Serie•Teil 6 / 6Echtsein
Generierte Mitschrift
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Rückblick auf die bisherigen Themen der Reihe
Wir schliessen heute eine Predigtreihe ab. Die Predigtreihe hiess „Echtsein“, und es ging mir um ein paar sehr grundlegende Themen rund um die Frage: Wie sieht echtes Christsein aus?
Wenn ihr euch erinnert, ganz, ganz zurück: Wir machen diese Reihen ja nicht ganz fortlaufend, deswegen muss ich kurz zusammenfassen, was wir schon hatten. In der allerersten Predigt ging es um die enge Pforte. Also um die Frage: Wie komme ich eigentlich ins Reich Gottes? Wie komme ich aus dem Reich der Finsternis heraus? Und ich habe es euch noch einmal mitbringen lassen, die waren einfach zu schön. Also: Wie komme ich hier aus dem Reich der Finsternis hinein in das Reich Gottes? Oder, wie der Apostel Matthäus das ausdrücken würde: Wie komme ich in das Reich der Himmel? Das war die erste Frage. Der Sprung von da nach da: enge Pforte.
Die zweite Predigt drehte sich um die Frage: Woher weiss ich eigentlich, dass ich den Heiligen Geist habe, also wirklich von Neuem geboren bin und dass ich mir meine Errettung nicht nur einbilde?
Warum diese Frage dann so wichtig ist, hat die dritte Predigt gezeigt. Wenn ihr euch erinnert: dritte Predigt, Leben unter Gesetz. Und diese dritte Predigt hat uns mit der Gefahr konfrontiert, dass wir versuchen, aus eigener Kraft heraus ein gutes Leben zu führen, das christlich aussieht, aber nicht wirklich christlich ist, weil ihm nämlich das Beste fehlt. Und das, was fehlt, ist Gnade.
Mit diesem Begriff Gnade, der so zentral ist für das geistliche Leben, haben wir uns jetzt schon zwei Predigten beschäftigt, und ich werde heute noch einmal weitermachen. Wir werden das heute abschliessen: eine dritte Predigt zum Thema Gnade. Denn im geistlichen Leben dreht sich einfach alles um Gnade. Wir werden von Gott im Moment unserer Bekehrung begnadigt, und wir leben ein ganzes Leben lang von diesen vielen kleinen Gnadengeschenken, die Gott uns jeden Tag gibt.
Ich möchte euch an diesen zentralen Satz nochmals der vierten Predigt erinnern. Er hiess: Im Reich Gottes, da, wo Gott herrscht, beruht der Erfolg unseres Lebens nicht auf unserer Kraft oder unserem Gutsein, sondern allein auf der Gnade, die Gott uns gibt. Ich finde das einen eminent wichtigen Satz. Den will ich gerne noch einmal sagen: Im Reich Gottes, da, wo Gott regiert, beruht der Erfolg unseres Lebens, wenn wir am Ende abtreten und zurückschauen und sagen: Aha, wir haben es geschafft, nicht auf unserer Kraft und nicht auf unserem Gutsein, sondern allein auf der Gnade, die Gott uns darreicht.
Und weil das wahr ist, dass geistliches Leben davon lebt, dass wir es lernen, uns mehr und mehr von Gott beschenken zu lassen, deshalb ging auch die letzte Predigt genau um das Thema: Wie kann ich dafür sorgen, dass es mir in meinem Leben nicht an Gnade fehlt? Beziehungsweise: Woran merke ich, wenn ich, wie Paulus das im Galaterbrief einmal nennt, aus der Gnade gefallen bin und versuche, doch mit eigener Kraft das an Lebensqualität zu erwirtschaften, was ich mir eigentlich von Gott nur schenken lassen kann?
Und heute schliesse ich diesen grossen Komplex Gnade ab. Ich habe gesagt: Im Königreich Gottes dreht sich alles um Gnade. Der Apostel Johannes schreibt: Gnade ist durch Jesus Christus geworden. 1. Johannes 1,17. Jesus kommt auf die Erde, und durch ihn wird Gnade. Das ist ein ganz toller Gedanke. Wir bekommen Gnade also nur dadurch, dass wir eine Verbindung zu Jesus selbst bekommen. Jesus ist voller Gnade. Und Gnade wird in dem Mass in unserem eigenen Leben eine erlebte, eine nachvollziehbare Realität, in dem Mass, wie die Beziehung zu Jesus, der voll von Gnade ist, unser Leben prägt.
