Das Thema heute Abend soll heißen: Gesetz und Gesetzlichkeit. Wir wollen anhand der Juden und ihrer Gepflogenheiten
dieses Thema angehen. Ihr wisst alle, dass den Juden das Gesetz durch Gott mittels Mose gegeben war und dass sie
aber zu diesem Gesetz viele menschlichen Gebote, Regeln, Satzungen und menschliche Gesetze hinzugefügt haben.
Wie und warum es dazu kam – damit wollen wir uns heute abend beschäftigen; dabei auch die Gefahren sehen, die
damit verbunden sind, wenn wir uns so verhalten würden wie die Juden es getan haben – und was wir dem
entgegensetzen wollen. Wir werden dabei auch mindestens zwei Schriftabschnitte näher betrachten, die ich zu
gegebener Zeit nenne.
Im NT fällt uns auf, dass wir öfters einen Konflikt zwischen unserem Herrn Jesus und den Juden vorliegen sehen – vor
allen Dingen zwischen Jesus und den Pharisäern. Das zeigen ja die Evangelien ganz klar und zeigen auch wie sich
dieser Konflikt gegen Ende hin dann immer mehr steigert. Und dieser Konflikt zwischen Jesus und den Pharisäern hat
sich hauptsächlich an der Stellung zum Gesetz entzündet. Zum Gesetz des AT und zu dem was die Juden daraus
gemacht haben. Jetzt müssen wir einmal in der Geschichte noch ein paar Jahrhunderte zurückgehen. Ein paar
Jahrhunderte in die Zeit des AT. Wir nehmen gerade das Buch Daniel durch. Im Buch Daniel wird uns das Volk Israel in
der babylonischen Gefangenschaft gezeigt. Die Babylonische Gefangenschaft ging eines Tages zu Ende, und unter
Kyrus durften die Juden wieder in ihr Land zurückkehren. Unter Esra und Nehemia kommen sie dann zurück und bauen
auch wieder den Tempel auf und dann haben sich einige der gottesfürchtigen Juden hingesetzt und haben die Frage
bewegt: warum mussten wir als Volk Gottes in die babylonische Gefangenschaft? Warum kam dieses Gericht unseres
Gottes über uns und warum hat er uns in die Hände unserer Feinde gegeben? Das war gut, dass sie darüber
nachgedacht haben, dass sie endlich so weit waren, sich darüber Gedanken zu machen, warum musste denn Gott
diesen Weg mit uns gehen? Das ist auch bei uns gut, wenn uns irgendetwas widerfährt, dass wir uns Gedanken machen,
was will der Herr mir sagen? Ob es etwas Gutes, Schönes, Erfreuliches ist, oder auch wenn es Misserfolg und Versagen
ist – was will der Herr dadurch sagen? Das musste ich mich in der letzten Zeit auch einige Male fragen, wo so manche
Sachen daneben gegangen sind – Sachen kaputt gegangen sind, usw. Immer wieder taucht dann die Frage auf, was will
der Herr dadurch sagen? Die Antwort, welche die Juden damals fanden, war meines Erachtens die richtige Antwort. Sie
erkannten, der Grund warum Gott sie in die babylonische Gefangenschaft hatte wegführen lassen war Nichtbeachtung
des Gesetzes. Das hatte ihnen doch Gott im Gesetz – in den fünf Büchern Mose klipp und klar angekündigt – vor allen
Dingen in diesem einen Kapitel 5. Mose 28 Segen und Fluch – da geht es nur darum, dass Gott sie sehr als Volk segnen
wollte, wenn sie sich an seinen Ordnungen halten. Und dass aber große Gerichte über sie kommen würden, wenn sie
das Gesetz verachten würden und ungehorsam wären. Und so erkannten sie: Nichtbeachtung des mosaischen
Gesetztes bringt uns unter Gottes Fluch, unter Gottes Gericht, unter Gottes Zorn. Und diese Erkenntnis führte sie dahin,
dass sie sich ganz neu mit dem Gesetz mit der Thora Gottes beschäftigt haben. Das sie diese ernstgenommen haben,
dass sie geforscht haben, was will denn Gott von uns als Volk? Wie können wir seinen Willen tun und wann übertreten
wir seine Gebote und wie können wir uns davor schützen? Und so entstand nach der Rückkehr aus dem Exil zur Zeit des
Esra eine Schule in Israel, und zwar die Schule der Sopherim. Das ist ein hebräisches Wort, der Singular heißt Sopher.
Sopher ist ein Schriftgelehrter. Die Sopherim waren Schriftgelehrte – da entstand die Schule der Schriftgelehrten. Im NT
lesen wir doch oft von den Schriftgelehrten und Pharisäern. Diese Schule entstand nach der Rückkehr aus dem
babylonischen Exil. Und diese Sopherim nahmen jedes dieser 613 Gebote des mosaischen Gesetzes und erforschten es
genau, gaben dazu Auslegung, Erklärung, machten Exegesen sage wir heute – also sie legten, aus was das Gebot
bedeutet und wie es gehalten werden kann und wie es gebrochen werden kann. Dadurch wollte man dem Volk helfen die
Gebote zu halten und eine zweite babylonische Gefangenschaft zu verhindern. Das war das ursprüngliche Motiv – ein
gutes Motiv, gut gemeint, geboren aus dieser Not der 70 jährigen Gefangenschaft. Jetzt wollten sie eine zweite solche
Heimsuchung Gottes mit Gericht und Gefangenschaft verhindern. Als die erste Generation der Sopherim gestorben war,
nahm die zweite Generation ihren Auftrag noch ernster. Sie sagten, wir müssen einen Zaun um die 613 Gebote machen.
