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Lukas 3,21-4,13

Lukas 3,21-4,1331.08.2008
Serie•Teil 7 / 53Lukas-Evangelium
Wer ist Jesus wirklich: Wunschbild oder der echte Sohn Gottes? Lukas zeigt ihn als Retter und Richter zugleich – und stellt dich vor die Frage, wem du wirklich vertraust.

Rückblick auf die Entwicklung im Lukasevangelium

Ich freue mich, wieder bei euch zu sein, und freue mich darüber, dass wir im Lukasevangelium weitermachen können. Ich genieße das sehr, jetzt auch nach der Sommerpause. Ich hoffe, ihr hattet auch ein bisschen Urlaub. Der eine oder andere, ich sehe einiges an Nicken, freut mich für euch.
Wenn ich das so versuchen darf, beim Lukasevangelium einmal kurz zurückzuschauen: Wir machen ja so eine Entwicklung durch. Wir haben uns am Anfang die ersten beiden Kapitel angeschaut. Und in den ersten beiden Kapiteln ging es um das Thema: Jesus kommt auf die Erde. Was geht dem voraus, dass der Sohn Gottes Mensch wird, dass Gott selbst vom Himmel auf die Erde kommt? Was geht dem voraus, wie hat das funktioniert, wie war das mit Maria, wie war das mit Joseph, wie war das mit den Engeln, wie war das mit der Geburt, wie war das mit Johannes dem Täufer, als da alles anfing? Das sind so die ersten beiden Kapitel.
Und ab Kapitel 3 im Lukasevangelium liegt der Schwerpunkt plötzlich wo ganz anders. Wenn ihr euch an die letzte Predigt erinnert, da ging es um Johannes den Täufer. Es ging um das Thema, dass Johannes der Täufer hier auf der Erde als der Herold, als der PR-Manager, würden wir heute sagen, als jemand, der vorne wegläuft und sagt: Hört her, ich habe ein neues Produkt, ihr müsst jetzt alle Jesus kaufen. Das ist so, wie wenn man, ich weiß nicht, ob ihr diese alte E.ON-Reklame kennt. Also da war mal eine Zeit lang nur so rote Plakate ohne Aufschrift. Und man ist durch die Straßen gezogen, hat diese roten Plakate gesehen und hat gedacht: Wofür sind diese roten Plakate? Und dann, eine Woche oder zwei später, kam dann so das Wort E.ON. Aha, neuer Energielieferant. Das ist schon ein paar Jahre her. Aber so ähnlich muss man sich Johannes den Täufer vorstellen. Er zieht los und hat eine Botschaft: Ich bringe euch den Messias. Ich sage euch, wer der Messias ist.
Und Johannes der Täufer setzt mit seinem Tun im Lukasevangelium einen neuen Schwerpunkt. Ab Kapitel 3 im Lukasevangelium geht es um die Frage: Wer oder was ist eigentlich der Sohn Gottes? Und Johannes der Täufer stellt uns Jesus vor als den Stärkeren. Er stellt uns Jesus vor als den, von dem er selbst sagt: Ich bin nicht würdig, ihm auch nur den Riemen seiner Sandale zu lösen. Johannes der Täufer sagt: Jesus ist der Richter, und er ist der Retter. Er ist der, der auf der einen Seite mit Heiligem Geist tauft und auf der anderen Seite bereit ist, mit Feuer, mit Gericht zu taufen.
Das ist das, worum Johannes uns vor die Wahl stellt und sagt: Wem wollt ihr folgen? Wollt ihr euch vorbereiten lassen, Jesus als dem Messias zu begegnen, als dem ewigen Retter, der euch Heiligen Geist schenken wird? Oder wollt ihr Jesus begegnen als dem Richter, der sich euer Leben ganz genau anschaut, der die geheimsten Wünsche und Motive, all das, was verborgen ist, kennt und euch danach beurteilt? Was wollt ihr? Das ist das große Thema: Wer oder was ist eigentlich der Sohn Gottes?
Man kann sich die Frage stellen: Ist das eigentlich ein wichtiges Thema, zu wissen, wer so der Sohn Gottes ist? Ich habe heute Nachmittag ein wunderschönes Ereignis. Wir feiern unsere erste Taufe. Also ihr wisst ja, wie es ist mit so einer kleinen Gemeinde. Es passen immer noch alle da hinten in eure eine Seitenecke. Aber wir haben heute Nachmittag unsere erste Taufe. Wir haben drei Leute, die in einen großen Pool steigen werden, wir werden das erste Mal taufen. Ich freue mich riesig. Also das ist so für eine Gemeindegründungsarbeit das, wo man ein bisschen hibbelig davor steht und sagt: Mal schauen, wie das werden wird. Aber es wird bestimmt irgendwie werden. Wir werden wahrscheinlich irgendwas vergessen haben, aber das ist alles nicht so schlimm.
Letzte Woche habe ich den Täuflingen noch einmal gesagt, was das eigentlich bedeutet, sich taufen zu lassen. Und ich habe ihnen noch einmal gesagt, dass ich ihnen, wenn sie da ins Wasser steigen, vorher Fragen stellen werde. Ich werde sie fragen: Glaubt ihr eigentlich an diesen Jesus? Das Entscheidende dabei ist nicht: Glaubst du irgendwie an Jesus? Sondern die Frage beim Christsein ist: Glaubst du an Gott, so wie er ist?
