Generierte Mitschrift
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Die geistliche Lage der Gemeinde und der Blick auf Pfingsten
1. Korinther 2 steht unser Predigttext ab Vers 12. Paulus hat sich im Korintherbrief ganz stark mit dieser Gemeinde auseinandergesetzt, die dort in Griechenland entstanden war, besonders im Blick auf den Geist Gottes. Es ist ja merkwürdig, dass schon in der ersten Christenheit sofort menschlicher Hochmut sich der Gabe des Geistes Gottes bemächtigt hat und von dort her überheblich über andere gerichtet wurde.
Sie können die ganzen Fragen dann einmal selbst nachlesen im Zusammenhang mit dieser Sprachengabe, wo Paulus diese Gemeinde zurückholen muss und ihr von ihrer Einseitigkeit her zeigen muss, wie der Geist Gottes anders wirkt, als sie es empfunden haben, und wie dieser menschliche Hochmutsgeist vom Geist Gottes zerbrochen werden muss. Gerade auch diese Anfangskapitel sind deshalb ganz wichtig, auch im 2. Korintherbrief. Diese beiden Briefe führen uns hinein in die Fülle des Geistes Gottes, ab Vers 12:
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, so dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten das Wirken des Geistes auf geistgewirkte Art.
Der natürliche Mensch aber nimmt nichts an, was vom Geist Gottes kommt. Es ist ihm eine Torheit. Wir würden heute sagen: Er empfindet das als Blödsinn. Er kann es nicht verstehen, denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und kann doch selber von niemand beurteilt werden. Denn wer hat den Geist des Herrn erkannt, oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben den Geist Christi!
Herr, führ uns alle dorthin in die Fülle deines Geistes! Amen!
Liebe Schwestern und Brüder, in diesen Tagen ist doch jeder von uns erfüllt mit dem, was man aus der Politik hört, mit dem, was in der Welt geschehen ist. Nicht nur unsere jungen Leute, sondern alle, die vom Frieden reden, bewegt eine tiefe Sehnsucht. Und man besinnt sich: Müsste man nicht auch in diesen Tagen Partei ergreifen, hier mitschreien, dort mitmarschieren, hier ein Wort sprechen, dort eine Aktion starten?
Aber nicht nur im politischen Leben, auch in den großen wirtschaftlichen Problemen, die über unsere Welt hinweggehen, in der Frage der großen Ungerechtigkeit, wird es immer wieder bedrängend: Wo ist denn eigentlich Gott in diesen Tagen? Wo wirkt denn Gott? Hat sich Gott nur zurückgezogen, oder auf welcher Partei steht er?
Es gibt ja immer wieder Versuche, Gott in irgendeine Partei hineinzuziehen und zu sagen: Die da kämpfen, die dort kämpfen, die für die Freiheit eintreten, die für diese Gerechtigkeit kämpfen, die hier von Frieden reden, die haben doch Gott auf ihrer Seite. Es ist gut, dass wir an Pfingsten lernen müssen, umzudenken. Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist.
Gott ist gar nicht dort, wo die großen Umwälzungen unserer Zeit sind. Gott marschiert gar nicht mit diesen großen Kampagnen und Aktionen. Wo wirkt Gott dann? Er wirkt, wie es einst Elia am Sinai erleben musste, im sanften, stillen Sausen. Kein Mensch, und oft auch die Christen nicht, ahnt, dass Gott ganz verborgen heute seine Geschichte weitermacht, nicht da, wo alle Menschen denken, sondern da, wo sie es auf der einen oder auf der anderen Seite vermuten.
Ganz still geschieht Gottes Wirken heute. Er macht seine Geschichte weiter, die er einmal begonnen hat. Das, was er einmal angefangen hat, als er seine Gemeinde sammelte, das geht weiter durch die Jahrhunderte, und auch in diesen Tagen baut Gott seine Gemeinde.
Gottes verborgenes Handeln und die Blindheit für das Unspektakuläre
Jetzt weiß ich: Wenn ich so etwas sage, würde sofort einer, der vielleicht nicht ganz bibelfest wäre, murren und sagen, er würde sich ja freuen, wenn solche Leute im Gottesdienst sind. Er würde murren und sagen: Du redest ja nicht in unsere Probleme hinein, du sprichst nicht in das, was uns bewegt.
