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Lukas 6,20-49: "Nachfolge für Ex-Sünder"

Lukas 6,20-6,4911.01.2009
Serie•Teil 12 / 53Lukas-Evangelium
Jesus stellt alles auf den Kopf: Glück hängt nicht an Geld, Anerkennung oder Komfort. Wer ihm folgt, lernt lieben, loszulassen und sein Leben auf festen Grund zu bauen.

Einordnung in die Reihe und Hinführung zum Text

Wir sind bei Teil vier angekommen, Teil vier einer Reihe mit der Überschrift vom Umgang mit Sünde und Sünden. Wir stecken immer noch mitten im Lukasevangelium, werden da auch noch eine Weile bleiben und wollen uns heute anschauen: Lukas 6,20-49.
Und ich gehe noch einmal einen Schritt zurück in Lukas 3 und 4, wer sich noch erinnert, letztes Jahr. Da haben wir uns mit der Person Jesu auseinandergesetzt. Ich habe euch gezeigt, wie Jesus in diesen beiden Kapiteln vorgestellt wird, wie er auf der einen Seite Gottes geliebter Sohn ist, der wirklich ganz anders ist, wie er dann wieder ganz Mensch ist, wie er standhaft ist gegenüber der Versuchung, in eine Welt hineinkommt von Menschen, die geistlich arm sind, die in ihrer Sündhaftigkeit Gefangene sind, die von ihren Lebensumständen niedergedrückt werden, denen Durchblick im Leben fehlt.
Wie Jesus eine Welt betritt, in der ein Kampf tobt, ein ganz realer Kampf um Seelen, und wie er sich darauf einlässt, wie er auf Menschen zugeht, wie er Menschen in die Nachfolge beruft, wie er das macht, dass Menschen Sündenvergebung bekommen und zu einem ganz neuen Leben befähigt werden. Das ist das, was hinter uns liegt, das haben wir uns angeschaut.
Wir haben uns angeschaut, wie aus galiläischen Fischern, Zöllnern und Terroristen, das habe ich euch beim letzten Mal, da war keine Zeit mehr, nicht gesagt. Wenn wir mal kurz noch in den Text vom letzten Mal reinschauen, Lukas 6,15, da heißt es so ganz nett über einen, da ist die Auflistung der zwölf Apostel, und über einen heißt es da, Lukas 6,15: Simon der Eiferer oder der Zelot. Die Zeloten, das waren, wir würden heute sagen, Widerstandskämpfer oder eben Terroristen.
Und jetzt müsst ihr euch vorstellen, wen Jesus da in seine Mannschaft beruft. Auf der einen Seite Levi oder Matthäus, den Zöllner, den Kollaborateur, der, der quasi aus den Römern und der Zwangsherrschaft der Römer so seinen persönlichen Gewinn gezogen hat. Und auf der anderen Seite Simon, einer, der sagt: Nur ein toter Römer ist ein guter Römer. Und die beiden, modern wäre das: du nimmst einen israelischen Soldaten und einen Kämpfer der Hamas und sagst, ihr beide seid jetzt alle in meinem Team.
Dann merkt ihr, was Gemeinde ist, ein sehr spannendes Ding. Hier werden Leute zusammengezogen, und Jesus sagt: Wenn ihr mir folgt, dann könnt ihr diese Unterschiede in meiner Nachfolge überwinden. Ihr sollt ein Team werden, ihr sollt euer altes Leben hinter euch lassen, ihr sollt wie der Gelähmte, der gesund wird und wieder laufen kann, ein ganz neues Leben leben.
Und so werden hier Menschen zu Prototypen, zu Prototypen von dem, was es heißt, ein Jünger zu sein. Sie verlassen diese alten Wege, die ihnen bekannt waren, Wege einer selbstgerechten Frömmigkeit, vielleicht auch eines selbstverliebten Judentums, das, was die Schriftgelehrten und Pharisäer ihnen vorgelebt haben. Und an die Stelle dieses Frömmigkeitsdenkens, wo ich meine eigenen selbstgemachten Regeln habe, wo ich in einem System lebe, das sehr geprägt war von Selbstdarstellung, ich musste nach außen gut aussehen, an die Stelle dieses Frömmigkeitsbegriffes tritt ein Leben, das sich ausrichtet an Jesus.
Ich habe Jesus als mein Vorbild, ich hänge an diesem Jesus. Und später wird Paulus einmal sagen, wo der Vorwurf im Raum steht, ob er jetzt womöglich ohne Gesetz lebt, da wird er sagen: Nein, ich lebe unter dem Gesetz Christi. Und wenn man diesen Vers, das ist aus 1. Korinther 9,21, genau nimmt, dann meint er: Christus ist mein Gesetz, ich bin Christus wie einem Gesetz unterworfen.
Und ich möchte euch das erklären, weil das wichtig ist für das, was ich heute predige. Und ich will mein Lieblingsbeispiel bringen, und das sind meine dreckigen Unterhosen. Ja, meine Frau schmunzelt immer, weil ich es schon so oft gebracht habe, aber es ist einfach das beste Beispiel, um Liebe zu erklären. Ja, natürlich, wir stehen unter dem Gesetz Christi, wie ich unter dem Gesetz der Bärbel stehe. Was heißt das? Ich liebe meine Frau. Und weil ich meine Frau liebe, kann ich nicht sagen: Ich liebe dich, und dann gleichzeitig in meinem Umgang mit ihr einfach die Dinge, die ihr wichtig sind, ignorieren. Das geht einfach nicht.