Also wenn Jesus uns hier präsentiert wird von Johannes und wenn wir uns jetzt mit der Frage beschäftigen: Wer ist eigentlich dieser Jesus, wer ist eigentlich der Sohn Gottes?, dann geht es im Grunde darum, dass wir begreifen, woran ein Christ glaubt. Meine Sorge ist tatsächlich die, dass heute viel zu viele Christen sich ihren Patchwork-Jesus machen. Kennt ihr diese Patchwork-Decken? Das sind so Decken, da schaut man drauf und denkt sich: Da hat sich jemand viel Arbeit gemacht, weil überall so viele kleine Stoffteilchen zusammengenäht sind. Und so habe ich manchmal den Eindruck, dass manch einer sich so sein Jesusbild zusammenschustert. Also ich habe hier ein bisschen Jesus und da ein bisschen Jesus und dort eine Vorstellung von Jesus, und dann gibt es meine Patchwork-Jesusdecke. Und dann hat jeder so ein bisschen eine andere Patchwork-Jesusdecke. Ich glaube an einen Jesus, der ist so, und jemand anderer sagt: Ja, aber mein Jesus, der ist ein bisschen mehr so. Und dann komme ich und sage: Ja, mein Jesus ist ein bisschen mehr so. Und was gilt denn jetzt?
Und die Antwort lautet: Wir können uns tatsächlich nicht einen Jesus zusammenbasteln, sondern wir müssen, wenn wir sagen, wir glauben, dann müssen wir sagen, wir glauben an eine Person. Wir glauben an eine Person, so wie sie in der Bibel drinsteht. Wir können uns Jesus nicht zusammenschustern, wie wir wollen. Es geht so weit, dass Johannes einmal sagt, im zweiten Johannesbrief ist es: Wenn jemand die Lehre von Christus, diese grundlegenden Aussagen über Jesus, wenn der die nicht bringt, wenn der die nicht bejaht, dann ist er eigentlich kein Christ. Also wir können nicht über Jesus irgendwie glauben. Es ist ganz wichtig, dass wir, wenn wir sagen, wir sind Christen, an der Stelle Gott, also den wahrnehmen und ernst nehmen, der er wirklich ist.
Und ich möchte dir diese Frage ganz bewusst stellen: Wenn du über Jesus nachdenkst, wenn du sagst: Jesus ist mein Herr, es ist ein Glaubensbekenntnis übrigens, das älteste und früheste Glaubensbekenntnis, das wir haben: Christus ist Herr. Ich stelle mich hin und sage: In meinem Leben gibt es genau einen Chef, Jesus. Dann möchte ich dir die Frage stellen: Wie ist dieser Jesus? An welchem Jesus glaubst du? Glaubst du wirklich an den Jesus in der Bibel? Oder kann es sein, dass du vielleicht mehr an deinen Glauben glaubst als an die Person?
Mir begegnet das in letzter Zeit zu oft, gerade auch bei jungen Leuten. Ich möchte die jungen Leute immer ein bisschen herausfordern. Ich möchte euch fragen: Wenn ihr sagt, ich glaube an Jesus, was hat euer Jesusbild eigentlich geprägt? Welchen Jesus meinst du, wenn du sagst, ich glaube an Jesus? Ich möchte euch ehrlich sagen, gerade den jungen Leuten: Mein Jesusbild hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein klein bisschen verändert. Ich bin gestartet mit so einem, also als ich zum Glauben kam, da war Jugend mit einer Mission noch eine unbekannte kleine Gruppe in Frankfurt. Also ich bin dann da zum Gottesdienst gegangen und habe das erste Mal so Marian Warrington-Lieder gesungen, so ein bisschen moderner, mit Schlagzeug und E-Gitarre. Und ich habe dann ein Jesusbild mitgekriegt. Dann habe ich angefangen, die Bibel zu lesen, dann habe ich persönlich eine ganze Reihe Erfahrungen gemacht, und ich merkte, wie über die Zeit hinweg mein Jesusbild immer tiefer, immer ehrlicher, immer erwachsener geworden ist.
Und ich habe gemerkt, dass es genau das ist, was die Bibel auch sagt. Die Bibel sagt, dass Christsein darin besteht, eine Beziehung mit einer Person aufzubauen, mit einem persönlichen Gott aufzubauen, mit einem Gott aufzubauen, wo ich rede und er antwortet, mit einem Gott, der mein Leben so ernst nimmt, dass er mich persönlich begabt hat und mich in Situationen stellt, vielleicht Alltagssituationen, vielleicht nicht so alltägliche Situationen, wo ich ihn erleben kann und wo ich merke: Huch, das ist ja wirklich nicht nur gesungen, eine persönliche Beziehung, da ist ja wirklich etwas ganz Reales da. Da spricht Gott mich tatsächlich in meinem Leben an, und er will mein Leben auch haben.
Ich habe darüber nachgedacht, und dann musste ich schmunzeln, weil es eine Stelle im ersten Thessalonicherbrief gibt, da wird das so intim ausgedrückt. 1. Thessalonicher 5 heißt es in Vers 9: Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben. Christsein heißt, eine Lebensgemeinschaft mit Jesus aufbauen. Ob wir wachen oder schlafen, wir leben mit diesem Jesus.
Und eine andere Stelle in Johannes 14, wo es darum geht, dass wir Jesu Liebessprache sprechen, und zwar ist das Gehorsam. Wer meine Gebote hat und sie hält, heißt es in Johannes 14, Vers 21, der ist es, der mich liebt. Jesus steht einfach darauf, dass wir seine Gebote halten, das ist seine Liebessprache. Und dann ist die Folge, dass er sich uns immer mehr offenbart. Jesus möchte uns über die Jahre in eine persönliche Beziehung hineinziehen zu ihm, er möchte, dass wir ihn wirklich ganz persönlich besser kennenlernen.
Und jetzt merken wir schon: Es geht nicht darum, dass wir irgendwo ein Glaubensbekenntnis hochhalten und sagen, ich glaube auch irgendwie an Jesus, sondern es geht eigentlich darum, dass Jesus dich, dich ganz persönlich kennenlernen möchte, sich das wünscht, dass du in dieser Beziehung wächst. Dass du ganz persönlich in ein, zwei, drei, fünf Jahren dich umdrehst und sagst: Stimmt, vor fünf Jahren kannte ich dich noch nicht so gut, das war mir doch noch nicht so ganz klar, wie du bist, jetzt ist mir jetzt ein Stückchen mehr klar geworden.