Doch! Aber unser Menschenauge bleibt immer wieder hängen an dem Spektakulären, an dem, was in die Augen springt, und wir haben für den Geist Gottes, der so still und sanft wirkt, kein Gespür. Und wir übersehen oft, wie Gott aus dem, was in unseren Augen verborgen ist, etwas Großes, Gewaltiges, Mächtiges wirken kann.
Von uns hätte das keiner für möglich gehalten, dass dieser schüchterne Jüngerkreis es fertigbringt, in Jerusalem dreitausend Menschen zum Glauben zu führen, und das an einem Tag. Sie brauchen mir nicht vorzuwerfen, ich hätte nicht große evangelistische Planungen im Kopf. Aber so etwas könnte ich nicht denken, dass wir von Gott gebraucht werden, dass so viele Menschen zur Glaubensgewissheit durchbrechen.
Und dann ist ja noch viel mehr geschehen in dieser Gemeinde, dass diese Leute, die sich dort trafen, nicht bloß in einer Lippenfrömmigkeit zusammenkamen, sondern das hat ja so gewirkt, dass ihr ganzes Wesen und ihr Tun von Gott bestimmt war. Das kann der Geist Gottes tun.
Nun werden Sie sagen: Schade, in unseren Tagen wünschen wir uns auch solche Wirkungen. Das geschieht doch, wenn Sie die Nachrichten aus der Weltmission verfolgen. Wir reden ja bald jeden Sonntag darüber, wie es uns aus irgendeinem anderen Eck der Welt entgegenspringt, und wir sehnen uns danach und sagen: Herr, tu das doch auch bei uns.
Er will das tun, und das möchte ich Ihnen heute an diesem Pfingstfest zuerst wieder sagen: Gott will es tun und will es unter uns tun. Sie müssen nicht Gott erpressen. Sie müssen nicht vor Gott ewig rufen und Gott ermüden und sagen: Gott, gib uns endlich, gib uns bitte, gib uns nochmals. Gott wartet darauf, dass er Sie erfüllen kann mit seinem Geist.
Und der Geist Gottes will hineinbrechen in unsere erstarrten und toten Gemeinden, in unsere müden Predigten, in unsere langweiligen Bibelstunden hinein, so dass dort wieder Gott wirkt, in unserem menschlichen Körper, in unserem Leib, in den äußeren Formen unseres Zusammenkommens. Gott will dies, er hat keinen anderen Plan, er wartet darauf, dass wir uns öffnen.
Die Hemmnisse sind so groß, die Türen sind verriegelt, wir sind uns selbst genug, wir gefallen uns ganz gut, wir sind uns dessen gar nicht bewusst, dass das Wichtigste uns fehlt im Wirken. Mein Geist soll unter euch bleiben.
Der Geist schenkt Klarheit in einer verwirrten Zeit
Ich will heute nur noch an ein paar Punkten zeigen, was dies für uns bedeutet, wenn uns der Geist Gottes wiedergegeben wird und wenn wir ihn haben. Er gibt uns den Durchblick.
Das Schlimmste an unserer Zeit heute ist die Verwirrung. Wissen Sie, die Diskussionen, die wir landauf, landab führen, die sind so typisch für uns. Man sitzt zusammen, debattiert und bringt seine Meinungen vor, und keiner hat die richtige Klarheit, was eigentlich los ist. Es ist ja bald jedes Thema, über das man sich in die Haare geraten kann und darüber streiten kann, was richtig ist und was gilt. Sie können jeden Begriff nehmen, ob Sie das Wort Frieden nehmen oder das Wort Wahrheit, man kann alles zerreden. Und dann bleibt unklar, was der eine darunter versteht und was der andere darunter versteht.
