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Maleachi 1,1-5: "Liebe Gottes zu Israel"

Maleachi 1,1-1,517.10.2011
SerieTeil 1 / 7Maleachi
Einleitung, Struktur und Gottes Liebe zu Israel

Einleitung und organisatorische Hinweise

Wer eine Bibel braucht, kann bei uns gerne eine bekommen. Der Gast hat gesagt, dass es bei uns durchaus Sitte ist, mitzulesen. Deshalb ist es manchmal auch ein bisschen mehr als nur ein Vers. Heute sind es nicht so viele, aber spätestens beim nächsten Mal werden es dann richtig viele sein. Wer also eine Bibel braucht, kann hier eine bekommen.
Ich habe auch noch etwas ausgedruckt. Das ist jetzt, denke ich, für die meisten von euch gedacht. Vielleicht könnt ihr bei Ehepaaren gemeinsam hineinschauen und es dann weitergeben.
Ich habe mir erlaubt, euch heute über Tinker eine E-Mail schreiben zu lassen. Wer also auch am Sonntag seine E-Mails liest, weiß, was kommt.
Theoretisch haben wir ja noch eine Reihe offen. Diese offene Reihe ist unsere Gabenreihe. Da fehlen noch etwa vier oder fünf Predigten. Ich hatte zuerst vor, sie ans Ende des Jahres zu legen, aber ich muss ehrlich zugeben, dass das, weil ich jetzt auch erkältet war, einfach nicht so klappt. Ich musste deshalb ein wenig umstrukturieren.
Ich hoffe, dass ihr da mitgehen könnt und sagt: Okay, dann machen wir das Ende der Gabenreihe eben Anfang nächsten Jahres. Das ist jetzt nicht so furchtbar dramatisch. Es hat sogar zwei oder drei Vorteile.
Stattdessen machen wir am Ende dieses Jahres etwas, was ich sowieso machen muss und worauf ich persönlich jetzt, obwohl ich wie gesagt ein bisschen angeschlagen bin, einfach zurückgreifen kann: Dinge, die sowieso anstehen, nämlich das Buch Maleachi.

Orientierung im Bibelplan und Einstieg ins Thema

Bevor wir da einsteigen, noch ein kleiner Hinweis: Wir haben hier immer noch unseren Bibelleseplan. Ich weiß, bei uns war in den letzten Wochen viel los, also AG Präsenz Team, AG Willkommenskultur, AG Hauskreise, neue Hauskreise. Da ist dieses kleine rote Zettelchen hier ein bisschen untergegangen. Aber rein formal: Am 3. Oktober hat unser Bibellese-Ding wieder angefangen, und wir stecken mittendrin in 1. Mose.
Wenn ihr also noch nacharbeiten wollt: Es sind gerade 15 Kapitel 1. Mose vorbei. Das ist wirklich zu schaffen, das geht ja fix. Ich weiß gar nicht, wie es an der Stelle mit dem Bibellese-Kreis aussieht. Habt ihr Ideen, das wieder aufleben zu lassen? Du wolltest heute nachfragen, also seid mit offenen Ohren gespannt, was da aus der Ecke von Jürgen und Stephan kommt.
Wenn ihr sagt: „Oh, ich weiß gar nicht mehr, wo mein kleines rotes Sitz-Zettelchen sein könnte“, ja, das ist überhaupt kein Problem. Bei Doro hinten, da, wo die Bibeln eben rausgenommen wurden, da befinden sie sich. Dann könnt ihr einfach mitlesen. Ich wollte nur um Verständnis dafür werben, warum es mir im Moment nicht möglich ist, mit den Predigten darauf einzugehen.
Gut, also: Ich möchte mit euch bis Weihnachten durch Maleachi gehen. Das werden, glaube ich, sieben Predigten sein. Maleachi ist ein Buch in der Bibel, im Alten Testament, ganz am Ende. Es lässt sich ganz leicht finden. Man blättert einfach vom Neuen Testament zurück. Und wenn man dann so in der Mitte ist, da, wo das Neue Testament gerade anfängt, also bei Matthäus, dann blättert man noch ein bisschen weiter, dann kommt Maleachi.
Das ist bei manchen sogenannten kleinen Propheten ja schwierig, sie zu finden, weil sie so mittendrin liegen. Wenn ich jetzt sagen würde: Schlagt mal Obadja auf, dann weiß ich, die sinnvolle Variante ist, vorne im Inhaltsverzeichnis der Bibel nachzuschauen, die Seitenzahl rauszusuchen und direkt hinzuspringen. Alles andere verlangt schon relativ viel Bibelwissen. Bei Maleachi ist das anders.

