Event•Teil 7 / 21Pfingstjugendtreffen 2026
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Ein mutiger Traum und die Wirklichkeit
Gottesfurcht und Menschenliebe: Wie du mutig von Jesus reden kannst.
Vor zwei, drei Wochen war ich sehr mutig. Ich habe selbst über mich gestaunt. Ich wurde Augenzeuge eines Verbrechens. Und ich bin auf den Verbrecher zugegangen und habe gesagt: Gott wird sie strafen.
Dann hat er so gegrinst und gesagt: So, wird er das? Dann habe ich gesagt: Ja, wenn sie nicht umkehren, wird Gott sie strafen.
Dann hat er sein Messer aus der Tasche genommen und ist auf mich zugegangen. Und ich habe gesagt: Ich habe keine Angst, ich vertraue auf Jesus. Was können mir Menschen tun?
Da ist er immer weiter auf mich zugegangen. Und wie es dann weiterging, weiß ich nicht, weil ich dann aufgewacht bin.
Im Traum ist es leicht, mutig zu sein. Aber die Realität sieht doch oft ganz schön anders aus.
Warum viele gute Vorsätze an der Angst scheitern
Ich bin seit zwei Jahren bei der Schüler SMD und versuche, Schüler zu ermutigen, Schülerbibelkreise an ihren Schulen zu gründen. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mit bestimmt hundert Jugendlichen gesprochen, die gesagt haben: Ja, ich glaube, es ist meine Berufung. Es kommt von Gott, dass ich einen Schülerbibelkreis gründen soll. Und dann haben sie es doch nicht gemacht. Warum?
Vor drei Wochen habe ich eine Jugendveranstaltung mit hundert Jugendlichen gemacht. Ich habe sie auf diese Becher schreiben lassen: Was hindert dich daran, einen Schülerbibelkreis zu gründen? Was hindert dich daran, deinen Glauben an der Schule zu leben?
Und wisst ihr, was so gut wie alle draufgeschrieben haben? Menschenfurcht, was denken die anderen, ich traue mich nicht, Angst, weil man belächelt wird, Angst, was andere von mir denken, Mobbing, Angst, ausgelacht zu werden, Lästern, Spott, Freunde verlieren, Hass, ausgeschlossen werden, Angst vor anderen, Menschenfurcht, was denken die anderen, was andere Personen von mir denken und so weiter.
Menschenfurcht ist ein altes Wort. Es heißt einfach, dass wir uns davor fürchten, was andere Menschen über uns denken oder uns antun könnten. Und das bedeutet, wir verehren Menschen, wir geben ihnen die Ehre, dass es uns wichtig ist, was sie über uns denken. Und diese Ehre, diese Verehrung, kommt eigentlich nur Gott zu.
Der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Jeremias Gotthelf hat in einem seiner Werke geschrieben: Menschenfurcht, die mächtigste Gewalt auf Erden, ist meist die Gegnerin der Gottesfurcht. Das ist natürlich nicht gut, wenn wir Jesus nachfolgen wollen.
Die Grundlage: Gnade statt Leistungsdenken
Aber wenn wir über Menschenfurcht und darüber reden, wie wir Menschenfurcht überwinden können, dann ist mir eine Sache ganz, ganz wichtig. Deshalb sage ich sie gleich am Anfang: Wir können Gottes Liebe nicht vergrößern durch irgendetwas, was wir tun, und nicht verkleinern durch irgendetwas, was wir nicht tun. Und wir können uns auch den Himmel nicht verdienen durch mutiges Handeln. Und wir können uns den Himmel nicht verwehren durch anderes Handeln.
Paulus schreibt: Weil Gott so gnädig ist, hat er uns durch den Glauben gerettet. Und das ist nicht euer eigenes Verdienst, es ist ein Geschenk Gottes. Am liebsten würde ich diese Folie immer nach zwei Folien noch einmal einblenden, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Dafür haben wir keine Zeit, deshalb müsst ihr mir einfach versprechen, dass ihr das im Hinterkopf behaltet.
Bei allem, was ich heute sage, geht es nicht darum, wie können wir uns verbessern, damit Gott uns noch mehr mag, und wie können wir so handeln, dass er uns gnädig ist oder uns liebt. Das geht nicht. Das steht auf einem anderen Blatt, das ist ein ganz anderes Paar Schuhe.
