungen sitzen und sagt: Du Kleiner, komm doch mal her. Hier hat doch mal so ein Professor gewohnt. Kannst du mir sagen, wo der jetzt wohnt?
Und da sagt der Kleine: Papa, komm nach Hause, die Mama wartet mit Mittagessen.
Es gibt heute viele Menschen in dieser Welt. Auch gebildete Professoren, Politiker und was weiß ich wen alles wissen nicht, wo sie herkommen, wo sie hingehen und wo sie ihre Heimat haben. Sie haben einfach die Orientierung verloren.
Also, ich bin nicht der Doktor Allwissen, der hier alles genau sagen kann, wie es läuft. Ich schätze meine Rolle viel bescheidener ein. Ich sehe meine Rolle lieber so wie den kleinen Jungen. Ich weiß nicht alles, verstehe auch nicht alles, aber zwei Dinge weiß ich. Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehe, wo meine Heimatadresse ist, nämlich im Reich Gottes, im Himmel. Und ich weiß auch, wie der Weg dahin geht. Der hat nämlich einen Namen. Der Name ist Jesus.
Jesus hat gesagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, und niemand kommt zum Vater außer durch mich.
So, genau darum geht es jetzt bei unserem Bibeltext, den wir uns heute angucken wollen, nämlich: Wie sieht die Zukunft aus? Wie wird das eigentlich alles mit uns?
Daniel Kapitel 2. Da geht es um die Weltgeschichte und um das Zusammenbrechen aller Weltreiche, und zwar vom Standpunkt Gottes aus gesehen. Gott hat nämlich auch etwas zur Weltgeschichte mitzusagen, und vor allem möchte er dir etwas sagen. Es ist ja kein Zufall, dass du heute hier sitzt. Gott möchte mit dir sprechen.
Also geht los, Daniel Kapitel 2.
Ihr erinnert euch, ich habe das gestern schon erzählt: sechstes Jahrhundert vor Christus, babylonisches Weltreich, Jerusalem hat den Krieg verloren, die Jugend ist deportiert worden nach Babel. Der damals amtierende größte Feldherr aller Zeiten, der Nebukadnezar, das war ein Diktator, vor dem die Leute gezittert haben. Und am meisten haben sie gezittert, wenn er böse Träume gehabt hat. Denn wenn Tyrannen böse Träume haben, dann werden sie ungemütlich. Wenn Tyrannen schlecht geschlafen haben, dann werden sie unangenehm.
Vers 1:
Im zweiten Jahr seiner Herrschaft hatte Nebukadnezar einen Traum, über den er so erschrak, dass er aufwachte.
Das kennt ihr vielleicht. Man wacht manchmal auf, hat etwas geträumt, und man kann sich einfach nicht mehr daran erinnern. Aber es beeindruckt einen, es stört einen, was man da geträumt hat. Man weiß vielleicht noch Einzelheiten, manche Bilder stehen ganz deutlich vor Augen, aber der Traum als Ganzes, was das bedeutet, das ist uns völlig uneinsichtig. Man weiß bloß noch: Es war irgendwas Scheußliches. Und man ist bedrückt. Den ganzen Tag läuft man dann bedrückt herum, bloß weil man eben schlecht geträumt hat.
Der sitzt im Nachthemd auf seiner Bettkante und kratzt sich den Kopf und ist hilflos. Und der König ließ alle Zeichendeuter und Weisen und Zauberer und Wahrsager zusammenrufen, die sollten ihm seinen Traum sagen.
Mit diesen Worten beschreibt Nebukadnezar ganz präzise sein Verhältnis zur Weltgeschichte. Ich wollte gern wissen, was ich eigentlich geträumt habe. Bis heute versuchen wir zum Beispiel zu erfassen, was das eigentlich gewesen ist mit den Diktaturen, mit den Weltkriegen, wie das kommen konnte, wie das überhaupt möglich war. Ich versuche das schon ein Leben lang herauszukriegen. Also, ich habe viele Bücher gesammelt über die Nazizeit, und wenn im Fernsehen so Aufnahmen kommen von diesen Leuten, da könnte ich in den Fernseher reinkriechen. Ich versuche, in die Gesichter reinzugucken, von dem Goebbels, dem Eichmann, Hitler, Stalin, Honegger und Mielke. Und ich versuche herauszukriegen, was das überhaupt für Menschen gewesen sind. Waren das überhaupt Menschen? Wie war das möglich, dass Millionen Menschen diesen Leuten gefolgt sind und dass die Millionen Menschen umgebracht haben? Wie war das überhaupt alles möglich, diese Diktaturen?
