Generierte Mitschrift
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Die Begegnung am Weg und die Frage nach dem Leben
Unser Predigtext steht in Markus 10. Wenn Sie in Ihren Bibeln aufschlagen, Markus 10,17-27, lesen wir von der Gefahr des Reichtums.
Als Jesus sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor Jesus nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben erbe?
Aber Jesus sagte zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst ja die Gebote genau: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falsche Anklage erheben, du sollst niemanden berauben, ehre deinen Vater und deine Mutter.
Er aber sagte zu Jesus: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an.
Aber Jesus sah ihn an, gewann ihn lieb und sagte zu ihm: Eines fehlt dir noch. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. So wirst du einen Schatz im Himmel haben. Und komm und folge mir nach.
Er aber war ganz niedergeschlagen über die Antwort und ging traurig davon, denn er hatte einen großen Besitz.
Und Jesus sah sich um und sagte zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
Die Jünger aber waren von seinen Worten tief betroffen. Aber Jesus antwortete ihnen wiederum: Liebe Kinder, wie schwer ist es, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.
Sie waren aber noch viel mehr erschrocken und sagten zueinander: Wer kann dann gerettet werden?
Jesus aber sah sie an und sagte: Bei den Menschen ist es unmöglich. Aber nicht bei Gott, denn alles ist möglich bei Gott.
Herr, schaffe du es, dass wir selig werden. Amen.
Wenn Reichtum nicht nur die anderen betrifft
Es ist immer etwas kompliziert, wenn man über den Reichtum spricht. Ich traf einmal einen Mann, der mir ganz erfüllt erzählte, wie er eine Predigt gegen die Reichen gehört hatte. Das sei so nötig, sagte er, dass man in der Kirche das auch einmal beim Namen nennen müsse.
Ich war völlig verdutzt, denn der Mann, der mir das erzählte, war in meinen Augen steinreich. Er bezog das gar nicht auf sich. Und das geht so leicht: dass man immer die anderen darunter versteht.
Reiche haben es auch sehr schwer. Sie müssen mehr Steuern zahlen als andere, und viele liebe Freunde warten darauf, dass immer etwas für sie abfällt. Und vom Schenken können die ja auch nicht leben. Schließlich ist es in unseren Zeiten gar nicht so leicht, dafür zu sorgen, dass man sein Gut erhält.
Und doch ist hier von Reichen die Rede, wie in einer ganz klaren Rede Jesu, dass Reiche nicht ins Reich Gottes kommen können. Darum will ich Ihnen sagen, falls Sie es noch nicht gemerkt haben: Wir sind reich!
Wir sind reich. Schon am letzten Sonntag sagte ich: So etwas hat es in der Geschichte des deutschen Volkes und wahrscheinlich auch weltweit noch nie gegeben, wie wir heute aus dem Vollen schöpfen können, auch wenn Sie in diesem Monat gerade knappe Kasse haben. Wir sind unheimlich reich!
Und das ist für uns eine Frage: wie wir mit unserem Geld und mit den Dingen umgehen, die uns anvertraut sind. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir noch reicher würden. Darum habe ich ein Thema formuliert, das diese ganze Geschichte zusammenfassen soll und gleich die Deutung dieser Begegnung Jesu mit diesem reichen jungen Mann zeigt:
Ein Reicher bleibt arm.
Der erste Blick auf das, was fehlt
Mein erster Punkt: Er merkt, was ihm fehlt.
Normal ist es, dass reiche Leute ein Gespür dafür haben, was ihnen fehlt. Wo man Geschäfte machen kann, da muss man richtig die Nase im Wind haben. Da muss man im richtigen Moment sein Geld investieren und es im richtigen Moment zurückhalten, denn man kann immer noch mehr daraus machen. Das ist das Geheimnis des Reichtums.
Aber dieser junge Mann unterscheidet sich davon. Er spürt, dass ihm etwas fehlt, nämlich nicht mehr Reichtum und nicht mehr Güter und nicht neue Investitionen und nicht neue Anlagen und nicht eine bessere Rendite, sondern: Dieser junge Mann hat ein Gespür dafür, dass ihm ewiges Leben fehlt, ewiges Leben, das von Gott kommt.
