Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode sieben
Einführung: Vom Kind Gottes zum Menschwerden Gottes
Und das Wort wurde Mensch. Gestern haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie ein Mensch Kind Gottes werden kann. Dabei haben wir gelernt, dass sich alles darum dreht, den Herrn Jesus aufzunehmen und an seinen Namen zu glauben.
Bevor wir uns der Menschwerdung Gottes zuwenden, wollen wir noch schnell drei Dinge betrachten, die mich nicht zu einem Kind Gottes machen. Johannes 1, Vers 13 sagt: „die nicht aus Blut, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“
Fangen wir hinten an. „Aus Gott geboren“ – dieses Motiv werden wir mindestens im Johannesevangelium noch öfter finden. Ein Kind Gottes, also ein Christ, muss zweimal geboren werden. Einmal ganz normal, mit geplatzter Fruchtblase, Kreissaal und Hebamme, und dann noch einmal geistlich, aus Gott.
Was nicht zum Kind Gottes macht
Frage: Was funktioniert dabei nicht?
Nicht ausgeblüht, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, nicht ausgeblüht. Der Begriff „geblüht“ hat mit der eigenen Familie zu tun. Familie sind Blutsverwandte. Ich werde nicht dadurch ein Kind Gottes, dass ich aus der richtigen Familie stamme.
Es reicht also nicht, dass ich Eltern habe, die schon Christen sind. Das ist an und für sich super, weil ich an meinen Eltern sehen kann, wie der Glaube an Jesus ihren Charakter, ihren Umgang miteinander und ihr Leben prägt. Das ist vielleicht das beste Zeugnis für die Echtheit des Evangeliums, das ich bekommen kann.
Aber auch wenn ich eine gläubige Mutter habe, die täglich auf den Knien für mich betet, und einen gläubigen Vater, der die Bibel liest und Jesus als seinen Herrn treu nachfolgt, macht mich das nicht zu einem Kind Gottes.
Nicht aus dem Willen des Fleisches. Das Fleisch steht in der Bibel für meine eigene Kraft. So wie man sein Fleisch, das heißt seinen Körper, anfassen kann, ist der Wille des Fleisches eine Beschreibung dessen, was ich aus eigener Kraft, aus eigener Anstrengung, also mit Fleiß, Entschlossenheit und Einsatz, selber schaffen kann.
Ich kann so viel Gutes tun, wie ich will. Ich kann ein super netter Typ sein, den alle mögen. Ich kann mich anstrengen, aber wenn ich nicht Jesus aufnehme und an seinen Namen glaube, dann werde ich nicht von neuem geboren. Dann bin ich kein Kind Gottes.
Kommen wir zum dritten und letzten Punkt: Nicht aus dem Willen des Mannes oder der Frau. Es geht jetzt nicht um meinen Einsatz, sondern um das, was andere Menschen für mich tun.
Niemand kann mich zu einem Kind Gottes machen, egal was er tut. Ich selbst muss Jesus aufnehmen und an Jesus glauben. Nur weil ich eine gläubige Mitschülerin habe, die seit der sechsten Klasse für mich betet, nur weil meine Eltern mich als Baby getauft haben oder weil auf dem Sommerlager die Mitarbeiter fest davon überzeugt waren, dass ich das Evangelium verstanden hatte – all das reicht nicht, wenn ich nicht selbst Jesus einlade, ihn aufnehme, an ihn glaube und dann mit ihm lebe.
Nicht meine Herkunft, nicht mein Einsatz und nicht das, was andere Menschen für mich tun, kann mich zu einem Kind Gottes machen. Ich muss aus Gott geboren werden, und das ist das Vorrecht derer, die den Herrn Jesus aufnehmen und an ihn glauben.
Die Offenbarung Gottes im Menschwerden
Und weil es so wichtig ist, wiederholt Johannes den Gedanken von dem Gott, der zu den Seinen kam, noch einmal.
Bei ihm finden wir nicht nur durch den Glauben das Recht, Kind Gottes zu werden, sondern er offenbart uns den Vater im Himmel auf eine noch nie dagewesene Weise.
Johannes 1,14: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Das Wort wurde Fleisch – der Teil der göttlichen Dreieinigkeit, den Johannes „Wort“ nennt, wird Mensch.
Durch den Heiligen Geist wird etwa im Jahr vier vor Christus in Galiläa eine Jungfrau mit dem Namen Maria schwanger.
Vierzig Wochen später wird ein Baby geboren: Jesus. Seine Mutter ist Maria, sein Vater ist Gott, der Heilige Geist.
Gottes Gegenwart und die Einzigartigkeit der Menschwerdung
Schon aus dem Alten Testament wissen wir, dass Gott einerseits überall ist. Man spricht dabei von seiner Omnipräsenz. Andererseits kann er auch in Form von Engeln oder Menschen sichtbar werden. Dies nennt man Theophanien, also Gotteserscheinungen.
Gott kann also gleichzeitig überall sein und sich an einem Ort auf besondere Weise zeigen. Das ist die Sichtweise im Alten Testament.
Neu im Neuen Testament ist die Tatsache, dass Gott nicht einfach erscheint, sondern Mensch wird. Er durchläuft dabei das volle Programm: befruchtete Eizelle, Embryo, Kind, wird Teil einer Familie und somit Teil der Menschheit.
