Wir lesen die Offenbarung und wir kommen heute im 14. Kapitel an die Verse 6 ff.:
Und ich sah einen anderen Engel fliegen mitten durch den Himmel. Der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen, denen, die auf Erden wohnen, alle Nationen und Stämmen und Sprachen und Völker. Und er sprach mit großer Stimme: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen.“* Und ein zweiter Engel folgte, der sprach: „Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt, denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Hurerei gedrängt alle Völker.“
Und ein dritter Engel folgte ihnen und sprach mit großer Stimme: „Wenn jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Zeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird von dem Wein des Zornes Gottes trinken, der unvermischt eingeschenkt ist in den Kelch seines Zorns und er wird gequält werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch von ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und sie haben keine Ruhe, Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild und das Zeichen seines Namens annimmt.“ Hier ist Geduld der Heiligen. Hier sind die, da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus. Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: „Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihrer Mühsal, denn ihre Werke folgen ihnen nach.
"Ich sah". Immer wieder dieses gleiche Wort: „Ich sah." "Ich sah“. Deshalb wurde er ja auch der Seher genannt, Johannes.
Einer, der sieht. Nun sicher, Sie und ich, wir sehen alle auch sehr viel, sogar, und jeder könnte heute Abend einen langen Bericht schreiben von dem, was er heute schon alles gesehen hat. Heute Morgen hat man schon den Wecker gesehen und dann das Frühstück, vielleicht nur zu kurz, und dann das Geschäft und die Kollegen, die Leute, an denen man sich freut oder die einem senkrecht auf den Geist gehen. Doch jeder könnte einen langen Bericht schreiben von dem, was er an diesem Abend, an diesem Tag gesehen hat. Aber bei Johannes ist es doch etwas anders. Er sah nicht nur das, was vor Augen ist, sondern er sah das, was vor Gott ist. Johannes war ein Weitseher, Johannes war der erste Fernseher, einer, der wirklich in die Ferne schauen konnte. Viel besser als die Leute, die sich jetzt des Himmelsteleskops Hubble bedienen. Diesem Supergerät, das ja mit der Raumfähre Discovery im Weltraum platziert worden ist und mit dem man fast bis in die Enden des Universums, so wurde gesagt, sehen kann.
Aber gleich zu Beginn gab es ein Malheur, als der erste Impuls, als das erste Signal von der Erde ausgestrahlt wurde, um dieses Fernglas auf dieses uralte Sternenfeld Teta Carina einzustellen, das 1260 Lichtjahre – man kann sich überhaupt nicht vorstellen! – 1260 Lichtjahre entfernt ist. Als sie es versuchten, dorthin einzustellen, dieses 11,5 Tonnen schwere Gerät, da nahm es diesen Impuls nicht auf. Dieses Signal wurde glatt missachtet und die NASA-Mitarbeiter, die guckten nur in die Röhre.
Sehen Sie, Johannes sah nicht, weil er besonders gute Adleraugen hatte, sondern weil er auf das Signal Gottes, weil er auf den Impuls Gottes reagierte. „Gib uns Augen, die was taugen. Rühre meine Augen an“, denn von Natur aus sind wir alle Blindgeborene. Vom Reich Gottes sehen wir alle keinen Schimmer. Er muss uns das Sehen schenken und er schenkt es auch. Siehe. Siehe steht hier. Und ich sah und siehe.
Dieses Siehe ist der Impuls, ist das Signal von der anderen Welt, das uns einstellen will, uns orten auf die Ziele, die er vor Augen hat und uns vor Augen stellen will. Siehe, das ist die Möglichkeit Gottes, einmal alles andere zu übersehen und das zu erkennen, was wichtig ist.
Und das wünschte ich mir jetzt an diesem Abend auch, dass dieser Impuls hier hereinkomme, nicht nur in diesen wunderschönen Kirchenraum, sondern hereinkomme durch alles hindurch, was wir gesehen haben. Siehe und uns heute Abend noch einmal die Augen öffnen für diese Weite und dieses Ziel unseres Gottes.
Deshalb gleich zu Anfang noch einmal dieses Siehe, dieser Impuls Gottes. Siehe. Das will ich euch heute Abend groß machen und deutlich machen.
