Einleitung
Über die nächsten Sonntage werden wir uns mit einer bedeutenden
Persönlichkeit beschäftigen. Wir werden viel über den Glauben, und was
Glauben bedeutet erfahren. Im NT wird sein Name ca. 70 Mal erwähnt und
das nicht nur beiläufig. Im AT gar ca. 200 Mal.
Jesus spricht von ihm. Die Apostel sprechen von ihm. Im Hebräerbrief
lesen wir von und über ihn. Wer ist wohl diese Person?
"...Denn Abraham sollte der Vater all derer werden, die glauben, auch
wenn sie nicht beschnitten sind, und denen darum genau wie ihm der
Glaube als Gerechtigkeit angerechnet wird." (Röm. 4,11b)Abraham ist eine so wichtige Persönlichkeit, die wir gut kennen sollten,
denn in seinem Leben können wir fundamentale Prinzipien für unser Leben
als Christen entdecken. Wir können uns ein genaueres Bild davon machen,
wie biblischer Glaube zu verstehen und zu leben ist. Er ist der Vater des
Glaubens oder anders gesagt, er ist das Vorbild des Glaubens. Wir teilen
mit Abraham denselben Glauben. Was das bedeutet, sollte uns in den
nächsten Wochen immer klarer werden.
Heute beginnen wir mit seiner Berufung, die uns im 1. Mose 12,1-3 erzählt wird.
"Da sagte der HERR zu Abram: »Verlass deine Heimat, deine Sippe und die
Familie deines Vaters, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!
Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes
machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein. An dir soll sichtbar
werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne.
Alle, die dir und deinen Nachkommen Gutes wünschen, haben auch von mir
Gutes zu erwarten. Aber wenn jemand euch Böses wünscht, bringe ich
Unglück über ihn. Durch Dich sollen alle Völker der Erde gesegnet
werden.«" (Gen 12,1-3) In diesen Versen sehen wir ganz klassisch, wie eine Beziehung zum
Schöpfer beginnt. Oder anders gesagt, wie Glaube beginnt.
Glaube wird geweckt
Wie kommt es denn, dass Abram plötzlich vom Schöpfer diese Aufforderung
erhält? War Abram besonders fromm und dem Schöpfer ergeben? Wir wissen
das nicht, aber eines wissen wir, Abram kam aus einer Familie, in der man
andere Götter verehrte.
In Ur in Chaldäa wohnte Abram mit seiner Sippe.
In Ur in Chaldäa wurden allerlei Götter verehrt. Man hatte auch
Hausgötter, die verehrt wurden. Im Zentrum der Stadt stand ein großes
Heiligtum, das dem Mondgott Nanna-Sin geweiht war. Man nannte
dieses Tempel Zikkurat, was soviel wie Bergspitze heißt.
Wie monumental das Gebäude war, zeigt dieses Bild. Mit großer
Wahrscheinlichkeit verehrte die Familie Abrams diesen Gott oder andere
Götter, denn Josua sagte einmal zum Volk Israel:
"Dann sagte Josua zum ganzen Volk: »So spricht der HERR, der
Gott Israels: 'Vor langer Zeit wohnten eure Vorfahren auf der anderen
Seite des Eufratstromes und verehrten fremde Götter. Das ging so bis zu
Terach, dem Vater Abrahams und Nahors." (Jos. 24,2)Abram verehrte die Götter seiner Väter, aber dann holte ihn Gott der
Schöpfer und führte ihn in ein neues Land.
"Aber dann holte ich euren Stammvater Abraham aus dem Land jenseits des
Eufrats und liess ihn im ganzen Land Kanaan umherziehen. Ich gab ihm
Nachkommen durch seinen Sohn Isaak." (Jos. 24,3)Gott hat sich Abram gezeigt. Gott hatte Abram angesprochen. Der Glaube
an Gott wird von Gott selbst geweckt. Er ergreift die Initiative. Denn
Paulus sagt deutlich:
"Keiner fragt nach Gott." (Röm. 3,11b)
Anwendung
Die Initiative geht immer von Gott aus. Er offenbart sich dem Menschen.
Glaube beginnt da, wo ich von Gott höre und in meinem Herzen bewegt
werde.
Plötzlich tritt die Wirklichkeit Gott in ein Leben. Durch die ganze
Bibel wird das ersichtlich.
Am See Genezareth tritt Jesus in das Leben von Petrus u. Andreas und
ruft sie von der Arbeit weg. (vgl. Mt. 4,18-20)Jakobus u. Johannes waren am Netzeflicken, als Jesus in ihr Leben trat.
(vgl. Mt. 4,21-22)Jesus begegnete Matthäus am Zoll. (vgl. Mt. 9,9-13)Paulus begegnete Jesus auf dem Weg, als er im Begriff war, die Christen
bis aufs Blut zu verfolgen. (vgl. Apg. 9)Diese Leute waren weder beim Beten noch befanden sie sich in einem
Gottesdienst.
Gott kommt uns Menschen immer entgegen. Er ist uns in Jesus in ganz
besonderer Weise entgegengekommen, wie es im Hebräerbrief heißt:
"Viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der
Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren. / Jetzt aber,
am Ende der zeit, hat er durch seinen eigenen Sohn (Jesus) zu uns
gesprochen." (Hebr. 1,1-2a)Nun hat uns Gott den Auftrag gegeben seine Botschaft zu verkündigen.
Wir sollen ihn den Menschen Gott bekannt machen, denn der Glaube kommt
nicht aus dem Menschen heraus, sondern er wird von Außen geweckt. Jesus
sagte in einem Gebet:
"Ich bete aber nicht nur für sie (meine Jünger), sondern auch für die
Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden." (Joh. 17,20)Gott hat uns dazu bestimmt, seine Botschaft zu verbreiten. Wir tragen
dazu bei, dass Glaube geweckt wird!
