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Prediger 11,9-12,14

Prediger 11,9-12,1426.09.2016
Serie•Teil 9 / 9Prediger
Du kannst das Leben nicht entschlüsseln. Bleibt nur die Frage: Willst du alles selbst tragen – oder Gott vertrauen, bewusst leben und die Zeit, die du hast, wirklich nutzen?

Einleitung und Grundspannung des Buches

Die letzte Predigt der Bibelwoche zum Thema Prediger. Wir waren im Alten Testament, und wir haben Salomo zugehört, wie er uns die Nichtigkeit des Lebens vorstellt, eigentlich wie er uns mit der Nichtigkeit des Lebens konfrontiert. Wir haben uns der Vergänglichkeit, der Unverständlichkeit und auch der Unvorhersagbarkeit des Lebens gestellt. Wir haben uns zeigen lassen, wie man ein Leben nach dem Sündenfall lebt, das, ob uns das lieb ist oder nicht, auf den Tod zuläuft und das uns bis dahin mit seinem Auf und Ab und vielleicht, die da waren ja, diesem „Alles hat seine Zeit“ – ja, ein Leben, das uns mit seinem Auf und Ab, mit seiner Gefährlichkeit, mit seiner Ungerechtigkeit auf Trab hält.
Und Salomo als der Autor des Buches Prediger betont eine Doppelstrategie. Wir werden die auch gleich noch einmal im Text finden, aber ich will sie vorwegschieben, damit wir sie ganz klar vor Augen haben. Der erste Punkt, den Salomo ganz klar macht, ist: Leben kann nicht gelingen, wenn wir Gott nicht fürchten. Also Salomo setzt diese Einsicht eigentlich voraus. Der Sünder oder andere Begriffe dafür im Buch Prediger sind der Ungerechte oder der Narr – die müssen am Leben in seiner Komplexität scheitern. Das heißt, dass, wenn der Ungläubige sich von Gott abwendet, weil er vielleicht das Leid in der Welt sieht und sagt: Ich bringe das nicht zusammen, ich verstehe das nicht, wie das alles passt, dann scheitert der Ungläubige eigentlich nicht an Gott, sondern an sich selbst. Er hält sich nämlich als Mensch grundsätzlich für fähig, hinter das Rätsel der Geschichte, hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen.

Die Grenzen menschlicher Erkenntnis und die Wirklichkeit des Lebens

Und genau das ist es, was der Prediger verneint: Du als Mensch wirst scheitern. Du wirst scheitern, wenn du versuchst, das Problem, die Nichtigkeit des Lebens, aufzulösen. Wenn du dir die Welt anschaust und denkst: Das kriege ich schon hin, dann wirst du feststellen: Nein, das kriegst du nicht. Wir sind zu klein, das Problem ist zu groß.
Wir müssen beim Denken immer mit Gott starten, wenn wir zu einem Lebenskonzept kommen wollen, das am Ende alle Fakten des Lebens berücksichtigt. Das bedeutet, dass wir uns einerseits wirklich der Negativität des Lebens stellen müssen. Und der Prediger ist an der Stelle einfach nur klasse: Es ist so, dass Menschen Menschen unterdrücken. Es ist so, dass Leben gefährlich ist, frustrierend ist. Die Krebsdiagnose ist plötzlich da. Und auch wenn wir als Gläubige da eine Strategie haben, mit Gott durch schwierige Zeiten zu gehen, trotzdem bleiben Unglück und Unheil bestehen. Schockierend. Das ist eine Realität. Ich weiß nicht, was morgen kommt. Und das ist die eine Seite, der eine Haufen von Fakten, die man einfach mit in sein Lebensdeutungskonzept hineinnehmen muss: die Negativität des Lebens.
Andererseits, und da ist der Prediger halt auch klasse: Negativität ist doch nicht alles. Wenn du das glaubst, dann werde ich Buddhist. Buddhisten sagen: Alles ist Leiden, wir müssen da raus. Das stimmt nicht. Es gibt eine andere Seite, es gibt eine Ewigkeit in unserem Herzen. Diese Sehnsucht, danach mehr sein zu wollen, zu merken: Nein, ich bin nicht einfach nur Produkt eines blinden Zufalls, da muss mehr sein. Oder es gibt die guten Zeiten im Leben. Da, wo man sagt: Hey, es ist eigentlich total schön heute. Und es gibt dieses Grundsätzliche in mir, dass ich merke, ich möchte meinem Leben einen Sinn geben. Und als Gläubiger würde ich sagen: Ich möchte meinem Leben Anbetung geben. Ich möchte da etwas haben, für das ich leben möchte, weil ich merke, ich selber bin irgendwie zu wenig.
Und diese beiden Fakten, die Negativität des Lebens, aber auch dieses andere, dieses Positive, Ewige, dieses, wo ich merke, ich bin für mehr gemacht, das muss in mein Lebenskonzept zusammengefügt werden. Leben kann gelingen, sagt der Prediger, wenn wir Gott fürchten. Das ist der eine Punkt. Und dazu gehört dann zweitens: Leben kann gelingen, wenn wir es feiern. Zwei Dinge, die zusammengehören: auf der einen Seite Gottesfurcht, wo ich mich als Geschöpf sehe, wo ich sage: Ja, ich verstehe es nicht, ich brauche Gott, der als Schöpfer darübersteht, und auf der anderen Seite die Freude am Leben.
Und da steigen wir ein in Prediger 11,9 und wurschteln uns dann bis Prediger 12,14, wenn das Buch Prediger vorbei ist.

