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Wie bin ich der Christ der ich geworden bin

Römer 8,2901.03.2008
SerieTeil 1 / 6Osterkonferenz Hensoltshöhe 2008
Du sollst Jesus ähnlich werden – nicht aus eigener Kraft, sondern aus Vertrauen und täglicher Nähe zu ihm. Liebe, was er liebt, und dein Alltag verändert sich.

Einleitung und Gebet

Wenn ich verheiratet bin, stellt sich die Frage: Wie bin ich jetzt ein Ehemann? Welche Dinge können mir dabei helfen? Darum geht es jetzt in diesem Seminar.
Wir werden es so machen: Ich rede erst einmal eine Zeit lang. Darum haben Sie mich hergebeten, und so machen wir das auch. Wenn am Schluss Fragen sind, können wir gern noch darüber sprechen und so weiter. Man kann sich dabei auch völlig frei fühlen.
Aber ich beginne mit einem Gebet:
Einfach Gott danken für die Zeit, die er uns schenkt. Lieber Vater, es ist einfach gut, wieder zu dir zu kommen, immer wieder, jede Minute unseres Lebens, im Wissen, wie sehr wir dich brauchen, und in der Gewissheit, dass wir dich immer haben. Herr, oft spüren wir dich nicht, erkennen dich nicht, und doch bist du da. So wie du in allen Dingen bist, die du erschaffen hast, Vater.
Ich danke dir, Jesus, dass du auferstanden bist und lebst, dass du nicht mehr im Grab liegst, dass du nicht irgendwie ein toter Gott bist und wir das Memorium feiern, sondern dass wir wissen: Du bist unter uns. Und in dieser Gewissheit leben und reden wir.
Und Herr, hilf uns, recht zu lernen und zu verstehen, was es bedeutet, mit dir zu leben als deine Kinder. Amen.

Das Ziel des christlichen Lebens

Ich möchte einen Vers lesen, auf den ich als Sprungbrett nehmen möchte. Und zwar schreibt der Apostel Paulus in Römer 8,29:
Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er, Jesus, der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Der Apostel Paulus sagt hier: Wenn ein Mensch Christ geworden ist, dann ist er zu etwas vorherbestimmt. Nämlich: Wir sind vorherbestimmt, Jesus ähnlich zu werden. Das haben wir gerade gelesen. Wir sind vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleich zu sein. Und darum soll es in der Stunde gehen: so zu werden wie Jesus.
Wenn du Christ geworden bist, dann ist dein neues Mandat, so zu sein wie er. Der englische Theologe Selvin Hughes ist vor zwei Jahren gestorben. Er hat geschrieben: Gott möchte, dass du und ich Jesus ähnlich werden. Gottes höchstes Ziel besteht nicht darin, uns zu Missionaren, Ärzten, Predigern oder Pfarrern zu machen. Wir sollten vielmehr seinem Sohn ähnlich werden. Alles andere muss diesem vorrangigen Ziel untergeordnet werden.
Und weil dies das Hauptziel ist, müssen wir uns ernstlich damit befassen. Und das möchte ich heute tun. Ich möchte mich ernstlich damit befassen, was es bedeutet, Christ zu sein, Jesus ähnlich zu werden.
Wenn man darüber redet, ich habe keine Ahnung, wie viele Predigten du schon gehört hast über Jesus ähnlich sein, dann sind es in der Regel nicht allzu viele. Denn wenn wir einfach darüber reden, so zu werden wie Jesus, hat das einen sehr bedrohlichen Aspekt. Und zwar deshalb: So zu werden wie Jesus, praktisch wie Gott, das scheint unmöglich und kann deshalb nur in Frust und Versagen enden. Wir könnten genauso gut versuchen, auf den Mond zu klettern. Wir wissen, wir schaffen es nicht.
Und darum reden wir oft gar nicht viel darüber, Jesus ähnlich zu werden, weil wir es ja sowieso nicht schaffen. Der französische Philosoph und Theologe Blaise Pascal hat treffend gesagt: Das Christentum ist befremdend. Es fordert vom Menschen, dass er sich selbst als erbärmlich, ja verächtlich erkenne, und es fordert von ihm, dass er wünsche, Gott ähnlich zu sein.
Das ist befremdend. Einerseits sollten wir erkennen, wir sind Sünder. Andererseits sollten wir uns wünschen, so zu sein wie Gott. Das ist tatsächlich befremdend.

Jesu Charakter als Maßstab

Also, das ist ein bedrohlicher Aspekt. Aber es gibt auch einen sehr erbaulichen Aspekt, wenn man daran denkt, so zu werden wie Jesus.
Wenn einem nämlich bewusst wird: Ich bin als Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen, und darum bin ich vorherbestimmt, so zu werden wie Jesus, dann ist das eine noble Bestimmung. Wenn man darüber nachdenkt: Ich bin bestimmt, so zu werden wie Jesus, dann ist das eine noble Bestimmung.
So zu sein wie Jesus, charakterlich, das ist das Größte, was es je geben kann. Und wenn man daran denkt, werden alle anderen Ziele, die es im Leben gibt, eigentlich minderwertig. Zum Beispiel gesund zu sein: Ja, ich bin gerne gesund, ich hoffe, du auch. Gesundheit ist ein großes Gut. Aber was ist Gesundheit im Vergleich dazu, so zu sein wie Jesus?
Erfolgreich zu sein, auch das ist eine nette Sache. Ich bin gerne erfolgreich, aber was ist Erfolg im Vergleich dazu, so zu sein wie Jesus? Relativ minderwertig.
Glücklich zu sein, ich bin froh, wenn ich glücklich bin. Aber das größte Ziel Gottes ist nicht, uns glücklich zu machen. Das größte Ziel Gottes ist, dass wir so werden wie Jesus. Das ist sein Ziel mit uns.
Übrigens, das ist ein Grund für Leid. Wisst ihr, warum Gott Leid zulässt in deinem Leben? Weil Leid eines der besten Instrumente ist, um uns Jesus ähnlich zu machen. Im Leid werden Menschen oft barmherzig, weichherzig, mitfühlend. Das sind alles Charaktereigenschaften, die Jesus hat.
Und Gottes Ziel mit dir und mit mir ist es, uns Jesus ähnlich zu machen. Darum hat Leid einen Platz im Leben. Leid ist keine Tugend, aber es hat einen Platz in unserem Leben.

