Serie•Teil 2 / 4E21 Regionalkonferenz Südwest 2026
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Ausgangsfrage
Vielen Dank, Daniel, für deinen Vortrag vorhin und all das, womit du uns schon hineingenommen hast. Das war ein wunderbarer Einstieg in diesen Tag.
Ich freue mich auf das, was kommt, und darauf, wie wir wachsen dürfen und staunen dürfen über diesen dreieinen Gott.
Ich bin vor einigen Jahren mit jemandem unterwegs gewesen, also in unserer Beziehung, der nicht Christ war, und wir haben angefangen, gemeinsam die Bibel zu lesen. Ich habe mit ihm angefangen, das Markusevangelium zu lesen. Dort kommt schon nach wenigen Versen die Taufe Jesu, wo steht, dass der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabkommt und die Stimme des Vaters vom Himmel sagt: Du bist mein geliebter Sohn.
Ich war darauf irgendwie nicht so gut vorbereitet. Jedenfalls hat derjenige, mit dem ich das gemacht habe, mich dann mit allen möglichen Fragen zur Dreieinigkeit konfrontiert. Ich dachte: Na gut, wir können schnell über diesen Text hinweggehen und uns andere Sachen noch anschauen. Aber das hat mich vor die Frage gestellt: Wie ist das zu verstehen? Wie erkläre ich jemandem die Dreieinigkeit? Oder in einem Gespräch mit einem Muslim ist mir das schon häufiger passiert. Das ist eine der ersten Fragen, wenn wir über den Glauben sprechen: Ja, was ist denn mit der Dreieinigkeit? Was glaubt ihr Christen denn da eigentlich? Ihr glaubt doch irgendwie an drei Götter, oder? Und dann stehst du da vor der Frage: Ja, wie erkläre ich das jetzt?
Ich wünsche mir, dass dieser Tag auch ein Beitrag dazu ist, dass wir selbst ein Stück mehr davon verstehen, wer Gott ist als der dreieine Gott, und dass wir auch in die Lage versetzt werden, das ein Stück mehr zu erklären.
Natürlich ist es so, dass wir beim Erklären schnell an unsere Grenzen stoßen. Wie erkläre ich etwas, was wir mit unserem begrenzten Verstand eigentlich nicht begreifen können? Wir kommen an unsere Grenzen. Und wie erkläre ich etwas, was ich gar nicht erklären kann?
Und dennoch, das haben wir auch schon gesehen, gibt Gottes Wort uns dankbarerweise Fenster mit Einblick in diese Dreieinigkeit. Wenn du heute hier bist und vielleicht noch gar nicht so viel über die Dreieinigkeit nachgedacht hast, dann kann es passieren, und vielleicht nicht nur dir, sondern auch anderen, dass es deinen Verstand sprengt, dass dein Kopf anfängt zu rauchen. Und ich würde sagen: Ja, das ist bis zu einem gewissen Grade gut so.
Wenn wir über die Dreieinigkeit nachdenken, ist Gott so anders als wir, dass wir an unsere Grenzen kommen und nicht alles verstehen. Die Kernfrage in der Lehre der Dreieinigkeit ist: Wer ist dieser Gott, der sich uns offenbart als der dreieine Gott in Vater, Sohn und Heiliger Geist?
Und Daniel hat das schon gesagt: Es ist so zentral für unseren Glauben und für unser Leben. Wer ist Gott in seinem Wesen, von Ewigkeit her? Wie sind die Beziehungen innerhalb der Dreieinigkeit zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist zueinander?
Wenn wir jetzt weiter einsteigen und auch den Rest des Tages, ich glaube, da kann ich auch für die anderen sprechen, habe ich den Eindruck, wir kratzen gerade einmal an der Oberfläche. Ich hatte einzelne Abschnitte in meiner Vorbereitung, die ich zum Teil auch noch drin habe. Da habe ich aber gedacht: Ich versuche hier etwas in drei Sätzen zu sagen oder zu erklären, wofür man einen ganzen Konferenztag verwenden könnte.
Wir kratzen an der Oberfläche, aber wir wollen einen Hunger bekommen nach mehr von Gott, nach dem, wer Gott ist, und eine Sehnsucht danach, tiefer einzusteigen. Und dieser Tag kann für manche vielleicht auch eine Hilfe sein, genau das zu tun, sich weiter damit auseinanderzusetzen und Gott mehr zu begreifen, ihn mehr anzubeten.
Unter Christen, auch heute gerade im evangelikalen oder konservativen Spektrum, gibt es auch eine ganze Reihe Unsicherheiten. Es gibt verschiedene Aussagen, die getätigt werden oder so im Raum stehen, oder Ansichten, die vertreten werden im Blick auf die Dreieinigkeit, die problematisch sein könnten.
Wir haben dieses klassische Statement, vielleicht kennt ihr das aus dem athanasianischen Glaubensbekenntnis aus dem sechsten, siebten Jahrhundert. Dort heißt es: Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit, ohne Vermischung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit. Wir bezeugen und bekennen: Gott ist ein Wesen in drei Personen.
Es ist unser Gebet, es ist mein Gebet, dass die Beschäftigung mit diesem Gott uns dazu führt, dass wir mehr staunen und mehr anbeten. Es ist eine Wahrheit, die uns die Sprache verschlägt, wo wir mit offenem Mund stehen können und sagen können: Es ist zu herrlich, es ist zu groß, um es wirklich zu begreifen. Es ist wie eine Quelle, die nicht versiegt, eine Quelle des Glücks und der Freude. Lasst uns dort hineingehen.
Ich will noch mal ganz kurz beten.
Herr, wir stehen vor dir und dürfen staunen über dein Wesen, wer du bist. Wir wollen dich anbeten, wir wollen dich mehr kennenlernen, mehr lieben lernen. Und wir wissen, dass wir begrenzt sind in unserem Verstehen, in unserem Begreifen. Und deswegen brauchen wir deine Hilfe. Ich bitte dich, dass du mir hilfst, die richtigen Worte zu finden, und dass du uns hilfst, aufmerksam zu hören und die Dinge, die du als Wahrheit offenbart hast in deinem Wort, in unsere Herzen einzuprägen, so dass wir einen größeren Hunger nach dir haben, dass wir mehr staunen und anbeten. Amen.