Geschichtlicher Rahmen und zeitliche Einordnung

Letztes Buch im Alten Testament, ein kleiner Prophet. Die kleinen Propheten sind nicht klein, weil sie unwichtig sind, sondern einfach deshalb, weil sie kurz sind. Es gibt die grossen Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel. Die sind wirklich gross. Wenn ich jetzt gesagt hätte, ich mache eine Predigtreihe über Jesaja, dann hätte der eine oder andere gedacht: 66 Kapitel, Endpunkt 2017. Maleachi hat drei Kapitel, das kriegt man in diesem Jahr noch hin. Kleiner Prophet, letztes Buch des Alten Testaments, auch genannt das Siegel der Propheten. Es ist der Abschluss des alttestamentlichen prophetischen Redens.
Auf diesem kleinen Zettel habe ich euch eine Zeittafel zusammengestellt, weil man im Blick auf das Alte Testament ja nicht immer so genau weiss, wo wir uns zeitlich bewegen. Die ersten drei Jahreszahlen, die ich euch aufgeschrieben habe, werdet ihr kennen, ich habe sie euch schon oft gesagt. Damit man so eine ganz grobe Vorstellung hat, wann eigentlich Abraham lebt, wann Mose lebt und wo David einzuordnen ist, diese ganz groben Schritte: Abraham ungefähr zweitausend vor Christus, da fängt die Idee Volk Israel an mit der Berufung dieses einen Mannes. Dann Mose, circa fünfhundert Jahre später, etwa 1500 vor Christus, kennt man aus diversen Filmen: „Let my people go!“ – in diese Richtung. David und Salomo dann um 1000 vor Christus.
Und dann passiert, wenn man sich das Volk Israel im Alten Testament anschaut, etwas ganz Dramatisches. Dieses Volk, das unter David und Salomo ein wirklich bedeutendes Volk der Antike ist, verliert Stück für Stück seine Bedeutung und wird dann von den Babyloniern ins babylonische Exil geführt. Ganz dramatisch. Die Babylonier erleben dieses Volk, merken, mit denen kann man nicht so gut Kirschen essen, ja, das ist auch jetzt nicht so gesund, wenn man die in ihrem Land lässt. Wir sorgen mal hier für Ruhe, und wir sorgen dadurch für Ruhe, dass wir dieses Volk packen und einfach mal tausend Kilometer woanders wieder ansiedeln. Dann hat man Ruhe vor denen, weil man die nächsten zwei Generationen damit zu tun hat, sich überhaupt wieder eine Lebensgrundlage aufzubauen.
Das ist das sogenannte babylonische Exil, etwa 605 bis 539 v. Chr. Eine ganz, ganz dramatische, eigentlich schon traumatische Erfahrung für das Volk Israel, mitzubekommen, wie sie als das von Gott geliebte und verheissene Volk mit einem Mal der Willkür eines Nebukadnezar ausgesetzt sind. Absolut dramatisch!
Und dann, später, als sie unter den Persern wieder zurückkehren dürfen – es gibt diesen Erlass eines persischen Königs, der sagt: Ihr dürft wieder nach Hause –, machen sie das. Sie bauen auch wieder einen Tempel, der vorher zerstört worden war, den Tempel, den Salomo aufgebaut hatte. Es gibt einen zweiten Tempel, der 516 vor Christus eingeweiht wird. Aber das Volk ist eigentlich nie wieder das, was es vorher war.

Nehemia als Hintergrund für die Botschaft

Wir gehen jetzt hundert Jahre nach der Rückkehr weiter, etwa in das Jahr 433 v. Chr. Dort treffen wir auf Maleachi, den letzten Propheten des Alten Testaments, auch von der zeitlichen Abfolge her.
Maleachi selbst schreibt sein Buch etwa um das Jahr 433 v. Chr. Und für euch, die ihr andere Namen aus dieser Zeit kennt: Es gibt zum Beispiel das Buch Esra, das in etwa in diese Zeit hineingehört, oder noch näher das Buch Nehemia. Nehemia ist der mit der Mauer, habt ihr vielleicht schon einmal gelesen?
Nehemia ist eigentlich Mundschenk am persischen Königshof. Er erfährt, dass Jerusalem als Stadt offen daliegt und für Feinde immer wieder leicht zu plündern ist, weil es dort keine Mauern gibt. Und er bittet in einem Moment, in dem er sich ein Herz fasst, den König darum: Darf ich nicht nach Jerusalem ziehen und die Mauern wieder aufbauen?
Das klingt für uns heute vielleicht nicht so spektakulär, war aber in der damaligen Zeit enorm wichtig, dass eine Stadt wieder Mauern hatte. Na ja, wenn du den König direkt fragst, bekommst du auch eine direkte Antwort. Der König sagt: Klar, mach das. Zieh nach Jerusalem und bau die Mauern wieder auf.
Das Buch Nehemia beschreibt, wie er das tut. Er kommt dort als Statthalter an, reitet erst einmal heimlich außen herum, schaut, wo die größten Probleme sind, und holt dann die Leute zusammen. In einem genialen Akt von Leiterschaft sorgt er dafür, dass in kürzester Zeit die Mauern hochgezogen werden. Dann regelt er noch ein paar andere Dinge, und anschließend geht Nehemia wieder.
Etwa zehn Jahre später kommt er noch einmal vorbei und muss feststellen, dass vieles von den Reformen, die er bei seinem ersten Besuch eingeleitet hatte, in der Zwischenzeit wieder vergessen worden ist. Und in diese Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Besuch Nehemias in Jerusalem müssen wir Maleachi einordnen.
Wir wissen das, weil wir in Nehemia 13 die Probleme sehen, die in der Stadt vorherrschen, als Nehemia das zweite Mal kommt. Und genau dieselben Probleme finden wir auch bei Maleachi. Dazu gehören unter anderem Defizite bei den Abgaben an den Tempel, das große Problem der Mischehen und das Problem, dass die Priester ihren Dienst nicht richtig tun.
Genau diese Probleme, die wir in Nehemia 13 lesen, lesen wir auch bei Maleachi. Und deshalb können wir davon ausgehen, dass Maleachi der Prophet ist, den Gott seinem Volk in diese Zeit hinein schickt, zwischen den beiden Besuchen Nehemias in Jerusalem. Deshalb auch dieses 433 v. Chr.