Wenn wir hier das Gesetz haben mit den 613 Einzelgeboten der Mosebücher 2-5, das nennt man das Gesetz – Die
Thora. Und das sagten die Sopherim, wir müssen um dieses Gesetz noch einen Zaun machen, damit es nicht gebrochen
wird. Und dann fingen sie an, noch einige Gebote und Regeln herumzubauen, damit man schon durch diesen äußeren
Zaun aufgehalten wird und nicht durchbricht und das Urgesetz bricht. Das war die Motivation, das war der Sinn. Sie
wollten noch einen Schutzzaun außen herumbauen, damit man nicht die wirklichen Gebote bricht, denn davor hatten sie
inzwischen Respekt, sie dachten, dann kommt wieder das Gericht über uns, und wir müssen wieder in irgend eine
Gefangenschaft marschieren. Aber durch diesen Zaun kamen neue Regeln zum alttestamentlichen Gesetz hinzu. Und
diesen Zaun, den die Sopherim bauten, nennt man die rabbinischen Gesetze – oder die Gesetze vom Zaun. Alles das
was ich hier sage weiß ich von Arnold Fruchtenbaum – wir Europäer sind da hoffnungslos aufgeschmissen, da brauchen
wir einen Juden, oder überhaupt Juden die sich damit über Jahre beschäftigt haben, die das studiert haben und Arnold
Fruchtenbaum hat da eine ganz wunderbare Arbeit gemacht, und ich habe Vorträge von ihm verwendet und zu Grunde
gelegt. Also sie bauten einen Schutzzaun außen herum und ihr Ansatz war, ein Jude könnte die Gesetze des Zaunes
brechen, aber das würde ihn dann hindern noch weiter zu gehen und das Urgesetz zu brechen. Es war ein gut gemeinter
Ansatz, den wollen wir nicht verachten wir wollen sehen, die Motivation war, Achtung, Respekt, Ehrfurcht vor dem Gesetz
Gottes – vor der Heiligkeit der göttlichen Befehle. Sie wollten ein neuerliches Gericht verhindern. Und ihr Prinzip war, ein
Sopher (ein Schriftgelehrter) kann eine andere Meinung haben als ein anderer Sopher, aber er darf nicht eine andere
Meinung haben als das Gesetz – die Thora, die Thora ist heilig. Ist dieser Ansatz richtig, ist er gut? – Er ist gut und
wunderbar, den sollten wir auch haben. Wir unter uns können verschiedene Erkenntnis haben und die haben wir ja auch.
Wir haben nicht in allen Frage die gleiche Erkenntnis – noch nicht. Das ist in Ordnung, aber hoffentlich ist es unser
Anliegen, dass wir mit der Schrift übereinstimmen. Wir müssen nicht unbedingt alle übereinstimmen, aber mit der Schrift
sollte jeder von uns übereinstimmen – das ist unser Bezugspunkt. Nicht der Nachbar neben uns, sondern in erster Linie
die Schrift. Wo ist aber jetzt der Fehler an diesem Vorgang, der da geschah? Gott gab Mose die 613 Gebote – das war
das Gesetz, die Thora. Das Gesetz war heilig. Aber als die Rabbiner anfingen hunderte- und später noch Tausende von
neuen Gesetzen hinzuzufügen, da bekam das eine Eigendynamik.
Da trat das eigentliche Gesetz immer mehr in den
Hintergrund und die vielen Regeln – die vielen Ausführungsbestimmungen traten immer mehr in den Vordergrund. Irgend
wann ist man von dem Eigentlichen so weit weg, dass man sich verheddert in dem Gestrüpp und Geäst der vielen
Regeln um die man sich kümmern muss, dass man kaum noch zu dem eigentlichen durchdringt. Und das passierte dann
auch. Ich will das an einem Beispiel deutlich machen. Bitte schlagt mal mit mir 2. Mose 23, 19 auf. Da steht ein
alttestamentliches Gebot – ich glaube das kennen wir alle. Es ist keines der 10 Gebote, aber ich glaube das haben wir
alle schon gehört und kennen das. Aber ich glaube nicht dass wir alle wissen wie es eigentlich gemeint war. Da steht am
Schluss dieses Verses: ... du sollst ein Böckchen nicht in der Milch seiner Mutter kochen. Eines der 613 Einzelgebote des
mosaischen Gesetzes. Habt ihr das schon einmal gemacht? Wahrscheinlich nicht – ist auch gar nicht unser Anliegen –
wie kämen wir dazu? Aber was ist der Hintergrund dieses Gebotes? Warum verbietet Gott das seinem Volk Israel? War
Israel in der Gefahr so etwas zu tun? Oh ja – warum? weil Israel umgeben war von den heidnischen Völkern, vor allem
von den Kanaanitern und die hatten eine solche Unsitte – ein solches Gräuel. Das kam in der kanaanitischen
Baalsreligion vor. Das war ein Fruchtbarkeitskult. Wenn da eine Ziege ihr Erstgeborenes geboren hatte, dann hat man
das von der Mutter weggenommen, hat Milch von der Mutter genommen und dann das Böcklein in der Milch seiner
Mutter gekocht und dann als Fruchtopfer den heidnischen Göttern geopfert Das sollte einen Fruchtbarkeitsritus darstellen
und Fruchtbarkeit im Volk auslösen. Da gab es viele seltsame Riten in den heidnischen Völkern – das war eine davon.
Und weil das die Kanaaniter gemacht haben, hat Gott seinem Volk Israel gesagt, so etwas sollt ihr nicht tun. Wir haben
eine ganze Reihe Tierschutzgebote im Alten Testament. Und er sagt hier, das sollt ihr nicht tun – er verbietet das seinem
Volk. Wann gab Gott dem Mose dieses Gebot? Grob gesagt, 1400 vor Christus haben sie dieses Gebot bekommen.