Was aber sah denn dieser Johannes? Wer dieses Kapitel 14 noch einmal ganz durchgelesen hat oder es dann noch einmal durchliest, der wird sehen, dieses Kapitel ist so wie ein Triptychon.
Ein Triptychon ist ja eine Bildtafel in drei Teilen oder es ist eigentlich fast wie ein Festzug mit drei verschiedenen Abteilungen. Oder musikalisch gehört, es ist fast wie ein Dreiklang. Drei Töne, Dur- und Moll-Töne nebeneinander. Voraus drei Verkündigungsengel und dann der Weltenherr und dann drei Gerichtsengel hinterher, dieses Triptychon.
Wir wollen an diesem Abend unseren Blick, aber unser Gerät, unsere Augen nur auf diesen ersten Teil, auf dieses erste Bild einstellen, nämlich auf diese drei Verkündigungsengel. Drei Verkündigungsengel.
Was sind Engel? Es gibt Menschen, von denen wir sagen, sie sind richtige Engel. Manche behaupten, sie hätten schon Engel gesehen. Ich weiß nicht, es mag Engelserscheinungen geben, aber meistens sind sie nicht deckungsgleich mit dem, was von Engeln in der Bibel berichtet wird.
Verkündigungsengel, von denen hier die Rede ist, sind Herolde seiner Herrschaft, die Lautsprecher der Stimme Gottes, die Verkündiger des Evangeliums. Man muss ja diese Nachricht Gottes nicht erahnen. Man muss diese Nachricht Gottes nicht erfühlen. Man muss diese Nachricht Gottes nicht erspüren, wie manche heute meinen. Sie gehen auf bestimmte Meditationszentren, sie setzen sich auf bestimmte Teppiche, sie folgen sogar bestimmten Gurus. Sie schauen und hören in sich hinein, um die Botschaft Gottes zu erkennen. Liebe Freunde, und ich bin auch immer skeptisch, wenn Leute zu mir sagen: „Das hat mir Gott gesagt.“ Und die Frage: „Wo hat er es denn ihnen gesagt? Und wie hat er es denn ihnen gesagt?“ „Ach, ich hörte eine Stimme in mir und das war Gottes Stimme.“ Sind Sie vorsichtig! Verwechseln Sie nicht Gottes Stimme mit Ihrer Wunschstimme im eigenen Herzen. Gott hat sich auch mit und ohne Engel an sein Wort gebunden und er spricht auch über Engel nur das, was auch in seinem Wort steht.
Das Wort ist das Gefährt der Stimme Gottes. Ein anderes Erahnen oder Fühlen oder Erspüren der Stimme Gottes gibt es nicht. Man kann nicht hineintauchen in irgendwelche Gefühle und nachher sagen, das war Gott, das hat Gott gesagt. Wo hat er es denn gesagt? Gott spricht in seinem Wort und nur in seinem Wort. Alles andere sind die Stimmen des falschen Propheten. Und hier sprechen eben die Herolde, sind die Transporteure von Gottes Wort. Diese Engel werden erkannt, hier heißt es hoch oben, wörtlich im Zenit des Himmels.
Ich hatte in der letzten Woche ein Gespräch mit einem Redakteur des Evangeliumsrundfunks in Wetzlar und er klagte mir noch einmal die Hauptnot und sagte: „Unser Hauptproblem ist im Grunde nicht das Geld, obwohl wir das auch notwendig brauchen als Sender, der nur von Spenden lebt, sondern unsere Hauptnot ist unsere Bodenstation in Monte Carlo.“ Von dort aus werden die Sendungen hineingeschickt und bei uns zum Teil oft nur sehr schlecht aufgenommen.
Junge Leute sprechen deshalb vom „Evangeliumsknack“. Weil es immer knackt, wenn sie hören wollen. Und gerade junge Leute mit ihren Disco-geschulten Ohren können sich schwer einstellen auf solch schlechtes, schlecht hörbares Programm. Und dieser Redakteur sagte, wir bräuchten eigentlich mindestens so eine Art Deutschlandfunk, den wir auch richtig hören könnten, besser einen Satelliten, so wie der neue Superchannel, der ganz Mitteleuropa erreichen kann.