Jugend, Freiheit und Verantwortung

Und heute geht es abschließend so ein bisschen um Jugend und Alter. Vielleicht schmunzelt ihr an der einen oder anderen Stelle, zumindest wenn ihr jung seid. Die Älteren schmunzeln dann meistens nicht so, wenn die Beschreibung des Alters kommt. Die sagen dann: Ja, stimmt.
Aber fangen wir mal bei der Jugend an:
Freue dich, Jüngling, es gilt auch für Mädels, aber das ist immer so diese Männerperspektive, nehmt’s einfach hin. Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und dein Herz mache dich fröhlich in den Tagen deiner Jugendzeit. Und lebe nach dem, was dein Herz wünscht, und wonach deine Augen ausschauen. Doch wisse, dass um all dieser Dinge willen Gott dich zur Rechenschaft ziehen wird.
Der Prediger redet als Weise. Es geht ihm bei der Formulierung „Lebe nach dem, was dein Herz wünscht“ also nicht, Achtung, um Triebbefriedigung. Der Prediger setzt voraus, dass der Zuhörer ganz genau weiß, was Sünde ist, und dass Sünde kaputt macht. Und er betont noch einmal hier am Ende seines Buchs, dass es gilt, unser Leben verantwortlich vor dem Schöpfer zu führen.
Aber der zweite Teil hier, dieses „Doch wisse, dass um all dieser Dinge willen Gott dich zur Rechenschaft ziehen wird“, dieser zweite Teil will nicht den ersten Teil durchstreichen. Also ist es nicht ein: Lebe, hab Spaß, und dann: Ätsch. Sondern es sind zwei Aspekte desselben Lebens. Es ist eine Spannung, die wir im Leben aushalten müssen, und wir dürfen sie nicht, auch das haben wir gesehen in der letzten Woche, in die eine oder andere Richtung auflösen. Es ist eben nicht dann richtig, Asket zu werden oder Freigeist, sondern es ist richtig, die Spannung zu halten.
Und es ist richtig, und ich mag das, ich mag diesen Text. Ich habe den schon vor einigen Jahren auswendig gelernt. Die jungen Leute lernen den auswendig, weil hier steht: Ich darf die Frage stellen, was ich will. Was will ich? Was wünsche ich mir? Wir dürfen, wir sollen gerade in der Jugend, da, wo das Leben noch vor uns liegt, uns freuen. Wir sollen fröhlich sein.
Und ich denke, wir dürfen die Verantwortung für unser Leben nicht vorschnell und irgendwie übergeistlich auf Gott abwälzen, so nach dem Motto: Ja, ich denke mal nicht so darüber nach, wer ich bin und was ich eigentlich will. Gott wird mir das schon zeigen. Nein, wird er vielleicht nicht. Vielleicht will Gott, dass du nachdenkst, wer du bist und was du dir wünschst, und dass du anfängst, in diese Richtung zu leben und zu sagen: Hey, ich schaue mal, wie weit ich da komme, mit Gottes Kraft logischerweise.
Wir dürfen ihn bei alledem nicht vergessen. Handeln wir dumm oder rutschen wir in die Sünde ab, dann wird er uns, und das sagt der Text auch, dann wird er uns zur Rechenschaft ziehen. Aber bitte spürt etwas von der Freiheit, ihr jungen Leute. Spürt etwas von der Freiheit, das Leben zu leben, das ihr in euch spürt. Gott hat euch eine Berufung, Gott hat euch eine Begabung, Gott hat euch Leidenschaft gegeben. Das ist etwas super Positives.
Und versucht jetzt bitte nicht, euch vor den Karren von einem anderen spannen zu lassen. Traut euch, die Frage zu stellen: Was wünscht mein Herz sich eigentlich? Was sind so meine Träume? Und dann schaut, was mit Gottes Hilfe möglich ist.