Jeder, der verheiratet ist, der weiß, wovon ich rede. Also ich bin immer wieder erstaunt, ich bin jetzt fast zwanzig Jahre verheiratet, das mag für viele ja jetzt noch nicht allzu viel sein, also für mich ist das schon ganz schön viel, und ich merke: Ich kenne meine Frau wirklich besser. Ich kenne sie wirklich besser. Ja, wenn sie so, meine Frau hat manchmal so eine kleine Art, ein bisschen schusselig zu sein. Und ich rege mich dann manchmal auf, aber heute Morgen dachte ich mir wieder: Warum eigentlich? Du kennst sie doch. Also ich müsste doch eigentlich wissen: Ja, so ist es. Sie ist so, so genau wie ich an anderen Stellen nur ein bisschen komisch bin. Wir sind einfach so, wir haben uns kennengelernt, sollte mich doch eigentlich gar nicht mehr groß aufregen oder überraschen. Wir kennen einander doch.
Und dieser Effekt, dass man sagt: Na, ich kenne sie doch, das ist genau das, wo Jesus sich wünscht, dass wir irgendwann sagen: Na, wir kennen dich doch. Ja, Herr, ich kenne dich, natürlich, das musste jetzt so kommen. Das ist das, was ich mir wünsche. Und ich wünsche mir, dass wir begreifen, warum es so wichtig ist, Jesus wirklich zu kennen, nicht einfach daran vorbeizugehen und zu sagen: Na, Jesus ist der Sohn Gottes, Ende aus. Dass wir uns wirklich Gedanken darüber machen, was das bedeutet, weil ich hoffe, dass wir an der Stelle in eine wirklich tiefe Gemeinschaft hineinwachsen.
Solange wir mit unserem Wunsch-Jesus unterwegs sind, ist das wie mit so einem Traumpartner. Ja, meine Frau ist meine Traumfrau, aber sie ist keine Traumfrau. Versteht ihr das? Sie ist nicht ein Wunschbild, sondern sie ist eine ganz reale Frau. Und wenn ich mich auf diese reale Frau einlasse, dann funktioniert meine Ehe. Und wenn ich immer davon träume, wie meine Frau sein sollte, und immer hoffe, dass sie mal so wird oder meine, sie irgendwie dahin biegen zu können, das ist einfach Quatsch. Dann wird da nie eine vernünftige Beziehung daraus.
Deswegen ist es so wichtig, wenn wir im Christsein begriffen haben, dass es darum geht, mit Jesus zu leben, für Jesus zu leben, dass wir begreifen: Wir müssen uns an diesen wahren Jesus herantasten, wir müssen wirklich begreifen, wer er ist. Und wir müssen diese Frage an uns heranlassen: Woran glaube ich eigentlich? Ist dieser Christus der eigentlich Kern meines Christseins? Er steht im Zentrum, er ist der Maßstab, er ist das Ziel. Es ist wirklich so, dass ich ihn kennenlernen möchte. Bin ich bereit, mich darauf einzulassen?
Und ich bitte euch, das ist nicht einfach. Du schlägst die Bibel auf und du denkst manchmal, also ich hoffe, ihr erschreckt manchmal noch ein bisschen, wenn ihr das Neue Testament lest, wie Jesus ist. Vor kurzem kam jemand zu mir und hat sich über meine Predigten beschwert und meinte: So wie du immer predigst, so dieses Herausfordernde, Deutliche, so hätte Jesus nie gepredigt. Und ich dachte mir, so insgeheim, ich habe es da nicht gesagt, aber ich dachte mir: Lesen wir die gleiche Bibel? Also den Jesus, den ich erlebe im Neuen Testament, Entschuldigung, der predigt manchmal auf eine Art und Weise, wo ich sage: Würde ich mich nie trauen. Der ist manchmal so direkt, wo ich sage: Okay, du bist allmächtig, du kannst das, ich halte mich da lieber ein bisschen zurück. Aber der ist unglaublich provokativ. Und die Frage ist: Lassen wir uns auf diesen Jesus ein, so wie er wirklich ist?
Und wenn ja, dann haben wir tatsächlich eine Chance, geistlich zu wachsen, denn das ist eigentlich geistliches Wachstum, das ist eigentlich ewiges Leben: diesen Jesus zu erkennen. Und deswegen denke ich, ist das, was Lukas hier am Anfang macht, dass er uns mit genau dieser Frage beschenkt, wer Jesus ist, und dass er Geschichten aneinanderreiht, die genau diese Frage klären. Ich finde, das ist genau richtig, und es ist super wichtig, dass wir da ein Stückchen mitgehen.
Heute möchte ich mit euch die Taufe machen, Lukas 3,21, dann den Stammbaum Jesu und kurz noch durch die Versuchungsgeschichte eilen und immer wieder unter der Überschrift: Wer ist dieser Jesus?
Schauen wir uns Lukas 3, die Verse 21 und 22 an. Da heißt es: Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel aufgetan wurde und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Man liest das so, und wenn man sich die Frage stellt, wo ist eigentlich der Schwerpunkt in der Geschichte, dann merkt man schon, wie unsinnig die Überschrift zumindest in meiner Bibel ist. In meiner Bibel steht darüber: Die Taufe Jesu. Aber irgendwie geht es gar nicht um die Taufe. Merkt ihr das? Es geht auch nicht um Johannes den Täufer, der getauft hat. Es ist nicht das Matthäusevangelium, wo Johannes erstmals sagt: Wie, ich soll dich taufen? Das geht doch gar nicht. Und Jesus sagt: Na klar, das machst du jetzt mal, weil alle Gerechtigkeit muss erfüllt werden. Komm, lass gut sein. Darum geht es hier überhaupt nicht.
