Einleitung
Der Herr ist auferstanden! Jesus lebt! Das ist die Botschaft von Ostern.
Jesus ist nicht im Grab geblieben, er ist auferstanden. Jesus lebt, damit
besiegte er den größten Feind des Menschen, nämlich den Tod.
Aber so fragen heute viele: Ist denn das leere Grab so wichtig? Ist das
nicht ein unwichtiges Detail? Ist es nicht eine Nebensächlichkeit, über
die man durchaus verschiedener Meinung sein kann?
Wir glauben doch an Christus! Wir glauben doch nicht an das leere Grab.
Jawohl: Wir glauben nicht an das leere Grab, aber ohne das leere Grab
können wir nicht glauben!
Wäre Jesus nicht auferstanden, würde unser Glaube absolut Bedeutungslos.
Er wäre dann höchstens eine Freizeitbeschäftigung für religiös veranlagte
Menschen. Paulus äussert sich ganz unmissverständlich:
Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube vergeblich.
Eure Schuld ist dann nicht von euch genommen, / und wer im Vertrauen
auf Christus gestorben ist, ist dann verloren. 1.Kor.15,17-18.
Ist also Jesus nicht auferstanden, ist unser Glaube sinnlos. Wir haben
kein reales Ziel, es wird sich am Ende alles als Täuschung entpuppen. Es
gäbe keine Auferstehung der Toten. Keinen Himmel. Paulus würde, wenn die
Auferstehung Jesu nicht wirklich geschehen wäre sein Lebensprinzip
komplett ändern:
...Wenn die Toten nicht auferstehen, dann laßt uns essen und trinken;
denn morgen sind wir tot! 1.Kor.15,32b.
Alles Leben im Glauben wird sinnlos.
Die Auferstehung Jesu ist ausserordentlich wichtig. Die Jünger hatten
auch grosse Schwierigkeiten an die Auferstehung von Jesus zu glauben.
Ihre Zweifel waren sehr gross, das wollen wir heute am Beispiel von
Thomas näher betrachten.
Text lesen: Joh.20,24-29 Thomas auch Didymus genannt, einer der Zwölf, war nicht dabeigewesen,
als Jesus zu den Jüngern gekommen war. Die anderen erzählten ihm: Wir
haben den Herrn gesehen!" Thomas erwiderte: Erst muss ich seine von
den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die
durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seit legen.
Vorher glaube ich es nicht."
Acht Tage später waren die Jünger wieder beisammen; diesmal war auch
Thomas dabei. Mit einem Mal kam Jesus, obwohl die Türen verschlossen
waren, zu ihnen herein. Er trat in ihre Mitte und grüsste sie mit den
Worten: Friede sei mit euch!" Dann wandte er sich Thomas zu. Leg
deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!"
forderte er ihn auf. Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite!
Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!"
Thomas sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott" Jesus erwiderte: Jetzt,
wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu nennen sind die, die
nicht sehen und trotzdem glauben."
I. Der verständliche Zweifel (24-25)
Thomas war kein gleichgültiger und leichtfertiger Jünger, der es mit
Jesus nicht so ernst meinte. Mit ganzer Hingabe folgte er seinem Meister.
Er war sogar bereit für Jesus sein Leben zu riskieren. Als sich Jesus in
seinen Augen in eine gefährliche Situation begeben wollte, sagte er den
Jüngern:
Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Jüngern: Laßt uns
mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben! Joh.11,16.
Aber nach der Hinrichtung ihres Meisters überfiel die Jünger eine
unsägliche Trauer (Lk.24,17). Wie eine verscheuchte Herde ohne Hirte
irrten sie umher.
Sie mußten sogar damit rechnen, von den Juden verfolgt und gepeinigt zu
werden. Deshalb verschlossen sie die Türen, wenn sie sich versammelten.
(Joh.20,19).
Trotz verschlossener Türen begegnete Jesus am Sonntag nach Karfreitag
den Jüngern. Thomas war da nicht zugegen. Irgend etwas muss ihn
abgehalten haben. Vielleicht wollte er eine gewisse Zeit für sich sein,
um die Trauer zu verarbeiten.
Selbstverständlich erzählten die Jünger Thomas sofort, dass sie Jesus
gesehen hätten. Sie waren bestimmt ausser sich vor Freude. Stellen wir
uns nur vor, wie wir uns freuen würden wenn jemand den wir sehr lieben
stirbt und wenige Tage später steht er uns wieder gegenüber.
So berichten sie Thomas, wie Jesus ihnen die Wundmahle an seinen Händen
und an seiner Seite zeigte. Thomas kann nicht fassen, was er hört. Nein,
das kann er nicht glauben. Und er sagt:
Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den
Nägeln an seinen Händen sehen und sie mit meinem Finger fühlen und
meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst nicht!
Er wollte nicht einfach etwas glauben, das er nicht einordnen konnte.
