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Gefühle - Gott: rätselhaft und geheimnisvoll

28.02.2016
Serie•Teil 15 / 16(Negative) Gefühle
Warum schweigt Gott, wenn du ihn am nötigsten brauchst? Die harte Antwort: Er will nicht dein frommes Außen, sondern dein echtes Herz – auch wenn der Weg dahin weh tut.

Einleitung und Ziel der Reihe

Ihr habt es fast geschafft. Das heißt, wir sind fast am Ende einer Reihe angekommen, noch zwei Predigten, die sich mit schwierigen Gefühlen beschäftigt hat. Ich ahne, dass für den einen oder anderen nicht jede Predigt immer ganz einfach war.
Wenn ich mir vorstelle, es liegen hinter uns Predigten über so komplexe Emotionen wie zum Beispiel Zorn oder Angst oder Eifersucht, Verzweiflung, Verachtung, Scham, dann ist das schon etwas, wo man, wenn man sich einmal darauf einlässt, feststellt, dass es einem vielleicht schnell nähergeht, als man will.
Warum ist mir diese Predigtreihe so wichtig? Was hat mich motiviert, mich überhaupt auf dieses Thema einzulassen? Wahrscheinlich, weil ich damit einen Wunsch verbinde. Und der Wunsch ist der, dass wir, wenn wir uns mit unseren Gefühlen beschäftigen, soweit wir das schaffen – mir ist völlig klar, dass man irgendwann vielleicht auch so eine Notbremse zieht und sagt: Also bis hierher komme ich jetzt, vielleicht denke ich in fünf Jahren mal ein Stück weiter, aber das reicht mir eigentlich jetzt – dass wir dann auf eine ganz frische und auf eine ganz neue Weise Gottes Wesen entdecken.
Dass sich dadurch in unseren Gefühlen, auch in diesen komischen Gefühlen, ein Stück widerspiegelt, dass wir Dinge von Gott kennenlernen und verstehen lernen, weil wir uns ein Stück besser verstehen lernen, die uns sonst vielleicht verborgen geblieben wären.
Wenn man das tut, wenn man sich also mit Gott beschäftigt – und das ist ewiges Leben, ja, ewiges Leben heißt Gott erkennen, darum geht es –, dann stellt uns Gott in eine Spannung hinein. Auf der einen Seite ist Gott geheimnisvoll, er ist unberechenbar. Und auf der anderen Seite ist sein Herz und seine Absichten mit uns nur gut.
Also auf der einen Seite so eine Rätselhaftigkeit, will ich das mal nennen, ein manchmal auch mysteriöser Umgang mit uns, und auf der anderen Seite das Kreuz und seine Güte, mit der er uns täglich beschenkt.
Und deswegen möchte ich mit diesen beiden Polen, die uns bei Gott begegnen, diese Predigtreihe abschließen. Zwei Seiten Gottes: auf der einen Seite das Geheimnisvolle, auf der anderen Seite das Gütige. Nächstes Mal machen wir Gottes leidenschaftliche Güte, heute Gott rätselhaft und geheimnisvoll.

Drei Blickrichtungen auf Gottes verborgenes Handeln

Ich möchte euch drei Aspekte vorstellen. Man kann sicherlich mehr zu diesem Thema sagen, dass Gott sich nicht einfach in ein Schema pressen lässt, dass Gott sich auch einem Denkrahmen immer wieder entzieht.
Drei Dinge möchte ich mit uns beleuchten. Zuerst das Thema Unberechenbarkeit. Dann möchte ich ein wenig darauf eingehen, wie Gott mit uns umgeht. Da gibt es die eine oder andere Methode, wie er mit uns umgeht, die uns auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so einsichtig erscheint oder uns auch gar nicht so schmeckt. Das wird auch etwas mit dem Thema Leid zu tun haben.
Deswegen am Anfang ein Hinweis: Heute Nachmittag gibt es auch noch einmal eine Predigt zum Thema Leid in einer Reihe über Apologetik. Wenn ihr sagt: Hey, eigentlich möchte ich mich mit dem Thema Leid noch einmal ein bisschen weiter beschäftigen, dann hört euch mal aus der Apologetik-Reihe von The Rock Teil 3 an. Da geht es um Leid. Vielleicht bekommt ihr da noch weiterführende Gedanken.
Heute konzentriere ich mich sehr auf Gott, darauf, wie Gott quasi mit uns umgeht, warum er manche Dinge tut, und vielleicht kann ich das eine oder andere Rätselhafte so ein klein bisschen auflösen, ohne dass ich mich am Anfang hinstellen und sagen möchte: Ich halte eine Predigt über die Rätselhaftigkeit Gottes, und am Ende habt ihr alles von Gott verstanden. Nein, das wird nicht passieren. Er bleibt auch am Ende rätselhaft, besonders.
Und dann werde ich abschließen mit etwas, was ich Gottes merkwürdige Sehnsucht nenne. Also werden wir uns am Ende mit dem beschäftigen, was Gott sich wünscht, und werden feststellen, dass auch das typisch Gott ist, dass das nicht irgendwie so ganz einfach zu verstehen ist.