Die Angriffe auf das klassische Verständnis
Bilder, die zu kurz greifen
Was habe ich mit euch vor? Der Dreieine in der Kirchengeschichte
Ich mache keinen kirchengeschichtlichen Vortrag, und ich gehe auch nicht chronologisch durch die ganze Kirchengeschichte. Was ich vorhabe, ist Folgendes:
Stellt euch vor, wir haben eine Burg, und diese Burg wird angegriffen. Der Feind greift die Burg an und schießt Pfeile auf sie, um sie zu erobern. Wir haben also Pfeile, die auf die Burg geschossen werden, und wir brauchen ein Schutzschild in der Burg, um sie zu verteidigen.
Diese Pfeile, die geschossen werden, sind Angriffe auf das Zentrum des christlichen Glaubens, auf die Lehre von Gott, auf die Lehre von der Dreieinigkeit. Es gibt eine ganze Menge Pfeile, die im Lauf der Kirchengeschichte abgeschossen wurden und die bis heute Auswirkungen haben, sich heute in anderer Form zeigen oder heute dazukommen. Und das, was wir brauchen, ist ein geeignetes Schutzschild, um diese Angriffe abzuwehren.
Wir müssen diese Pfeile abwehren können. Wir brauchen eine biblische Lehre, die uns hilft, uns zu schützen und zu verteidigen. Dazu werden wir uns biblische Texte anschauen und Hilfe aus der Kirchengeschichte bekommen.
Das Dritte, was ich machen will, ist, dass wir dadurch mehr verstehen und mehr sehen, wer Gott ist, und dass uns das zur Anbetung führt. Diese Beschäftigung mit den Pfeilen, die abgeschossen werden, und mit der Verteidigung ist keine trockene Denksportaufgabe. Es geht um das Zentrum unseres Glaubens, etwas so Kostbares, dass unser Herz dadurch erhoben werden darf zu dem Gott, den wir anbeten.
Deswegen habe ich folgende Struktur:
Der erste Punkt ist: Der Dreieine angegriffen.
Der zweite Punkt ist: Der Dreieine verteidigt. Dort werden wir am meisten Zeit verbringen.
Der dritte Punkt ist: Der Dreieine angebetet.
Das Erste also: Der Dreieine angegriffen.
Ich muss da eine Auswahl treffen, aber ich habe sechs verschiedene Angriffe auf die klassische Lehre von der Dreieinigkeit ausgewählt. Diese Angriffe sind unterschiedlich gelagert. Es sind aber Dinge, von denen ich glaube, dass wir mindestens einen Teil davon kennen oder dass uns manches davon auch heute schon begegnet ist.
Der erste Angriff: Vielleicht hört ihr manchmal, dass jemand sagt, die Dreieinigkeit sei wie ein Team, das aus drei Personen besteht. Daniel hatte ein ähnliches Beispiel schon genannt. Die Dreieinigkeit müssen wir uns vorstellen wie ein Team mit drei Personen, die einfach sehr gut miteinander arbeiten und gut funktionieren. Und wenn wir das auf menschlicher Ebene kennen, also ein Team, das so gut funktioniert, dann multiplizieren wir das einfach ins Unendliche und sagen: Okay, dann haben wir eine Vorstellung davon, wer Gott in seiner Dreieinigkeit ist.
Die Folge davon ist, dass wir sagen müssen: Okay, die Dreieinigkeit besteht aus drei Personen, die alle ihr eigenes Bewusstsein, ihren eigenen Willen besitzen und sich irgendwie auf die Dinge einigen können, die sie gemeinsam tun wollen.
Eines der Probleme dabei ist, und das wird uns gleich noch mehr begegnen: Wenn wir unsere Erlebniswelt auf Gottes Wesen projizieren, wenn wir sagen, das ist doch wie das, was wir kennen, wie so ein Team, das zusammenarbeitet, und das versuchen wir auf Gott zu projizieren, um ihn besser zu verstehen, dann wird es problematisch.
Diese Lehre oder dieser Ansatz wird oft als soziale Dreieinigkeit bezeichnet.
Unterordnung, Modalismus und falsche Bilder
Der zweite Angriff hört sich folgendermaßen an: Der Sohn ordnet sich dem Vater unter, nicht erst in der Inkarnation, in der Menschwerdung, sondern von Ewigkeit her. Mit anderen Worten: Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist so, dass der Sohn sich seit Ewigkeit dem Vater unterordnet. Es ist eine Beziehung von Autorität und Unterordnung. Der Vater besitzt die Autorität, und der Sohn ordnet sich unter.
Und was dabei passiert, ist Folgendes: Die Unterordnung des Sohnes unter den Vater, die wir in dem Moment haben, wo Jesus Mensch wird, in der Inkarnation, sehen wir dort, wo Jesus als Mensch auf der Erde ist und sich dem Willen des Vaters unterordnet. Diese Unterordnung wird zurückprojiziert auf die ewige Dreieinigkeit, und es wird gesagt: Das ist Teil des Wesens Gottes, das ist Teil der Beziehungen von Vater und Sohn in der Ewigkeit. Und dieser Ansatz wird bezeichnet als ewige funktionale Unterordnung. Wenn ihr aufmerksam gehört habt, was Daniel gesagt hat, dann passt das nicht ganz zusammen. Darauf werden wir später noch einmal zurückkommen.
Die Beziehung, wie wir sie gesehen haben, in der Vater und Sohn zueinander stehen, ist in dieser Bezeichnung von Autorität und Unterordnung nicht das, wie wir die ewige Dreieinigkeit beschreiben können.
Der dritte Angriff, den wir hören können, lautet: Wir müssen betonen, dass Gott wirklich nur ein Wesen ist. Gott ist ein Wesen und untrennbar eins, und deswegen kann er nicht drei Personen sein. Mit anderen Worten: Der Sohn hat nicht ewig existiert. Gott offenbart sich zwar als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist, aber es gibt keine Unterscheidung zwischen diesen drei Personen, so dass manche sogar sagen würden: Na ja, Jesus ist der Vater. Letztlich ist dieser Ansatz eine Ablehnung der Dreieinigkeit. Es ist die klassische Lehre vom sogenannten Modalismus. Heute taucht das in der Bewegung der Oneness-Pfingstler auf, wer sich damit auskennt, oder Oneness Pentecostals, zum Beispiel.