Lebensfreude, Vergänglichkeit und der Blick auf das Alter

Vers 10: Entferne den Unmut, man könnte auch übersetzen: den Kummer, aus deinem Herzen, und halte Übel von deinem Leib fern. Das geht natürlich nicht absolut. Das würden wir uns wünschen: nie mehr Kummer und nie mehr Übel. Aber Salomo will, dass wir uns nicht niederdrücken lassen von den vielen Wehwehchen, die sich im Lauf eines Lebens einstellen.
Es gibt ein Zuviel an Beschäftigung mit den negativen Seiten des Lebens. Du kannst dein Leben damit zubringen, ständig die Apothekerrundschau durchzublättern, auf der Suche nach noch einer Krankheit, die du auch noch haben könntest. Und es gibt diesen Gedanken: Ach, wäre ich nur noch mal jung! Der ist verständlich, dieser Gedanke. Aber er ist nichtig. Er wird dich nicht durchs Leben tragen. Denn Jugend und dunkles Haar sind Nichtigkeit.
Damals wieder. Wäre ja schön, ich verstehe den Gedanken. Aber die Idee: Wenn ich nur ewig jung bleiben könnte, wo ist der Jungbrunnen, in den ich reinspringen kann? Er wird dich nicht durchs Leben tragen. Forever young ist kein Motto, das funktioniert. Genieße das Leben, wenn du jung bist, tu das. Aber versteh eins: Die Jugend ist zuallererst einmal die Zeit, in der wir eine ganz, ganz tiefe Beziehung zu Gott aufbauen.
Kapitel 12, Vers 1: Und denke an deinen Schöpfer in den Tagen deiner Jugendzeit. Suche und finde Gott, wenn du jung bist. Es ist so viel leichter als im Alter. Die Jugend ist die Zeit der Flexibilität. Jugend ist die Zeit des Lernens. Also, wenn ich euch sagen würde, wie lange ich jetzt an manchen Bibelversen sitze, die dann doch nicht in meinen Schädel hineinwollen, ja, und wie ich weiß, das ging mal. Nein, so ging es nie, aber es ging irgendwie, versteht ihr? Ja? Und heute? Kaum ist er wieder weg. Das ist Jugend.
Jugend ist die Zeit der Verrücktheiten. Und das ist okay. Jugend ist die Zeit der wichtigen Lebensentscheidungen. Wer sich in jungen Jahren bekehrt, der kann sein ganzes Leben für Gott leben. Der kann früh Gottes Weisheit in der Bibel studieren. Er kann sie umsetzen. Er kann ein ganz stabiles Fundament von Glaubensgehorsam schaffen. Wenn du Gott jung findest, hast du einfach Zeit.
Und dann gibt es diesen Mythos: Ja, wenn ich mal alt bin, dann kann ich mich immer noch bekehren. Vergiss es, du wirst es nicht tun. Denke an deinen Schöpfer in den Tagen deiner Jugendzeit. Und jetzt beschreibt Salomo mit gnadenloser Brutalität das Altwerden, bevor die Tage des Übels kommen. Und stellt euch die Antike vor, ohne die medizinische Versorgung, die wir haben, bevor die Tage des Übels kommen und die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Ich habe keinen Gefallen an ihnen. Und dann wirft er einen Blick auf den alten Menschen. Und jetzt schmunzeln wahrscheinlich nicht alle.

