Generierte Mitschrift
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Einleitung und Ziel des Vortrags
Es geht los: Männerfreizeit 2020, erstes Thema Selbstbeherrschung.
Ich habe das gestern schon gesagt, und ich will das jetzt noch einmal wiederholen. Mir geht es darum, Impulse zu setzen, weil ich glaube, ich kann nicht machen, dass euer Leben vom Kreuz überwunden wird. Das geht nicht. Aber wenn das passiert ist, wenn das, was ich gestern in der Einleitung bei der Vorstellung sagte, wenn das in deinem Herzen ist, diese Frage: Wie kann ich ein Leben leben, in dem jeder Tag ein Stück weit den Tod des Messias wert ist? Wenn das bei dir so ist, dann kann ich vielleicht in diesem Impulsvortrag ein paar Bibelstellen bringen und einfach ein paar Sachen sagen, die mir persönlich weitergeholfen haben.
Also, das Thema Selbstbeherrschung muss ich auch vorneweg so sagen: Selbstbeherrschung ist auch mein Thema. Ich stehe nicht hier vorne als jemand, der nie unnütze Dinge treiben würde oder der nicht auch schon mal aus der Haut fährt oder der beim Thema Schokoeis immer rechtzeitig aufhört, oder der auch nie einer anderen Frau nachschaut. Ich bin Jünger Jesu, ich bin Lernender, aber ich bin noch nicht fertig. Also, das Thema ist mein Thema.
Deswegen möchte ich euch da ein bisschen mit hineinnehmen in ein Thema, von dem ich denke, es ist total wichtig. Ich hoffe, dass ihr am Ende des Vortrags sagt: Das ist wirklich wichtig für das persönliche geistliche Leben.
Und auch das noch einmal zu sagen: Mein Wunsch wäre, nehmt die Bibelverse, die ihr angezeigt bekommt, die ihr nachschlagt, mit. Ich glaube, dass mit ganz wenigen Ausnahmen jeder Vers, den wir heute miteinander betrachten, vielleicht mit Ausnahme von dem aus Jesus Sirach, es wert ist, dass man ihn auswendig lernt. Es sind ultimative Standardverse, Standardprinzipien, die wir in unserem Leben verstanden, durchdacht, durchgekaut haben müssen. Inkarnieren haben müssen. Das muss ein Stückchen Fleisch geworden sein, lebendig in unserem Leben geworden sein.
So viel vorneweg.
Der geistliche Weg und seine innere Ordnung
Selbstbeherrschung
Wie kann man die Geistlichkeit eines Mannes messen? Vielleicht so: Ein Mann ist desto geistlicher, je mehr er sich danach sehnt, selbstbeherrscht zu leben, weil er Jesus ähnlicher werden und Jesus lieben will.
Selbstbeherrschung ist, im Gegensatz zu ihren hässlichen Schwestern Perfektionismus und Selbstgerechtigkeit, etwas, das nicht automatisch einfach so in uns drinsteckt. Selbstbeherrschung ist nicht natürlich. Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Geistes. Frucht – das klingt danach, dass etwas wachsen muss. Genau so ist es. Selbstbeherrschung muss wachsen.
Ich kann Christ sein, ohne mich gut kontrollieren zu können. Aber wenn ich als Jünger Jesu reifen will, dann will Gott durch seinen Geist in meinem Leben Selbstbeherrschung entwickeln.
Der erste Vers dazu stammt aus Galater 5,22-23, da geht es um die Frucht des Geistes. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und dann kommt das letzte Wort. Da steht in der Elberfelder Übersetzung Enthaltsamkeit, und das könnte man auch übersetzen mit Selbstbeherrschung oder mit Disziplin. Das ist ein und dasselbe Wort, ein und derselbe Gedanke. Also: die Frucht des Geistes, Punkt, Punkt, Punkt, Selbstbeherrschung.
Selbstbeherrschung ist etwas, das sich in meinem Leben entwickeln muss, das wachsen muss. Und warum? Einfach deshalb, weil Selbstbeherrschung eine Schlüsselrolle in meiner ganzen grundsätzlichen geistlichen Entwicklung einnimmt. Ohne das, was die Elberfelder Bibel Enthaltsamkeit nennt, kommt meine geistliche Entwicklung ins Stocken.
Also ganz deutlich: Ohne Selbstbeherrschung wirst du in geistlichen Dingen keinen Fortschritt machen können. Warum? Weil geistliche Entwicklung ein Prozess ist, der wie so ein Kreislauf abläuft. Und dieser Kreislauf wird beschrieben im 2. Petrus 1,5-8. Ich lese euch das einmal vor, und dann gehen wir quasi an den Schluss, schauen uns den Schluss an und kommen dann wieder an den Anfang.
2. Petrus 1,5-8
Eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, im Ausharren aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. Denn, Vers 8: Wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, lassen sie euch im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht träge und nicht fruchtleer sein.
So, jetzt: Was ist das Ziel in deinem geistlichen Leben, so ganz grundsätzlich? Was ist das grundsätzliche Ziel in jedem geistlichen Leben? Und wir würden hoffentlich sagen: Na ja, das Ziel ist, Jesus immer besser zu erkennen, ihm irgendwie immer ähnlicher zu werden. Das ist Vers 8: Wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und wachsen, also gleichzeitig da sind und zunehmen, lassen sie euch im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht träge und nicht fruchtleer sein.
Das heißt, der Weg zur Christuserkenntnis geht darüber, dass sich diese anderen Dinge, die eben aufgezählt wurden, wo eins irgendwie aus dem anderen erwächst und die gleichzeitig alle da sind und weiter wachsen, dass ich diese Dinge tue.
Jetzt gehen wir diese Punkte aus den Versen 5, 6 und 7 einfach mal durch, und dann stellen wir fest: Das startet in so einem Kreislauf alles damit, dass ich Glauben habe. In Vers 5: Eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf. Das ist keine Sache, die eben mal so nebenbei passiert. So, wenn ich noch fünf Minuten vor dem Schlafengehen Zeit habe. Allen Fleiß aufwenden – ich hänge mich da richtig rein. Und reicht in eurem Glauben. Das ist der Eintritt in das geistliche Leben. Reicht die Tugend dar.
