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Was tun, nachdem ich Christ geworden bin?

6 Tipps
21.04.2023

Vor wenigen Tagen hatte ich wieder ein Gebetstreffen mit den Unterstützern dieses Dienstes. Das ist jedes Mal sehr gut und wichtig. Ich gehe danach selbst gestärkt aus dem Treffen heraus, bereit für alles, was vor uns liegt.

Ich merke es auch an den Leserbriefen und E-Mails, die wir hier im Bibelfitdienst erhalten. Immer mehr Menschen bekehren sich mithilfe von Online-Diensten wie diesem und anderen. Was gibt es Schöneres als das?

Oft kommt dann die Frage, sinngemäß: „Okay, ich habe mich jetzt allein in meinem Wohnzimmer bekehrt. Und nun? Was mache ich als Nächstes? Was sind die ersten Schritte?“ Genau für diese Frage bist du in diesem Video richtig.

Willkommen beim Bibelfitdienst! Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten. Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das gibt es kostenlos auf dieser Website, dank der freiwilligen monatlichen Unterstützung von Menschen wie dir und mir.

Bevor wir also darüber sprechen, was du als neugeborener Christ als Erstes tun kannst, stelle ich zuerst die Frage: Bist du denn Christ?

Keine Panik! Mir, Markus, steht es nicht zu, das zu beurteilen. Ich kann es nicht und will es auch nicht. Es ist auch nicht mein Job – und das ist gut so.

Aber mit deiner Erlaubnis gebe ich dir ein paar Gedanken mit, wie ich mich an deiner Stelle selbst beurteilen würde. Denn was heißt es eigentlich, Christ zu sein?

Christsein bedeutet, eine wiederhergestellte Beziehung zu Gott zu haben. Es heißt, freigesprochen zu sein von deinen Sünden. Warum? Weil Jesus für dich gestorben und auferstanden ist und du willst, dass das für dich gilt.

Christsein bedeutet Veränderung. Es heißt, dass du ein neuer Mensch wirst. Die Bibel spricht von einer neuen Geburt, von einer Wiedergeburt und von einer neuen Schöpfung.

Christsein heißt, Jesus in deinem Alltag nachzufolgen.

Grundverständnis von Christsein und persönlicher Glaube

Deshalb lass mich eine Sache klarstellen: Du bist nicht deshalb Christ, weil du irgendwann in deinem Leben, vor Jahren oder vielleicht sogar Jahrzehnten, einmal ein Gebet gesprochen hast. Das macht dich nicht zu einem Christen.

Sondern du bist Christ, weil du Gott erlaubst, aus dir einen neuen Menschen zu machen. Ein Christ ist vereinfacht gesagt ein Mensch, der jeden Tag dieses Gebet jetzt gleich sprechen könnte. Warum? Weil er es jeden Tag auch so meint.

Ein Christ ist jemand, der jeden Tag beten könnte, sinngemäß: „Gott, vergib mir, dass ich deine Gesetze übertreten habe. Ich begreife, dass ich in deinen Augen ein Verbrecher gegen deine Gesetze bin und dass ich die Hölle verdiene. Das tut mir leid. Ich begreife auch, dass du nicht willst, dass ich sterbe. Danke, Jesus, dass du für mich eingetreten bist und da gelitten hast, wo ich es sollte. Danke, dass du an meiner Stelle gestorben bist und wieder auferstanden bist, damit mir vergeben ist. Ich danke dir und ich will diese Vergebung annehmen. Ich vertraue darauf, dass ich nur durch deine Vergebung am Tag des Jüngsten Gerichts und jetzt schon freigesprochen bin. Ich will mich jetzt von meinem verbrecherischen Leben abwenden und ich will, dass du, Jesus, der Chef über mein Leben bist. Ich werde deine Worte täglich lesen und dem gehorchen, was ich lese. Bitte schenke mir Kontakt und Umgang mit anderen Christen, die das auch tun.“

Jetzt geht es nicht um die genaue Formulierung oder darum, dass du dieses Gebet irgendwann einmal gesprochen hast, auch wenn das sicherlich nicht schlecht ist. Es geht um diese Grundhaltung, dass du wirklich und ehrlich dahinterstehst.