Und ich meine, das ist die Chance, warum Reiche selig werden können. Die spüren oft besser als andere, dass man mit dem Reichtum gar nicht viel kaufen kann. Vielleicht ist es die Tücke, dass die Armen sich immer vorstellen: Wenn ich einmal Geld hätte. Wenn ich einmal an die Schätze herankäme. Und denken Sie jetzt bitte nicht, dass die Hungersnöte und die großen Wirtschaftskatastrophen heilsam wären für das geistliche Leben der Menschen. Im Gegenteil: Dort sind oft die Träume noch viel mehr auf die Güter und das Geld fixiert.
Dieser junge Mann spürt so deutlich: Geld ist recht, und Geld ist gut, und Geld ist schön, und Geld macht Spaß. Aber daneben gibt es Leben, das von Gott kommt, und das kann ich mir nicht mit Geld kaufen. Und dieses müsste ich haben. Dass er sich überhaupt Zeit nimmt, Jesus aufzusuchen, ist schon bemerkenswert.
Wir haben es uns angewöhnt, in unserem Klischee solche Leute kurzfertig zu machen. Und bei diesem reichen jungen Mann sagen wir: Der war eben geldgierig. Dabei war er wahrscheinlich weniger geldgierig als wir alle, wie wir oft herumknapsen, wenn es nur um die Stille geht, die wir täglich über dem Wort Gottes haben. Ich weiß nicht, mit welchem Heißhunger Sie nach Leben aus Gott suchen.
Dieser junge Mann hat gesucht. Er machte sich auf, lief zu Jesus, fragte ihn. Und es stellt sich rasch in dem Gespräch heraus, dass er nicht nur einer dieser üblichen Schwätzer ist. Er ist auch nicht einer von denen, die sagen: Ich habe eine religiöse Sehnsucht. Sondern er ist einer, der das mit seinem Gehorsam bekräftigen will. Was wünschen wir uns mehr? Einer, der das auch lebt.
Der Anspruch, der den Menschen entlarvt
Man hat immer wieder, ja, als Bibelleser einen merkwürdigen Eindruck, wenn man diese Antwort des jungen Mannes hört. Da gibt es denn das sicher kannte er die Bergpredigt nicht, wo Jesus ja die Gebote so entlarvend verkündigt hat, dass gar keiner sich mehr verstecken kann.
Und dieser junge Mann ist natürlich auch ein Mischmasch aus Selbstbetrug und Redlichkeit, wie wir es alle sind. Aber wie er dort vor Jesus dies sagt, ist dies echt, dass er die Gebote, so wie er sie einfach verstehen muss und verstehen kann, als ein treuer Leser des Wortes Gottes gehalten hat. Er hat seinen Eltern nichts vorenthalten an Liebe und Treue. Er hat seinem Nächsten nichts vorenthalten.
Und ich nehme das so vielen Christen auch gar nicht ab, wenn im Raum der Kirche heute so gesprochen wird, als ob das Wirtschaftsleben so kriminell und so dunkel wäre. Ich weiß nicht, ob wir im Raum der Kirche so viel Recht haben, mit Steinen zu werfen. Ich kenne ja auch viel Dunkles in der Kirche, und ich denke, es geht auch sehr ethisch und sehr vornehm zu. Und ich bewundere viele verantwortliche Leute in der Wirtschaft, im Bankenwesen, die sehr treu und redlich arbeiten. Wer da pauschal verdächtigen will, wie es heute immer wieder tut und wie man Menschen, besonders den Massen nach dem Volk reden will, der wird der Wahrheit nicht gerecht.
Dieser junge Mann war verantwortungsbewusst und war edel und hat es sehr ernst genommen. Und er wollte mit seinem Leben etwas Treues und Gutes für seinen Herrn wirken. Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an.
Und Jesus bekräftigte dies noch einmal ausdrücklich. Und er sah ihn an und liebte ihn. Das zum Zeichen, dass es wahr ist und richtig ist, dass es nicht bloß eine Lüge gewesen ist. Und sie hat den Jesus sofort mit harten Worten gestraft.
Doch wo liegt das bei dem jungen Mann, dieses eine, warum Jesus ihn nicht gleich freudig aufnimmt? Wenn so einer zu uns käme, wir würden ihn sofort wahrscheinlich mit einem wichtigen Posten betrauen und sagen: Schön, dass Sie kommen, das freut uns. Vielleicht wächst er noch im Glauben, das ist ja immer dieses unbegrenzte Vertrauen, dass einer geistlich wächst.
Und Jesus sagt: Nein, der Anfang muss richtig sein. Wenn der Anfang nicht richtig ist, dann kann es auch hinten nicht wachsen. Und der Anfang war noch nicht richtig. Darum spricht er mit diesem jungen Mann so deutlich noch einmal und redet ihn an.
