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Jesus ist so nahe!

Philipper 4,4-721.12.1997
Vor Weihnachten liegen oft die Nerven blank. Die Frage ist: Was trägt dich dann wirklich? Paulus setzt auf einen Frieden, der näher ist als Stress, Streit und Sorgen.

Der biblische Zuspruch für den Advent

Der Predigttext für diesen vierten Advent steht im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi, Kapitel 4, Verse 4 bis 7.
Freut euch in dem Herrn alle Wege, und noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen; der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Friede Gottes, möge er Sinne und Herzen bewahren.
Liebe Gemeinde, normalerweise geht man sich nie so auf die Nerven wie vor Weihnachten. Es kann sein, dass Sie zu den glücklichen Leuten gehören, die sagen: Warum denn? Aber normalerweise liegen unsere Nerven blank, weil wir merken, wie viel wir uns eigentlich vorgenommen hatten in diesem Jahr und was unerledigt geblieben ist. Ja, und so viel kommt dabei auch an Eigenheiten heraus.
Gibt es das, den Frieden Gottes, der stärker wirkt als eine Tablette Librium, die unsere Emotionen dämpft? Gibt es den Frieden durch das fromme Geschwätz? Gibt es den Frieden Gottes, der das Herz und die Sinne bewahrt?
Apostel Paulus schrieb an eine Gemeinde. Es ist gut, dass das vor zweitausend Jahren nicht anders war. Da lagen die Nerven blank. Offensichtlich waren sich zwei Frauen in den Haaren, die Evodia und Syntyche. Warum das so war, wissen wir nicht. Man braucht ja auch gar keinen Anlass, wenn man aufeinander losgeht, sagt man im Schwäbischen. Es liegt oft offen an einem selbst. Und der Clemens als Gemeindeleiter, der wusste auch nicht mehr, was er machen sollte. Und Paulus schreibt: Ihr habt mit mir gekämpft den Kampf für das Evangelium.
Wir haben neulich in unserem Hochvaterkreis eine Sitzung gehabt, da sind wir einander hochgegangen. Dieses hochheilig scheidende Gremium – wenn man mal 30, 40 Jahre im Kampf für das Evangelium steht, da ist jeder fix und fertig und weiß nicht mehr, was er machen soll.
Friede Gottes ist auch noch da. Der Herr ist nahe. Der ist euch näher als alle Menschen, die euch auf die Nerven gehen. Der Herr ist nahe. Er ist euch näher als alle Lasten, die euch niederdrücken wollen. Der Herr ist nahe. Er ist näher als alle Schwermut, die eure Seele verdunkeln will. Er ist hautnah. Der Herr ist nahe.
Also muss ich aufpassen, dass ich nicht mit Begriffen jongliere. Es ist eine Gefahr bei uns Abendländern. Wir kommen von Griechen her, denen waren die Begriffe wichtig. Die Bibel berichtet immer Geschehen. Deshalb ist in der Bibel zwei Drittel voll mit Erzählungen, mit Berichten, da passiert etwas.
Und der Apostel Paulus erzählt eine Geschichte. Ich darf Sie gerade mal auf eine Entdeckungsreise mitnehmen. Es ist ja immer so schön, wenn man an einen Bibeltext gesetzt wird, weil man dann ganz neu hört, was einem lebenslang noch nie aufgegangen war. Schon in der Begrifflichkeit, dass der Apostel Paulus sagt: Seid stark in dem Herrn Jesus, nicht durch den Herrn Jesus. Seid einig in dem Herrn Jesus, nicht wie Jesus. Nicht: Freut euch, weil es Jesus gibt, sondern freut euch in dem Herrn.
Wir müssen ja sagen: Das ist doch gar keine deutsche Grammatik, hat der Luther falsch übersetzt. Nein, nein, so steht es da. Was meint er denn mit diesem in?
Es gibt eine Schlüsselstelle, 2. Korinther 5: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Geburt, eine neue Kreatur, eine neue Existenz. Also all das, was die Utopien seit Menschengedenken sich erträumt haben: neuer Mensch, neue Welt. Sie haben gedacht, wenn es Gerechtigkeit gibt, wenn die Kriege abgeschafft sind, dann ist jemand in Christus.
Wir haben vorher im Psalm miteinander gebetet, dass das große Wirken Gottes zusammenhängt mit dem, als ich in meiner Mutter Leib gebildet wurde. Das ist ein elementares Erleben, das die meisten von uns gehabt haben. Vielleicht erinnern sich manche nicht mehr daran, aber wir würden nicht leben, wenn wir nicht im Leib unserer Mutter genährt worden wären, geborgen gewesen wären, in der Wärme, im schützenden Lebensraum der Mutter heranwachsen hätten können.
Wir haben eine Antenne dafür, was das heißt: in ihm. Und selbst wenn wir gestrampelt haben, weil es sich bemerkbar machte, wir wollten einmal selbst leben, dann hat sicher bei den meisten von uns die Mutter beruhigend die Hand auf den Leib gelegt. Ich freue mich ja an neuem Leben. Aber jetzt muss man ein bisschen warten. Du gehörst noch mir, ich möchte für dich da sein.
Also, wir haben eine Antenne dafür, was sein könnte in gut. Das ist vorbei. Wir haben uns abnabeln lassen, wir haben uns losgestrampelt. Aber sagt der Paulus: Es gibt noch einmal, und noch viel größer als das, was im Mutterleib geschehen ist, das, was schon im Psalm 139, was wir vorher miteinander gebetet haben, geschaut wurde, prophetisch: Von allen Seiten umgibst du mich.
Dass ich hineingenommen bin in Gott, dass Gott nicht bloß Vorbild ist, dass er mir tröstliche Worte gibt, dass er mir Impulse gibt, sondern: Von allen Seiten umgibst du mich. Seid stark im Herrn, und der Friede Gottes regiere eure Herzenssinnen in Christus Jesus. Er ist nahe.