Ein vierter Angriff ist der Versuch, eine geeignete Analogie zu finden. Die Dreieinigkeit musst du dir vorstellen wie, vielleicht hast du schon einmal etwas dazu gehört, wie das weitergeht, oder du hast selbst Ideen, wo du sagst: Ja, das kann man sich doch gut vorstellen. Verschiedene Analogien werden verwendet, um die Dreieinigkeit zu verstehen und zu erklären. Die Dreieinigkeit musst du dir vorstellen wie Wasser. Es hat drei Formen, es ist fest, flüssig und gasförmig, aber alles ist irgendwie Wasser. Oder die Dreieinigkeit musst du dir vorstellen wie ein dreiblättriges Kleeblatt. Es sind drei Teile von einem Wesen, das Kleeblatt ist eins und gleichzeitig hat es irgendwie drei Blätter. Und es gibt noch eine Reihe anderer Analogien.
Auch wenn diese Analogien oft gut gemeinte Versuche sind, etwas anschaulich zu machen, was wir schwer begreifen können, sind solche Analogien nicht hilfreich. Sie helfen uns nicht, wirklich die Dreieinigkeit zu verstehen oder da einzutauchen. Es ist letztlich ein Versuch, den Schöpfer aus der Schöpfung heraus zu beschreiben, und damit stoßen wir an unsere Grenzen. Es geht zu schnell schief, wenn wir den Schöpfer beschreiben wollen mit dem Horizont, den wir als Geschöpfe haben.
Karl Truman sagt: Die Dreieinigkeit ist einzigartig. Es gibt nichts Vergleichbares. Es gibt für die Dreieinigkeit keine Analogie in der geschaffenen Welt, die wirklich hilfreich wäre. Das ist der Punkt: Die Dreieinigkeit ist so einzigartig, wir können sie nicht mit irgendetwas vergleichen. Das heißt, wenn du das nächste Mal den Satz hörst: Die Dreieinigkeit ist wie ..., dann kannst du davon ausgehen, das ist vermutlich eine unzureichende Darstellung, vielleicht sogar eine falsche Darstellung der Dreieinigkeit.
Das sind vier Angriffe. Zwei weitere Angriffe will ich noch nennen, die auf große Debatten in der Kirchengeschichte zurückgehen. Eine große Debatte drehte sich um den Heiligen Geist. Dort wurde gesagt, dass der Heilige Geist nur vom Vater ausgeht und nicht vom Sohn. Es ist die sogenannte Filioque-Diskussion. Das Begriff braucht ihr euch nicht merken, wenn ihr ihn nicht bis heute kanntet. Das meint, dass der Heilige Geist auch vom Sohn ausgeht, nicht nur vom Vater. Diese Ergänzung ist dieses lateinische Wort Filioque. Und diese Diskussion wurde auch zu einem der Knackpunkte für die spätere Kirchenspaltung zwischen Ostkirche und Westkirche.
Der sechste Angriff, der letzte Angriff, lautet folgendermaßen: Wenn die Bibel sagt, dass der Sohn einzig geboren oder gezeugt ist, dann muss der Sohn einen Anfang in seiner Existenz haben. Dann kann der Sohn nicht ewig sein, er muss einen Anfang haben. Das ist die große Debatte um Arius im vierten Jahrhundert, die dann letztlich auch mit dem Konzil von Nicaea zu tun hat und mit dem Glaubensbekenntnis, das wir von dort bekommen haben. Arius hat einen Sturm ausgelöst mit den Worten: Es gab eine Zeit, da war der Sohn nicht. Arius hat gesagt: Damit wir dieses Zeugnis der Bibel, dass der Sohn gezeugt ist, aufrechterhalten können, muss der Sohn einen Anfang gehabt haben. Er kann nicht von Ewigkeit her existiert haben. Das, was Arius macht, werden wir gleich auch noch einmal sehen, ist letztlich die Bedeutung, wie beim Menschen das Gezeugtsein bei einem Menschen auf Gottes Wesen zu projizieren. Und Daniel hat dazu auch schon ein paar Dinge gesagt, so dass ihr merkt: Okay, das sind Angriffe auf die klassische Lehre, auf die biblische Lehre der Dreieinigkeit, und wir werden uns dem gleich widmen.
Bei all diesen Angriffen auf die Lehre der Dreieinigkeit ist es so, dass entweder die Betonung zu stark auf den drei Personen liegt, auf den Unterschieden, oder zu stark auf dem einen Wesen. Was wir brauchen, ist die Balance, beides zusammen zu haben, und nicht in eine Argumentation zu kommen, die irgendwie schiefgeht und das eine mehr betont als das andere. Und damit kommen wir an die Grenzen unseres Verstehens.
Wir brauchen gegen diesen Beschuss, gegen diese Aussagen, gegen diese Angriffsfeile eine geeignete Verteidigung, einen geeigneten Schutz darüber, wer Gott ist. Und das führt uns zum zweiten Punkt: Der Dreieine verteidigt. Der Dreieine verteidigt. Was sagt die Bibel letztlich über die Dreieinigkeit? Was ist das biblische Schutzschild, das uns hilft, die Lehre von der Dreieinigkeit zu schützen und zu verteidigen?
Wir haben schon gesehen, dass Gott letztlich ein Wesen ist. Das ist der biblische Befund: Gott besitzt alle Eigenschaften in vollkommenem Maß, er ist ungeteilt. Theologen nennen das die Einfachheit Gottes. Gott ist einfach. Nicht missverstehen: einfach heißt nicht, dass Gott leicht zu verstehen wäre oder dass Gott irgendwie weniger intellektuell wäre. Gemeint ist, dass Gott nicht zusammengesetzt ist aus verschiedenen Teilen, dass Gott nicht die Summe seiner Eigenschaften ist. Du fügst alle Eigenschaften zusammen, und am Ende kommt Gott dabei heraus. Oder dass der Vater ein Drittel von Gott ist und der Sohn ein Drittel und der Heilige Geist ein Drittel. Gott ist einfach, er ist nicht zusammengesetzt, er ist in vollem Maß seine Eigenschaften. Die gehören in vollem Maß zu Gott. Du kannst sie nicht trennen. Du kannst nicht einer Eigenschaft nur zu 90 Prozent Gott zuschreiben.