Das Vorbild Jesu in der Bergpredigt

Nun, wie ist Jesus eigentlich? Wenn wir darüber reden, dass wir so werden sollen wie Jesus, dann kommt jetzt die Frage: Ja, wie ist er?
Wenn du eine Bibel dabei hast, kannst du gern mit mir Lukas 6 aufschlagen. Wenn du keine hast, dann musst du einfach zuhören, das ist auch okay.
In Lukas 6, ab Vers 27, ist er Teil der Seligpreisungen, und Jesus sagt Folgendes:
 Lukas 6,27 sagt Jesus: Aber euch, die ihr hört, also wer immer jetzt hört, du bist betroffen, sage ich: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet die, die euch fluchen, betet für die, die euch beleidigen. Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar. Und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand nicht. Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, so tut ihnen ebenso.
Und wenn ihr liebt, die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben die, die sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank habt ihr? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche wieder empfangen.
Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen. Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein. Denn er, Gott, ist gütig gegen die Undankbaren und die Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt werden. Lasst los, so werdet ihr losgelassen werden.
Soweit, so gut. Jetzt kommt eine Frage: Warum fordert Jesus von dir, dass du deine Feinde lieben sollst, dass du Gutes tun sollst denen, die dich hassen, dass du jene segnen sollst, die dich fluchen, dass du barmherzig sein sollst, dass du niemanden richten sollst und so weiter?
Wisst ihr, warum Jesus das sagt? Weil er genau so ist.
Jesus sagt zu dir: Liebe deine Feinde. Wisst ihr warum? Weil er seine Feinde liebt. Jesus sagt: Segnet die, die euch fluchen. Warum? Weil er jene segnet, die ihn fluchen. Am Kreuz hat Jesus gerufen: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Warum sollen wir geben? Weil er andauernd gibt. Warum sollen wir barmherzig sein? Weil er barmherzig ist. Jesus würde nie etwas von dir fordern, was er selbst nicht ist und tut. Und weil er so ist, darum sagt er zu dir und zu mir: Tut genau dasselbe.
Vers 36 ist für mich der Schlüsselvers. Da sagt Jesus: Denn der höchste Gott, er ist gütig gegen die Undankbaren und die Bösen.
Hast du das gewusst? Hast du gewusst, dass Gott gütig ist gegenüber den Undankbaren und den Bösen? Ich wusste immer, dass Gott gütig ist gegen die Dankbaren und gegen die, die versuchen, gute Christen zu sein. Aber Gott ist gütig gegen Undankbare und Böse.
Und weil Gott so ist, darum sagt Gott: Genau so sollst du sein. Sei barmherzig, auch den Undankbaren und den Bösen gegenüber, weil ich es bin.

Gottes Güte und die Würde des Menschen

In Matthäus 5, in der Bergpredigt, sagt Jesus etwas Ähnliches, nur ein bisschen anders formuliert. In Matthäus 5,43 sagt Jesus: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der im Himmel ist. Denn er, der Vater, lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun das nicht auch die anderen Nationen? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Jesus sagt: Gott ist Gott. Der Vater ist so gut. Er ist gütig, barmherzig, er vergibt, er segnet die, die fluchen. Und weil Gott so ist und ihr im Ebenbild Gottes geschaffen seid, darum sollt ihr genau so handeln.
Vor ein paar Wochen hatten wir zu Hause eine Frühstückspension. Da waren ein paar Gäste, ein paar Ehepaare aus Wien bei uns. Sie wollten ein Glas Wein mit mir trinken, und ich habe das gemacht, ein Abendmahl. Dann haben sie angefangen, über die Kirche zu schimpfen. Das sei normal, sagten sie.
Ich habe dann versucht, ihnen den Unterschied zwischen der Organisation Kirche und dem Herrn Jesus Christus zu erklären. Und sie haben gut zugehört. Nach einer halben Stunde oder so sagte einer von ihnen: Ja, ich glaubte ja, Jesus, der war ja ganz okay. Da habe ich gesagt: Weißt du was, Jesus war nicht okay, Jesus ist der Beste. Jesus ist exzellent, er ist der Allerbeste.
Seht ihr, was Gott der Vater tut, das tut auch der Sohn. Und weil der Mensch ursprünglich im Ebenbild Gottes geschaffen war, wäre es eigentlich das Normalste, dass wir genau das tun, wozu wir geschaffen sind. Darum sagt Jesus: Seid vollkommen. Und wir sagen ja: Wie vollkommen? Ja, einfach so wie der Vater im Himmel. Wenn du so bist, dann bist du okay, weil so bist du ja geschaffen. Moralisch so zu handeln wie Gott wäre eigentlich die Norm.