Wenn du diese Grundhaltung wirklich und ehrlich teilst, spricht übrigens auch nichts dagegen, das im Gebet festzumachen. Aber wenn du diese Grundhaltung ehrlich teilst und danach leben möchtest, würde ich an deiner Stelle daran erkennen, dass du Christ bist.

Persönliche Erfahrungen und biblische Orientierung für den Anfang

So, das klingt jetzt vielleicht alles noch etwas hochgestochen. Deshalb wollen wir es mal ganz praktisch machen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich damals als junger Mann bekehrt habe. Ich bin nämlich als Atheist unter Atheisten aufgewachsen.

Das bedeutet, bis ich im jugendlichen Alter war, hatte ich keine zwei Kirchen von innen gesehen und noch nie mit einem bekennenden Christen ein Wort gewechselt. Das wäre jetzt eine längere, abenteuerliche Geschichte, aber irgendwann kommt dieser Punkt, an dem du dich entscheidest, mit Gott die ganze Sache ernst zu machen.

Bei mir war das am Ende ein Moment des positiven Alleinseins, in dem es nur du und Gott sind. Und was passiert dann? Dafür gibt es eine ganz tolle Bibelstelle aus Apostelgeschichte 2. Schauen wir uns an, wie die jahrelangen Wegbegleiter und engsten Vertrauten von Jesus das in der ersten Gemeinde gehandhabt haben.

Der Historiker Lukas berichtet, dass die ersten Christen beharrlich in genau vier Dingen blieben.

Das erste ist: Die ersten Christen blieben beharrlich in der Lehre der Apostel. Diese Lehre der Apostel ist heute im Neuen Testament kristallklar überliefert, und wir können sie genauso nachvollziehen.

Das zweite ist: Die ersten Christen blieben beharrlich in der Gemeinschaft. Wichtig ist hier, dass nicht nur erwähnt wird, dass sie Gemeinschaft pflegten, sondern dass sie beständig in der Gemeinschaft blieben. Gemeinschaft ist also eindeutig etwas Dauerhaftes. Es geht darum, heute ein fester Teil, wir würden sagen ein Mitglied, einer Gemeinschaft zu sein.

Drittens: Die ersten Christen blieben beharrlich im Brechen des Brotes. Das ist das, was wir heute Abendmahl feiern oder Gottesdienste nennen. Vielleicht fällt dir auf, dass das Abendmahl und die Gottesdienste hier neben der Gemeinschaft noch einmal extra genannt werden. Das zeigt, dass Gemeinschaft nicht nur das Brotbrechen oder der Gottesdienst ist. Teil einer Gemeinde zu sein bedeutet vielmehr, mit der Gemeinde zu leben. Das ist etwas anderes, als nur zweimal im Monat für zwei Stunden irgendwo aufzutauchen und dann wieder nach Hause zum Mittagessen zu gehen.

Und viertens: Die ersten Christen blieben beharrlich im Gebet. Jesus macht immer wieder deutlich: Bleib im kontinuierlichen Gespräch mit Gott.

Diese vier Punkte sind also die Grundlage, wie die erste Gemeinde lebte und wie wir es heute auch leben können.

 Apostelgeschichte 2,42

Sechs praktische Tipps für den Start als neugeborener Christ

Was bedeutet das nun ganz praktisch und greifbar für dich? Hier sind sechs praktische Tipps, sechs Dinge, die mir am wichtigsten wären, wenn ich gerade frisch bekehrt wäre.

Erstens: Christ sein heißt, in Beziehung mit Gott zu leben. Das bedeutet, du möchtest den kennenlernen, mit dem du in dieser Beziehung stehst. Und das heißt, Bibel lesen. Das fängt ganz einfach an. Es ist wichtig, dass du dir nicht dein eigenes Gottesbild baust. Das tun wir alle gerne, oft sogar unbewusst – ich genauso. Aber es geht darum, dass du dein Gottesbild wirklich aus der Bibel nimmst.