Aufbau des Buches und das Zentrum der Botschaft

Ja, das dürft ihr jetzt nicht so sehen. Genau, das muss aber jetzt wirklich ganz genau 400, ja, das könnte doch 434 sein oder 432. Ich bin da ein bisschen flexibel, aber es ist halt nicht 550 und auch nicht 220. Also 433 halten wir uns einfach mal fest.
Ihr wisst, dass ich ein Strukturfetischist bin. Es gibt kein biblisches Buch ohne Struktur. Und wenn man die Struktur hat, kann man mindestens fünf Minuten seine Zuhörer damit ärgern. Das möchte ich jetzt machen. Und ich habe sie euch abgedruckt, damit jetzt keiner womöglich den roten Faden verliert hier unten. Das ist die Struktur von Malachi.
Ich habe meine armen beiden Jungs, die jetzt bei uns wohnen, Alexander und Benaja, da durchgequält. Also, die mussten Strukturen in Malachi suchen, und haben dann auch gute Sachen gefunden. Und dann haben wir uns auf die Struktur geeinigt. Eine Struktur, die etwa folgendermaßen aussieht:
Man schaut sich das Buch an und überlegt: Was finde ich denn da so an Themen? Und es ist relativ einfach. Malachi hat eine Überschrift, ja, das ist nicht so dramatisch. Und ganz am Ende, die letzten drei Verse, sind so ein Anhang. Da merkt man auch: Das ist wirklich ein Anhang. Ich werde das predigen, und ich werde es kurz vor Weihnachten predigen, weil es eigentlich ein Anhang ist, der super gut in die Weihnachtszeit hineinpasst. Es ist nämlich eigentlich der Blick ganz nach vorne. Da hört das Alte Testament auf, und die letzten paar Verse schließen nahtlos ans Neue Testament an, als wären diese vierhundert Jahre dazwischen nie gewesen. Aber das ist Zukunft.
Überschrift, Anhang, und dazwischen finden sich insgesamt sieben Textblöcke. Ich habe die euch hier hingemalt: a b c d c' b' a'. Für alle Gäste: Ich bin manchmal so komisch, dass ich das mache, weil mich das total fasziniert. Es fasziniert mich aus einem bestimmten Grund. Wenn ich sehe, dass ein biblisches Buch so aufgebaut ist, also dass der erste Block und der letzte Block irgendwie zusammengehören, dann werde ich hellhörig.
Es geht beides Mal um das Gottesbild. Im ersten Block stellen sich die Israeliten hin und sagen: Gott ist nicht lieb genug. Hat Gott uns wirklich lieb? Im letzten Block sagen sie: Gott ist irgendwie nicht radikal genug. Gott hat die anderen nicht richtig böse lieb, oder sowieso ist er nicht böse genug. Wenn ich so etwas sehe, dass der erste und der letzte Block sich um dasselbe Thema drehen, nämlich: Wie ist Gott?, dann schaue ich mir auch die anderen Blöcke an.
Also, das Thema vom ersten und letzten Block lautet: Der Herr ist kein ferner, desinteressierter Gott, sondern er segnet die Gerechten und er bestraft die Gottlosen. Es geht um das Gottesbild.
Dann schaue ich mir die beiden Blöcke davor an, also den zweiten und den vorletzten Block, und stelle fest: Im zweiten Block, Block B, geht es darum, wie Priester Opfer bringen. Und Gott regt sich darüber auf, zu Recht, dass man ihm Tiere opfert, die es einfach nicht wert sind, geopfert zu werden. Also solche mit halben Ohren und abgeschlagenen Schwänzen und so, wo man einfach sagt: Das ist nicht mal wert, dass du deinem Statthalter so etwas schenkst. Aber für Gott reicht es dann. Und Gott ist dagegen, gegen diese minderwertigen Opfer.
Das Gegenstück dazu: Da geht es um den Zehnten und die Abgaben an den Tempel. Und Gott sagt: Ihr beraubt mich. Also minderwertige Opfer und klägliche Abgaben. Wir merken: Es ist dasselbe Thema. Wie gehe ich mit Gott um, was schenke ich Gott? Da, wo Gott sagt: Ich hätte gerne etwas von dir, was gebe ich ihm?
Das Thema dieser beiden Blöcke, Malachi 1,6-14 und Malachi 3,6-12, lautet: Gott will keine halbherzigen und ungenügenden Opfer. Es geht ihm nicht um Religiosität nach außen, dass man irgendetwas macht, sondern es geht ihm um Herzen, die ihn wirklich ehren und fürchten.