Inzwischen sind wir bei den Sopherim – tausend Jahre später im Jahr 400 vor Christus. Gab es inzwischen noch
Kanaaniter? Nein, die waren schon lange von der Landkarte verschwunden, waren aufgerieben und überhaupt kein
Thema mehr. Und auch nicht ihre gräulichen heidnischen Sitten, die sie da hatten. Und so haben die Sopherim den
Hauptgrund dieses Gebotes nicht gekannt. Das war nicht aktuell bei ihnen. Das war in Vergessenheit geraten, das
wussten sie nicht, warum Gott damals dieses Gebot gegeben hatte. Und so stellten sie sich die Frage, als sie dieses
Gebot studierten, als sie sich Gedanken darüber gemacht haben, wie können wir es halten, wie werden wir bewahrt, dass
wir es ja nicht brechen? Da haben sie gefragt, wie können wir sicher sein, dass wir niemals ein Böcklein in der Milch
seiner Mutter kochen? Dann sagten sie, wenn man ein Stück Fleisch isst – mittags vielleicht –und trinkt dazu ein
Schlückchen Milch, dann besteht doch die Möglichkeit, dass diese Milch von der Mutter dieses Stück Fleisches
gekommen ist. Und wenn man das dann zusammen verschluckt, dann wird es quasi im Magen verarbeitet, wie gekocht
und dann hat man schon das Böcklein in der Milch seiner Mutter gekocht – und das Gebot übertreten. Wir müssen da
lächeln, diese Gedanken sind uns fremd, aber es ist gut, wenn wir das einmal hören, wie die Juden denken, das ist jetzt
erst der Anfang. Das geht gleich noch weiter, es wird sich noch steigern – dass wir denken und verstehen können, wie
sie da hineingekommen sind – in diese Gesetzlichkeiten. Es hatte ursprünglich einen guten Ansatz, sie wollten Gottes
Willen tun, haben sich dann aber verstiegen in Schutzklauseln und Zäunen. Also daraus haben sie dann ein Grundgesetz
abgeleitet – man muss fleischige und milchige Nahrung völlig von einander trennen – Trennkost in dieser Weise. Und wo
das dann in einer Küche praktiziert wird, da nennt man das dann koschere Küche. Bis zum heutigen Tag ist es unter den
orthodoxen Juden in der ganzen Welt Sitte, fleischige und milchige Nahrung zu trennen. Es gibt liberale Juden, die
scheren sich da überhaupt nicht darum, aber unter den orthodoxen ist das bis auf den heutigen Tag so der Fall. Und so
gibt es Restaurants in Israel, da kann man nur milchig essen und andere, wo man nur fleischig essen kann. Es gab
einmal in Jerusalem ein Restaurant, da konnte man beides essen, aber da war das Restaurant auf zwei Stockwerke
verteilt. So wie wenn jetzt hier die Milchspeisen wären und oben drüber dann die Fleischspeisen. Da wurde genau
geschaut, dass da keine Leute während dem Essen hinauf oder hinunter gehen – damit das ja getrennt ist. Die Sorge der
Sopherim ging noch weiter. Sie sagten: stellen wir uns einmal vor, man hat zu Mittag milchig gegessen – Käse usw. Und
auf dem Teller, den man benutzt hat, da ist jetzt noch ein Stückchen Käse darauf. Der Teller wird zwar gewaschen, aber
man war nicht so gründlich beim Waschen und da ist doch noch ein Krümelchen Käse darauf. Und am Abend isst man
fleischig. Und jetzt isst man von dem selben Teller Fleisch und da klebt noch ein Käsestückchen am Teller und
zusammen verschluckt man das und so wird es im Magen gekocht. Und es könnte ja theoretisch sein, dass das Fleisch
von dem Kind und der Käse von der Mutter stammt und so hat man wieder das Böcklein in der Milch seiner Mutter
gekocht. Und so hat man ein zweites Gesetz abgeleitet, um auch das auszuschließen. Man muss zweierlei Geschirr
benutzen. Geschirr für Milchprodukte, und Besteck und Geschirr für Fleischprodukte. Bis zum heutigen Tag haben alle
orthodoxen Juden zwei verschiedene Geschirre im Schrank und zwei verschiedene Sorten Besteck. So ging das weiter
und weiter und Hunderte und Tausende von neuen Geboten haben sich entwickelt. Wir haben ja jetzt nur mal dieses
eine betrachtet – mit dem Böckchen und der Milch. Da stehen ja noch viele andere und zu denen wurden auch wieder
solche Zusatzgesetze im Lauf der Jahrhunderte entwickelt. Die Sopherim haben gründliche Arbeit geleistet und zwar
etwa 450 v. Chr. bis zum Jahr 30 v.Chr. Das ist die Zeit der Sopherim die das gemacht haben und sich manchmal ihr
ganzes Leben damit beschäftigt haben um sicher zu gehen, dass ja nicht das Gesetz übertreten wird. Und dann kam
nach den Sopherim eine zweite Schule, das waren die Tannaim. Tannaim, ein Mehrzahlwort – die Einzahl heißt Tanna
und heißt auch Lehrer. Diese Tannaim beobachteten die Arbeit der Sopherim und sagten, ja die Sopherim haben das ja
ganz gut gemacht, die haben da einen Zaun um das Gesetz gebaut, aber in diesem Zaun sind viel zu viel Löcher. Da
können noch viel zu viele Leute durchschlüpfen, den Zaun müssen wir enger machen. Da müssen wir noch viel
sorgfältiger sein, dass das Gesetz nicht übertreten wird. Und so haben sich die Tannaim daran gemacht und haben
weiter Auslegungen geschrieben und weiter Gesetze hinzugefügt, damit die Löcher im Zaun gestopft werden.