Liebe Freunde, diese Engel haben einen noch besseren Standort. Sie haben nicht nur eine Umlaufbahn um diese Erde, sondern sie stehen gleichsam im Zenit. Von dort erreichen sie alle Nationen und Stämme und Völker und Sprachen.
Bei uns gibt es ja einen heißen Machtkampf der Medien um die potenten Hörer und Fernseher. 60 Millionen könnten die neuesten Satelliten erreichen. Die Engel hier erreichen 6,5 Milliarden mit einem Schlag. Kein einziger liegt im Hörschatten. Niemand liegt im Bildschatten. Jeder muss es zugeben: „Ich könnte es hören, wenn ich wollte, ich könnte es hören.“ Wenn ich manche Leute besuche, die sagen: „Ich kann eben nicht mehr kommen. Es reicht nicht zur Bibelstunde. Sonntags kann ich auch nicht weg. Ich bin auch zu alt.“ Und ich sage: „Sie können es doch in Ihrem Rundfunk hören.“ Und dann höre ich immer wieder: „Ich krieg's eben nicht rein. Ich krieg's nicht rein.“
Es kann keiner behaupten bei dieser Botschaft: „Ich krieg's nicht rein.“ Jeder von uns liegt im Hör- und Sehbereich dieser Heroldsbotschaft. Und wer sagt: „Ich habe meine Zweifel, ich höre nichts von diesem Gott. Ich sehe nichts und ich kann damit nichts anfangen“, so ist einer, der sich noch nie geöffnet hat für diesen Herrn. Keiner soll so sagen, keiner kann so sagen.
Deshalb steht es hier, die Engel im Zenit. Sie erreichen alle Menschen. Was Johannes voraussah, hier werden einmal alle sehen. Was Johannes gehört hat, werden einmal alle sehen. Die Zeit dieses Fernsehens steht noch aus, sicher, aber sie wird kommen.
Jetzt schon wird dieses Dreifache deutlich. Einmal die Frohbotschaft dieser Engel und zweite ist dann die Gerichtsbotschaft dieser Engel und das dritte, was ich noch anschneiden will, ist die Entscheidungsbotschaft dieser Engel, das ist hier in diesen Versen ausgedrückt.
Das eine,
Die Engel der Frohbotschaft
... das sind die ersten, das ist der erste Engel, von dem hier die Rede ist.
Und er bringt, und so steht es hier, das ewige Evangelium. Er hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen.
Ewiges kann nun dreierlei bedeuten, liebe Freunde. Einmal, es stammt von Ewigkeit her, so wie es in Römer 16, Vers 25 steht. Paulus spricht nämlich auch einmal von der Offenbarung des Geheimnisses, das von Anbeginn der Welt erschienen war, also ein ewiges Evangelium. Das heißt, das schon immer war und ganz am Anfang gestanden ist, das nur noch nicht erkannt, sich aber dann vor allem in Jesus offenbart hat von Ewigkeit her.
Es kann aber auch ein zweites bedeuten, nämlich ein ewiges Evangelium bedeutet, dass es für alle Ewigkeit stehen wird. Eine Botschaft, eine Magna Carta für alle Ewigkeit. Es besitzt ewige Gültigkeit. Es ist uns in diesen Monaten wieder deutlich geworden, wie menschliche Papiere, Friedensschlüsse, Verträge über Nacht zu Makulatur werden. Revolutionen, die plötzlich entstehen, und Verträge sind vom Tisch gewischt. Unsere Regierungsleute sitzen in diesen Tagen, schwitzen in diesen Tagen über einem neuen Staatsvertrag. Der fertig werden soll, und jeder weiß, auch solch ein Staatsvertrag wird nur von der Ewigkeit aus gesehen eine kurze Zeit überdauern, dann wird er abgelöst von neuen Dokumenten und Papieren. Ob das der Versailler Vertrag war, ob es Friedensschlüsse, ob es irgendwelche Urteile waren, sie gehen und sind dahin. Dieses Evangelium, liebe Freunde, das gilt für alle Ewigkeit. Da mögen andere Regierungsformen kommen, da mögen Kriege und mögen Schrecken kommen. Dieses Evangelium gilt in alle Ewigkeit, von Ewigkeit her und in alle Ewigkeit hin.