Ich muss mich entscheiden. Wenn ich sage, ich liebe dich, dann muss ich auch das tun, was meiner Frau gefällt. Meine Frau hat wahrscheinlich wie alle Frauen so diesen inneren Drang, dass Männer regelmäßig ihre Unterhose wechseln und ihre alten Unterhosen auch in den Wäschekorb stopfen, dass sie nicht einfach rumfliegen. Also, weil ich das weiß, dass meine Frau das möchte, ja, den Rest könnt ihr euch denken. Ich kann nicht sagen, ich liebe sie, und dann sagen: Ich lasse meine Unterhosen ständig herumliegen, soll sie doch wegräumen, wenn sie das unbedingt möchte. Das geht nicht.
Ich kann nicht sagen, ich liebe meine Frau, und dann: Bärbel macht ja ein Studium, hat neu angefangen, Grundschullehramt. Ich liebe dich, mach das ruhig, aber ich werde mich nicht einschränken dafür, das ist mir völlig egal, man kriegt das irgendwie auf die Reihe, aber ich helfe dir nicht. Das geht nicht. Wenn ich sage, ich liebe dich, dann wird der andere mit seinen Bedürfnissen und auch mit seinen Grenzen für mich zum Gesetz. Dann muss ich irgendwie überlegen: Wie kann ich dieser Liebe Ausdruck geben?
Und das gilt auch für Jesus. Wenn wir sagen, wir lieben Jesus, dann ist das, was Jesus sagt und was Jesus möchte, für uns Gesetz. In Lukas 6,46 sagt Jesus: Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage? Wie kann es sein, dass du sagst: Herr Jesus, und im Leben ist das, was dieser Herr will, für dich völlig uninteressant?
Wir werden uns heute mit dem Thema beschäftigen, dass Nachfolge kein Schritt ist in ein Leben des Lustprinzips, sondern dass Nachfolge eine ganz bewusste Entscheidung ist, Jesus als Herrn in seinem Leben aufzunehmen. Jesus wird der Chef meines Lebens, er wird mein Boss, er wird mein Vorgesetzter, mein Vorbild, er wird wie meine Frau halt. Wenn ich sage, ich liebe den Herrn Jesus, dann muss ich irgendwie auch das tun, was er sagt. Er darf die Vorstellungen von Leben haben und verwirklichen in meinem Leben, die er hat.
Wenn Jesus sagt: Hey, das finde ich gut, mach das, dann sage ich auch: Ja, das finde ich auch gut, das finde ich auch super, das will ich gerne machen. Das taugt nichts, Finger weg! Dann möchte ich derjenige sein, der sagt: Okay, lasse ich die Finger davon.
Wir werden uns also heute in Lukas 6, ab Vers 20, mit der Frage auseinandersetzen: Wie verhalten sich denn jetzt diese Ex-Sünder, die Jesus da in seinem Apostelteam zusammengefügt hat? Was macht denn deren Leben aus? Und ich möchte drei Punkte bringen.
Der erste Punkt heißt: Sie machen ihr Glück nicht an den Umständen fest, sondern an Jesus. Für ihn zu leben ist ihr wahres Glück. Jetzt merkt ihr, warum die Lieder unglaublich gut passten, die wir zum Schluss gesungen haben.
Wir lesen Lukas 6,20-23:
Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig seid ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes. Glückselig die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glückselig die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft, und siehe, euer Lohn ist groß in den Himmeln. Denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.
Ihr wisst, wir fliegen immer so ein bisschen über den Text, schauen uns nicht jeden einzelnen Aspekt an, werden wir heute auch nicht tun. Der Clou in diesem Text ist der Satz: um des Sohnes des Menschen willen. Normalerweise sind Armut und Hunger und Weinen und Verfolgung das absolute Gegenteil von Glück, und glücklich sind die Reichen, die Satten, die, die Spaß haben, die, die jeder mag.
Und was Jesus hier sagt, ist: Die Jünger Jesu sind privilegiert. Natürlich können wir, wir wollen das nicht haben, wir können Reichtum genießen und Essen und frohe Stunden und Freundschaft, aber wenn der Wille Gottes es anders will, wenn er uns anders führt, dann sind diese Dinge, die normalerweise das Glück kaputt machen, nicht das Ende vom Glück. Warum? Weil wir wissen, dass Armut und Hunger und Weinen einmal kompensiert werden wird, dass Ausgrenzung um Jesu willen großen Lohn hat.
Es ist verrückt, das hier zu predigen, oder? Wir leben doch in einer Zeit, wo Armut nicht unser Ding ist. Hunger? Ich meine, Hand hoch, wer keinen Kühlschrank zuhause hat, wo noch was drin ist. Ich habe einen Tiefkühler. Ja, nur einen kleinen. Aber da ist genug Tiefkühlpizza für die nächsten vier Wochen wahrscheinlich drin. Also, das ist so weit weg, was hier steht.
Und trotzdem, das ist die Botschaft der Jünger. Und weltweit, auch wenn uns das so fremd vorkommt, geschieht genau das, was hier steht. Gott schickt arme, hungrige und weinende Jünger, obwohl er weiß, dass man sie ausgrenzen wird, in eine Welt voller Armut und Hunger und Traurigkeit, damit sie als Apostel, als Propheten Gottes genau an der Stelle wirken, wo Leid eine Realität ist.