Oder, mal kürzer gesagt: Wer Jesus hat, hat Gnade. Du hast Jesus in deinem Leben ganz real, dann kommt mit ihm, mit der Beziehung zu ihm, das, was er dir anzubieten hat, und das ist Gnade.
Ich finde das total faszinierend, weil Christentum die einzige Religion ist, in der ihr Gründer die Botschaft ist. Hört sich gut an, oder? Also: Christentum ist die einzige Religion, wo ihr Gründer, Jesus Christus, die Botschaft ist. Er ist nicht nur Botschafter, er ist tatsächlich Botschaft. Es geht um ihn als Person. Die Botschaft vom Reich Gottes dreht sich darum, dass es einen anderen König gibt. Das ist das, was wir hier zum Ausdruck gebracht haben. Es gibt einen anderen König, und dieser König, das ist Jesus. Und wenn du in dieses Königreich kommst, in die Beziehung zu diesem neuen König trittst, dann ist dieses Königreich, dann ist diese Beziehung voll von Gnade.
Und das macht das Christentum so absolut besonders. Es ist nicht die besondere Ethik, die wir haben, so nach dem Motto: Wir haben die besten Regeln. Ich glaube auch, dass wir da ziemlich cool aufgestellt sind, aber das ist nicht das, was uns besonders macht. Es ist auch nicht die Hingabe der Nachfolger Jesu, die besonders wäre. Da gibt es andere Leute, die sind bereit, für ihren Glauben viel weiter zu gehen als wir, sich in die Luft zu sprengen. Und es ist auch nicht unbedingt, dass wir eine Hoffnung haben. Auch andere Leute haben eine Hoffnung.
Das Besondere am Christsein ist die Tatsache, dass sich bei uns alles um Gnade dreht, beziehungsweise um den, durch den Gnade eine Realität in unserem Leben geworden ist. Und das ist Jesus. Das ist das wirklich Besondere am Christentum.
So, und mein letzter Punkt jetzt zum Thema Gnade ist: Gnade kommt in unser Leben nicht so als eine Pauschalversicherung, sondern als etwas, was uns verändern will.
Gnade als herrschende Kraft im Leben
Ich möchte einsteigen für die, die mitlesen wollen: Römer 5,21. Da heißt es, und es wird ein Gegensatz aufgemacht: ein Vorher, ein Nachher, vor der Bekehrung, nach der Bekehrung.
Römer 5,21: Damit, wie die Sünde geherrscht hat durch den Tod, so auch die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Ich lese den Vers noch einmal. Das ist so ein typischer Paulus-Vers, über den, wenn man ihn morgens vor dem ersten Kaffee liest, das ist immer unmöglich eigentlich, das ist viel zu dicht. Ich lese ihn noch einmal vor:
Römer 5,21: Damit, wie die Sünde geherrscht hat durch den Tod, so auch die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Also, ihr habt die zwei Königreiche noch vor Augen? Im Reich der Finsternis herrscht wer? Die Sünde, richtig. Und sie herrscht durch den Tod. Das heißt: Der Mensch, der die Sterblichkeit vor Augen hat, ist ohne Gott dazu verdammt, das Böse zu tun, und Sünde herrscht in seinem Leben. Er kann, auch wenn er das will, die Sünde nicht einfach abschütteln. Sie ist Teil seines Lebens, wie die Tatsache, dass er sterben muss und wovor er sich fürchtet.
Das ist wie so ein Prozess, der sich selber anheizt. Er hat Angst vor dem Tod, und diese Angst vor dem Tod, dieses „Boah, ich muss aber noch was schaffen, ich muss aus meinem Leben noch was rausholen“, treibt ihn immer weiter in die Sünde hinein. Sünde herrscht durch den Tod.
Und mit der Bekehrung ändert sich das jetzt ganz grundlegend. Damit, wie die Sünde geherrscht hat durch den Tod, so auch die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit. Also, wo früher die Sünde geherrscht hat, herrscht jetzt die Gnade.
Und ihr merkt, das ist so ein komischer Begriff: Gnade herrscht. Also, Gnade ist doch etwas, was man geschenkt bekommt, irgendwie so ein Goodie für mein Leben. Und jetzt taucht hier die Gnade quasi analog zur Sünde auf, so als eine Macht in meinem Leben. Genau das ist das, was Paulus sagt. Wenn du Gnade wirklich verstanden hast, dann wird sie eine Macht in deinem Leben sein, eine Macht, die herrscht.