Und die dritte Bedeutung könnte sein, es befasst sich dieses Evangelium mit ewigen Dingen, nicht mit zeitlichen. Das ist die dritte Bedeutung dieses Ausdrucks.
Sehen Sie, das Evangelium beantwortet keine Zeitfragen. Man sollte sich das einmal merken. Die Bibel ist kein Brockhaus, indem ich zu allen Problemen und Fragen eine Antwort bekäme. Viele sind Zeitfragen in unserem Leben, auf die die Bibel keine Antwort gibt. Und ich höre auch immer wieder in Gesprächen: „Warum bekomme ich jetzt bei meinem Bibellesen auf diese und jene Frage keine Antwort?“ Z.B. ein junger Mensch, wenn er sich fragt: „Soll ich Lehrer oder soll ich jetzt Buchhalter werden?“ Freunde, das ist nur eine Zeitfrage, die gilt allenfalls für die nächsten 30 Jahre. Dann ist er Rentner. Diese Frage ist in der Bibel nicht beantwortet. Diese Frage kann ich nur im Gebet und vielleicht mit Freunden besprechen. Diese Frage ist eine Zeitfrage und wird von der Bibel nicht beantwortet.
Oder: „Soll ich, Herr, ein Haus bauen oder soll ich das Geld zurücklegen und meinen Kindern geben?“ Für manche ein großes Problem. Was mache ich mit meinem Geld, um es richtig zu haben? Die Bibel gibt keine Antwort. Es ist eine Zeitfrage, keine Ewigkeitsfrage.
Bis hin zu dem „Soll ich meinen Urlaub auf Gran Canaria verbringen oder auf der Schwäbischen Alb“ ist eine Zeitfrage, eine interessante Frage, schöne Frage, aber sie kann nicht in der Bibel beantwortet werden.
Liebe Freunde, die Bibel beantwortet nur Fragen, die für die Ewigkeit entscheidend sind. Und dort, wo Sie keine Antwort bekommen auf eine Frage, die ist auch für die Ewigkeit nicht entscheidend. Viele Fragen, die Sie haben und die Sie plagen, diese Fragen, die von der Bibel nicht beantwortet werden und die Ihnen von keinem beantwortet werden können, sind für Ihre Ewigkeit nicht entscheidend.
Und deshalb kann man sie auch unbeantwortet und getrost liegen lassen. Es ist an der Zeit immer wieder Fragen, große Fragen seines Lebens wegzupacken und zu sagen: „Nein, sie spielen für meine Ewigkeit und für Gottes Ewigkeit keine Rolle, wenn sie hier nicht beantwortet werden. Hier werden ewige Fragen beantwortet, andere nicht.“
Und wie ist nun dieses ewige Evangelium beinhaltet? Er sagt hier mit Vers 7: Dieses ewige Evangelium heißt: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre.“
Aber das ist doch ein Gebot und kein Evangelium! Das ist doch ein Totalitätsanspruch an die ganze Welt, wie im Sinai verkündigt worden ist! Soll das Frohbotschaft für diese Welt und für uns sein?
Freunde, eigentlich handelt es sich bei genauem Hinhören und genauem Untersuchen um eine Kapitulationsaufforderung.
Fritz Grünzweig, dieser kürzlich verstorbene Lehrer aus Korntal, der ja lange Zeit im Kriege war, erzählt vom Sommer 43 an der Nordostfront, wo er in vorderster Linie zu kämpfen hatte. Und er erzählt dort, wie eines Tages die russische Artillerie stundenlang ein infernalisches Trommelfeuer veranstaltet habe und sie in ihren Gräben lagen, Feuer, Tod um sie herum. Und dann auf einmal mittendrin nach Stunden war auf einmal eine unendliche Stille und dann drangen aus der nur 200 m entfernten feindlichen Linie die Klänge eines Wiener Walzers aus Lautsprechern. Dann hörte man eine Stimme in Deutsch, die sagte – und ich lese jetzt wirklich: „Hier ist es schön, es gibt zu essen und zu trinken, schöne Mädchen. Kommt herüber zu uns. Wenn ihr kommt, seid ihr frei. Oder im anderen Fall heute Abend Tod oder Krüppel, darum kommt.“ Und einige, schreibt Fritz Grünzweig, kamen und wurden gefangen genommen, abgeführt, verhört und hinter Stacheldraht gebracht. Viele von denen später in Sibirien umgekommen.