Er wollte nicht aufgrund einer Einbildung leben, wenn schon wollte er
ganz sicher sein, dass Jesus lebt. Er wollte Jesus berühren, um sicher zu
sein, dass es sich nicht um eine gespenstische Erscheinung handelt.
Wie gut können wir Thomas verstehen. Die meisten von uns hätten
vermutlich nicht viel anders reagiert.
Anwendung
Geht es uns manchmal nicht wie Thomas, dass wir, obwohl wir Jesus
kennen, von ihm noch einen weiteren handfesten Beweis einfordern?
Wir geben uns mit dem Glauben nicht zufrieden, wir wollen sehen und
anfassen. Eigentlich möchten wir das sehen, worauf wir vertrauen, doch
Wir leben ja noch in der Zeit des Glaubens, noch nicht in der Zeit des
Schauens. 2.Kor.5,7.
Wer schauen und anfassen möchte, wer nicht Vertrauen kann, auf das, was
Gott uns durch die Bibel sagt, der begibt sich auf einen ganz
gefährlichen Weg. Der wird anfällig auf Irrlehren jeglicher Art.
II. Die liebevolle Hilfe (26-28)
Jesus hat Verständnis für die Not des Thomas. Doch muss Thomas noch
einige Tage warten, bis ihm Jesus zur Gewißheit verhilft. Eine Woche
später, am Sonntagabend, trafen sich die Jünger wieder.
Selbstverständlich waren auch diesmal, die Türen verschlossen.
Thomas war auch dabei. Die Jüngern schlossen ihn nicht aus, weil er
ihnen nicht glaubte. Sie kannten sie sich selbst genug gut, denn jeder
von ihnen glaubten erst an die Auferstehung als sie Jesus selbst sahen
und er ihnen die Wundmale zeigte. Nämlich als die Frauen den Aposteln
berichteten, das sei Grab leer und Jesus auferstanden, heisst es:
Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie
glaubten ihnen nicht. Lk. 24,11.
Als dann noch Maria von Magdala ihnen erzählte, Jesus sei ihr
erschienen sei, lesen wir:
Als sie hörten, dass Jesus lebe und Maria ihn gesehen habe, glaubten
sie es nicht. Mk.16,11.
Keiner konnte sich eines vorbildlichen Glaubens rühmen. So blieb Thomas
Glied des Apostelkreises.
Nun tritt Jesus durch die verschlossene Türe in den Raum, sein
Auferstehungsleib machte dies möglich.
Das erste, was er sagt ist:
Friede sei mit euch!
Wie wohltuend, wenn der Herr aller Herren zu den verängstigten Jüngern
kommt, und er Ihnen zuerst einmal Friede zuspricht.
Keine Schimpfworte, keine Rügen - Friede sei mit euch. Wie nötig hatten
sie doch diesen Zuspruch. Die verängstigte kleine und hilflose Gruppe von
Menschen, die sich von verschiedenen Seiten bedroht wusste.
Jesus erscheint und mit seiner Erscheinung kommt Friede. Jesus will uns
immer Frieden bringen.
Und nun wendet er sich direkt an Thomas, der innerlich immer noch
verzweifelt ist, weil er nicht glauben kann, dass Jesus lebt.
Jesus fordert ihn auf:
Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine
Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde! Hör auf zu zweifeln und
glaube!
Jesus wusste, was Thomas wünschte, was ihn im innersten umtrieb. Thomas
ist so ergriffen, dass er nicht mehr seinen Vorstellungen gemäß handeln
muss, nein er kann nur noch ausrufen:
Mein Herr und mein Gott!
Alle Zweifel sind beseitigt. Nun weiss Thomas, Jesus mein Herr ist
Gott.
In diesem Augenblick war für Thomas alles klar, jeder Zweifel, jedes
Fragen, wer Jesus den wirklich war, ist vorbei. Er kann nur noch
ausrufen:
Mein Herr und mein Gott!
Anwendung
Jesus forderte ihn auf nicht mehr ungläubig sondern gläubig zu sein.
Das heisst doch, dass der rechte Glaube nur dann wirklicher Glaube ist,
wenn man glaubt, dass Jesus auferstanden ist.
Erst dann hat man wirklich erkannt, wer Jesus ist. Erst dann glaubt man
an den wahren, lebendigen Gott. Der Glaube an einen Jesus der Tod ist,
ist kein rechter Glaube, kein rettender Glaube.
Nur wer an den Auferstandenen Jesus glaubt, glaubt im richtigen Sinn.
Es ist ja interessant, dass gerade die wichtigsten Tatsachen unseres
Glaubens sehr oft geleugnet werden. Da gibt es Meinungen, die sagen, es
sei nicht wichtig, ob Jesus wirklich auferstanden sei oder nicht. Wichtig
sei einfach das Gedankengut und die Gedanken und Weisheiten Jesu würden
in den Menschen weiterleben.