Geborgenheit, die tiefer reicht als menschliche Erfahrung

So hat der Herr Jesus seine ersten Gefährten, die er in seine Nachfolge gerufen hat, erfahren lassen. Er hat zu Gott gesagt, im großen Gebet: Ich habe sie bewahrt, ich habe keinen von ihnen verloren, ich habe sie erhalten, bei dir, Gott, und bei mir.
Es ist mehr, als dass die Jünger Jesus nachgefolgt sind, dass sie an ihn geglaubt haben, dass sie bei ihm gelernt haben. Ich habe sie erhalten, ich habe sie bewahrt.
Und dann wird so anschaulich erzählt: Als die Jünger Not litten auf den Wellen des stürmischen Sees Genezareth, sah sie Jesus. Er hatte sie im Blick und kam zu ihnen. Und als sie meinten, die Tage seien vorbei nach dem Tod Jesu, die Tage seien vorbei, da sie bei ihm nie Mangel hatten, und da sie sich jetzt selbst auf Nahrungssuche begeben mussten und mit ihrem Boot wieder zurückkamen, stand Jesus am Ufer und hatte das Mahl bereitet.
Liebe Freunde, wir kommen bei Jesus, wenn wir zu Jesus gehören, in vorbereitete Verhältnisse. Das ist das nächste Jahr vorbedacht. Alle Tage wollen wir haben es gebetet im Psalm: Alle Tage, von denen noch keiner da war, sind bei dir ins Buch geschrieben, du hast sie schon im Auge.
Das Geheimnis des Christseins ist, dass wir in Christus noch viel geborgener, bewahrter, geschützter und getragener sind als im Leib unserer Mutter. Wenn wir einmal gewürdigt sein werden, in die Welt Gottes zu kommen, werden uns die Augen weit aufgehen dafür, wie viel öfter, wie viel wunderbarer und wie viel durchdringender Jesus uns bewahrt hat, in Augenblicken, in denen wir es noch gar nicht gewahr wurden.
Dass er für uns gebetet hat beim Vater, als wir zu müde waren zum Beten. Dass er uns gelenkt hat, als wir meinten, das war aber eine geschickte Idee. Dass er uns geschoben hat. Dass er uns manche Menschen in den Weg geschickt hat. Dass er uns wachgehalten hat in manchen Augenblicken, als wir sagten: Heute war ich voll da. Von allen Seiten umgibst du mich.