Und nun passen Sie auf. Unser Herr lässt vor dem letzten großen Sturm, der über diese Erde fegen wird, eine Kapitulationsaufforderung an alle Menschen richten. Und die lautet: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre. Heraus aus euren Gräben, in denen ihr euch eingegraben habt. Heraus aus euren Gebundenheiten, hinter denen ihr liegt. Heraus aus den Stummheiten, um Gott zu loben und zu ehren. Wir liegen ja wie die alten Krieger und verteidigen unsere Stellungen, die wir gebaut haben. Wir sitzen im Bunker oder liegen vielleicht sogar im Lazarett und haben Angst vor dem Trommelfeuer, das hereinbricht. „Fürchtet Gott“ ist Evangelium, liebe Freunde, weil es Freiheit von allen anderen Bindungen bringen kann. Fürchtet Gott und nicht antichristliche Mächte. Gebt Gott die Ehre und nicht euch selbst und den Menschen, die um euch herum sind. Gebt Gott die Ehre und nicht den Tieren aus dem Abgrund. Es ist höchste Zeit zu ihm überzuwechseln. Er wartet noch auf mich. Wer weiß, wie lang?
Nur, und das ist der große Unterschied zu 1943: Unser Herr, der uns geliebt hat, als wir noch Feinde waren, wie es in der Bibel heißt, und damals sein Blut für uns vergossen hat, bietet eine echte, eine wunderbare, eine großartige Chance. Wer ihr folgt, aus seinen Löchern kriecht, in denen er sich gegen Gott verschanzt hat, wer ihn um Vergebung bittet, den bringt er nicht hinter neue Stacheldrähte, den schickt er nicht in neue Verhöre, den lässt er nicht in einem Arbeitslager irgendwo neu verenden, sondern den stellt er auf seine Seite, in seine Freiheit und sofort in seinen Dienst. Sehen Sie, bei Paulus war das so, als er vor Damaskus niedergeschlagen wurde und er sein Leben diesem Herrn übergab, als er kapitulierte, da war er sofort zum Apostel dieses Herrn gemacht. Darum geht es in diesem Kapitel bei diesem Engel im Zenit, dass es sagt: Gebt Gott die Ehre, dass wir all das, was wir um uns herumgemobelt haben und was uns ohnehin nicht schützt, dass wir es aufgeben können und auf seine Seite wechseln. Man kann es an solch einem Abend neu tun.
Denn liebe Freunde, hier jetzt in unserer Zeit fallen die Entscheidungen für die Ewigkeit. Und ein Zeichen, dass wir auf seine Seite gehören, ist immer die Anbetung. Betet ihn an. Vers 7. Gott hat ja alles geschaffen und ich bin nur ein Teil an ihm. Und wenn ich mich entferne, stimmt der Kreislauf nicht mehr. Immer wieder leiden wir an Kreislaufstörungen zwischen Gott und uns. Indem ich ihn anbete, indem ich ihm die Ehre gebe, bin ich mit ihm verbunden und der Kreislauf der ewigen Liebe stimmt wieder. Er schenkt, ich danke, er redet, ich antworte, er segnet und ich lass mich segnen. Er in mir und ich in ihm, Freunde, das ist das ewige Evangelium.
Und das Zweite noch:
Der Engel der Gerichtsbotschaft
Da heißt es ja: Sie ist gefallen, sie ist gefallen. Babylon, die große Stadt.
Es ist in seltsam drängender Eile. Diese Dringlichkeit zittert durch diese Wiederholung. Sie ist gefallen. Sie ist gefallen. Babylon, die große Stadt. Man muss den Hintergrund kennen, gell? Das große Gegensatzpaar Jerusalem und Babylon. Jerusalem, Gottes Platz auf Erden, das sollte Jerusalem sein und ist es immer wieder nicht gewesen. Und deshalb wurde ja auch über Jerusalem geweint. Jeremia sagt einmal, dass er nicht genug Tränenwasser im Kopf habe, um über diese Stadt zu weinen. Und Jesus steht über dieser Stadt und weint über Jerusalem. Jerusalem, die Gemeinde Gottes, die die Braut sein sollte, wird immer wieder zur Hure, wird immer wieder zu Babylon. Teile von Jerusalem sind damals übergelaufen zum Antichristen und haben Teile der Gemeinde mitgenommen. Wie im Rausch liefen sie davon. So ist es heute auch, liebe Freunde, die Verführung dessen#, dass man wegläuft, kommt nicht von außen.