Und ihr
Prinzip war: ein Sopher kann anderer Meinung sein, wie ein anderer Sopher, aber nicht verschieden zur Thora. Und jetzt
hatten die Tannaim das Prinzip, ein Tanna kann eine andere Meinung haben wie ein anderer Tanna, aber nicht wie ein
Sopher. Versteht ihr was jetzt passiert? Sie haben nicht gesagt, ein Tanna kann eine andere Meinung haben wie ein
anderer Tanna, aber Hauptsache er stimmt mit der Thora überein. Sie haben gesagt, Hauptsache er stimmt mit dem
Sopher überein – mit der Zwischenstufe. Und so haben sie sich von dem Wort Gottes entfernt. Das würde heute
bedeuten, entschuldigt wenn ich das jetzt so sage, wenn ein Katholik heute sagen würde, ich als Katholik darf eine
andere Meinung haben wie ein anderer Katholik, aber Hauptsache wir glauben das gleiche wie unser Priester. Statt zu
sagen, Hauptsache wir stimmen mit dem Wort Gottes überein, sondern Hauptsache wir stimmen überein mit der
Zwischenstufe. Und die Zwischenstufe waren hier die Sopherim. Und das war verhängnisvoll - dieses Prinzip der
Tannaim. Hier nimmt das ganze eine wirklich negative, verhängnisvolle Richtung an. Schon vorher war das nicht ganz
rein, was die Sopherim gemacht haben, aber jetzt stürzt das ganz arg negativ ab. Der Bezugspunkt war nicht mehr das
Wort Gottes, sondern eine zuvor erstellte Menschenmeinung über das Wort Gottes. So wurden neue Gesetze abgeleitet,
die dann in der Praxis gleichbedeutend mit der Schrift waren - manchmal noch wichtiger als die Schrift. Aber damit noch
nicht genug, die Tannaim haben eine verhängnisvolle Lehre entwickelt, an die bis heute noch alle orthodoxen Juden
glauben. Sie lehren nämlich, Mose habe am Berg Sinai nicht nur ein Gesetz von Gott empfangen – dieses mit den 613
Geboten, sondern er habe dort zwei Gesetze empfangen. Ein schriftliches, das er niedergeschrieben hat, die 613 und
dazu noch ein mündliches Gesetz das er nicht niedergeschrieben hätte, sondern das er sich eingeprägt hätte, was er
memoriert hat, und was Mose dann weitergegeben hätte an Josua und Josua an die Richter und die Richter an die
Propheten und die Propheten an die Sopherim und die Sopherim an die Tannaim. So haben sie das legalisiert, was sie
gemacht haben, und haben gesagt, das was wir jetzt hier langsam schriftlich zu Papier bringen, das ist nichts anderes als
die von Mose weitergegebene mündliche Lehre, das mündliche Gesetz. So haben sie das nachträglich legalisiert, indem
sie gesagt haben, das ist nicht unsere Erfindung, das ist Moses mündliches Gesetz das wir jetzt hier haben. Und
deswegen haben sie dem einen so hohen Anspruch gegeben und haben gesagt, das ist gleichbedeutend mit dem
Schriftlichen – das kommt auch von Mose. Und das war natürlich ganz verhängnisvoll. Die Sopherim haben die Gesetze
ausgelegt aber nicht weiterentwickelt! Sie haben sie zunächst einfach gehalten. Aber die Tannaim haben die Gesetze
weiterentwickelt und noch verschärft. Und diese Tannaim lehrten von 30 v. Chr. bis 220 nach Chr. Das ist wichtig für uns
zu wissen. Als unser Herr Jesus in Israel lebte und wirkte und Begegnungen mit den Juden, Pharisäern und
Schriftgelehrten hatte, das war das Zeitalter der Tannaim. Und Paulus war ein Tannaim. Er war vor seiner Bekehrung ein
Gesetzesgelehrter zu Füßen von Gamaliel. Man kann das auch an einem Ausdruck im Galaterbrief erkennen, aber das
würde jetzt zu weit führen. Aber es ist ganz sicher, Paulus war in dieser Zeit in der Schule der Tannaim. Und dann kam
nach den Tannaim noch eine dritte Schule von Rabbinern und die hießen Amoraim. Amoraim ist auch ein Pluralwort und
kommt von Amora. Das ist ein aramäisches Wort, also ein syrisches Wort und das heißt ebenfalls Lehrer. Und so wurde
diese dritte Schule Amoraim genannt – auch wieder Lehrer, Schriftgelehrte, Rabbiner – das meint immer alles das selbe,
das sind jüdische Theologen. Und sie schauten auf die Lehre von den Tannaim und sagten, na, ihr lieben Tannaim, ihr
habt ja euch ja viel Mühe gegeben, aber da sind noch viel zu viele Löcher im Gesetz. Durch euren Zaun schlüpfen noch
viel zu viele Leute durch – den müsst ihr noch viel enger machen. Diesen Ansatz kennen wir jetzt schon, und so wurde
ein dritter Zaun um das Gesetz gebaut, um das eigentliche, von Gott gegebene Gesetz – inzwischen vielleicht nicht mehr
nur aus der heiligen Sorge, dass kein Gericht Gottes in Form einer babylonischen Gefangenschaft kommt. Die war
inzwischen schon lange passe´, denn inzwischen waren schon die Römer im Land und sie waren besetzt und dominiert
von den Römern. Ich glaube nicht dass sie Sorge hatten, von den Römern deportiert zu werden, denn das war nicht die
Politik der Römer. Die Römer haben besetzt und okkupiert. Aber trotzdem haben sie einen weiteren Zaun um das Gesetz
gezogen. Und die Amoraim haben an diesem Zaun Jahrhunderte weitergearbeitet, bis ins 16. Jahrhundert nach Christus,
indem weitere Auslegungen, Regeln und Bestimmungen dem Gesetz hinzugefügt wurden. Wir werden gleich sehen was
das für einen Umfang angenommen hat. Aber zunächst fragen wir, was hatten sie für ein Prinzip? Wir können schon
ihren Grundsatz bei ihrer Arbeit ahnen. Sie sagten, ein Amora kann eine andere Meinung haben, wie ein anderer Amora,
aber Hauptsache er stimmt mit einem Tanna überein. Wieder das selbe wie vorher. Sie kamen überhaupt nicht mehr auf
die Idee zu sagen, Hauptsache wir stimmen mit dem Wort Gottes überein, mit dem mosaischen Gesetz, mit dem AT. Das
war schon in weite Ferne gerückt – Hauptsache, wir stimmen überein mit dem Tanna. Denn das hatten sie in den Händen
– die vielen Regeln der Tanna und die haben sie noch weiterverarbeitet. Denn da gab es vielleicht noch scheinbare
Widersprüche und Ungereimtheiten. Und daran haben sie gearbeitet. Und so ging das immer weiter und es wurde immer
unübersichtlicher – wie manche Steuergesetze in Deutschland. Was die Sopherim und die Tannaim zusammengestellt
haben, das wird mit einem gut bekannten Ausdruck benannt – die Mischnah. Das ist das Ergebnis der Sopherim und der
Tannaim. Die Mischnah hat 1500 Seiten. Ich habe hier einen Teil der Mischnah in hebräisch, mit teilweise deutschen
Erklärungen dazu von der UNI Heidelberg. Und ich lese euch mal als Beispiel einen kleinen Abschnitt aus der Mischnah
vor. In diesem Buch geht es nur darum, wie Passah gefeiert werden soll. Da gibt es ja einige Aussagen im AT und ihr
seht was daraus geworden ist, und hier geht es um die richtigen Passahregeln. Da heißt es z.B. hier: wer das Passah
schlachtet zu gesäuerten, der übertritt ein – du sollst nicht tun. Rabbi Juda sagte, das gilt auch für das Tamit, Rabbi
Simon sagte, wer das Passah am vierzehnten für seine Bestimmung zu gesäuertem geschlachtet hat, der ist schuldig.