Die Mitte des Buches: Treue als Schlüsselthema

Und dann geht man noch ein bisschen mehr nach innen und stellt fest: Maleachi 2,1-9 und Maleachi 2,10-16 drehen sich um dasselbe Thema, nämlich die Boten Gottes. Im ersten Block sind das die Priester. Priester sind Boten Gottes, gesandt von Gott zu seinem Volk, damit sie ihm die Bibel bringen, damit sie ihm erklären, was Gott möchte. Und im ersten Block versagen die Boten Gottes, sie machen einen schlechten Job. Die Priester erklären dem Volk nicht, worum es geht.
Und dann der Gegenblock: Die Boten Gottes haben plötzlich Erfolg. Da schickt Gott einen eigenen Boten und sorgt dafür, dass das Volk wieder weiß, was Gott selber von ihm will. Und das Thema dieser beiden Blöcke lautet: Wenn Umkehr passiert, wenn ein Volk zu Gott umkehrt, dann braucht es ein erneuertes Priestertum. Es braucht Menschen, die an Gottes Wort festhalten und bereit sind, dieses Wort zu predigen.
So, aber warum Strukturen? Strukturen braucht man, damit man in einem Buch, wo so wunderschöne Themen sind, wie ich sie euch jetzt vorgestellt habe, das ist doch an sich schon schön, oder? Man könnte darüber predigen, dass Gott das Böse hasst und das Gute sucht. Man könnte darüber predigen, dass Gott nicht nur eine religiöse Show will, sondern echte Hingabe. Man könnte darüber predigen, welche Bedeutung Gottes Wort hat und wie wichtig es ist, dass wir auf allen Ebenen unseres privaten und religiösen Lebens das Wort Gottes auch wirklich einsetzen. Aber so schön diese Themen sind, sie sind nicht das zentrale Thema von Maleachi. Und dafür brauche ich eine Struktur. Dafür muss ich kapieren, was wirklich im Zentrum steht.
Und im Zentrum steht dieses eine Thema, Verse 10 bis 16 in Kapitel 2, was keine Entsprechung sonst irgendwo im Text hat. Und da geht es um Treue. Und deswegen heißt das hier in der Überschrift: Sei treu. Und Gott wird ins Zentrum dieses Buches ein Thema stellen: „Ich möchte, dass du treu bist.“ Treu wird das dann aufdröseln in zweierlei Hinsicht, einmal treu im Hinblick auf die Beziehung zu Gott. Das wird ganz konkret festgemacht an dem Problem der Mischehen. Man heiratet Frauen, die nicht gläubig sind, und geht dann auf ihren Götzendienst ein, und dann kommt so ein Kuddelmuddel bei raus im eigenen Leben. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist die Beziehung zu den eigenen Ehefrauen. Das bekannte Wort „Ich hasse Scheidung“ steckt in diesem Text drin. Also Treue, dieses ganz Allgemeine: Gott sucht Treue. Maleachi bricht es ganz eisenhart runter auf die Praxis. Nicht so dieses „Ja, irgendwie so ein bisschen“, sondern runter. Wie sieht es in unserem Leben aus? Das ist Maleachi.
Und da würde ich gerne mit euch durchgehen und heute lediglich die ersten fünf Verse mit euch betrachten.

Der Anfang der Botschaft und die Frage nach Gottes Liebe

Also, wenn ihr eine Bibel habt, schlagt sie jetzt bitte auf. Maleachi findet man ja, wenn man bei Matthäus sucht und dann zurückgeht. Das ist die einfachste Lösung.
 Maleachi 1,1, die Überschrift. Also Maleachi 1,1. Da heißt es: Ausspruch, Wort des Herrn an Israel durch Maleachi.
Über solche Texte kann man natürlich hinweghuschen. Man denkt sich: Klar, irgendwie muss es ja anfangen. Das ist so, als wenn du eine E-Mail kriegst und oben drin steht: Lieber Jürgen. Ja, aber hier steht nicht einfach: Lieber Jürgen oder Hallo ihrs, sondern hier steht: Ausspruch, Wort des Herrn an Israel durch Maleachi.
Und ich glaube, es lohnt sich für uns, wenn wir ja nicht so oft ein alttestamentliches Buch lesen, dann einen Tick mehr darauf einzugehen. Dieser Begriff Ausspruch kann ein Doppeltes bedeuten: einmal Rede, Ausspruch. Er hat aber auch die Bedeutung Last. Und mit diesem Begriff wird die Bürde beschrieben, die Bürde, die jemand trägt, der das Wort Gottes zu anderen bringt, die Bürde eines Propheten.
Ihr kennt das auch. Manchmal trägt man mit einer Botschaft eine Bürde. Manchmal muss man Dinge sagen, die einem schwer auf der Seele liegen. Manchmal geht man hin und sagt: Boah, die Brille sieht gut aus, das ist einfach. Aber manchmal muss man zu Leuten hingehen und muss sie vielleicht zurechtweisen, muss vielleicht bei seinem Chef mal sagen: So geht es nicht. Oder man muss sich vielleicht bei jemandem entschuldigen. Und dann kann eine Botschaft ganz schnell zur Bürde werden. Und man schläft die Nacht vorher schlecht. Und man steht dann, was weiß ich, morgens auf und denkt: Boah, heute ist der Tag, wo ich das sagen muss.
Ja, und dann ist man die ganze Zeit schon in Gedanken. Man will eigentlich vielleicht noch ein bisschen Bibel lesen morgens, aber man schafft es gar nicht so, seine Gedanken richtig von dem Problem wegzulösen. Und das ist das, was Maleachi hier sagt: Ich habe eine Bürde. Es ist mehr als nur: Och, ich habe mal Lust, das letzte Buch der Bibel zu schreiben. Sondern da ist ein Volk, und dieses Volk lebt schlecht mit Gott. Und Maleachi ist so der letzte Prophet, den Gott auf die Reise schickt, damit er dieses Volk dazu bringt, Buße zu tun, umzukehren. Und das ist für ihn eine Bürde, ein Ausspruch, ein Wort des Herrn.
Dieser Begriff Wort des Herrn, Offenbarung: Gott spricht tatsächlich zu Menschen, in diesem Fall ein Wort des Herrn an Israel.