Der Weg zurück zum Original

Aber wie wir aus der Bibel wissen, war es bis zum Sündenfall so, dass Adam und Eva den Charakter Gottes widerspiegelten. So, wie sie miteinander umgingen, und so, wie Adam und Eva die Tiere behandelten, hätten wir, wenn wir sie gesehen hätten, erkannt: Das ist der Charakter Gottes. Sie spiegelten Gott wider, denn sie sind im Ebenbild Gottes geschaffen.
Und der erste wahre Mensch, nachdem Adam in Sünde gefallen war, der wieder auf diese Erde kam, war Jesus Christus, der Menschensohn. Es ist wichtig zu verstehen, dass Jesus Christus uns als Menschensohn gezeigt hat, wie ein ganz normaler Mensch lebt und handelt, nicht als Gottessohn, obwohl er das war. Als Menschensohn hat er uns vorgelebt, wie ein Mensch lebt, der ganz nach dem Willen Gottes handelt.
Jesus war kein Superman. Er war kein Supermensch, sondern ein vollkommener Mensch, so wie Gott ihn geschaffen hat. Er hat uns genau das Ebenbild des Vaters im Himmel vorgelebt. Darum konnte Jesus sagen: Freunde, wer mich sieht, der sieht den Vater. Darum konnte Jesus auch sagen: Ich bin die Wahrheit, denn Wahrheit ist immer das, was dem Original entspricht.
Ich muss dazu ein Beispiel nehmen. Ich sage jetzt: Das ist genau ein Liter Kakao. Dann sagst du: Wie heißt du da? Die Gudrun, die ist klüger als Hans-Peter, das ist Unsinn, das ist ein halber Liter Kakao. Ich sage, das ist ein Liter. Sie sagt, das ist ein halber Liter. Ich sage: ein Liter. Sie sagt: ein halber Liter. Wie können wir jetzt herausfinden, wer von uns beiden die Wahrheit sagt?
Um es korrekt zu machen, müssten wir zur europäischen Eichstelle für Maß und Gewicht fahren. Die ist, glaube ich, in der Nähe von Paris. Dort steht nämlich das Originalgefäß für einen Liter, das Originalgefäß im Eichamt für Maß und Gewicht. Wir fahren also dorthin, und dann schütten wir den Inhalt dieses Glases in das Originalgefäß von einem Liter. Wenn dieser Inhalt genau dem Originalgefäß entspricht, dann habe ich die Wahrheit gesagt. Wenn er nicht dem Original entspricht, dann habe ich gelogen, und dann hat Gudrun die Wahrheit gesagt.
Seht ihr: Wahrheit ist immer das, was dem Original entspricht. Und wenn Jesus über sich selbst sagt: Ich bin die Wahrheit, dann sagt Jesus damit: Ich entspreche haargenau dem Original. Wer mich sieht, sieht den Vater. Ich und der Vater, wir sind eins. Und Gott schuf den Menschen von Anfang an, um das Original im Ebenbild Gottes widerzuspiegeln.

Sünde, Wiederherstellung und Gehorsam

In 1. Mose 1,27 lesen wir: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.
Mit anderen Worten: Seit der Mensch sich von Gott abgenabelt hat, das ist der Sündenfall, hat sich der Mensch von Gott abgenabelt. Seit diesem Zeitpunkt ist der Mensch nicht mehr Mensch. Er ist nicht mehr hundert Prozent Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, sondern nur noch zum Teil.
Um wieder hundert Prozent Mensch zu werden, brauchen wir erneut diese Verbindung zu Gott. Nachdem wir uns abgenabelt haben, das war der Sündenfall, müssen wir uns wieder an Gott wenden und Gott wieder empfangen, uns wieder an Gott annabeln.
Und seht ihr, Freunde, genau dazu ist Jesus Christus gekommen: damit wir wieder in diese Gemeinschaft mit Gott kommen können und damit wir wieder Mensch werden. Wir brauchen Gott, um Mensch zu sein.
Major Thomas, der Gründer der Fackelträger, ist letzten Sommer gestorben, im Alter von dreiunddreißig Jahren. Er hat immer gesagt: Jesus kam nicht, um Menschen in den Himmel zu bringen, sondern Jesus kam, um Gott aus dem Himmel wieder in den Menschen zu bringen, damit der Mensch wieder Mensch ist, so wie er von Anfang an geschaffen war.
Nun, wie kann der Mensch wieder zum Original zurückfinden? Indem er wieder so wird wie Jesus.
Und ich lese aus Lukas 6 noch ein paar Verse vor. In Lukas 6, nachdem Jesus gesagt hat: Liebe deine Feinde, segne die, die euch fluchen, und so weiter, sagt Jesus dann in Vers 46, und ich bitte euch: Wenn ihr sonst nichts hört, dann hört diese Worte. Jesus sagt: Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage? Was nennt ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage?
Und dann das Gleichnis mit dem Felsen: Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, der ist wie der Mann, der sein Haus auf den Felsen baut. Und jeder, der zu mir kommt, meine Worte hört und sie nicht tut, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf den Sand baut.
Wie können wir unser Haus auf Felsen bauen, damit es feststeht? Nämlich indem wir tun, was Jesus sagt.