Diese Verwirrung ist so typisch für unsere Zeit und für alle Jahrhunderte. Ich muss Ihnen eine Geschichte erzählen aus dem Alten Testament, an der ich das deutlich machen kann. Damals war Staatsbesuch am Hof des Königs Ahab in Samaria, und sein Schwager, der König von Juda aus Jerusalem, war mit großem Gebränge empfangen worden. Sie haben miteinander beraten, ob sie nicht einen Krieg vom Zaune brechen sollten. Und sie haben aus diesem Anlass auch 400 Priester geholt und wollten von diesen Priestern wissen, ob Gott Ja dazu sagt.
Und die 400 Priester kamen und schrien wie im Chor: Ja, Gott will, dass ihr diesen Krieg macht. Erschütternd, wie die Verwirrung hineingeht bis in die Glaubenswelt, bis in die Religion. Das verschweigt die Bibel nie.
Und der eine dieser Könige, Josaphat, der war unruhig. Er hatte noch eine Spur von Gotteserkenntnis. Er sagt zu seinem Schwager Ahab: Du, ist das richtig, was diese Propheten hier sagen? Hast du nicht noch einen Propheten? Er sagt: Du, was soll ich noch einen bringen? Es haben 400 gesprochen, die haben doch Recht, die haben doch uns bestätigt. Ich habe noch einen, aber das ist so ein Krisenkram. Immer wenn man den holt, sagt der Nein. Kein Wunder. Der Micha, was sollte er am Hofe Ahabs auch anders reden können als Nein, wo so viel Gottlosigkeit geschah.
Und dann kam der Micha und sagt: Ich weiß, was hier geschieht, ein Lügengeist hat diese Propheten vernebelt. Wieder gegen ihr eigenes besseres Wissen. Sie können es gar nicht besser wissen, sondern sie sind so verwirrt, dass sie gar nicht wissen, was Gott will. Nicht, dass sie meinen, das geschehe alles absichtlich. Die Verwirrung ist so groß, dass kein Mensch von sich aus den Willen Gottes erkennen kann. Die Verführung ist so umfassend bei uns allen, dass wir gar nicht erkennen, was richtig ist.
Und die ganze Not unserer Zeit rührt ja daher, dass die Vernebelung und die Verwirrung so weit geht, dass alle Begriffe auf den Kopf gestellt werden. So viele Menschen, die ohne Gott dahinleben, tun das doch nicht aus böser Absicht. Sie sind sich gar keiner Schuld bewusst. Die Verwirrung durch den Geist der Zeit ist so groß, dass Menschen nicht mehr erkennen können, was Gott von ihnen will. Und darum herrscht so eine große Unklarheit und so ein tiefes Fragen nach allen Seiten. Und kein Mensch hat Klarheit.
Der Geist Gottes als Quelle von Erkenntnis und innerer Veränderung
Darum sagt Paulus: Uns ist der Geist Gottes gegeben. In Vers 12 heißt es, wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist Gottes.
Da muss zuerst eine ganz grundsätzliche Veränderung mit uns allen passieren. Wir müssen wissen, wem wir gehören. Wer Gott gehört, der passt mit seinem Denken nicht mehr einfach in seine Zeit hinein. Das heißt nicht, dass wir die Art unserer Welt nicht mehr annehmen würden. Wir fahren Straßenbahn oder Auto, lesen Zeitung oder schauen Fernsehen. Aber an ganz wesentlichen Stellen haben wir eine andere Meinung, wenn uns der Geist Gottes erfüllt. Denn der Geist Gottes schenkt uns einen Durchblick. Wir können plötzlich verstehen, was uns hier als von Gott geschenkt gesagt wird.
Jetzt hat doch jeder von uns diese Schwelle überschreiten müssen. Wir standen vor den großen Gaben Gottes und wussten nicht, was wir damit anfangen sollten. So wie ein ungläubiger Mensch davorsteht und sagt: Ich verstehe gar nicht, was da in der Bibel drinsteht. Ich kann zwar die Buchstaben lesen, die Worte verstehen, aber den Sinn kann ich nicht begreifen. Was bedeutet das für mich? So wie heute ein Mensch sagt: Ich verstehe, dass es an Pfingsten zwei freie Tage gibt, aber was das für mich bedeutet, verstehe ich nicht.