Und Jesus weiß ganz genau, was es heißt, ausgegrenzt zu werden. Wir haben das gelesen in Lukas 5. Kaum fängt er an, jemanden heilzumachen. Kaum tauchen da die Ersten in Jerusalem auf und sagen: Ich bin vom Aussatz geheilt worden, ich möchte das jetzt mal hier anzeigen, ich möchte wieder aufgenommen werden in die Gesellschaft. Kaum passiert das, dass Jesus sich offenbart, dass der Arzt, der wirklich gesund machen kann, findet schon so die erste Versammlung der Gegner statt. Und es dauert gar nicht lange, da geht es nur noch um die Frage: Wie werden wir denn wieder los? Wie werden wir diesen komischen Wanderprediger aus Galiläa wieder los?
Die Verse 24 bis 26, Lukas immer noch Kapitel 6, kommen jetzt das Gegenstück. Da heißt es:
Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten.
In Vers 20 geht es um die Jünger, er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glücklich seid ihr! Hier kommt jetzt eine neue Gruppe dazu, Vers 24: Wehe euch Reichen. Er sieht andere Leute, und es entstehen irgendwie zwei große Gruppen. Auf der einen Seite die Armen und die Hungrigen und die Weinenden und die Verachteten um Jesu willen, ganz wichtig, und auf der anderen Seite die Reichen, die Satten, die Spaßvögel, die allseits Beliebten.
Man könnte auch sagen: Auf der einen Seite die, über die man lacht, die man für die Verlierer hält, und auf der anderen Seite die, die man beglückwünscht, weil man sie für die Gewinner hält. Ich möchte euch das an einem Beispiel deutlich machen, ein Beispiel, das wir hier genau in der Bibel haben: Levi.
Vor seiner Bekehrung war er ein Zöllner. Man hat ihn wie die anderen Zöllner auch gehasst, man hat ihn ausgestoßen, man hat ihn verunglimpft, schlecht über ihn geredet. Und dass man schlecht über ihn geredet hat, das war jetzt kein Punkt, dass er jetzt deshalb glückselig war, in dem Sinn, wie Jesus das hier meint. Warum? Weil man schlecht über ihn geredet hat, aber es war nicht um Jesu willen, geistlich gesehen.
Gehörte Levi vor seiner Bekehrung zu den Reichen, Vollen, Lachenden? Ziemlich genau die Beschreibung wahrscheinlich der Leute, die bei seiner Party hier, Lukas 5, ab Vers 27, dieser nach seiner Bekehrung diese Feier, ja, das waren Leute, denen ging es eigentlich gut. Nach seiner Bekehrung gibt Levi seinen Beruf auf. Jetzt verkündigt er das Evangelium.
In einer Hinsicht ändert sich nichts. Die Leute reden immer noch schlecht über ihn. Ja, also vorher hatten die Pharisäer ihn verachtet, weil er ein Zöllner war, und jetzt verachteten sie ihn als einen Nachfolger Jesu. Und sie verachteten seinen Auftrag, Zöllner zu bekehren. Levi wird tatsächlich arm, er verliert etwas. Und er erfährt genau das, was hier steht: Verachtung. Und warum? Um Jesu willen.
Da ist jemand, der sich bewusst auf diesen Weg einlässt. Und das ist das, was Jesus hier sagt. Wenn wir seine Jünger sein wollen, dann ist das ein ganz bewusstes Ja dazu.
Ich möchte mal die nächsten Verse lesen, 27-31:
Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet die, die euch fluchen, betet für die, welche euch beleidigen. Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar. Und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Unterkleid nicht. Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, so tut ihr ihnen auch.
Wenn du bereit bist, ein Leben zu leben, wo du sagst: Ich lasse mich ein um Jesu willen, Armut, Ablehnung, Weinen, Hunger, ich lasse das zu, dann ist das große Problem, die große Gefahr, die so jemandem begegnet, dass wir irgendwann sagen: Wir wollen nicht mehr mit den Menschen. Du kannst nur ein gewisses Maß an Ablehnung ertragen, du willst das irgendwann nicht mehr, du wirst so jemand, der Menschen nicht mag.
Und deswegen ist der Punkt, der hier kommt, wenn wir die Frage stellen, wie verhalten sich Ex-Sünder, immer der, dass wir auf der einen Seite sagen müssen: Sie machen ihr Glück tatsächlich nicht von ihren Umständen abhängig. Wenn wir sagen, wir sind glücklich, dann nicht, weil wir satt, weil wir spaßig, weil wir beliebt sind, sondern weil wir Jesus haben.
Der zweite Punkt ist aber: Das ist nicht alles. Wir leben nicht einfach nur ein Leben, das sein Glück in Jesus findet, sondern wir sind bei alledem ein Vorbild im Lieben, und wir spiegeln Gottes Charakter wider. Also es geht nicht darum, irgendwie durchzukommen, zu sagen: Ja, um Jesu willen ertrage ich das jetzt, sondern es geht darum, in dieser Situation, wo es mir wirklich schlecht geht. Und wir hatten das gestern.