Und was ich jetzt sage: Ich gehe einmal durch diesen Prozess durch, und ihr werdet merken, wie die Dinge aufeinander aufbauen. Tugend ist das, was ich an natürlichen guten Dingen einfach schon mitbringe. Also ich bekehre mich. Wer hat sich bekehrt? Du hattest dich jetzt vor kurzem erst bekehrt und taufen lassen, oder? So, das heißt, das ist jetzt dein Vers. Das heißt, du kommst in die Gemeinde, und das Erste, was du im Glauben mitbringst, ist Tugend. Irgendwas kannst du. Keine Ahnung: Gitarre spielen, Auto fahren, Kuchen backen, auf Kinder aufpassen, was weiß ich, Laub rechen, irgendwas. Ich bringe im Glauben erst mal die Dinge mit, die ich kann, weil so fängt geistliches Leben an. Gott hat mir schon etwas mitgegeben, aber da bleibe ich natürlich nicht stehen.
In der Tugend aber die Erkenntnis. Das heißt, im geistlichen Leben geht es dann darum, gute Predigten zu hören, die Bibel zu lesen, geistlich zu wachsen, Know-how zu entwickeln. Jetzt ist viel Wissen eine tolle Sache. Ich muss aber mit dem Wissen richtig umgehen.
Jetzt geht es weiter: in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit. Das heißt, Enthaltsamkeit ist die Schlüsselkompetenz, um das, was ich weiß, zu nehmen und praktisch umzusetzen ins Leben. Also ich weiß, was ich tun soll und was ich lassen soll, und Enthaltsamkeit ist das, was mich dazu befähigt, diszipliniert auch wirklich so zu leben.
Und dann gibt es eine zweite Schlüsselkompetenz, in meinen Augen: in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren. Ausharren heißt, ich mache das, was ich für richtig halte, auch dann, wenn es schwer fällt. Also ich bleibe dran, wenn mal jemand sagt: Was bist denn du für ein komischer Kauz? Oder wenn jemand mir das Leben schwer macht, weil ich vielleicht gerade keine Lust darauf habe. Ausharren ist: weitermachen, weil ich von einer Sache überzeugt bin, an der Stelle, wo es mir schwer fällt.
Und wenn ich das tue, dann in dem Ausharren aber die Gottseligkeit. Gottseligkeit ist ein Wort, das wir nicht mehr so gut verstehen, weil es mit Lebensstil zu tun hat. Gottseligkeit ist ein anderes Wort für einen geistlichen Lebensstil. Die Dinge, die ich tue, weil ich Christ bin, die meine heidnischen Nachbarn nicht tun, die Summe dieser Dinge ist Gottseligkeit. Ich bete, ich gehe in den Gottesdienst, ich tue gute Werke, ich lese in der Bibel. Es kommt, wenn ich Erkenntnis habe, die Erkenntnis anwende und auch unter Druck dabei bleibe, dazu, dass sich ein geistliches Leben entwickelt.
Dieses geistliche Leben lebe ich nicht alleine, sondern in einer Gemeinde. Und deswegen kommt aus meinem Umgang mit Gott dann als nächster Punkt die Bruderliebe. Bruderliebe ist das, was ich lerne, wenn ich in der Gemeinde auf Leute stoße, die nicht liebenswert sind. Nur dann brauche ich Bruderliebe. Wenn ich alle mag und alle sympathisch sind, ist das nicht so problematisch. Aber Bruderliebe lerne ich mit den Unsympathischen, mit den Schwierigen. Das lerne ich in der Gemeinde.
Und jetzt wird man sagen: Super, kommt nach Bruderliebe noch was? Ja, denn in der Gemeinde lernen wir durch Bruderliebe, was es heißt, zu lieben. Und da wollen wir hin.
Also: Jetzt haben wir einen Kreislauf. Ich starte mit Glauben, und jetzt bringe ich in meinem geistlichen Leben das mit, was ich einfach schon gut kann. Dann lerne ich dazu, ich wende das an, aus dem, was ich anwende, wird so etwas wie eine Gewohnheit, aus den Gewohnheiten ein Lebensstil, im Zentrum des Lebensstils steht Bruderliebe, und dann lerne ich lieben. Und wenn ich Liebe lerne, was habe ich dann erkannt? Jesus. Weil Jesus zu erkennen nicht darin besteht, dass ich ein Buch über Jesus lese, das wäre ja Erkenntnis. Sondern Jesus erkennen und in der Erkenntnis Jesu zu wachsen, hat damit zu tun, dass ich immer liebevoller werde.
Und deswegen muss ich diesen Kreislauf durchlaufen. Und immer wieder schauen, dass jeder einzelne Punkt für sich da ist und wächst. Also ich höre nie auf, mich praktisch in die Gemeinde einzubringen. Ich höre nie auf, gute Predigten zu hören, in der Bibel zu lesen, zu studieren und nachzudenken. Ich höre nie auf, diszipliniert das umzusetzen. Ich höre nie auf, Gewohnheiten zu entwickeln. Ich höre nie auf, mein geistliches Leben zu fördern und zu schauen, dass ich in puncto Gebet und all diesen Sachen, die meinen Umgang mit Gott ausmachen, dass das tiefer wird. Ich höre auch nie auf bei dem Thema Bruderliebe, und ich höre nie auf beim Thema Liebe.
Warum sage ich euch das? Na ja, dieser Kreislauf ist im eigentlichen Sinn geistliches Leben, und im Zentrum dieses Kreislaufs, ganz zentral, steht Enthaltsamkeit. Wenn ich keine Enthaltsamkeit habe, wenn ich nicht diszipliniert lebe, wenn ich das nicht kann, dann kommt dieser ganze Kreislauf logischerweise irgendwo zum Erliegen. Dann kannst du zwar noch Bücher lesen und immer mehr Wissen anhäufen, aber das ganze Ding dreht sich nicht mehr, weil du nicht mehr vom Wissen rüberkommst zum Tun. Also: Du hast die Theorie, aber du hast nicht die Praxis. Und an dieser Stelle ist Enthaltsamkeit total wichtig.
Selbstbeherrschung im Licht von Versuchung, Gericht und Gnade
Enthaltsamkeit wird dann wichtig, wenn wir in Versuchungen geraten. Versuchungen, sagte Herr Jesus, sind völlig normal. Er sagt sogar an einer Stelle: Es ist unmöglich, dass keine Verführungen kommen. Unmöglich. Das heißt: Ich garantiere dir Versuchung in deinem Leben. Unser Glaube wird geprüft werden, und zwar, ob wir das wollen oder nicht.
Und wer es nicht lernt, der Versuchung zu widerstehen, der kann nicht mit Gott leben. Bitte versteht das! Wenn du an dieser Stelle nicht bereit bist, Enthaltsamkeit zu lernen, nicht willig bist, dich selbst zu verleugnen, dann kannst du nicht mit Gott leben. Jesus ist da ganz klar: Nachfolge geht nicht ohne Selbstverleugnung.