Und so sehr ich mir Mühe gebe, um das zu begreifen, es bleibt für mich alles wie so ein böser Traum. Ich bin ja in der Nazizeit noch ein Junge gewesen, ein kleiner. Ich habe manches miterlebt, manche Szenen habe ich ganz deutlich noch in Erinnerung. Also wie 1945 die Russen in Dresden einmal einfuhren mit ihren Panjewagen und die Frauen vergewaltigt wurden und die Keller voll Morke rochen und so manche Dinge weiß ich noch genau. Und anderes bleibt mir wie ein Traum. Wie war denn das eigentlich?
Und ich vermute, das geht nicht nur mir so, sondern das geht vielen so, die über die Geschichte und über das, was gewesen ist, nachdenken. Über die Welt mit Kriegen, mit Spitzeln und Quartetten und was es alles so gegeben hat. Wir haben eine Welt gesehen, in der sich die Ereignisse irgendwie traumhaft gejagt haben, eine Zusammenballung des Bösen, eine Ausgeburt des Teuflischen und eine Orgie des Schreckens. Und wir möchten gerne begreifen, wie das alles möglich war, aber wir kriegen es nicht zu fassen.
Gleich gar nicht, was dann hinterher noch kam, nämlich die Herrschaft der Kommunisten, die die Menschen immerhin hundert Millionen Tote gekostet hat. Wir wissen nur eins: Es war wie ein böser Traum.
Mag der Nebukadnezar im sechsten Jahrhundert vor Christus gelebt und geträumt haben, heute sitzt er unter uns. Der sitzt neben dir, der sitzt auf deinem Platz, der sitzt in deinem Kopf. Nebukadnezar ist das Symbol für den Geist der Zeit. Denn genau so, wie der sich verhalten hat in seiner Hilflosigkeit, weil er den Traum nicht deuten konnte, verhalten wir uns auch, wenn wir nicht mehr weiter wissen.
Die Zeichendeuter, die Traumdeuter, die werden zusammengerufen. Die Intelligenz muss ran, der Fachmann, die Spezialisten müssen die Lage klären. Und wenn der Experte auch nur für solchen Mumpitz zuständig ist wie irgendwelche Wahrsagerei, so machen wir das auch. Unsere Welt steckt bis über beide Ohren in Problemen, und wir erwarten die Hilfe von irgendwelchen Fachleuten und Sachverständigen. Inzwischen ist die Macht der Experten ja so weit gegangen, dass der Durchschnittsbürger überhaupt nichts mehr zu melden hat.
In der DDR-Diktatur war das ja noch grotesker. Also, ich habe mit 18 Jahren meines Lebens, 18 Jahre lang habe ich auf der Schulbank oder auf der Hochschulbank gesessen, die höchste wissenschaftliche Qualifikation erreicht. Aber welche Bücher ich lesen durfte, das durfte ich nicht selber entscheiden, sondern da saß in Plauen an der Zensurstelle einer, und der teilte mir mit, welche Bücher ich kriegen durfte und welche nicht.
Oder ich habe zum Beispiel mein Leben in Sachsen zugebracht. 50 Jahre meines Lebens habe ich in den sächsischen Grenzen zugebracht. Ich hätte auch gerne mal was von der Welt gesehen, wie das heute jeder Schuljunge schon kann. Aber wenn ich bloß eine Reise in den Schwarzwald beantragt hätte, hätte das ja niemanden interessiert, dass mich der Schwarzwald interessiert, sondern da hätte mir ein Experte erklärt, dass die allgemeine Weltlage das nicht zulässt und dass ich den Frieden gefährde und so. Wenn ich als Pfarrer Lehmann im Schwarzwald spazieren gehe, bin ich eben zu Hause geblieben und habe dadurch den Dritten Weltkrieg verhindert.
Heute ist das ja alles noch viel schlimmer, denn was die Experten da treiben, mit ihren Genen und Klonen und Atomkanonen und sowas, das ist für unsereins völlig undurchschaubar. Und wenn man versucht, eine Meinung dazu zu äußern oder sich zu bilden, dann heißt es immer gleich: Das kannst du doch gar nicht beurteilen, das müsste den Fachleuten überlassen werden.