Aber wenn wir Gott lieben, dann wollen wir ganz automatisch, weil wir ein neuer Mensch sind, auch seinen Willen tun. Und was ist Gottes Wille? Das lesen wir unter anderem in 1. Timotheus 2. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen. Das ist Gottes Wille: dass alle Menschen gerettet werden. Und dazu will er uns gebrauchen. Er hat jeden von uns an diesen Platz gestellt, wo er uns gebrauchen will.
Und ich glaube, es ist kein Zufall, wo du bist, in welcher Klasse du bist, an welcher Uni, in welchem Ausbildungsjahrgang. Das ist kein Zufall, sondern Gott weiß genau, was die Leute um dich herum brauchen, und er hat dich ausgewählt, genau da zu sein. Und es könnte sehr gut sein, dass in deiner Klasse oder in deinem Ausbildungsjahrgang oder in deiner Lerngruppe an der Uni genau eine Person ist, die dich braucht. Eine Person, die genauso ist wie du, damit sie Jesus kennenlernt. Und deshalb hat dich Gott dahingestellt, und er will dich gebrauchen.
Zwei Wege gegen die Angst vor Menschen
Wir wollen Menschenfurcht also ersetzen. Und ich wollte die Session bewusst nicht „Menschenfurcht überwinden“ oder ähnlich im Negativen nennen, sondern zwei positive Dinge benennen, durch die wir Menschenfurcht ersetzen wollen.
Menschenfurcht soll Gottesfurcht weichen, und Menschenfurcht soll Menschenliebe weichen. Das sind die ersten zwei Punkte, und ich fange an mit Gottesfurcht ohne Menschenfurcht.
Wenn wir Menschenfurcht angehen wollen, wenn wir dagegen vorgehen wollen, dann müssen wir uns erst einmal fragen: Was sind die Ursachen von Menschenfurcht? Damit wir nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern das Problem an der Wurzel packen können.
Dazu habe ich zwei Ursachen von Menschenfurcht herausdestilliert. Die erste ist mangelndes Vertrauen auf Gott. David schreibt in Psalm 56: Gott, ich preise dein Wort und vertraue auf dich. Warum sollte ich mich fürchten? Was können Menschen mir anhaben?
David hat Gottvertrauen gelernt. Er wurde nicht damit geboren, aber Gott hat ihn dahin geführt, dass er immer mehr Vertrauen auf Gott gelernt hat. Durch immer mehr Ereignisse, in denen er gemerkt hat: Gott ist vertrauenswürdig, ist sein Gottvertrauen gewachsen. Und irgendwann konnte er sagen: Ich vertraue auf dich, warum sollte ich mich fürchten?
Wenn wir Gott vertrauen, müssen wir keine Angst haben. Aber vielleicht vertrauen wir Gott noch nicht immer ganz. Wichtig ist, dass wir diese Wurzel von Menschenfurcht kennen: mangelndes Vertrauen auf Gott. Dann können wir das Problem mit Gott angehen und mit Gott ins Gespräch kommen. Wir können ihm sagen: Hey, ich merke, ich vertraue dir da noch nicht genug. Kannst du mir helfen, mein Vertrauen wachsen zu lassen? Kannst du mein Vertrauen stärken?
Nur wenn wir diese Wurzel identifiziert haben, können wir mit Gott darüber ins Gespräch gehen und ihn bitten, dass er unser Vertrauen wachsen lässt.
Was Jesus über Angst und Bekenntnis sagt
Und in Deutschland kann uns nicht wirklich viel passieren. Es gibt viele Länder auf der Welt, in denen es sehr viel mehr Mut kostet, sich zu Jesus zu bekennen. Nicht nur Mut, sondern auch das Leben kann es kosten.
In Deutschland wird man vielleicht schief angeschaut. Und ich sage vielleicht, denn die Menschen in Deutschland sind offener, als man vielleicht denkt. Ich habe neulich eine Umfrage gehört von unserer österreichischen Schwesterorganisation, von der SMD. Die haben unter österreichischen Studenten abgefragt: Würdest du in der Bibel lesen, wenn es ein Freund mit dir tun würde? Und wisst ihr, wie viele Leute mit Ja geantwortet haben? 90. Das ist krass, oder?
Die Leute sind so offen, und sie warten nur, bis jemand sie anspricht und sagt: Willst du mit mir in der Bibel lesen? Und wir denken uns: Was denkt der jetzt, wenn ich frage, ob er mit mir die Bibel lesen will? Der findet mich dann vielleicht komisch und sowas. Die Leute warten darauf. Die Leute sind so offen.