Gottes Wege sind nicht kalkulierbar

Fangen wir an mit seiner Unberechenbarkeit. Ganz wichtiger Punkt: Gott ist nicht in unserer Hand. Oder anders ausgedrückt: Es gibt keinen Moment im Leben, in dem wir Folgendes sagen könnten: Ha, ich weiß ganz genau, was Gott jetzt tun wird. Ich weiß ganz genau, wie er dafür sorgt, dass sein Wille geschieht.
Solltest du jemals in die Versuchung kommen, das zu denken, vergiss es. Du wirst nie an dem Punkt sein, ganz genau zu wissen, was Gott jetzt tut. Und ich glaube, dass viele von euch, die ihre Bibel schon in größeren Zügen durchgelesen haben, beim Bibellesen immer wieder solche Momente haben. Also, ich habe das ganz oft. Da denke ich mir: Tja, das ist jetzt aber interessant. Hätte ich nicht gedacht.
Man hat so eine Idee, wie die Geschichte weitergehen muss. Man hat eine Vorstellung davon, wie Gott jetzt zu handeln hätte. Ja, man hat ja so eine ungefähre Erwartung. Und dann geht die Geschichte irgendwie einfach anders weiter. Gott ist irgendwie anders, als wir denken. Versteht ihr das? Du liest das und sagst: Das ist aber komisch, hätte ich jetzt nicht gedacht.
Ich mache mal ein Beispiel. Lest eure Bibel und achtet nur mal darauf, wie oft euch das passiert. Ich bringe ein einziges kleines Doppelbeispiel.
Mose und Aaron dürfen nicht ins verheißene Land, weil Mose mit seinem Stab auf einen Felsen schlägt. Du liest das das erste Mal und sagst: Na und? Also ja, das war jetzt theologisch nicht ganz der Bringer und vielleicht ein kleines bisschen an dem vorbei, was Gott gesagt hat. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Der Mann hat 40 Jahre seines Lebens investiert, dieses Volk aus Ägypten rausgeholt, und dann klack, klack, Game over?
Mir geht es so, dass ich erst einmal in dem Moment denke: Hm, fast ein bisschen kleinkariert.
Auf der anderen Seite gibt es einen der schlimmsten Könige Judas. Der heißt Manasse. Ich habe mal ein paar Zitate mitgebracht. Da heißt es zum Beispiel in 2. Chronik 33,9: Aber Manasse verführte Juda und die Bewohner von Jerusalem mehr Böses zu tun, als die Nationen, die der Herr vor den Söhnen Israel ausgetilgt hatte.
Oder an anderer Stelle in 2. Könige 21,16: Manasse vergoss auch sehr viel unschuldiges Blut, bis er Jerusalem damit anfüllte, von einem Ende bis zum anderen, abgesehen von seiner Sünde, mit der er Juda zur Sünde verführte, zu tun, was böse war in den Augen des Herrn.
Also, das ist echt so ein ganz übler Bursche, der auch noch sehr lange regieren darf. Endlich kommt dann der König von Assyrien, nimmt ihn gefangen, schleppt ihn nach Babel, und man atmet beim Lesen so ein bisschen auf und denkt: Boah, richtig gut. Ja, nur um dann Folgendes zu lesen: 2. Chronik 33,12-13. Und als er, Manasse, so bedrängt war, flehte er den Herrn, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm, und er, also Gott, ließ sich von ihm erbitten, und er hörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in seine Königsherrschaft zurück. Da erkannte Manasse, dass der Herr der wahre Gott ist.
Und du denkst: Hallo? Mose darf wegen dieser Stabgeschichte in der Fremde sterben. Und der Kerl hier, der wirklich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen konnte, der quasi auf Generationen hinaus sein Volk in den Unglauben hineingetrieben hat, der darf wieder zurück und er wird wieder König?
Wenn man das erste Mal die Bibel liest, dann weiß man nicht, was kommt. Und zwar nicht nur deshalb, weil man keine Ahnung von den Geschichten hat, von den Personen, von der Kultur, sondern weil Gott uns mit hinein nimmt in seine Geschichte. Und diese Geschichte ist so komplex, dass tatsächlich nur einer sie überblickt, und das ist Gott selber.
Gott selber handelt bei dem Ganzen in letzter Konsequenz absolut sinnvoll. Und auch absolut logisch. Ich bin davon überzeugt, du wirst dir in der Ewigkeit erklären lassen können, warum genau das an der Stelle richtig war. Aber wir aus unserer, ich nenne das mal Kleinkind-Ameisen-Perspektive, wir stehen davor und merken, dass wir oft einfach nicht verstehen, was los ist. Warum das jetzt genau irgendwie der Weg war, den Gott gehen musste oder Gott gehen wollte. Bei uns bleiben Fragezeichen zurück.