O-Ton Jesus, Lukas 9,23: „Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“
Das gehört dazu. Was auch immer du über Selbstverleugnung, Selbstbeherrschung und über diesen ganzen Aspekt denkst: Es steht im Zentrum der Entwicklung deines geistlichen Lebens, im Zentrum deiner Nachfolge. Wenn du dich nicht selbst verleugnen kannst, hast du ein Problem.
Und deswegen ist Enthaltsamkeit ein Thema, das wir auch dann, wenn wir mit jungen Leuten über das Evangelium reden, nicht verschweigen dürfen. Es ist so zentral, dass wir den Leuten vorher sagen müssen: Wenn du dich bekehrst, dann wird sich dein Leben grundlegend ändern.
Ich zeige euch das mal in der Bibel. Da gibt es Paulus, der während seiner Gefangenschaft in Cäsarea auf den Statthalter Felix trifft. Da heißt es in Apostelgeschichte 24,24-25: Felix ist noch nicht gläubig, wir reden hier über ein evangelistisches Gespräch.
„Nach einigen Tagen aber kam Felix herbei mit Drusilla, seiner Frau, die eine Jüdin war, und ließ den Paulus holen und hörte ihn über den Glauben an Christus. Als er aber über Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und das kommende Gericht redete, wurde Felix mit Furcht erfüllt und antwortete: Für jetzt geh hin; wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen lassen.“
Okay, wir alle wissen, weil wir die Apostelgeschichte schon kennen: Es wird keine gelegenere Zeit mehr geben als die. Das ist ein bisschen dieser Aspekt: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. Wenn du es doch tust, hm.
Ja, die beiden unterhalten sich schon noch öfter miteinander, aber es kommt einfach nicht dazu, dass Felix sich bekehrt. Er hat Furcht, wahrscheinlich vor dem kommenden Gericht, aber er ist einfach nicht bereit, den Preis für die Bekehrung zu bezahlen.
Wenn man sich den Text anschaut, dann merkt man, dass der Begriff Enthaltsamkeit zwischen den Begriffen Gerechtigkeit und Gericht steht. Warum? Deshalb, weil ich mich, wenn ich mich bekehre, für ein gerechtes Leben entscheide. Wenn Jesus in der Bergpredigt davon spricht, dass wir zuerst nach Gottes Reich und nach Gottes Gerechtigkeit trachten sollen, dann ist diese Aufforderung tatsächlich das Programm des Königs. Tu das! Mach Gottes Gerechtigkeit zu einer Sache, die dir richtig wichtig ist.
Und warum? Ein Stück weit deshalb, weil Gottes Gericht auf dem fußt, was wir tun. Gott richtet Menschen nach ihren Werken. Ein Leben ohne Gerechtigkeit rettet nicht vor dem kommenden Gericht.
Jetzt wirst du sagen: Heißt das jetzt, dass wir nicht aus Glauben gerechtfertigt werden? Nein, das habe ich nicht gesagt. Das will ich auch definitiv nicht sagen. Wir werden aus Glauben gerechtfertigt, wir werden aus Glauben gerettet. Aber ich möchte gerne eine Lanze brechen für eine Art von Glauben, der sich in den Werken, die ich tue, auch zeigt.
Also: Glaube ist das Fundament für Gehorsam. Und nur dann, wenn ich Gehorsam im Leben eines Gläubigen finde, ist das, was er Glauben nennt, auch rettender Glaube. Es gibt auch Glauben, der nicht rettet. Beim Seemannsgleichnis heißt es mal: Wenn die Zeit lang glaubten, sind sie in der Zeit der Versuchung abgefallen. Das ist kein rettender Glaube.
Rettender Glaube, schauen wir uns Jakobus an, Jakobus 2,21-22 und 26, hat immer die Werke, also ein gehorsames Leben, auf seiner Seite. Das ist auch irgendwie klar. Wenn ich sage, ich vertraue Gott, und lebe dann nicht nach dem, was Gott sagt, dann vertraue ich ihm ja auch nicht. Es ist irgendwie schon logisch.
Jakobus bringt das schön auf den Punkt. Er sagt: „Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde.“ Irgendwie gehören die Dinge zusammen, wir dürfen das nicht voneinander trennen. „Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.“
Rettender Glaube ist immer ein gehorsamer Glaube. Warum? Weil mein Herr möchte, dass ich gerecht lebe. Und der Link, das Verbindungsglied zwischen Gerechtigkeit und kommendem Gericht, ist Enthaltsamkeit, Disziplin. Nur wenn ich selbstbeherrscht lebe, kann ich auf ganz praktische Weise gerecht sein und muss keine Angst haben vor dem Gericht.
Und vielleicht ist jetzt der eine oder andere ein ganz klein bisschen hibbelig und fragt sich, wen ihr da als Referent eingeladen habt. Und deswegen würde ich gerne in der Kirchengeschichte ein Stück zurückgehen und einen Text vorlesen, den ich sehr schätze, damit ihr mich versteht. Es geht mir darum, dass ich dem, was Bonhoeffer billige Gnade nennt, nichts abgewinnen kann. Und ich fand den Text so schön, dass ich ihn euch nicht vorenthalten wollte.
In dem Buch Nachfolge beschreibt Dietrich Bonhoeffer, was billige Gnade ist. Hört euch das einfach mal an:
Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute nicht um die teure Gnade. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament. Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System, heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner Sünden. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht.
Teure Gnade. Teure Gnade ist der verborgene Schatz im Acker, um dessen willen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; die Königsherrschaft Christi, um deren willen sich der Mensch das Auge ausreißt, das ihn ärgert; der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt. Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss.
Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft. Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft. Teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet. Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt. Teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt. Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat. Ihr seid teuer erkauft. Und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes.
Ich will teure Gnade leben, und Selbstbeherrschung ist dabei ein Schlüssel.
Gottes Wirken und menschliche Verantwortung
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Niemand von uns kann geistliches Wachstum machen. Ich kann nicht selbst bewirken, dass ich geistlich wachse. Das ist etwas, was Gott in mir wirkt. Gott lässt mich geistlich wachsen.
Deswegen steht auch am Ende des ersten Thessalonicherbriefs, in 1. Thessalonicher 5,23: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig.“ Das ist ein Wunsch. Dem kann ich mich nur anschließen: Gott möge dich heiligen. Nur ist es eben falsch, wenn ich jetzt denken würde: Weil Gott mich heiligt, habe ich im Prozess der Heiligung überhaupt keine Verantwortung mehr. Das ist falsch.