Herkunft, Identität und Gottesbeweis in der Geschichte

Wer ist Israel? Wir würden sofort sagen: Na ja, das Volk Israel. Und das ist völlig richtig. Es ist das Volk Israel. Aber warum heißt das Volk Israel eigentlich Israel? Gute Frage, oder? Warum heißt das Volk Israel Israel?
Israel selbst ist ein Name und heißt Kämpfer Gottes. Wenn man so den Palästinenserkonflikt gerade betrachtet, klingt das sehr archaisch und militäristisch: Kämpfer Gottes. Wo kommt der Name her? Der Name kommt aus einer Zeit weit davor.
Abraham, zweitausend vor Christus, hat einen Sohn. Isaak führt nicht die glücklichste Ehe. Wenn ihr wissen wollt, wie Ehen misslingen, schaut euch ihre Ehe an. Also Isaak und Rebekka: So macht man es nicht. Mit Lieblingskindern und so, Geheimnisse voneinander, das läuft ganz, ganz schlecht zwischen den beiden. Aber trotzdem hat Isaak zwei Söhne. Einer davon heißt Jakob, und der andere Esau. Wunderbar, Rockerchicks, das bringt was. Also Jakob und Esau.
Zwei Söhne, wobei man eigentlich sagen müsste: Esau und Jakob, weil Esau der Erstgeborene ist und Jakob der Zweitgeborene. Jakob hat eine leicht verschlagene Natur, macht dann ein bisschen was durch und bekommt irgendwann von Gott einen anderen Namen. Jakob heißt eigentlich Betrüger, und Gott sagt: Naja, Betrüger klingt nicht so gut, machen wir vielleicht Kämpfer Gottes draus. Gut, dann wird aus Jakob Israel.
Und dieser Name Israel zieht sich dann durch das Alte Testament als Eigenname für das Volk, aber auch andere Namen. Alleine hier in Maleachi könntet ihr das lesen, dass zum Beispiel das Wort Juda, Jakob oder auch Söhne Jakobs steht. Also auch andere Namen können für das ganze Volk stehen. Das müssen wir uns einfach daran gewöhnen. Wir lesen Israel, gemeint ist das Volk. Wir lesen vielleicht Jakob, das Volk ist wieder gemeint. Du liest Juda, wieder ist das Volk gemeint. Du liest Söhne Jakobs, wieder ist das Volk gemeint. Gewöhnt euch einfach daran, so ist es einfach. Da kann man nichts daran ändern. Wir müssen nur verstehen, dass wir nicht ständig nach den Leuten suchen, die schon 1800 Jahre vorher gestorben sind. Die sind nicht mehr gemeint, sondern es ist das Volk gemeint, das aus diesen Leuten herausgekommen ist.
Vers 2: „Ich habe euch geliebt, spricht der Herr. Aber ihr sagt: Worin hast du uns geliebt?“ Er findet das toll. Gott sagt: Ich liebe dich. Und du hast so einen kleinen Stinker vor dir und sagt: Hä, glaube ich nicht. Worin hast du uns geliebt? Das Volk fragt Gott: Sag mal, wir hätten gern einen Beweis dafür.
Nicht so ganz grundsätzlich glaubt das jeder. Ja, ganz grundsätzlich wissen alle, dass das Volk Israel Gottes geliebtes Volk ist. Es gibt eine ganz besondere Beziehung zwischen diesem Volk und Gott. Man sieht das daran, dass Gott dieses Volk in Ägypten herausholt, unter Mose befreit, zu diesem Volk spricht, diesem Volk seine Gebote gibt und dieses Volk dazu beruft, dass es einmal in der Weltgeschichte eine ganz einmalige Sache vollbringen wird. Das ganze Einmalige, wozu das Volk Israel berufen ist, ist, den Messias, den Retter der Welt, hervorzubringen. Dafür ist das Volk Israel in erster Linie da.
Und dieses Volk, das Gott liebt und schon Jahrhunderte vor dieser Frage geliebt hat, dieses Volk stellt sich hin und sagt: Na ja, so ganz grundsätzlich wissen wir schon, dass du uns lieb hast. Ja, damals. Aber heute? Können wir das heute irgendwie sehen, dass du uns heute lieb hast? Gibt es da irgendwas?
Und wenn ich solche Sätze lese, dann halte ich kurz die Luft an, weil ich mir denke: Was für eine Frechheit! Da stellt sich einer hin und sagt: Bäh, mag dich nicht. Was für eine Frechheit. Da steht dieses Volk! Und klar, sie sind gerade ein bisschen frustriert. Sie sind ungefähr vor hundert Jahren wieder zurück ins Land gekommen. Diese ganzen großen Erwartungen, wir kehren heim, haben sich so lala erfüllt. Man hat den Tempel wieder gebaut, ja, aber das messianische Königreich, auf das man wartete, war nicht gekommen. Die Perser herrschten im Land. Und ganz einfach, ganz nüchtern gesagt: Es hat alles so ein bisschen Routine bekommen.
Das mit den Opfern war nicht mehr so bombastisch wie am Anfang, wo man wieder angefangen hatte mit Opfern. Das läuft halt jetzt hundert Jahre weiter. Und in Vers 13 wird Gott zitieren, wie sie darüber denken: Es ist eine Mühsal für sie geworden. Und ganz am Ende von dem Buch fragen sie sich: Lohnt es sich eigentlich, Gott zu dienen? Sind nicht die, die nicht mit Gott leben, genauso dran? Das ist irgendwie schwierig geworden im Land.
Und Gott lässt diese Frage zu. Und Gott sagt: Ich zeige dir mal, wie sehr ich dich lieb habe. Wir machen das mal an einem Beispiel. Hatte Jakob nicht einen Bruder, Esau? Ja, damals waren das zwei, Jakob und Esau. Und Esau war der Erstgeborene. Eigentlich hätte in der Geschichte Esau derjenige sein müssen, der den Segen seines Vaters Isaak erntet. Aber das tut er nicht. Die Linie von Isaak zu Jesus läuft nicht über den erstgeborenen Esau, sondern über den zweitgeborenen Jakob. Und das ist etwas ganz Besonderes.
Also für uns bedeutet das nicht so viel. Aber für die damalige Zeit, wo man sich noch etwas darauf eingebildet hat, wo man herkommt und wohin es geht, da war das eine ganz große Sache, zu sagen: Boah, da vorne steht der Messias, ich stehe voll in der Linie. Das hat die Leute total begeistert. Und zu sagen: Du bist es nicht, obwohl du der Erstgeborene bist, der Ältere, der Jüngere wird es, das war eigentlich eine Frechheit.
Das kann Gott machen, weil Gott Gott ist und er ist absolut souverän. Er kann, wenn es darum geht, Menschen für den Dienst zu benutzen, benutzen, wen er will und wie er will. Aber hier an der Stelle: Hatte Jakob nicht einen Bruder, spricht der Herr, und ich habe Jakob geliebt. Gemeint ist: Ich habe dafür gesorgt, dass in der Linie von Isaak zum Messias nicht Esau, sondern Jakob steht. Das heißt geliebt: Ich habe ihn bevorzugt.
Das heißt nicht, dass Jakob dadurch in den Himmel kommt, dass er supergläubig war oder so. Er war lediglich für diese Aufgabe erwählt.