Und wo Gnade herrscht, also zum beherrschenden Prinzip meines Lebens wird, da werde ich das, was Paulus dann später in Kapitel sechs nennt, ein Sklave der Gerechtigkeit.
Der innere Wandel, den Gnade bewirkt
Paulus stellt in Römer 6,15 die Frage: Was nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das ist eine ganz spannende Frage. Jetzt sind wir ja begnadigte Leute, jetzt kann uns ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Oh, ich komme in den Himmel, ja, das würde ich dir dreimal unterschreiben. Ich habe Heilsgewissheit, ich weiß, dass ich im Himmel ankomme. Ja, das weiß ich.
Soll ich jetzt, wo ich sage: Boah, ich bin begnadigt, einfach darauf los sündigen? Und Paulus würde sagen: Quatsch. Also, er sagt dann immer, das sei ferne. Ja, aber das trifft es in unserer heutigen Umgangssprache nicht so ganz. Was nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne! Wir würden das freier übersetzen: Bist du ein bisschen plemplem? Hast du nicht gecheckt, was passiert ist, was das ist mit der Bekehrung, was da für ein dramatischer Wechsel stattgefunden hat?
Also, was Paulus deutlich machen möchte im Römerbrief, gerade in Kapitel 6: Wir sind nicht auf eine bedeutungslose, völlig nebulöse Weise irgendwie unter Gnade, und das ist dann so ein theologischer Begriff, den man nicht so richtig füllen kann. Sondern wir stehen unter der Regentschaft der Gnade. Gnade regiert und zeigt uns eine neue Art zu leben und zu lieben. Aber nicht, indem sie einfach neue Regeln aufstellt.
Ich will das immer wieder noch mal wiederholen. Das, was jetzt kommt, ist nie Wiederholung, ist mir klar. Aber es ist mir so unglaublich wichtig: Im Christentum geht es nicht um neue Regeln, die ich annehme, sondern es geht um ein neues Herz. Und das neue Herz, das Gott mir mit der Bekehrung schenkt, möchte so sehr das Gute tun, wie ich vorher das Böse wollte.
Als ein Sklave der Sünde fiel es mir ganz leicht, das Böse zu tun. Und jetzt bin ich ein Sklave der Gerechtigkeit, und ich will in gleicher Weise das Gute. Gott schreibt, heißt es im Hebräerbrief einmal, sein Gesetz auf mein Herz. Und ein alter Bruder, den ich sehr schätze und der inzwischen schon gestorben ist, der sagte mal: Du musst es ihm nur hinhalten. Schon ein schöner Gedanke.
Gott steht da und sagt: Ich möchte mein Gesetz auf dein Herz schreiben. Du musst es mir nur hinhalten, und dann werde ich losschreiben. Das ist Gnade. Du musst nichts tun, du musst es mir nur hinhalten, und ich werde in deinem Innersten das an Veränderung bewirken, das an Leidenschaft bewirken, was du dir wünschst. Ich muss nur zuhören, wenn die Gnade durch das Wort Gottes zu mir spricht.
Und zugegeben: Das Leben in Heiligkeit ist nicht so leicht wie das Sündigen. Es hat damit zu tun, dass wir noch im Fleisch leben. Es gibt also einen Teil an mir, der sich dagegen wehrt, wenn es um Gehorsam geht. Hm, ist so. Deswegen wagt die Bibel auch zu sagen: Wir müssen im Geist wandeln. Wir müssen uns jeden Tag dafür entscheiden, so zu denken und so zu handeln, wie es uns der Geist Gottes durch sein Wort lehrt.
Wir müssen Sünde wirklich bekennen, und wir müssen sie lassen. Und wir müssen beten. Und wir müssen die Hilfe, die wir aus der Gemeinde bekommen, aus der Gemeinschaft der Heiligen, annehmen. Wir sind ja alle kleine Gnadengeschenke aneinander. Ich hoffe, dass ihr das inzwischen begriffen habt: Ihr seid begnadigte Leute. Tragt eure Gnadengaben, um anderen Menschen auf ihrem Weg Richtung Ewigkeit an der einen oder anderen Stelle zu helfen, sie mal anzuschubsen oder mal aufzurichten. Das ist das, und das müssen wir schon zulassen. Wenn wir das nicht zulassen, dann wird es wirklich schwierig.