Ich habe euch letztes Mal persönlich davon erzählt, was das Zerbrechen der christlichen Gemeinde Mariendorf-Großbeerenstraße, der cgmg, mit mir gemacht hat. Hätte 2005, das war das Jahr, als die Gemeindestunde beschlossen hat, in Spandau eine Gemeindegründungsarbeit zu starten, irgendjemand gedacht, dass diese blühende und lebendige Gemeinde in wenigen Jahren dicht machen würde? Nein, da kann ich ganz ehrlich sagen: Da haben wir nie drüber nachgedacht. Das war einfach nicht auf unserem Schirm.
War das in Gottes Augen nötig? Spannende Frage. Spannende Frage! Also, es war nicht vorhersehbar, es war nicht kalkulierbar. Ich bin mir auch sicher, dass Gott für die Sünde, die dazu geführt hat, dass diese Gemeinde so in Schieflage geraten ist, weder der Urheber war noch das befürwortet hat. Und trotzdem hat er das, was da passiert ist, genutzt für seine Zwecke.
Und du schaust drauf, und ob du willst oder nicht: In dem Moment, wo du anfängst, darüber nachzudenken, was da passiert ist, wirst du am Ende sagen müssen: So traurig es ist, so wertvoll ist es auf der anderen Seite. Und das ist Gott. Gott benutzt Leid.

Leid, Schweigen und die Schule des Ringens

Neben diesem grundsätzlich Unberechenbaren, dass Gott uns einen Weg führt, der uns oft nicht schmeckt, wo wir aus unserer Perspektive echt Schwierigkeiten haben zu sagen: Ja, das verstehe ich, das ist doch total logisch. Ich habe öfter Probleme damit, das will ich euch ganz ehrlich sagen. Ich stehe oft vor Gott und sage: Ja, das würde ich mir wünschen, aber hm, das ist nicht so. Und ich vertraue dir, dass du keinen Fehler machst.
Neben dem, dass wir so ganz grundsätzlich da mit Gottes Wesen vielleicht nicht immer wissen, was das soll, kommt noch dazu, dass er manchmal mit uns auf eine Art und Weise umgeht, die uns nicht nur nicht schmeckt, sondern die uns auch total unverständlich erscheint. Gottes Hauptwerkzeug, dich zu erziehen, so dass du in deinem geistlichen Leben vorankommst, scheint Leid zu sein. Und das Verrückte: Es ist nicht nur bei uns so, es war bei dem Herrn Jesus so.
Ich habe schon ein paarmal diesen Vers vorgelesen, weil ich ihn so absolut schräg finde. Da sagt der Schreiber des Hebräerbriefes in 5,7-8 über den Herrn Jesus Folgendes. Er sagt, der Jesus hat in den Tagen seines Fleisches, als er hier auf der Erde war, sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann. Das ist schon mal eine grobe Vorstellung, dass Gott, der Sohn, vor Gott, dem Vater, weint und schreit und fleht und bittet.
Und dann geht der Text weiter: Und er ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden und lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam. Ist das ein verrückter Vers? Gott benutzt Leid, damit Gott, der Sohn, Gehorsam lernt. Also für die Vollendung des Charakters von dem Herrn Jesus war Leid eine fast zwingende Voraussetzung.
Die Frage, warum benutzt Gott Leid, ich denke, es gibt zwei Gründe dafür. Das eine: Leid ist überall, man kann ihm eh nicht entfliehen. Es ist nicht die Frage, ob du leidest, sondern ob du das, was an Leid da ist, zu einem Guten benutzen kannst. Es ist einfach überall da. Und das Zweite, und das ist total spannend, das ist so ein Gedanke, wo ich persönlich denke: Vergebt mir das, aber das ist ein Gedanke, den packt wahrscheinlich erst ein Christ, der ein Tick älter ist, wo man merkt, es geht nicht einfach nur darum, dass Gott glücklich macht, sondern es geht um etwas ganz anderes. Leid lädt uns ein, mit Gott zu ringen. Deswegen benutzt Gott Leid.
Ich bringe euch ein Beispiel, was mich total fasziniert. Pnuel, ja, Pnuel ist eine Furt über den Fluss Jabbok. Also so eine Stelle, wo man über den Jabbok ziehen kann, Pnuel. Dort gibt es einen Ringkampf. Jakob ringt mit Gott. Jakob, der Enkel Abrahams, ringt mit Gott. Und er bekommt bei diesem Ringkampf einen neuen Namen. Am Ende heißt er Israel. Also aus Jakob wird Israel, und Israel heißt Kämpfer Gottes.
Und das Spannende ist: Dieser Kämpfer Gottes, dieser Jakob, geht aus diesem Ringkampf humpelnd hervor. Und die Botschaft ist ganz einfach: Kämpfer Gottes humpeln, weil Gott mit ihnen gerungen hat oder weil sie mit Gott gerungen haben. Bitte geht nicht leichtfertig darüber hinweg. In meinen Augen ist das eine total wichtige Sache, dass wir das verstehen. Wir sind erst dann brauchbar für Gott, wenn er uns unsere falsche eigene Stärke genommen hat. Wir sind erst dann brauchbar für Gott, wenn er uns gesegnet hat.
