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Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist? (2/10)

Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist?, Teil 2/10
30.03.2026
SERIE - Teil 2 / 10Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist?

Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist?

Wie kann ich mir sicher sein, was richtig und falsch ist?

Von Chris Morphew

Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch.

Dein geistlicher Impuls für den Tag.

Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich habe Urlaub. Deshalb diese exklusive Lesung.

Kapitel zwei.

Die verführerische Einfachheit des persönlichen Maßstabs

Kann ich nicht einfach selbst entscheiden, was richtig und falsch ist?

Treten wir einen Schritt zurück. Denn vielleicht ist es doch nicht so einfach, sich darauf zu einigen, was richtig und was falsch ist. Aber wenn das stimmt, gäbe es dann nicht eine einfache, aber elegante Lösung für dieses Problem? Kann man nicht einfach akzeptieren, dass es unterschiedliche Ansichten gibt?

Frei nach der Devise „Let’s agree to disagree“ einigen wir uns darauf, dass wir uns nicht einig sind. Die Welt ist voller unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Meinungen darüber, was richtig und falsch ist, was das Beste für die Welt ist und wie man sein Leben am sinnvollsten gestalten kann. Warum lässt man all diese Ansichten nicht einfach nebeneinander stehen? Warum kann nicht jeder für sich selbst entscheiden, was richtig und falsch ist? Du lebst, wie es dir gefällt, ich lebe, wie es mir gefällt, und dann werden wir schon irgendwie miteinander auskommen. Klingt doch vernünftig, oder?

Außerdem: Wer gibt jemandem das Recht, dir zu sagen, wie du dein Leben zu führen hast? Hat nicht jeder Mensch im Großen und Ganzen die Freiheit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen? Solange jeder den Standpunkt des anderen respektiert, solange du nicht versuchst, mir deine Meinung über richtig und falsch aufzuzwingen und umgekehrt, sollte es dann nicht möglich sein, dass wir uns vertragen?

Diese Sichtweise hat einen wahren Kern und kann durchaus hilfreich sein. Du wirst dein Leben lang auf Menschen treffen, die eine andere Auffassung von richtig und falsch haben. Selbst wenn du es schaffst, dich mit Familie und Freunden zu umgeben, die größtenteils mit dir übereinstimmen, ist das Internet ein wilder Haufen anderer Meinungen. Wenn du also keinen Weg findest, mit Leuten klarzukommen, die einen anderen Standpunkt vertreten, wirst du für den Rest deines Lebens nicht glücklich werden.

Doch je mehr Zeit du dir nimmst, anderen zuzuhören und ihren Standpunkt zu verstehen, und je respektvoller du mit Andersdenkenden umgehst, desto leichter wirst du es in der Gesellschaft haben. Die Welt ist ein Ort größtmöglicher Vielfalt. Man kann der Methode „Finde selbst heraus, was richtig und was falsch ist“ jedenfalls so viel abgewinnen, dass sie für alle einen gangbaren Weg bieten möchte, diese Vielfalt zu bewahren und trotzdem miteinander klarzukommen.

Wenn Meinungen zu bloßen Vorlieben werden

Tatsache ist auch, dass es viele Situationen gibt, in denen es niemandem wehtut, eine andere Meinung stehen zu lassen. Das Leben stellt uns vor viele Entscheidungen, die nicht moralischer Natur sind. Häufig geht es nicht um Gut oder Böse, sondern um persönliche Vorlieben.

Ich kenne zum Beispiel einige Leute, die ihre Überzeugung, ob Ananas auf eine Pizza gehört oder nicht, sehr vehement vertreten. Doch in ihrer lautstarken Kundgebung reden sie eigentlich nur über ihre persönlichen Vorlieben. Jemand, der Ananas auf Pizza für eine grosse Schande hält, behauptet nicht, dass man böse ist, wenn man das macht. In der Regel fordert sie auch nicht, dass man für dieses Verbrechen ins Gefängnis gesteckt werden sollte. Wenn doch, dann hat sie sehr radikale Ansichten über Ananas.

Eine Person kann vollauf von ihrem Standpunkt überzeugt sein und alle möglichen überzeugenden Argumente dafür haben, dass ihre Meinung die einzig vernünftige sei. Sie könnte behaupten, dass der Pizzateig durch den Ananassaft matschig werde. Sie könnte einen Experten hinzuziehen, der ihr erklärt, dass der Starkoch Gordon Ramsay ebenfalls die Meinung vertritt, Ananas auf Pizza sei echt widerlich. Vielleicht sagt sie auch nur, dass Ananas und Käse nicht zusammenpassen. Doch am Ende will die Person hoffentlich sagen: Ich mag Pizza lieber ohne Ananas.

An dieser Stelle kannst du ihr zustimmen oder widersprechen. Du bist vielleicht der Überzeugung, dass jemand, der anderer Meinung ist als du, eine schlechtere Wahl trifft. Aber hoffentlich hältst du ihn nicht für einen schlechteren Menschen, nur weil er diese Entscheidung getroffen hat.