Denn dahinter steckt ja eine uralte religiöse Frage, die Sie alle kennen aus unseren Tagen: Was soll ich tun? Was soll ich tun? So fragen die Menschen, die erschüttert sind und spüren, dass ihr Leben vor Gott nicht taugt. Das können sie in allen Religionen verfolgen: Was muss ich tun? Ich wallfahrte nach Lourdes, wenn es sein muss. Ich spende ein Vermögen, ich gehe in den Urwald und pflege die Aussätzigen, ich tue alles, was ich nur tun kann. Sag mir, was ich tun muss.
Diese Frage wurde laut an Pfingsten, als der Geist Gottes über die Menschen fiel, und sie wurden beunruhigt und fragen: Was müssen wir jetzt tun? Wir wollen etwas tun, wir wollen etwas Großes tun.
Der junge Mann, wie er vor Jesus steht, ein korrekter junger Mann, wie wir nur Freude an ihm haben können, ein ernsthafter, pflichtbewusster junger Mann. Doch die Frage: Was muss ich tun? Und am Ende kommt es ganz hart: Du kannst gar nichts tun. Das ewige Leben kann man sich nicht kaufen und kann man sich nicht verdienen.
Das ist ja der Punkt, wo heute noch Menschen sich daran stoßen, und man wird ja zurückgedrängt. Das kann doch Jesus diesem jungen Mann nicht zumuten. Warum nimmt er ihn nicht einfach einmal ein paar Tage mit? Vielleicht lernt er es noch.
Nein, sagt Jesus, entweder man begreift es sofort oder man begreift es gar nie. Er stößt diesen jungen Mann zurück. Und es geht gar nicht, so meine ich, in dieser Geschichte in erster Linie um das Geld. Sonst geht es zuerst einmal um die Frage, ob ich mir das Reich Gottes erwerben kann. Ob ich mir das mit meiner Frömmigkeit kaufen kann, ob ich mir das mit irgendwelchen religiösen Ordnungen hereinholen kann. Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben habe?
Er spürt, dass ihm etwas fehlt.
Der wunde Punkt und die falsche Rechnung
Jetzt bin ich beim Zweiten. Der wunde Punkt. Ich versuche, es zu ordnen, damit sie es auch auseinander kriegen. Es ist schade, es zerreisst die Predigt, zerreisst den Fluss. Aber so ein kleines Gerippe brauchen wir für unsere Gedanken.
Eins fehlt dir. Jetzt haben so viele beim Bibellesen immer wieder gedacht: Aha, typisch, die Reichen sind es eben, man muss sein Geld weggeben. Nein, es gibt in der ganzen Bibel kein Gebot, dass man all sein Geld verschenken soll und dass man nichts auf dem Konto haben kann. Das gibt es nicht. Sondern Jesus hat es diesem jungen Mann gesagt, anderen hat er anderes gesagt: Eins fehlt dir.
Es ist nicht richtig, dass man als Christ nicht mit Geld umgehen darf. Beobachten Sie noch einmal diesen jungen Mann, versetzen Sie sich in ihn hinein, dann verstehen Sie es. Dieser junge Mann kommt und sagt: Guter Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben erbe? Und Jesus spürt, dass es ein Idealist ist, wie man im zwanzigsten Jahrhundert leben kann. Ein junger Mann, der sagt: Ich will mich für das Gute und Edle und Schöne einsetzen. Ich weiss, ich bin nicht vollkommen, ich habe noch viele Schwächen in meinem Charakter, aber ich bin dabei. Ich will die Unterweisung haben, den Ratschlag von dir: Was muss ich tun?
Dann gibt ihm doch Jesus die Abfuhr zuerst an der Stelle, was er unter gut versteht. Kein Mensch ist gut. Eigentlich hätte ja Jesus dieses Wort gut verdient, aber Jesus wusste genau, dass dieser junge Mann es gar nicht so tief gemeint haben kann. Er hat ja dieses oberflächliche Meinen von Gut, und da setzt ihm Jesus seine Ethik ganz hoch: Du willst gut sein, das sind deine Ideale, dann lebe nach göttlichen Prinzipien.