Und das biblische Zeugnis ist, dass der Vater vollkommen Gott ist, der Sohn vollkommen Gott, der Heilige Geist vollkommen Gott, und doch haben wir einen Gott. Wir haben keine Unterschiede der Personen in ihren Eigenschaften. Es ist nicht so, dass einer eine Eigenschaft mehr besitzt als der andere. Wenn der Sohn zum Beispiel mehr Liebe wäre als der Vater, dann wäre der Vater nicht vollkommen Liebe. Dann würde ihm etwas fehlen. Dann wäre die Möglichkeit da, dass der Vater an Liebe zunimmt, dass er sich verändern kann, dass er besser werden könnte oder schlechter werden könnte. Aber Gottsein bedeutet per Definition, vollkommen zu sein, in vollkommenem Maß alle Eigenschaften zu haben, keinen Raum zu haben, die eine oder andere Eigenschaft noch zu verbessern.
Und Gott ist untrennbar. Wir unterscheiden zwar zwischen diesen drei Personen in einem gewissen Sinn, aber in seinem Wesen ist Gott nicht zu trennen. Die Folge davon ist, dass Gott nur einen Willen besitzt. Wir haben drei Personen, aber wir haben nur einen Willen. Wir haben nicht drei Willen, die sich irgendwie einigen können und dann einen gemeinsamen Weg gehen. Das hat damit zu tun, dass der Wille im Wesen verankert ist, im Wesen Gottes. Die Eigenschaften Gottes und der Wille Gottes gehören untrennbar zusammen. Wir könnten auch sagen: Der Wille Gottes, das, was er will, ist der Ausdruck seines Wesens.
Vielleicht ist das ein bisschen kompliziert gewesen. Ich versuche es an einem kurzen Beispiel deutlich zu machen: Gott will, dass wir heilig sind, und das ist der Ausdruck seines Wesens. Sein Wille ist der Ausdruck dessen, wer er ist. Er ist heilig. Er ist vollkommen heilig, und der Ausdruck ist sein Wille.
Es kann sein, dass dieser Abschnitt zu kurz war. Dann könnt ihr nachher mit Fragen gerne auf mich zukommen, wir können weiterreden. Aber wir haben noch weiteres vor uns. Ich will mit euch sieben kurze Wahrheiten durchgehen und benennen, um das noch einmal klarzumachen: Was ist das, was die Bibel klar bezeugt?
Das Erste ist die erste Wahrheit: Es gibt nur einen Gott. Wir haben das in 5. Mose 6,4 zum Beispiel, auch andere Stellen. Daniel hat das schon erwähnt, diese Stelle: Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein, oder der Herr ist einer. Es gibt nur einen Gott. 5. Mose 6,4. Das ist das klare Zeugnis in der Schrift. Wir haben einen Gott.
Die zweite Wahrheit ist: Der Vater ist Gott. Der Vater ist Gott. Über dreißig Mal im Neuen Testament wird Gott als der Vater bezeichnet. Und das ist vielleicht gar nicht so die Riesendiskussion, weil das eigentlich relativ leicht zugänglich und verständlich ist, dass Gott der Vater ist. Titus 1,4 zum Beispiel als ein Beispiel. Dort schreibt Paulus an Titus: Mein echtes Kind, nach unserem gemeinsamen Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede sei mit dir von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, unserem Retter. Ein Beispiel, wo wir sehen, dass der Vater Gott ist.
Die dritte Wahrheit, die wir sehen können, ist, dass der Sohn Gott ist. Auch da gibt es eine ganze Reihe Möglichkeiten, wo wir hingehen können. Eine Stelle, die ich anschauen will, ist in Johannes 8,58. An dieser Stelle gehen wir auch kurz durch, ihr dürft mit aufschlagen, wenn ihr natürlich wollt. Johannes 8,58. Dort sagt Jesus in der Auseinandersetzung mit den Juden: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Ehe Abraham war, bin ich. Und dieses „bin ich“ ist eine Anspielung oder sogar ein Zitat aus 2. Mose 3,14, diese Selbstoffenbarung Gottes am brennenden Dornbusch dem Mose gegenüber. Und Jesus sagt: Bevor Abraham existiert hat, bin ich. Jesus ist der, der schon ewig existiert hat, der nicht irgendwann einen Anfang genommen hat. Jesus ist der Sohn, der Gott ist.
Oder ein anderes Beispiel, wo ihr das sehen könnt, ist in Markus 2, die ersten Verse, wo Jesus den Gelähmten heilt, der durch das Dach vor ihn gebracht wird. Markus 2,5. Dort sagt Jesus dann zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Eine starke Aussage. Die Reaktion der Schriftgelehrten ist dann, in Vers 7: Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? Sie sagen: Ey, Moment mal, nur Gott kann Sünden vergeben, und Jesus vergibt Sünden. Das heißt, die Schriftgelehrten haben die richtige Grundlage, die richtige Theorie. Sie wissen: Sünden vergeben gehört zu Gott, nur Gott kann Sünden vergeben. Da lagen sie richtig. Was sie falsch hatten in ihrer Sichtweise: Sie haben Jesus nicht als Gott gesehen.
Und so geht es dann weiter, Verse 10 und 11. Dort sagt Jesus: Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf und nimm deine Liegematte und geh heim. Jesus sagt nicht nur: Deine Sünden sind dir vergeben, sondern er beweist es durch die Heilung des Gelähmten, dass er Vollmacht hat, Sünden zu vergeben. Jesus vergibt Sünden, der Sohn ist Gott. Das ist die dritte Wahrheit.
Die vierte Wahrheit: Der Heilige Geist ist Gott. Auch dort können wir zu einer Menge Bibelstellen gehen, aus Zeitgründen nehme ich nur eine kurz heraus: Apostelgeschichte 5, wo die erste Gemeinde in Jerusalem ist und wo Ananias und Saphira zu Petrus kommen und wo Petrus dann in Vers 3 zu Ananias sagt, also wo sie einen Teil des Erlöses von dem verkauften Grundstück für sich behalten wollten oder behalten haben, dort sagt Petrus in Vers 3: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, sodass du den Heiligen Geist belogen hast und von dem Erlös des Gutes etwas für dich auf die Seite geschafft hast? Und dann Vers 4: Hättest du es nicht als dein Eigentum behalten können, und als du es verkauft hattest, war es nicht in deiner Gewalt? Warum hast du denn in deinem Herzen diese Tat beschlossen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.