Und die Frage ist: Wen segnet Gott? Antwort: Gott segnet den, der mehr als alles andere Gottes Segen will. Und dazu muss ich verstehen, dass die Güte Gottes, der Segen Gottes, mehr wert ist als jeder Erfolg im Leben. Und wenn ihr die Geschichte lest, ist das irre, weil das, was Gott dem Jakob anbietet, ist, dass Jakob ihn besiegt. Und Jakob sagt: Nee, ich will was anderes mehr. Ich will hier nicht als Sieger vom Platz gehen, ich will, dass du mich segnest.
Der größte Erfolg im Leben ist, dass Gott uns segnet. Und der Weg dahin, der Weg zum Segen Gottes, ist der Weg dahin, dass wir uns der Güte Gottes unterwerfen. Der Weg dahin geht durch Momente der Konfusion, des Leids, der Entbehrung, und es ist der einzige Weg, der geht. Wenn du denkst, es geht anders, ich glaube, es klappt nicht. Warum? Weil in uns allen steckt einfach zu viel Jakob.
Das glauben wir natürlich nicht. Wir glauben, dass wir die Edlen sind und die ganz Heiligen sind und die, die irgendwie nur so zwei, drei kleine Fehler haben. Aber das stimmt nicht. Ich denke, dass in uns ganz viel Jakob drinsteckt, mehr als uns lieb ist. Jakob übersetzt heißt Betrüger. Jakob, also die Person Jakob hier im Alten Testament, musste ihr Zuhause verlassen, weil er seinen Bruder Esau in einer Erbgeschichte über den Tisch gezogen hatte. Und auf der Flucht vor Esau – Esau war so einer, ja, mehr so der Hells-Angels-Typ, ja, so der, wo man sagt, wenn der was gegen dich hat, verlässt du lieber die Stadt – auf der Flucht vor Esau begegnet Jakob Gott.
Und was tut man, wenn man Gott begegnet? Ja, man erschrickt und man legt vielleicht ein Gelübde ab. Ja, so Gelübde sind cool. Ja, ich verspreche dir was, Gott. Aber wenn ich mir das durchlese, dann denke ich: Jakob, du bist im Grunde deines Herzens noch lange nicht am Ziel.
Was sagt Jakob auf der Flucht vor Esau zu Gott? Er sagt in 1. Mose 28,20-21: Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen und Kleidung anzuziehen gibt und ich in Frieden zurückkehre zum Haus meines Vaters, dann soll der Herr mein Gott sein.
Klingt nicht ganz heidnisch, aber jetzt mal ganz ehrlich: Wenn, dann! Gott, weißt du, Gott, du musst dich schon beweisen, bevor ich dir vertraue. Und die Frage, die ich stellen möchte, ist: Ist das nicht ein ganz tiefer Blick ins Herz der meisten Menschen, vielleicht auch in mein eigenes Herz? Ich will das nicht mal ausschließen. Ich glaube sogar, dass noch genug Jakob in mir drinsteckt. Gott, du musst dich erst beweisen! Wenn, Gott, wenn du mir gut tust, okay, dann könnte ich mir vorstellen, dass du mein Gott bist.
Wenn das irgendwo in unserem Leben ist, nur diese Denke, vergiss es. Es reicht Gott einfach nicht, dass wir ihn irgendwie vor den Karren unserer eigenen Karriere oder unserer eigenen Lebensziele spannen. Das will Gott nicht. Gott kommt in unser Leben hinein, und wir haben das vorhin auch gesungen, und deswegen ist das so schön, das passt so vielen Dank für die Liedauswahl, die ist brillant, konnte so richtig abhaken. Gott sagt: Ich will dein Herz. Gott sagt: Ich will dein Leben, ich will dich, und ich will dich ganz, und zwar zu meinen Konditionen und für meine Ziele.
Und weil Gott weiß, wie schwer wir uns damit tun, mit diesem Anspruch, wie schwer es uns fällt, wirklich den Eigensinn und die Rebellion loszulassen, wie oberflächlich wir oft sind, wie halbherzig wir oft sind, wie verschroben unser Denken manchmal ist, deshalb benutzt Gott genau wie bei einem Jakob Leid, damit wir anfangen, mit ihm zu ringen. Und das ist nur eine dieser Strategien, wo du denkst: Boah.
Eine zweite Strategie ist die, dass Gott schweigt. Wir beten und er macht einfach nichts. Ist doch fies, oder? Frage: Warum? Warum macht Gott das? Und ein Aspekt davon ist der, dass Gott unser Vertrauen zerstören möchte, nicht das Vertrauen in ihn, sondern das Vertrauen in die Stabilität, in die Sicherheit unseres eigenen Lebenskonzeptes, in das wir womöglich einen vorhersehbaren und irgendwie manipulierbaren Gott mit eingebaut haben.