Wir haben den Eindruck, dass die Machthaber und die Ratgeber, die sie haben, nur noch auf die Katastrophen reagieren. Keiner hat einen klaren Kurs, ein klares Konzept, wie die gekippte Karre nun aus dem Dreck zu ziehen ist. Die Mächtigen dieser Erde mit ihren Fachberatern machen zurzeit einen ziemlich hilflosen Eindruck, so wie damals Nebukadnezars Experten.
Ich lese ab Vers 3:
Ich habe einen Traum gehabt, der hat mich erschreckt, und ich möchte gerne wissen, was es mit dem Traum gewesen ist.
Da sprachen die Wahrsager zum König auf Aramäisch: Der König lebe ewig! Sage deinen Knechten den Traum, und dann wollen wir ihn deuten.
Der König antwortete und sprach zu den Wahrsagern: Mein Wort ist doch deutlich genug. Werdet ihr mir nun den Traum nicht kundtun und deuten, so sollt ihr in Stücke gehauen werden, und eure Häuser sollen zu Schutthaufen gemacht werden. Wenn ihr mir aber den Traum kundtun und dann deuten könnt, dann sollt ihr Geschenke, Gaben und große Ehren von mir empfangen. Darum sagt mir den Traum und seine Deutung.
Sie antworteten noch einmal und sagten: Der König lebe ewig, aber sage deinen Knechten den Traum, und dann wollen wir ihn deuten.
Der König antwortete und sprach wahrlich: Ich merke, ihr wollt bloß Zeit gewinnen.
Und so geht das nun eine ganze Weile noch hin und her. Und die sagen immer: Na ja, wenn du uns den Traum nicht erzählst, können wir ihn ja nicht deuten. Das kann kein Mensch, das können nur die Götter.
Und da packte den König die Wut. Der Befehl: Alle Weisen im Lande sollen umgebracht werden.
Wo die Weisen nicht mehr weiter wissen, da kommt dann der Griff nach der Gewalt. Wo die Abrüstungsexperten nicht mehr weiter wissen, wird nach Gewalt gegriffen, Aufrüstung, noch mehr Waffen. Wo die Entwicklungssachverständigen nicht mehr weiter wissen, wird nach Gewalt gegriffen, der Revolution noch mehr Blutvergießen. Wo du im persönlichen Leben nicht mehr weiter weißt, da wird auch noch nach Gewalt gegriffen. Aggression, noch mehr Ärger, du wirst ranzig, gebrauchst deine Ellenbogen und so weiter. Wo der Kopf versagt, da muss die Kraft, die Faust, herhalten.
Gewalt, das wird hier ganz deutlich: Gewalt ist der letzte Ausdruck einer ganz großen Hilflosigkeit. Wenn der Nebu mit seinen Weisen und seiner Weisheit am Ende ist, da muss der Henker her. Eine blutige Säuberungsaktion wird angeordnet. Die Intelligenz des Landes muss ausgerottet werden. Und auch Daniel ist davon betroffen. Der lebt ja nun auch noch in diesem Land. Ein Gefangener aus Juda, der an Gott glaubt, und der lebt weder zufällig noch umsonst dort.
Als die den von Jerusalem nach Babel transportiert haben, wird er natürlich mit seinem Schicksal gehadert haben oder mit Gott und wird gesagt haben: Warum muss ich denn hier jetzt in die Gefangenschaft nach Babylon? Was soll das? Ich bin ein junger Mensch, ich habe noch viel vor, und jetzt bin ich hier Sklave geworden und so. Warum lässt Gott das zu und so?
Jetzt bekommt er eine Antwort auf diese Fragen. Jetzt zeigt sich, dass das alles notwendig war und von Gott geplant, und dass Gott ihn in Babel braucht. Er braucht ihn, um dem Nebu etwas zu sagen, um überhaupt den Menschen etwas zu sagen und auch um dir etwas zu sagen.
Der Daniel erfährt von der bevorstehenden Strafaktion, und er weiß also genau, er ist ein Todeskandidat. In einer solchen Situation ist es für ein Gotteskind keine andere Möglichkeit als nur noch eins, nämlich das Gebet.