Aber nicht für seine Bestimmung, dann ist er frei. Und was all die übrigen Opfer betrifft, sowohl für ihre Bestimmung als
auch für ihre Nichtbestimmung, so ist er frei und am Halbfest für seine Bestimmung, so ist er frei und nicht für seine
Bestimmung, so ist er schuldig. Also, macht er es so, dann ist er frei, macht er es so, dann ist er schuldig. Was all die
übrigen Schlachtopfer betrifft, sowohl für ihre Bestimmung, als auch nicht für ihre Bestimmung, so ist er schuldig,
ausgenommen das Sündopfer, das er nicht für seine Bestimmung geschlachtet hat.
Und so geht das weiter – schuldig, nicht schuldig, schuldig, nicht schuldig. Macht er sie, macht er es an dem Tag, macht
er es so – alles festgelegt in der Mischnah. 1500 Seiten – das nennen wir Mischnah. Und was die Amoraim
zusammengestellt haben, das nennt man Gemorah, das ist ein Ausdruck, der kommt seltener vor. Das hat heute einen
Umfang, so groß wie die Enzyklopedie Britaannica – das kann ich mit meinen Armen nicht umfassen. Dies weil fast 1000
Jahre daran gearbeitet wurde. Und diese beiden zusammen – jetzt kommt wieder ein bekannter Ausdruck – das nennt
man Talmud. Der Talmud ist also ein Riesenwerk bestehend aus der Mischnah und der Gemorah. Die ganze Arbeit
dieser jüdischen Gelehrten über fast 2000 Jahre, das ist der Talmud. Wenn wir also jetzt das neue Testament lesen,
wenn wir studieren, dann sollten wir im Hinterkopf haben, wir brauchen uns um die Gemorah überhaupt nicht kümmern.
Die hat mit dem NT nichts zu tun, die kommt da nicht vor, weil sie ja erst nach 220 n. Chr. begonnen wurde. Aber wir
haben im neuen Testament mit der Mischnah zu tun, mit der jüdischen Mischnah. Und nach der pharisäischen Theologie
würde der Messias, den Israel erwartete natürlich ein Pharisäer sein, ein gesetzestreuer Jude, der sich ganz an die
Gesetze der Mischnah hält. Die Pharisäer warteten auf einen Messias, auf einen Erlöser, auf einen Juden der ganz
gesetzestreu sein würde, das heißt, der sich auch an die 1500 Seiten der Mischnah halten würde. Die waren vielleicht
damals noch nicht ganz komplett, aber auf jeden Fall an das bis dahin bekannte Werk müsste sich der Messias halten. Er
würde an die Mischnah glauben und an ihre Gesetze und er würde sich unter ihre Autorität unterordnen. So erwarteten
sie den Messias.
So, nun kommt Jesus Christus von Nazareth und tut Zeichen und Wunder und die Menschen sagen, er ist der Messias.
Und was interessiert die Pharisäer am meisten? Ordnet er sich unter die Mischnah unter? Ist er wirklich ein ganz
Gesetzestreuer? Einer der es so genau nimmt wie wir, der sich an alle Gebot der Mischnah hält? Das hat sie interessiert.
Wenn er das nicht tut, kann er unmöglich der Messias sein. Also im NT kommt das Wort Mischnah zwar nicht vor, aber
die Sache selbst schon. Sie wird im NT anders genannt. Kann jemand sich denken, welche Ausdrücke wir in den
Evangelien haben, die auf die Mischnah zurückgehen? Die Überlieferung der Väter", oder die Tradition der Väter", bei
Luther heißt es die Aufsätze der Ältesten". Das alles meint die Mischnah – die Gesetze welche von den Sopherim und
Tannaim noch hinzugefügt waren zu den 613 einzelnen Geboten.
Unter den Mischnahgesetzen war natürlich auch das Fasten. Das Fasten kommt ja im AT bei den 613 vor, also haben
sich die Gelehrten auch mit dem Fasten beschäftigt. Und das Fasten hat es ihnen besonders angetan, den Juden. Das
war eines der wichtigsten Gebote, dazu hatten sie ganz viele Regeln. Z.B war es üblich, dass die orthodoxen Juden 2
mal in der Woche fasteten, nämlich an einem Montag und an einem Donnerstag. Der Pharisäer im Tempel - der
Pharisäer und Zöllner – der in den Tempel kommt sagt, ich faste 2 mal in der Woche, d.h. ich bin ein Tannaim, ein ganz
Gesetzestreuer, ich halte mich an die Mischnah. Gott du musst doch mit mir zufrieden sein.
Nun wollen wir einmal ins NT gehen und so einen richtigen Konflikt oder Zusammenprall studieren, wo jetzt die
Erwartungshaltung der Pharisäer, der Rabbiner, der jüd. Theologen der damaligen Zeit mit Jesus und seinem
Erscheinungsbild aufeinander prallten. Lukas 5, 33-39 ... sie aber sprachen zu ihm, warum fasten die Jünger des
Johannes oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer, die deinen aber essen und trinken?