Wir leben als Christen mit Gott in so einer Art Symbiose, beziehungsweise in einer Gott-Mensch-Symbiose: er in uns und wir in ihm. Die Bibel sagt, wir sind ein Geist mit Gott. Und wenn das so formuliert wird, dieses „ein Geist mit ihm“ in 1. Korinther 6, dann kommt logischerweise von Paulus sofort danach: „Flieht die Unzucht.“ Also erst: „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm“, und als Konsequenz ein heiliges Leben: „Flieht die Unzucht.“
Und diese Symbiose, dass ich gleichzeitig aufgefordert werde, etwas zu tun, obwohl Gott in mir wirkt, findet sich an verschiedenen Stellen im Neuen Testament. Ich habe euch einfach mal drei mitgebracht.
Da heißt es in Philipper 2,12-13: „Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern.“ Und du denkst: Tschaka, ran! Und dann die Begründung: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt.“ Und du denkst: Hä, mache ich das jetzt oder macht er das? Und die Antwort ist: Es ist immer beides. „Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch wirkt.“
Oder Hebräer 13. Da heißt es in Vers 21: „Der Gott des Friedens vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut“, und dann: „indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus.“ Ist das super? Das ist doch einfach genial! „Er vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut“ – aha, okay, ich muss was tun – „indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist“ – jetzt macht er es wieder plötzlich. Ja, wie denn? Na, immer zusammen! Wir können das nie voneinander trennen.
Es ist immer Gott in uns, wir in ihm. Die Aufforderung an uns, das, was wir an Potenzial haben, zu entfalten, und gleichzeitig das Wissen darum, dass Gott mit seinem ganzen Potenzial an unserer Seite steht, mit uns ist und dazu beitragen möchte, dass das, was wir uns an Veränderungen in unserem Leben ersehnen, auch passiert.
Letzter Vers: Galater 2,20. „Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Und du denkst: Okay, jetzt habe ich es verstanden. Nicht mehr lebe ich, Christus lebt in mir. Nächster Vers: „Was ich aber jetzt im Fleisch lebe.“ Und du denkst: Hallo, ich dachte, ich lebe gar nicht mehr. Doch, tust du. „Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben.“ Das ist diese Symbiose.
Im geistlichen Leben geht es immer darum, mit Gott zusammenzuarbeiten. Oder Jesus würde sagen: in ihm zu bleiben. Und das ist in gewisser Weise auch nichts anderes, als dass wir in seinem Wort bleiben und ihm unsere Liebe durch Gehorsam zeigen.
Also: Für unsere Charakterentwicklung braucht es zwei Mitspieler. Es braucht Gott, es braucht uns. Das Schöne an Gott ist, was seinen Beitrag angeht, ist er treu. Bleibt die Frage, ob ich bereit bin, meine Komfortzone zu verlassen und wirklich Beziehung zu leben.
Gott ist treu, aber er hat uns auch in der Bibel Gebote hinterlassen. Wenn du dich fragst, warum es Gebote in der Bibel gibt: Na ja, wahrscheinlich sind sie dazu da, damit wir sie befolgen. Ich werde immer wieder aufgefordert, in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinzuschauen und dabei zu bleiben.
Wir schauen uns die Stelle an: Jakobus 1,25: „Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist“ – hier reden wir über Christen –, „indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.“
Das ist unsere Aufgabe: Schau in das vollkommene Gesetz der Freiheit, schau, was du da findest, hör zu, tu das. Und die Frage ist: Was ist das vollkommene Gesetz der Freiheit? Ganz einfach: Es sind die Regeln, die sich aus unserem Zusammenleben mit dem Herrn Jesus ergeben. Das, was Jesus geboten hat, damit wir uns daran halten. Das ist das vollkommene Gesetz der Freiheit. Es ist ein Gesetz, das uns in die Freiheit führt, aber es ist trotzdem ein Gesetz, an das es sich für uns zu halten gilt.
Und deswegen läuft ohne Selbstbeherrschung einfach gar nichts. Es läuft deshalb nichts, weil in uns ein Konflikt stattfindet. Ich weiß, was gut ist. Ich schaue in das vollkommene Gesetz der Freiheit hinein. Aber ich merke auch, dass da nicht alles in mir sofort sagt: Jo, das machen wir. Da ist ein Konflikt, und du wirst in diesem Konflikt ohne Selbstbeherrschung einfach verlieren.
In Sprüche 25,28 heißt es: „Eine aufgebrochene Stadt ohne Mauer, so ist ein Mann ohne Selbstbeherrschung.“ Das ist ein schönes Bild. Nicht nur für Herr-der-Ringe-Freunde, das versteht fast jeder: eine aufgebrochene Stadt ohne Mauer. Da wird eine Stadt belagert, dann wird die Mauer durchbrochen, der Feind fällt ein, um sie zu plündern. Genau so ist ein Mann ohne Selbstbeherrschung.
Wenn ich keine Selbstbeherrschung habe, dann steht mein Leben offen für Übergriffe. Ohne Selbstbeherrschung kontrolliere ich nicht mehr mein Leben, sondern ich werde kontrolliert. Und das ist eine ganz wichtige Frage: Wer darf mir sagen, wie ich leben soll? Ist das mein Chef? Ist das vielleicht die Werbung? Ist das meine eigene Lust? Oder sowas wie der Zeitgeist oder eine christliche Tradition? Oder habe ich mich entschieden, dass es in meinem Leben genau einen gibt, dem singe ich Lieder, dass er mein Herr und König ist, und dem ordne ich meinen Willen unter und sage: Ich werde gehorsam sein. Das, was du mir gegeben hast an Geboten, das werde ich tun.
Wir tragen tatsächlich Verantwortung für unser Leben. Und gleichzeitig wissen wir, wenn ich das so sage, dass nicht jeder Christ diese Verantwortung für sich und für sein Leben übernommen hat. Es gibt genug Christen, die führen kein heiliges Leben. Und das, obwohl Gott sagt: Das möchte ich. Gott ist da ganz klar. 1. Thessalonicher 4,3: „Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung.“ Gott will Heiligung.
Die Frage ist: Ist das so ein Punkt, der irgendwie zweitrangig oder drittrangig ist? Nein, Gott will das. Gott sieht dein Leben und sagt: Ich will in deinem Leben Heiligung. Aber nicht jeder Christ lebt heilig. Und warum? Die Antwort ist: weil sich nicht jeder Christ an Gottes Willen orientiert. Das ist einfach praktisch so.