Also Leute, ich befürchte, viele Christen haben noch gar nicht begriffen, welche Macht das Gebet ist und hat. Manche sagen: Nur bloß beten ist auch nicht getan. Also erstens hat niemand gesagt, dass du bloß beten sollst, und zweitens: Was heißt denn hier bloß beten? So reden Leute, die noch nie länger als anderthalb Minuten gebetet haben, die noch nie erfahren haben, dass Gebet oft Kraft kostet, aber auch, dass man dadurch im Gebet Kraft bekommen kann. Manchmal ist Beten wirklich Arbeit, es ist schwere Arbeit, und es ist klug, wenn man schwere Arbeit auf verschiedene Schultern verteilt.
Der Daniel, der diese Klugheit besitzt, der hat drei Freunde, die er zusammenruft: den Mischa, den Hansi und den Atze. Und die fordert er auf, ihm zu helfen, mit ihm zu beten. Die vier jungen Männer bilden jetzt eine Gebetsgemeinschaft, irgendwo am Hofe des Diktators Nebukadnezar, haben sich vielleicht im Heizungskeller getroffen oder auf der Wiese bei den Klos draußen, und da beten sie los, damit sie den Gott des Himmels um Gnade bitten, wegen dieses Geheimnisses, eben wegen dieses Traumes.
Es gibt Situationen und Dinge, die uns völlig unklar sind, aber es gibt Gebetserhörungen, wo Gott einem Klarheit schenkt. Und noch in der gleichen Nacht offenbart Gott dem Daniel diesen Traum, den der Nebukadnezar geträumt hat. Und bevor Daniel zum König geht, um ihm den Traum zu erklären, da geht er erst einmal auf die Knie und spricht ein Dankgebet. Und das ist das Rezept aller Widerstandskämpfer und Bekenner: Wer vor Gott gekniet hat, der kann dann aufrecht auch vor dem Tyrannen stehen.
Als Daniel vom Gebet aufsteht, geht er als Erstes zu dem Chef des Einsatzkommandos und sagt: Bring die anderen jetzt nicht um, bring mich lieber zum König, ich bringe die Lösung.
Der wird vor den König gebracht, und er macht diesem Tyrannen erstens mal klar, dass er, der Tyrann Nebukadnezar, von seinen Weisen etwas Unmögliches verlangt hat. Also den Traum nicht zu erzählen und trotzdem zu verlangen, sie sollen den Traum deuten, das ist menschenunmöglich. Und damit von vornherein klar ist, dass er seine Weisheit nicht von sich selber hat, sondern von Gott, da sagt er: Mir ist dieses Geheimnis offenbart worden, nicht als wäre meine Weisheit größer als die aller, die da leben.
So, und nachdem das erst einmal grundsätzlich geklärt ist, da kommt der Daniel zur Sache. Das lese ich euch jetzt vor, und er deutet den ganzen Traum.
Er sagt: Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir. Das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber. Sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. Und das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden. Der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu, die vom Winde verweht wird, sodass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, sodass er die ganze Welt füllte.
Das war der Traum. Und nun will ich dir die Deutung sagen: Du, König, du bist das goldene Haupt. Nach dir wird ein anderes Königreich kommen, geringer als deins. Danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und über alle Länder herrschen wird. Und das vierte wird hart sein wie Eisen. Denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen. Dass du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: Das wird ein zerteiltes Königreich.
Hier wird also durch Daniel dem König und auch uns gesagt, was in zukünftigen Zeiten geschehen wird. Gott lässt uns hier mal einen kleinen Blick sozusagen hinter die Kulissen der Weltgeschichte werfen. Und wir sehen als Erstes, dass ein Weltreich nach dem anderen vergeht und zusammenbricht. Und als Zweites sehen wir hier, dass hinter jedem Zusammenbruch die Hand Gottes steckt. Denn hier ist ja die Rede von einem Stein, der ohne Zutun von Menschen in die Hände, in die Geschichte hineinplatzt, den Weltreichen sozusagen vor die Füße rollt und über sie das Stolpern bringt, sodass sie zusammenbrechen.