Die Härte des Alterns und die Realität des Todes

Aber es ist wahr: Bevor sich Sonne und Licht, Mond und Sterne verfinstern, ja, bevor die Augen schwächer werden und die Wolken nach dem Regen wiederkehren, bedeutet das, dass auch Blase und Darm schwächeln. Das sind Begriffe für grauen Star und Inkontinenz. Das gefällt uns nicht, ist aber im Alter eine Realität.
An dem Tag, wenn die Wächter des Hauses zittern – das sind die Hände –, und die starken Männer sich krümmen, also die großen Muskelgruppen, ein kräftiger Rücken oder kräftige Beine, wenn du merkst, dass du so nach vorne gebeugt gehst, dann passiert das zittrig und krumm. Und die Müllerinnen müßig gehen, weil sie wenig geworden sind, die Zähne sind ausgefallen. Wir haben Glück, wir leben in der Zeit der dritten Zähne und wahrscheinlich der vierten und fünften. Aber in der damaligen Zeit hast du dann angefangen, Brei zu essen.
Und wenn sich die verfinstern, die durch die Fenster sehen, können die Augen nicht nur matt werden, sie können im Alter auch völlig erblinden. Und wenn die Türen zur Straße hin geschlossen werden, während das Geräusch der Mühle dünner wird, setzt langsam die Schwerhörigkeit ein und nimmt zu. Da müsste man besser übersetzen: Er steht auf zur Vogelstimme, und alle Töchter des Gesangs werden gedämpft. Hier beschreibt Salomo das Paradox des Alters: Auf der einen Seite hört man schlechter, aber gleichzeitig schläft man auch schlechter und ist schon vor dem Vogelgezwitscher wieder wach. Ist total irre, dieses Alter, he?
Auch vor der Anhöhe fürchtet man sich, und Schrecknisse sind auf dem Weg. Ein paar Treppenstufen können zu einem echten Problem werden. Der Körper wird schlaff, und der Mandelbaum steht in Blüte? Das Haar wird weiß, und die Heuschrecke schleppt sich mühsam dahin. Das heißt: Wenn du früher mal Heuschrecke warst, ist das vorbei. Die Leichtigkeit ist weg. Du schaust dir die Bilder noch an, auf denen du auch mal Fußball gespielt hast. Ja, hast du mal gemacht. Du warst auch mal im Turnverein, vielleicht auch im Ballett. Ist vorbei. Die Leichtigkeit ist dahin.
Und die Kaper platzt auf. Kaper sind ein sogenanntes Aphrodisiakum, also ein Mittel, um sexuelle Lust zu steigern, zumindest hat man es dafür gehalten. Und wenn die Kaper platzt, ist das leider ein Hinweis darauf, dass da auch im Alter etwas nicht mehr so oft gemacht wird, wie man es früher gemacht hat.
Warum? Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen umher auf der Straße. Am Ende steht das Grab, das ewige Haus, und die Angehörigen heulen.
Wie hieß es oben? Und denke an deinen Schöpfer in den Tagen deiner Jugendzeit, bevor die Tage des Übels kommen, bevor sich alles verfinstert und all diese körperlichen Unmöglichkeiten dann passieren. Und jetzt geht es in Vers 6 ins Dritte: bevor die silberne Schnur zerreißt und die goldene Schale zerspringt und der Krug am Quell zerbricht und das Schöpfrad zersprungen in den Brunnen fällt.
Erkenne Gott, bevor du stirbst. Also wenn du ihn schon nicht in deiner Jugend erkennst, dann schau, dass du ihn überhaupt erkennst, bevor der Tag des Todes heranrückt. Ich weiß nicht, ob irgendjemand hier ist, der noch nicht gläubig ist, aber es wäre eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, dass der Tod eine Realität ist.
Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen ist, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. Das ist das Ziel allen Lebens. Es kommt von Gott, und aller Geist geht zu Gott zurück.
Und ihr ahnt schon, wie das Fazit lautet: Nichtigkeit der Nichtigkeiten, spricht der Prediger, alles ist Nichtigkeit. Dieser Begriff Nichtigkeit beschreibt die Vergänglichkeit des Lebens, die Tatsache, dass wir kommen, kurz leben, alt werden, gehen und vergessen werden. Seit dem Sündenfall ist der Tod und damit das Altern, das Krankwerden und auch das Sterben eine Realität. Wir können uns nicht gegen diese Tatsache stellen. Wir können sie nur akzeptieren, und das ist Wahrheit.
Wenn jemand sich im hohen Alter danach sehnt, dass man noch so herumspringen kann wie ein junger Hirsch, den es im Hohelied gab, oder wenn man denkt: Früher habe ich auch beim Umzug so den Kühlschrank gepackt und dann in den zweiten Stock gehievt, und das würde ich heute noch können, wenn du daran hängst, an diesem Gedanken, wenn ich nur noch so drauf wäre, oder wenn du im Alter vielleicht aus falschem Stolz heraus keinen Rollator verwenden möchtest, weil du nicht willst, dass die anderen deine Gebrechlichkeit mitbekommen, dann ist das nicht weise. Es ist einfach nicht weise.
Finde Gott in deiner Jugend, lebe für ihn und mit ihm bis zum Schluss. So simpel ist das Leben. Und fang nicht im Alter an zu denken: Ja, was wäre wenn? So ist es nicht. Akzeptier es, du hast keine andere Wahl.