Der Schwerpunkt hier in dieser Beschreibung liegt wo ganz anders. Es geht darum, dass in dem Moment, wo das Volk getauft wird, Jesus getauft wird, dass Jesus betet, und mit einem Mal geht der Himmel auf. Der Himmel geht auf, und wir dürfen einen sehr intimen Blick hineinwerfen in eine ganz besondere Beziehung. Denn das, was sonst nie, fast nie passiert in der Bibel, passiert hier: dass wir Dreieinigkeit sichtbar und hörbar erfahren. Auf der einen Seite Gott der Sohn, der im Wasser steht, aus dem Wasser heraustritt als ein Getaufter, dann der Heilige Geist sichtbar in Form einer Taube und dann der Vater selbst, der aus dem Himmel spricht und sagt: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Für einen ganz kurzen Moment Dreieinigkeit, und für einen kurzen Moment passiert hier etwas: Auf der einen Seite plötzlich eine Menge an Leuten, die getauft wurden, und dann wird mit einem Mal einer herausgegriffen und als der ganz Einzigartige uns hingestellt. Also hier die vielen, die getauft wurden, und aus der Masse der vielen einer, wo Gott sagt: Du und nur du bist mein geliebter Sohn, nur du bist der, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Und wir merken, hier gibt es eine absolut einzigartige Beziehung zwischen dem Vater im Himmel und Gott, dem Sohn auf der Erde.
Und wenn wir das lesen und ein Stückchen Altes Testament kennen, dann klingelt es so ein bisschen. Ich möchte euch mal so zwei Klingelstellen geben, woran man denken könnte, wenn man hier diese Stimme hört. Da heißt es dann zum Beispiel in Jesaja 42, dieses Motiv des Wohlgefallens taucht hier auf. Jesaja 42,1: Siehe, mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen. Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus. Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat, und die Inseln warten auf seine Weisung.
Ein Wort dem Messias, der das Recht Gottes, also den Maßstab für Gottes Gerechtigkeit, und wir wissen, dass im Zentrum dieses Maßstabs das Evangelium steht, zu allen Menschen bringen wird. Die Inseln hier ein Bild für so weit wie möglich weg, also da, wo du nur beim Schiff hinkommst, da, wo du, wenn du einen Esel hast, schon gar nicht mehr hinkommst. Was so weit wie möglich weg ist, und an diese Orte bringt der Messias das Recht Gottes, Gottes Gerechtigkeit, das Evangelium. Hier haben wir ein Bild für den Retter.
Wenn wir das hören: Siehe, mein Knecht, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe, dann klingelt bei einem Israeliten sofort: Das ist ja genau wie hier über dem Messias gesagt wird. Das ist der, an dem Gott Wohlgefallen hat. Wahnsinn.
Und es klingelt eine zweite Stelle im Psalm 2, auch das ein von den Juden als messianisch erkannter Psalm. Im Psalm 2 taucht dieses Motiv vom Sohn auf. Wir stellen uns vielleicht die Frage: Wo kommt das her, dieses Bild Sohn Gottes? Und dann heißt es hier in Psalm 2, ab Vers 6, ich lese das mal. Und ihr merkt, wenn ich das vorlese, dass das eine ganz andere Betonung hat. Es geht hier plötzlich nicht mehr um den Richter, jetzt geht es in Psalm 2 plötzlich nicht mehr um den Retter, jetzt geht es in Psalm 2 um den Richter, jetzt geht es um jemanden, der als Sohn Gottes auftritt und wo man so ein Stückchen sagt: Hu, was kommt denn hier jetzt?
 Psalm 2, Vers 6: Habe doch meinen König geweiht auf Zion, meinem heiligen Berg. Lasst mich die Anordnung des Herrn bekanntgeben: Er hat zu mir gesprochen: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Und dann geht es weiter: Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde. Mit eisernem Stab magst du sie zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen. Und nun, ihr Könige, handelt verständig, lasst euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde. Dient dem Herrn mit Furcht und jaucht mit Zittern. Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg, denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei ihm bergen.
Das ist die poetische Sprache der Psalmen. Wir müssen jetzt nicht jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen, aber wir merken: Der ganze Schwerpunkt liegt woanders. Es geht nicht mehr darum, dass hier einer hinausgeht und das Recht Gottes zu den Nationen bringt. Hier ist einer, der sich hinstellt und sagt: Ich bin der König, und besser machst du heute mit mir Frieden, bevor es zu spät ist, weil ich bin nicht nur der Retter, ich bin der Richter.
Jesus als der Sohn Gottes, Jesus als der ganz Andere, Jesus als der, von dem wir in Lukas 1,35 gesehen haben, über den der Engel sagt, dass er Sohn Gottes genannt werden wird, weil er vom Heiligen Geist empfangen wurde. Lukas 1,35, da heißt es: Und der Engel antwortete und sprach zu ihr, zu Maria: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.