Darf ich dir eine Frage stellen: Wie oft betest du nur deshalb, weil du etwas von Gott willst? Wie oft betest du einfach nur aus Gehorsam oder weil du sagst, ich möchte Gottes Ehre suchen, möchte sein Reich bauen oder ich möchte ihn genießen, ich möchte ihm gefallen? Und wie oft betest du, weil du Gott benutzen möchtest? Vielleicht so, weißt du, wie so ein Staubsauger oder ein Wagenheber, ja, es gibt was zu tun, und jetzt muss ich halt beten. Vielleicht betest du sogar nur, um so einen lästigen Anspruch loszuwerden? So dieses: So, Gott, jetzt hast du so meine täglichen zehn Minuten, bitte sei jetzt still, lass mich mein Leben auf meine Weise leben. Sondern übrigens, wenn du noch nichts vor hast, heute Abend, ja, so kurz nach sieben besuche ich meine Mutter im Krankenhaus, kannst du ja mitkommen. Wie beten wir?
Wenn Gott schweigt, dann zeigt uns Gott etwas von uns, er offenbart uns unsere eigene Endlichkeit, er zeigt, was wir ohne ihn sind. Gott konfrontiert uns mit unserer eigenen Nichtigkeit, mit unserer absoluten Hilflosigkeit. Wir sind Geschöpfe, wir sind endlich. Wisst ihr, wir sind ein kurzes Leben lang in einem zutiefst frustrierenden Universum eingesperrt, das ist auch schon alles. Und das Schweigen Gottes konfrontiert uns mit der Tatsache, dass wir, und zwar viel öfter, als uns das lieb ist, nicht aufrichtig zu Gott sind. Wir wollen auf der einen Seite, dass Gott uns erhört, aber nicht um jeden Preis. Wir wollen Gott, und gleichzeitig wollen wir ihn nicht. Und in solchen Momenten zieht Gott sich zurück. Und mitten in den größten Problemen haben wir den Eindruck, dass Gott weit weg ist. Das fühlt sich fast an wie Verrat.
Ich hoffe, ihr habt das alles schon mal erlebt. Also, es wäre gut, es ist nicht schlimm. Also, alles, was ich hier predige, ist nicht schlimm. Es ist einfach nur so, wie Gott mit uns umgeht, weil er ein supergutes Ziel hat. Wir kommen da am Ende hin.
Die Söhne Korachs beschreiben das. Da heißt es in Psalm 44, ich lese mal ein paar Verse vor, 24, 25 und dann den Anfang von 27. Überlegt mal, was die beten: Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf, verwirf uns nicht auf ewig! Warum verbirgst du dein Angesicht? Vergiss unser Elend und unsere Bedrückung, steh auf!
Wir haben nicht die Zeit, Psalm 44 ganz anzuschauen, aber wenn ihr heute Nachmittag noch nichts vor habt, schaut euch diesen Psalm einfach mal an. Die Söhne Korachs schütten wirklich so eine ganze Litanei von Anklagen über Gott aus, und wenn man die zusammenfassen würde, dann würde sich das so anhören: Gott, du bist erstens grausam, zweitens dumm, wir haben drittens nichts falsch gemacht, wach endlich auf, mach was, du Schlafmützel! Das ist Psalm 44, also wesentliche Teile davon, es gibt noch links und rechts ein bisschen mehr.
Überlegt mal, was da steht. Die Tatsache, dass die Söhne Korachs überhaupt Gott einen Prozess machen dürfen, sich überhaupt hinstellen dürfen, das zu sagen, und nicht sofort ein Blitz aus dem Himmel kommt und da bleibt nichts mehr übrig als so ein kleines Häufchen Asche, dass sie das sagen dürfen, ist schon merkwürdig. Aber dass der lebendige Gott ihre Worte so sehr wertschätzt, dass er daraus einen Psalm werden lässt, der Teil des Gottesdienstes ist, der Anbetung ist – bah, also sorry, wenn ich das durchdenke, merke ich etwas von Gottes wirklich rätselhafter, geheimnisvoller Art.
Wenn meine Kinder so zu mir geredet hätten: Papa, jetzt steh endlich auf, mach mal was, das ist doch, geht doch gar nicht, dann hätte ich gesagt: Freunde, den Ton, so ganz grundsätzlich, den verbitte ich mir, so redet man nicht mit Papa. Und Gott lässt das zu! Jetzt kann Gott natürlich klar unterscheiden zwischen dem, der einfach nur gegen ihn hetzen will, und dem, der leidenschaftlich um Verständnis und letztlich darum ringt, sich diesem Gott hinzugeben. Und trotzdem müssen wir sagen: Gott schweigt, er zieht sich zurück, um zu provozieren.
Und deswegen mein Wunsch: Wenn Gott in deinem Leben schweigt und er sich zurückzieht, hoffentlich wirst du wütend. Wenn du nicht wütend wirst, hast du was falsch gemacht, muss man einfach mal sagen. Wenn Gott schweigt und dich das einfach kalt lässt, so nach dem Motto: Na, dann redest du halt nicht mit mir, dann halt ohne dich, dann ist deine Beziehung zu Gott auf einem ganz komischen Niveau. Aber wenn du merkst, Gott schweigt, du kannst nicht ohne ihn, und du bestürmst quasi den Himmel ...