Der Zweck des Buches und die Art biblischer Weisheit

Wir kommen jetzt zum Schluss des Buchs. Und darüber hinaus, dass der Prediger weise war, lehrte er noch das Volk Erkenntnis und erwog und forschte und verfasste viele Sprüche. Der Prediger suchte wohlgefällige Worte zu finden und Worte der Wahrheit aufrichtig niederzuschreiben.
Jetzt beschreibt Salomo, warum er dieses ganze Buch geschrieben hat, das Buch Prediger. Er will unbedingt Weisheit vermitteln. Er schreibt das Buch nicht, um zu verwirren oder um uns einfach nur die Absurdität des Lebens vor Augen zu malen. Das macht er zwar. Ich glaube nicht, dass man das Buch Prediger durchliest und am Ende nicht ein bisschen verwirrt ist. Aber das möchte er eigentlich. Er möchte, wie sagt er das? Er möchte wohlgefällige Worte finden, Worte der Wahrheit aufrichtig niederschreiben. Er möchte, dass wir anfangen, darüber nachzudenken. Er will, dass wir am Ende, wenn wir durch sind mit dem Buch, begreifen, was es heißt, ein kluges, nüchternes Leben im Angesicht unserer eigenen Vergänglichkeit und Begrenztheit zu führen.
Darum geht es. Es ist wirklich Weisheit. Es ist Weisheit zu wissen, was ich nicht wissen kann. Es ist Weisheit zu wissen, was ich nicht ändern kann. Es ist Weisheit zu wissen, was ich vom Leben nicht erwarten kann. Es ist einfach Weisheit.
Und mit diesen Worten, Vers 11: Die Worte der Weisen sind wie Treiberstachel und wie eingeschlagene Nägel die gesammelten Sprüche; sie sind gegeben von einem Hirten.
So, der erste Teil: Die Worte der Weisen sind wie Treiberstachel. Ich weiß nicht, ob ihr wisst, was ein Treiberstachel ist. Es ist ein Stecken, und der ist vorne spitz. Und wenn man dann hinter einem Tier herläuft, was weiß ich, ein Ochse, und der Ochse bleibt einfach stehen, dann nimmst du den Treiberstachel und hinten, ja, und holst kurz aus und du kriegst ihn dann in den Bobbo. So, dann kriegt er einen kleinen Hups und läuft wieder weiter. Das ist die Idee.
Und die Worte der Weisen sind wie Treiberstachel. Sie wollen motivieren. Sie wollen nicht nur auswendig gelernt werden, damit man bei klugen geistlichen Diskussionen punkten kann. Sie wollen uns tatsächlich auf Trab halten. Und deswegen darf Weisheit wehtun, darf Weisheit auch mal ein bisschen unangenehm sein. Das gehört dazu. Wenn du dich nach so einer Bibelwoche nicht ein bisschen schüttelst und sagst: Hm, dann war das nicht gut, dann habe ich meinen Job nicht gut genug gemacht. Oder vielleicht hast du gedacht: Nö. Aber dazu kommen wir nachher noch.
Also das eine ist: Worte der Weisheit wollen dich anstupsen, wollen dich in Bewegung setzen, wollen dich ärgern. Das zweite aber: Sie sind wie eingeschlagene Nägel, die gesammelten Sprüche. So ein Nagel fixiert etwas. Also Weisheit will nicht nur motivieren, sie will gleichzeitig auch stabilisieren. Sie will Festigkeit geben. Wir würden vielleicht heute sagen, sie möchte eine Charakterstärke vermitteln.
Und die Haltung, sie sind gegeben von einem Hirten, heißt es im Text. Die Haltung, mit der Salomo seine Sprüche schreibt, ist die eines Hirten. Wenn du frisch bekehrt bist, dann tauche in das Denken der Bibel ein. Wenn du frisch bekehrt bist oder wenn du noch nicht genug Ahnung von der Bibel hast, dann tauche in das Denken der Bibel ein. Schnapp dir so viel Weisheit, wie du kriegen kannst.