Wir haben gestern Abend ein Gespräch am Telefon, meine Frau hat gestern eine Stunde am Telefon geheult, weil es ein super schweres seelsorgerliches Gespräch gab und ihr sind die Tränen geflossen. Du weinst und du möchtest am liebsten sagen: Komm, lass uns die Sache hinschmeißen, komm, lass uns aufhören, uns mit Menschen zu beschäftigen. Lass uns einfach so noch irgendwie wieder einen Job suchen, irgendwas Gemütliches von acht bis siebzehn Uhr im Büro und Ende der Durchsage.
Und dann sagst du: Nee, nee, das ist nicht unsere Berufung. Der Weg geht manchmal durchs Weinen, aber unsere Berufung besteht darin, in einer Welt zu wirken und ein Vorbild zu sein im Lieben und Gottes Charakter wiederzuspiegeln. Das ist das, was ich hier gerade vorgelesen habe. Es geht darum, wo Menschen uns Böses tun, wo Menschen auf uns zukommen in ihrer ganz normalen, verlorenen Art, zu sagen: Hey, ich ertrage dich, ich will dich, ich will dich lieben.
Verse 32 bis 34 heißt es:
Und wenn ihr liebt, die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben, die sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank habt ihr? Auch die Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche wieder empfangen.
Gott schickt seine Leute in eine Welt, damit sie sich besser verhalten als die Sünder. Also wir können uns überhaupt nichts darauf einbilden, wenn wir gerade so viel Liebe üben, wie das in einer Gesellschaft, ich sage mal so, unter Mitgliedern einer Gruppe üblich ist. Ich habe versucht, Beispiele zu finden, und ich kam blöderweise nur auf die Hells Angels.
Also, wenn du so ein Motorradclub bist und du bist in einem solchen Motorradclub, und üblicherweise sind das vielleicht nicht die Typen, mit denen ihr zu viel Umgang habt, aber wenn da einer sagt: Meine Maschine ist kaputt, dann kommt der andere und sagt: Na klar, helfe ich dir beim Reparieren. Das ist nichts Besonderes. Natürlich kommt er und erfährt an der Stelle Unterstützung, und Jesus will mehr.
Jesus sagt, wir sollen lieben, und zwar unsere Feinde. Wir sollen Menschen lieben, die uns hassen, Menschen, die uns unterdrücken, Menschen, die uns mobben, Menschen sogar, die uns berauben. Das ist das, was Jesus sagt. Wir sollen ihnen Gutes tun, hier steht im Text, wir sollen sie segnen, für sie beten, freigebig sein, Böses ertragen.
Ich möchte ganz kurz sagen: Das Ertragen von Bösem hat Grenzen. Es ist nicht sonderlich klug, zu denken, dass da nicht auch Selbstverteidigung etwas Biblisches ist. Du darfst dich selber verteidigen, du darfst vor Gericht gehen, du darfst die Polizei rufen, wenn jemand bei dir einbricht. Das ist alles okay.
Und trotzdem sind wir dazu berufen, diese Gewaltspirale, die sich dreht, so weit es in unserer Macht steht, einfach aufzuhalten und einfach zu sagen: Stopp, ich möchte mich dagegen stellen. Ich möchte da, wo jemand mir, wie hätte ich gesagt, als ein Arsch begegnet und sich wirklich blöd benimmt, da möchte ich nicht sagen: Tja, ich brauche nur die richtige Situation, dann zahle ich es dir heim. Das ist nicht christlich.
Was Gott möchte, ist, dass da einer ist, der hinter meinem Rücken zu meinem Chef geht und mich schlecht macht. Und dann kommt der vielleicht zwei Tage später, nicht um sich zu entschuldigen, sondern weil er irgendwo ein Problem hat. Und ich stehe da und denke: Jetzt zahle ich es dir heim. Und Jesus sagt: Gib jedem, der dich bittet. Ja, du kannst ihm jetzt helfen, er braucht wirklich jetzt deine Hilfe.
Und wir sind dazu berufen, nicht zu sagen: Okay, jetzt habe ich dich, jetzt kannst du sehen, wie du zurechtkommst, hättest du mal früher nicht und so. Nein, wir sind dazu berufen, zu lieben.
Es geht noch weiter, Vers 35:
Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen, also ohne Hintergedanken. Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Und jetzt kommen wir so ganz langsam zum Kern der Sache. Da, wo wir Nachfolger Jesu Christi sind, da sollen wir den Charakter Jesu widerspiegeln. Gott ist ein barmherziger Gott. Und wenn wir Söhne Gottes sind oder Kinder Gottes, dann geht es Jesus nicht in erster Linie darum, dass wir irgendwelche Regeln befolgen, sondern es geht ihm darum, dass wir als erwachsene Söhne und Töchter Gottes den Charakter, die neue Natur, die Gott uns schenkt, in dem Moment, wo wir umkehren zu ihm, dass wir die ausleben, dass wir gütig sind gegen die Undankbaren und Bösen.
Und warum? Na ja, ich meine, alle heute Morgen, ja, ihr seid alle hierher gekommen, ich glaube, es ging uns allen heute Morgen so: Man geht raus bei so einem Wetter, man sieht die Sonne. Also ich musste jetzt auf dem Weg hierher einmal anhalten, da konnte ich nicht weiterfahren. Da kam die Sonne über so ein schneebedecktes Feld und ich dachte einfach: Boah, das musst du dir jetzt einfach mal eine Minute geben.
