Markus 2,2608.08.2022
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Generierte Mitschrift
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Einleitung und Themenrahmen
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode einhundertsiebenundfünfzig: Ein falscher hoher Priester? Jesus, die Pharisäer und der Sabbat.
Das ist unser Thema. Und genau genommen ist es eine Episode aus dem Leben Jesu, in der er von den Pharisäern dafür kritisiert wird, dass seine Jünger am Sabbat Ähren abreißen, um sie zu essen. Das ist übrigens grundsätzlich okay, wie 5. Mose 23,25-26 zeigt:
Wenn du in den Weinberg deines Nächsten kommst, dann magst du Trauben essen nach Herzenslust, bis du satt bist. In dein Gefäß aber darfst du nichts tun. Wenn du in das Getreidefeld deines Nächsten kommst, dann darfst du Ähren mit deiner Hand abpflücken, aber die Sichel sollst du nicht über das Getreide deines Nächsten schwingen.
Das heißt: Wenn ich hungrig bin, darf ich mich zur Erntezeit an den Weinbergen und an den Getreidefeldern bedienen. Ich darf aber nur so viel nehmen, dass ich satt werde, und nicht mehr. Mehr zu sammeln wäre Diebstahl.
Die Jünger haben Hunger, und was sie tun, ist also erlaubt. Und trotzdem wird der Herr Jesus dafür kritisiert. Warum? Ährenpflücken am Sabbat ist in den Augen der Pharisäer Erntearbeit, und die ist am Sabbat verboten, jedenfalls wenn man ihrer Bibelauslegung folgt und ihre vielen kleinen Zusatzgebote akzeptiert. Aber genau das tut der Herr Jesus natürlich nicht. Allerdings ist das diesmal nicht der Teil seiner Verteidigung.
Er macht den Pharisäern vielmehr zwei Dinge deutlich: Erstens ist Barmherzigkeit viel wichtiger als das Einhalten religiöser Pflichten. Zweitens ist der Sabbat für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für den Sabbat.
Da waren wir stehen geblieben.
Markus 2,23-27
Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Saaten ging, und seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken. Und die Pharisäer sagten zu ihm: Siehe, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist? Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte und als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch denen gab, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Die Rückfrage nach einer scheinbaren Schwierigkeit
Ich möchte heute auf ein Problem hinweisen, das in meinen Augen keines ist, aber gern einmal als solches dargestellt wird. Es geht um Vers 26. Da heißt es über David, wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjatars des Hohenpriesters und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch denen gab, die bei ihm waren.
Wenn man das so liest, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Jesus hier von Abjatar als dem Hohenpriester spricht, dem David bei seiner Bitte um Brot begegnet war. Wirklich gesprochen hat David jedoch nicht mit Abjatar, sondern mit dessen Vater Ahimelech.
Frage: Hat Jesus sich geirrt? Hätte er sagen müssen: zur Zeit Ahimelechs, des Hohenpriesters?
Das jedenfalls wird von Bibelkritikern gern behauptet. Sie sagen, hier irrt Jesus, oder alternativ Markus, oder die Quelle, auf die Markus sich bezieht. Und dann fällt den Bibelkritikern noch auf, dass Matthäus und Lukas nichts von Abjatar schreiben. Schnell wird dann behauptet, dass Matthäus und Lukas den Namen weglassen, weil sie den Fehler von Markus unter den Tisch kehren wollen.
Und um das ganz klar zu sagen: Für mich ist all das großer Blödsinn. Hier liest man die Bibel mit dem Wunsch, Ungereimtheiten und Widersprüche zu finden.
Warum die Formulierung dennoch Sinn ergibt
Also, wie erklärt sich der Name Abjatar in Markus 2,26?
Punkt eins: Abjatar ist der Sohn von Ahimelech. Wenn man also von der Zeit Abjatars spricht, dann ist die Formulierung völlig korrekt, weil Abjatar bereits lebte. Es war wirklich seine Zeit. Und das sogar umso mehr, als Abjatar nach seinem Vater Ahimelech der leitende Priester wurde.