Die Jünger des Johannes haben sich an die Mischnah gehalten, die haben oft gefastet – 2 mal in der Woche und mehr.
Und die Pharisäer taten das auch. Aber die Jünger Jesu haben sich nicht daran gehalten. Das ist aufgefallen und jetzt
stellen sie die Frage, warum halten sich deine Jünger nicht an die Mischnah? Und jetzt kommt eine Antwort Jesu die von
vorneherein an Deutlichkeit nichts übrig lässt – schon hier bei der ersten Begegnung macht er alles klar. Vers 34,35 gibt
Jesus eine vierfache Antwort. Ihr könnt doch nicht die Hochzeitsgäste fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist.
Jesus sagt, man kommt doch nicht zu einer Hochzeit zum Fasten, sondern zum Feiern. Und er will damit sagen, jetzt ist
Hochzeit – der Bräutigam, der Messias ist da und jetzt ist keine Zeit zum Fasten. Jetzt ist Grund zum Feiern. Und wenn
wir die Evangelien anschauen, merken wir, dass wir in der gesamten Zeit der öffentlichen Wirksamkeit kein Hinweis
darauf haben, dass Jesus in dieser Zeit gefastet hätte. Jesus hat viel gebetet aber er hat vor seiner öffentlichen
Wirksamkeit 40 Tage in der Wüste gefastet. Danach haben wir keinen Hinweis darauf, dass er gefastet hätte. Das war
Bräutigamzeit, Zeit des Feierns – Jesus war da, er hat während der Zeit der öffentlichen Wirksamkeit nicht gefastet und
seine Jünger auch nicht. Dann Vers 36, geht Jesus weiter und sagt, es werden Tage kommen und dann, wenn der
Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, in jenen Tagen werden sie fasten. Ich glaube, als unser Herr gestorben
war – am Kreuz, am Karfreitag und weggenommen wurde von ihnen, glaube ich nicht, dass sie da groß gefeiert haben.
Da war Fastenzeit, da haben sie um ihn getrauert. Dann als er auferstanden war und sich als der Lebendige gezeigt
hatte, da war das auch wieder vorbei. Später im NT finden wir das Fasten in einem anderen Zusammenhang, eben als
Dienst- und Konzentrationsfasten. Jetzt Jesu zweites Argument – das erste, jetzt ist Hochzeit, keine Fastenzeit und damit
will er sagen, ich bin der Messias – Vers 36 ein Gleichnis zu ihnen. Niemand schneidet einen Flicken von einem neuen
Kleid und setzt ihn auf ein altes Kleid, sonst wird er sowohl das neue zerschneiden, wie auch der Flicken vom neuen zum
alten nicht passen wird. Das ist ein verständliches Bild für uns, man nimmt nicht ein neues Stück Stoff, um ein Loch in
einem alten Kleid zu flicken. Was würde da passieren? Ein altes Kleid ist schon oft gewaschen worden und ist schon
maximal eingeschrumpft. Und wenn da jetzt ein Loch drinnen ist und ich neuen Stoff darauf nähe und das Kleid wieder
wasche, dann schrumpft der neue zusammen und zerreißt damit das alte Kleid. Und damit will Jesus den Pharisäern
etwas sagen und hier haben wir ein Gleichnis. Das ist etwas schwieriger, als eine direkte Aussage. Wenn wir jetzt einen
Bibelgesprächskreis hätten, dann wäre ich sehr gespannt darauf, wie ihr das deuten würdet, was Jesus hier sagen will.
Jesus will hier deutlich machen, ich bin nicht gekommen um die Löcher zu stopfen. Die Löcher in eurem Zaun, wo ihr
meint, dass immer noch Löcher da sind, dass ihr immer noch stopfen müsst an eurer Mischnah. Dazu bin ich nicht
gekommen. Der Hintergrund ist, die Löcher des Gesetzes, die sie wähnten. Jesus sagt, in diese Linie stelle ich mich nicht
mit euch – da mach ich nicht mit. Das Gesetz ist gut so und braucht keine weiteren Umzäunungen. Dann Vers 37 und 38
ein weiteres Gleichnis er sagt und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst wird der neue Wein die Schläuche
zerreißen und er selbst wird verschüttet werden und die Schläuche werden verderben. Sondern neuen Wein füllt man in
neue Schläuche. Uns ist das vertraut, dass das kein Mensch macht, aber was wollte Jesus jetzt hier den Pharisäern
entgegen halten, die brennend interessiert waren zu seiner Stellung zur Mischnah? Darauf bezieht sich seine Antwort in
dieser Aussage. Jesus sagt, niemand tut neuen Wein in einen alten Schlauch. Ein alter Schlauch ist maximal
ausgedehnt. Neuer Wein hat erst begonnen zu gären, neuer Wein dehnt sich noch aus. Und wenn man den in einen
alten Schlauch hinein tut der schon maximal gedehnt ist, dann zerreißt´s ihn. Neuer Wein passt in neue Schläuche, denn
dann dehnt sich der Wein und der Schlauch, das geht. Was will Jesus mit diesem Bild sagen er bringt das hier direkt
aufeinander? Er will sagen, Leute ich bin nicht gekommen, um meine Lehre in eure pharisäische Form hinein zu tun. In
eure Form von Sopherim und Tannaim und Mischnah usw. Diese Form ist brüchig, die hält das nicht aus und würde
zerreißen und das würde nicht zusammenpassen. Ich bringe eine neue Lehre, die passt nicht in euer System – dass will
Jesus hier deutlich machen. Ich glaube seine damaligen Zuhörer, die Rabbiner und Pharisäer haben ihn verstanden, die
wussten was er meint.