Und selbst wenn diese Umfrage vielleicht nicht ganz die Realität abbildet, in Deutschland oder auch in Österreich: Selbst wenn es nur 45 wären, wäre es immer noch richtig viel. Die Leute würden nicht selber in der Bibel lesen, aber wenn ihr zu ihnen geht und sagt: Wie wäre es, wenn wir mal zusammen in der Bibel lesen? Einfach einmal, und wenn es dir gefällt, können wir weitermachen. Die Leute warten darauf.
Jesus hat sehr viel über Menschenfurcht gesagt, und ein ganz wichtiges Kapitel ist Matthäus 10. Wir lesen das nur in Ausschnitten jetzt, aber nehmt euch das ruhig noch mal für zu Hause vor. Matthäus 10, er schreibt: Habt keine Angst vor denen, die euch umbringen wollen. Und wie gesagt, in Deutschland wird man normalerweise nicht umgebracht, sondern vielleicht noch freudig begrüßt, wenn man von Jesus erzählt. Aber wie viel mehr gilt es dann, was Jesus sagt, für uns?
Habt keine Angst vor denen, die euch umbringen wollen. Sie können nur euren Körper töten, eure Seele ist für sie unerreichbar. Fürchtet allein Gott, der Leib und Seele in der Hölle vernichten kann.
Das ist schon ganz schön herb von Jesus, dass er jetzt gleich mit der Hölle kommt. Aber ich liebe es, wie der Bibeltext weitergeht. Passt auf: Nicht einmal ein Spatz, der doch kaum etwas wert ist, kann tot zu Boden fallen, ohne dass euer Vater es weiß. Selbst die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Deshalb habt keine Angst. Ihr seid Gott kostbarer als ein ganzer Schwarm Spatzen.
Da zeigt Jesus so richtig, wie er ist. Nicht dieser Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger, der sagt: Habt endlich mal weniger Angst, was denn mit dir los?, sondern er weiß, wie es in uns aussieht. Er kennt uns so gut, dass er sogar die Haare auf unserem Kopf zählt. Und wir sind ihm so wertvoll. Selbst die Spatzen sind schon wertvoll für ihn, und wir noch viel mehr.
Das liebe ich sehr an Jesus, und das kommt hier so cool rüber, wie er diese herben Stellen gleich wieder damit verbindet, dass er zeigt: Hey, ich sage das aus Liebe und weil du mir so kostbar bist. Und ich kann es euch nicht ersparen, es steht in der Bibel. Es geht weiter: Wer sich hier auf der Erde öffentlich zu mir bekennt, den werde ich auch von meinem Vater im Himmel bekennen. Aber wer mich hier auf der Erde verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Jesus ist hier sehr deutlich. Das kann uns Angst machen. Und deshalb erinnert euch noch mal an den Vers von vorhin: Es ist reine Gnade, und es kommt nicht darauf an, dass wir uns diese Gnade erarbeiten können durch richtiges Handeln, sondern nur aus Gnade können wir vor Gott bestehen.
Und gleichzeitig macht Jesus hier deutlich, was ihm wichtig ist. Und wenn man jemanden liebt, dann will man wissen, was dem anderen wichtig ist, damit man aufeinander eingehen kann. Weil man dann aus Liebe auch etwas tun will, was der Person wichtig ist. Das kennt man ja aus jeder menschlichen Beziehung auch.
Und deshalb sagt uns Jesus immer wieder auch, was ihm wichtig ist, damit wir das wissen. Und er macht uns hier sehr deutlich, dass es ihm wirklich wichtig ist, dass wir ihn bekennen vor den Menschen.
Identität als Kind Gottes
Und es führt uns schon zur zweiten Ursache von Menschenfurcht, und das ist einer meiner wichtigsten Punkte heute. Also hört genau zu. Man würde das vielleicht nicht als Erstes mit Menschenfurcht in Verbindung bringen, aber es ist eine Frage der Identität. Und unsichere Identität ist eine Hauptursache von Menschenfurcht.
Warum ist es uns wichtiger, was Menschen über uns denken, als was Gott über uns denkt? Das ist komisch, oder? Eigentlich wissen wir, dass es viel wichtiger ist, was Gott über uns denkt. Und Gott ist uns auch viel wichtiger als die Menschen. Und trotzdem ist es so in uns drin, eben weil unsere Identität noch nicht so gefestigt ist.
Elke Mölle schreibt in einem ihrer Bücher: Wenn du weißt, wer du bist, musst du nichts mehr tun, um jemand zu sein. Das ist ein krasses Zitat, deshalb noch mal: Wenn du weißt, wer du bist, musst du nichts mehr tun, um jemand zu sein.