Gott weiß, was er sich für uns wünscht, und er will uns durch seinen Heiligen Geist, der übrigens ein Geist der Kraft ist, er will uns durch die Weisheit seines Wortes, er will uns durch Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, er will uns durch kleine und größere Gebetserhörungen, durch alles Mögliche auf ganz vielfältige Weise unterstützen. Und er ist treu.
Deswegen müssen wir bereit sein, unseren Teil dazu beizutragen. Es ist ein Kampf, und wir müssen mitkämpfen. Das wird nicht einfach so passieren, dass du morgens aufwachst und sagst: Juhu, ich bin heilig! Es ist wirklich ein Kampf.
Der innere Kampf gegen Begierde und Sünde
Hier, 1. Petrus 2,11: Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Begierden enthaltet, die gegen die Seele streiten.
Ob dir das lieb ist oder nicht: In dir steckt ein Nein zu Gottes Geboten. Und da steckt ein Ja zur Sünde.
Fleischliche Begierden – so redet heute keiner mehr, das ist mir schon klar. Das ist vielleicht auch irgendwie der Grund dafür, dass wir die Sache als solche nicht mehr so ernst nehmen, weil das klingt so nach viktorianischem Zeitalter. Das ist das, wo sie irgendwie mit Pferdewagen gefahren sind, und wir denken: Wir leben im 21. Jahrhundert, das kann doch kein Problem mehr sein.
Falsch! Falsch in unserem Körper, in meinem Fleisch, steckt etwas Böses, das meine Seele zerstören will. Und deswegen brauche ich ein ganz klares Nein: dass ihr euch der fleischlichen Begierden enthaltet. Ich brauche ein Nein zu diesen Begierden.
Und es ist nicht leicht. Denn die fleischlichen Begierden – und da ist egal, worüber wir jetzt nachdenken, ich weiß nicht, was dir hochkommt bei fleischlicher Begierde. Keine Ahnung, es ist völlig Wurst, ob du jetzt daran denkst, der Nachbarin hinterherzuschauen, oder an ein neues Computerspiel, oder morgens, wenn der Wecker klingelt und du eigentlich beten gehen wolltest, dann an der Stelle zu sagen: Nee, ich schlafe noch mal weiter. Oder, oder.
Es ist völlig Wurst: Der Clou an fleischlicher Begierde ist immer dasselbe. Fleischliche Begierde ist verheißungsvoll. Da kommt etwas in deinem Leben auf, wo du sagst: Will ich haben! Und die fleischliche Begierde weiß, was sie machen muss, damit du anfängst zu sabbern. Ist doch logisch: Es wäre keine fleischliche Begierde, wenn es bei dir gar nichts auslöst.
Also niemand von uns hat wahrscheinlich eine fleischliche Begierde auf einer Lohnsteuerjahreserklärung. Das ist einfach keine fleischliche Begierde. Oder so. Da denkst du dir: Ja, niemand von uns hat eine fleischliche Begierde auf Winterräder wechseln, ja, am besten noch, wenn es draußen schon kalt ist. Das ist nicht das, worum es geht.
Es geht um Dinge, die hochkommen, wo du merkst: Boah, da steckt in mir echt was, was mich dazu bringen will, etwas zu tun, wo mein Geist so ganz langsam sagt: Ey Freund, das ist nicht gut, das ist uncool, wenn wir da jetzt weitermachen. Und es ist aber trotzdem da.
Und das Fiese an fleischlicher Begierde ist: Sie kennt deine Emotionalität, sie kennt deine Vergangenheit, sie kennt die Suchtstrukturen, die du hier oben drin hast. Sie weiß zum Beispiel ganz genau, dass, wenn man einem etwas Verbotenes oder etwas Geheimes anbietet, der Kick, da fängt dann langsam das Dopamin an, so ein bisschen zu fließen, das kommt viel höher raus.
Also heißt es in Sprüche 9,17: Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt lieblich. Das ist völlig klar: Wenn ich mir verbotenerweise so ein paar Nackedei-Fotos anschaue, dann ist das in keinster Weise so erfüllend, als ins Nachbarzimmer zu gehen, mich neben meine Frau zu legen und da richtig was zu genießen. Aber der Verführungsaspekt, weil das so verboten ist, einfach dieses schusselige, blöde Verbotensein von einer Sache macht die Sache unglaublich interessant.
Das ist das mit der Lust: Sie wird dich packen an den Stellen, wo du empfänglich bist dafür. Das ist der Trick. Und es muss dir klar sein: Du hast diese böse Lust in dir. Sie ist da. Und wenn du auf dein Leben zurückschaust, wirst du Momente entdecken, wo dieser verführerische Reiz da war, wo du nicht Nein gesagt hast.
Hier Jakobus 1,14-15: Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Du musst, du brauchst noch nicht mal was von draußen, du brauchst nur deine eigene Lust. Das steckt in dir drin. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde; oder hier heißt es: bringt sie Sünde hervor. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Ich weiß nicht, ob wir uns trauen, diesen Vers auswendig zu lernen. Ich finde, er gehört zu den Top 100: Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Das ist der Kampf in dir. Jeden Morgen beginnt dieser Kampf, ob du ihn wahrhaben willst oder nicht. Danach, wenn sie Lust empfangen hat, bringt sie Sünde hervor. Also: Lust, ja; zur Lust führt in die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Und ich glaube, wenn wir ehrlich wären, dann würden wir sagen: Wir kennen alle Christen – und jetzt mit Anführungs- und Schlusszeichen –, die genau diesen Weg gegangen sind und von denen wir heute nicht mehr wissen, wie wir ihr geistliches Leben einschätzen sollen. Ich habe eine längere Liste, da stehen bestimmt zwei, drei Dutzend Leute drauf. Die waren irgendwo mit mir in der Jugendgruppe, eine Weile mit mir unterwegs, auch im Gemeindebau, engagierte Leute. Und dann gab es irgendwann in ihrem Leben einen Bruch. Irgendwann haben sie diesen Kampf verloren. Und heute, na ja, heute sind sie irgendwie weg.
Und du fragst dich: Was war denn das damals? Und ich kann es dir nicht sagen, ich muss das auch nicht beurteilen. Ich hoffe, dass wir alle für diese Freunde beten, dass wir sie nicht aufgeben im Gebet. Aber sie dürfen uns auch mahnend vor Augen stehen.