Der Sohn Gottes, das ist der Einzigartige, das ist der, der alleine in dieser Beziehung zu Gott im Himmel steht, wie ein Vater zu seinem Sohn, wie Gott der zu Gott, dem Sohn. Und das ist die eine Wahrheit, die wir begreifen müssen. Wir werden in der Bibel immer feststellen, dass es oft ein Sowohl-als-auch gibt. Wenn man jetzt sagt: Aha, Jesus ist also in dieser einzigartigen Beziehung, in dieser herausgehobenen Beziehung, da sind alle Menschen, sogar die Guten, die sich taufen lassen, und hier ist Jesus in dieser einzigartigen Beziehung, steht er. Ist das die ganze Wahrheit? Und die Antwort lautet: Nein. Das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Jesus ist, das stimmt schon, einzigartiger Sohn Gottes, aber er ist gleichzeitig, obwohl er in diesem Moment aus den vielen herausgehoben wird, gleichzeitig einer, der ganz Mensch ist und ganz zu diesen vielen, ganz zu den Menschen als Ganzen gehört. Und dieser Punkt kommt in der nächsten Geschichte zum Ausdruck, wenn Lukas einen Schritt weitergeht, wenn es ihm nicht darum geht, zu zeigen, wie sehr die Einzigartigkeit Jesu im Mittelpunkt steht bei der Taufe, sondern wenn er seinen Stammbaum präsentiert.
 Lukas 3,23: Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre alt, als er auftrat, und war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph. Und jetzt kommen zeilenweise Namen, die werde ich euch ersparen. Ich will nur auf den letzten Vers eingehen. Ich will euch nur zeigen, wohin Lukas den Stammbaum Jesu zurückführt. Für Matthäus ist die Frage ganz wichtig, ob Jesus irgendwie verwandt ist mit David, weil David hatte eine Verheißung, dass er ein Vorfahre des Messias sein würde, und mit Abraham. Das ist das, was Matthäus interessiert. Lukas interessiert etwas ganz anderes. Sein Schwerpunkt bei dem Stammbaum liegt woanders. Er führt den Stammbaum zurück, Vers 38, des Enos, des Seth, des Adam, des Gottes.
Er führt den Stammbaum ganz zurück bis Adam, und eigentlich würde man denken: So, hätte Schluss, oder? Also spätestens bei Adam müsste man denken: Na ja, mehr geht ja nicht. Und dann zieht es noch ein Stück weiter: des Gottes. Und er zeigt, der Begriff Gottes Sohn ist irgendwie so etwas Doppeltes. Auch Adam ist ein Sohn Gottes im Sinne eines Geschöpfes. Auch Adam ist Sohn Gottes, und alle, die danach kommen von Adam, sind irgendwie auch alle Sohn Gottes. Und so steckt in diesem Begriff der Sohn Gottes sowohl dieses, was wir bei der Taufe sehen, Einzigartige, wie auch dieses ganz Allgemeine.
Jesus ist Sohn Gottes, so wie Adam Sohn Gottes war. Er war wahrer Mensch. Er ist tatsächlich gezeugt vom Heiligen Geist, von der Jungfrau Maria geboren worden. Merkt ihr das? Einzigartig und doch einer von vielen, ganz Gott, ganz Mensch. Der, der alleine Rettung bringt, und der, der sich doch in eine Welt hineinbegibt als ein Mensch unter Menschen.

Was es bedeutet, Jesus wirklich zu kennen

Ich möchte an der Stelle bei dem Stammbaum etwas sagen. Man kann über Stammbäume unendlich streiten. Es gibt ein paar Themen in der Bibel, und ich möchte euch sagen: Die lohnen sich einfach nicht. Stammbäume gehören dazu.
Im Titusbrief, in Titus 3, schreibt Paulus etwas zu diesem Thema, und das hat mir persönlich sehr geholfen, ein entspanntes Verhältnis zu biblischen Spitzfindigkeiten zu finden. Ich komme dabei letzten Endes immer wieder an den Punkt, an dem ich sagen muss: Ich kann nicht entscheiden, was letztlich richtig ist. Dazu habe ich einfach viel zu wenig Fakten.
In Titus 3,9 schreibt Paulus an Titus: Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister und Zänkereien und gesetzliche Streitigkeiten vermeide; denn sie sind unnütz und wertlos.
Also hatte ich auch mal so eine Phase, in der ich dachte, ich müsste jede Frage in der Bibel klären. Und ich habe viele Bücher gelesen zu den unterschiedlichsten Fragen, die es so in der Bibel gibt. Und ihr wisst ja von den schweren Fragen her: Es macht mir auch Spaß, schwere Fragen zu stellen und zu beantworten, alles gut. Aber dann kam ich bei Titus 3,9 vorbei und dachte mir: Es gibt einfach Fragen, die sind unnütz und wertlos. Die lohnen sich nicht.
Wir haben ein Leben zu leben, und wir müssen in diesem Leben viele wichtige Entscheidungen treffen. Und wir brauchen gutes Bibelwissen, um genau diese Entscheidungen treffen zu können. Und dann bleiben da noch ein paar Fragen offen, das kann ich euch schon von hier vorne sagen. Es gibt Fragen, die wir nicht in letzter Instanz lösen können. Es gibt Themen, über die es sich auch als Christen, wenn es Bibelthemen sind, nicht wirklich lohnt, sich zu unterhalten. Sie sind eigentlich unnütz. Und Geschlechtsregister gehören da so ein Stückchen dazu.
Und weil wir hier gerade eins haben, wollte ich das einmal sagen: Es lohnt sich nicht, sich über jedes Thema zu viele Gedanken zu machen. Es ist eher so: Lasst uns gemeinsam über die Themen Gedanken machen, die wichtig sind, die einen Mehrwert haben, die uns als Gemeinde zusammenbringen. Das ist viel wichtiger.
So, jetzt habe ich gesagt, Jesus wird uns vorgestellt als Sohn Gottes, einmal als der Einzigartige und einmal als der, der Sohn Gottes ist, wie Adam Sohn Gottes war, als Mensch. Und jetzt müsste man aber sagen: Halt, so einfach kann das doch nicht sein. Es gibt doch einen riesigen Unterschied zwischen Adam und Jesus. Und es stimmt.