Wie machst du das? Am einfachsten, indem du jeden Morgen und jeden Abend deine Bibel aufschlägst – mit einem ehrlichen Gebet im Herzen. So ungefähr: „Herr, korrigiere mich, zeig mir, was ich von dir bisher zu wenig sehe, zeig mir auch die Seiten, die ich vielleicht nicht sehen will.“ Und genau das ist der Punkt, über den wir hier immer wieder sprechen: Will ich, dass Gott nur den Weg segnet, den ich sowieso gehen will? Oder will ich aktiv den Weg gehen, den Gott segnet? Das ist ein großer Unterschied.

Die entscheidende Frage ist: Wer hat am Ende das letzte Wort? Sind es meine Befindlichkeiten, meine Emotionen, die sich dreihundertmal am Tag ändern? Ist es die Gesellschaft? Die Tagespolitik? Derjenige in der Gemeinde, der am lautesten schreit? Oder ist es Gott in seinem Wort? Deshalb funktioniert es ganz praktisch ohne Bibellesen nicht. Und das meine ich ganz konkret.

Zum Beispiel: Lies jeden Morgen zwei Kapitel in deiner Bibel und jeden Abend zwei Kapitel. Wenn du jetzt sagst, „Ich habe keine Zeit dafür“, dann stimmt das nicht. Das ist einfach nicht wahr. Stell dir mal eine Stoppuhr. Wenn du zwei Kapitel in der Bibel liest – bei durchschnittlicher Vers- und Kapitellänge – wirst du feststellen, dass das meistens schneller geht als Zähneputzen, Schlafanzug anziehen und das Bett fertig machen.

Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren, ob wir Zeit dafür haben oder nicht. Wenn ich zum Beispiel Diabetes habe und eine Insulinspritze brauche, diskutiere ich auch nicht, ob ich zwei oder drei Minuten habe, um sie mir zu geben – ich mache es einfach. Und bitte erzähl mir nicht, dass du keine Zeit hast, zwei Kapitel Bibel zu lesen. Das glaube ich einfach nicht, es sei denn, du hast pflegebedürftige Angehörige oder ein Säugling zu Hause. Dann ist das eine andere Situation.

Damit meine ich auch aktives Bibellesen. Nicht nur irgendwie durchblättern, sondern wirklich aktiv lesen: Unterstreichungen machen, Notizen am Rand schreiben – das geht auch mit einem kleinen Stift oder einer größeren Bibelausgabe. Schreibe Fragen auf, dazu gleich mehr.

Mal angenommen, du würdest für jeden Morgen, an dem du deine Bibel zwei Kapitel weiterliest, fünf Euro bekommen. Du stehst morgens auf, liest deine Bibel zwei Kapitel und bekommst dafür 5000 Euro. Am nächsten Morgen das Gleiche. Mal Hand aufs Herz: Würdest du dann häufiger und zuverlässiger deine Bibel lesen als jetzt? Nur für dich selbst zum Nachdenken, musst du niemandem erzählen.

Wenn du in dir merkst, dass die ehrliche Antwort auf diese Frage „Ja“ sein könnte, dann heißt das: Das Geld wäre für dich ein Anreiz, um das zu tun. Aber nur deine Beziehung zu Gott, ohne das Geld, wäre für dich nicht genug Anreiz. Und wenn das so ist, heißt das, dass Geld dir wichtiger ist als Gott. Lass das einfach mal sacken.

Die Bedeutung einer Gebetsroutine

Dein großer Tipp Nummer zwei: eine Gebetsroutine.

Gebet ist eine Riesensache und sehr wichtig. Da bin ich selbst ganz selbstkritisch, denn ich habe noch viel zu lernen. Deshalb jetzt nur so viel: In der Bibel gibt es ganz verschiedene Arten von Gebet.