Und wer das nicht einsieht, dass es immer die Hand Gottes ist, die hinter den weltgeschichtlichen Vorgängen ist, der versteht das alles gar nicht. Also wer zum Beispiel nicht begreift, dass die hochgerüstete DDR mit einer friedlichen Revolution beseitigt worden ist, die keinen Tropfen Blut gekostet hat, wer das nicht erkennt, dass dahinter die Hand Gottes gesteckt hat und dass das ein göttliches Wunder gewesen ist, die Befreiung von den Kommunisten und die Einheit, der ist eben blind.
Es ist hier von vier Weltreichen die Rede, die sind sicher wirklich Weltreiche gewesen und gemeint, vom Babylonischen bis zum Römischen. Aber das ist für uns ganz egal. Wichtig ist: Es gibt kein irdisches Reich, das hier nicht gemeint wäre. Also zum Beispiel Deutschland. Das hat ja auch seine goldenen Zeiten gehabt, aber am Schluss war es so, genau wie es hier beschrieben ist: Da war es ein zerteiltes Reich, also zum Teil stark, zum Teil schwach. Die deutsche Intelligenz war schwach, die Kirche war schwach, die Christen waren auch schwach, und das weiß ich. Stark wie Eisen war der Diktator, hart wie Eisen. Denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen.
Erst haben die Nazis die halbe Welt terrorisiert und kaputt gemacht, und dann sind sie selber kaputt gegangen. Ein Staat, der auf den tönernen Füßen von ein bisschen blassem Humanismus und ein bisschen blassem Christentum steht und auf der anderen Seite auf dem Klumpfuß der brutalen Gewalt, der bleibt nicht bestehen.
Der Zusammenbruch des Nazireichs vor nun bald einem halben Jahrhundert demonstriert uns ganz besonders deutlich, was die Bibel als das Wesen aller Nationen schildert. Nach glanzvollen, goldenen Zeiten, da geht es irgendwann bergab, und irgendwann sind sie alle zusammengekracht.
Und wir sind ja auch Augenzeugen gewesen, wie das riesige kommunistische Weltreich vor unseren Augen zusammengeklappt ist, wie so ein zusammengeklappter Regenschirm oder wie eine alte Plastiktüte, die einfach so der Wind über der Straße weht. Sang und klanglos sind die Kommunisten von der Bühne der Weltgeschichte verschwunden. Und dass wir das noch selber erleben würden, das haben wir ja zur DDR-Zeit vielleicht gehofft, aber geglaubt, dass es zu unseren Lebzeiten noch passiert, das haben wir uns gar nicht gedacht, dass trotzdem einmal Schluss sein würde mit diesem ganzen DDR-Gehabe und dem kommunistischen Weltreich.
Das haben wir damals allerdings schon gewusst, und zwar aus der Bibel, zum Beispiel aus dieser Geschichte hier: Diese Welt wird mit allen ihren Herren vergehen. Das haben wir gesungen, und das hat uns durch diese ganzen Jahre auch trostvoll begleitet.
Dass die Reiche dieser Welt eins nach dem anderen verfallen, das wissen eigentlich alle Menschen, das kann man ja aus der Geschichte ablesen. Aber nicht alle wissen, warum das so ist und was das Ziel von dem Ganzen ist. Und hier im Danielbuch, da wird uns gesagt, worauf es hinausläuft und was das Ziel der Weltgeschichte ist, nämlich das Reich Gottes.
Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das niemals mehr zerstört wird, und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören, aber es selbst wird ewig bleiben.
Es wird am Ende der Geschichte keine Vereinigten Staaten von Amerika und keine Vereinigten Staaten von Europa oder irgend so etwas geben, keine Weltmacht, die alles kontrolliert, sondern am Ende der Geschichte, da gibt es doch keine klassenlose Gesellschaft oder sowas, sondern das Reich Gottes. Und in dieses Reich Gottes bist du heute eingeladen. Jeder darf in diesem Reich leben, der seine Sünde bekennt und der sich seine Sünde von Jesus vergeben lässt.
An Jesus entscheidet sich alles für dich. Jesus ist der Fels, auf dem du stehst, oder der Stein des Anstoßes, an dem du zugrunde gehst. Jesus hat sich selber mal als den Stein bezeichnet und hat gesagt: Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen er fällt, den wird er zermalmen.