Wenn du glaubst, du wirst einfach durchhalten bis zum Ende deines Lebens mit deinem Christsein, dann möchte ich dir sagen: Ich wünsche es dir, aber ich kann es dir nicht versprechen. Ich empfinde das Leben anderer Christen, die es nicht geschafft haben, diesen Kampf auf Dauer durchzuhalten, als Mahnung, wirklich aufzupassen.
Es gibt einen Kampf in uns. Sogar der Apostel Paulus spricht davon, dass er diesen Konflikt erlebt. Er sagt das in Römer 7. Manch einer sagt, das sei die Zeit vor der Bekehrung. Ich glaube das persönlich nicht, weil der Konflikt mit der Sünde, den Paulus da in Römer 7 beschreibt, eigentlich erst so richtig beginnt, wenn ich ein neues Herz bekomme, das heißt, wenn ich mich bekehre. Das heißt: Der Konflikt mit Sünde fängt da an, wo ich den Wunsch in mir trage, Gott zu gefallen. Der Kampf gegen das Fleisch, der Kampf eines neuen Herzens gegen fleischliche Begierde, nimmt eigentlich erst nach der Bekehrung so richtig Fahrt auf.
Hier, hört euch das an, längerer Abschnitt, Römer 7,14-20: Das ist die Realität, in der du lebst. Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Das ist eine Realität: Dein Fleisch hat eine viel zu enge Bindung an Sünde. Es fällt ihm ganz leicht, jeden Unsinn zu wollen, jeden Unsinn zu sagen, jeden Unsinn zu tun. Denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Natürlich nicht immer, aber es gibt diese Momente im Leben.
Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es gut ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Du lebst in einer WG mit einer Ratte. Sei dir das klar: In dir wohnt Sünde. Und diese Ratte, die will in deinem Leben Einfluss, die will zerstören, die will annagen, die will kaputt machen, die will dir überall hinscheißen. Das ist dein Leben.
Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
So, ist ein ganz schwieriger Text, ist mir klar. In mir wohnt Sünde. Das soll rübergekommen sein: eine Macht, die mich jeden Tag dazu bringen will, das zu tun, was ich nicht will. Ich will das Gute, aber in mir, das ist in meinem Fleisch, steckt auch Sünde. Und die Sünde, das bin nicht ich. Bitte haltet das auseinander: Du bist nicht die Sünde in deinem Fleisch. Das ist eine Macht, die in dir wohnt, die hat mit dir und deinem erneuerten Sein nichts zu tun.
Du bist in Christus eine neue Kreatur, du bist neu gemacht. Und doch steckst du in einem alten Körper, und dieser alte Körper ist in WG mit dieser Ratte, mit dieser Sünde, und die macht sich bemerkbar. Und da müssen wir ran, und da müssen wir schauen, wie wir die in Schach halten. Und das wird uns nicht immer gelingen.
Und weil es uns nicht immer gelingt, deswegen spricht der Apostel Johannes davon, dass der Wandel im Licht ein Lebensstil ist, bei dem wir nie sagen dürfen: Ich habe keine Sünde mehr. Wir sündigen alle, jeden Tag. Wir dürfen jeden Tag darüber nachdenken: Was habe ich gestern falsch gemacht? Wir dürfen jeden Tag, nein, wir müssen jeden Tag Gott um Vergebung bitten. Das ist Teil des Vaterunsers. Das Vaterunser ist ein tägliches Gebet, deswegen heißt es: Unser tägliches Brot gib uns heute, und nicht unser wöchentliches, monatliches oder jährliches.
Du darfst jeden Tag darüber nachdenken: Was habe ich falsch gemacht? Und wenn dir nichts einfällt, super, dann denk an Psalm 19,13. Da sagt David: Verirrungen, wer bemerkt sie? Von den verborgenen Sünden sprich mich frei. Ich garantiere dir: Du hast mehr Sünde in deinem Leben, als du kennst.
Und deswegen lasst uns an dieser Stelle diese Realität von Sünde nicht aus den Augen verlieren. Wir stehen in einem Kampf, und dieser Kampf wird auf Leben und Tod geführt. Und wir werden in diesem Kampf nur bestehen, wenn wir selbstbeherrscht leben.
Wie kämpft man gegen Sünde, gegen eigene Lust, gegen fleischliche Begierde? Antwort: durch Selbstbeherrschung. Wenn ich nicht tue, was Gott will, verschwende ich mein Leben. Wir haben ein Leben, wir haben ein einziges Leben, um Gottes Willen zu tun und für das Ziel zu leben, für das wir erschaffen wurden. Und das Ziel, für das wir erschaffen wurden, das hat damit zu tun, dass wir sein Reich bauen.
Und wenn das nicht klappt, wofür haben wir dann gelebt? Wofür hast du gelebt, wenn Gottes Wille sich in deinem Leben nicht erfüllt? Das ist eine Frage. Wofür hast du gelebt, wenn Gott in deinem Leben nicht seinen Willen bekommen hat?
Jesus in Gethsemane, was sagt er? Doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. Wenn nicht Gottes Wille in meinem Leben erfüllt wird, Frage: Wessen Wille wurde dann erfüllt? Also irgendeiner hat ja gesagt, wo es lang geht.
Ich glaube, dass es Menschen gibt und auch Christen gibt, die haben es nicht mal geschafft, ihrem eigenen Willen nachzugehen. Die sind einfach irgendeinem Einfluss, dem Kram, hinterhergelaufen. Sie haben sich diktieren lassen vom Zeitgeist oder von ihrer Peer Group oder von ihrer Lust, wie sie leben sollen. Und das ist falsch.
Christsein heißt nicht: Ich tue, was leicht ist. Leicht ist die Übertretung der Gebote. Schwer, weil unangenehm, zumindest am Anfang, ist der Gehorsam. Wenn ich gläubig werde, heißt das, dass ich durch eine enge Pforte hindurchtreten muss. Geistliches Leben wird beschrieben als ein schmaler, als ein enger Weg, und das ist tatsächlich alles andere als angenehm.
Es geht im geistlichen Leben um Themen wie Selbstverleugnung, das Kreuztragen, sich wie ein Soldat zu disziplinieren. Und jetzt wird jemand sagen: Aber sagt Jesus nicht, dass meine Last leicht ist? Ja, das tut er. Ich lese euch das nochmal vor, es steht wirklich in der Bibel: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch, also Joch heißt so viel wie Herrschaft, mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Das sagt der Herr Jesus. Und von daher müssen wir uns die Frage stellen: Wie kann es sein, dass er uns auf einen engen, schmalen Weg führt, und dann sagt: Mein Joch ist sanft, meine Last ist leicht? Die Antwort ist nicht schwer. Die Antwort hat damit zu tun, dass das, was uns auf den ersten Blick angenehm erscheint, auf lange Sicht unser Leben einfach kaputt macht. Das ist ganz einfach.