Die fünf Hauptgruppen von Gebet sind:

Erstens, das Sündenbekenntnis. Das bedeutet, dass wir uns in unseren eigenen Worten vor Gott entschuldigen für Dinge, die wir falsch gemacht haben. Dabei stehen wir auch dazu, dass wir diese Fehler begangen haben, und versuchen, daraus zu lernen. Wir bringen die Dinge ehrlich vor Gott und bitten um Vergebung.

Zweitens, Gott anbeten für denjenigen, der er ist. Zum Beispiel, dass Gott die Gerechtigkeit in Person ist oder dass Liebe ein persönlicher Wesenszug von Gott ist. Wen oder was sollte man auf der Welt anbeten, wenn nicht Gott?

Drittens, Gott danken für das, was er für dich getan hat, auch durch andere Menschen hindurch. Wahrscheinlich fallen dir in deinem Leben viele Beispiele ein, wenn du einmal darüber nachdenkst.

Viertens, Gott um Dinge bitten, für dich selbst. Das können zum Beispiel gesundheitliche, finanzielle, Beziehungs- oder Familienthemen sein.

Und fünftens, Gott um etwas für andere Menschen bitten. Das nennt man eine Fürbitte.

Eine kleine Anmerkung dazu, damit wir uns richtig verstehen: Beim Gebet kannst du zum Beispiel vorformulierte Gebete benutzen. Das hat einen großen Eigenwert, ist aber nicht zwingend notwendig.

Auch das klingt vielleicht kurios, aber du musst beim Gebet nicht zwangsläufig viel sprechen. Es geht vor allem um den Fokus. Das heißt, dass du bewusst innerlich in Gottes Gegenwart kommst. Das geht auch ohne Worte. Du kannst einfach versuchen, innerlich auf Gott zu hören – und das ist dann auch ein Gebet.

Die Hauptsache ist, dass du innerlich auf Gott ausgerichtet bist und dir bewusst machst: Hier steht eine Beziehung im Mittelpunkt. Die nächsten Minuten sollen ein bewusster Kontakt sein, du machst dich offen dafür, und es soll ein bewusster Dialog sein.

Die Hauptsache beim Gebet ist nicht unbedingt das, was du aussprichst. Viel wichtiger ist die Haltung dahinter. Es geht darum, ehrlich zu sein und dich wirklich in diesen Minuten oder vielleicht Stunden auf Gott auszurichten.

Dazu sagt Gott: „Wenn ihr mich sucht, dann werdet ihr mich finden. Dann werde ich mich von euch finden lassen. Ja, wenn ihr ernsthaft, mit ganzem Herzen nach mir verlangt, dann werde ich mich von euch finden lassen“, spricht der Herr (Jeremia 29,13).

Wie du das lernen kannst, habe ich dir in einer einfachen Gebets-Mindmap zusammengefasst. Sie ist entstanden, weil ein Freund mich einmal gefragt hat, wie das damals war, als ich mich bekehrt habe, wie ich erste Schritte im Glauben gegangen bin und auch im Gebet.

Ich habe das hier aufgezeichnet und dir konkrete Beispiele gegeben. Ich hoffe, das hilft dir. Nimm es gern kostenlos mit – klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Gemeinschaft suchen und die Wahl der Gemeinde

Turbo-Tipp Nummer drei: Such dir Gemeinschaft. Ja, verstehe mich richtig: Online-Gemeinschaften sind gut, auch Hauskreise sind eine super Sache. Aber nichts ersetzt es, in einer örtlichen Gemeinde vor Ort mit echten Menschen in Farbe und 3D eingebunden zu sein.

Jetzt kommt natürlich die Frage aller Fragen: Was ist denn eine gute Gemeinde? Das ist schwierig. Dazu habe ich auch ein eigenes Video gemacht. Du kannst gern die Glocke drücken, dann wird dir das Video dazu angezeigt.

Drehen wir die Frage doch mal um: Was wäre denn zumindest eine schlechte Gemeinde? Eine schlechte Gemeinde ist eine Gemeinde, die eine Sekte ist. Das heißt, am besten suchst du dir eine Gemeinde, die keine Sekte ist.