Glaube nimmt Abschied
Wenn Glaube geweckt wird, dann wird auch ein Anspruch an den Menschen
herangetragen. Zu Abram sagte Gott:
"Da sagte der HERR zu Abram: »Verlass deine Heimat, deine Sippe und die
Familie deines Vaters, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!"
(Gen. 12,1)Abram soll das, was ihm bis dahin vertraut war verlassen und in ein
unbekanntes Land ziehen. Gewiss, Abram war kein armer Mann. Gott forderte
ihn nicht auf alles zurückzulassen und als Einsiedler in das unbekannte
Land zu ziehen. Wenn Gott einen Menschen ruft, nimmt er ihm nicht alles
weg.
Aber Gott fordert Abram dazu auf, mit allem was er hat aufzubrechen. Er
soll sich auf den Weg machen und alles in den Dienst Gottes stellen.
So fängt Glaube damit an, dass man Abschied nehmen muss. Abram musste
seine bekannte Umgebung verlassen. Er musste sein Sippe verlassen und was
sicher auch nicht einfach war, er musste seine Religion verlassen.
Evangelisation
So ist es bis heute. Wer den Ruf von Jesus hört, der wird aufgefordert
Abschied zu nehmen.
Vielleicht hast Du das auch schon erlebt, dass Du Dich von der
Verkündigung des Evangeliums angesprochen wusstest. Zutiefst war Dir
klar, jetzt hat mich Gott angesprochen.
Ich erlebte das einmal in einem Gespräch, da sagte mir mein
Gesprächspartner, dass er weiß, dass ich die Wahrheit sage. Aber eben,
wer auf die Wahrheit reagieren will, der muss Abschied nehmen.
Abschied von einem falschen Denken über sich selbst.
Abschied von einer gelebten Religiosität.
Abschied von der Familie, von Freunden usw., die meine Veränderung
nicht verstehen.
Abschied von sündigen Lebenspraktiken.
Abschied von meinen Lebenszielen, die ich bis dahin hatte. Eben, mich
aufzumachen in ein unbekanntes Land.
Hast Du schon Abschied genommen?
Wir erleben viel, dass Menschen ganz klar ist, dass das, was wir
erzählen stimmt, aber sie reagieren nicht. Sie handeln nicht. Damit
verpassen sie eine wunderbare Gelegenheit, die ihnen Gott gibt.
Glaube hat Zukunft
Aber das Abschied nehmen ist nur eine Seite der Medaille. Gott erwartet
von uns nicht, dass wir etwas Wertvolles loslassen, ohne uns dafür etwas
viel Wertvolleres zu schenken. Er sagt Abram, was er ihm geben wird.
Übrigens werden für das, was Abram tun muss im Hebräischen 10 Worte
gebraucht und das was Gott ihm schenken will, dazu werden 17 Worte
verwendet.
"Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes
machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein. An dir soll sichtbar
werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne.
Alle, die dir und deinen Nachkommen Gutes wünschen, haben auch von mir
Gutes zu erwarten. Aber wenn jemand euch Böses wünscht, bringe ich
Unglück über ihn. Durch Dich sollen alle Völker der Erde gesegnet
werden.«" (Gen. 12,2-3)Abram weiß, für was er sich verabschiedet. Er vertraut dem, was ihm
Gott hier in Aussicht stellt. Er ist zur Überzeugung gekommen, dass es
sich lohnt Gott zu vertrauen.
Anwendung
Der Glaube ist immer vom Ziel bestimmt. Alles was wir tun ist motiviert
von dem, was uns Gott versprochen hat.
So sagt auch Jesus:
"Ich versichere euch: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich
gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung
mehr zu; er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan." (Joh. 5,24)Leben, unvergängliches Leben bekommt jeder, der Jesus vertraut. Das
kann man nirgends kaufen, das kann man nur bekommen.
Und Paulus sagt in Anbetracht dessen, was auf ihn zukommt:
"Aber dies alles, was mir früher als großer Vorzug erschien, habe ich
durch Christus als Nachteil und Schaden erkannt.
Ich betrachte überhaupt alles andere als Verlust im Vergleich
mit dem überwältigenden Gewinn, dass ich Jesus Christus als meinen
Herrn kenne. Durch ihn hat für mich alles andere seinen Wert verloren,
ja, ich halte es für bloßen Dreck. Nur noch Christus besitzt für mich
einen Wert." (Phil. 3,7-8) "Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen.
Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus
berufen hat." (Phil. 3,14) In jedem Fall lohnt es sich Jesus zu folgen. Es lohnt sich Gott treu zu
sein. Wir Empfangen bedeutend mehr, als das, was wir hergeben müssen.
Schluss
Glaube beginnt damit, dass mich Gott anspricht, dass er sich mir
offenbart.
Dann heißt es Abschied nehmen, aber es heißt auch Empfangender sein.
So beginnt der lebendige Glaube an Gott den Schöpfer, durch Jesus
Christus unseren Herrn. Denn wie Paulus den Philippern schreibt:
"Ihr könnt es, denn Gott selbst bewirkt in euch nicht nur das Wollen,
sondern auch das Vollbringen, so wie es ihm gefällt." (Phil. 2,13)Wer den Glauben an Jesus Christus erfasst hat, der kann einfach dankbar
sein. Es ist ein Geschenk Gottes. Etwas, das wir empfangen haben. Im
Korintherbrief steht:
"Was bringt dich überhaupt dazu, so überheblich zu sein? Ist nicht
alles, was du hast, ein Geschenk Gottes? Wenn es dir aber geschenkt
wurde, warum prahlst du dann damit, als hättest du es dir selbst zu
verdanken?" (1.Kor. 4,7)
Amen