Es mag angenehm sein, ungehorsam zu leben, aber auf lange Sicht wirst du dein Lebensziel nicht erreichen. Der, der ungehorsam ist, auch wenn es ihm scheinbar besser geht – und noch nicht mal das ist ja der Fall, also das kommt ja auch noch dazu: Es gibt ja genügend Leute, die leben ungehorsam und leben schlechter, wo du dann doppelt daneben greifst. Also wenn schon ungehorsam und Heide, dann bitte auch ein angenehmer Lebensstil. Aber wenn du das noch nicht mal hinkriegst, dann kann ich nur sagen: Lebe gehorsam, trau dich unter die Herrschaft Jesu und gewinne am Ende das einzige Leben, das zu leben sich wirklich lohnt.
Mich hat mal Psalm 73 sehr fasziniert. Da geht es um die Frage: Wie gehe ich damit um, dass Leute, die ohne Gott leben, dass es denen scheinbar besser geht? Und der Asaph schreibt dann in den Versen 17-19 Folgendes: Bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes, bedenken will ich dort ihr Ende. Das sind die Ungläubigen. Das sind die, die in seinen Augen ein leichtes Leben haben, genug zu essen haben, Anerkennung haben, wo es läuft. Und es gibt Heiden, bei denen es läuft. Machen wir uns nichts vor. Nicht jeder Heide lebt gleich in einer kaputten Beziehung, hat irgendwie eine kaputte Gesundheit, kommt mit seinen Kindern nicht klar oder sonst irgendwas. Das muss so nicht sein. Es gibt Leute, denen geht es gut.
Aber wisst ihr, wo der Knackpunkt liegt? Bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes, bedenken will ich dort ihr Ende. Mag ja sein, dass das hier gut aussieht, aber es kommt doch auf das Ende an. Und dann: Fürwahr, auf schlüpfrige Wege stellst du sie, du lässt sie in Täuschungen fallen. Wie sind sie so plötzlich zum Entsetzen geworden, sie haben ein Ende gefunden, sind umgekommen in Schrecken.
Es geht gar nicht um die Frage: Wie schwer ist dein Leben hier? Sondern die Frage ist: Wo kommt dein Leben raus, wenn du es zu Ende gelebt hast? Was ist das Ende deines Lebens, was ist das Gesamtpaket, was hat dir an dieser Stelle dein Leben als Last aufgelegt? Und das ungehorsame, dann auch heidnische Leben legt dir als Last deines Lebens den Schrecken, das furchtbare Ende, auf. Und Jesus legt dir als Last auf ewiges Leben. Aber er verlangt von dir Gehorsam.
Und es ist wirklich entscheidend, dass wir darüber nachdenken: Lebe ich ein gehorsames Leben? Es ist vielleicht entscheidender, als wir manchmal denken. Ich jedenfalls bin überrascht, wenn ich sehe, mit welcher Radikalität Paulus an das Thema herangeht. Paulus vergleicht häufiger das Leben eines Christen mit dem eines Wettläufers. Machst du mal die zwei Fenster auf? Und er tut das, indem er sich selber als Beispiel nimmt.
1. Korinther 9,24-27. Es geht mir um die Art, wie es formuliert ist. Inhaltlich bin ich davon überzeugt, dass ihr den Text kennt, aber überlegt mal, wie radikal das formuliert wird hier: 1. Korinther 9,24-27. Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Darum geht es: Lauft so, dass du den Preis erlangst. Wach morgens auf und mach dir klar: Ich habe ein Rennen zu laufen.
Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem. Jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich laufe nun so nicht wie ins Ungewisse, ich weiß, wo ich hin will, ich habe mir das überlegt. Ich kämpfe so nicht wie einer, der in die Luft schlägt, also ich bin da richtig dabei, ich weiß, was Sache ist.
Und dann der Vers, der mich immer wieder schockiert: sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich oder anders übersetzt: disqualifiziert werde.
Das Beispiel ist simpel: Du möchtest bei Olympia mitmachen, du achtest auf deine Ernährung, du achtest auf deinen Schlaf, auf die Trainingseinheiten, du hast dein Leben voll im Blick, da läuft nichts aus dem Ruder. Und jetzt der Vergleich: Bei uns sollte das nicht anders sein. Wir kämpfen um etwas viel Größeres. Wir kämpfen um eine unvergängliche Belohnung. Und Paulus schreibt hier, dass er seinen Leib zerschlägt und knechtet, damit er nicht verwerflich, nicht disqualifiziert wird.
Kannst du dir das vorstellen? Paulus, hallo! Also wenn einer sich gemütlich hätte zurücklehnen können, so eine Art geistlicher Vorruhestand, dann dieser. Ich habe genug geleistet, ich habe überall Gemeinden gegründet, ja, ich bin voll dabei. Wir würden doch sagen: Paulus, du hast in zwanzig Jahren mehr erreicht als wir wahrscheinlich in fünfzig, sechzig, siebzig.
Wo kommt diese Angst her, disqualifiziert zu werden? Wo kommt das her, dieser Gedanke? Ist das nur so ein bisschen Show und er meint es gar nicht so? Oder ist es vielleicht so, dass wir diese Angst nicht haben, disqualifiziert zu werden, weil es dieses Konzept in unserem Leben gar nicht gibt? Da fehlt uns was. Da fehlt uns dieses Denken: bekehrt, dann muss ich das irgendwie durchhalten, wie auch immer, und dann sterbe ich und bin in der Ewigkeit. Und wir haben den Eindruck, dazwischen geht es um nichts. Das macht man halt oder macht es nicht. Ja, da gibt es dann so ein bisschen, so wie beim Eiskunstlauf, ja, also wir bestimmen so die B-Note, aber A-Note ist klar, wir sind durch.
Falsch! Es muss falsch sein. Dieses Denken muss falsch sein, weil Paulus das anders schreibt. Und die Frage ist: Kann es sein, dass wir einer falschen Sicherheit anhängen, wenn es um diese Themen geht wie Durchhalten, sich reinhängen oder allgemein um die Wichtigkeit von Selbstbeherrschung? Sehe ich mein Leben als ein Leben, in dem ich immer und immer wieder mich neu selbst kontrollieren muss? Sehe ich mich wie ein Athlet im Training? Sehe ich mich wie, anderes Bild, ein Soldat im Krieg?