Ich treffe tagtäglich Menschen, die sagen: Wissen Sie, ich gehe in keine Kirche, ich will da nicht so christlich sein wie Sie und nach der Bibel und so, aber ich lebe auch sozial engagiert, oder ich habe auch meine ethischen Prinzipien. Und da fordert Jesus heraus und sagt: Wenn du das als Lebensziel hast, dann setze dir nicht deine Massstäbe nach den Fehlern der anderen Menschen. Ich setze ein bisschen höher an, als die anderen ihre Massstäbe haben. Wenn du Leben, ewiges Leben, haben willst, wenn du ein Mensch sein willst, der sein Lebensziel erreicht, dann kannst du nur nach den reinen und letzten Prinzipien des ewigen Gottes leben.
Da wird dieser junge Mann ja schon herausgeholt aus seiner idealistischen Traumwelt. Unsere Vorstellungen sind immer schon reduziert. Wir haben ja schon unser Lebensverhalten geändert, weil wir sagen: Keiner ist vollkommen, jeder hat seine Schattenseiten. Und Jesus sagt: Wenn du etwas tun willst, dann musst du leben wie Gott. Wenn du den Weg der religiösen Pflichterfüllung wählst, dann musst du wie Gott leben. Wenn du durch dein soziales Handeln gerecht werden willst, dann musst du leben wie Gott. Dann musst du Liebe und Treue in der ganzen Erfüllung leben.
Das hat den jungen Mann tief getroffen. Er hat es gar nicht verstehen können. Jesus hat gesagt: Übersetz mal deine hohe ideale Welt, die du hast, in deine Geldgeschäfte, und dann siehst du, dass du das gar nicht lebst. Und ich will manchem jungen Menschen heute sagen, der gross vom sozialen Engagement redet: Warum betrifft dies sein Verhältnis zu den Mädchen nicht, die er ausnützt, schlimmer als der ärgste Kolonialsklavenhändler des vorigen Jahrhunderts, die ihm zur Lustbefriedigung dienen? Er hat vor zwei Tagen in der Nacht zwei junge Menschen mitgenommen, die Tramper waren. Es hat mich erschüttert, einem Freimut: Ich bin für das Gute und das Edle, im Übrigen was meinem Leben nützt und was mir dient.
Eine Unklarheit bei bestem Wollen. Da trifft Jesus diesen jungen Mann an dieser Stelle und sagt: Du willst gut sein, das war dein Wort, nicht mein Wort. Jesus hat nie von uns verlangt, dass wir gut sein müssten, um das ewige Leben zu erben. Dann würde keiner von uns selig. Aber der junge Mann hat es behauptet, das hat er sich eingebildet in seinen frommen Träumen: Ich will gut sein. Und Jesus sagt: Wenn du gut sein willst, das sind deine Worte, lebe gut. Du weisst, was das heisst. Du hast Geld, dann verteile dein Geld. In deinen Denkkategorien leb mal gut. Er schlägt ihn mit seinen Waffen.
Und dann wird sichtbar, dass er das gar nicht leben kann. Wir stehen an der Stelle, wo Menschen immer zerbrochen sind und spüren, sie sind nicht gut. Man wartet in der ganzen Geschichte, dass der junge Mann zu Jesus sagt: Herr, ich bin nicht gut, ich sehe es jetzt. Gibt es noch einen Weg zum Leben? Und das kommt nicht. Er dreht sich um und geht.
Dabei hat ihm Jesus ein ganz tolles Angebot gemacht, ein Geschäft angeboten, wie man es schöner sich gar nicht vorstellen kann. Du wirst einen Schatz im Himmel haben. Ich weiss, dass reiche Leute besser rechnen können als dumme Leute, die wissen, was Sachen wert sind. Wie kann dieser junge Mann, der sogar weiss, dass es ewiges Leben gibt, nicht besser rechnen? Der müsste doch denken können: Was sind Millionen dieser Welt, wenn ich einen Schatz im Himmel habe?
Ein Angebot macht ihm Jesus, wie es sonst in der Bibel gar nie drinsteht. Wenn du das tust, du könntest einen Schatz dir holen. Ach, er hätte nie holen können, wenn man sich den Schatz nicht selber verdienen kann. Aber eigentlich ist das Traurige der Geschichte, dass er den grössten und unvergleichlichsten Schatz, den es gibt, ausschlägt und sagt: Den will ich nicht, auf den verzichte ich. Dass er zurückgeht und seine Kontobücher nimmt und meint, damit könnte er leben.
