Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 5
Jesu Leben und Lehre | Episode 735
Matthäus 23,2311.08.2026
Serie•Teil 2 / 4Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
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Episode 735
Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 5
Der vierte Weheruf und sein eigentlicher Vorwurf
Kommen wir zum nächsten, zum vierten Weheruf. Matthäus 23,23: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
Fangen wir mit der Frage an: Was kritisiert Jesus hier eigentlich? Um das gleich zu sagen: Er kritisiert nicht das Geben des Zehnten an sich. Ausdrücklich sagt Jesus: Dieses hättet ihr tun sollen, und damit meint er den Zehnten.
Was die Schriftgelehrten und Pharisäer falsch machen, ist etwas anderes. Sie behandeln die Nebensächlichkeiten peinlich genau und vernachlässigen gleichzeitig die wirklich wichtigen Dinge des Gesetzes. Was tun sie? Sie verzehnten Minze und Dill und Kümmel, also Gartenkräuter.
Dafür gab es keine Anweisung in der Tora. Dort steht 3. Mose 27,30: Und der ganze Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume, gehört dem Herrn; es ist dem Herrn heilig.
Und 5. Mose 14,22-23: Du sollst gewissenhaft allen Ertrag deiner Saat verzehnten, was auf dem Feld wächst, Jahr für Jahr. Und sollst essen vor dem Herrn, deinem Gott, an der Stätte, die er erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen, nämlich den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öles und die Erstgeborenen deiner Rinder und deiner Schafe, damit du lernst, den Herrn, deinen Gott, alle Tage zu fürchten.
Da haben wir es. Du sollst allen Ertrag verzehnten, was auf dem Feld wächst, Jahr für Jahr. Es geht primär um Getreide, Most und Öl. Das Gesetz sagt nichts zu Kräutern.
Aber weil es kein Gebot gibt, bleibt natürlich Raum für Auslegung, und den nutzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Wo das Wort schweigt, sind sie ganz genau.
Gewichtung innerhalb des Gesetzes
Also hat Jesus kein Problem damit, dass jemand den Zehnten gibt. Er hat auch kein Problem damit, dass man das Prinzip des Zehnten genauer auslegt, als es das Gesetz verlangte. Er hat aber ein großes Problem damit, wenn man im Detail supergewissenhaft ist, dabei aber die großen Linien des Gesetzes und die Dinge aus dem Blick verliert, die Gott besonders wichtig sind.
Matthäus 23,23
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
Der Herr Jesus spricht hier von den wichtigeren oder gewichtigeren Dingen des Gesetzes. Das ist natürlich eine interessante Formulierung. Er setzt also voraus, dass es innerhalb der Tora eine Gewichtung gibt. Es gibt Gesetze, die mehr theologisches Gewicht haben, und es gibt solche, die weniger wichtig sind.
Achtung: Die weniger wichtigen sind nicht ohne Wert. Auch sie gilt es zu befolgen. Nur brauchen wir uns nicht so viele Gedanken um sie zu machen. Sie haben ihren Wert, aber sie dürfen nicht unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Schon gar nicht dürfen sie uns dazu bringen, dass wir ihre penible Befolgung als Ausrede benutzen, um andere Gebote zu ignorieren, die viel wichtiger sind.
Welche Gebote sind wichtiger? Das Recht, die Barmherzigkeit und der Glaube. Schauen wir uns an, was Jesus meint.
Recht, Barmherzigkeit und Glaube als Maßstab
Recht meint mein gerechtes Handeln, den Schutz der Schwachen, Unparteilichkeit und die Treue zu Gottes gerechter Ordnung. Wenn also die Pharisäer jemanden aus der Synagoge ausschließen, der Jesus als den Christus bekennt, dann beugen sie genau dieses Recht. Oder wenn der Hohe Rat falsche Zeugen gegen Jesus aufstellt und damit das Verfahren gegen ihn manipuliert, dann handelt er ungerecht. Und genau das ist den Schriftgelehrten und Pharisäern egal.