Das Geheimnis der Inkarnation veranschaulicht
Um zu verstehen, was hier passiert, ein Beispiel: Wenn ich als Prediger auswärts gefragt werde, wie meine Frau aussieht, hole ich gern mein Portemonnaie heraus, zeige ein Bild von meiner Frau und sage dann: Das ist meine Frau.
Obwohl ich nur ein Foto meiner Frau zeige, ist niemand überrascht. Das Foto ist natürlich nicht wirklich meine Frau Bärbel, sondern nur ein Bild von ihr. Und doch ist das Bild auch irgendwie meine Frau – so gut es eben geht. Dabei bleiben aber einige Dinge auf der Strecke.
Diese Fotofrau kann mich nicht küssen, nicht mit mir reden, keine Lasagne kochen – es ist eben nur ein Foto. Und doch kann so ein Foto deutlich machen, wie hübsch meine Frau ist, welche Farbe ihre Augen haben und dass ihr Rosa zum Beispiel super gut steht.
Beim Sprung vom menschlichen Original zum zweidimensionalen Foto ist also eine ganze Menge verloren gegangen. Dasselbe gilt für Jesus. Für ihn war der Sprung aber nicht vom Menschen zum Foto, sondern von Gott zum Menschen.
Der Apostel Paulus beschreibt, was es Jesus gekostet hat, Mensch zu werden. In Philipper 2,7 heißt es: „Aber er, Jesus, machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist.“
Die Eigenschaften Gottes und die Menschwerdung Jesu
Das Wort wurde Fleisch. Gott wird Mensch, und dabei bleiben alle Eigenschaften Gottes, die Gott zu Gott machen, auf der Strecke.
Ein paar Beispiele: Gott kann nicht vom Bösen versucht werden, das steht in Jakobus 1,13. Jesus wird in der Wüste vom Teufel versucht. Gott ist allwissend, doch als Mensch ist Gott, das Wort, plötzlich nicht mehr allwissend. Auf die Frage, wann die Dinge passieren, von denen Jesus in der Endzeitrede spricht, gibt er unumwunden zu: „Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater“ (Markus 13,32).
Gott ist allmächtig. Jesus ist einmal so erschöpft, dass er trotz Sturm und Wellen in einem Boot einschläft. Gott ist allgegenwärtig. Als Mensch kann Jesus nur „an einem Ort zu einer Zeit sein“.
Es ist wichtig, dass wir das verstehen: Gott wird Mensch, nicht Halbgott, sondern Mensch, und lebt das Leben, das wir hätten leben sollen.
Jesus als ganz Mensch und ohne Sünde
Er ist ganz Mensch, jedoch mit einer Ausnahme (Hebräer 4,15). Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der kein Mitleid mit unseren Schwachheiten haben könnte, sondern einen, der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist – doch ohne Sünde.
Ganzmensch, aber ohne Sünde. Ganzmensch bedeutet, dass Jesus ganz normal war. Er war ein Baby mit Blähungen, ein kleines Kind, das Reden, Lesen, Schreiben, Gehorsam und später als Jugendlicher auch einen Beruf erlernen musste. Ganz Mensch, aber ohne Sünde.
In der Krippe lag kein Baby, das schon alles wusste, schon sprechen konnte oder Zaubertricks beherrschte, sondern ein Baby, das schrie, wenn es Hunger hatte oder die Windel voll war – ganz Mensch.
Die Bedeutung der Wunder Jesu
Frage: Was ist dann mit den Wundern Jesu? Und manchmal weiß er doch, was andere Menschen denken, und die Heilungen? Das zeigt doch, dass er kein normaler Mensch war.
Falsch! Alle Wunder, Prophetien oder Heilungen, die Jesus vollbringt, tut er aus der Kraft des Heiligen Geistes. Es ist wichtig, dass wir das verstehen.
Seine Wunder sind kein Zeichen seiner Göttlichkeit, sondern seines Gehorsams. Ich sage das gern noch einmal: Seine Wunder sind kein Zeichen seiner Göttlichkeit, sondern seines Gehorsams.
Jesus zeigt uns, was es bedeutet, auf vollkommene Weise im Geist zu wandeln und den Geist Gottes durch das eigene Leben wirken zu lassen.
Beispiel für den Geisteseinsatz Jesu
Ein Beispiel: Als die Pharisäer Jesus vorwerfen, dass er Dämonen durch den Oberdämon austreibe – sie nennen ihn Beelzebul –, antwortet Jesus in Matthäus 12,28: „Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe…“
Für Jesus ist also völlig klar, dass nicht er selbst die Dämonen austreibt, sondern dass der Geist Gottes durch ihn wirkt.
Was für die Austreibung von Dämonen gilt, gilt ebenso für Wunder, Prophetien, Heilungen oder auch Lehre. All diese sind Geistesgaben, die später von den Aposteln durch denselben Heiligen Geist praktiziert werden.
Die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißung
Das Wort wurde Fleisch, ganz Mensch, einer von uns. So beschreibt es Jesaja in Jesaja 9,5: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens.“