Gericht über Edom und die Sicht auf Gottes Handeln

Vers drei, jetzt kommt ein ganz schwieriger Satz: Esau aber habe ich gehasst.
Jetzt muss man vorsichtig sein, weil es in der Bibel beim Thema Hass zwei Sorten gibt. Da gibt es einmal diesen fiesen Hass, dieses Richtighassen möchte ich das mal nennen, so richtig zornig sein. Wenn Gott zornig ist, wie er es ist beim Götzendienst, oder wie er es ist, wenn Raub und Unrecht geschieht, oder wie er es ist, wenn jemand unehrlich Gottesdienst feiert, wenn er so eine Show macht, dann ist Gott richtig zornig, wütend, hassig.
Und dann gibt es, wenn man Beziehungen von Menschen anschaut, so ein Wortpaar: lieben und hassen. Das hat eigentlich gar nichts damit zu tun, dass ich den anderen richtig hasse. Es bedeutet eher so viel wie: Ich mag den ein bisschen weniger.
Im Alten Testament gehen wir mal zurück zu Jakob, weil ja eh um den geht es ja. Jakob ist einer, der hatte zwei Frauen, die eine heißt Rahel und die andere heißt Lea. Das Problem ist, er mochte nicht beide gleich. Er wollte eigentlich die Rahel heiraten, dann hat man ihm die Lea untergeschoben. Das ist auch irgendwas: Du wachst am Tag nach deiner Hochzeit auf und denkst dir, wer ist denn das in meinem Bett, das ist doch die Falsche. Dann kommt der Papa von der Lea und sagt, das macht man hier halt so, du kriegst erst die Ältere und dann die Jüngere.
In seinem Kopf war aber völlig klar: Er hängt an Rahel. Und wenn ihr das mal nachlest, in 1. Mose 29, da heißt es in Vers 30: Er liebte Rahel mehr als Lea. Und ein Vers danach heißt es: Und als der Herr sah, dass Lea und jetzt wörtlich gehasst war. Und wir merken schon: Er hasst Lea nicht. Er hat sieben Kinder mit ihr, also so richtig viel hassen war das nicht. Aber so im direkten Vergleich, Rahel, Lea, da war die eine so ein bisschen die Favoritin und die andere war so ein bisschen zweite Wahl. Die hat er mit dazugenommen.
Und so ist das mit Esau und Jakob. Gott hasst Esau nicht und verdammt ihn womöglich zur Hölle oder so. Es ist eher andersherum. Esau ist in der Bibel eigentlich ein ganz netter Charakter. Er kommt am Anfang ein bisschen schusselig rüber und steht dann auch im Neuen Testament irgendwo nicht positiv da, aber da, wo es um Versöhnung geht, ist er ein absolutes Vorbild. Jakob hat nämlich richtig Angst vor ihm, und er kommt ihm entgegen, und Esau versöhnt sich ganz easy mit Jakob.
Und Gott selber schenkt Esau ein Riesengebiet, nämlich das Gebirge Seir, wo er leben soll. Das bekommt er als Geschenk von Gott, damit er einen Platz hat, wo er und seine Familie leben kann. Gott ist für diesen Esau. Aber wenn es darum geht, in dieser Linie zum Messias zu stehen, da sagt Gott: Nein, da stelle ich dich nicht hinein. Da kommt nicht Esau, sondern Jakob rein. Da bist du für mich nur der Zweite, da bist du nicht die erste Wahl, da will ich dich nicht. So, das ist hier gemeint mit Esau aber habe ich gehasst.
Aber jetzt geht es weiter. Esau an sich ist eigentlich eine positive Figur, so zum Ende seines Lebens hin. Nur seine Nachkommen, die sogenannten Edomiter, die halten das nicht. Sondern die werden so eine Art Erzfeind für Israel. Also wann immer sie gegen Israel sein können, machen die das eigentlich auch. Und so kommt es, dass über die Zeit hinweg Esaus Nachfahren wegen ihrer Gottlosigkeit von Gott gerichtet und verflucht werden. Und deswegen heißt es hier: Esau aber habe ich gehasst, und ich habe seine Berge zum Ödland gemacht und seinen Erbbesitz den Schakalen der Steppe überlassen.
Dieses Volk der Edomiter erfährt Vertreibung und eigentlich am Ende auch Auslöschung. Also das Letzte, was man von ihnen mitbekommt: Sie heißen zu dem Zeitpunkt Idumäer, das lesen wir bei Josephus, und das findet etwa siebzig nach Christus statt, dann ist es richtig vorbei. Und vorher schon wird das Land, das sie hatten, eingenommen von den Nabateern. Sie werden richtig verdrängt, kriegen kein Bein mehr auf den Boden in der Geschichte. Und das ist das, was Gott hier an der Stelle sagt.
Vers 4: Wenn Edom sagt: Wir sind zerschmettert, werden aber die Trümmerstätten wieder aufbauen, so spricht der Herr der Heerscharen: Sie werden bauen, ich aber werde niederreißen. Und man wird sie nennen Gebiet der Gottlosigkeit.
Also wenn die Edomiter irgendwann sagen: Okay, wir haben eine draufgekriegt, aber das kriegen wir wieder hin. Wir schaffen uns irgendwie selber wieder eine nationale Identität, wir bauen das wieder auf. Dann wird Gott selber dafür sorgen, dass das nicht gelingt. Dieses Gebiet wird einen Spitznamen bekommen: Gebiet der Gottlosigkeit. Und das Volk wird einen Spitznamen bekommen, es wird heißen: das Volk, das der Herr in Ewigkeit verwünscht hat. Gruseliges Wort.
Und es geht immer noch um die Frage: Woher weiß Israel, dass Gott das Volk liebt? Und Gott sagt: Schau dir doch mal an, was hier passiert ist. Da gibt es auf der einen Seite die Edomiter und da gibt es euch. Ganz am Anfang trifft Gott eine Entscheidung. Er lässt die Segenslinie über euch laufen und nicht über Esau. In der Zwischenzeit ist es aber doch so: Ihr habt euch als Volk daneben benommen, seid ins babylonische Exil geführt worden und wiedergekommen, es gibt euch noch. Dieses Volk hat sich daneben benommen, und es gibt dieses Volk nicht mehr. Und das, was es noch gibt von diesem Volk, ist dabei, vertilgt zu werden.
Und was Gott sich wünscht, ist, dass sie hinschauen. Vers 5: Und eure Augen werden es sehen. Dass sie sehen, wie das Volk der Edomiter versucht, wieder auf die Beine zu kommen, und es klappt nicht. Und eure Augen werden es sehen, und ihr selbst werdet sagen: Groß erweist sich der Herr über das Gebiet Israels.