Und dann sagt Jesus noch ein viertes in Vers 39, und niemand will, wenn er alten getrunken hat, neuen, denn er sagt,
der alte ist milder. Hier sagt Jesus schon voraus, dass die Pharisäer das neue, den neuen Wein den Jesus bringt, die
Botschaft des Evangeliums verachten werden und am alten Wein des Gesetzes festhalten werden. Das ist interessant,
der alte ist milder – die Botschaft des Gesetzes geht uns leichter und flüssiger hinunter, als das Evangelium. Denn das
Gesetz passt zu unserem Wesen – wenn da irgend so ein Zarathustra kommt und so ein anderer Gesetzeslehrer kommt,
der sagt, du sollst und du musst und mach das, bring das, opfere das, das entspricht unserem alten Wesen mehr, als
wenn Jesus mit der Botschaft der Gnade kommt. Wir gehen noch ein Stückchen weiter im Lukasevangelium. Wir haben
jetzt die erste Konfrontation gesehen, Jesus und die Pharisäer. Es geht um die Frage, wie steht Jesus zur Mischnah –
wird er sich unter die Autorität der Mischnah beugen oder nicht? Und Jesus hat es nicht getan. Jesus hat sich voll und
ganz zur Heiligen Schrift, zum AT zum Gesetz und den Propheten gestellt. Er hat oft gesagt es steht geschrieben und
dann zitiert er die Mosebücher, die Propheten und Psalmen, aber Jesus zitiert nie aus der Mischnah. Er zitiert nie aus
den jüdischen Schriften, er zitiert das Wort Gottes. Und das hat er dem Satan entgegengehalten bei der Versuchung in
der Wüste, nicht irgendwelche hinzugefügten Menschenweisheiten aus der Mischnah. Gehen wir noch einen Schritt
weiter in Kap. 6 in Lk. gleich anschließend, dass ist ein Zusammenhang, da ist bei uns eine Kapiteltrennung dazwischen,
aber das bedeutet ja nichts. Hier geht es jetzt um ein anderes großen Gebot, was zur Zeit Jesu ganz oben stand. Man
kann sagen, zwei Gebote überragten alle andern. Das eine war das Fastengebot, und das andere war das Sabbatgebot.
Die beiden hatten ein solches Schwergewicht bekommen, dass sich fast alles darum drehte. Dass man ja genug fastete
und am Sabbat nichts machen würde, was nicht erlaubt war. So hatte sich das entwickelt bis zur Zeit Jesu hin. Im AT gibt
es das Sabbatgebot, du sollst den Ruhetag heiligen. Aus diesem einen Gebot hatten die Pharisäer, die Sopherim und die
Tannaim inzwischen 1500 weitere Gebote abgeleitet, daran gehängt, Zäune drum herum gebaut, dass ja niemand das
Sabbatgebot übertritt. Und so wurde das Sabbatgebot nach und nach das wichtigste der Gebote des ganzen Gesetzes.
Nicht mehr, ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir, oder, du sollst den Herrn deinen
Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft. Das war in den Hintergrund gerückt, im
Vordergrund stand, ja den Sabbat halten und ja genug fasten. Zum Beispiel lehrten die Rabbiner über den Sabbat, Gott
schuf Israel nur zu dem Zweck den Sabbat zu halten. Das Volk Israel ist nur geschaffen um den Sabbat zu halten – das
war rabbinische Lehre. Im Denken der Pharisäer wurde der Sabbat sogar zu einer Person, nämlich zur Königin und zur
Braut. Das kommt im Schriftgut vor, da wird der Sabbat gerade zu wie eine Person angesprochen. Er wird als du
angeredet und wie eine Königin oder Braut angeredet. Wir lesen Lukas 6, 1 und es geschah am Sabbat, dass er durch
die Saaten ging und seine Jünger die Ähren abpflücken und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben. Und das
haben einige der Pharisäer mitgekriegt. Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihm, warum tut ihr, was am Sabbat nicht
zu tun erlaubt ist? Nach Sicht der Pharisäer hatten hier die Jünger gleich vier, der 1500 Sabbatgebote übertreten. Was
waren das für vier Sabbat-Gebote die sie übertreten haben? 1. hatten sie ausgerauft, dass heißt sie hatten Ähren vom
Halm getrennt, so waren sie schuldig – sie hatten geerntet. 2. hatten sie die Körner in der Hand gerieben und somit Korn
und Spreu getrennt, somit waren sie schuldig – sie haben gedroschen. 3. haben sie dann die Spreu von der Hand
weggeblasen und die Körner sind übrig geblieben, somit waren sie schuldig – am Reinigen. Sie haben die Spreu vom
Weizen getrennt. und 4. haben sie die Körner hinunter Geschluckt in ihrem Bauch – und somit haben sie die Ernte
gelagert. Das war die Deutung, wodurch sie das Sabbatgebot gleich vierfach übertreten haben. Wahrscheinlich sind sie
auch mehr als 1000 Schritte gegangen. Aber jetzt einmal nur das was in dem Kornfeld passierte. Hier sehen wir, wie
extrem die Pharisäer inzwischen schon geworden waren und wo dieser Weg zwangsläufig hinführen musste. Jesus
Christus gibt auf diese Anklage eine sechsfache Antwort. Vers 3 und 4, Jesus antwortete – jetzt können wir wieder die
Weisheit unseres Herrn betrachten, denn es ist großartig, wenn wir ihn beobachten. Er der nicht alle Mischnah- Gesetze
studiert hatte, aber er hatte viel im AT studiert – habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihm und die bei ihm
waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm
waren, die doch außer der Priester niemand essen darf? Also Jesus antwortet gleich mit der Schrift, dem AT, 1. Samuel
21, 2-7, wo das beschrieben ist, wo David ein mal in einer Notsituation Schaubrote gegessen hat aus der Stiftshütte. Und
das entgegnet Jesus hier. Mose hatte nie gesagt, dass ein Priester ein Schaubrot nicht an einen Nichtleviten weitergeben
dürfte. Aber die pharisäischen Gesetze sagen das. Und die waren ja nach ihrer Meinung auch von Mose, nur mündlich
überliefert worden, über Josua, die Richter, die Propheten zu den Sopherim und Tannaim. Und David wurde für seine
Haltung nicht bestraft. Es steht nirgends, dass David bestraft wurde, weil er die Schaubrote gegessen hatte. Und somit
folgert Jesus, wenn David die mündlichen Gesetze brechen konnte, ohne bestraft zu werden, dann kann es Davids
größerer Sohn, Jesus der Messias erst recht tun. Das zeigt er hier. Hier steht jemand vor euch – noch größer als David.