Echtheit des Glaubens und praktische Nachfolge

Übrigens, manche Menschen fragen sich, ob ihre Bekehrung echt war, ob sie sich vor fünf oder zehn Jahren ehrlich bekehrt haben oder was auch immer, oder ob es nicht ganz ehrlich war. Manche sind sich nicht sicher: Bin ich jetzt ein Kind Gottes, oder bin ich es nicht wirklich?
Aber wisst ihr, ich möchte euch etwas sagen: Es ist gar nicht so ausschlaggebend, ob deine ursprüngliche Hinwendung zu Gott spektakulär war oder kaum bemerkbar war. Wisst ihr, was ausschlaggebend ist? Ist Jesus heute dein Herr? Das ist ausschlaggebend. Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen, denn Jesus sagt: Was nennt ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage?
Und für uns ist jetzt ganz entscheidend, und da bitte ich euch, mich zu hören: Es genügt nicht, die Gebote Jesu gut oder sehr gut zu heißen. Es genügt auch nicht, diese Worte Jesu akademisch zu studieren oder im Bibelkreis zu besprechen. Wisst ihr, was wir tun müssen? Wir müssen es tun!
Wisst ihr, was das praktisch heißt? Wenn Jesus sagt: Selig sind die, die euch hassen, dann heißt das: Wenn du am Montag zur Arbeit gehst und ein Arbeitskollege beleidigt dich oder etwas Schlimmes zu dir sagt, wisst ihr, was du dann tun musst? Du musst ihn segnen. Meine Frage ist: Tust du das?
Das heißt, wenn du am Dienstag nach Hause kommst und deine Frau schlecht drauf ist und Dinge sagt, die nicht freundlich sind, dann sollst du für sie beten und sie segnen. Meine Frage ist: Tust du das?
Seht ihr, Freunde, es hat wenig Sinn, die Bibel zu lesen und zu sagen: Ja, das klingt gut, ja, genau so soll es sein, ja, ja, genau. Und wir tun jeden Tag das Gegenteil. Und Jesus sagt: Was nennt ihr mich Herr, Herr, und ihr tut nie, was ich sage? Dann nennt mich nicht Herr, dann nennt mich sonst etwas, aber nicht Herr.
Es war witzig: Ich habe das vor einem Monat oder so vorbereitet. Ich bin Skifahren gegangen. Wir hatten so eine Gruppe bei uns, und mit dem Leiter bin ich auf den Berg gegangen, mit ihm allein. Und dann habe ich oben von ihm ein Foto gemacht. Amerikaner wollen immer Fotos. So habe ich mich auf meine Ski gestellt, und während ich das Foto mache, kommt so ein Snowboarder ganz langsam nur, fährt hinten in mich hinein, haut es samt der Kamera um, und ist dann einfach weitergefahren. Dem war das egal.
Zuerst habe ich mir gedacht: Dem nehme ich jetzt die Skikarte. Ich war zornig. Und dann habe ich mir aber gerade das vorbereitet. Da habe ich mir gedacht: Eigentlich, was ich tun muss, ich soll den Menschen segnen. Da habe ich gesagt: Herr, segne ihn. Ich glaube, der braucht dich.
Und wisst ihr, was interessant ist? Sobald du tust, was Jesus sagt, wisst ihr, was dann geschieht? Du hast Frieden im Herzen. Ich konnte bei dem Mann vorbeifahren, ihn anschauen und ihn lieben. Das geht aber nur, wenn wir einmal erkennen: Wir müssen das tun, was Jesus sagt.
Und wisst ihr was, Freunde? Wir müssen fast einen Schalter im Hirn umlegen, wir Christen, um zu erkennen, dass das, was Jesus sagt, nicht nur gute Ideen sind, sondern dass wir es tun sollten. Und erst wenn wir anfangen, das zu tun, dann wird das Leben als Christ spannend.
So viele Christen fragen sich: Warum tut sich nichts in meinem Leben? Ja, wundere dich nicht, wenn du nie tust, was er sagt. Sie sehen es logisch.

Vier Voraussetzungen für ein Leben im Gehorsam

Jetzt habe ich noch vier Punkte für euch, und zwar: Um das tun zu können, was Jesus sagt, braucht es mindestens vier Voraussetzungen.
Wenn du jetzt einfach sagst: Ja, kein Problem, liebe deine Feinde, tu Gutes denen, die dich hassen, gib ohne zurückzuverlangen, ja, ja, morgen gehe ich das an, dann kannst du dir schon gratulieren: Es wird nicht funktionieren, wenn du so herangehst.
Es braucht nämlich vier Voraussetzungen, und die vier möchte ich mit euch jetzt noch besprechen.
Jetzt muss ich mir etwas trinken. Mir haut es ein bisschen bei den Stimmbändern. Und die werden immer so, na ja, kratzig, wenn ich nichts trinke.

Erstens: Jesus persönlich kennen

Vier Dinge, die es braucht, um das tun zu können, was Jesus sagt.
Punkt Nummer eins: Ich muss Jesus persönlich kennen und in meinem Leben haben. Das ist Punkt Nummer eins. Du musst Jesus persönlich kennen, wenn du das tun möchtest, was er sagt.
Er möchte wieder das Beispiel der Ehe verwenden. Das verwende ich oft, aber das ist legitim, weil auch das Neue Testament Christus und die Gemeinde mit Ehemann und Ehefrau vergleicht. Das heißt: Wenn du an deiner Ehe arbeiten möchtest, braucht es eine Voraussetzung. Du brauchst einen Ehepartner. Ist nicht kompliziert, oder? Ohne Ehepartner kannst du nicht an deiner Ehe arbeiten.
Wenn du an deinem Christenleben arbeiten möchtest, dann brauchst du Christus. Ist auch nicht kompliziert. Wenn du an einem Christenleben arbeiten möchtest, dann musst du zuerst Christus einlassen oder annehmen oder ihm vertrauen oder an ihn glauben. Die Bibel verwendet viele verschiedene Worte, aber du musst Jesus haben.
Das ist nicht nur biblisch, das ist auch logisch. Darüber will ich gar nicht weiter reden, das kapiert ja jeder. Ohne dass ich Jesus habe, kann ich nie das tun, was Jesus sagt.
Das heißt: Ein religiöser Mensch wird es nicht schaffen. Wenn du nur religiös bist, ohne dass du Jesus kennst, kannst du das nicht tun. Es geht nicht.