Anwendung auf das eigene Leben und Blick auf das Kreuz

Wie kann Israel wissen, dass Gott es liebt? Ganz einfach: Sie müssen sich einfach nur anschauen, wie er mit ihnen umgeht.
Warum sage ich euch das? Was hat das mit uns zu tun?
Als ich darüber nachdachte, ist mir aufgefallen: Diese Frage, hat Gott mich lieb?, ist eine Frage, die virulent immer in einer Gemeinde da ist. Es gibt immer Leute, die sich diese Frage stellen: Hat Gott mich wirklich lieb? Ist es wirklich so? Wenn ich so in mein Leben schaue, vor allem wenn ich vielleicht nicht so viel davon mitbekomme, wenn ich nicht den Segen finde, den ich mir wünsche, woher weiß ich, dass Gott mich lieb hat? Wenn es mal hart auf hart kommt, woher weiß ich das eigentlich?
Und das Interessante hier am Text ist, dass Gott diese Frage aufnimmt und seine Antwort lange bevor er auf die eigentlichen Probleme eingeht. Es gibt ja Gründe dafür. Maleachi wird die ja bringen. Es gibt Gründe dafür, warum sie das nicht spüren, dass Gott sie liebt. Es gibt Sünde im Raum, die das unmöglich macht. Aber lange bevor er diese Sünde anspricht, macht er etwas ganz anderes. Und das möchte ich mit euch einfach auch machen: Er sagt, lasst uns doch einfach mal wegschauen vom Heute und einen Blick in die Vergangenheit tun.
Ich durchdachte mein eigenes Leben und stellte fest: Wenn man ins Heute hineinblickt, wenn man sich heute anschaut, dann ist es manchmal richtig schwer, Segen zu sehen. Du wachst morgens auf, hast einen Brummschädel, denkst dir: Super Tag. Du wurschtelst dich irgendwie durch den Tag durch, fällst abends wieder ins Bett und denkst dir: „Na, ein bisschen mehr beten hättest du schon können.“ Das ist die Realität. Ja, das ist das. Und wenn dann die Frage kommt: „Liebt dich Gott?“, musst du sagen: „Ja, wahrscheinlich schon irgendwie, aber war jetzt gerade nicht so viel zum Spüren heute.“
Wenn ich aber jetzt Folgendes mache, wenn ich einfach mal nicht den Tag mir anschaue, sondern genauso wie Gott das hier tut, wenn ich einfach mal so ein Stückchen zurückschaue, also wenn ich einfach mal statt einem Tag ein Jahr, fünf Jahre, zehn Jahre und, die ihr länger dabei seid, zwanzig Jahre vielleicht zurückschaue, wenn ich quasi Geschichte benutze, genauso wie Gott hier dem Volk Israel Geschichte, Geschichtsunterricht gibt: Denkt doch mal zurück.
Wenn ich zurückschaue, dann sehe ich plötzlich so eine Segensspur durch mein Leben hindurchlaufen. Das ist ganz merkwürdig. Wenn ich heute hinschaue, dann könnte ich manchmal so sagen: Aber wenn ich zurückschaue, dann fällt mir das ein und das ein. Dann denke ich: Ja, da ist hier was entstanden. Boah, erinnerst du dich noch daran? Und da und da und da und da. Und dann ergibt sich so eine Entwicklung.
Und ich glaube, dass das etwas ist, was Gott möchte. Wenn wir uns die Frage stellen, ob Gott uns lieb hat, dann muss unser Blick nicht am Heute hängen bleiben, sondern dann müssen wir zurückschauen auf den Anfangspunkt, wo alles angefangen hat. Das ist bei uns nicht Esau und Jakob. Bei uns ist das ein Kreuz. Ein Kreuz, an dem sich unser Leben, unser Schicksal entschieden hat, wo unsere Lebensspur oder unsere Segensspur so eingeschwenkt ist in Richtung auf Gott, wo wir Vergebung unserer Schuld erfahren haben, wo wir einen Zugang gefunden haben zu seinem Wort, wo wir hineinberufen worden sind in eine Gemeinschaft, wo unser Leben einfach auf den Kopf gestellt wurde und wo nichts mehr im Rückblick hat bleiben können, wie es war.
Nochmal: Wenn wir uns die Frage stellen, hat Gott uns lieb, dann brauchen wir diesen Blick zurück ans Kreuz. Und von da aus müssen wir unser Leben betrachten. Und dann werden wir, denke ich, alle zu Recht sagen: Ja, Gott hat mich wirklich lieb, angefangen von diesem Moment am Kreuz, wo er meine Schuld nimmt, auf sich lädt und bezahlt, damit ich leer ausgehe.