Er ist angebunden an die sichtbaren Dinge, und da haben wir es oft beim Hören dieses Wortes uns sehr leicht gemacht. Der junge Mann, der war gebunden, wir sind doch gebunden. Wir sind doch mit allen Fasern angebunden. Wie sorge ich mich, wenn es einmal mit dem Geld nicht richtig reicht? Wie sind wir darauf angewiesen, dass wir unser Geld ausgeben können? Wie rechnen wir oft im Geiz? Wie sind wir an alle sichtbaren Dinge angebunden? Es geht doch nicht bloss um Geld. Wie sind wir an sinnliche Dinge angebunden? Wie sind wir aufs Fühlen angewiesen? Wir sind doch mit allen Phasen unseres Lebens an die sichtbare Welt gebunden.
Wir dürfen doch nicht diesen jungen Mann jetzt ansehen und über ihn reden. Es geht doch um uns. Er steht uns nur weit überlegen vor uns. Ihn erreichen wir gar nicht, weil wir so die Gebote Gottes wohl noch gar nicht gehalten haben. Und weil es uns oft noch gar nicht so ernst war um das Heil. Aber an ihm sehen wir, wie Menschen gebunden sind. Und selbst wenn Jesus sagt: Ich biete dir einen Schatz im Himmel an, dann sagen wir: Aber Herr, ich habe jetzt zuerst meine irdischen Dinge zu erledigen. Ich habe keine Zeit für dich. Vielleicht mal später, wenn meine Prüfung vorbei ist, will ich mich um dich kümmern. Vielleicht, wenn ich mal meine Freundschaft in Ordnung gebracht habe, dann will ich wieder Zeit für dich haben. Vielleicht später, wenn ich mal Ruheständler bin, dann will ich mich auch wieder mehr um Gott kümmern.
Der Mann merkt gar nicht, wie er gebunden ist und den grössten Schatz ausschlägt, der ihm angeboten werden kann, der unvergleichlich grösser ist als alles, was es in dieser Welt gibt.
Das Ende der Geschichte und die Freiheit Gottes
Letzter Punkt: ein schockierender Ausgang, diese Geschichte. Er ging traurig weg. In der Hölle geht es sehr traurig zu, weil Menschen wissen, wo das Leben liegt, und es nicht mehr haben können. Sie finden dort nicht mehr hin.
Dieser junge Mann war vorher so fröhlich. Aber jede Begegnung mit Jesus hinterlässt ja in unserem Leben eine Wunde. Und jetzt verstehen Sie, warum man auch selbst oft so aggressiv reagiert gegen Jesus, gegen jede klare Evangeliumsverkündigung, gegen die Bibel, gegen die klaren Gebote Gottes. Denn in uns sind ja lauter Wunden, und wir haben uns gepanzert. Wenn wir uns nicht klar für das Angebot Jesu entscheiden, bleibt nur die Traurigkeit zurück.
Da läuft dieser junge Mann weg, traurig, denn er hatte viele Güter. Ich will es zum Schluss noch einmal klar sagen: Es steht sogar im Neuen Testament, dass es Reiche gibt, die so gelöst waren von ihrem Reichtum, dass sie Jünger Jesu waren, Joseph von Arimathäa und andere. Auch in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Paulus scheint es immer wieder durch, dass es Reiche gibt, die gelöster waren von ihrem Geld als manche Arme, die mit all ihren Gedanken immer nur an das Geld denken.
Es darf hier einmal klar gesagt werden, dass es um einen verantwortlichen Umgang mit dem Geld geht. Wir sind dankbar, dass uns Gott Geld anvertraut hat, und wir sollten es auch Gott gegenüber öfter sagen. Aber ob wir am Geld hängen, ob uns dieses Geld sogar ein Hindernis wird, um den Schatz im Himmel zu haben, da wird doch sichtbar, wie ich mit allen Fasern meines Herzens gebunden bin an diese Welt und mich nicht lösen kann.
Und die Jünger fragen Jesus ja: Wie soll denn das möglich sein, dass Reiche selig werden? Da haben Schriftausleger, das ist etwas Tolles, was Theologen alles fertig kriegen, herausgebracht, dass mit dem Nadelöhr ein Kamel, das durch ein Nadelöhr geht, gemeint sei. Es habe ein kleines Tor in Jerusalem gegeben, durch das nur Fußgänger hätten gehen können, das auch Nadelöhr geheißen habe. Das habe also neben dem großen Tor gestanden, und da könnte man also ein Kamel, wenn vier Männer richtig drücken, auch zur Not durchkriegen. Dann würde es also heißen, dass man als Reicher, wenn vier hinten tüchtig schieben, ihn doch durchkriegen kann ins Reich Gottes hinein.