Gott segnet Leidenschaft, wisst ihr das? Gott hasst alles Lauwarme, Unbrauchbare, Unentschiedene, aber echter Glaube, wo so eine echte Beziehung ist. Echter Glaube ist immer wild. Jetzt ist wild: Es gibt Wild und Wilder, es gibt unterschiedliche Wildigkeitsstufen von uns, aber grundsätzlich, wenn du dir mal deine Emotionalität anschaust, da mögen wir untereinander unterschiedlich sein, aber deine Beziehung zu Gott darf in deinem persönlichen Range, das muss hier oben sein, da, wo auch andere Sachen dich leidenschaftlich anstecken. Echter Glaube ist immer wild, so wild, dass er vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle schon mal übers Ziel hinausschießt, dass aus einer Frage schon mal eine Anklage wird. Das kann passieren, und dass wir uns dann verrennen.
Der Clou ist: Mein Eindruck ist, Gott segnet Leidenschaft, und zwar deshalb, weil er unser Herz will und weil er weiß, dass sich unser Herz nicht einfach so ergibt. Ich sagte, es ist zu viel Jakob in uns drin. Und deshalb, weil unser Herz manchmal wirklich auf Rebellion getrimmt ist, geht Gott sogar noch einen Schritt weiter. Und das ist, wenn Gott uns angreift.

Gottes harte Liebe und die Sehnsucht nach echtem Herzen

Ein Text aus Hosea, Hosea 13,5-8.
Es geht mir nur darum, dass ihr versteht, wie Gott sich selbst darstellt. Ich, Gott, war es, der euch in der ausgedörrten Wüste am Leben erhalten hat. Doch als es euch immer besser ging, wurdet ihr satt und überheblich, und ihr vergaßt mich.
Und jetzt kommt ein Vers, überleg mal: Hier spricht Gott zu seinem Volk. Darum bin ich euer Feind geworden. Wie ein Löwe oder Panther lauere ich euch auf, ich falle euch an wie eine Bärin, der man die Jungen geraubt hat. Ich zerfleische euch. Ich reiße euch in Stücke, ich verschlinge euch.
Solltest du bis eben immer nur an den guten Hirten geglaubt haben, jetzt weißt du, dass Gott auch ein wildes Tier ist. Das Problem ist: Diesem Gott wollen wir nicht begegnen. Diesem Gott, den Hosea hier präsentiert, diesem wilden Tier, dem würden wir doch am liebsten die Reißzähne rausziehen, die Krallen ausreißen. Wir würden ihn gerne domestizieren wie so ein Schmusekätzchen im Haushalt, so ganz ungefährlich, so zum Streicheln für die religiösen Gefühle. Das hätten wir gern. Das ist das, was wir uns wünschen.
Aber genau das wird er, Gott, nicht erlauben. Und deswegen porträtiert sich Gott hier als ein wildes Tier. Damit wir auf der anderen Seite etwas verstehen von der Tiefe seiner wilden, unnachgiebigen Liebe. Und wenn Gott in unserem Leben Sattheit findet, Überheblichkeit und Gottvergessenheit, so wird er ihr mit Gewalt begegnen.
Er ist an der Stelle wie so ein Onkologe. Wenn ein Onkologe einen Tumor findet, dann sagt er auch nicht: Wir schneiden erst mal die Hälfte raus und schauen, wie der Rest von alleine weggeht. Sondern ein Onkologe wird das Skalpell ansetzen und sagen: Den Tumor schneiden wir ganz raus. Und das tut Gott.
Und das Skalpell, das er benutzt, so beschreibt es die Bibel, ist Zorn. Zorn auf ganz unterschiedliche Weise. Das kann der Zorn unserer Freunde sein. Das stutzt dich erst mal, aber das ist das, was in Psalm 55 steht. Das kann die Feindschaft unserer Feinde sein. Das kann Gottes eigener Zorn sein. Das kann all das sein, was die Welt in Form von Krankheiten und Naturkatastrophen an Zorn zu bieten hat. Und Gott wird das benutzen, um uns zu gewinnen.
Ich fasse das mal zusammen, die letzten drei Unterpunkte: Gott schweigt, um uns zu verunsichern. Er zieht sich zurück, um unsere Leidenschaft für sich zu wecken. Er greift uns an, um jede Form von heidnischer Unabhängigkeit zu beseitigen, jede Form von Götzendienst, wo nicht er alleine auf dem Thron sitzt, sondern sich irgendetwas daneben gesetzt hat. Irgendwie so ein zweites Ziel, wo du sagst, das hätte ich auch noch gerne. Wo sich das in unserem Leben zeigt, da will er das entfernen.
Und das ist im ersten Moment so paradox. Gott verwendet Dunkelheit, damit in uns etwas wächst: die Sehnsucht nach Licht. Und dass wir uns aufmachen, ihm das zu geben, was er haben möchte.

Was Gott wirklich sucht

Frage: Was will Gott? Letzter Punkt.