Wenn wir wissen, was unsere Identität in Jesus ist, dann müssen wir uns nicht erarbeiten, dass die Leute uns gut finden. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir feststehen in dieser Identität. Unsere Identität ist es, Kinder Gottes zu sein. Und das ist auch die höchste Identität, die man überhaupt erreichen kann. Niemand kann auf uns herunterschauen. Wir sind Kinder des höchsten Königs.
Und Jesus sagt: Werdet wie die Kinder. Was wir von Kindern lernen können, ist, sich nicht zu schämen. Kinder schämen sich nicht. Kinder schämen sich nicht dafür, wie sie aussehen. Kinder schämen sich nicht mal, in der Nase zu popeln. Kinder schämen sich auch nicht, an der Hand der Eltern zu gehen. Irgendwie findet man das super peinlich, aber Kindern ist es völlig egal, was andere dazu denken. Kinder schämen sich auch nicht, in der Öffentlichkeit vor dem Essen zu beten.
Und als Kinder Gottes können wir deshalb so wie Paulus sagen: Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht. Ich muss mich gar nicht schämen, weil ich ein Kind Gottes bin.
Ich bin ja ein ganzes Stück älter als ihr, und zu meiner Zeit gab es noch die Wehrpflicht. Heute gibt es eine abgespeckte Form: Die Männer müssen irgendwas ausfüllen und Ja oder Nein schreiben. Aber zu meiner Zeit musste man noch, wenn man nicht zur Bundeswehr wollte, in einem nicht ganz unaufwendigen Prozess den Kriegsdienst verweigern. Deshalb sind auch viele aus meinem Jugendkreis und aus meinem Umfeld zur Bundeswehr gegangen.
Ich hatte einen sehr alten, erfahrenen und weisen Jugendkreisleiter. Er hat den Jugendkreis tatsächlich geleitet bis zu seinem achtzigsten Geburtstag. Das war richtig cool. Gottlob ist ein ganz großes Vorbild für mich geworden. Und er hat es geschafft, als fast Achtzigjähriger jede Woche Jugendliche um sich zu scharen und ihnen das Wort Gottes auszulegen. Richtig krass.
Und Gottlob hat eine Beobachtung gemacht. Wenn Leute aus unserem Jugendkreis zur Bundeswehr gingen, hat er gemerkt: Je später sie sich zu Jesus bekennen, desto schwerer fällt es ihnen. Und deshalb hat er jedem aus unserem Jugendkreis, der zur Bundeswehr ging, einen Tipp mit auf den Weg gegeben. Den will ich euch heute auch mitgeben, vielleicht in abgewandelter Form, weil viele von euch nicht zur Bundeswehr gehen.
Er hat gesagt: Wenn du in die Kaserne kommst, leg als Erstes deine Bibel auf den Nachttisch oder was man da so hat, so dass alle deine Kameraden sie sehen. Als Allererstes.
Und warum ist das so wichtig? Weil es in uns Menschen natürlicherweise so drin ist, dass wir denken: Ich will den Leuten erst mal zeigen, dass ich ein guter Freund bin, dass ich nicht irgendwie komisch bin, weil ich Christ bin, dass ich ganz normal bin, dass ich cool bin. Und wenn sie mich dann gut finden und wenn sie merken, dass ich gar nicht so bin, dann sage ich: Ach übrigens, ich bin auch Christ. Ja, das hättet ihr nicht gedacht, oder?
So denken wir sehr oft. Das Problem ist, wir bauen dann unsere Identität auf dem, was andere von uns denken. Und eigentlich ist unsere Identität, Kinder Gottes zu sein. Und als Kinder müssen wir uns nicht schämen.
Und wenn wir wissen, wer wir sind, Kinder Gottes, dann müssen wir uns nicht erst erarbeiten, dass die anderen uns cool oder normal oder wie auch immer finden. Dann können wir einfach so dazu stehen. Deshalb müssen wir an der Identität ansetzen und unsere Identität stärken in Jesus.
Gottesfurcht statt Menschenfurcht
Keine Ursache von Menschenfurcht ist Gott. Das klingt banal, das wisst ihr alle, aber ich sag’s noch mal. Damit es uns noch mal klar wird: Gott und Menschenfurcht, das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Die haben nichts miteinander zu tun.