Da wird dem modernen Menschen zugemutet, dass er mit seiner ganzen modernen Wissenschaftserkenntnis kein einziges Stückchen der Welt Gottes ergreifen oder verstehen kann. Es ist ihm fremd. Und wir verstehen auch oft gar nicht unser Leben, das Ziel unseres Lebens und den Ort, an dem wir Gott heute finden können. Deshalb ist nötig, dass eine Grundveränderung geschieht. So kann Gott unsere stolze und hochmütige Generation demütigen. Darum werden sich viele am Glauben stoßen. Sie meinen, sie könnten mit ihren intellektuellen Gaben einfach zum Glauben vorstoßen.
Nein, ich kann meine Zweifel und meine Fragen jeweils nur überwinden, indem ich Gott bitte: Herr, jetzt gib deinen Geist.
Und wenn ich es einmal ganz persönlich ausplaudern darf: Das geschieht ja manchmal auch so, dass man aus dem Routinegebet heraus an eine Predigtvorbereitung herangeht, und dann lässt einen Gott noch manchmal bis zur Samstagnacht an eine Mauer laufen. Und wenn ich an unsere armen jungen Leute denke, wie sollen die das verstehen können? Wie soll ich ihnen das plausibel machen können? Bis man auf den Knien liegt und sagt: Herr, jetzt öffne mir doch die Schau dafür, dass ich es erklären und verständlich machen kann. Dass Sie nie meinen, das hätte einer im Griff, dass er so die Bibel nimmt und auslegt und dann hat er das, und dann kann er das. Es ist doch jedes Mal ein Durchbruch, der erbeten wird, wo der Geist Gottes uns die Schau gibt.
Und jetzt verstehen Sie, warum es den Kranken gar nicht anders geht oder denen, die durch dunkle Zweifelsanfechtungen hindurchmüssen. Ich kann doch nicht von mir aus durch die Finsternis hindurchgreifen, ich komme nicht da durch. Wenn mir der Geist Gottes Durchblick schenkt, dann ist mir dieses Wort Empfangen so wichtig. Das ist ein Geschenk, das Gott gibt.
Und noch einmal, wie schon am Anfang unserer Predigt: Dieses Empfangen geschieht von Gott her unaufgefordert. Gott drängt an sie heran, bloß kann er in uns oft gar nicht hineinkommen. Bevor sie Luft einatmen, müssen sie Luft ausatmen. Bevor sie den Geist Gottes aufnehmen können, müssen sie falschen Geist ablassen: Zeitgeist, Modemeist, Modegeist, hochmütiger Geist, sicherer Geist, in dem wir leben, in dem wir so unser Leben treiben.
Gott will uns viel von seinem Geist empfangen lassen, damit wir verstehen und erkennen können. Dieses Erkennen, das der Geist Gottes schenkt, zielt immer auf Jesus. Daran können Sie auch erkennen, ob das, was über den Heiligen Geist gesprochen wird, richtig ist oder falsch. Der Geist Gottes will uns immer Jesus groß machen, das, was uns von Gott geschenkt ist. Da will er uns groß machen: wie unfassbar die Vergebung ist, die Jesus am Kreuz für uns gewirkt hat, oder wie kraftvoll seine Auferstehungskraft ist, wie man sie erfahren kann, selbst in einem müden Leib, wie wunderbar sein Beistand ist, wenn wir uns verlassen fühlen, und wie viel Wunder er wirken kann, wo wir alles als hoffnungslos verloren ansehen.
Welch eine große Zukunftshoffnung wir als Christen haben, über alle schrecklichen Zukunftstage dieser Welt hinaus! Wir können erkennen, was uns von Gott geschenkt ist. Wir können es mit unserem Kopf fassen, was dem Menschen sonst gar nie möglich ist. Kein einziger kann erkennen ohne die Gabe des Heiligen Geistes. Er gibt uns Durchblick, einen Durchblick über den Zeitgeist hinaus und über die Verwirrung unserer Tage hinaus, sodass wir verstehen und sagen: Doch, das ist so.