Warnung, Bibellesen und geistliche Selbstprüfung

Vers zwölf: Und darüber hinaus, mein Sohn und meine Tochter, lass dich von ihnen warnen. Das ist das, was Weisheitsliteratur will. Sie möchte warnen.
Und ich komme an dieser Stelle zu einer ganz zentralen Frage geistlichen Lebens. Diese Frage lautet: Wie lese ich eigentlich meine Bibel?
Es gibt zwei Herangehensweisen an die Bibel. Es gibt das, was ich den intellektuellen Approach nenne. Also: Ich nähere mich der Bibel einfach deshalb, weil ich sie verstehen will. Ich habe vielleicht viel Spaß am Lernen. Es gibt solche Leute, wirklich. Sie haben einfach Spaß daran, immer noch etwas dazuzulernen, noch etwas mehr zu wissen und noch ein bisschen zu grübeln, auch über irgendeine Spitzfindigkeit. Vielleicht bist du so jemand, der intellektuelle Typ.
Ich mache die Bibel zu meinem Studienobjekt. Das ist nicht verkehrt. Ich habe eben noch gesagt: Es ist gut, wenn du jung bist und noch Kraft hast, dich tief in die Bibel hineinzufressen. Du musst das Denken der Bibel kennenlernen.
Aber ein klein wenig, wenn du jetzt so dieser intellektuelle Typ bist, der lernt, ich sage mal, ein bisschen um des Lernens willen, wird Salomo warnend seinen Zeigefinger erheben. Er wird sagen: Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren ermüdet den Leib.
Wisst ihr, mit dem Bibelstudieren wird man irgendwie nicht fertig. Jedes Jahr erscheinen mehr theologische Fachbücher auf dem Markt, die ich gerne lesen würde, als ich jemals Zeit haben werde. Und ich bin noch nicht bei den Fachzeitschriften, und ich bin noch nicht bei den interessanten Internetseiten, und ich bin noch lange nicht irgendwo bei YouTube-Videos angekommen. Es gibt einfach viel, viel, viel zu viel.
Es gibt eine Art, die Bibel zu studieren, die ermüdet den Leib. Sie kostet also Zeit, ist anstrengend, trägt aber in sich die ganz große Gefahr des Selbstzwecks. Man macht das Bibelstudium um des Bibelstudiums willen.
Und ja, die Bibel betont, wie wichtig es ist, sie zu lesen. Wie wichtig und wertvoll es ist, die Bibelverse auswendig zu lernen. Der Herr Jesus in der Wüste, in der Zeit der Versuchung, zeigt, wie er damit umgehen kann. Die Bibel betont ganz stark, wie wichtig es ist, über das Wort Gottes nachzudenken.
Ich rate dir: Verbringe jede Woche mindestens so viel Zeit mit der Bibel, wie du Serien oder Fußball schaust, damit wenigstens so die Prioritäten im Leben stimmen. Das muss sein, damit du wächst. Du brauchst Gottes Wort in deinem Herzen. Du brauchst das wirklich. Wenn du zu wenig Umgang mit der Bibel hast, dann ist das so, als wenn du bei deinem Essen die Vitamine weglässt. Dann wird man nicht wachsen, dann wird man krank.
Aber Vorsicht! Einfach nur Zeit mit der Bibel verbringen, einfach nur Bibel studieren, darüber nachdenken, bis ich mich müde studiert habe, das ist nicht, worum es geht. Hinter der Bibel steht ein Hirtengott. Im Hebräischen heißt es: Jachwe Ra'a, der Herr ist mein Hirte. Ein Hirtengott steckt hinter der Bibel. Ihm ist weniger daran gelegen, dich müde zu machen, als dich zu warnen. Lass dich warnen!