Zweitens: Vertrauen in Gottes Güte

Punkt Nummer zwei:
Damit ich tun kann, was Jesus sagt, braucht es erstens Jesus, das stimmt absolut. Aber der zweite Punkt, und da will ich dich ein bisschen länger brauchen, weil er essentiell ist: Ich muss Jesus hundertprozentig vertrauen, dass er es gut mit mir meint. Ich muss ihm vertrauen. Ich muss glauben, dass unser Gott absolut und allein ein liebender, gnädiger und barmherziger Gott ist, der mich persönlich kennt und liebt, genau so, wie ich bin.
Glaubst du das? Nicht nur in Worten, sondern glauben wir es wirklich? Ich muss glauben, dass Jesus es nur gut mit mir meint, egal, wo ich in meinem Leben gerade stehe. Und ich muss glauben, dass Jesus das Beste ist, was mir passieren kann. Ich muss ein richtiges Gottesbild haben.
Dostojewski hat es so schön gesagt: Ich glaube, dass es nichts gibt, was lieblicher, tiefer, sympathischer, rationeller, stärker und vollkommener ist als den Erlöser. Nur wenn ich Gott so kenne, werde ich ihm jemals vertrauen können.
Das heißt: Wenn du glaubst, dass Gott ein Gott ist, der sich immer ein bisschen mit dir spielt, der dich ein bisschen zappeln lässt, der dich ein bisschen so hineintreibt ins Schlimme, aber nicht zu viel, wenn du so von Gott glaubst, wirst du ihm nie vertrauen können. Es ist unmöglich.
Ein Kind, das von Eltern missbraucht wird, ist nicht in der Lage, den Eltern bedingungslos zu vertrauen. Es geht nicht.
Eine Sache möchte ich jetzt hinweisen. Ich persönlich wäre auf diesen Zusammenhang nie gekommen. Ich habe vor kurzem ein Buch gelesen von Dallas Willard, es heißt The Divine Conspiracy. Ich glaube, das gibt es nur auf Englisch. Und er hat Folgendes gesagt: Um Gott vertrauen zu können, müssen wir das vierte Gebot beachten. Wenn du das vierte Gebot nicht beachtest, kannst du Gott nicht vertrauen.
Das vierte Gebot lautet: Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir wohlergehe und du lange lebst auf Erden. Es ist das erste Gebot mit einer Verheißung. Das heißt: Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir wohlergehe. Das heißt, wenn du Vater und Mutter nicht ehrst, wird es dir nicht wohlergehen. Warum? Weil wir uns nicht selbst dankbar annehmen können von Gott, für das, wer wir sind, wenn wir nicht für unsere Eltern danken können, von denen wir kommen.
Natürlich müssen wir nicht für alles danken, was Eltern getan haben. Manche Eltern tun furchtbare Dinge den Kindern an. Und in manchen Fällen muss man zu dem Punkt kommen, wo einem die Eltern leidtun, bevor man für sie danken kann. Aber unsere Eltern sind Teil unserer Identität, und sie abzulehnen und zu verachten bedeutet, dass ich mich selbst ablehne und verachte, weil ich von ihnen komme. Und du kannst dich nicht selbst verachten und Gott vertrauen, das geht nie.
Übrigens: Eltern zu ehren heißt nicht, alles gutzuheißen, was sie getan haben. Wir müssen nicht das tun, was unsere Eltern getan haben, wenn sie böse, schlimme Dinge getan haben. Wir können von den fehlenden Eltern lernen, und wir können es besser machen.
Ich sage das deshalb, weil oft in der Psychologie auch behauptet wird: Ja, du bist ein Produkt deiner Eltern. Und weil dein Vater Alkoholiker war, bist du es auch. Und weil deine Eltern geschieden sind, wirst du zu neunzig Prozent auch geschieden. Freunde, glaubt es nicht, das muss nicht so sein.
Vor kurzem habe ich eine Predigt gehört. Ich war gerade letzte Woche in England bei einem gewissen Paul Scanlon. Ich höre ihm gerne zu. Auf seinem Shirt stand groß geschrieben: I am not my father. Ich bin nicht mein Vater. Mein Vater war ein zorniger Mensch, aber ich bin nicht mein Vater. Ich kann es besser machen. Mein Vater war ein rücksichtsloser Mensch, aber ich bin nicht mein Vater. I am not my father.
Das heißt, wir sind nicht hilflos unseren Genen ausgeliefert, sondern durch die Gnade Gottes können wir neu beginnen. Wenn wir das nicht glauben, dann wird sich die Geschichte wiederholen. Es muss nicht so sein.
Aber Eltern ehren heißt nicht, gutzuheißen, was sie getan haben. Eltern zu ehren heißt, Gott für sie zu danken, mit allen Fehlern, die sie hatten. Und wenn du Probleme hast, deine Eltern zu ehren, und übrigens ist es egal, wie alt du bist, du kannst zehn Jahre sein oder neunzig, es kann sein, dass du ein Problem damit hast, dann gestehe dir ehrlich ein, wie deine Eltern waren, was sie getan haben und wie es dir dabei erging.
Dann bekenne deine Haltung vor Gott und sag Gott: Ich war jahrelang bitter gegen meine Eltern, und ich bitte um Vergebung. Und dann vergib deinen Eltern, sprich es aus: Nimm sie an, so wie sie sind. Sie werden sich wahrscheinlich nicht mehr ändern. Sei barmherzig und vergib ihnen. Und erst wenn du das tust, wirst du in der Lage sein, Gott zu vertrauen. Denn wenn du nicht für deine Eltern danken kannst, hast du ein Misstrauen in dir, und du wirst Gott nicht vertrauen können.
 Lukas 6 haben wir gelesen: Seid barmherzig, so wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Deine Eltern, vielleicht haben sie schlimme Dinge getan. Sei barmherzig, vergib ihnen und danke Gott für sie.
Also, das ist Punkt Nummer zwei.