Das schauen wir uns dieses Jahr noch genauer an: Was eigentlich Sekten sind und was nicht. Aber hier ein oberflächlicher Tipp, wirklich ganz an der Oberfläche, damit du einen ersten Anhaltspunkt hast: Schau, dass die Gemeinde, der du überlegst beizutreten, Teil von einem größeren Dachverband ist. Das kann zum Beispiel – muss nicht, aber kann – die Evangelische Allianz in Deutschland sein. Es kann auch die sogenannte ACK sein, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland oder in der Schweiz. Das sind schon mal nicht die schlechtesten Adressen.

Warum ist das so? Kurzer Hintergrund: Die meisten Sekten haben ein sehr schiefes, komisches Bild von Jesus. Das heißt, sie haben irgendwelche nichtbiblischen Vorstellungen von Jesus. Zum Beispiel erkennst du viele Sekten daran, dass sie die Trinität leugnen, also dass sie behaupten, Gott wäre gar nicht dreieinig, obwohl er es in der Bibel ist. Und es ist wichtig, dass Gott dreieinig ist.

Oder noch mal ganz klar: Viele Sekten – oder die meisten Sekten – leugnen die Zwei-Naturen-Lehre. Was heißt das? Die Bibel spricht ganz klar davon, dass Jesus Gott als Mensch war und ist. Jesus ist also göttlich und gleichzeitig menschlich. Das spielt im Christentum eine größere Rolle, als du vielleicht denkst.

Diese Zwei-Naturen-Lehre, die biblisch ist, können die meisten Sekten nicht ausstehen. Die meisten Sekten wollen aus Jesus etwas anderes machen. Zum Beispiel behaupten sie, dass er nur ein menschlicher Prophet war oder dass Jesus angeblich nur ein Engel sei – oder etwas anderes. Aber meistens haben sie an dieser Zwei-Naturen-Lehre ganz stark etwas auszusetzen.

Das ist einer der Hauptgründe, warum die meisten Sekten zum Beispiel nicht der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, beitreten.

Das heißt: Falls du noch gar keine Gemeinde hast und überlegst, welche Gottesdienste du einfach mal probeweise besuchen möchtest, dann geh doch gleich in Gemeinden, die zum Beispiel in einem dieser beiden Verbände sind.

Und noch ein Tipp zum Thema Gemeinschaft: Ich sage das als jemand, der selbst schon in mehreren Gemeinden war, weil ich früher viel umgezogen bin: Mach dich einfach darauf gefasst, enttäuscht zu werden.

Ich sage das liebevoll, mit guter Absicht, aber auch ernsthaft: Es gibt keine perfekte Gemeinde. Das klingt vielleicht wie ein Kalenderspruch, den du dir an den Kühlschrank klebst. Aber ich meine das wirklich ernst.

In jeder Gemeinde wird es Leute geben, die dir echt auf die Nerven gehen, die Dinge sagen und tun, mit denen du nicht einverstanden bist. Und es wird wahrscheinlich auch schwache Momente geben, in denen du dich dabei ertappst, innerlich zu denken: Können die nicht einfach woanders in den Gottesdienst gehen?

Pass auf, ich sage es dir liebevoll und aus wirklich leidgeprüfter Erfahrung: Ich glaube, ich war häufig auch jemand, bei dem sich andere gedacht haben: Kann der nicht woanders hingehen?

Ich sage dir wirklich: Es ist gut für dich, dass es so ist. Gottes Hauptziel mit dir auf dieser Erde ist nicht, dass du eine tolle Zeit hast. Das Hauptziel hier auf dieser Erde ist, dass du geistlich wächst.

Ja, diese Enttäuschungen und diese Frustrationen sind ein ganz kostbarer Bestandteil von diesem Weg. Das gehört dazu.

Umgang mit anderen Menschen und Evangelium verstehen

Turbo-Tipp Nummer vier klingt jetzt vielleicht kontrovers. Lass mich kurz zu Ende reden.