Vers 3 sagt Petrus: Du hast den Heiligen Geist belogen mit dem, was du getan hast. Vers 4 sagt er: Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott. Der Heilige Geist ist Gott, und wir finden das auch an einer Reihe anderer Stellen.
Wir haben einen Gott, der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott. Diese vier Wahrheiten. Gleichzeitig sehen wir, dass diese unterschieden werden. Daniel ist da auch schon darauf eingegangen, das werde ich jetzt hier überspringen. Wir haben den Missionsauftrag Matthäus 28 oder die Segensformel 2. Korinther 13. Wir haben eine Reihe von anderen Stellen, wo der Vater, der Sohn und der Heilige Geist gleichzeitig erwähnt werden oder gemeinsam auftreten.
Was wir dann sagen können, ist die Schlussfolgerung, die nächsten drei Wahrheiten fünf, sechs und sieben: Der Vater ist nicht der Sohn, er wird unterschieden. Das, was wir in der Bibel finden, ist, dass der Vater und der Sohn unterschieden sind. Der Vater ist nicht der Sohn. Die sechste Wahrheit: Der Sohn ist nicht der Heilige Geist. Auch diese beiden werden unterschieden. Der Sohn ist nicht der Heilige Geist. Und die siebte Wahrheit: Der Heilige Geist ist nicht der Vater. Auch Heiliger Geist und Vater sind unterschieden. Jeder dieser drei ist Gott. Wir haben einen Gott, und diese drei sind trotzdem unterschieden.
Dieses biblische Schutzschild, dieser Befund, den wir jetzt relativ simpel einfach der Reihe nach gemacht haben, hilft uns gegen manche dieser Sichtweisen und Angriffe, die ich am Anfang gesagt habe. Es hilft uns gegen die Sichtweise der sogenannten sozialen Dreieinigkeit, dieses heutige Konzept eines Teams von drei Personen auf die Dreieinigkeit zu übertragen. Das Problem ist, dass wir ein menschliches Konstrukt auf das ewige Wesen übertragen. Und eines der Probleme dabei ist, dass die Definition, was eine Person ist, heute bei uns in der Regel nicht dasselbe ist, oder wenn wir auf uns Menschen schauen, auch nicht dasselbe ist wie die klassische Definition in der Kirchengeschichte. Wir sagen: Ja, eine Person hat natürlich einen Willen und ein eigenes Bewusstsein. Und dann sagen wir: Na ja, wenn die Dreieinigkeit aus drei Personen besteht, dann muss das da ja genauso sein. Das ist aber nicht, wie die Kirchenväter das beschrieben haben, wenn sie von drei Personen gesprochen haben. Klassisch, das habe ich eben schon einmal gesagt, wird der Wille dem Wesen zugeordnet und nicht der Person, so dass wir bei Gott einen Willen haben und nicht drei.
Also dieses Schutzschild hilft uns gegen die Sichtweise der sozialen Dreieinigkeit. Es hilft uns gegen den Modalismus, gegen diese Sichtweise: Gott ist ein Gott, der sich offenbart, einfach nur auf verschiedene Weisen. Das funktioniert nicht, wenn wir die biblischen Texte ernst nehmen, die Wahrheiten, die wir uns gerade angeschaut haben. Es hilft uns gegen diese Analogie mit dem Wasser, die im Prinzip das Gleiche sagt wie der Modalismus: Du hast Wasser, aber es kann in verschiedenen Formen auftreten, mal findest du das halt als gasförmig, mal als flüssig und mal als feste Form. Oder wie ein Schauspieler in drei verschiedene Rollen schlüpfen kann. Das ist nicht das, wie die Bibel Gott beschreibt, als den dreieinen Gott.
Und es hilft uns beispielsweise gegen die Analogie von dem Kleeblatt, gegen den sogenannten Tritheismus, der am Ende sagt: Okay, wir haben hier drei Götter. Der die Unterschiede der Personen so überbetont, dass du am Ende bei drei Göttern landest. Nein, wir haben einen Gott. Vater, Sohn und Geist werden als Gott bezeichnet, sie werden unterschieden, aber wir haben gleichzeitig einen Gott, nicht drei Götter, an die wir glauben.
Wenn wir das klar sehen können, dann stellt sich weiter die Frage: Okay, wie beschreiben wir jetzt diese Beziehungen der Dreieinigkeit untereinander? Das ist der Rahmen, den wir gesehen haben. Und wie beschreiben wir die Beziehungen der drei Personen untereinander? Und da ist es gut, dass wir die Hilfe aus der Kirchengeschichte haben. Daniel hat ja auch schon darauf hingewiesen, und wir haben drei Glaubensbekenntnisse, die zentral dafür sind. Die gehen wir jetzt nicht der Reihe nach komplett durch. Die darf ich euch empfehlen, gerne zu lesen. Im Internet findet ihr das alles: das Glaubensbekenntnis von Nicaea oder von Konstantinopel 325 beziehungsweise 381, das Niceno-Konstantinopolitanum. Das richtet sich vor allem gegen Arius und die Irrlehre, dass der Sohn nicht schon ewig existiert hat. Dann haben wir das Glaubensbekenntnis von Chalcedon 451, ein Jahrhundert später etwa, wo es vor allem um die Person Christi geht, wer Christus ist, zwei Naturen und eine Person. Und im sechsten und siebten Jahrhundert das athanasische Glaubensbekenntnis, was auch die Dreieinigkeitslehre noch einmal auf wunderbare Weise zusammenbringt.
Ich will mit euch jetzt in kurzen Schritten noch einmal zu den drei Personen durchgehen, mit Formulierungen aus den Glaubensbekenntnissen, die die Beziehungen von Vater, Sohn und Heiligem Geist betreffen. Wie können wir sie beschreiben? Wie beschreiben das die Kirchenväter? Zu welchen Formulierungen sind sie gekommen?