Aber wo wir das tun, selbst mit dieser Einschränkung, dass uns, solange wir im Fleisch sind, das Sündigen noch leichter fällt, bleibt einfach wahr: Die Kraft der Veränderung im geistlichen Leben kommt von innen heraus, wenn wir es zulassen, dass Gnade in unserem Leben herrscht, und wenn wir zuhören, was Gnade uns zu sagen hat.
Die Gnade als Lehrerin für ein neues Leben
Ich möchte euch einen zweiten Vers vorstellen, den ich als junger Christ sehr früh auswendig gelernt habe. Und ich kann euch das nur empfehlen, wenn ihr sagt, ihr wollt die Predigt zusammenfassen: Lernt Titus 2,11-13. Das ist der Kernvers für diese Predigt.
Und dort wird dieser Gedanke, dass Gnade herrscht, noch ein Stück weitergezogen. Da heißt es in Titus 2,11: Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen.
Ach, so schön! Paulus schaut zurück und sagt: Die Gnade Gottes ist erschienen. Und er denkt dabei an Jesus, bitte ja. Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen. Es gibt Rettung für jeden Menschen, der glaubt. Gottes Angebot steht da. Und wir können heute zu jedem Menschen hingehen und fragen: Möchtest du Vergebung deiner Schuld? Möchtest du ein Kind Gottes sein?
Und wir wissen, dass dieses Angebot, das wir da aussprechen, ein Angebot ist, das tatsächlich gilt. Wenn jemand zu euch kommt und sagt: Ich würde gerne Kind Gottes sein, dann könnt ihr zu ihm sagen: Okay, ich erkläre dir gerne, wie das geht. Du kannst, es geht für dich.
Und wir können jedem Menschen sagen: Hey, es ist das Wichtigste im Leben, dass du begreifst, wo du hingehst, dass du wirklich weisst, ob du ein Kind Gottes bist. Das ist so eminent wichtig. Aber hier geht es ja gar nicht um Bekehrung im Text.
Gnade Gottes bleibt nicht stehen bei der Einladung hier, denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen. Jetzt geht es aber weiter: und unterweist uns. Jetzt wird die Gnade zur Lehrerin.
Und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Heilands, oder Retters, Jesus Christus, erwarten.
Jetzt wird der eine oder andere sagen: Ich hätte den Vers ja auswendig gelernt, aber jetzt, wo du ihn einmal vorgelesen hast, ist das mir einfach zu heftig. Das verstehe ich. Das ist wieder einer dieser unglaublich dichten Verse.
Was Paulus hier beschreibt, ist die Veränderung, die in einem Menschen vor sich geht, der von neuem geboren wird, wo ein Leben von Gnade geprägt wird. Und ich möchte das jetzt noch mal ein bisschen genauer formulieren, damit wir nicht aneinander vorbeireden, damit das nicht zu blass bleibt: also wo ein Leben davon geprägt wird, dass ich in einer persönlichen, leidenschaftlichen, lebensspendenden Beziehung zu Jesus stehe, wo ich weiss, dass ich allein aus Glauben an Jesus und an seiner Auferstehung gerettet bin, dass ich es kein Stück um meiner eigenen guten Werke willen bin, sondern ganz und gar allein geht es um Jesus, wo ich erfüllt werde von der Realität einer ewigen Errettung, die ich kein Stück verdiene, kein Stück!
Wenn ich zutiefst begriffen habe, dass alles in meinem Leben Geschenk, Gnade ist, dass Gott mich in seine Familie aufgenommen hat, um mir jeden Tag aufs Neue seine Nähe und seine Gnade zu schenken, bis zu diesem einen wunderbaren Tag, wenn aus Glauben Schauen wird, und das, was die alten Brüder immer den Weg durch die Wüste genannt haben, der Weg durch diese nichtige, verrückte Welt, wenn der ein Ende findet und ich endlich ganz bei ihm sein kann, um ihn ganz zu geniessen, das ist Gnade.
Wenn ich das alles verinnerlicht habe, wenn ich sage: Boah, was ist es für ein Geschenk, leben zu dürfen mit Gott auf meiner Seite, wenn mein Leben von Gnade Gottes geprägt wird, und wenn ich das wirklich tief begriffen habe, dann sagt Paulus: Wenn das dein Leben ist, dann ist es völlig normal, dann wirst du zuhören, wenn die Gnade Gottes dich unterweist.