Und du stellst dich da an den Straßenrand, also ich stand auf der Straße und habe geschaut, ob keiner kommt, und schaust auf dieses Feld, ja, und du hast diese verschneiten Gräser und alles ist irgendwie so filigran und schön, die Sonne geht auf. Und wisst ihr was? Die Sonne geht auf über die Gerechten und die Ungerechten.
Also, wir haben das genossen auf dem Weg hierher zum Gottesdienst, und da draußen genießen es Leute, die gehen gar nicht in den Gottesdienst. Aber die finden die Sonne toll und die finden den Schnee toll und die genießen die Landschaft und die klare Luft. Warum? Na ja, weil Gott die Sonne aufgehen lässt über Gerechte und Ungerechte. Das ist sein Charakter.
Und wenn Gott sagt: Ich möchte, dass ihr mich repräsentiert, dann soll man in unserem Leben etwas von der Barmherzigkeit Gottes finden. Und wo wir das leben, da hat das für uns Vorteile.
Vers 37 und 38:
Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist, und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden, oder sprecht frei, und ihr werdet freigesprochen werden. Gebt, und es wird euch gegeben werden. Ein gutes und gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben. Denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.
Gott geht mit uns so um, wie wir mit den Menschen um uns herum umgehen. Wenn wir richten, wenn wir ständig dabei sind zu überlegen, was machen die anderen falsch und die verurteilen, statt sie zu segnen und für sie zu beten, wenn wir nicht zur Vergebung bereit sind und Menschen nicht unterstützen, wo Gott uns die Mittel dafür gegeben hat, Menschen zu unterstützen, dann wird dieses Verhalten irgendwann auf uns zurückfallen. So wie wir mit Gott umgehen, wird Gott mit uns umgehen.
Wisst ihr, wir haben als Söhne und Töchter Gottes keinen Freibrief zum Sündigen, es ist genau umgekehrt. Gott schickt uns in eine Welt, wo man von ihm und von seiner Barmherzigkeit nichts mehr weiß, und er möchte, dass du so ein Licht bist.
Es gibt einen Vers im Johannesevangelium ganz am Anfang, da heißt es über den Herrn Jesus: In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Ich habe lange über diesen Vers nachgedacht. Johannesevangelium ist ja nun so ein Evangelium, was man viel auch, wenn man mit Leuten das erste Mal in der Bibel liest, so bespricht.
In ihm war Leben. Wir empfangen das Leben, was in Jesus ist. Und dann heißt es: Und das Leben war das Licht der Menschen. Ich habe mir überlegt, wie soll das denn funktionieren, wie kann denn das Leben Jesu das Licht für die Menschen sein, bis ich gemerkt habe, wie Gott das macht. Gott gibt mir Leben, und in mir passiert etwas, und mein Leben wird für die Menschen um mich herum zu einem Licht.
Ich bin so ein kleiner Leuchtturm, nur so ein kleiner, so ein kleiner Leuchtturm, wo die Leute um mich herum, wenn sie sich die Frage stellen: Ja, wie soll ich denn leben, wie komme ich denn hier aus dieser Lebenssituation raus, wie finde ich denn Vergebung meiner Schuld, wie komme ich mit Gott ins Reine, wie mache ich das eigentlich im Leben? Wo sie sagen können: Jürgen ist so ein kleiner Leuchtturm, er hat so ein bisschen Licht.
Und wenn man mich fragt: Wo hast du denn dieses Licht her? Du lebst dein Leben irgendwie so anders, du lebst es vielleicht freudvoller. Du hattest mir gesagt, das eine Lied, was wir gesungen haben, war ein Begräbnislied. Wie kann man so ein Lied am Grab singen, Jesu meine Freude? Na ja, weil wir haben da so in uns etwas, wir haben ein Leben in uns. Wir sind so ein kleiner Leuchtturm. Man sieht das vielleicht bei einer Beerdigung, dass die anders mit dem Tod umgehen.
Und in diesem Moment werden Christen zu kleinen Leuchttürmen, wo Leute merken: Okay, ich bin mit meinem Lebensschiff hier mitten in einem Sturm und ich brauche einen sicheren Hafen. Wo kann ich Hilfe finden? Und dann sehe ich da so einen Christen leuchten und ich denke mir: Du hast etwas in deinem Leben, was ich mir wünsche. Komm, zeig mir, wo geht das hin?
Und das ist das, wie Gott sich das denkt. Gott schenkt uns Leben, damit unser Leben ein Vorbild wird, Licht wird für andere Menschen. Gott möchte gefunden werden. Und Gott schreibt nicht jetzt einen Schriftzug: Ich bin da. Man könnte ja jeden Morgen, wenn man aufwacht, mit großen Schriften in den Wolken stehen: Ich bin da! Ausrufezeichen. Gott, das könnte ja machen.
Aber was macht er nicht? Was er macht, ist, er schickt uns in die Welt und er sagt: Ich habe viele kleine Menschen, die ich dazu berufe, ein Vorbild zu sein in der Liebe, die ich dazu berufe, meinen göttlichen Charakter wiederzuspiegeln.
Und für uns besteht die Herausforderung, wenn wir das so lesen, dann darin, dass wir uns die Frage stellen: Was heißt denn das praktisch? Also, liebt eure Feinde, tut wohl denen, die und so weiter, ja, geht gerne, wenn man euch beleidigt, ja, dieser Schlag auf die Wange ist eigentlich eine massive Form der Beleidigung, dann beleidigt nicht zurück, wie geht das praktisch?