Wenn wir mit Menschenfurcht kooperieren, machen wir uns in dem Moment nicht abhängig von Gott. Menschenfurcht ist ja auch oft so irrational, gerade bei Fremden merkt man das. Eigentlich ist es doch so: Wenn wir zum Beispiel in einer anderen Stadt sind, niemand kennt uns, und trotzdem fällt es uns so schwer, von Jesus zu reden, oder? Obwohl es doch eigentlich völlig egal ist. Die Menschen sehen uns nie wieder, die wissen gar nicht, wer wir sind.
Menschenfurcht hat nichts mit Gott zu tun. Paulus sagt sogar etwas wirklich Radikales in Galater 1. Er schreibt: Wie ihr seht, geht es mir nicht darum, Menschen zu gefallen, nein, ich versuche, Gott zu gefallen. Und jetzt kommt’s: Wollte ich noch Menschen gefallen, wäre ich kein Diener von Christus.
Paulus sagt: Ich muss mich entscheiden. Will ich ein Diener von Christus sein oder will ich ein Diener von Menschen sein? Beides zusammen geht nicht. Wollte ich noch Menschen gefallen, wäre ich kein Diener von Christus. Das ist echt radikal.
Aber passt auf: Jesus hat da einen wirklich coolen Trick eingebaut. Den beschreibt er uns in Lukas 6: Glücklich seid ihr, die ihr gehasst und ausgeschlossen und verspottet und verflucht werdet, weil ihr zum Menschensohn gehört. Wenn das geschieht, dann freut euch, springt vor Freude, denn im Himmel erwartet euch eine große Belohnung.
Das bedeutet: Uns kann man gar nicht schaden. Wenn uns jemand schaden will, wenn uns jemand verspottet, hasst oder auslacht, dann nützt er uns damit. Jesus sagt, im Himmel werden wir eine große Belohnung haben, so groß, dass wir sogar springen können vor Freude, wenn wir ausgelacht werden, verspottet werden, sogar verflucht werden. Das ist cool, oder?
Das ist so ein Trick, mit dem Gott seine Berufung schützt und die Berufenden. Wer uns schaden will, nützt uns. Und wenn Jesus uns eine Belohnung verspricht, dann dürfen wir auch darauf vertrauen, dass es eine gute Belohnung ist und dass es sich lohnt.
Aber es ist eben etwas, was wir im Glauben annehmen müssen. Jesus sagt: Im Himmel erwartet euch eine große Belohnung. Das ist nicht unbedingt etwas, was man auf der Erde sehen kann. Aber im Glauben dürfen wir das nehmen und sagen: Gott hat mir etwas versprochen, wenn ich jetzt ausgelacht werde und verflucht werde.
Menschenliebe als zweiter Weg
Wir wollen Menschenfurcht also durch zwei Dinge ersetzen: durch Gottesfurcht, darüber haben wir jetzt gesprochen, und durch Menschenliebe.
Als ich in der Schule war, kannte ich keine Menschenfurcht. Ich habe allen in meiner Klasse von Jesus erzählt, und ich habe mich immer im Unterricht zu Jesus bekannt. Und die Frucht davon war, dass meine Klassenkameraden gesagt haben: Wenn Christen so sind wie der, dann will ich keiner sein.
Ich habe etwas Entscheidendes vergessen. Ich hatte zwar keine Menschenfurcht, aber ich hatte auch keine Menschenliebe, und das merkten die Leute. Meine Klassenkameraden, für die war ich kein Zeugnis, kein gutes zumindest. Und bei manchen musste ich mich noch nach der Schulzeit entschuldigen für das, wie ich mit ihnen über Jesus gesprochen habe, weil ich nicht aus Liebe, sondern aus Rechthaberei mit ihnen diskutiert habe.
Meine Klassenkameraden und alle Menschen haben dafür ein feines Gespür, ob jemand aus Liebe mit ihnen spricht oder aus Rechthaberei. Und Wahrheit ohne Liebe macht hart, und das ist nicht das, wie wir für Jesus auftreten wollen. Deshalb gehört es ganz eng damit zusammen, wenn wir über Menschenfurcht sprechen: Menschenliebe braucht es auch.
Die Frucht meines Übereifers für Jesus in meiner Schulzeit ist wirklich beschämend, und ich bin froh über die Gnade von Jesus, die auch dafür gilt. Nicht nur bei Menschenfurcht, sondern auch bei fehlender Menschenliebe.
Paulus schreibt: Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid, denkt daran, dass der Herr bald kommt. In der Lutherbibel klingt das witzig, da heißt es: Lasst eure Lindigkeit kund werden allen Menschen. Lindigkeit haben wir nicht mehr so im aktiven Wortschatz, aber ich mag das Wort irgendwie. Also: Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid. Der Herr kommt bald, wir haben keine Zeit zu verlieren. Es geht um Menschenleben, es geht tatsächlich um Leben und Tod, aber mit Liebe.