Versteht ihr, Paulus kommt nicht und sagt: Tu das, weil du jetzt Christ bist. Sondern Paulus sagt immer: Schau dir doch an, was Gott dir geschenkt hat. Er tut das an verschiedenen Stellen. Ich könnte auch Römer 12,1 nehmen, da spricht er von den Erbarmungen Gottes, die uns dazu bringen, unser Leben als ein Opfer auf den Altar zu legen. Aber hier ist es anders. Er spricht von der Gnade.
Diese Gnade unterweist uns. Die Gnade unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen. Also: Gnade wird, wenn sie wirklich verstanden ist, wenn unser Leben sich wirklich um Gnade dreht und nicht mehr um Gesetz, wenn es uns wirklich darum geht, Gott zu geniessen und ihn nicht mehr zu beeindrucken, dann wird Gnade uns unterweisen. Und Gnade wird mir Sünde verleiden.
Gnade wird mir deutlich machen, dass Gottlosigkeit und ein Leben nach dem Lustprinzip keinen Platz in meinem Leben mehr haben. Und deswegen zu sagen: Ich bin unter Gnade und ich sündige gleichzeitig, das ist ein absoluter Widerspruch. Versteht ihr das? Wenn ich sage, ich lebe unter Gnade, aber mit Sünden habe ich kein Problem, dann ist das ein Widerspruch in sich selbst.
Gott hat uns in seine Familie adoptiert, und jetzt gelten seine Regeln. Stellt euch vor, du hast, was weiss ich, willst du noch ein Kind adoptieren, adoptierst einen sechsjährigen Jungen, und aus irgendwelchen Gründen kann der noch nicht mit Messer und Gabel essen und er geniesst das völlig, brennende Streichhölzer nach der Nachbarskatze zu werfen. Das ist ja unsere Situation, ja. Wir sind adoptiert.
Also, ganz ehrlich, ja, ich glaube, du wirst dann an der Stelle sagen: Entschuldigung, bei mir gibt es Regeln. Messer, Gabel, Streichhölzer bleiben aus bei Katzen und so. Und so ist das bei Gott auch. Wenn ich begriffen habe: Ich bin geliebt, adoptiert, aufgenommen, dann ist es doch das Naheliegendste der Welt zu sagen: Ähm, Papa, was kann ich denn noch anders und richtig machen? Wie kann ich dir eine Freude machen? Wie kann ich so leben, dass es dir gefällt?
Es ist so naheliegend, und das ist das, was Paulus hier beschreibt. Gnade, zutiefst verstanden, unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen, dass wir Nein sagen zu den Dingen, wozu Gott Nein sagt, wo er sagt: Das passt einfach nicht in unsere Familie. Das machen wir einfach nicht. Wir essen mit Messer und Gabel, wir fackeln keine Katzen ab. Und so ist das hier auch.
Ja, im Leben mit Gott hat Gottlosigkeit, haben weltliche Begierden einfach keinen Platz. Das passt nicht in die Family, das ist nicht unsere Kultur. Stattdessen: Die Gnade unterweist uns, das eine zu lassen. Und dann geht der Vers weiter: und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf.
Also: Sie wird einerseits uns Gnade, Sünde verleiden. Und Gnade wird, wenn wir sie richtig verstanden haben, sie wird uns zur Heiligkeit anspornen. Wo Gnade herrscht, da nehmen Besonnenheit, Gerechtigkeit und Gottesfurcht in einem Leben zu.
Und deswegen kann ich auch sagen: Ein Leben, das von Dummheit, Ungerechtigkeit und Eigenwilligkeit geprägt ist, ist ein Leben, dem es an Gnade oder vielleicht auch nur an Verständnis von Gnade mangelt. Im Kopf ist vielleicht alles da, man kann es schon buchstabieren, aber man hat es noch nicht begriffen, es ist noch nicht im Herzen angekommen, wo es einfach an Gnade mangelt.
In einem solchen Leben ist dann Gnade nicht die Triebfeder für mein Denken und Handeln. Vielleicht habe ich dann eine religiöse Erfahrung gemacht, ich habe vielleicht ein paar religiöse Standpunkte gewechselt, aber ich habe noch nicht die befreiende Gnade Gottes erlebt.