Drittens: Aus Gottes Kraft leben

Erster Punkt: Um das zu tun, was Jesus getan hat, muss ich Jesus persönlich kennen.
Zweitens: Ich muss Jesus absolut vertrauen, dass er es nur gut mit mir meint.
Dritter Punkt: Damit ich tun kann, was Jesus sagt, muss ich aus seiner Kraft leben, nicht aus meiner.
Ihr alle kennt die Armbänder: What would Jesus do? Was würde Jesus tun? Kennt ihr die? Meine Kinder haben, glaube ich, zehn davon. Sind ganz gut. Man kann mit so Armbändern gut Gespräche beginnen.
Aber ich habe jetzt eine Idee. Ich werde ein anderes Armband machen. Ich bin ja Skifahrer, das ist mein Beruf, mein Leben lang. Früher bin ich auch zu Bauernrennen gefahren, und ab und zu fahre ich noch ein kleines Rennen mit. Aber ich war nie der Beste, überhaupt nicht.
Aber beim nächsten Bauernrennen werde ich mir ein Armband machen. Ich weiss nicht, ob ihr Skifahren könnt, aber der Lieblingsskifahrer meiner Kinder ist der Bordi Miller. Österreicher sind zwar ziemlich gut, aber der Bordi Miller hat heute den Weltcup gewonnen. Und der ist so cool, der ist der Liebling meiner Kinder. Und er ist ein guter Skifahrer, der Bordi Miller.
Und vor dem nächsten Rennen mache ich mir ein Band, da schreibe ich drauf: Was würde Bordi Miller tun? Dann werde ich an den Start gehen, und beim fünften Tor werde ich draufschauen und sagen: Was würde Bordi Miller tun? Und dann werde ich es genauso machen und wahrscheinlich das Rennen gewinnen.
Aber wisst ihr was? Die Realität sieht anders aus. Am fünften Tor weiss ich haargenau, was Bordi Miller tun würde. Aber ich kann es nicht tun. Um das tun zu können, was Bordi Miller tut, bräuchte ich seine Muskeln, seine Balance und sein Koordinationsvermögen. Und das habe ich nicht, weil ich zu wenig trainiere.
What would Jesus do? Das ist ein bisschen ähnlich. Was würde Jesus tun? Ja, manchmal glaube ich schon zu wissen, was er tun würde, aber ich kann es nicht.
Wenn man versucht, aus eigener Kraft so zu sein wie Jesus, dann endet das in einer Katastrophe. Das ist ungefähr so: Wir haben zu Hause, wie gesagt, die Frühstückspension in der Ramsau. Wir haben schon fünf Monate Schnee, und wir freuen uns schon, wenn es endlich mal ein bisschen grün wird. Seit dem 20. Oktober ist bei uns nur weiss.
Wir haben einen relativ grossen Parkplatz. Und ab und zu, wenn viel Schnee fällt, ist der Schnee zu gross für die Hand. Dann ist man stundenlang dabei. Da hole ich mir den Traktor von meinem Schwiegervater. Er ist immer eine Bauers Tochter geheiratet, er hat also auch einen Traktor. Da hole ich mir den Traktor, und er hat so einen Riesentraktor, 100 PS oder was. Mit dem Traktor räume ich den ganzen Parkplatz in einer halben Stunde. Das ist kein Problem.
Und der Lukas, der ist ja jetzt schon 17 Jahre alt. Ich sage dem Lukas: Schau mir jetzt genau zu, wie ich das mache. Weil ich bin jetzt drei Wochen unterwegs, Freisedienst, und du bist verantwortlich, den Parkplatz genau so sauber zu halten, wie ich, während ich weg bin. Er schaut mir zu, ist ganz beeindruckt. Nachdem ich fertig bin, bringe ich den Traktor zurück zu meinem Schwiegervater.
Und dann nehme ich eine kleine Holzschaufel, drücke Lukas in die Hand und sage: Okay, wenn du mich wirklich liebst, dann wirst du das genauso tun wie ich. Tschüss!
Was würdet ihr davon halten? Freunde, das ist eine Riesengemeinheit. So etwas ist fast schon kriminell. Speziell, wenn ich ihn mit Liebe motiviere. Wenn ich von meinem Sohn Lukas verlange, dasselbe zu tun, was ich getan habe, dann muss ich ihm auch dieselben Ressourcen zur Verfügung stellen, die ich hatte.
Und wisst ihr, was Jesus zu dir gesagt hat und zu mir? Ihr sollt genau dasselbe tun, was ich getan habe. Ist Jesus kriminell? Ist er gemein? Nein. Jesus hat uns, wenn Jesus von dir und mir verlangt, das zu tun, was er getan hat, dann muss er auch uns dieselben Ressourcen zur Verfügung stellen, die er hatte. Und das ist der Heilige Geist. Er muss uns dieselben Mittel geben.
Das heisst, wenn wir das tun wollen, was Jesus getan hat, dann müssen wir lernen, aus seiner Kraft zu leben und nicht aus unserer.
Und seht ihr, ich kenne nicht wenige Christen, die bemühen sich von Herzen, das zu tun, was sie glauben, ein Christ tun muss. Und es endet immer in Frust und Verzweiflung, weil sie es nicht schaffen. Das ist wie wenn der Lukas versucht hat, mit der Holzschaufel, mit der kleinen Backplatte zu schaufeln. Er verzweifelt daran.

Viertens: Geistliche Disziplinen einüben

Nun zur vierten:
Also, was braucht es, um das zu tun, was Jesus getan hat?
Erstens: Wir brauchen Jesus.
Zweitens: Wir müssen ihm absolut vertrauen, dass er es nur gut mit uns meint.
Drittens: Wir müssen lernen, aus seiner Kraft zu leben, mit seinen Mitteln zu leben, nicht aus eigener Kraft.
Und viertens: Wir müssen eine geistliche Disziplin lernen, das Lernen von geistlichen Disziplinen.
Seht ihr, auch wenn ein Mensch Jesus hat, mit der Gegenwart und Kraft Jesu Christi in seinem Alltag rechnet und von seiner Liebe überzeugt ist, muss er trotzdem gewisse Disziplinen lernen, um das zu tun, was Jesus tut.
Ich kann mich gut erinnern: Ich war mal für drei Monate in einer Bibelschule in England. Dort habe ich den Bibelschulleiter gefragt, Charles Price heißt er. Die haben dauernd davon geredet: Christus in dir, Christus wohnt in dir, du kannst es nicht, Christus macht alles und so weiter. Dann habe ich ihn mal gefragt: Wie funktioniert das mit diesem Christus in mir?
Und dann hat er zu mir gesagt: Deine Frage ist falsch. Die Frage ist nicht: Wie funktioniert es? Die Frage ist: Wer macht es, dass es funktioniert? Die Frage ist nicht: Wie, die Frage ist: Wer.
Dann habe ich gesagt: Okay, dann sag mir: Wie macht der Wer, dass es funktioniert?
Seine Antwort war korrekt, es geht um das Wer. Aber meine Frage war auch korrekt. Denn nachdem ich Christus habe, muss ich trotzdem lernen, wie ich nun mit ihm lebe.
Zurück zur Ehe:
Wenn du heiraten möchtest, wenn du ein Eheleben möchtest, ich sage dir eins: Alles, was du brauchst, ist ein Ehepartner. Mehr brauchst du nicht und mehr kannst du nicht haben für ein Eheleben.
Aber etwas kann ich dir auch noch sagen: Nachdem du deinen Ehepartner hast, weißt du noch lange nicht, wie du mit ihm leben musst. Du kannst nicht mehr haben als einen Ehepartner zur Ehe, trotzdem musst du lernen, wie man mit dem Ehepartner lebt.
Wenn du Christ bist, dann hast du Christus. Du kannst nicht mehr haben als Christus, und du brauchst auch nicht mehr, das stimmt. Das heißt aber trotzdem, dass du jetzt lernen musst, wie du mit diesem Christus lebst.
Und das sind geistliche Disziplinen. In unserer Bibel wird manchmal das Wort Heiligung dazu gebraucht, aber das verwendet ja heute keiner mehr. Darum ist eins meiner Lieblingsworte im Neuen Testament 1. Timotheus 4,7. Da sagt Paulus: Übe dich in der Gottesfurcht.
Im Englischen gefällt es mir noch besser, da steht: Train yourself to be godly. Trainiere dich selbst in der Gottesfurcht!
Und dieses Einlernen, dieses Trainieren, das sind die geistlichen Disziplinen.