So kann man das Wort Gottes zu einem Nonsens machen. Jesus will sagen: Guck mal, ein Nadelöhr. Was ist das? Nicht einmal einen Millimeter dick, und da soll man ein Kamel durchschieben? Das geht doch nicht. Und spontan reagieren die Jünger und sagen: Unmöglich, wie soll denn einer ins Himmelreich kommen? Das geht doch gar nicht.
Und ich sage: Das ist unmöglich, ihr habt Recht. Ein Mensch kann nicht ins Reich Gottes kommen, aber Gott kann. Und das hat Gott getan, dass er Gebundene frei macht. Wie macht er uns frei? Wir haben vorher gesungen: Herr, hab Acht auf mich und reiß mich kräftiglich von allen Dingen. Das hat Jesus uns dargestellt, immer wieder in seinem stellvertretenden Sterben, dass dieses Leben, das wir erwerben, und unsere Frömmigkeit und die Reichtümer, die wir anhäufen, nichts sind.
Stell es alles vornehin vor den Tod und dann prüfe es noch einmal durch, rechne es noch einmal durch. Sie dürfen doch mit Geld umgehen, aber sie müssen doch so hell sein, dass sie wissen: Was ist das morgen, wenn ich weggerufen werde von dieser Erde? Habe ich dann mein Geld wirklich weise verwaltet? Ist das das letzte Ziel meines Geldes, dass sich die Kinder darum streiten und sich noch darüber entzweien?
Sie müssen doch fragen: Wofür lebe ich? Ist es sinnvoll, einen höheren Posten zu erklimmen, wenn ich dann mit den Gewissenskonflikten komme? Sie müssen doch fragen: Habe ich dann überhaupt noch Zeit, mein Leben auch vor Gott so zu leben? Dann schlage ich doch lieber einen guten Posten aus. Es kann doch nicht um die Menge des Geldes gehen, das ich erwerbe.
Wie weit sind wir gebunden an die irdischen Dinge und an das, was uns jetzt so wichtig ist, an Genusssucht, an Befriedigung, an äußere Dinge? Alle sind wir gebunden, nicht nur der reiche junge Mann, nicht nur die Reichen. Reiche und Arme, Wohlhabende und Habenichtse, alle sind wir gebunden. Aber Gott kann bekehren, Gott kann Menschen herausreißen, und dazu entzaubert er uns den Reichtum.
Das ist ein Wort Jesu, das er vom Betrug des Reichtums sprach. Nicht dass er das jedem unterschoben hätte, dass das Geld unredlich wäre, das sich in seinem Geldbeutel befindet, sondern dass Reichtum Menschen betrügt und ihnen etwas vorgaukelt, was sie gar nicht nachher finden. Und da muss man sich lösen von der dämonischen Macht des Reichtums und des Geldes unter irdischen Dingen, unter sinnlichen Dingen.
Und dann wollte ich, dass wir es nicht bloß hören im Blick auf das Geld. Es gibt Menschen, die ihr Leben verspielen, weil sie meinen, Ehe sei die Erfüllung. Das ist genauso wenig. Das Thema des Geldes hat Jesus oft angesprochen, das Thema der Geschlechtlichkeit hat er oft angesprochen, aber es gibt noch ganz andere notvolle Dinge, wo man gebunden sein kann.
Da ist am Ende eine große Zusage Jesu gegeben, und mit der will ich schließen: Er kann freimachen, er kann lösen. Darum will er uns ganz herausreißen von den Bindungen. Ich will die Predigt nicht so schließen, dass Sie meinen, es ginge jetzt darum, dass ich mich löse. Ich muss eben jetzt mich lösen von den irdischen Dingen. Sie können es gar nicht.
Und wenn Sie rausgehen aus der Kirche, leben Sie im Selbstbetrug dieses jungen Mannes, wenn Sie sagen: Jetzt will ich mit meinem Geld Ordnung schaffen. Sondern bitten Sie Gott: Herr, gib mir deinen Geist, dass ich die irdischen Dinge realistischer sehe, dass ich mich sehe in meiner ganzen Verfallenheit und Gebundenheit an diese Mächte und dass über mir steht, dass du für mich starbst und die Hand zu mir reichst und deine Hand mich fasst.
Ich werde nur aus Erbarmen Gottes selig, ich werde nur aus Vergebung selig. Und es gibt in der Kirche genügend Geizkragen, und es gibt genügend geizige Kirchengemeinden und Christengemeinden. Herr, reiß du uns heraus aus Geiz und Habsucht, dass wir den Schatz erwerben, das ewige Leben. Er will dich freimachen, ganz frei. Amen.

