06.10.2026
Serie•Teil 2 / 4Philemonbrief
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Der Brief von Paulus an Philemon. Tumartage 2022. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und heute gibt es ein paar Gedanken zum Philemonbrief.
Der Brief von Paulus an Philemon, Tumartage zweitausundzwanzig Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch dein geistlicher Impuls für den Tag. Mein Name ist Jürgen Fischer und heute gibt es ein paar Gedanken zum Philemon Brief.
Ein Vorbild, das aus Beziehung lebt
Also hier, indem ich allezeit deiner in meinen Gebeten gedenke, da ich von deiner Liebe und von deinem Glauben höre, den du an den Herrn Jesus und allen Heiligen gegenüber hast.
Also, hier ist jemand, der ein absolutes Vorbild ist. Er hat Liebe und Glauben. Und er hat das einmal im Blick auf den Herrn Jesus. Da ist ein tiefes Vertrauen zum Herrn Jesus da, da ist eine tiefe Liebe zum Herrn Jesus da. Wir hatten das schon im Rahmen der Tumortage: Ein Christ ist eigentlich ein Liebhaber.
Es geht darum, ein Liebhaber des Herrn Jesus zu sein. Dinge nicht zu tun, weil die Gemeinde sie fordert oder weil ich ein schlechtes Gewissen habe, sondern weil ich begeistert bin von der Beziehung und denke: Ich möchte diese Beziehung vertiefen. Und deswegen lebe ich ein heiliges Leben.
Philemon ist so einer. Er liebt den Herrn Jesus, er vertraut dem Herrn Jesus. Und das, was er gegenüber dem Herrn Jesus hat, das gilt auch im Blick auf die anderen Gläubigen. Die Gläubigen werden hier Heilige genannt. Nicht, weil sie schon perfekt wären, sondern weil ich heilig bin im Sinne von: Ich gehöre zu Gott. Der Herr Jesus hat mich geheiligt, er hat mich für die Begegnung mit Gott passend gemacht. Ich stehe unter der Gnade Gottes, und deswegen bin ich geheiligt. Ich bin ein Heiliger, ich gehöre zu Jesus.
Und Philemon kann sagen, oder Paulus kann sagen: Philemon, du bist nicht nur jemand, der Gott vertraut und den Herrn Jesus liebt. Das, was da ist, das gilt auch für die Gläubigen. Du bist jemand, der die Gläubigen liebt und der im Umgang mit den Heiligen einfach treu ist, vertrauenswürdig ist.
Gebet als Spiegel der Geschwisterliebe
Also, dieses Wort pistis, das man gemeinhin mit Glaube übersetzt, kann auch mit Treue übersetzt werden. Und bei den Heiligen ist es eben die Treue. Ich bin jemand, bei dem die anderen wissen: Auf den kann man sich verlassen. Da wissen die anderen: Der hat mich im Blick.
Und was ich einfach spannend finde, ist: Meine Liebe und meine Treue zu den Geschwistern, wo fängt sie an? Im Gebet. Merkt ihr das auch? Das Thema hatten wir schon. Dein Gebetsleben offenbart dir selbst deine Hingabe an die Gemeinschaft. Wenn du wissen willst, was mir die Geschwister bedeuten, schau auf deine Gebetsliste.
Es ist relativ simpel: Zeig mir deine Gebetsliste, zeig mir, wer da draufsteht, zeig mir, wie viel Energie du investiert hast, um kluge Anliegen zu finden, zeig mir, wie regelmäßig du für Geschwister betest, und ich zeige dir die Liebe, die du zu den Geschwistern hast.
Behaupte bitte nicht, ich liebe die Geschwister, wenn du nicht regelmäßig für sie betest. Tu das einfach nicht, weil Liebe und Treue dort beginnen, wo ich vor Gott für Leute einstehe. Das kann jeder tun, das kann jeder, wirklich. Selbst wenn du krank im Bett liegst, kannst du auf diese Weise den Geschwistern dienen. Und wie viel mehr, wenn du nicht krank im Bett liegst.
Ich weiß, das ist ein angefochtener Bereich, das Gebet. Aber es ist einfach so unendlich wichtig, dass wir begreifen: Fürbitte ist das Element im geistlichen Leben, das mehr als jedes andere Element deine persönliche Beziehung zu Gott vertieft. Du betest für andere, und indem du für andere auf eine intelligente, tiefe Weise betest, wird deine Beziehung zu Gott tiefer.