Und von manchen Christen habe ich schon die billige Ausrede gehört: Na ja, die Wahrheit zu sagen, ist ja auch eine Form von Liebe und so. Ja, das stimmt irgendwie. Aber wie gesagt, die Leute merken das. Die haben da Sensoren, ob jemand aus wirklicher Liebe spricht oder ob die Liebe nur darin besteht, die Wahrheit zu sagen. Das genügt nicht.
Aber bitte jetzt nicht denken: Bevor ich da etwas falsch mache und zu wenig Liebe habe, lasse ich es lieber ganz. Wenn du dich von Gott leiten lässt und von seiner Liebe erfüllen lässt, dann kannst du ruhig loslegen und deine Lindigkeit kund werden lassen allen Menschen.
Praktische Schritte für mehr Mut
Ich habe jetzt noch 104 praktische Tipps für euch, um Menschenfurcht zu überwinden. Und damit wir heute noch fertig werden, fange ich direkt mit dem ersten an. Der Tipp eins ist: Lass dir von Gott Mut schenken.
Wer weiß, wer diese Frau ist? Ja, da habe ich schon gehört: Corrie ten Boom. Das ist eine niederländische Uhrmacherin, eine ganz unscheinbare Frau. Aber in diesem Loch in der Wand, das man hinter ihr sieht, hat sie Juden versteckt, als die Nazis ihr Heimatland, die Niederlande, überfallen haben. 800 Juden hat Corrie ten Boom vor den Nazis das Leben gerettet. Das hat Mut gebraucht.
Als die Nazis in Holland einmarschiert sind und die Juden gezwungen haben, gelbe Sterne zu tragen, hat sie sich mit ihrer Familie auch in die Schlange gestellt und solche Sterne austeilen lassen und an die Kleidung gemacht, obwohl sie keine Juden waren, aus Solidarität. Da gehört Mut dazu. Corrie ten Boom war eine der Anführerinnen des niederländischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Und denkt ihr, diese kleine, unscheinbare Uhrmacherin hatte von sich aus diesen Mut, um das zu tun? Nein, hatte sie nicht. Das sagt sie auch selber von sich. Eines ihrer bekanntesten Zitate heißt: Mut ist Angst, die gebetet hat. Mut ist Angst, die gebetet hat.
Wir können uns diesen Mut nur von Gott schenken lassen. Kein Mensch kann durch Zähne zusammenbeißen diesen Mut hervorbringen, den man braucht, um sich zu Jesus zu bekennen, geschweige denn, um solche Sachen zu machen wie Corrie ten Boom. Mut ist Angst, die gebetet hat.
Aber Vorsicht: Bitte nicht warten, bis das Gefühl der Angst verschwunden ist. Also man könnte denken: Okay, ich bete jetzt mal, und sobald ich keine Angst mehr habe, dann gehe ich fröhlich los und erzähle von Jesus. So funktioniert das Reich Gottes nicht. Gott arbeitet manchmal mit unseren Gefühlen, aber manchmal auch nicht. Und Angst, die gebetet hat, kann sich immer noch anfühlen wie Angst und nicht wie Mut.
Und deshalb: Beten, Angst in Mut verwandeln lassen und losgehen, auch wenn es sich noch wie Angst anfühlt. Auch Corrie ten Boom haben noch die Knie geschlottert, wenn die Gestapo vor ihr stand. Aber sie wusste: In der geistlichen Welt ist meine Angst schon längst in Mut verwandelt. Gott ist da. Und mein nächster und übernächster und überübernächster und so weiter Tipp ist der gleiche.
Eigentlich muss ich euch gar keinen weiteren Tipp geben, weil das ist der Master-Tipp. Lass dir von Gott Mut schenken. Er ist der Einzige, der solche Fülle an Mut hat, dass es für uns alle reicht. Lass dir von Gott Mut schenken, das ist mein wichtigster Tipp heute.
Aber damit es noch ein kleines bisschen konkreter wird, habe ich euch noch ein paar andere Tipps mitgebracht. Einer davon ist: Mach hin und wieder mal was Verrücktes, zum Beispiel einfach einen Fahrradhelm aufziehen, wenn man durch die Stadt läuft oder so. Irgendwas richtig Komisches, Peinliches, Verrücktes. Ganz random.