Und ich weiß, dass an der Stelle im christlichen Leben eigentlich die Herausforderung anfängt. Also ich gehe auf der Straße und da sitzt jemand und der sagt: Gib mir mal einen Euro. Gebe ich dem was oder gebe ich dem nichts? Gute Frage, richtig gute Frage. Wenn ich weiß, dass der ein Alkoholproblem hat und ich gebe ihm was, mache ich ihn kaputt. Ist das Liebe? Ich glaube nicht. Ich glaube, dass ihm das nicht wirklich hilft.
Und so habe ich den Auftrag von Gott, durch ein Leben zu gehen, was nicht einfach ist, Liebe zu üben. Und nicht einfach so ein bisschen platt zu sagen: Gib jedem, der dich bittet, und dann kommt der Pyromane, der mein Haus abfackeln will und sagt: Hast du mal ein Streichholz? Dann sage ich: Na klar, gib jedem, der dich bittet, hier, mach nur.
Versteht ihr? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir so die Bibel lesen, so dieses ein bisschen absolut: Ja, schön, jetzt habe ich endlich mal ein unerfüllbares Gebot mehr, und dann mache ich das halt. Das ist nicht Liebe, das ist nicht das, was Gott will.
Gott möchte, dass wir da, wo es uns möglich ist, lieben, Gewaltspiralen aufhalten, uns dagegen stellen, uns nicht rächen, dass wir einen Schritt weiter gehen als andere, dass wir, wo nötig, auch mal Böses bloßstellen. Auch das gehört dazu, auch das kann liebevoll sein. Es kann liebevoll sein, Probleme anzusprechen bei jemandem, nicht immer alles unter den Tisch zu kehren. Das ist ein super komplexes Ding.
Und Gott sagt: Da stelle ich dich voll rein. So wie ich Liebe und wie ich mir über Jahrhunderte und Jahrtausende Zeit genommen habe, im Umgang mit dem Volk Israel dir zu zeigen, was es heißt zu lieben, und da finden wir Langmut, da finden wir Zorn, da finden wir Strafe, da finden wir Segen, da finden wir die komplette Palette, so schickt Gott uns in eine Welt und sagt: Ich wünsche mir, dass ihr in der gleichen Weise Liebe übt und mich offenbart.
Und jetzt ist die Frage: Wenn wir das annehmen, wenn wir sagen, okay, das ist ein ziemlich hoher Anspruch, ich soll den Charakter Gottes in dieser Welt repräsentieren, boah, was brauche ich dazu, wie komme ich da hin, dass ich so ein Typ werde, der das schafft? Dann müssen wir noch ein bisschen weiterlesen, denn da gibt es den dritten Punkt.
Also der erste Punkt war: Christen sind Menschen, die ihr Glück nicht abhängig machen von den Umständen, sondern von ihrer Beziehung. Der zweite Punkt ist: Christen sind Menschen, die lieben, die den Charakter Gottes widerspiegeln. Und jetzt kommt Jesus, geht einen Schritt weiter und sagt: Christen sind Menschen, deren Leben geprägt ist von Selbsterkenntnis, von Frucht und von Glaubensgehorsam.
Die Verse 39 bis 42 möchte ich jetzt drei Grundsätze bringen, die zu diesem Jesusweg dazugehören. Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer, jeder aber, der vollendet, kann man auch übersetzen mit reif oder erwachsen, ist, wird sein wie sein Lehrer. Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders Auge ist.
Der erste Grundsatz ist der: Bevor ich anderen helfen kann, es geht hier die ganze Zeit darum, klar zu sehen, wie man reif wird, bevor ich anderen helfen kann, muss ich zuerst einsehen, dass ich blind bin. Das hört sich einfacher an, als es ist. Dass ich am Anfang noch nicht der Lehrer bin, dass ich noch der Schüler bin. Dass ich wie jemand bin, der tatsächlich so einen Telefonmast in seinem Auge hat, den er erst einmal rausziehen muss, bevor er dann zu dem anderen geht und sagt: Kann ich mal in deinem Auge da bei dem kleinen Splitter, da würde ich dir gerne helfen?
Das ist eine ganz wichtige Sache, dass wir das verstehen. Am Anfang, bevor wir geistlich als Lehrer auftreten und anderen helfen können, müssen wir begreifen, wer wir sind. Und dazu gehört eine realistische Selbsteinschätzung. Das geht jetzt ein bisschen an die jungen Gläubigen hier im Saal. Also gönnt euch das, was hier steht, einen Blick aufs eigene Leben. Gönnt es euch, euren Jesusweg, euren Weg mit Jesus damit zu beginnen, dass ihr sagt: Ja, ich bin blind, ich verstehe eigentlich noch nichts, ja, ich brauche Heilung, ich brauche jemanden, der den Balken rauszieht, und ich brauche das, damit ich einen klaren Blick auf das Leben bekomme.
Warum sagt Jesus das? Er sagt es deshalb, weil es so leicht ist, auf jemanden hinzugehen und zu sagen: Lass mich dir doch mal mit deinem Splitter ein bisschen helfen. Das ist so einfach, und es ist so schwer, sich einzugestehen, dass man selber noch ein Problem hat, dass man noch nicht der Tolle ist, dass da noch so ein Telefonmast im eigenen Auge drinsteckt und dass man den noch nicht rausgezogen hat, weil man einfach noch nicht bereit war, diesen Punkt im eigenen Leben anzugehen. Aber der ist nötig.