Ich möchte das ganz ehrlich sagen: Wer diese, das ist ein bisschen poetisch, vergebt mir das, aber wer diese frische Luft der Gnade atmet, wer weiss, wie himmlisch sich das anfühlt, mit einem reinen Gewissen vor Gott zu stehen und jeden Tag die Vergebung der eigenen Schuld zu feiern, oder mit einer ganz festen Gewissheit in die Zukunft zu schauen und zu wissen, dass das Allerbeste, egal wie bescheiden es dir gerade geht, das Allerbeste noch kommt, stell dir das vor: Wer das erlebt, weil Gnade zu einem beherrschenden Prinzip in seinem Denken und Handeln geworden ist, der wird sich durch diese Gnade anspornen lassen zur Heiligkeit.
Hoffnung, Gehorsam und die Freude auf Christus
Und Gnade wird, wenn sie das macht, wenn sie uns anspornt, einen Punkt argumentativ ausschlachten, sagt Paulus. Er sagt nämlich: Der Vers ist noch nicht ganz vorbei. In letzterem Vers 13 heißt es: indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.
Jesus wird wiederkommen, ja, und Jesus ist unser großer Retter und unser großer Gott. Das ist das, woran wir glauben. Er wird in Herrlichkeit wiederkommen, das heißt als der Gewinner. Und es ist eine Hoffnung, die uns über die Maßen glücklich macht. Deswegen steht im Text: indem wir die glückselige Hoffnung. Das ist so eine Sache, da freust du dich drauf und sagst: Ja, ja. Also das Gegenstück von: Ich weiß nicht, 50 werden oder so, oder keine Ahnung. Ja, also es gibt so Leute, die werden das nicht so gerne. Ja, aber so. Ja, aber das ist was anderes. Es gibt da eine Hoffnung, das ist eine glückselige, eine über die Maßen glücklich machende Hoffnung.
Was ist diese Hoffnung? Na ja, dass Jesus wiederkommen wird. Vielleicht geht es dir gut auf dieser Welt, dann ist diese Hoffnung vielleicht nicht so deutlich ausgeprägt. Aber lass es dir wieder ein bisschen schlechter gehen, und dann kommt die auch wieder. Du wirst irgendwann in deinem Leben feststellen, dass dieses Leben nicht fair ist. Und du wirst irgendwann feststellen, dass es endlich ist. Und du wirst irgendwann feststellen, dass die Hoffnung darauf, dass Jesus wiederkommt, das Beste ist, was wir im Leben haben.
Und Paulus nimmt das. Er sagt, die Gnade als das uns beherrschende Prinzip greift diese Hoffnung auf und münzt sie um in Gehorsam. Ich tue, was Gott sagt, warum? Weil ich mich auf ihn freue.
Also ich will euch ein kurzes Beispiel erzählen: Ich halte nichts davon, zu Hause Bäder zu putzen. Also ich kann einen Grad von Badverschmutzung akzeptieren, der für meine Frau schon wochenlang inakzeptabel wäre. Ja, ist einfach so. Ich habe da auch kein Gespür für. Mir würde es auch durchaus reichen, nur die Klobrille abzuwischen. Versteht ihr das? Ja, genau. Manche Frauen sehe ich gerade das Gesicht verziehen. Genau, ich bin so.
Aber wenn ich weiß, meine Frau ist, was weiß ich, weg, und ich weiß, sie kommt am Freitag wieder, werde ich am Donnerstag putzen. Warum? Na ganz einfach, weil ich ihr eine Freude machen will, ja? Weil ich einfach weiß, sie kommt rein, und der erste Blick fällt so ein Stückchen in die Küche: Hat er abgespült oder nicht? Der zweite Blick schaut ins Bad: Ist es halbwegs sauber? Es gibt schon so diesen Faktor noch. Und wenn ich weiß, Bärbel kommt wieder, dann werde ich, weil ich Bärbel liebe, mich darauf vorbereiten. Das ist völlig normal.
Es wäre ein ganz komisches Denken zu sagen: Na ja, wenn sie es sauber haben will, muss sie halt selber putzen. Ja, pff, nee. Und das ist das Argument, was hier steht. Jesus kommt wieder, und wir bereiten uns natürlich vor, wenn das unsere größte Hoffnung ist, die wir haben, ihm endlich zu begegnen. Na, wie wollen wir von ihm erfunden werden, wenn er wiederkommt? Wie soll das in unserem Leben aussehen? So nach dem Motto: Na ja, bringt er halt ein bisschen mehr Gnade mit, war halt alles nicht so. Nie!