Das Erste ist der Vater. Der Vater, wir können vom Vater sagen, er ist von niemandem gemacht, er ist weder geschaffen noch gezeugt. Gott wird nicht erst zum Vater, irgendwann im Laufe der Geschichte oder bei der Inkarnation. Gott war schon immer da, ungeschaffen, weder geschaffen noch gezeugt. Das ist der Text oder sind die Texte, was sie sagen. Und das unterscheidet ihn vom Sohn. Das ist das Einzige, was ihn vom Sohn unterscheidet: dass er ungeschaffen, weder geschaffen noch gezeugt ist. Sonst ist er in allem gleich mit dem Sohn.
Und in der Kirchengeschichte war diese Aussage auch nicht wirklich umstritten. Das war etwas, was eigentlich klar war, wo wenig darüber diskutiert wurde, dass der Vater Gott ist und dass er ungeschaffen ist, dass er die Quelle, der Ursprung von allem ist. Die Diskussionen fingen dann beim Sohn an und später auch zum Heiligen Geist, aber beim Sohn kristallisiert sich das am stärksten heraus.
Zum Sohn können wir sagen: Er ist nicht geschaffen, sondern ewig gezeugt. Er ist wesensgleich mit dem Vater, und er ist nicht geschaffen, sondern ewig gezeugt. Gott ist Vater, weil er einen Sohn hat, und Jesus ist der Sohn, weil er einen Vater hat. Und wir haben drei großartige Texte im Neuen Testament, die uns genau diese Realität wunderbar vor Augen führen. Wir haben den Text in Johannes 1, und Daniel hatte Verse davon schon gelesen, da brauchen wir nicht darauf einzugehen: Johannes 1,3, Johannes 1,14 und 18, dass der Sohn ewig gezeugt ist, aber nicht geschaffen. Dann haben wir gerade gesehen in Johannes 8,58 oder auch in Johannes 17,5, dass der Sohn ewig existent ist. Er hat schon immer existiert, von Ewigkeit her.
Der zweite großartige Text ist in Hebräer 1, die Verse 1 bis 6. Auf den gehen wir heute nicht ein, das müssen wir ein andermal machen. Was ich mit euch jetzt anschauen will, ist Kolosser 1, und zwar die Verse 12 bis 20. Dort schreibt Paulus an die Kolosser ab Vers 12: indem ihr dem Vater Dank sagt, der uns tüchtig gemacht hat, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht. Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, indem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten, alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, er, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es gefiel Gott, in ihm alle Fülle wohnen zu lassen und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes, durch ihn, sowohl was auf Erden als auch was im Himmel ist.
Wir haben in Vers 12 und 13 Bezeichnungen oder zwei Titel für den Sohn: Ebenbild wird als Ebenbild bezeichnet und als Erstgeborener. Dann haben wir in den Versen 16 und 17 die Beziehung des Sohnes zur Schöpfung, und die Verse 18 bis 20 zeigen uns die Aufgabe oder die Rolle des Sohnes in der Erlösung. Und hier ist wichtig, noch einmal diese Unterscheidung zu machen. Daniel hat uns da schon geholfen, aber es ist ein ganz zentraler Punkt, dass wir unterscheiden zwischen der Dreieinigkeit in der Ewigkeit, wie sie in ihrem Wesen von Ewigkeit existiert, in den Beziehungen der Dreieinigkeit zueinander, und wie sie in dem Handeln Gottes existiert, in der Erlösung, in der Inkarnation. Und diese Verse 18 bis 20 beschreiben, was der Sohn in der Inkarnation tut, um uns zu erlösen, und die Verse 15 bis 17 beschreiben den anderen Teil der Dreieinigkeit.
Lasst uns kurz hineingehen: Das Ebenbild und Erstgeborener in Vers 15 beziehen sich auf den Sohn in Vers 13. Vers 15 beginnt mit einem relativ frohen: Dieser ist das Ebenbild, und das bezieht sich auf den Sohn, wo wir in Vers 13 haben: Gott hat uns gerettet, versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Mit anderen Worten: Der Begriff oder der Titel Ebenbild erklärt oder führt die Bedeutung von Sohn aus. Wenn wir fragen: Wer ist denn der Sohn, was ist denn der Sohn in der ewigen Dreieinigkeit?, dann sagt Paulus in diesem Text: Er ist das Ebenbild, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Der unsichtbare Gott, der Gott, den niemand gesehen hat, ist bekannt gemacht worden in seinem Sohn, und der Sohn ist sein Ebenbild.
Erstgeborener zeigt, dass das Ebenbild mit der Sohnschaft verbunden ist. Er ist aus demselben Wesen wie der Vater, er ist das Ebenbild, und Erstgeborener ist der Begriff aus dem Familienkontext. Paulus entfaltet die Lehre hier, dass der Vater den Sohn gezeugt hat. Er ist der Sohn seiner Liebe, die Beziehung zwischen den beiden ist Liebe, und er ist der Erstgeborene, der Gezeugte in demselben Wesen, im Ebenbild Gottes. Er ist das Ebenbild Gottes.
Wenn wir das jetzt lesen, könnten wir meinen: Na ja, wenn da Erstgeborener steht, dann klingt das so, als wenn der Sohn vielleicht doch geschaffen ist, irgendwann in die Existenz gekommen ist. So kennen wir das: Wenn jemand geboren worden ist, jemand gezeugt worden ist, dann hat er einen Anfang, dann ist er nicht ewig existent. Aber dann haben wir die Verse 16 und 17, die uns das deutlich machen: In ihm ist alles erschaffen worden, am Ende von Vers 16, alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Und das ist dasselbe Argument, was wir schon in Johannes 1 gesehen haben: Der Sohn ist kein Geschöpf, er ist nicht Teil der Schöpfung. Er ist der Erstgeborene aller Schöpfungen, sagt Paulus, gerade weil er der Urheber der ganzen Schöpfung ist. Und deswegen muss sich dieses Erstgeborensein auf sein ewiges Gezeugtsein beziehen, ja, auf etwas, was in der Ewigkeit passiert ist. Er steht auf der Seite des Schöpfers und nicht des Geschöpfes. Alles wird durch ihn erhalten, der Sohn ist nicht Teil der Schöpfung.