Ich würde an deiner Stelle am Anfang nicht hauptsächlich versuchen, andere Menschen, bei denen du erkennst, dass sie öffentlich Sünde in ihrem Leben haben, von ihren Sünden abzubringen. Ich sage dir warum: Jemand, der zum Beispiel nicht bekehrt ist, also weiterhin ein sündiger Mensch bleibt und seine Sünden nicht von sich abgewaschen hat, wird trotzdem in die Hölle kommen, wenn er nur aufhört, in der Steuererklärung zu betrügen, sich aber nicht bekehrt und seine Sünden nicht loswird.

Das heißt: Damit andere Menschen nicht in die Hölle kommen, brauchen sie das Evangelium von Jesus, durch das sie freigesprochen werden können. Um dieses Evangelium weiterzugeben, hilft es, dass du es vorher selbst verstanden hast.

Bitte richtig verstehen: Gott kann auch durch unsere Inkompetenz hindurchwirken – das habe ich bei mir häufig genug erlebt, wenn es sein muss. Aber es ist schon besser, dass wir Gott nicht im Weg stehen.

Mein Vorschlag: Versuch erst mal, für dich selbst das Evangelium wirklich zu verstehen. Wir hatten das neulich auch im Unterstützertreffen, wo wir darüber gesprochen haben, dass es wie eine Schale ist. Erst muss diese Schale von geistlicher Füllung, sage ich jetzt mal, voll sein. Aber auch, dass du das Evangelium verstehst. Die Schale muss bei dir erst mal ein Stück weit voll sein, damit sie überschwappen kann und du anderen Leuten davon weitergeben kannst.

Warum? Erst nachdem du verstanden hast, was du glaubst, kannst du es anderen Leuten erklären. Und dieser Spruch von wegen „Gib das Evangelium weiter, wenn es sein muss, dann nutze Worte dafür“ – der ist mit Verlaub einfach Käse. Warum? Weil das Evangelium ja nicht irgendeine Lifestyle-Haltung ist, sondern Informationen enthält. Und wir brauchen Worte, um Informationen weiterzugeben.

Erst nachdem du das verstanden hast – du musst es nicht perfekt verstehen, aber ausreichend – kannst du es anderen erklären. Dazu gibt es tonnenweise Material hier auf diesem Kanal, und es kommen noch eine Menge toller Sachen in den nächsten Wochen und Monaten dazu. Du kannst gern die Glocke unter diesem Video drücken, die ist hier unten rechts, dann wird dir das alles auch angezeigt.

Verstehen, warum man glaubt und persönliche Glaubensmotivation

Fünftens, vorletzter Punkt: Verstehe, warum du glaubst.

Wir haben eben darüber gesprochen, dass es gut ist, zu verstehen, was du glaubst. Das ist wichtig. Jetzt geht es darum, zu verstehen, warum du glaubst.

Lass mich dir kurz und ganz konkret zeigen, was ich meine. Als ich damals noch kein Christ war, war ich ein neugieriger Nichtchrist. Ich habe mir Gottesdienste von vielen verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen angeschaut und besucht. Zum Beispiel bin ich in evangelische Landeskirchen gegangen, in römisch-katholische Kirchen, in evangelische Freikirchen und einige weitere.

Die Leute waren meistens sehr nett, das stimmt wirklich. Häufig ergaben sich Gespräche, und oft habe ich gefragt: Warum seid ihr eigentlich Christen?

Jetzt pass mal auf, was da passiert ist. Was waren so die Antworten, die ich bekommen habe?

Antwort Nummer eins war: „Ich bin so aufgewachsen.“ Da dachte ich mir: Schön, ich bin als Atheist aufgewachsen, also schnickschnack schnuck.

Die nächste Antwort, die ich bekam, war: „Ich habe irgendeine Erfahrung gemacht, die spannend war.“ Da dachte ich: Ach, spannend! Aber hinter mir standen drei Hinduisten, die jeweils fünf Erfahrungen gemacht hatten. Das wurde dann lustig, denn die waren meistens auch lustiger angezogen als der Standard-Gottesdienstbesucher. Das kommt natürlich darauf an.