Kommen wir zum nächsten Begriff: Barmherzigkeit.
Barmherzigkeit meint tatkräftiges Erbarmen, besonders gegenüber Bedürftigen, Schuldigen und Schutzlosen. Wenn Jesus am Sabbat einen Mann mit einer verdorrten Hand heilt, dann zeigen die Pharisäer ihre Unbarmherzigkeit dadurch, dass sie sich nicht freuen, sondern nur überlegen, wie sie Jesus umbringen können. Dasselbe gilt, wenn sie darüber murren, dass Jesus Sünde annimmt und mit ihnen ist, um ihnen Gottes Gnade und Errettung zu bringen. Sie sind unbarmherzig; die Not der Menschen bedeutet ihnen nichts.
Der letzte Begriff ist Glauben.
Der Begriff ist etwas vielschichtiger. Zwei Aspekte schwingen darin mit: das Vertrauen auf Gott und meine Treue, die sich daraus ergibt. Den Unglauben der Pharisäer sieht man ganz schön an ihrem Umgang mit Johannes dem Täufer. Sie schenken Gottes Boten keinen Glauben und bleiben deshalb untreu gegenüber Gottes Handeln. Dasselbe gilt auch für ihren Umgang mit Jesus selbst. Sie studieren die Schriften, aber sie verweigern dem Messias, auf den die Schriften hinweisen, den Glauben.
Das Recht und die Barmherzigkeit und der Glaube, das sind die wichtigeren Dinge des Gesetzes.
Der alttestamentliche Hintergrund und die Gefahr frommer Einseitigkeit
Und natürlich erinnert das an eine Stelle aus dem Alten Testament. Was fordert Gott vom Menschen, Micha 6,8? „Er hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der Herr von dir? Recht zu üben, Güte zu lieben und einsichtig mit deinem Gott zu gehen.“
Recht üben, Güte lieben und einsichtig mit Gott gehen. Das ist für mich identisch mit Recht, Barmherzigkeit und Glauben. Lasst mich das kurz erklären.
Recht üben ist klar. Wer Güte liebt, der liebt es, Gutes zu tun. Und das ist nichts anderes als Barmherzigkeit. Und der Ausdruck „einsichtig mit Gott gehen“ beschreibt einen besonnenen, demütigen, an Gott ausgerichteten Lebensstil. Und das wiederum ist die Mischung aus Vertrauen und Gehorsam, von der Jesus spricht, wenn er Glauben sagt.
Noch einmal zurück zu den Schriftgelehrten und Pharisäern. Ihr Fehler besteht nicht darin, dass sie ungehorsam sind. Ihr Fehler ist selektiver Gehorsam. Sie sind pedantisch in den Kleinigkeiten, aber blind für Gottes Herzensanliegen. Und das ist deshalb eine besonders gefährliche Form der Heuchelei, weil sie so fromm aussieht.
Schau dir den Jotham an, den Pharisäer. Der gibt sogar von seinem Dill noch den Zehnten. Was für ein vorbildlicher Jude. Nein, das ist er nicht. Und wir müssen uns das gut merken. Man kann sich in Nebenfragen des Glaubens profilieren und dabei an den wichtigen Dingen des Glaubens scheitern.
Selbstprüfung und Abschluss
Wenn wir uns selbst prüfen, dann müssen wir uns die richtigen Fragen stellen: Lebe ich gerecht? Lebe ich in Liebe? Und spiegelt mein Umgang mit Gott einen besonnenen, einsichtigen und demütigen Glaubensgehorsam wider?
Was könntest du jetzt tun? Prüfe dich. Denke darüber nach, über welche geistlichen Übungen du die Qualität und Echtheit deines Christseins beurteilst.
Das war’s für heute. Du findest das Skript zu den Episoden in der App oder auf frogwords.de.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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