Du musst das ausprobieren, wenn du mir nicht glaubst. Wenn du nicht weißt, wovon ich rede, probier es bitte aus. Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit, um intensiv Fürbitte für Geschwister zu tun, und achte einfach nur darauf, wie sich das in deinem eigenen geistlichen Empfinden und Erfahren von Gottes Liebe niederschlägt. Und sei bitte nicht überrascht, dass du eine halbe Stunde für andere Leute betest und dich plötzlich Gott ganz nahe fühlst. Das muss so sein, weil du, wenn du für andere betest, das Herz Gottes berührst.
Gemeinschaft, die in Christus wirksam wird
Es ist einfach nur ein Tipp, und jetzt kommt Paulus und sagt: Du betest für andere. Und er dankt und sagt, dass die Gemeinschaft, Vers 6, deines Glaubens wirksam wird in der Erkenntnis alles Guten, das in uns im Blick auf Christus ist.
Es ist ein schwieriger Satz. Ich lese ihn noch mal von vorne vor, damit wir ihn noch mal ganz hören. Da heißt es: Ich danke meinem Gott, indem ich allezeit deiner in meinen Gebeten gedenke, dass die Gemeinschaft dieses – das ist jetzt das Ziel – dass die Gemeinschaft deines Glaubens wirksam wird.
Wirksam werden heißt: Hier soll sich etwas entfalten. Was soll sich entfalten? Gemeinschaft. Es ist die Gemeinschaft deines Glaubens, es ist eine Koinonia, eine Gemeinschaft, die dadurch entsteht, dass wir alle gläubig sind. Und Paulus sagt: Ich wünsche mir, dass du, Philemon, diese Gemeinschaft, die durch den Glauben entstanden ist, zu den anderen Gläubigen, zu den Heiligen, dass du darauf achtest, dass sie wirksam wird, dass sie sich entfaltet, und zwar in der Erkenntnis alles Guten.
Wir hatten gestern das kleine Wörtchen „in“. Es kann auch „durch“ bedeuten: durch die Erkenntnis alles Guten. Das heißt, Gemeinschaft soll wachsen, soll größer werden, weil ich das Gute erkenne, das in uns ist. Also: In dieser Gemeinschaft, die Gott schafft, gibt es Gutes, das Gott in diese Gemeinschaft hineingelegt hat. Es ist das Gute der Gemeinschaft. Es sind Dinge wie Trost, Vergebung, gegenseitige Unterstützung, dass jeder mit seinen Gaben dient, dass wir einander gute Werke tun.
Und es gilt jetzt, diese guten Dinge, die Gott in die Gemeinschaft hineingelegt hat, zu erkennen. Das ist die Begründung für die Gemeinschaft. Gott will Gemeinschaft, Gott will keine Einzelkämpfer, damit wir das Gute erfahren, das er uns durch die Gemeinschaft geben möchte. Genau das sollen wir erkennen, das soll sich entfalten, und zwar im Hinblick auf Christus.
Das heißt: Das Gute, was wir in der Gemeinschaft erfahren, das kommt nicht nur von Gott, sondern es ist auch auf Gott hin ausgerichtet. Das, was du in der christlichen Gemeinschaft anderen gibst an Vergebung, an Liebe, an Gemeinschaft, an Versöhnung, das ist letztlich etwas, was du dem Christus gibst. Der Herr Jesus ist der Initiator dieser Gemeinschaft, er ist der Maßstab dieser Gemeinschaft, und er ist das Ziel der Gemeinschaft.
Das müssen wir ganz tief verstehen. Wenn wir einander Gutes tun und wenn wir fitter darin werden, diese Gemeinschaft mit unseren Gaben und mit unserem Einsatz zu beschenken, beschenken wir eigentlich den Herrn Jesus. Wir wirken auf ihn hin, wir sorgen dafür, dass das, was wir tun, ihm entspricht, ihn ehrt und dass er durch uns Gemeinschaft wirkt. Darum geht es.