Wenn du dich also mit der Bibel beschäftigst, insbesondere mit der Weisheitsliteratur, und mir ist klar, dass das viel, viel Text ist, alleine die einunddreißig Kapitel Sprüche plus der Prediger. Wenn du dich mal in Ruhe durch Hiob arbeitest, das braucht Kraft. Das geht nicht mal nebenbei. Da muss man sich rausnehmen, da muss man vielleicht auch in der Gruppe mal etwas machen, da muss man eine gewisse Leidenschaft entwickeln, auch mal Dürreperioden, in denen es keinen Spaß macht, zu überwinden.
Aber wenn du das tust, lass dich warnen. Finde einen Bezug zur Bibel. Lies, hör zu, weil Gott dich warnen will. Der Prediger ist voller guter Tipps. Mein Ratschlag ist: Hör dir die Predigten noch mal an. Eure Technik stellt sie euch zur Verfügung. Wenn du sagst, ich habe nicht die Zeit, das alles durchzuhören, es geht schneller. Es geht schneller.
Etwa ab Donnerstag wird es auf Frogwords die kompletten Skripte geben. Das heißt, wenn du sagst, ich will mich noch mal durchfressen, und die Skripte sind manchmal natürlich exakter formuliert, als man predigen kann, logisch, da sind noch ein paar Fußnoten dran, nicht so viele, aber hey: Ladet euch die Skripte runter, lest es einfach noch mal durch.
Und dann stell dir die Frage: Im Angesicht dieser Weisheitssprüche, wo habe ich im Denken oder im Verhalten eine Schieflage? Also: Wenn ich mich warnen lassen soll, wenn ich diesen Treiberstachel-Effekt, diese Motivation spüren will, wenn ich eine gewisse Festigkeit kriegen will, dann denk doch noch mal in Ruhe darüber nach. Nimm dir doch noch mal die, ich weiß es nicht, zwei, drei Stunden, um das durchzulesen, und mach dir einfach an den Rändern einen Strich, wenn du merkst: Das ist mein Thema.
Du brauchst ja nicht viel, wenn du am Ende einer Bibelwoche rausgehst und sagst: Ich habe drei Themen, zwei Themen identifiziert, wo Gott mit mir darüber reden möchte. Ich habe vielleicht zwei Verse aus dem Prediger, die ich auswendig lerne, weil ich sage: Das muss ich mitnehmen, da will ich weiterkommen. Das reicht für den Rest des Jahres, das reicht noch für die erste Hälfte 2017.
Wisst ihr, es gibt ja nicht unendlich viele Themen, wo Gott gleichzeitig seinen Finger in die Wunde legt. Sondern er pingt uns irgendwo an, und das müssen wir mitnehmen. Aber das nehmen wir vielleicht nicht mit, wenn wir einfach nur einen Vortrag hören, zwischendrin denken: Ja, stimmt, da müsste man noch mal weiter, wuff, schon ist er wieder weiter, und dann verliert man das.
Deswegen arbeitet das nach. Seid nüchtern, seid klug an der Stelle. Lasst euch warnen. Diese Fragen: Wo habe ich in meinem Denken oder im Verhalten eine Schieflage? Wo stimmen meine Prioritäten nicht? Wo verhalte ich mich kindisch, weil ich mich nicht warnen lassen will? Weil vielleicht meine eigenen Gedanken oder der gute alte Trott, wir haben über die Starrsinnigkeit des Alters mal kurz gesprochen, wo der gute alte Trott mir lieber ist, als dass Gott noch mal ganz neu das schüttelt und noch mal schaut, was da rausfällt.
Traut euch das!