Da muss ich mich immer wieder mitfreuen, wenn ich das am schönsten erlebe bei unseren jungen Menschen, die es in der Auseinandersetzung oft schon mit mancher unbiblischen Theologie in der Schule durchdiskutieren. Man muss ihnen wieder sagen: Die haben es erkannt, und der andere hat es eben nicht erkannt. Die verstehen es, und der andere versteht es nicht. Sie haben einen Durchblick. Gott gibt es frei, dass sie empfangen, und er gibt es üppig, üppig und reichlich. Sie dürfen noch viel mehr erbitten.
Ich habe Ihnen vorhin bei dem Lied von Gerhard Herzegen gesagt, man wollte jetzt gerade die Kirchengeschichte durchmachen. Wie Gott Leute befähigt hat. War es nicht immer so, dass die größten geistlichen Durchblicke einfachste Handwerker hatten, erstaunlich viele Schuhmacher? Der Kesselflicker John Bunyan, der vielleicht den gewaltigsten Durchblick in seiner großen Geschichte von der Pilgerei ins heilige Land geschrieben hat, solche Leute hat Gott befähigt durch seinen Geist.
Der größte Missionar an der Wende zum 19. Jahrhundert war ein junger Kaufmannslehrling, der an einer Pfandleihe Dienst hatte: William Booth. Hat Gott nicht immer wieder seine ganze Welt der Theologen und beamteten Arbeiter der Kirche beschämt, weil es da nicht nach Gehaltsstufen geht und nicht nach Titeln, sondern nach dem Geistbesitz, den Gott frei ihnen gibt, damit sie Durchblick haben?
Die rechte Ausrüstung für das Zeugnis und die Gefahr der Verwechslung
Jetzt sind wir schon beim Nächsten: Er gibt Ausrüstung. Wenn wir für das Reich Gottes in dieser Welt wirken müssen, dann brauchen wir die richtige Ausrüstung.
Und wer heute den christlichen Glauben verteidigen will, der merkt schnell: Da muss man intellektuell sehr viel auf dem Kasten haben. Da laufen ganz heiße Diskussionen. Und wer einmal in die großen theologischen Debatten eingreifen will, wie viele Bücher muss er da gelesen haben? Und dann wird ihm trotzdem noch um die Ohren gehauen, dass er das neueste theologische Buch immer noch nicht gelesen hat. Da braucht man doch eine gewaltige Ausrüstung.
Aber Paulus sagt, dass das anders geht, nicht mit menschlicher Weisheit. Ich bin immer wieder traurig, wenn ich erlebe, dass man ganz normale, praktische Christen auffordert, in einem Gottesdienst oder in einer Versammlung ein kurzes Wort des Glaubens zu sagen, ein Zeugniswort, und dass das oft bei ihnen so theoretisch wird wie bei uns Theologen. Ich hätte immer die Hoffnung, dass es dort einmal nicht mit menschlicher Weisheit kommt, nicht mit dem Versuch, es ganz intellektuell und hochtrabend herzubringen. Denn der Geist Gottes braucht keine superschwere Rüstung menschlicher Worte.
Die Ausleger haben ein wenig darüber gerätselt, was mit dem Geist der Welt gemeint ist. Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott. Soll damit gesagt werden, dass der Geist der Welt der Teufel ist? Ich würde den Auslegern folgen, die sagen: Ich glaube nicht, dass hinter diesem Geist der Welt unbedingt nur teuflische, dämonische Einflüsse stehen. Der Geist der Welt kann sehr Schönes tun. Hinter der Literatur von Goethe steht auch viel Weisheit, die Gott gewirkt ist. Und in der Kunst und in der Literatur findet sich viel Großes, was zu den großen Gaben unserer Schöpfung gehört. Nur kann dieser Geist der Welt Gott nicht ergreifen.
Und darum geht es im Glauben immer so, dass es einen direkten, unmittelbaren Zugang des Geistes Gottes ins Gewissen gibt. Merkwürdigerweise sind viel blitzgescheite Leute gerade durch den ganz schlichten Dienst eines gläubigen Christen zu Jesus geführt worden, weil es nicht mit menschlicher Weisheit geht. Dann brauchen Sie nicht bis zur letzten Nachtstunde weiter zu diskutieren. Das mag manchmal auch ganz gut sein, dass wir uns in unseren Denkansichten abklären, aber der Geist Gottes wirkt anders: nicht mit den großen Worten, sondern mit Worten, die der Geist lehrt.