Wenn wir reife Christen werden wollen, die anderen von der Liebe Gottes erzählen und die anderen die Liebe Gottes vorleben, dann ist das der Startpunkt, dass wir unsere Balken rausziehen.
Der zweite Punkt ist: Woran erkenne ich reifes Christsein? An der Frucht, und zwar an der Frucht, die entsteht, wenn Gott jetzt im Leben eines Menschen Dinge umgestaltet. Die Verse 43-45:
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, noch einen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt, denn von Dornen sammelt man nicht Feigen, noch liest man von einem Dornbusch Trauben. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor. Der Böse bringt aus dem Bösen das Böse hervor, denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.
Eigentlich ganz simpel. Also woher weiß ich, dass ein Apfelbaum ein Apfelbaum ist? Na ja, du musst zur richtigen Zeit vorbeigehen und Äpfel pflücken, dann ist es ein Apfelbaum. Wenn da Birnen dranhängen und jemand sagt, das ist ein Apfelbaum, hat er sich geirrt. So einfach ist das hier.
Das heißt, wie ein Mensch sich verhält, das, was er an Frucht bringt, das, was du sagst, denkst und eben halt so machst, das zeigt, wer du bist. Und Christen stehen in der Gefahr, dass sie immer dann, wenn etwas gut läuft, also wenn sie gute Taten, Worte und Gedanken haben, dass sie dann sagen: Haha, das bin ich. Und immer wenn es nicht so gut läuft, dann denken sich vielleicht: Ah, das bin ich nicht wirklich.
Das ist eine Gefahr, in der wir stehen, wo Jesus sagt: Vorsicht, auf die Weise kann man sich selbst betrügen. Aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Wenn du die ganze Zeit böse Dinge sagst, entschuldige, dann sei einfach ehrlich: Dann bist du böse.
Das heißt, wenn der erste Grundsatz darin besteht, bevor ich anderen helfen kann, muss ich zuerst einsehen, dass ich blind bin, dass ich selber Veränderung brauche, dann heißt der zweite Grundsatz: Wer auf dem Jesusweg geht, der möchte Frucht bringen. Frucht, die wir bringen, weil wir gute Menschen sind. Gott schenkt uns ein neues Herz, Gott wirkt in uns etwas, und aus diesem Herz heraus wollen wir Gutes bringen.
Okay, ich möchte Gutes bringen, aber sag noch einmal, wie kriege ich jetzt ganz klar, wie kriege ich den Balken aus meinem Auge raus? Nochmal zurück, ja, wie kriege ich den raus? Okay, wie kriegt man den Balken aus dem raus? Lukas 6,46-49, da heißt es:
Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage? Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, ich will euch zeigen, wem er gleich ist. Er ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute, grub und vertiefte und den Grund auf den Felsen legte. Als aber eine Flut kam, stieß der Strom an jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war auf den Felsen gegründet. Der aber gehört und nicht getan hat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus auf die Erde baute, ohne Grundmauer. Der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jenes Hauses war groß.
Es gibt nur eine Art, sagt Jesus, wie man ein Haus richtig baut. Du musst tief graben, du musst die Fundamente auf Felsen gründen. Das mag anstrengend sein, aber das ist wichtig. Wenn man sich mit einem oberflächlichen Bekenntnis zufrieden gibt, jemand, der sagt: Herr, Herr, und es steckt eigentlich nichts dahinter, dann werden die Stürme des Lebens und die Stürme des Gerichts zeigen, was dieses Haus wert ist.
Und Jesus sagt: Wer nicht bereit ist, tief zu graben, dessen Lebenshaus wird, wenn es hart auf hart kommt, zusammenstürzen. Und wie baue ich tief? Indem ich höre und tue, was Jesus sagt. Das heißt, der dritte Grundsatz auf dem Jesusweg ist der, dass ich bereit bin, gehorsam zu sein, dass ich mich mit Jesu Botschaft auseinandersetze und wirklich tue, was er sagt.
Und jetzt ziehen wir die drei Punkte zusammen. Meine Eingangsfrage war: Wie verhalten sich Ex-Sünder in der Nachfolge Christi? Ich habe drei Antworten gegeben. Die erste war: Sie machen ihr Glück nicht von den Umständen abhängig, sondern an Jesus fest. Ihr wahres Glück ist, für Jesus zu leben. Der zweite Punkt ist: Sie sind ein Vorbild im Lieben und sie spiegeln Gottes Charakter wider. Der dritte Punkt ist: Ihr Leben ist, könnte man sagen, eine Entwicklung, aber geprägt von echter Selbsterkenntnis. Sie schauen sich zuerst an, sie bringen geistliche Frucht und sie erleben das, was die Bibel Glaubensgehorsam nennt. Sie tun das, was Jesus sagt.
Und wenn das stimmt, nehmen wir mal an, ich hätte Recht, also ich hätte das vernünftig ausgelegt, was hier steht, dann müssen wir uns jetzt drei große Fragenkomplexe stellen und mitnehmen.
Der erste lautet: Sind wir bereit, Jesus zu folgen, auch dann, wenn das bedeutet, unbeliebt zu sein, arm zu sein, niedergeschlagen zu sein und vielleicht nicht einmal genug zu essen zu haben um seines Namens willen? Das ist eine Entscheidung, die du triffst. Bist du dazu bereit?