Das Fazit: Gottesfurcht, Gericht und wahres Menschsein

Vers 13: Lass dich warnen, denn jetzt kommt Vers 13, das Endergebnis des Ganzen. Lasst uns hören, das Fazit unter dem ganzen Buch: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das soll jeder Mensch tun.
Wenn ich manchmal sage, dass ich etwas gerne ein bisschen anders übersetzen möchte, dürft ihr mir nicht böse sein. Das sage ich einfach manchmal, weil ich mir denke: Das soll jeder Mensch tun. Ja, so könnte man es übersetzen, aber eigentlich ist hier ein Artikel, und der ist ausnahmsweise wirklich wichtig. Ich übersetze das mal ein bisschen stärker. Das ist wahres Menschsein, das ist der ganze Adam, das ist das ganze Menschsein.
Das Endergebnis des Ganzen, lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist wahres Menschsein. Echtes Menschsein beginnt mit dem Gehorsam gegenüber dem Schöpfer. Unser Menschsein wird eben nicht durch unsere Sterblichkeit und durch unsere Unwissenheit definiert, sondern durch Gottesfurcht und Gehorsam.
Es ist der Sündenfall, wo der Mensch sein will wie Gott. Und wo er ungehorsam wird, ist es der Sündenfall, wo er seine Menschlichkeit verliert. Wahres Menschsein zurückzugewinnen heißt, sich Gott zu unterwerfen, ihm zu gehorchen und sich neu an ihn zu hängen, so wie es von Anfang an gedacht war. Und indem wir das tun, gewinnen wir unsere Menschlichkeit zurück.
Alles ist nichtig, vergänglich, ohne bleibenden Wert. Dieses irdische Leben ist frustrierend, haben wir gesehen. Die Frage ist: Wie reagiere ich darauf? Ich glaube, es gibt ganz grob zwei Alternativen.
Du kannst auf der einen Seite den Weg des Nihilisten gehen. Du kannst sagen: Da ist nichts, also mache ich das Beste daraus. Oder du gehst den Weg, den der Prediger uns vorschlägt, präsentiert, wünscht, nahelegt und vor dem er warnt, ihn nicht zu gehen. Das ist der Weg des Glaubens.
Wenn alles unter der Sonne, was der Mensch aus sich heraus tun kann, ihm keine Bedeutung gibt, wenn alles, was du aus dir selber heraus tun und denken kannst, dir keine Bedeutung gibt, wenn wir die Zukunft weder kontrollieren noch vorhersagen können, wenn wir unser Leben nicht durch Weisheit oder religiöse Tricks, auch über das Gelübde haben wir nachgedacht, gegen das Unglück absichern können, was bleibt dann?
Dann bleibt echte Gottesfurcht. Dann ist es logisch und richtig, dass ich einfach meine Stellung als Geschöpf anerkenne und mich an den Schöpfer hänge, denn mehr kann ich nicht machen. Und wenn ich das tue, der letzte Gedanke nochmals:
Das Endergebnis des Ganzen, lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote, das ist wahres Menschsein. Denn Gott wird Vers 14 jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen. Mein Leben ist nichtig, aber nicht unwichtig. Am Ende steht ein Gericht, und wenn das Verborgene ans Licht kommt, dann gehen, und ich zitiere jetzt Matthäus 25,46 zum Schluss unseren Herrn, dann gehen die einen in die ewige Strafe und die anderen in das ewige Leben.
Und der Prediger zeigt uns ganz klar, wo er uns hin haben möchte. Er möchte uns in alle Ewigkeit bei Gott haben. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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