Es ist nicht so heute, dass irgendwelche gottlosen Stimmen sagen: „Lass doch die Gemeinde, lass doch Jerusalem, geht davon weg.“ Es sind ganz wenige. Die Verführung, und so steht es hier, kommt immer von innen. Die Verführung kommt nicht vom Umland Jerusalems, sondern von Jerusalem selber. Die Verführung kommt nicht von außerhalb in die Gemeinde hinein, sondern kommt von der Gemeinde innen heraus. Leute in der Gemeinde stehen auf und sagen: „Lasst uns in ein besseres Jerusalem gehen. Lasst uns in ein lebendigeres Jerusalem gehen. Lasst uns neue Gemeinden bilden.“
Liebe Freunde, so wird's gesagt: „Du musst freier werden oder du musst weltlicher werden, du musst enger werden oder du musst weiter werden.“ Heute werden viele in unseren Reihen unsicher gemacht über den Weg der Gemeinde und der Kirche. Zugegeben, unsere Kirche ist wahrlich kein reines Jerusalem. Keine reine Brut. Darüber streiten wir uns nicht, aber woanders ist es bestimmt nicht besser.
Der alte Paulus hat seinem jungen Schüler Timotheus eines gesagt: „Bleibe in dem, was du gelernt hast.“ Und ich möchte es heute Abend jedem dringend ans Herz legen, dem, der auch und immer wieder jenes zitternde Herz bekommt: „Bin ich denn hier richtig? Bin ich nicht doch bei der reinen und wirklichen Gemeinde? Gehöre ich nicht doch ins richtige Jerusalem?“ Wer immer wieder von diesen Fragen jetzt in diesen Monaten und Jahren gequält wird, der höre das. Diese Gefahr kommt von innen und ist nur mit dem zu bannen: „Bleibe in dem, was du gelernt hast.“ Bleibe auf dem Weg, den du gesehen hast. Bleibe auf dem Wort dieses Engels, des ewigen Evangeliums.
Ein Letztes, liebe Freunde:
Der Engel der Entscheidungsbotschaft
Das ist der dritte. Man kann, und das sagt er, sich entweder für oder gegen entscheiden. Ein Kompromiss gibt es nicht. Im Dritten Reich trugen viele Männer, auch Frauen sicher, das Parteiabzeichen auf dem Aufschlag, obwohl sie innerlich gar nicht dabei waren.
Heute tragen viele das Zeichen des Antichristen, geben sich als Nicht-Christen in ihrer Umgebung aus, zeigen nicht, dass sie Christen sind, und glauben heimlich. Aber heimlicher Glaube ist unheimlich. Er bekommt es mit dem Zorn Gottes zu tun. Kapitel 14, Vers 10. Auch das steht in der Bibel. Nicht nur vorne steht: Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Es steht auch hinten in der Offenbarung. Es gibt da nicht ein Ende mit Schrecken, sondern ein Schrecken ohne Ende. Rauch und Qual steigen auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. Manche sagen: „Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht.“ Der Engel sagt: „Heißer wird es sein in Feuer und Schwefel.“ Hier ist Geduld der Heiligen vonnöten. Heilig ist kein Qualitätsbegriff. Es gibt keine Heiligen unter uns. Heilig ist ein Eigentumsbegriff. Ein Heiliger ist einer, der diesem Herrn gehört, auch wenn er Runzeln und Flecken hat.