Das hilft uns, geerdet zu werden und Menschenfurcht abzubauen, denn Menschenfurcht überwinden ist ein Training. Und je öfter wir es machen und je öfter wir uns selber auch zeigen, es ist gar nicht so schlimm, etwas Peinliches zu machen, desto leichter verschwindet sie.
Ich habe drei Jahre lang in Münster gewohnt, in Westfalen, und habe da regelmäßig Straßenevangelisation gemacht. Am Anfang war das noch sehr aufregend für mich. Vor jedem Mal war ich sehr aufgeregt, und ich dachte: Was denken diese Leute über mich? Auch wenn ich sie gar nicht kenne und vielleicht nie wiedersehe, habe ich es trotzdem gedacht.
Je öfter ich es über die Monate und Jahre gemacht habe, desto mehr ist meine Angst verschwunden, weil ich auch gemerkt habe: Es ist gar nicht so schlimm. Mir ist nie etwas Schlimmes passiert. Ich bin nie in Gefahr gekommen, sondern im Gegenteil habe ich oft erfahren, wie Leute dankbar sind, wenn jemand für sie betet und von Jesus erzählt.
Und auch das ist etwas Verrücktes. Man muss nicht unbedingt einen Fahrradhelm anziehen, auch wenn es auch cool ist. Aber verrückt ist es auch schon, einfach von Jesus zu erzählen. Und je öfter man das macht, desto mehr merkt man: Es ist gar nicht so schlimm. Und desto mehr weicht die Menschenfurcht.
Ein Zitat, das mir in den letzten Monaten sehr wichtig geworden ist und mich begleitet, ist von einem, der in Berlin in den zwanziger Jahren Straßenevangelisation gemacht hat, in einer Zeit, in der es wirklich nicht einfach war, von Jesus zu erzählen. Da gab es Straßenkämpfe zwischen Nazis und Kommunisten, und die Situation war sehr aufgeladen. Ihr merkt, ich bin Historiker, deshalb kommt hin und wieder mal was aus der Geschichte. Hugo Flemming hieß der.
Und er hat gesagt: Es ist dem Christen nichts gesünder als eine tüchtige Blamage. Wisst ihr, warum das so gesund ist? Weil es uns immer wieder erdet. Wenn wir mal so denken, wir sind Überflieger und wir sind so cool, und wenn wir dann etwas Peinliches machen und Leuten zum Beispiel von Jesus erzählen, dann merken wir: Oh, ich brauche Jesus. Ich brauche ihn. Ich lebe in der Verbundenheit und aus der Verbundenheit mit ihm.
Deshalb erden uns solche Blamagen immer wieder, auch wenn uns Leute auslachen, verspotten. Das ist gut, nicht nur, weil Jesus gesagt hat, es gibt eine Belohnung, sondern auch, weil es uns stark macht und immer wieder erdet. Es ist dem Christen nichts gesünder als eine tüchtige Blamage. Ich habe mir das so über den Schreibtisch gehängt, ich finde es sehr, sehr cool, und ich sage mir das immer wieder vor, damit ich wieder neu auf Jesus geworfen bin.
Und den hundertzweiten Tipp, den habe ich euch vorher schon gegeben, aber ich will es noch mal sagen, weil es mir so wichtig ist: Leg am ersten Tag die Bibel raus. Ob du in eine Kaserne kommst oder vielleicht in eine neue Schulklasse oder du beginnst eine Ausbildung oder im Studium beginnt ein neues Semester, du bist wieder mit neuen Leuten zusammen. Warte nicht, bis die anderen dir Identität geben, und warte nicht, bis die anderen dir zeigen, dass sie dich annehmen, sondern leg am ersten Tag die Bibel raus oder zieh dein Jesus-Merch-Shirt an oder rede von Jesus oder mach irgendwas.
Ja, cool, da steht sogar auf der Brille: Jesus liebt dich. Wow, das ist cool. Mach es am ersten Tag. Und wenn du jetzt nicht in eine neue Klasse oder Kaserne oder Arbeitsgruppe kommst, dann lass den nächsten Tag nach den Ferien der erste Tag sein und warte nicht länger.
Der nächste Tipp heißt: Zeig deiner Menschenfurcht, wer der Chef ist. Als ich angefangen habe zu studieren, habe ich mir einen Ordner angeschafft, wo ich alle meine Studiensachen reingeheftet habe, und ich dachte, es wäre doch ganz cool, da so einen Fisch draufzukleben. Und ich habe diesen grünen Fisch hier in der Ecke obendrauf geklebt.