Und damit wird klar, wer hier im Danielbuch mit dem Stein gemeint ist. Der rollende Stein, der rolling stone, das ist Jesus. Das Alte Testament, uns gedacht, der große Stein, der ständig am Rollen ist in der Geschichte, der rollt immerzu und versinnbildlicht das Gericht Gottes über die Völker und über die einzelnen Menschen und alle zermalmt, die Gott die Ehre nicht erweisen.
Wo sind sie denn geblieben, die großen Geister dieser Weltgeschichte? Der Nebukadnezar, kein Mensch kennt sein Grab. Das herrliche Babylon ist ein Schutthaufen. Der Kaiser Nero ist ins Schwert gestürzt, der Kaiser Napoleon vergiftet, der größte Feldherr aller Zeiten, der Adolf Hitler, vor dem zwölf Jahre lang die ganze Welt gezittert hat, der hat sich selber erschossen. Selbst Mörder ist er gewesen, und dann haben sie den Teppich eingewickelt und mit Benzin übergossen, und dann haben sie das ganze Ding angebrannt wie so eine alte Zigarre. Und das ist verbrannt, und es ist nicht einmal seine Asche übrig geblieben. Man weiß nicht, wo er ist. Er ist, wie es die Bibel hier sagt, vom Winde verweht.
Der Stein rollt, und der Stein des Gottesgerichtes, der wird auch vor deinem Leben nicht Halt machen, wenn du so weitermachst mit deinen Sünden. Was auf tönernen Füßen steht, das kann vor Jesus nicht bestehen, egal, ob es sich um Weltreiche oder um einzelnes Menschenleben handelt.
Das heißt hier in Vers 42, ich habe das hier vorgelesen, dass die Füße des Weltreiches aus Eisen und Ton sind. Aber Eisen und Ton, das kann man nicht miteinander verbinden, das verträgt sich nicht, das hält nicht. Wenn das Fundament auseinanderbricht, dann bricht auch das Haus weg, was darüber errichtet worden ist. Und wenn du im Fundament deines Lebens Dinge hast, die sich nicht mit Gott vertragen, also wenn du Sünden hast, dann kannst du in deinem Leben nicht vor Gott bestehen. Und dann kann ich dir nur sagen: Dann lass dir von Gott vergeben.
Jesus hat sich mit Händen und mit Füßen festnageln lassen, um deine Schuld aus der Welt zu schaffen. Der hat wie so ein Blitzableiter am Kreuz die Strafe, die uns Menschen eigentlich für unsere Sünde treffen wollte, auf sich gezogen, er, der reine und sündlose Sohn Gottes, damit wir leben können.
Deshalb sage ich: Gib ihm deine Sünden, vertraue dein Leben ihm an und gib ihm dein Herz. Solange dein Herz geteilt ist zwischen Jesus und irgendwas anderem, da hast du dein Leben falsch aufgebaut, und dann wird Gottes Gericht dich überrollen.
Ich frage dich jetzt, zu welchem Reich du eigentlich gehören willst, zu dem mit dem goldenen Kopf und den tönernen Füßen oder zu dem mit der Birnenkrone auf dem Kopf und den Dorsportenfüßen. Willst du jetzt, nachdem du weißt, dass die anderen Reiche alle vergehen, willst du da nun dabei bleiben? Wohin willst du gehen, wohin gehörst du eigentlich?
Wenn du die Vergänglichkeit dieser Welt dem Reich Gottes vorziehst, da hast du von der Weltgeschichte oder vom Leben nichts begriffen, gar nichts. Aber wenn du Jesus dein Leben gibst, dann hast du deine Zukunft gesichert, dann hast du Bürgerrecht in Gottes Reich, und dann fang an, nach den Regeln von Gottes Reich zu leben.
Als Daniel dem Nebu den Traum erklärt hat und die ganze Weltgeschichte auf einem Rhythmus erklärt hat, da hat Daniel nicht als Konsequenz gesagt: Also, da sowieso alle Reiche vergehen, gehe ich hiermit in die Rente. Ich ziehe mich aus dem öffentlichen Leben zurück, ich mache nichts mehr, gehe in Opposition oder ins Grüne oder irgendwohin. Nein, er sagt im Gegenteil: Als Nebu ihm einen hohen Posten anbietet, da sagt er mit Dankbarkeit Ja, den Posten trete ich an. Und er verschafft seinen Mitfreunden auch allen Ministerposten. Und dann leben diese Männer zum Wohle des babylonischen Staates, der allerdings zum Untergang verurteilt ist, aber sie tun ihr Bestes für dieses Land.