Es ist wichtig, dass wir das sehen und nicht von diesem Begriff Erstgeborener vielleicht fehlgeleitet werden. Also zusammengefasst: Das, was wir hier haben, die Verse 12 und 13, die Beziehung vom Vater zum Sohn, das ist der Kontext, das ist das Thema, um das es jetzt in den Versen geht: der Vater zum Sohn. Und dann ist in Vers 15 die Sprache vom Gezeugtsein, die Beziehung ist zwischen Vater und Sohn, der Sohn ist gezeugt vom Vater. Dann in Vers 16 sehen wir: Dieser Sohn, dieses Gezeugtsein, ist etwas Ewiges, der Sohn ist kein Geschöpf, er ist auf der Seite des Schöpfers, deswegen ist es ein ewiges Gezeugtsein. Und dann ergänzen wir das zweite Bild, das wir haben, den zweiten Titel in Vers 15: das Ebenbild. Der Sohn ist vom selben Wesen wie der Vater. Das bringt uns diese Wahrheiten, die wir an verschiedenen Stellen gesehen haben, wunderbar zusammen, die wir auch in den Glaubensbekenntnissen, in der Kirchengeschichte finden. Der Vater steht in Beziehung zum Sohn durch Zeugung. Der Vater bringt den Sohn hervor, und der Sohn ist von derselben Substanz wie der Vater.
Und der einzige Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohn ist: Über den Vater können wir sagen, er ist ungezeugt, das können wir nicht über den Sohn sagen. Und die einzige Sache, die wir über den Sohn sagen können: Er ist nicht geschaffen, sondern er ist gezeugt. Das ist der Unterschied zwischen ihm und dem Vater. Und das hilft uns logischerweise gegen Angriffe wie zum Beispiel die Lehre von Arius, wo dieses menschliche Verständnis vom Gezeugtsein auf Gottes Wesen projiziert wird und wir sagen: Nee, das passt nicht mit dem, was wir hier finden. Dieses Gezeugtsein muss in der Ewigkeit geschehen sein, sonst macht der Text keinen Sinn, wie er weitergeht.
Und es hilft uns auch gegen diese Ansicht der ewigen funktionalen Unterordnung des Sohnes. Diese Sichtweise bleibt nicht bei dem stehen, was wir über die Beziehung zwischen Vater und Sohn sagen können, sondern diese Sichtweise ergänzt den Punkt, der sagt: Okay, das ist nicht alles, was wir sagen können, sondern wir müssen dazu noch ergänzen, dass der Sohn sich dem Vater von Ewigkeit her untergeordnet hat. Seid ihr noch bei mir? Ich versuche, wir kommen gleich zum Schluss.
Das Problem bei dieser Sichtweise ist, dass sie weggeht von den klassischen Formulierungen. Von dem, was Daniel gesagt hat, was wir gerade angeschaut haben, ist, dass dann die Autorität dem Vater zugeschrieben wird, aber nicht dem Sohn. Wenn der Sohn sich von Ewigkeit unterordnet, dann ordnet er sich der Autorität des Vaters unter. Das heißt, der Vater hat Autorität und der Sohn nicht, der Sohn hat seine Unterordnung. Die Folge davon ist aber, dass die Autorität nicht mehr eine Eigenschaft Gottes ist, eine Eigenschaft der göttlichen Natur, und damit würde sie ja allen drei Personen in gleichem, vollem Maß gelten, sondern sie wird isoliert und nur dem Vater zugeschrieben. Und das Problem, was darin gesehen würde, das Problem, was damit besteht, ist: Das ist ja Teil des göttlichen Wesens, wer Gott ist, dass er voll Autorität ist, so dass wir Autorität mit seinem Wesen verbinden müssen und das nicht loslösen können und sagen: Nur der Vater hat Autorität und nicht der Sohn oder der Heilige Geist.
Ein weiteres Problem ist, das sagen nicht alle Vertreter dieser Sichtweise, aber ich denke, es ist eine logische Konsequenz aus diesem Ansatz, dass wir nicht mehr sagen können, es gibt nur einen Willen in Gott, sondern letztlich drei Willen, weil der Sohn sich dem Vater unterordnet. Daraus folgt, er muss einen eigenen Willen haben, den er unter den Willen des Vaters stellt. Und damit ist der Wille dann nicht mehr im Wesen verankert, ihr erinnert euch: Wille im Wesen verankert, sondern in der Person. So etwas haben wir zum Beispiel bei der sozialen Dreieinigkeit gesehen, wo drei Personen sind, jeder mit seinem eigenen Willen, und die einigen sich auf ein bestimmtes Vorgehen oder ein bestimmtes Handeln.
Also diese Sichtweisen, die wir gesehen haben, helfen uns gegen solche Angriffe und solche Pfeile.
Noch zum Heiligen Geist: Der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgehend, das ist die Frage. Die Formulierung des Bekenntnisses ist, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht, nicht nur vom Vater. Und das ist etwas, was in Frage gestellt wurde. Ja, was ist denn damit? Und die zwei Texte, da können wir ja eigentlich, wir haben keine Zeit mehr dafür. Johannes 14,26 und Johannes 15,26. Ich lese sie ganz kurz.
Johannes 14,26: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen. Dort heißt es, der Vater ist der, der den Heiligen Geist sendet. Dann gibt es Leute, die sagen: Na ja, sieh mal, der Heilige Geist wird nur vom Vater gesandt. Dann lesen wir in Kapitel 15,26: Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird der von mir Zeugnis geben. Dort spricht Jesus und er sagt: Ich sende den Heiligen Geist vom Vater, der vom Vater ausgeht. Das heißt, wir haben ein Senden vom Vater und vom Sohn, wir haben ein Ausgehen vom Vater, was letztlich dasselbe ist, es formuliert dieselbe Wahrheit wie das Ausgehen vom Sohn. Der Heilige Geist wird vom Vater und vom Sohn gesandt und geht aus beiden hervor.
Kurze Zeit später, in Kapitel 16,15, sagt Jesus auch: Alles, was der Vater hat, ist mein. Wenn der Heilige Geist vom Vater ausgeht, dann muss er auch vom Sohn ausgehen, sonst würden wir den Vater und den Sohn trennen. Der Sohn muss genauso wie der Vater sein, untrennbar, also auch hier untrennbar sein. Das heißt, das Ausgehen muss von beiden kommen.