Dann fragte ich weiter: „Was gibt es denn noch?“

Da kamen Antworten wie: „Alle meine Freunde sind auch in der Kirche.“ Da dachte ich: Denkst du, Bahai-Menschen haben keine Freunde?

Oder: „Ich brauche das Christentum, damit ich mich als besserer Mensch benehme.“ Das hat mich traurig gemacht. Ich dachte: Wirklich? Du brauchst eine Religion, die dir sagt, dass du dich nicht schlecht benehmen sollst? Ich glaube, ich kriege das auch so hin.

Du siehst also, das war damals ein Schuss in den Ofen. Das, was die gesagt haben, war nicht überzeugend.

Ich glaube, du und ich wollen gar nicht wissen, wie viele andere Menschen, die Besucher dieser Gottesdienste waren, sich dann mit Augenrollen abgewendet haben. Sie dachten wahrscheinlich, dass alle Christen nur emotionale Labertaschen sind.

Inzwischen ist es so – das ist jetzt ein paar Jahre her – dass eine neue Generation von Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz heranwächst. Diese Menschen kommen aus allen Glaubensrichtungen und beschäftigen sich intensiv mit ihrer eigenen Religion. Sie lernen sie immer besser kennen.

Dafür gibt es viele gute Bücher, Hörbücher und Podcasts für unterwegs. Schau dafür gern mal auf den Link unter diesem Video.

Geheimtipp: Routinen im Glaubensleben etablieren

Und sechstens: Geheimtipp am Schluss. Das ist eine Sache, über die viel, viel zu wenig gesprochen wird.

Ich hatte damals Theologie studiert und war in diesem akademischen, universitären Kontext. Ja, ich war damals ein liberaler Theologe. Es ist eine lange Geschichte: Ich war vom Glauben abgefallen und so weiter. Es war ziemlich übel alles. Aber als ich nach mehreren Jahren wieder zum Glauben zurückgekommen bin, war dieser sechste Geheimtipp das, was mein Leben im Glaubensleben und in geistlicher Tiefe richtig nach vorne gebracht hat.

Für mich ist das bis heute quasi unverzichtbar: eine Routine, also eine Wochenroutine und eine Tagesroutine.

Eine Wochenroutine könnte zum Beispiel so aussehen, dass du zweimal in der Woche Gemeinschaft mit gläubigen Christen hast, die Jesus nachfolgen und sich an der Bibel orientieren. Es können auch zwei verschiedene Gemeinschaften sein. Zum Beispiel hast du einen Gottesdienst am Sonntagabend, Sonntagmorgen oder Samstagabend – wann auch immer – zu dem du wirklich hingehst und sagst: „Das ist meine Gemeinde, da bin ich dabei.“

Unabhängig davon könntest du zum Beispiel einen Hauskreis mit Leuten aus anderen Gemeinden besuchen, sodass du zwei Termine pro Woche hast.

Vor allem aber – und das ist jetzt wichtig – denn die zwei Termine pro Woche hängen vom Persönlichkeitstyp ab und jeder kann das anders gestalten: Was mir wirklich ernst ist und was ich dir von Herzen ans Herz legen möchte, ist die Entwicklung einer Tagesroutine.

Wie willst du deinen Tagesablauf gestalten? Wenn du das Buch „Überrascht von Furcht“ von Natter von Crosspaint kennst, hat er am Ende einen Vorschlag für eine Tagesroutine für junge Menschen. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Ich gebe dir mal ein paar Anregungen, wie ich es zum Beispiel mache.

Ich kann dir nicht genug betonen, wie wichtig das ist.

Zum Beispiel könntest du morgens, wenn du aufstehst – ich habe das eine Zeit lang sogar viele Jahre lang so gemacht – den Wecker auf 5:15 Uhr oder 5:30 Uhr stellen. Ich musste damals relativ früh aufstehen wegen meines Jobs. Dann wusste ich: Der Wecker klingelt, egal was passiert, ich dusche, putze Zähne, packe irgendwas und so weiter.