Weißt du, wenn du erkannt hast, dass nur das Reich Gottes eine ewige Zukunftsperspektive hat, dann bedeutet das ja nicht, dass du aus der Welt gehen musst, sondern dass du dann ab sofort nicht in die Welt einschalten musst. Jetzt geht es darum, dass du in dieser untergehenden Welt nach den Gesetzen von Gottes Reich lebst. Solche Leute wie Daniel, die werden gebraucht.
Und dazu braucht es natürlich eine Entscheidung. Du kannst dir nicht ewig hinter der Rolle des unbeteiligten Zuschauers verstecken. Du musst da mal entscheiden, auf welcher Seite du stehen willst und was du mitmachen willst und was nicht. Entweder du dienst dem Teufel, so hat Bob Dylan gesungen, entweder du dienst dem Teufel oder Gott. Aber einem von beidem musst du dienen.
Und ich frage dich: Wem dienst du, wessen Lieder singst du, wem gehörst du, wem vertraust du, an wen hängst du dich?
Man erzählt so eine Geschichte in Texas. Da ist ein Mann, der kommt jeden Tag auf seinem Pferd angeritten und geht in die Kneipe und trinkt seinen Whisky. Und das Pferd, das bindet er immer vor der Kneipe an, da stehen dann immer solche Pfähle für die Pferde, wo man es anbinden kann.
Und eines Abends, da kommt der Kneipenbesitzer an, und da sieht er, dass das Pferd nicht vor seiner Kneipe angebunden ist, sondern gegenüber, bei der Kapelle. Und da sagt der Herr: Seit wann haben Sie denn Ihr Pferd da drüben angebunden?
Und da sagt der Mann: Ja, ich bin gestern Abend dort in der Kapelle gewesen, und da habe ich die Botschaft Gottes gehört, ich habe mich bekehrt, und seitdem habe ich die Pfähle gewechselt.
Meine Frage an dich ist heute: Bist du bereit, die Pfähle zu wechseln? Was sind denn die Pfähle, an die du dein Leben bindest? Was ist das, woran du dich festhältst, wenn die Stürme kommen? Dein guter Ruf oder dein Konto? Oder eine Beliebtheit oder was weiß ich? Das meiste von dem sind vergängliche Dinge, die sowieso vergehen.
Wenn du auf dem Sterbebett liegst, was hast du denn da noch? Woran klammerst du dich dann, wenn alles andere weg ist? Wenn du dann nicht den Mann kennenlernst und zu ihm gehörst, der am Mörderfall gestorben ist, Jesus, da hast du schlechte Karten.
Und ich schlage dir vor, dass du, wenn du dich mit deinem Leben orientierst an irgendwelchen vergänglichen Dingen, ob das Ideologien sind oder Staaten oder eine politische Meinung oder was, es aufgibst. Pfähle wechseln. Woran bindest du dein Leben?
Und ich rate dir, dass du dein Leben an Jesus bindest, für den die Bibel sagt, der war und der ist und der wird auch immer sein. Der geht nicht unter, der ist immer da. Und der wird am Ende, wenn sie alle untergegangen sind, da sein, uns alle richtig, auch die Gegangenen und auch uns alle, wenn wir da schon gegangen sind.
Du kannst, wenn du das möchtest, dich diesem Jesus zum Beispiel heute Abend anschließen. Wolfram spielt ein Lied, und während dieses Liedes passieren zwei Dinge. Als erstes Mal werden dann alle Kameras ausgeschaltet, und zweitens kannst du während des Liedes, wenn du das möchtest, hier vorkommen, zu dem Kreuz.
Dieses Kreuz bedeutet ja: Jesus ist hier, der ist hier in diesem Raum, und er erwartet dich. Und du kannst dir, genau wie wir hier in der Zeichensprache das sagen, Jesus ist hier, und das hat er für dich getan, sein Leben eingesetzt, so kannst du in der Zeichensprache antworten, indem du aufstehst, dein altes Leben verlässt und hier vorkommst, mit dem Gesicht zu dem Kreuz. Das heißt, das wird der Orientierungspunkt deines Lebens, und dort bindest du dich an. Dort findest du den ewigen Halt!