Die Welt unter dem Schutz Christi

Aber mir ist aufgegangen: Beim Apostel Paulus haben wir x Hinweise darauf, dass das nicht bloß für uns Christen gilt, sondern dass Jesus Christus die Lebenswirklichkeit für unseren Planeten Erde ist.
So wie die Sauerstoffhülle um unseren Planeten überhaupt dafür sorgt, dass wir atmen können und nicht ersticken, heißt es bei Paulus immer wieder: Ihr sollt bei Jesus die Höhe, Breite, Tiefe und Länge seiner Liebe erfahren. Sie können das wahrscheinlich gar nicht begreifen, so wie er hier sagt: Der Friede Gottes, denkt nicht darüber nach, der ist höher als alles, was er begreifen könnte. An Begriffen denkt er euch wund.
Aber denken Sie mal darüber nach, wenn Sie darauf stoßen, neben dem Filetten Schreibtisch, Bleistift und streichen an: Durch ihn und in ihm und zu ihm sind alle Dinge. Er trägt alle Dinge, das All mit seinem kräftigen Wort, damit unser Planet nicht schon längst vergiftet und in die Luft gesprengt ist. Das macht Jesus. Das sind Geheimnisse, die wir gar nicht begreifen.
Wir denken immer, da waren gerade gute Politiker da, und zufällig ist es gerade nur mal gut gegangen. Im Römerbrief heißt es: Er trägt in göttlicher Geduld selbst die Gefäße des Zorns. Wo ich Gott sagen müsste: Das lasse ich fallen, trägt er sie in göttlicher Geduld.
Unsere ganze Welt ist in Jesus geborgen, dazu ist er der Herr der Welt. Aber wichtig ist, dass wir jetzt einen Hunger bekommen. Dann möchte ich noch viel mehr hineinkommen. Dann soll vielleicht, ist es zu technisch, wenn ich sage: Transmissionsriemen. Ich möchte angeschlossen sein an diese Jesus-Wirklichkeit.
Dass bei mir, wo meine Lieblichkeit, meine Sanftmut so begrenzt ist, bei mir dürfen Sie es glauben, dass der Apostel Paulus sagen kann: Jetzt sei mal gespannt, deine Güte kannst du mitteilen allen Menschen, weil der Jesus da ist. Das ist etwas anderes. Der Herr Jesus kann dich formen und gestalten. Du ahnst noch gar nicht, was da alles geschehen kann, wenn du in ihm bist.
Von diesem Geschehen spricht der Apostel Paulus: Hineinkommen in den Frieden Gottes. Jesus ist nahe. Ich muss drei Geschichten erzählen, damit es praktischer wird.

Drei Zeugnisse von Nähe in Bedrängnis

Der Essener Jugendpfarrer, Evangelist Wilhelm Busch, war 1938 in der Haft der Geheimen Staatspolizei in Gelsenkirchen. Brutale Einzelhaft mit vielen Verhören. Als er schließlich freikam, sagte seine Frau: „Mensch, wir haben Angst um dich gehabt.“ Und er sagte nur: „Ich habe Angst um euch gehabt. Meine Zelle war so voll von der Gegenwart Jesu, dass ich es kaum ausgehalten habe. Und ich habe Angst um euch gehabt, dass in der ganzen Betriebsamkeit eures Lebens euch gar nicht mehr bewusst werde, dass Jesus da ist, dass ihr ihn gar nicht mehr wirklich haben wollt, dass ihr ihn dauernd abschottet und abschüttelt, so wie er den Regenmantel die Regentropfen abschüttelt.“
Angst um euch. Der Herr ist nah. Lasst ihr euch in das Geschehen mit hineinnehmen?
Bei der zurückliegenden Pro-Christ-Aktion danke ich allen Korntalern, vor allem dem Hauskreis und den Verantwortlichen, die diese Aktion mitgetragen und mitverantwortet haben. Dort haben ja Leute aus dem täglichen Leben berichtet, in Interviews zu Beginn der Veranstaltung, was ihnen Jesus bedeutet, die Gegenwart Gottes. Und es war schon eindrücklich, wie der Staatsminister Beckstein sagte, so dass man es ihm abgenommen hat. „Ich könnte meine Verantwortung nicht machen, ohne dass ich wüsste, dass Jesus da ist.“ Auch meine Fehler, die ich mache, die Entscheidungen, die ich nach menschlichem Ermessen gar nicht übersehen kann, ob sie richtig sind, trotzdem haben sie es gespürt: Echt, das ist authentisch, das ist es eigentlich. Ob das rhythmisch gespielt wird oder im Bachsatz: „Jesu, meine Freude.“ Ich lebe in dieser Wirklichkeit. Jesus ist nahe, im Herrn.
Wie kommen wir hinein in diese Wirklichkeit? Was ist der Transmissionsriemen, was ist die Tür, die zu dieser Wirklichkeit führt, im Herrn, zu diesem Geschehen, dass wir in eine ganz neue Lebenswirklichkeit hineinkommen?
Gerhard Terstegen, und das ist die dritte geschichtliche Gestalt dieser Bandwirker, eigentlich ein begabter Kaufmann, hat den Ruf aufgegeben, um Jesus nachsinnen zu können. Wir waren ja in diesem Jahr in einem großen Gedenkjahr, dem Terstegenjahr, hinten und vorne Terstegen, wenn wir etwas mitnehmen aus diesem Jahr.
Dann das Gebet von Ter Stegen: „Komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre.“ Dann geht es weiter: „Ich in dir, du in mir.“ Der Herr ist nahe. Komm, du nahes Wesen. Amen.