Bevor eine halbe Stunde vergangen ist, nachdem der Wecker morgens geklingelt hat, werde ich im Wohnzimmer an der Heizung sitzen und Bibel lesen. Komme, was wolle. Das war mein Anspruch. Es konnte nicht sein, dass eine halbe Stunde nach dem Aufstehen morgens vergangen ist und ich nicht an der Heizung sitze und Bibel lese. Danach geht das Bibellesen natürlich ins Gebet über.

Zweiter Punkt: Du könntest zum Beispiel mittags in der Mittagspause oder wann immer du zwischen Terminen und Verpflichtungen Zeit hast, in der Mitte des Tages nochmal ein bis zwei Kapitel Bibel lesen. Für Leute, die Schicht arbeiten, ist das dann nicht unbedingt um zwölf Uhr mittags, sondern wann anders, logischerweise.

Du kannst das auch einfach am Handy machen. Es dauert weniger lang als Zähneputzen. Wenn du das wirklich willst, kriegst du das hin. Manche Toilettengänge sind länger. Also nutze die Zeit, um in der Mitte des Tages nochmal Zeit mit Gott zu verbringen.

Drittens: Dein Gebetsleben. Es muss nicht sein, dass du einmal im Monat drei Stunden am Stück alles durchbetest. Ich glaube nicht, dass das so sinnvoll ist. Stattdessen solltest du das Gebet eher in kleinen Portionen über den Tag verteilen.

Zum Beispiel, wenn du irgendwo in einer Schlange warten musst – beim Bus, bei der Straßenbahn, beim Einkaufen oder wo auch immer – dann kannst du die Zeit nutzen, um mit der Gebetsmindmap, die wir gerade besprochen haben, ins Gebet mit Gott zu gehen. Du kannst innerlich in seine Gegenwart treten und Dank, Fürbitte und Ähnliches vor Gott bringen.

Ein wichtiger Tipp von mir: Betet vor dem Essen. Macht daraus kein religiöses, pflichtbewusstes oder gesetzliches Ritual. Darum geht es überhaupt nicht. Aber ich kann dir sagen: Es wird etwas verändern. Jeder, den ich persönlich kenne, der das in seinen Alltag eingebaut hat, hat nur Positives berichtet.

Und jetzt noch ein Profitipp von mir: Verbringe abends Zeit mit Gott. Zum Beispiel könntest du abends zwei Kapitel Bibel lesen und Zeit im Gebet verbringen. Das muss insgesamt gar nicht länger als zwanzig Minuten dauern. Es kann auch kürzer sein. Es geht mehr um die Regelmäßigkeit, als dass es irgendwelche epischen Bücherexkurse sind.

Aber ein Tipp von mir: Mach das nicht nachts, also nicht als Letztes vor dem Schlafengehen. Warum? Weil du dann vielleicht schon müde bist. Oder wenn du verheiratet bist, stehen vielleicht noch andere Dinge an.

Ich würde das nicht abends machen, wenn der ganze Tag dich schon voll in Beschlag genommen hat und es sowieso auf Schlafen zugeht. Stattdessen würde ich das zum Beispiel drei Stunden vor dem Schlafengehen machen.

Wenn du zum Beispiel um 23 Uhr schlafen gehst, könntest du sagen: Zwischen 19:30 Uhr und 20:30 Uhr verbringst du bewusst zwanzig Minuten mit Gott beim Bibellesen und Gebet.

Noch ein Profitipp an dieser Stelle: Falls du nicht allein wohnst, also in einer WG oder wenn du verheiratet bist, dann macht das bewusst zusammen.

Ansonsten: Mach das wirklich in einem separaten Raum. Warum? Damit du keine Ablenkungen von der Umwelt hast, sondern dich ganz darauf konzentrieren kannst, jetzt vor deinen Schöpfer und Vollender zu treten.

So, das waren erstmal ein paar erste Gedanken. Schön, dass du bis hierhin gelesen hast. Falls du irgendwelche Fragen hast, kannst du dich gern melden. Zusammen geht das sowieso besser.