Und dann habe ich mich immer wieder dabei ertappt, wenn so ein Professor in meine Nähe kam, wie ich dann so ganz unauffällig ein Blatt drübergelegt habe. Und dann dachte ich irgendwann: Also wenn ich nicht einen harten Gegenschlag mache, dann lullt mich die Menschenfurcht immer mehr ein, und sie greift immer mehr Besitz von mir. Und ich muss da jetzt entgegentreten.
Und dann habe ich mir noch mehr Fische genommen. Den ganzen Ordner voller Fische gemacht. Und wenn ich gemerkt habe, dass ich versucht bin, so ein Blatt drüberzulegen oder den Ordner aufzuklappen, dann habe ich gedacht: So, und jetzt lege ich ihn gerade so hin, dass ihn der Professor sieht, weil ich der Menschenfurcht zeigen will: Du bist hier nicht der Chef über mein Leben. Jesus ist der Chef, und du sagst mir nicht, wo ich ein Blatt hinlege, sondern Jesus.
Dann habe ich auf meinem Laptop auch noch einen Fisch geklebt. Und ich habe es immer wieder gemerkt, wie ich versucht bin, dann meinen Laptop nicht aufzuklappen oder irgendwas zu tun, um es zu verstecken. Und ich musste mir immer wieder sagen: So, und jetzt gerade. Die Menschenfurcht bestimmt nicht mein Leben, das ist nicht meine Identität.
Und einen letzten Tipp habe ich für euch: Ermutige andere, indem du dich als Christ zu erkennen gibst. Es ist so ermutigend, wenn man sieht: Ich bin nicht der Einzige. Zwei Jahre bei der Schüler-Synode habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die mir gesagt haben: Ich bin der einzige Christ an meiner Schule. Und ich sage jedes Mal: Nein, glaube ich nicht. In Württemberg kannst du nicht der einzige Christ an deiner Schule sein. Also rein statistisch: Nein.
Aber woher soll man wissen, dass da noch andere sind, wenn die sich nicht zu erkennen geben? Es ist so ermutigend, wenn man sieht: Da sind noch andere. Ich bin nicht alleine. Das ist so stärkend. Deshalb liebe ich auch Schülerbibelkreise so sehr, weil man sich gegenseitig stärkt an der Schule, in diesem Umfeld.
Und das kann man auf ganz verschiedene Weise machen: In der Mensa vor dem Essen beten ist eins, ein christliches Shirt anziehen, die Bibel herauslegen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich als Christ zu erkennen zu geben. Und ich wünsche euch, dass ihr Leute seid, die sich nicht dranhängen, wenn andere den Anfang machen, sondern die selber den ersten Schritt machen und sich als Erster an der Schule als Christ zu erkennen geben, damit andere sich dranhängen können.
Der Erste zu sein ist schwer, aber seid solche Ersten, an die sich die anderen dranhängen können und dann auch ihre Jesus-Shirts anziehen können. Das ist so ermutigend, und wir brauchen einander. Wir brauchen einander als Christen. Dann ist es viel einfacher, von Jesus zu erzählen, und es ist auch ein Zeugnis für die, die Jesus nicht kennen.
Schluss: Die bessere Sicherheit
Ich habe zum Abschluss noch einen Bibelfers mitgebracht: Sprüche 29. Da steht: Menschenfurcht bringt zu Fall, wer sich aber auf den Herrn verlässt, der wird beschützt.
Menschenfurcht lohnt sich nicht, sagt die Bibel. Menschenfurcht bringt zu Fall. Keiner von uns möchte zu Fall kommen. Es fühlt sich manchmal so an, als wäre es der einfachere Weg, nicht von Jesus zu erzählen und Menschenfurcht zu haben. Aber es ist nicht der einfachere Weg. Menschenfurcht bringt zu Fall, aber wer sich auf den Herrn verlässt, wird beschützt.
Wir haben so etwas Besseres als die Meinung anderer Menschen über uns. Wir haben Jesus, und auf den können wir uns verlassen. Und in seiner Kraft wollen wir Menschenfurcht überwinden.
Ich fühle, dass du eingeschaltet hast. Wir hoffen, es hat dir gefallen. Um das Angebot weiterführen zu können, brauchen wir deine Unterstützung. Um das POT langfristig planen zu können, helfen uns regelmässige Spenden. Wir sind aber auch unheimlich dankbar für jede Einzelspende, jeder Betrag hilft. Vielen Dank, dass du das POT damit möglich machst.
