Einordnung in die größere Linie des Gleichnisses
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 703
Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl, Teil 2
Wir stecken mitten in einem Gleichnis über das Reich Gottes. Nachdem der Herr Jesus davon gesprochen hat, dass das Reich Gottes dem Volk Israel weggenommen werden würde, wirft er jetzt noch einmal einen Blick auf diese für Israel tragische Entwicklung der Ereignisse.
Das ist dann auch der Grund dafür, dass das Gleichnis vom Hochzeitsmahl inhaltlich an das Gleichnis von den Weingärtnern erinnert. In einem Fall ist es ein Weinbergbesitzer, der völlig zu Recht erwartet, dass er seine Pacht erhält. Im anderen Fall ist es ein König, der erwartet, dass die Gäste, die er zur Hochzeit seines Sohnes eingeladen hat, auch kommen.
In beiden Fällen bleiben die Angesprochenen die angemessene Reaktion schuldig. Die Weinbergpächter zahlen nicht, und die zur Hochzeit Eingeladenen wollen nicht kommen.
Wenn wir weiterlesen, finden wir sogar noch mehr Parallelen. Matth. 22, Verse 3-6.
Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen. Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg. Der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.
Irgendwie kommt uns das bekannt vor, oder? Die Gäste verhalten sich so wie die Weinbergpächter. Sie sind desinteressiert, und schlimmer noch: Sie misshandeln und töten die Knechte. Was für eine absurde Situation.
Ich hoffe, ihr seht die Parallele. Jesus redet zu denselben Leuten: Pharisäern und Hohenpriestern. Und er wirft ihnen in beiden Gleichnissen vor, dass sie nicht auf Gott und seine Knechte reagieren. Natürlich sind die Knechte in beiden Fällen die Propheten, und immer werden die Knechte misshandelt oder gleich ganz zum Schweigen gebracht.
Der entscheidende Augenblick und die innere Gleichgültigkeit
Frage: Welche neuen Gedanken bringt dieses Gleichnis?
Da ist zum einen der Gedanke, dass jetzt alles fertig ist. Matthäus 22,4: Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
Während im Gleichnis von den Weingärtnern der Schwerpunkt darauf liegt, dass Gott immer und immer wieder seine Propheten schickt und am Ende sogar seinen Sohn, liegt hier der Schwerpunkt auf dem einen Moment, den es zu verstehen und zu ergreifen gilt. Gott ist mit seinen Vorbereitungen fertig. Dies ist ein klassischer Heute-Moment. Hebräer 3,7-8: Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.
Es gibt Momente im Leben, die darf man einfach nicht übersehen und verpassen. Und wenn Gott zur Hochzeit seines Sohnes einlädt, dann ist definitiv so ein kritischer Moment gekommen. Also, ein erster Schwerpunkt liegt in der Finalität der Ereignisse.
Dann schauen wir uns an, warum die Gäste nicht kommen wollen. Bei den Weinbergpächtern bleibt das Motiv für ihr Handeln etwas im Verborgenen. Man kann auf Habsucht spekulieren, aber es steht nicht explizit da. Bei den Eingeladenen im Gleichnis vom Hochzeitsmahl wissen wir, warum sie nicht kommen. Sie sind einfach desinteressiert und mit ihren eigenen Sachen beschäftigt. Matthäus 22,5: Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel.
Merkt ihr, was hier fehlt? Jegliche Dringlichkeit. Es gibt für sie keinen Grund, jetzt auf den Acker zu gehen oder genau jetzt Handel zu treiben. Sie tun es einfach. Und sie tun es, weil sie die Einladung nicht kümmert. Ihnen ist der König und seine Hochzeit völlig egal. Ihr Denken und Handeln dreht sich um ihre eigene Arbeit. Sie sind der Mittelpunkt ihres Lebens. Der König mit seinen Wünschen hat da keinen Platz. Sie empfinden die Einladung auch nicht als Ehre oder Auszeichnung.
Und mit diesem Vers blicken wir ganz tief ins Herz der Zuhörer. Dieses absolute Desinteresse an den Wünschen Gottes, das ist es, was die Pharisäer und Hohenpriester auszeichnet. Sie sind so sehr mit ihren eigenen Dingen beschäftigt, mit ihrem Acker und ihrem Handel, dass dafür Gott überhaupt keinen Platz mehr bleibt. Und wehe, Gott macht auf sich aufmerksam, dann wird mit aller Kraft das Wort Gottes zum Schweigen gebracht.
Was hier absolut fehlt, ist Gottesfurcht. Wir müssen uns vergegenwärtigen, was Jesus hier sagt. Er spricht die Männer an, deren Aufgabe es war, dem Volk Israel den Willen Gottes kundzutun. Und genau sie sind an dem, was Gott dem Volk mitteilen will, überhaupt nicht interessiert.
Freude, Verpflichtung und die Zusammenfassung der Parallelen
Ein dritter Punkt, in dem sich die beiden Gleichnisse unterscheiden: Während das Gleichnis von den Weingärtnern die Pflicht der Pächter betont, beziehungsweise das Recht des Weinbergbesitzers auf seine Früchte, geht es jetzt ums Sichfreuen und Mitfeiern.
Der Herr Jesus wirft seinen Gegnern also zwei Dinge vor. Zum einen: Ihr kommt euren Verbindlichkeiten nicht nach. Zum anderen: Ihr seid nicht bereit, euch mit Gott zu freuen.
Die Frage ist: Worüber freuen sie sich nicht? Ganz einfach: über die Hochzeit des Sohnes. Das Reich Gottes, das den Pharisäern und Hohen Priestern genommen werden wird, ist nicht nur durch Verpflichtung geprägt, sondern ebenso durch eine umfassende, von Gott geschenkte Freude.
Gott kann daher auf zweifache Weise enttäuscht werden: indem man ihm die Früchte seines Weinbergs vorenthält oder indem man sich der Freude entzieht, die er schenken möchte.
Lasst mich die Gedanken noch einmal zusammenfassen. Das Gleichnis von den Weingärtnern und das Gleichnis vom Hochzeitsmahl weisen viele inhaltliche Parallelen auf. Sie werden beide zu den Pharisäern und Hohen Priestern gesprochen, und sie behandeln dasselbe Thema, nämlich das Reich Gottes.
In beiden Fällen geht es um Menschen, die den berechtigten Anspruch eines Höhergestellten nicht erfüllen. Warum tun sie das nicht? Weil sie nicht wollen. Sie folgen ausschließlich ihren eigenen Interessen. Sie haben kein Interesse daran, Gott zu gehorchen, aber sie haben auch kein Interesse daran, sich mit Gott zu freuen.
Die Idee, dass das Reich Gottes in diesem Moment auf eine Hochzeit zuläuft, die sie keinesfalls verpassen dürfen, weil sie sonst draußen sind, auf so eine Idee wären sie nie und nimmer gekommen. Sie hatten Gott über Jahrhunderte hinweg ignoriert. Jetzt würden sie diesen Weg bis zum bitteren Ende weitergehen.
Schlussgedanke und persönliche Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Bei Gott gehören Gehorsam und Freude ganz eng zusammen. Inwiefern verbinden sich diese beiden Konzepte in deinem Leben?
Das war’s für heute. Wenn du noch nicht festes Mitglied einer vernünftigen Gemeinde bist, dann ändere das doch. Glauben braucht Gemeinschaft.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.