Der eine große Unterschied, der uns sofort einfällt, ist der, dass Adam als Sohn Gottes versucht wurde und versagt hat. Ja, wie ist das dann mit Jesus als dem Sohn Gottes? Und hier sehen wir sofort den Unterschied. Adam als Sohn Gottes wird versucht und versagt. Jetzt kommen wir zu der Versuchungsgeschichte. Jesus als Sohn Gottes wird versucht, aber er versagt nicht.
Ich möchte mit euch kurz diese drei Versuchungen anschauen. Versuchungen, die auch uns begegnen können, nicht so eins zu eins, wie sie Jesus begegnet sind, aber doch irgendwie auf eine sehr persönliche Weise.
Schauen wir uns die erste Versuchung an:
Jesus aber, voll heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt und von dem Teufel versucht. Und er aß in jenen Tagen nichts; und als sie zu Ende waren, hungerte ihn. Und der Teufel sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde. Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von Wort Gottes.
Das Erste, was mir auffällt: Jesus, voll heiligen Geistes, kommt in eine Versuchungssituation. Das mag eine sehr simple Wahrheit sein, aber das ist eine Wahrheit, die wir nie vergessen dürfen. Wir können so heilig leben, wie wir wollen, es wird uns vor Schwierigkeiten nicht bewahren.
Hier erlebt Jesus massive Auseinandersetzung mit dem ultimativ Bösen. Er kommt in eine Situation hinein, wo man denken würde: Das kann doch nicht sein. Hungrig, ausgelaugt, und in dem Moment begegnet er dem Teufel. Und man würde sofort denken: Hat er irgendeinen Fehler gemacht? Wird er jetzt von Gott gestraft? Ist Gott noch auf seiner Seite? Und die Antwort lautet: Ja, einhundert Prozent. Er ist in jedem Moment auf Gottes Seite, in jedem Moment voll heiligen Geistes dabei, von Gott geführt zu werden.
Also: Wir leben in einer Welt der Versuchung. Und wenn du davon träumst, dass Christsein darin besteht, dass Gott dich aus den Versuchungen raushält, dann möchte ich dir sagen: Das wird er nicht tun. Das, was Gott dir verheißt, ist nicht ein Leben ohne Versuchung, sondern was Gott dir verheißt, ist ein Leben, in dem du in der konkreten Versuchungssituation durch Gottes Wort und durch Gottes Kraft bestehen kannst. Und das ist das, was hier passiert.
Für uns wäre das keine Versuchung. Ja, Jürgen, jetzt hast du so und so lange nichts gegessen, schau mal da drüben die Steine, sprich doch, und sie werden zu einem Hamburger. Dann werde ich sagen: Ja, das kann ich nicht, ja, das ist keine Versuchung für mich. Für Jesus war das eine Versuchung, weil, wenn Jesus gesprochen hätte, wäre aus den Steinen tatsächlich Brot geworden, und Jesus hatte Hunger.
Und ich möchte euch die Frage stellen, ob das eigentlich in unserem Denken so furchtbar schlimm ist, wenn Jesus hier gesprochen hätte. Was wäre eigentlich so dramatisch, wenn Jesus gesagt hätte: Na, ich bin jetzt vierzig Tage hier in der Wüste, und ich habe Hunger. Brot, zack! Jetzt esse ich erst mal was, bevor ich mich hier weiter mit dem Teufel beschäftige. Was ist eigentlich das Problem dabei? Worin steckt eigentlich die Versuchung? Und wenn wir das begriffen haben, dann werden wir verstehen, wo sie für uns besteht.
Ich habe hier Jesus, und Jesus steckt in einer Situation, in der ein Grundbedürfnis seines Lebens nicht gestillt ist. Ich habe Hunger. Ich habe doch wohl ein Recht auf Essen, oder? Ich habe doch ein Recht darauf, dass Gott mich versorgt. Kann Gott es zulassen, dass ich hungere? Geht das? Kann Gott es zulassen, dass ich nicht den Ausbildungsplatz kriege, den ich mir wünsche, nicht den Ehepartner, für den ich schon so lange bete, nicht irgendeinen Traum, den ich gerade habe und wo ich mir wünsche, das müsste doch jetzt so weit sein, das muss doch jetzt dran sein? Kann es sein, dass Gott mich in eine solche Situation hineinlaufen lässt, wo etwas, wo ich denke, ich habe ein Recht darauf, und wo wahrscheinlich viele sagen würden: Na klar, logisch, das ist eines deiner Grundbedürfnisse, das muss Gott doch stillen? Dass ich in einer solchen Situation vor der Frage stehe, ob ich bereit bin, das, wovon ich denke, dass es mir zusteht, mir einfach zu nehmen, so wie ich es für richtig halte, und dabei nicht mehr auf Gott zu hören.
Merkt ihr das? Jesus sagt hier: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Meine Bedürfnisse, meine Grundbedürfnisse, mein Leben ist mehr als Essen und dass irgendwelche Bedürfnisse gestillt werden. Mein Leben besteht darin, dass ich auf Gott höre, und solange ich von oben kein grünes Licht habe, werde ich hier überhaupt nichts machen. Ich werde warten. Ich werde warten, bis Gott mir das gibt, was er braucht.
Das Zitat ist aus 5. Mose 8. Da geht es darum, dass Gott die Israeliten erinnert und sagt: Überlegt mal, wie war das denn, als ihr durch die Wüste gezogen seid? Ihr habt gehungert. Und wisst ihr warum? Weil Gott sehen wollte, was in euren Herzen drin ist.
Ich finde das eine ganz dramatische Stelle. Gott führt sein Volk in schwierige Situationen, um zu sehen, was im Herzen seines Volkes ist. Und ich verspreche dir: Wenn du in eine Situation hineinkommst, wo es dir schlecht geht, wo du sagst, das kann doch einfach nicht sein, wo die Situation irgendwie überhaupt nicht mehr zu deinem Gottesbild passt, wo du denkst, wenn ich jetzt noch ein Stückchen hier drunter bleibe, zerbreche ich, in diesem Moment wirst du ganz genau wissen, wo dein Herz steht. Du wirst ganz genau wissen, wem du mehr vertraust, ob du Gott mehr vertraust oder dir selber.