Diese Sehnsucht Gottes – wonach sehnt sich Gott? Was will er von dir? Ich habe einen längeren Text aus Psalm 50 mitgebracht. Ein Text, den Gott aussprechen lässt, weil er Angst hat, missverstanden zu werden. Da heißt es: Höre, mein Volk, Psalm 50,7-15.
 Psalm 50,15 ist immer ein ganz bekannter Vers. Den haben viele auswendig gelernt in der Kinderstunde: Rufe mich an am Tag der Not, und ich will dich retten, und du wirst mich verherrlichen. Also, den kennt man so. Ich lese den da vor. Wie kommt es da hin? Und achtet mal auf die Dramatik. Achtet mal darauf, wie sich hier Zorn und Sarkasmus und doch gleichzeitig eine Sehnsucht in dieser Beschreibung offenbaren. Wie Gott drauf ist, wonach er sich sehnt, was er haben will von uns.
Höre, mein Volk, und ich will reden; Israel, und ich will dich verwarnen: Ich bin Gott, dein Gott. Nicht wegen deiner Schlachtopfer tadele ich dich, auch deine Brandopfer sind beständig vor mir. Ich nehme keinen Stier aus deinem Haus noch Böcke aus deinen Hürden; denn mein ist alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen. Ich kenne alle Vögel der Berge, und was sich tummelt im Feld, ist mir bekannt. Wenn mich hungerte, würde ich es dir nicht sagen; denn mein ist die Welt und ihre Fülle. Sollte ich das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken? Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde. Und rufe mich an am Tag der Not; ich will dich retten, und du wirst mich verherrlichen.
Merkt ihr, worum es Gott geht? Das Volk wird nicht dafür getadelt, dass es etwas falsch macht. Sie bringen die Opfer. Im Gesetz gibt es bestimmte Opfer, die muss man bringen, und das Volk bringt die Opfer. Und trotzdem ist Gott sauer. Also: Die gehen regelmäßig in den Gottesdienst, die machen alles, was da steht, und trotzdem sagt Gott: Ich will das nicht, ich bin nicht zufrieden.
Warum ist er nicht zufrieden? Weil in ihrem Denken so eine ganz spleenige Idee eingezogen ist: Gott braucht irgendwie unsere Opfer. Und Gott sagt: Quatsch, ich brauche eure Opfer nicht. Ich will die nicht essen, ich bin nicht hungrig, wenn du mir nichts opferst. Und wenn du denkst, du schenkst mir einen Stier: Hallo, alle Tiere da draußen, die irgendwo herumlaufen, gehören mir. Du kannst mir nichts schenken. Du kannst mich nicht satt machen.
Ich habe ein Problem mit der Art und Weise, wie ihr diese Opfer bringt. Ich möchte, dass ihr die Opfer nicht einfach nur bringt. Ich möchte, dass sie Ausdruck einer tieferen Beziehung sind. Und das ist das Problem. Ich will nicht nur die Oberflächlichkeit. Ich will nicht nur der Gott für Sonntagvormittag sein und für die Gebetsstunde und für die Momente, wo mein Leben den Bach runtergeht und ich gerade mal schnell noch ein Stoßgebet zum Himmel schicke. Ich will der Gott sein, dem dein Dank, deine Loyalität und deine leidenschaftliche Anbetung gilt. Das möchte ich sein.
Gott sagt: Ich will dein Herz. Ich will nicht so einen äußerlichen Gottesdienst, und sei er noch so korrekt. Und ihr merkt, wie in uns drin jetzt alles schreit: Wie, es reicht nicht, in den Gottesdienst zu gehen? Ey, ich bin heute Morgen so früh aufgestanden, es ist gestern so spät geworden. Boah, wenn du wüsstest, was mich das gekostet hat. Ja, Gott, du musst doch irgendwann mal zufrieden sein!
Und Gott sagt: Ich will etwas ganz anderes. Ich will nicht, dass du von elf bis um eins dich hier in der Sentesstraße aufhältst, das ist überhaupt nicht der Punkt. Ich will dein Herz zuerst haben. Und dann kommst du mit der Haltung hierher: mir zu danken, mich anzubeten, mir dein Herz hinzulegen und zu sagen: Herr, hier ist mein Herz. Schreib du dein ewiges Wort darauf. Gib mir irgendetwas mit, womit ich in diese Woche gehen kann, als einer, der wieder einen Schritt weitergekommen ist. Aber Herr, bewahre mich vor jeder Form von Halbheit, vor jeder Form von eingebildetem Gutsein. Bewahre mich davor. Und Gott wird das tun, das ist der Clou.
Gott sieht unser Herz. Und deswegen lässt er David an anderer Stelle das, was Gott haben möchte, was er wirklich von dir haben möchte, so formulieren: Psalm 51,19. Die Opfer Gottes sind jetzt gemeint, hier in dem Text Opfer, die Gott sich wirklich wünscht, im Gegensatz zu diesen Schlachtopfern und Brandopfern, die man einfach bringt, um einem Ritual zu genügen. Wenn man sich an die Regeln der Frömmigkeit hält. Jetzt die Opfer Gottes, also das, was Gott sich wirklich wünscht: Was ist das denn? Was ist das, was wir Gott nicht geben wollen, wo alles in uns schreit und sagt: Nee, so weit möchte ich nicht gehen.