Wieder ganz praktisch: wo sie reden, in der Vesperpause im Betrieb oder beim Krankenbesuch, wo sie ein Zeugnis des Glaubens weitergeben, ist entscheidend wichtig, ob der Geist Gottes diese Worte bekräftigt und durch sie wirkt. Und das geschieht auf allen Seiten so, wie es in der Christenheit war. Da hat einer geredet unter Zittern und Zagen. Paulus sagt ja auch in den ersten Versen, dass er mit Zittern gekommen sei. Sie hätten gar nicht gedacht, dass Paulus bei seiner Predigt schlotternde Knie hatte. Und wenn Sie das haben bei einem Besuch oder wo Sie reden müssen, ist das nur recht und billig. Aber der Geist Gottes hat diese schlichten Worte bekräftigt.
Immer und immer wieder erinnere ich Sie auch daran, dass wir uns in dieser Kirche an Ludwig Hofacker erinnern und an seinen kranken Leib. Denn Gott braucht nicht menschliche Größe, nicht menschliche Schönheit, nicht menschliche Kraft und nicht menschliches Ausstrahlungsvermögen. Wir verwechseln das auch oft, als ob der Geistbesitz mit irgendeiner äußeren Form zusammenhängt. Das ist in unseren Tagen das Gefährlichste. Es gibt immer wieder Leute, die sich in einer bestimmten Versammlung wohlfühlen, in der eine gewisse seelische Temperatur herrscht, und meinen, das sei vielleicht doch dem Geist Gottes ähnlicher. Ob man dann mit den Händen patscht oder ob man gewisse Lieder singt, die einen zum Schluss in eine Stimmung hineinführen: Da heißt es, der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes. Und im Griechischen steht da für den natürlichen Menschen Psychos Anthropos, der psychische Mensch. Passen wir auf, dass wir den Geist Gottes nicht mit der Psyche verwechseln und mit dem, was das Gefühl bringt. Der Geist Gottes steht dem Gefühl genauso kontrovers gegenüber.
Und es gibt heute Leute, die in Zungen reden und noch gar nicht bekehrt sind, die den Geist Gottes gar nicht haben. Das ist ein Phänomen, das Sie überall finden können, in allen Religionen. Es geht darum, dass der Geist Gottes uns ganz überwindet, nicht nur unser Gefühl, sondern unser Herz mit der Wahrheit, indem er Sünde aufdeckt, die Vergebung Jesu uns groß und gewiss macht und uns Jesus lieben lässt. Dieses Wort haben wir zu sagen, und das geschieht durch verständliche Worte, die in ihrer ganzen Schlichtheit so armselig wirken.
Untersuchen Sie doch einmal das bei all den Missionsberichten, die Sie kennen: Was ist denn Besonderes geschehen? Gar nichts. Wo haben wir das denn studiert? In der ostafrikanischen Erweckung, wo zwei Menschen einfach anfingen, vor Gott ihre Schuld auszuräumen und sich für das Wirken Gottes zu öffnen, und miteinander sprachen und das Zeugnis weitertrugen und es weitersagten. Es liegt nicht am Pathos einer Rede, am Tonfall, es liegt nicht am äußeren Formellen unseres Predigens. Das ist das, was erbeten wird.
Und ich bin davon überzeugt, dass Gott in unserem Land noch einmal große Erweckungen geben will. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gemeinschaftsstunden, Bibelstunden und Gottesdiensträume noch einmal überfüllt werden von Menschen, die nach dem Heil suchen und verlangen. Wir dürfen mehr mit Gottes Geist rechnen. Er gibt uns die Ausrüstung dafür. Ich brauche nicht mehr Bildung dafür, ich brauche gar nichts Weiteres, als dass ich um meinen Mangel weiß. Ich brauche mehr Geist Gottes. Ich will ausatmen von dem falschen Zeitgeist, von dem, was mich erfüllt, und was heute unserer Kirche nottut, unserer Christenheit, ist weniger tun. Und das Wenige, das wir tun, geistlicher tun, erfüllt vom Geist Gottes. Unsere Programme kürzen, damit der Geist Gottes in uns wirken kann.