Das Leben Jesu als Schule des Glaubens

Nun, und das ist dann das Letzte: Welche geistlichen Disziplinen müssen wir lernen, damit wir das tun können, was Jesus sagt, was wir tun sollen?
Nun, von wem können wir besser lernen als von dem kompletten Menschen, von Jesus Christus? Er war ein kompletter Mensch. Wie hat er 33 Jahre lang als Mensch auf Erden gelebt? Denn wenn wir lernen, wie er gelebt hat, dann lernen wir, wie wir als Menschen auf dieser Erde leben können und müssen.
Wie hat er gelebt? Zwei Dinge fallen auf. Wenn ich die Evangelien studiere, ist das herausragend: Jesus lebte in totaler Abhängigkeit von seinem Vater. Er hat oft gesagt: Ich tue nichts von mir aus. Ich tue nur das, was ich meinen Vater tun sehe. Ich rede nur die Worte, die ich meinen Vater reden höre, und so weiter. Und er hat seinem Vater absolut vertraut.
Was waren demnach seine geistlichen Disziplinen? Jesus zog sich oft zurück, allein, und redete mit seinem Vater und hörte auf seinen Vater. Man nennt das Gebet. Das hat Jesus oft getan. Er zog sich zurück in einsame Gegenden und betete. Manchmal lesen wir, dass er früh morgens, als es noch dunkel war, auf den Berg ging. Dann lesen wir, dass er sich am Ende eines langen Tages zurückzog und mit Gott redete. Und dann lesen wir, dass er in einsamen Gegenden war und mit Gott redete.
Außerdem war das eine geistliche Disziplin von Jesus: Er hat sich immer wieder zurückgezogen, um allein mit seinem Vater zu sein. Das war eine geistliche Disziplin, weil er seinem Vater vertraut hat und in Abhängigkeit von ihm lebte.
Eine zweite Disziplin war: Jesus studierte und kannte das Alte Testament. In der Versuchungsgeschichte sagt Jesus dreimal: Denn es steht geschrieben, denn es steht geschrieben, denn es steht geschrieben. Er wusste, was sein Vater sagt und wer er ist, auch von der Schrift her.
Jesus verteidigte die Schwachen, er war hart gegenüber den selbstgerechten Menschen, und er erzählte den Menschen von seinem Vater im Himmel.

Geistliche Übungen für den Alltag

Nun, was sind jetzt deine und meine geistlichen Disziplinen? Und damit bin ich dann am Ende.
Wenn Jesus unser Beispiel ist, wie sollten wir leben? Erstens in völliger Abhängigkeit von ihm. So wie Jesus von seinem Vater abhängig war, so sollten wir jeden Tag, jede Minute von Jesus Christus abhängig sein. Und zweitens: Wir sollten ihm absolut vertrauen, dass er es nur gut mit uns meint, und nach seinem Willen fragen.
Nun, was sind demnach unsere geistlichen Disziplinen, die wir üben müssen? Erstens: Zeit zu verbringen in der Stille mit Gott dem Vater. Freunde, ich weiß nicht, wie ich das betonen soll. Ich könnte darüber jeden Tag predigen. Es gibt keinen Ersatz dafür. Du und ich, wir müssen uns zurückziehen und Zeit allein haben mit unserem Vater im Himmel und dem Herrn Jesus Christus. Es gibt keinen Ersatz. Und wenn du das nicht tust, dann weiß ich etwas über dich: Es ist dir nicht möglich, das zu tun, was Jesus getan hat.
Wir brauchen diese Disziplinen. Wir müssen von Jesus abhängig leben. Und wenn wir das nicht tun, hören wir uns noch fünfzig Predigten an, und es verändert sich nichts in unserem Leben. Selbst dieses Wochenende hier, das Osterwochenende, ich weiß, es ist viel los, man trifft viele Menschen, aber ich möchte euch bitten: Geht mal allein in den Wald oder irgendwo hinaus und redet nur allein mit dem Herrn. Jesus hat es getan, wenn er es gebraucht hat. Wie viel mehr wir! Das ist eine geistliche Disziplin.
Etwas anderes, das wir lernen müssen, ist, so wie Jesus auf sein Wort zu hören. Wisst ihr, warum ich die Bibel lese? Ich lese die Bibel nicht, um meine religiöse Pflicht zu erfüllen. Das interessiert Gott relativ wenig. Ich lese meine Bibel, weil ich lernen möchte: Herr Jesus, wer bist du? Was hast du mir heute zu sagen? Was ist dein Charakter? Ich möchte dich kennenlernen, darum lese ich meine Bibel. Und es ist eine geistliche Disziplin.
Eine weitere Disziplin ist, Gott für alle Dinge zu danken, die mir geschehen, weil ich ihm vertraue, dass er es nur gut mit mir meint. Anderen Menschen von Jesus erzählen, so wie Jesus von seinem Vater erzählt hat. Seht ihr, das sind die geistlichen Disziplinen, die wir lernen müssen, wenn wir abhängig von Jesus und aus seiner Kraft leben wollen. Denn nur dann können wir so leben, wie Jesus gelebt hat.