Wenn du wirklich jemanden liebst, dann möchtest du, dass er sich über dich freut. Und wenn du sagst, da kann einer jeden Moment wiederkommen, wir wissen ja nicht genau, wann er kommt. Also bei meiner Frau weiß ich: am Freitag, und kann ich am Donnerstag putzen. Aber bei Jesus ist das so eine Sache. Er könnte in fünf Minuten da sein oder in fünftausend Jahren. Ich weiß es nicht. Das heißt, das motiviert uns zu sagen: Hey, ich schmeiße heute schon allen Dreck aus meinem Leben raus, dass, wenn Jesus wiederkommt, sich mein Leben anschaut, er sagt: Boah, ey, das ist aber schön, das hast du gut gemacht.
Aber nicht, weil ich ihn manipulieren oder imponieren will, sondern weil ich einfach sage: Hey, ich habe dich lieb, und weil ich dich lieb habe, weil ich es genieße, aus der Gnade herauszuleben, die du mir geschenkt hast, deswegen gehe ich so mit dir um.
Und deswegen stimmt das auch, dass der große Unterschied zwischen einem Menschen, der einfach nur Gebote hält, weil er unter Gesetz steht und meint, sich durch das Halten von Geboten retten zu können, egal, mal welche das sind, und einem Christen das Prinzip der Gnade ist. Warum tue ich etwas? Tue ich das, weil ich glaube, wenn ich das tue, dann verdiene ich mir den Himmel? Oder tue ich das, weil ich sage: Boah, ich bin einfach so eminent beschenkt, das ist einfach so der Hammer, ich kann gar nicht anders? Es wäre absolut, es geht ja einfach nicht, versteht ihr? Das passt nicht. Das passt nicht zu der Beziehung.
Und deswegen sind echte Christen auch Sklaven der Gerechtigkeit. Paulus bezeichnet sie so, und es stimmt. Gott will, dass wir seine Gebote halten. Wir haben nichts getan, um seine Kinder zu werden. Wir sind völlig aus Gnade gerettet. Die Liebe, mit der Gott uns liebt, ist absolut unverdient. Es sind nicht deine hübschen Augen, die Gott dazu bewogen haben, dich zu retten, okay? Es ist auch nicht dein IQ, es ist nichts. Gott hat einfach entschieden, dich zu lieben. Punkt. Es liegt an ihm, nicht an dir.
Jetzt sind wir Kinder Gottes, und als Kinder bekommen wir Regeln und Gebote, an die wir uns halten sollen. Aber, und das ist immer wieder ganz wichtig: Diese Regeln und diese Gebote sind nicht die Grundlage für unsere Beziehung zu Gott. Gehorsam macht uns nicht mehr oder weniger zu einem Kind Gottes. Wir sind Kinder Gottes, und das haben wir ganz am Anfang gesehen, durch Glauben, durch Buße, als Zeichen nach außen dann durch die Taufe. Ich kann mir diese Beziehung nicht verdienen.
Aber in dem Moment, wo ich Kind werde, bringt das Verpflichtungen mit sich. Mit der Beziehung kommen Erwartungen. Gott hat tatsächlich Erwartungen an mein Leben. Und weil ich in dieser lebendigen Beziehung zu Gott stehe, die von Gnade geprägt ist, also von einem gegenseitigen Sich-Beschenken, das war dieser Kreislauf, den ich euch mehrfach zu skizzieren versucht habe, ist es ein gegenseitiges Sich-Beschenken. Gott beschenkt mich, aber ich antworte auf dieses Beschenktwerden mit Dank, mit Hingabe, mit Loyalität. Und es wird so ein großer Kreislauf, wo immer mehr von Gottes Gnade in mein Leben hineinfließt und immer mehr an Dankbarkeit zu Gott zurückfließt. Und dieses Konzept der Gnade durchdringt immer mehr mein Leben, mein Denken und Handeln, bis ich gar nicht anders kann.
Man kann es sagen: Boah, was ist das eigentlich für, auf der einen Seite, eine Leichtigkeit, in der ich lebe, weil Gott mich beschenkt, und auf der anderen Seite auch eine Tiefe, weil ich die Dinge, die Gott wichtig sind, die dem ewigen Gott wichtig sind, in meinem Leben verwirklicht bekomme. Weil es das gibt, dieses gegenseitige Sich-Beschenken, deswegen lasse ich mir von Gott etwas sagen. Und deswegen habe ich ein volles Ja zu meiner Stellung als Kind, ich habe ein volles Ja zu seinen Geboten. Und ich habe Lust auf seine Belehrung, weil ich weiß, dass er es nur immer und immer gut mit mir meint, weil ich weiß, dass seine Gnade genügt, sogar mitten im Leid. Und weil ich, und das ist jetzt mein abschließender Gedanke für die ganze Reihe, weil ich weiß, dass er mich dazu berufen hat, seine Gnade weiterzugeben.