Du wirst in diesem Moment ganz genau wissen, wem du bereit bist, mehr zu folgen, ob es dir mehr darum geht, dass deine Bedürfnisse, von denen du denkst, dass du ein Recht darauf hast, erfüllt und gestillt werden, oder ob du bereit bist, bis zum Äußersten Gott zu vertrauen, ihm zu folgen und zu sagen: Ich werde bis zum Schluss mitgehen. Ich verstehe nicht, warum du mir das vorenthältst. Ich verstehe nicht, warum ich hier warten muss, krank sein muss, hungern muss, irgendein Wunsch sich mir nicht erfüllt, den ich schon ewig lang habe und ich wirklich schon lange gewartet habe. Ich verstehe es nicht. Aber ich werde dir vertrauen. Ich werde an deiner Seite bleiben. Ich werde deine Liebe und deine Fürsorge nicht in Frage stellen. Ich werde glauben.
Und das ist das, was hier passiert. Das ist die erste Versuchung. Das ist die Versuchung, die wir alle auch kennen: Da, wo wir einen Wunsch haben, wo wir in eine Situation kommen, wo wir uns nach etwas sehnen, und der Teufel sagt: Na, das ist doch gar nicht so schwer, du müsstest nur so und so drehen, dann ist alles gut. Du weißt genau: Nee, das ist noch nicht dran, das ist nicht das, was Gott mir schenkt.
Und ja, das Beispiel, was mir immer kommt an der Stelle, ist das Beispiel von jemandem, der sich einen Ehepartner wünscht und der sagt: Na ja, ich kenne viele junge, hübsche Christinnen, die sich sehnlichst einen vernünftigen Mann wünschen. Und wisst ihr, was immer passiert? Es klopfen immer die Falschen an der Tür. Und es ist so traurig. Und irgendwann sagst du dir dann: Na ja, Hauptsache ein Mann. Und du springst.

Der Weg Jesu durch die drei Versuchungen

Der schnelle Griff nach dem Bedürfnis

Zweite Versuchung. Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. Und der Teufel sprach zu ihm: Ich will dir alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben, denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. Wenn du nun vor mir anbeten willst, soll das alles dein sein.
Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.
Auf der einen Seite steht Jesus, über den es im Alten Testament in Daniel 7 als Messias die Verheißung gibt: Er wird einmal alles beherrschen. Und jetzt kommt der Teufel und sagt: Ja, weißt du, du kannst das jetzt schon haben. Einmal mich anbeten, und du kriegst diese ewige Herrschaft, die dir verheißt ist, in Ewigkeit. Du kriegst sie jetzt schon. Soll ich dir was sagen? Ganz ohne Kreuz. Ganz ohne all den Stress, der vor dir liegt. Du kannst jetzt schon von mir bekommen, auf eine ganz simple Weise, ohne Anstrengung, was du dir mühsam, grausam am Kreuz erarbeiten musst. Was hältst du davon? Das wäre die Sache doch wert. Ein einziges Mal mich anbeten, einmal. Du müsstest dich nur mit mir arrangieren, und schon ist alles okay.
Das ist die Versuchung. Und wisst ihr, wo uns diese Versuchung auch trifft? Immer dann, wenn wir bereit werden, in unserem Leben irgendwo moralisch Abstriche zu machen. Wo wir anfangen, uns mit Sünde so einen faulen Kompromiss zu schließen. Wo wir uns mit Halbheit im geistlichen Leben zufriedengeben. Wo wir vielleicht schweigen, wo eigentlich Protest und Zeugnis angesagt wären. Immer in solchen Momenten treffen wir eine Entscheidung. Wir treffen die Entscheidung, dass wir den Teufel anbeten.
Unser Leben wird immer ein Leben der Anbetung sein. Wir werden immer mit allem, was wir tun, anbeten: entweder den Teufel oder Gott. Wir lassen uns entweder auf Sünde und Kompromisse ein, und wir versprechen uns genau das, was der Teufel uns hier anbietet: Ich gebe dir Macht und Erfolg, ich gebe dir ein scheinbar erfolgreiches, leichtes Leben. Ich führe dich am Kreuz vorbei. Du kannst Christ sein, und du kannst diese ganzen Stellen in deiner Bibel so mit Tipp-Ex übermalen: Ihr müsst mein Kreuz tragen, ja, ihr werdet verfolgt werden, wenn alle ... Mach da überall ein Tipp-Ex drüber und folge mir. Und du kannst Christ sein ohne das Kreuz. Ganz entspanntes Christsein, relaxed und cool, so ein bisschen zwischendurch, ohne dass du irgendwo groß anstrengst.
Das ist das Angebot, das der Teufel hier macht: Ich gebe dir Erfolg, Macht, Einfluss, ich gebe dir viele Freunde und einen coolen Job. Du musst nur eines tun, eine ganz kleine Sache, fällt gar nicht groß auf. Du müsstest nur an der einen oder anderen Stelle mich anbeten und durch dein Leben zeigen, dass du mir folgst und mir dienst. Ein klein bisschen Kompromiss hier, ein klein bisschen Sünde da, ein bisschen die Augen zumachen vor der Realität dort, und schon ist alles gut. Das ist das, worum es hier geht.
Und Jesus steht da vor diesem Angebot und sagt: Nee, mach ich nicht mit. Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen. Mein Leben gehört diesem Gott. Und wenn mein Leben ans Kreuz geht, wenn ich sterben muss für diese Welt, dann werde ich das tun. Und ich bin nicht bereit, einen billigeren Weg zu gehen. Ich bin nicht bereit für irgendwas Billiges, für irgendeinen Kompromiss. Ich möchte an der Stelle Gott lieben und Gott dienen. Ihm gehört meine Loyalität.