Sie haben meine Punkte behalten: Der Geist Gottes gibt uns Durchblick, Ausrüstung, und noch das Letzte ergibt uns Gewissheit.
Gewissheit, Festigkeit und die Einladung zur Fülle
Da redet Paulus sehr kühn und fest. Wir wissen, was wir wissen. Wir werden vom Geist des Herrn erkannt, oder wir wollen unterweisen. Wir haben den Geist Christi. Der natürliche Mensch versteht nichts, wir haben ihn.
Das klingt in unseren Ohren ganz vermessen, aber so müssen wir doch sprechen. Entweder wir haben den Geist, oder wir haben ihn nicht. Wenn wir ihn nicht haben, dann wissen wir auch nicht, wer Christus ist. Daran erkennt man ja den Heiligen Geist, dass wir überhaupt Jesus erkennen, dass uns sein Wort anspricht.
Und der, der unter uns jetzt sucht und sagt: Ich bin ungewiss, doch, dass Jesus schon in ihrem Leben wirkt durch seinen Geist, dass er sie schon unruhig macht, ist ja eine Spur seines Wirkens. Sie dürfen sich nun öffnen und sagen: Komm, Heiliger Geist, in mein Leben und mach mich auch so gewiss. Gib mir diesen Durchblick.
Der geistliche Mensch beurteilt alles. Heute leben wir in einer Zeit, die alles kritisiert. Mich wundert es gar nicht, dass man heute feststellt, dass die jungen Menschen Sehnsucht haben nach einem Stück Geborgenheit, nach dieser unheimlichen Zeit der Kritik nach allen Seiten.
Dieses Beurteilen des geistlichen Menschen ist nicht eine Kritikssucht, sondern dass der Geist Gottes uns gewiss macht, dass wir wissen, was Frieden und was Gerechtigkeit ist, dass wir Zeiterscheinungen deuten können und nicht hinter jedem Modewitz einherfahren müssen, dass Christen sich nicht von jedem Blödsinn, der verkündet wird, irreführen lassen und dass Christen sich nicht hinter jedem Wort, das im Namen Jesu verkündigt wird, beugen, weil sie ein Urteil haben und sagen: Das kommt nicht von Jesus, und das ist nicht von seinem Geist.
Und nicht hinter allem, was sagt: Hier ist Christus, da ist Christus, ihn wirklich sucht, sondern da in seinem Wort. Der geistliche Mensch, der hat durch den Geist Gottes über das Wort Jesu Zugang zu Gott. Und er hat Erkenntnis von Gott, und er kann beurteilen. Er hat Weisheit und Einblick.
Das ist Not, dass wir da noch viel stärker werden, dass wir uns nicht umhertreiben lassen durch jede Irrlehre, durch jede uns neu dargebrachte Modemeinung, nicht durch jeden Aufruf, der uns als christlich verbindlich gebracht wird, sondern dass wir fest werden im Glauben und an unserem Platz Dienst tun können und wirken.
Jesus hat uns eingeladen zu nehmen: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Heute sind wir eingeladen, üppig, reichlich zu nehmen, und der Geist Gottes möchte uns auch innerlich festmachen, dass wir nicht dauernd kipplich in die alten Sünden zurückfallen müssen.
Ich will meinen Geist in euch geben, will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Sie kommen aus ihren persönlichen Glaubenskrisen nicht raus durch neue Verkrampfung, sondern indem sie die angebotene Gabe Gottes nehmen, jetzt nehmen und für sich in Anspruch nehmen, in der Dunkelheit ihres Lebens sagen: Herr, gib mir deinen Geist, der mich durchblicken lässt durch meine Anfechtung und der mich fröhlich macht.
Nehmen Sie von dieser Fülle. Amen!