Da heißt es in 2. Timotheus 2: Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu. Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigung des Lebens. Also niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigung des Lebens. Warum? Damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.
Also diese Formulierung: Natürlich verwickele ich mich nicht in die Beschäftigungen des Lebens. Ehrlich? Ehrlich? Ich kenne ganz viele Christen, die in die Beschäftigungen des Lebens verwickelt sind. Also ich sage auch nicht, dass das ein leichter Weg ist, aber das scheint der Weg zum ewigen Leben und zu einem unvergänglichen Siegeskranz zu sein. Aber es ist Kampf.
Wisst ihr, Oscar Wilde hat mal formuliert: Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass wir, wenn wir das hören, so innerlich ein bisschen zucken und sagen: Ja, wisst ihr was, wenn wir der Versuchung nicht widerstehen, ist das unser Tod. Das haben wir im Jakobusbrief gelesen. Und Paulus ist, glaube ich, so hinterher, nicht disqualifiziert zu werden, weil er eine geistliche Realität vor Augen hat, die es wirklich gibt. Da ist irgendwas, wovor er Angst hat, und deswegen predigt er eine Radikalität geistlichen Lebens, von der ich denke, dass wir sie heute fast nicht mehr verstanden haben.
Ist meine Vorstellung von Christsein vielleicht deshalb so weichgespült, weil ich denke, angekommen zu sein? Also Paulus würde, wenn man Philipper 3 dreimal liest, Vers 13, Paulus würde sein eigenes geistliches Leben so formulieren: Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben. Wow, denkst du das von deinem Leben auch? Würdest du dich hinstellen und sagen: Jürgen, ich bin noch nicht am Ziel. Ich vergesse, was da hinten ist, und strecke mich aber aus nach dem, was vorne ist.
Lebst du in der Realität, dass deine Vergangenheit erst mal wurscht ist? Hast du dieses Ziel vor Augen und sagst: Ich strecke mich aus nach dem, was vorne ist. Ich habe geistliche Ziele, ich habe mein Leben im Griff, ich will in dieser Welt etwas erreichen für das Reich Gottes, und ich werde mich danach ausstrecken. Ob dieser Reiche liegt in Gottes Hand, er darf das entscheiden, aber ich werde mich nach vorne ausstrecken, ich will.
Oder leben wir einfach und sagen: Na ja, jetzt sind wir auf der Männerfreizeit, gibt es hier eigentlich Bier? Also ja. Setzt man so ein bisschen schön ins Café und so. Dieses Ausstrecken nach vorne, das ist halt Paulus. Der ist immer so ein bisschen komisch, ja, aber wir sind nicht so. Wir haben da irgendwas verstanden, was Paulus nicht verstanden hat, dass man im Heute leben muss, dass man so die Dinge ein bisschen mitnehmen muss, ja, man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Ja, man muss schauen, dass man auch nicht zu diesen übertriebenen, zu diesen extremen Leuten zählt. Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und so diese Richtung.
Ich finde es nicht in der Bibel. Bitte vergebt mir, wenn ich hier vorne wie so ein Radikalo stehe, ich versuche, euch nur Impulse zu geben, ich versuche, euch nur zu zeigen, was die Bibel sagt. Wenn ich an irgendeiner Stelle nicht sage, was die Bibel sagt, sagt es mir. Aber ich komme an diesen Versen einfach nicht vorbei.
Und um so zu leben, brauche ich Selbstbeherrschung. Ich glaube, wir leben viel zu schnell so, als wäre es egal, ob unser Leben Gott gefällt. Aber das hat mit einem biblischen Christsein mal eben gar nichts zu tun. Die Bibel beschreibt das Leben eines Jüngers als Hingabe an den Willen Jesu. Du bist gekauft. Jesus hat am Kreuz einen Preis bezahlt für dein Leben, wir gehören nicht uns selbst. Das sind alles Aussagen in der Bibel. Wir sind Sklaven Jesu, und als Sklave muss ich mich so verhalten, wie mein Herr das will.
Dass wir das nicht immer schaffen, das ist ja klar. Das ist auch der Grund, warum Paulus davon schreibt, dass wir uns ins Zeug legen müssen. Wir leben im Krieg. Es geht um Gewinnen oder Verlieren. Und was entscheidet? Selbstbeherrschung. Ganz einfach.
Wir haben nicht alle dieselben Probleme, das ist mir schon klar. Versuchungen können sich auf eine ganz unterschiedliche Weise zeigen. Aber was mir Not macht, das ist: Wenn wir das Thema als solches nicht ernst nehmen.
Hebräer 12,1: Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf.
Wieder so ein Bild: Wettlauf, Leben als Wettlauf. Jeder hat so seinen persönlichen Wettlauf, das ist mir klar. Etwas, was ihn leicht ablenkt, ihn leicht verführt, diese unnötigen Bürden, so Lasten, die man sich aufs Leben drauflegt, Sünden, die man nicht wirklich braucht. Und die gilt es nach dem Text, jede Bürde, die uns leicht umstrickende Sünde, abzulegen, jeden Tag neu abzulegen. Wir brauchen für den Lauf, den wir laufen, kein Extragewicht.
Stell dir vor, wie absurd das wäre: Du würdest bei irgendeinem Triathlon sehen, wie sie dann ihren Abschlussmarathon machen, und einer packt sich noch so einen Zehn-Kilo-Sandsack obendrauf. Das wäre absurd, das würde niemand tun. Aber so leben manche Christen ihr Leben. Mit einem Extragepäck, wo du sagst: Warum hast du das? Warum hast du dir das Ding in dein Leben geholt? Das ist doch nur ... da braucht man nur Zeit.
Ich muss mir gut überlegen, wie ich mein Leben ordne, wie ich Bürden rausschmeiße, vor allem wie ich sündenlos werde. Du weißt für dich, welche Sünde dich jetzt genau am meisten belastet. Ich weiß das nicht. Ich weiß nicht, was deine Bürde ist, und ich weiß nicht, was deine Sünde ist. Ich weiß nicht, was du versteckst und was du vielleicht schon seit dreißig Jahren Gott bekennst und es wird nicht besser. Ich weiß es nicht. Aber ich kann dir eines sagen: Leg sie ab. Und wenn das nicht so leicht geht, streng dich an.
Tja, was soll ich sonst sagen? Das ist der Text. Sei radikal, sei radikal, damit du mit Ausdauer diesen vor dir liegenden Wettlauf laufen kannst. Mach das!
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