Und Paulus sagt: Ich wünsche mir, dass du diesen Aspekt von Koinonia verstehst. Ich wünsche mir das, weil ich eigentlich schon weiß, wie du drauf bist, Philemon. Das ist für dich gar keine große Sache. Du musst jetzt einfach nur den nächsten Schritt gehen.
Vers 7: Denn ich hatte viel Freude und Trost wegen deiner Liebe, denn die Herzen der Heiligen sind durch dich, Bruder, erquickt worden. Also, das ist mein erster Punkt: Theologie, Evangelium schafft eine neue Gemeinschaft. Aus Individuen, aus ganz vielen Egos macht Jesus ein Wir. Und dieses Wir lebt in einer Gemeinschaft und hat letztlich Jesus im Blick und sagt: Ich kann das Gute, das Gott in diese Gemeinschaft hineingelegt hat, ich bin Teil davon. Ich kann es wirksam werden lassen, ich kann es entfalten, wenn ich mich verstehe als Teil eines größeren Ganzen, das Gott ehrt, das auf Christus hin ausgerichtet ist, wo Christus mit seiner Liebe durch die Gemeinschaft sichtbar wird.
Eine neue Identität für den Rückkehrer
Zweiter Punkt
Der zweite Punkt hat damit zu tun, dass Onesimus jetzt zum Glauben gekommen ist und dadurch zwischen Philemon und Onesimus eine Bruderschaft entstanden ist. Eigentlich ist das, was jetzt kommt, so etwas wie die theologische Revolution des Briefes. Der Sklave kommt zurück, aber er bringt eine neue Identität mit.
Wir werden das in Vers 16 lesen. Da heißt es nicht länger: ein Sklave, sondern jetzt: mehr als ein Sklave, ein geliebter Bruder. Das ist der Höhepunkt des Ganzen. Wir werden sehen: Paulus leugnet nicht die soziale Wirklichkeit, aber er führt neben dem Status des Sklaven eine zweite, eine neue, eine christliche Identität ein. Er stellt sie einfach daneben und bringt damit Philemon dazu, sich eine Frage zu stellen.
Die Frage lautet: Wer ist denn jetzt Onesimus für dich? Ist er nur der Sklave, bei dem du denkst: Na, dich werde ich jetzt mal bestrafen, dafür, dass du abgehauen bist? Oder kannst du in dieser Person das andere sehen, das, was geworden ist? Kannst du den geliebten Bruder sehen?
Das wollen wir uns nun anschauen: diesen zweiten Punkt, diese Bruderschaft in Christus, dass eine neue Identität entstanden ist. Das sind die Verse 8 bis 16.
Freiwilligkeit statt bloßem Druck
Paulus sagt also: Deshalb. Und wir merken schon: Die Danksagung war bereits Argumentation. Das ist ganz drollig. Alles, was er schon gesagt hat, zahlt eigentlich schon auf dieses kleine „deshalb“ ein, weil du so ein feiner Kerl bist und weil ich regelmäßig für dich danke, deshalb.
Obwohl ich große Freimütigkeit in Christus habe, dir zu gebieten – er ist immerhin Apostel, dir zu gebieten, was sich gehört –, bitte ich doch viel mehr um der Liebe willen als ein solcher wie ich bin, Paulus der Alte.
Paulus sagt: Ich könnte dir gebieten, aber ich will das nicht tun. Warum? Nun, wir werden das in Vers 14 lesen: Er möchte, dass Philemon freiwillig das Gute tut. Es geht Paulus also nicht nur um das richtige Ergebnis, es geht ihm um die moralische Qualität hinter dieser Entscheidung.
Philemon soll das Richtige tun, weil er selbst begreift, dass das Richtige angemessen ist. Er soll also selbst erkennen, was Jesus sich wünscht, und christusgemäß handeln. Versteht ihr Paulus? Dem ist es nicht nur wichtig, dass wir das Richtige tun, sondern er möchte, dass wir das Richtige aus der richtigen Motivation heraus tun.
Wenn er jetzt Druck aufbaut, dann macht Philemon vielleicht das Richtige, aber es kommt nicht aus ihm. Es könnte im schlimmsten Fall ein Stück Heuchelei sein.
Das war’s für heute. Nimm dir Zeit, in Ruhe über den Philemonbrief nachzudenken. Wo spricht er in dein Leben hinein?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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