Haben wir verstanden, dass unser wahres Glück nicht davon abhängt, was wir haben, wie es uns geht, wer uns toll findet, sondern alleine von Jesus, dass mein ganzes Dasein, mein Leben und Sterben, die Höhen und die Tiefen in der Nachfolge Jesu eine ganz neue Perspektive bekommen, dass da, wo alle heulen, ich singen kann: Jesu, meine Freude?
Haben wir das wirklich zutiefst verstanden, dass man das Leben eines Christen gerade nicht an den Wertmaßstäben dieser Welt beurteilen kann und dass ein Ja zum Jesusweg ein Ja zur Armut, zum Hunger, zum Weinen und zur sozialen Ausgrenzung um Jesu willen ist?
Ich möchte euch ehrlich sagen, als ich das vorbereitet habe, das geht einem ja dann auch so, dass man das so durchdenkt. Man kann jetzt so schnell ja sagen, aber denk noch ein bisschen drüber nach. Ich glaube, das geht sehr tief. Wenn Jesus dich führt, wann wirst du schreien? Wirst du schreien, wenn du dein Haus verlierst, deinen Job verlierst? Wenn Leute dir Not machen? Wo ist der Punkt, wo du sagst: Das habe ich mir aber anders vorgestellt im Christsein, ich dachte, das wäre so ein bisschen netter, so ein bisschen unkomplizierter, so irgendwie so ein bisschen emotional streicheliger.
Das ist nicht das, was Jesus sagt. Du folgst einem Mann, der seine größte Tat in dem Moment vollbringt, wo er an einem Kreuz hängt und den grausamsten Tod stirbt, den es gibt.
Erster Punkt.
Der zweite Punkt ist, den wir uns fragen müssen: Sind wir ein Vorbild im Lieben und spiegeln wir den Charakter Gottes wider? Und da möchte ich fragen: Kennen wir Gott genug, gut genug, um seinen Willen für unser Leben in den unterschiedlichen Lebenssituationen überhaupt beurteilen zu können? Und haben wir verstanden und haben wir das auch akzeptiert, dass es nicht mehr darum geht, wie es uns geht, sondern darum, ob eine verlorene Welt an unserem Leben einen barmherzigen und guten Gott erkennen kann?
Das hat mich fast am meisten traurig gemacht, weil ich so viele Beispiele kenne, wo das schiefläuft. Wovon ist unser Leben geprägt? Sind wir Leute, die sich mit Floskeln und einem oberflächlichen Interesse an geistlichen Dingen zufriedengeben, die damit leben können, dass sie keine Frucht bringen, sich lange damit angefreundet haben, dass in ihrem Umfeld also nicht mehr viel passiert, und die, statt die eigenen Fehler zu bearbeiten, die Balken zu sehen, darüber zu weinen, darum zu ringen, dass dieser Balken endlich rausgezogen wird, völlig damit zufrieden sind, wenn wir ständig auf die Fehler von anderen zeigen können?
Ist das das, was unser geistliches Leben prägt, Ungehorsam, Sterilität und so dieses: Der andere hat ja auch noch Fehler? Oder sind wir bereit, als Nachfolger Christi einen Weg zu gehen, der mit Gehorsam beginnt, damit beginnt, dass ich wirklich verstehen will, wer Jesus ist, wie Jesus tickt, so wie in einer guten Ehe eine gute Ehe nur dann funktionieren und auf Dauer Bestand haben wird, wenn ich permanent ein Interesse daran habe: Wie ist denn nun der Partner, wie hat er sich verändert, wo entwickelt sich etwas Neues, wie tickt er denn gerade?
Wo ich wirklich es darauf anlege, Gott durch Gehorsam zu gefallen, ein Leben zu führen, wo ich höre, mir Zeit nehme, zuzuhören, was Gott zu sagen hat und tue, ein Leben, das geprägt ist von der Frucht des Heiligen Geistes, wo ich um mich herum tatsächlich merke, da passiert etwas, und wo aus mir heraus neue Dinge kommen, wo ich mich erst dann zufrieden gebe, wenn mein Reden sich ändert, wenn meine Liebeskompetenz sich ändert, wenn ich stärker werde im Umgang mit schwierigen Personen.
Und wo ich sage: Ich möchte, weil ich mich selbst einschätze, ich möchte wachsen, ich möchte wirklich jemand werden, der die Balken ehrlich zugibt, der sich nicht damit zufriedengibt, zu schauen, wo andere Leute Probleme haben, der sagt: Ich habe den Balken. Und ich möchte, dass mein Balken Stück für Stück für Stück herausgezogen wird. Und daran werde ich arbeiten. Und erst, wenn ich da ein Stück vorangekommen bin, werde ich mich aufmachen, mich als den Lehrer irgendwo hinzustellen und anderen zu sagen, was sie ändern sollen.
Das ist der Jesusweg. Und ich wünsche euch von Herzen, wirklich von Herzen, dass euer persönliches Lebenshaus in den Stürmen des Lebens stehen bleibt, weil ihr an diesen drei Punkten aufgepasst habt, weil ihr in Jesus euer Glück gefunden habt, euren Lebensstil gefunden habt und im wahrsten Sinne des Wortes euren Herrn gefunden habt.

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