Die meisten von uns würden also zustimmen, dass die Frage, ob Ananas auf eine Pizza gehört, keine Frage von richtig oder falsch, gut oder böse ist. Es ist eine Frage nach unserer Meinung.

Wenn die Frage moralisch wird

Doch was ist, wenn es um etwas Ernstes geht? Im antiken Rom übernahm der älteste lebende Mann in einem Haushalt die Rolle des Pater familias, des Oberhaupts der Familie. Wenn in einem Haushalt ein Baby zur Welt kam, legte man das Kind auf den Boden und bat den Pater familias herein, um es zu begutachten. Wenn er entschied, dass er das Kind behalten wollte, hob der Vater es hoch in die Luft, wodurch es offiziell in der Familie willkommen geheißen wurde.

Es konnte jedoch auch passieren, dass der Vater beschloss, das Kind nicht zu behalten. Vielleicht hatte es eine Behinderung, vielleicht war es ein Mädchen und er hätte lieber einen Jungen gehabt, oder vielleicht wollte der Vater nicht noch ein Maul stopfen. Wenn der Vater beschloss, dass er das Kind nicht wollte, ließ er es einfach auf dem Boden liegen. Nachdem er sich von dem Baby abgewandt hatte, trug jemand aus dem Haushalt das Kind nach draußen und legte es auf die Straße. Dort musste es entweder verhungern, verdursten, erfrieren, von Tieren gefressen werden oder es wurde von einem Fremden mitgenommen und in die Sklaverei verkauft.

Diese Vorgehensweise nannte man „Aussetzen“, und sie war ein gewöhnlicher Teil des antiken römischen Lebens. Sicher, schon damals wehrten sich ein paar Leute und forderten, dass jedes neugeborene Baby es verdiene, geliebt und umsorgt zu werden. Doch die meisten hatten sich damit abgefunden. Sie betrachteten die Handlung nicht als böse, sondern als das Recht des Vaters, der mit den in seinem Haus geborenen Kindern machen durfte, was er wollte.

Was denkst du, sollten wir das wieder einführen, darf man das machen? Ich hoffe wirklich, dass diese Idee für dich genauso unvorstellbar ist wie für mich. Es ist schön und gut, wenn man sich über Ananas auf der Pizza nicht einig ist, aber wenn es um so etwas geht, sieht die Sache anders aus, oder? Wenn du heute erfahren würdest, dass Väter anordnen, ihre Babys draußen neben die Mülltonnen zu legen, würdest du vermutlich nicht nur mit den Schultern zucken und sagen: Nun ja, jeder sollte die Freiheit haben, so zu leben, wie es ihm am besten gefällt.

Ich vermute, dass etwas in deinem tiefsten Inneren dir sagt, dass es wirklich und wahrhaftig falsch ist, ein neugeborenes Baby zum Sterben auf der Straße auszusetzen.

Warum völlige Beliebigkeit nicht trägt

Damit kommen wir zum vielleicht grössten Problem an der Vorstellung, dass jeder für sich selbst entscheiden sollte, was richtig und falsch ist. Es mag sich nach einer grosszügigen, aufgeschlossenen und integrativen Lebensweise anhören, aber niemand glaubt wirklich daran.

Es gibt viele Dinge, bei denen die Devise „Agree to disagree“ funktioniert, und in einer Gesellschaft voller unterschiedlicher Meinungen kann das eine hilfreiche Lebenseinstellung sein. Doch Tatsache ist auch, dass wir alle irgendwo die Grenze ziehen. Wir alle haben bestimmte Themen, bei denen wir glauben, dass es nur eine richtige Antwort gibt. Wir denken, dass jeder mit uns übereinstimmen sollte. Wir sagen: Es ist mir egal, was die anderen sagen, denn es ist falsch.

Nun gut, aber was ist, wenn jemand bis zum Äussersten geht? Stell dir eine Person vor, die sagt: Nein, ich meine es ernst, jeder sollte die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, was richtig und falsch ist, und zwar in absolut allen Bereichen, sogar wenn es um das Aussetzen von hilflosen Neugeborenen geht.

Übrigens widerspricht eine solche Person sich selbst, denn schon mit dieser Aussage verlangt sie, dass alle Menschen mit ihr darin übereinstimmen, was richtig und falsch ist. Überleg mal: Wenn du die Meinung vertrittst, dass jeder frei entscheiden sollte, was richtig und falsch ist, was sagst du damit automatisch? Du behauptest, es sei richtig, die Menschen über richtig und falsch selbst entscheiden zu lassen, und es sei falsch, sie daran zu hindern.

Wir kommen aus der Nummer nicht heraus, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Wir alle ziehen irgendwo die Grenze. Das bedeutet, dass die schlaue Devise „agree to disagree“ doch nicht immer so schlau ist und keine Garantie dafür bietet, dass wir miteinander auskommen.

Wie auch immer wir herausfinden wollen, was richtig und falsch ist, es muss eine bessere Lösung geben als die, dass jeder für sich selbst entscheidet.

Das war's für heute. Bitte bete für evangelistische Verteileinsätze, die rund um Ostern geschehen, dass Menschen berührt werden und verstehen, warum sie Jesus brauchen. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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