Zusammenfassend diese drei Punkte: Der Vater ist nicht geschaffen, nicht gezeugt. Der Sohn ist aus dem Vater geboren, vor aller Zeit, von Ewigkeit her gezeugt. Und der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohn aus.
Anbetung als Ziel
Staunen statt bloßes Erklären
Das führt uns zum dritten Punkt. Das ist ein kurzer Punkt: Der Dreieine wird angebetet. Die Lehre von der Dreieinigkeit darf, soll und muss uns zur Anbetung führen. Wir wollen das lehren und glauben, was die Bibel lehrt. Deswegen ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und zu sagen: Okay, lassen Sie uns in die Tiefe gehen und das verstehen und begreifen.
Wir haben gesehen, dass es bei vielen Sichtweisen, die irgendwelche anderen Wege genommen haben, damit zu tun hat, dass sie entweder ein Wesen überbetont haben oder drei Personen, oder dass am Ende vielleicht sogar drei Götter dabei herausgekommen sind. Was machen wir jetzt damit? In der Mittagspause könnt ihr das verarbeiten, was ihr gehört habt. Aber ich wünsche mir noch einen viel größeren Punkt.
Gregor von Nazianz, ein früher Kirchenvater, hat gesagt: Jedes Mal, wenn ich über den Einen nachdenke, wird mein Geist zu den Dreien hingezogen. Doch jedes Mal, wenn ich über die Drei nachdenke, wird mein Geist zu dem Einen hingezogen. Lasst uns die Dreieinigkeit nicht trennen, nicht die drei Personen in einem Wesen. Lasst uns das zusammenhalten.
Und Karl Truman ergänzt dazu. Er schreibt über Gregor von Nazianz. Er sagt, er konnte die Dreieinigkeit nicht erklären. Das ist tröstlich, oder? Er konnte die Dreieinigkeit nicht erklären, er konnte einfach nur die Drei in Einem und den Einen in Dreien anbeten und verehren. Das Geheimnis, die Grenze der Unbegreiflichkeit, war für ihn eine Erinnerung daran, dass er nicht Gott ist.
Wenn du hier heute Abend rausgehst, dann kannst du mehrere Punkte mitnehmen. Das eine ist die Erinnerung: Du bist nicht Gott. Wir sind Geschöpfe, wir sind begrenzt, es ist unbegreiflich. Und das andere ist, dass wir mit unserem Blick auf diesen Dreieingott ihn mehr anbeten dürfen und staunen dürfen, wer er ist.
Gott in seiner Vollkommenheit ist ein unergründlicher Ozean von Herrlichkeit und Majestät. Wir schwimmen heute nur ein wenig an der Oberfläche, und wir dürfen immer noch weiter, tiefer eintauchen in diesen herrlichen Ozean von Gottes Wesen, von der ewigen Dreieinigkeit. Du kannst dein Leben lang studieren und daran weiter wachsen, und du kommst an kein Ende. Aber du wächst nicht daran, indem du mehr Wissen über die Dreieinigkeit hast oder jedem das noch besser erklären kannst, sondern indem du ihn anbetest, indem du nachsinnst und betest über den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, dein Leben lang.
Kolosser 1, den Text, den wir angeschaut haben, ist ein Text der Anbetung. Es ist kein Text in einem Klassenzimmer, wo unterrichtet wird: Ja, wie ist denn jetzt die Dreieinigkeit zu verstehen? Es ist ein Text, der Paulus als Lobpreis hat, Gott in seiner Herrlichkeit darzustellen.
Und etwas, was mir in den letzten Monaten mit der Beschäftigung zum Thema Dreieinigkeit passiert ist, das will ich dir mitgeben, oder ich wünsche mir, dass du das auch erlebst: dass unsere Seele hier gesättigt wird. Wenn unsere Seele nicht in der Fülle und Herrlichkeit Gottes gesättigt wird, wo dann? Wir suchen so viel Fülle an so vielen anderen Orten, aber hier ist der richtige Ort. Und wenn du dich da hineinbegibst und auf den Geschmack kommst von dieser herrlichen Dreieinigkeit, dann wird es deinen Hunger vergrößern, mehr davon zu begreifen, mehr davon zu staunen, mehr da einzutauchen, mehr gesättigt zu werden, um nur noch mehr Hunger zu bekommen.
Aber weißt du, du kannst nicht an einem herrlichen Sonnenuntergang vorbeigehen und ihn ignorieren. Du musst stehenbleiben und staunen. Und genauso ist es mit der Dreieinigkeit. Nimm dir Momente, Tage, Zeiten, wo du stehst und staunst.
Ich liebe das Lied von Paul Gerhardt: „Ich stehe an deiner Krippen hier“, mein Weihnachtlieblingslied. Dort heißt es in der vierten Strophe, glaube ich: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen.“ Geht es dir so, wenn du die Dreieinigkeit anschaust, wenn du Gott anschaust? Du kannst dich nicht satt sehen. Du kannst deinen Blick nicht davon wenden. Und das, was er weiterschreibt, ist: „Und weil ich nun nicht anders kann, bleibe ich anbetend stehen.“
Lasst uns diese Wahrheit verinnerlichen. Lasst uns diesen Gott mit Freude anschauen, uns nicht satt sehen können. Weil wir nicht anders können, bleiben wir anbetend stehen. Lasst uns den dreieinen Gott anbeten, hier und heute, in der Gewissheit, wir werden in aller Ewigkeit diesen Gott anbeten, der so reich ist und so voll ist und so tief ist, dass wir an kein Ende kommen, ihm Lob zu singen. Amen.
Lasst uns beten: Herr, wir staunen über dich, über deine Herrlichkeit, über dein Wesen. Und wir können uns nicht satt sehen. Herr, ich bitte dich, dass du diesen Hunger in uns anregst und dass wir diese Sättigung erleben, wenn wir dich anschauen, wenn wir tiefer begreifen, wer du wirklich bist, sodass alles andere im Vergleich dazu verblasst, so dass wir nicht anders können, als anbetend vor dir zu stehen. Amen.