Die Gemeinschaft der Heiligen sind nicht Heilige nach dem Sinne dieser Welt, sondern das sind solche, die diesem Herrn gehören und der sie erkauft hat. Und deshalb diese Seligpreisung angefügt: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterbenÜ. Die diesen Weg bis zum Schluss gehen, heißt das. Sicher, man kann zu Hause plötzlich sterben, kann im Krankenhaus sterben, man kann im Auto sterben. Es ist egal, wo man stirbt. Nur eines: Selig ist, der in dem Herrn stirbt."" Selig sind, die in dem Herrn sterben. Denn Sterben ist dann ihr Gewinn (Philipper 1, Vers 21). Sie ruhen von ihren Werken, von ihrer Arbeit. Es ist kein ewiger Ruhestand hier gemeint, vor dem man Angst bekommen könnte.
Es gilt schon, was Matthäus 25 steht, wenn Gott sagt, wenn der Herr sagt von seinem Knecht: „Du bist über wenigem getreu gewesen. Ich will dich über viel setzen.“ Liebe Freunde, so wird eine Ewigkeit sein. „Du bist hier über wenigem getreu gewesen, über deinem kleinen Aufgabenbereich, über deinem kleinen Stand, hinter dem du stehst. Du bist über wenigem getreu gewesen. Ich will dich über viel setzen.“ Gott hat eine ganz große Aufgabe für Sie alle vor in der Ewigkeit. Aber es wird auch Ruhe sein. Ruhe von allen Bedrängnissen, von allen Sorgen, von allen Querschlägern des Bösen. Eingehen zur Ruhe. Nicht verfolgt von der Liste guter Werke, sondern gefolgt von den Früchten – das ist damit gemeint –, von den Früchten, die er in unser Leben legt.
Man sagt manchmal, wenn man Besuch macht: „Man kann doch nicht mit leeren Händen kommen.“ Und so denke ich auch, wenn ich einmal vor den Thron Gottes gerufen werde: „Ich kann doch nicht mit leeren Händen kommen. Ich muss doch etwas vorzeigen können. Ich muss doch ein paar gute Werke in den Händen haben."" Nein, ich habe nichts vorzuzeigen. Was ich geschafft habe, ist nicht wert und verbrennt vor Gottes Angesicht.
Aber er lässt Früchte in meinem Leben wachsen, die es wert sind. In jedem Leben, und mag es noch so klein und kärglich und erbärmlich sein, lässt Gott Früchte wachsen, die er annimmt und die uns nicht mit leeren Händen vor dem Throne Gottes stehen lassen. Und wenn Sie meinen: „In meinem Leben wächst nichts, in meinem Leben sehe ich nichts, in meinem Leben gibt es keine Frucht“, siehe, Sie werden einsehen, dass es keinen gibt, der ihm nachgefolgt, der nicht vor ihm steht mit Früchten, die bei ihm gewachsen sind. Und wenn wir es nicht sehen und nicht glauben können, dann halten wir uns an Abraham. Wir wollen Gott aufs Wort glauben, mehr als unseren Augen. Wir sehen, dass Kinder nichts mitgenommen haben, aber wir werden einmal sehen – ich meine in der Familie meinen wir es manchmal, Kinder haben nie was mitbekommen, sie sind davongegangen - wir werden einmal sehen, dass alles nicht vergeblich war. Abraham hat geglaubt, da nichts zu hoffen war.
Er zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern war stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs Allergewisseste: Was Gott verheißt, das wird er auch tun. So ist es. Was Gott verheißt, das wird er auch tun.
„Ich sah“, sagt Johannes. Sehen wir es auch?
Amen.
Und nun wollen wir unsere Hände falten und stille werden und beten:
Vater, weil unsere Augen immer wieder gehalten sind und wenn sich immer wieder die Wolken des Zweifels und auch die Nebel des Unglaubens zwischen dich und uns schieben. Und wenn unsere Tage so gefüllt sind mit dem, was uns bewegt, deshalb reiß uns noch einmal die Augen auf. Lass es uns erkennen, wer du bist und was du mit uns vorhast. Gib, dass wir das verlassen können, was uns bedrängt. Reiß uns heraus aus unseren Gräben und Gräbern. Stelle uns ins Licht des neuen Morgens, Herr.
Ich bitte dich an diesem Abend für unsere Kranken. Ich bitte dich besonders für unsere Schwermütigen und Schwerblütigen und ich bringe dir unsere Sterbenden. Nimm du alles in deine Hände, auch in unserem Leben, in unserem Volk, Herr. Erbarme dich unser.
Amen.