Übergang zum Abendmahl und Einladung zur Teilnahme

Und wir wollen heute, wir wollen jetzt gemeinsam Brotbrechen feiern. Brotbrechen, Abendmahl, wir haben manche Gäste da. Ich möchte so viel vorneweg sagen:
Wenn wir Brot und Wein, wir haben hier so kleine Lämpchen mit Wein und wir haben Brot, wenn wir das unter uns verteilen, dann tun wir das, weil Jesus gesagt hat, dass wir es tun sollen. Wir tun es, weil Jesus gesagt hat, dass er sich das wünscht, dass wir regelmäßig daran denken, was das Fundament unseres Glaubens ist.
Und dieses Fundament ist nicht unsere Klugheit, nicht unsere Bildung, nicht unser Geld, nicht unsere Gemeinschaft. Das Fundament ist, dass er für uns gestorben ist.
Und an dem Abend, wo das passiert, wo er gefangen genommen wird, trifft er sich mit seinen Jüngern, und sie feiern noch einmal das Passa miteinander. Und mitten hinein in dieser Passafeier setzt der Herr Jesus zwei Zeichen ein: das Essen von einem Stück Brot. Und er sagt, dieses Stück Brot steht für meinen Leib. Da ist etwas, das muss man zerbrechen, das muss man in sich aufnehmen.
Und das Zweite ist ein Kelch mit Rotwein. Wir haben viele kleine Kelche daraus gemacht, aus hygienischen Gründen, aber es bleibt das gleiche Zeichen. Da wird etwas Neues begonnen. Der Herr Jesus sagt, ein neuer Bund wird gestiftet. Es gibt eine neue Verbindung zwischen Gott und Mensch.
Und wir wollen als Gemeinde jeden einladen, an diesem Mahl teilzunehmen, sich ein Stück Brot zu nehmen, so einen kleinen Kelch. Wir wollen jeden einladen, während des nächsten Liedes still zu werden vor Gott. Ihr könnt mitsingen, aber ihr könnt einfach auch zuhören und diese Entscheidung für Gott, diesen Blick zurück ans Kreuz zu tun und zu sagen: Ja, da sehe ich, da schmecke ich, da erfahre ich Gottes gute Liebe zu mir. Dann mit uns zu feiern.
Und wenn du sagst: Ja, ich bin gläubig, ich habe eine lebendige Beziehung zu Gott, für mich ist Brotbrechen, Abendmahl, mehr als nur ein Ritual, ich bin womöglich schon getauft, ich habe da ein klares Standing gemacht für Gott, dann nimm bitte daran teil, auch wenn du nicht hier regelmäßig zur Gemeinde kommst.
Und wenn du sagst: Nee, ich habe das mit Gott noch gar nicht so richtig verstanden, ich weiß nicht, ob diese Sündenvergebung stattgefunden hat. Ich weiß nicht, ob mein Leben wirklich schon Gott gehört. Ich habe da Vorbehalte, ich habe da Zweifel. Wenn das so ist, dann lass es einfach vorbeigehen, hör dir dieses Lied an. Vielleicht findest du diesen Moment auch passend, um dein eigenes Leben Gott zu geben und zu sagen: Ich mache jetzt ganze Sache mit Gott, ich lasse diese Wackelpartie, ich löse die einfach mal auf. Das wäre auch möglich.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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