Auslöser für den Wechsel in der Priesterschaft war genau dieses Aufeinandertreffen von David mit Ahimelech. Die Tatsache, dass Abjatars Vater, Ahimelech, den vor Saul geflohenen David unterstützt, führt dazu, dass Saul alle Priester und auch ihre ganze Stadt niedermetzeln lässt. Der einzige, der entkommt, ist Abjatar. Und der schlägt sich folgerichtig auf die Seite von David und wird dessen Priester.
Also, Punkt eins: Es ist völlig richtig, wenn Jesus sagt: „zur Zeit Abjatars“. Abjatar lebte bereits und war gerade dabei, das Erbe seines Vaters als Priester anzutreten.
Die Bedeutung einer prägenden Persönlichkeit
Punkt zwei: Wenn man einen bestimmten Zeitraum beschreiben will, dann wählt man dafür die bedeutendsten Persönlichkeiten. Und Abjatar war als Priester wirklich besonders. Er diente David während dessen gesamter vierzigjähriger Herrschaftszeit, und er war einer derjenigen, denen es gestattet war, die Bundeslade zu tragen. Übrigens ein unglaubliches Privileg.
Und damit wird noch etwas deutlich: Abjatar steht für Loyalität gegenüber dem König und für geistliche Integrität. Er war gotttreu. Er kannte das Gesetz Gottes und stand über Jahrzehnte für Gottes Gebote ein.
Wenn Jesus hier also nicht formuliert: „in den letzten Tagen von Ahimelech“, sondern vielmehr „zur Zeit Abjatars“, dann will er diese Tage als eine Zeit beschreiben, in der man sich an die Gesetze hielt. Und das wiederum ist für seine eigene Argumentation wichtig, weil er dem Vorwurf vorbeugen will, die Priester hätten eigenmächtig gegen Gottes Willen David und seinen Leuten das Schaubrot gegeben.
Zur Zeit Abjatars ist das ein abwegiger Gedanke, egal ob Abjatar schon Priester war oder noch sein Vater Ahimelech.
Der Titel als Würdigung statt als Amtsbezeichnung
Abschließende Frage: Warum heißt es dann „zur Zeit Abjatars des Hohen Priesters“, wenn Abjatar gar nicht Hoher Priester war?
Ganz einfach: Weder Ahimelech noch sein Sohn werden jemals Hoher Priester genannt. Den Hohe-Priester als Amtstitel, wie wir ihn aus dem Neuen Testament kennen, gibt es in dieser Zeit nicht. Mit Hoher Priester ist also nicht der Hohe Priester als Amtsträger gemeint, sondern ein leitender Priester.
Wenn Jesus von Abjatar, dem Hohen Priester, spricht, dann will er einfach seine besondere Stellung als herausragender Priester seiner Zeit beschreiben. Es ist kein Amtstitel, sondern eine Würdigung.
Oder lasst mich ein Beispiel bringen: Ich kann sagen, zur Zeit von Wilhelm dem Eroberer spaltete sich das Christentum in die orthodoxe und die katholische Kirche auf. Und das ist wahr, obwohl Wilhelm der Zweite, seines Zeichens Herzog der Normandie, erst nach dem Schisma der Kirche, also erst nach den Eroberungsfeldzügen gegen England, beginnt. Es sind diese Feldzüge, die ihm seinen Beinamen eingebracht haben.
Er wird für die Nachwelt immer Wilhelm der Eroberer sein. Und genau so ist Abjatar für die Nachwelt der Hohe Priester oder der herausragende Priester, auch wenn er diese Beschreibung erst durch das verdient, was er später tun wird: wenn er sich David anschließt und dem neuen König ein Leben lang dient.
Schlussgedanken und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir überlegen, welche Stellen du in der Bibel nicht verstehst und welche deinen Glauben in Frage stellen. Anschließend könntest du nach Antworten suchen.
Das war’s für heute?
Bete für Politiker! Paulus ermahnte uns, dass wir für die Regierung beten sollen, und wir dürfen das niemals sein lassen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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