Es gibt Theologen, die vertreten, dass die Auferstehung eine Idee der
Jünger und der ersten Gemeinde gewesen sei. Sie hätten so ihre Trauer
ihre Ratlosigkeit überwunden. Auch hier ist die Hauptsache, dass Jesus in
den Gedanken der Christen weiterlebt.
Wer so denkt, der glaubt nicht: Jesus ist wirklich auferstanden, das
beweisen doch gerade die Berichte über die Jünger. Wir können nämlich dem
Thomas und den anderen Jüngern dankbar sein, dass sie sich so hartnäckig
zeigten, denn an ihnen sehen wir, dass sie sich nicht von einer Idee
hätte überzeugen lassen: sie wollte Jesus sehen. Sie hätte sich bestimmt
klar gegen solche erdichtete Gerüchte gestellt.
Thomas hätte übrigens bei keinem Raub des Leichnams Jesu mitgemacht,
wie es die Hohepriester und Pharisäer befürchteten und Pilatus baten:
Gib deshalb Anweisung, das Grab bis zum dritten Tag zu bewachen! Sonst
könnten seine Jünger kommen, die Leiche stehlen und dann dem Volk
erzählen: Er ist vom Tod auferweckt worden." Dieser letzte Betrug wäre
dann noch schlimmer als alles andere vorher. Mt.27,64.
Jesus ist wirklich auferstanden. Er hat sein Grab verlassen und er
sitzt nun zur Rechten Gottes.
Vielleicht ist es gut, wenn Du Dir das wieder deutlich sagen lässt.
## III.Eine neue Zeit bricht an
Jesus lehrt die Jünger und uns über die Zukunft. Wie sich die Gemeinde
Jesu entwickeln wird. Er sagt:
Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du.
Jesus weist Thomas zurecht, er zeigt ihm auf, dass sein Verhalten
nicht vorbildlich ist. Im Markusevangelium lesen wir sogar.
Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und
schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt
hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. Mk.16,14.
Sie sind nämlich schlechte Vorbilder des Glaubens. In Zukunft wird
Jesus nicht mehr als Auferstandener erscheinen, deshalb sagt er:
Glücklich, der Rettung gewiß sein können alle, die nicht sehen und doch
glauben!
In Zukunft werden die Nachfolger Jesu ohne ihn gesehen zu haben an ihn
glauben. So wird Gemeinde Jesu heranwachsen. Folgerichtig schreibt später
Petrus:
Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr
an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit
unaussprechlicher und herrlicher Freude, / wenn ihr das Ziel eures
Glaubens erlangt, nämlich die Rettung eurer Seelen. 1.Petr. 1,8-9.
Die Apostel sind die Zeugen der Auferstehung. So galt es als ein
wichtiges Kriterium für einen Apostel, dass er den Auferstandenen gesehen
hat, denn als sie einen weiteren Apostel wählten, heisst es:
So muss nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind die
ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein- und ausgegangen ist
/ ... mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden. Apg.1,21-22.
Die Apostel sind also Zeugen der Auferstehung. Das ist übrigens auch
ein Grund, weshalb wir heute keine Apostel mehr haben.
Anwendung
Für uns heisst das, dass wir das Vorrecht der Apostel nicht haben. Wir
können nicht wie Thomas erwarten, dass Jesus uns erscheint, und dann
glauben. Glücklich wird sich schätzen können, der Jesus nicht sieht und
doch glaubt.
Wir vertrauen heute dem Zeugnis der Apostel. Ihr Zeugnis kann gerade
deshalb überzeugen, weil sie selbst sich gegen die Auferstehung
sträubten. Erst als Jesus sich ihnen zeigte glaubten sie. Nun sind sie
für uns die Zeugen und wir vertrauen ihrem Zeugnis.
Johannes beruft sich gerade in seinem Brief auf dieses Zeugnis wenn er
schreibt:
(Wir verkündigen euch)
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit
unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben,
vom Wort des Lebens 1.Joh.1,1.
Schluß
Die Auferstehung ist einer der wichtigsten Pfeiler unseres Glaubens.
Wenn wir die Auferstehung Jesu in Frage stellen, dann stellen wir den
gesamten Glauben in Frage.
Wäre Jesus nicht auferstanden, wären wir alle verloren und noch in
unseren Sünden. Wir würden vor dem jüngsten Gericht nicht bestehen
können. Aber nun können wir mit Paulus ausrufen:
...Der Tod ist vernichtet! Der Sieg ist vollkommen!
Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist deine Macht? 1.Kor.15,54-55.
Das sollte genug Grund zur Freude sein. Jesus hat den Tod besiegt,
durch ihn sind wir zum Leben befreit. Mit Petrus können wir voll
Dankbarkeit sagen:
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! In
seinem grossen Erbarmen hat er uns neu geboren und mit einer lebendigen
Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus
Christus vom Tod auferstanden ist. 1.Petr.1,3. Amen.