Also: Jesus ist nicht bereit, seine eigenen Bedürfnisse irgendwie zu erfüllen, so wie er es für richtig hält. Er ist nicht bereit, Kompromisse zu machen.
Und drittens: Lukas 4,9-13. Und er führte ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir befehlen, dass sie dich bewahren, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte, wich er für eine Zeit von ihm.
Das ist vielleicht die raffinierteste Versuchung. Johannes hatte doch gesagt: Wenn du wirklich Buße tust, muss man das in deinem Leben sehen. Die ganze Zeit macht Jesus, wenn die Versuchung kommt, genau eines. Ich habe euch das bei der letzten Predigt vorgemacht: Er zieht quasi und sagt: Es steht geschrieben. Es steht geschrieben. Jetzt kommt der Teufel und sagt: Ja, da gibt es aber eine andere Stelle, da steht auch was geschrieben. Da steht geschrieben, dass du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßen wirst. Also machen wir Folgendes: Spring doch von da oben, von dieser Zinne. Ja, das ging da ziemlich runter. Und das steht doch in der Bibel. Du musst doch gar keine Angst haben. Du machst doch eigentlich nur das, was in der Bibel steht. Mach das, und dann wird ein Engel kommen, wird dich auffangen, alle werden das sehen, und alle werden sagen: Wow, was für eine Sache. Was ist daran so falsch? Es steht doch in der Bibel.
Und der Punkt ist, dass es hier natürlich dem Teufel überhaupt nicht darum geht, die Bibel recht zu gebrauchen. Es geht ihm darum, die Bibel zu missbrauchen. Und auch hier ist es so: War Gott der Vater nicht den Sohn aufgefordert, von dem Tempel oder von der Zinne des Tempels zu springen? Es gab weder eine Notwendigkeit im Dienst, noch gab es irgendwie sonst eine Not, die so etwas gerechtfertigt hätte. Das einzige Motiv, um von der Zinne zu springen, wenn ich mal die Prahlerei beiseitelasse, das einzige Motiv ist: Ich möchte mal schauen, ob Gott sein Versprechen hält.
Und das ist eine ganz fiese, böse Art zu denken. Das ist Gott versuchen. Gott ist kein Gott auf Bewährung. Gott ist nicht der Gott, wo wir regelmäßig quasi so einen Vertrauenstest durchführen, so alle drei Jahre musst du mal irgendwas mit Gott machen, damit du siehst, ob er noch wirklich vertrauenswürdig ist. Gott ist der Gott, der seine Liebe und sein Vertrauen ein für alle Mal am Kreuz von Golgatha bewiesen hat und der jetzt das Recht hat auf unsere ungeteilte Liebe, auf unsere ungeteilte Loyalität und auf unser ungeteiltes Vertrauen.
An der Stelle, wo ich meine Lust nehme, zum Beispiel im Mittelpunkt stehen zu wollen, und anfange, Gott zu manipulieren, so nach dem Motto: Dieses Buch ist dann wie so ein Zauberbuch, ja, ich suche mir jetzt eine Bibelstelle, das ist dann so mein Zauberspruch, und dann versuche ich, Gott zu kontrollieren. In dem Moment, wo ich diese Position einnehme und Gott versuche, in diesem Moment steht das Wort Gottes selbst gegen mich: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
Es ist nicht deine Rolle als Mensch, Gott zu testen. Es ist deine Rolle als Mensch, Gott zu gehorchen, ihm zu folgen und ihm zu vertrauen. Gott hat alles getan, damit du ihm folgen und vertrauen kannst, und das ist jetzt unser Job.

Das Bild von Jesus, das Lukas zeichnet

Zum Schluss ging es mir heute darum zu zeigen, dass Lukas uns hier den Sohn Gottes vorstellt. Einmal als den Einzigartigen, von dem der Vater sagt: Das ist meiner. Hier ist eine einzigartige Beziehung. Das müssen wir festhalten: Jesus ist der einzigartige Sohn Gottes, er ist Gott im Fleisch.
Das Zweite ist aber: Gott ist Mensch geworden. Jesus ist Gottes Sohn in dem Sinne, dass er Mensch ist. Er ist der zweite Adam. Und im Gegensatz zum ersten Adam kommt die Versuchung in sein Leben hinein, und er besteht. Er besteht an der Stelle, wo der Teufel sagt: Komm, du hast ein Recht darauf, hier nicht mehr zu hungern. Nimm dir dein Recht! Und Jesus sagt: Nein, das mache ich nicht. Ich lebe nicht nur für meinen Bauch und für das, was diese Welt zu bieten hat. Ich lebe für Gott, aus der Beziehung heraus, nach seinem Wort.
Und dann kommt der Teufel und sagt: Ich biete dir einen Weg an zur Herrlichkeit, zur Macht, zum Erfolg, am Kreuz vorbei. Und Jesus sagt: Nein, ich folge dir nicht. Ich werde dich nicht anbeten, ich werde dir nicht dienen.
Und dann kommt dieses Letzte: Ich biete dir an, dass du Gott wirst, dass du Gott manipulierst, dass du Gott versuchst. Tu’s! Mach was aus deinem Leben, sei der, der am Steuerknüppel sitzt. Und Jesus sagt: Das will ich gar nicht. Ich möchte nicht Gott versuchen, ich möchte Gott gefallen.
Und das wünsche ich euch. Wir werden beim nächsten Mal noch ein bisschen weitermachen mit diesem Thema. Das zieht sich nämlich noch bis Ende Kapitel 4, aber wir haben noch zwei Punkte. Bis dahin.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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