Wir empfangen Gnade, und sie nimmt zu in unserem Leben. Aber wer Gnade empfangen hat, der soll sie an andere weitergeben. Wir sind so etwas wie Geheimagenten, Geheimagenten des Königreichs der Gnade. Und diese Welt braucht Gnade. Und Gott hat uns in diese Welt hinausgeschickt mit diesem Rucksack voller Gnade, wo wir sagen: Hey, wir können das austeilen. Wir können, Jesus sagt das mal, dass von uns Ströme lebendigen Wassers ausfließen werden. Und das ist nichts anderes als: Wir haben Gnade, und wir können Gnade weitergeben an andere Menschen. Wir können das fließen lassen und den Menschen mit Gnade begegnen und die Menschen mit Gnade beschenken, die Gott uns anvertraut hat.
Abschluss mit dem Kern der ganzen Reihe
Und deswegen zum Schluss diese wunderbaren Verse aus Epheser 2,8-10. Und der Wunsch ist: Lernt sie auswendig. Sie sind einfach brillant, einfach gut, wirklich Top 20. Sie stehen so im Zentrum. Vielleicht kann man auf Johannes 8,12 noch ein bisschen warten, aber Epheser 2,8-10:
Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Damit fängt das an: Aus Gnade seid ihr gerettet. Durch Glauben. Rettung ist durch Glauben. Und ich bitte noch einmal, dieses Bild festzuhalten: Glauben ist nichts. Ich tue nichts, ich lasse los. Glauben heißt: Ich lasse los. Ich lasse mein altes Leben los. Ich lasse meine Ideen davon los, wie ich groß werde. Ich lasse mich einfach in Gottes Hände fallen. Rettung ist durch Glauben. Loslassen. Aus Gnade. Es ist Gottes Gabe an die Gläubigen.
Noch einmal: Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Und dann geht es weiter, damit man das wirklich versteht: Nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Aller Ruhm gehört immer Gott, weil alles in unserem Leben, eben nicht nur die Errettung, sondern auch jede einzelne gute Tat, die wir tun, was ist? Ein Geschenk Gottes an uns.
Und dann kommt dieser Vers 10: Denn wir sind sein Gebilde. Wörtlich steht da: Wir sind ein Kunstwerk. Du bist ein Kunstwerk von Gott, persönlich gemacht, mit deinen ganz persönlichen Gaben für diese Welt. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken. Und dann kommt dieser kleine Relativsatz hinterher: die Gott vorherbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Ist das der Hammer? Also Gott sagt: Ich mache dich zu einem Kunstwerk. Ich beschenke dich mit meiner Gnade. Ich lasse quasi dein Leben in Gnade baden. Und du kannst so viel Gnade bekommen, wie du willst. Du musst mich nur bitten. Du musst nur in diesem Prozess mit mir drinbleiben. Bleib eng am Weinstock, und es wird fließen. Die Kraft wird da sein für dein Leben. Du musst dir keine Angst machen.
Und wenn du dann so viel für dein Leben hast, dann werde ich dich mit deinen Gaben benutzen, dass du gute Werke tust, die ich vorher bereitet habe. Also wenn du denkst: Jetzt muss ich auch noch gute Werke tun, ja, aber du musst dich auch da wieder nicht anstrengen. Auch da geht es nicht darum: Schaffe, schaffe, Häusle baue oder schaffe, schaffe, gute Werke mache. Sondern auch da geht es darum: Gnade. Gott hat dich gerettet zu guten Werken, die er aber schon vorbereitet hat.
Du musst einen Schritt vor den anderen setzen. Du musst nur schauen: Wo ist das nächste gute Werk, das Gott vorbereitet hat? Schnapp, schnapp, schnapp. Und wenn du sagst: Jetzt brauche ich noch die Kraft, ja, dann betest du noch um die Kraft, dann kriegst du die dazu. Und du brauchst die Gaben, dann kriegst du die noch dazu. Gott kümmert sich drum.
Mir fällt kein anderes Wort am Ende dieser Predigt oder Predigtreihe ein, zu dem, wie ich Christsein empfinde, als das Wort rundum-sorglos-Paket. Denn das erscheint mir echtes Christsein in der Gnade zu sein. Amen.
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