Ich bin bereit, jeden Morgen anderthalb Stunden stille Zeit zu machen, wenn es sein muss. Ich bin bereit, in den Gottesdienst zu gehen. Aber Gott, das kannst du nicht von mir verlangen. Das ist zu weit. Wenn ich den Schritt gehe, dann wärst du wirklich Gott in meinem Leben. Dann hättest du das letzte Wort. Dann wäre mein Leben nur noch dazu da, dir meinen Dank, meine Loyalität, meine Hingabe, meine leidenschaftliche Anbetung zu präsentieren. Und Gott, so weit möchte ich nicht gehen.
Opfere Gott? Nein, die Opfer Gottes sind, sagt David in Psalm 51,19, ein zerbrochener Geist. Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du Gott nicht verachten. Ich lese noch mal die Gute Nachricht Übersetzung: Aber wenn ein Mensch dir Herz und Geist hingibt, wenn er mit sich am Ende ist und dir nicht mehr trotzt, ein solches Opfer weist du nicht ab.
Und bitte denkt nicht, dass es einfach wäre, dieses Opfer zu bringen. Ich versuche das seit fast dreißig Jahren, Gott dieses Opfer zu bringen. Und ich schaue jede Woche zurück auf die letzte Woche, und ich finde genug Momente in meinem Leben, wo ich Gott sagen muss: Gott, da war es nicht so. Da bin ich in einen Weg gegangen, das war mein Weg. Und ich bitte dich, Herr, dass du mir hilfst, so einer zu werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Ich fasse das noch einmal zusammen. Am Anfang habe ich davon gesprochen, dass Gott rätselhaft ist. Das sind drei Bereiche, die ich euch vorstellen wollte.
Erstens: seine Unberechenbarkeit ganz grundsätzlich. Gott handelt aus einer ewigen, allwissenden und seine Ziele auf bestmögliche Weise fördernden Perspektive, die sich uns nicht erschließt. Und zwar niemals. Damit musst du leben lernen.
Zweitens: Seine Methoden, uns an sein Herz zu ziehen, sind Leid, Schweigen, Einsamkeit und Schmerz. Er benutzt sie, damit unser eigenes Herz offenbar wird und wir immer wieder neu erkennen, wer wirklich auf dem Thron sitzt. Und dass wir neu einsteigen in das Ringen mit Gott. Ein Ringen, das Ausdruck der Echtheit unserer Beziehung ist und zu dem ich euch durch diese ganze Reihe hindurch immer wieder ermutigen wollte.
Und drittens: Gottes merkwürdige Sehnsucht, dieser Wunsch: Ich wünsche mir, dass du vor mir zerbrichst. Ich will wirklich dein Innerstes. Und der Clou, und deswegen habe ich die Reihenfolge der letzten beiden Predigten so gewählt, ist: Das ist ja irre, was Gott sagt. Ich will dein Allerinnerstes. Ich will, dass du nichts zurückhältst. Nicht nur: Ich will deine Zeit. Und: Ich will deine Anbetung. Und ich will, was weiß ich, dein Geld. Sondern Gott geht ja noch ein Stück weiter. Ich will dich ganz. Ich will, dass du ohne mich nicht leben kannst.
Der Clou, das absolut Wunderbare, ist, dass Gott all das nicht aus niederen Beweggründen möchte. Sondern er will uns ganz, weil er uns auf eine wirklich schier unglaubliche Weise einladen will, seine Güte zu finden und als Gottes privilegierte Kinder zu leben. Gott möchte, dass wir ihn bewundern. Und Gott möchte, dass wir mit ihm feiern. Und Gott möchte, dass wir seine überwältigende Liebe in ihrer ganzen Tiefe erfahren. Das ist das Ziel, warum er so mit uns umgeht.
Also: Gott hat mit uns das Aller-, Aller-, Aller-, Aller-, Aller-, Allerbeste vor. Und er ist bereit, diese merkwürdigen Wege mit uns zu gehen, weil er uns dahin bringen möchte, dass er uns mit ewiger, unfassbarer Güte beschenkt.
Und da möchte ich dann nächstes Mal, wenn ich wieder da bin, ist leider noch ein Moment hin, aber das müsst ihr aushalten, ich wiederhole es noch einmal: Da möchte ich dann nächstes Mal darauf zu, dass wir sagen: Okay, Herr, das tut heute weh. Und immer wieder konfrontiert zu werden mit dem eigenen krampfigen und falschen Sein, das ist so unangenehm. Aber wenn es sich lohnt, wenn es sich lohnt, dass du mich dahin bringst, dann möchte ich diesen Weg unbedingt gehen. Ich möchte nicht zurückbleiben. Geh mit mir weiter. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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