Zusammenfassung und Schlussgebet

Also noch einmal: Erstens müssen wir, um das zu tun, was Jesus getan hat, Jesus Christus persönlich kennen. Zweitens müssen wir ihm absolut vertrauen, dass er es nur gut mit uns meint. Drittens müssen wir lernen, aus seiner Kraft zu leben, aus der Kraft des Heiligen Geistes und nicht aus unserer eigenen Kraft. Und viertens müssen wir uns ernsthaft mit geistlichen Disziplinen beschäftigen und diese Disziplinen erlernen.
Übt euch in der Gottesfurcht! Und das ist das Christleben. So lebt man als Christ, im Vertrauen auf ihn. So bin ich der Christ, der ich geworden bin. Und du und ich, wir wissen ja genau, wo wir wissen, da sollte ich wirklich etwas ändern.
Und sieh dir: Es geht hier nicht um Religion, es geht um eine Liebesbeziehung. Eine Minute noch, aber das ist mir noch wichtig. Wisst ihr, ein religiöser Mensch, ich vergleiche es wieder mit der Ehe. Zum Beispiel: Ich komme jetzt nach Hause und treffe Hannelore, meine Frau, und sage: Ja, ich bin ja ein guter Ehemann. Eigentlich sollte ich sie umarmen, wenn ich sie jetzt nach einer Woche treffe. Das wäre eine gute Idee. Ja, werde ich tun. Ich bin ein guter Ehemann, also tue ich es.
Zweitens: Ich sollte sie küssen, wenn ich sie treffe. Das tut der Ehemann so, wenn er seine Frau eine Woche nicht sieht. Ja, werde ich auch tun. Ich reiße mich zusammen, ich bin ein guter Ehemann, ich werde es tun.
Drittens: Als guter Ehemann sollte ich sie fragen, wie es ihr geht. Das gehört sich einfach. Als guter Ehemann soll ich sie fragen, wie es ihr geht. Ich werde es tun.
Wisst ihr, was die Wahrheit ist? Weil ich sie liebe, komme ich nach Hause, werde sie umarmen, ihr einen Kuss geben und sie fragen, wie es ihr geht.
Aber wisst ihr, wie viele Christen leben? Ich bin ja ein guter Christ. Eigentlich sollte ich heute meine Bibel lesen. Ja, ich werde es tun. Es gehört sich als guter Christ. Ja, ich werde es schon machen. Und ich will ja Christus nachfolgen. Eigentlich sollte ich heute schon beten. Ja, Gebet gehört einfach dazu. Also ich werde mich zusammenreißen, ich werde heute beten.
Wisst ihr, wie es wirklich ist? Wenn du Jesus liebst, wenn du ihm wirklich vertraust, weißt du, was du dann tun wirst. Du wirst mit ihm reden. Du wirst einfach mit ihm reden. Du wirst mit ihm das Leben teilen, das du führst. Und du wirst fragen: Herr Jesus, wer bist du eigentlich?
Die geistlichen Disziplinen sind keine Gesetze, die ich jetzt befolgen muss, damit ich irgendwie ein besserer Christ werde. Wenn sie aus Liebe motiviert sind, sind es die normalsten Dinge, die du tust. Darum sagt Johannes in seinem Brief: Die Gebote sind nicht schwer. Die Gebote sind nicht schwer, die sind ganz einfach, wenn sie aus Liebe motiviert sind.
In der Religion geht es um Pflichterfüllung, dann wird es schwer, diese Dinge zu tun. Wenn du Jesus liebst, dann ist es nicht schwer. Das ist der Unterschied.
Ich bete noch: Lieber Vater, ich möchte dir danken für die Zeit, die wir gemeinsam haben, um von dir und deinem Wort zu lernen. Es gibt so viele Dinge, die uns bewegen, und, Vater, du kennst unser Herz. Du weißt genau, wo wir stehen. Wir können dir sowieso nichts vormachen und müssen es auch nicht. Danke, dass du mich so liebst, wie ich bin. Und danke, dass du nur ausschließlich das Beste für mich willst und sonst gar nichts. Und darum darf ich dir vertrauen.
Ich möchte dir für mein Leben danken, Herr, und ich bete, dass jeder in der Lage ist, das wirklich tun zu können: dir zu vertrauen und dann zu lernen, aus deiner Kraft zu leben, Herr, jeden Tag in der Abhängigkeit von dir zu sagen: Herr Jesus, ich kann es nicht, aber ich muss es auch nicht. Aber du kannst es. Und ich bin gespannt, was du heute wieder tun wirst.
Ja, ich kann hier keinem Menschen helfen, das weiß ich auch, aber du kannst es. Und darauf verlasse ich mich. Ich kann nicht einmal meine Frau lieben, wie sie es verdient, aber du kannst es. Und darum will ich von dir lernen. Ich kann auch meine Kinder nicht erziehen, wie ich sollte, aber du kannst es. Und so will ich auch da auf dich bauen, Herr. Und in der Abhängigkeit von dir einfach empfangen und lernen.
Und danke, dass mir die Fehler vergeben sind, dass ich mich nicht selbst knechten muss, sondern als freier Mensch leben darf, weil ich Vergebung habe, völlige. Und dafür danke ich dir.
Danke für diese Osterkonferenz jetzt, für das Wochenende. Danke für die vielen lieben Menschen hier, die ein Anliegen und einen Hunger haben, dich mehr kennenzulernen. Und allein das zeigt, Herr, dass sie mit dir unterwegs sind und du sie segnest und zum Segen machst für viele andere.
Danke für Glaubensgeschwister überall auf der Welt. Herr, rüste uns immer wieder neu zu, dass wir ein Licht und Salz in dieser Erde sind. Es ist so etwas Wunderbares, mit dir zu leben, und dafür will ich dir von Herzen danken. Amen.