Und er sagt damit indirekt, ich bin der Messias. Dann eine zweite Antwort, da müssen wir nach Matthäus 12 gehen, da ist
die gleiche Geschichte, nur wird uns da noch weitere Information gegeben, noch ausführlicher. Matthäus 12, 5 oder habt
ihr nicht in dem Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester in dem Tempel den Sabbat entheiligen und doch schuldlos
sind? Ich sage euch aber, größeres als der Tempel ist hier. Wieder bezieht er sich auf das alte Testament – auf das
geschriebene Wort Gottes, auf die 5 Bücher Mose, wo von den Opfergesetzen die Rede ist. Und Jesus sagt hier, ihr
wisst doch, dass im Tempel Tag für Tag von den Priestern gearbeitet wird und am Sabbat auch. Und am Sabbat wurde
im Tempel die doppelte Arbeit geleistet, weil die doppelte Anzahl von Opfern gebracht werden muss. Die Priester müssen
am Sabbat arbeiten, die doppelte Menge und ihr seht, Mose hat Ausnahmen in dem Gesetz gemacht. Und wenn die
Priester am Sabbat im Tempel arbeiten dürfen, wie viel mehr darf das der Sohn Gottes. Denn hier steht, größeres als der
Tempel ist hier. Wieder zeigt er ihnen, seht ihr denn nicht wen ihr vor euch habt? Dann in Vers 6, wenn ihr aber erkannt
hättet was das heißt, ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer – hier zitiert er den Propheten Hosea, merken wir wo
Jesus seine Wurzeln hat und seine Autorität ist, worauf er sich beruft? Keine Mischnah Gesetze, sondern nur das Wort
Gottes und Hosea, ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer – so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.
Denn der Sohn des Menschen ist der Herr des Sabbats. Also Jesus zitiert Hosea und sagt, Werke der Barmherzigkeit
dürfen am Sabbat getan werden. Krankenschwestern, Ärzte – Werke der Barmherzigkeit, das ist in Ordnung, damals und
auch heute. Und notwendige Taten sind auch erlaubt. Essen ist notwendig, wir brauchen nicht fasten an einem Sabbat
und die Juden damals brauchten es auch nicht. Jesus sagt, notwendige Dinge und Werke der Barmherzigkeit sind in
Ordnung. Und dann sagt er, der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats- Vers 8. Jesus ist der Herr des Sabbats, er
konnte erlauben, was sie verbieten und er konnte verbieten, was sie erlauben. und damit erklärt er ihnen auch ganz klar,
ich bin der Messias. Wer anders könnte sonst eine solche Aussage machen? Und noch ein letztes Argument von Jesus
erfahren wie im Markusevangelium in diesem Zusammenhang. Markus 2, 27 da sehen wir, wie die Schrift sich wunderbar
ergänzt. Hier wird noch berichtet, dass er in dieser Auseinandersetzung erwähnt hat, der Sabbat ist um des Menschen
Willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats Willen. Was lehrten die Juden, die Pharisäer, die
Rabbiner? Israel ist für den Sabbat geschaffen worden, den Sabbat zu halten. Was sagt der Herr Jesus? Der Sabbat ist
um des Menschen Willen geschaffen worden, nicht der Mensch um des Sabbats Willen! Ihr habt es auf den Kopf gedreht.
Die Absicht Gottes war, Israel zu erfrischen durch den Sabbat und nicht zum Sklaven zu machen – einer
Sabbatgesetzlichkeit. Und ihr wisst, dass es eine Gruppe bis zum heutigen Tag gibt, die Menschen an diesem Punkt
wirklich versklaven, mit Sabbatgesetzlichkeit. Und ich scheue mich nicht das offen zu sagen, das sind die Sieben Tags
Adventisten. Sie machen nichts anderes, als die Juden damals, sie versklaven Menschen mit Sabbatgesetzlichkeit – was
überhaupt nichts mit dem NT zu tun hat. Vielleicht tun es nicht alle von ihnen, aber die Richtung, die
Glaubensgemeinschaft der Sieben Tags Adventisten ihre Literatur, ihre Lehren gehen ganz klar in diese Richtung. Da
sehen wir, wie sich die Juden verrannt hatten, in dieser Sackgasse und sie versuchten zwar jetzt diese vielen Gebote,
diesen ganzen Zaungesetze noch zu halten, aber gleichzeitig war bei der ganzen Geschichte viel Heuchelei dabei, das
wissen wir – die konnten ja das alles gar nicht halten. Und so haben sie sich auch noch doppelte Böden geschaffen, wo
sie entwischen konnten – Notausgänge usw., ich bringe noch einmal das Beispiel, ich habe es schon einmal erwähnt, mit
dem Sabbatgebot, dass man eben nur 1000 Schritte gehen durfte, auf Land, am Sabbat, aber auf dem Wasser durfte
man sich fortbewegen so weit man wollte. Man konnte ja nicht das Schiff anhalten am Sabbat, wenn man auf hohem
Meer war und deswegen durfte man auf Wasser gehen so weit man wollte. Also was haben sie gemacht, sie haben
einfach am Sabbat einen Wassersack unter ihren Sattel gelegt, und dann sind sie Kilometerweit geritten und haben das
Sabbatgebot ausgetrickst. Das haben sie gleich mitgeliefert, Ausführungsbestimmungen, wie man das doch wieder
deichseln konnte, dass man da zurecht kam. Mir ist heute beim Nachdenken darüber wirklich klar geworden,
Gesetzlichkeit und Heuchelei liegen oft ganz dicht nebeneinander. Weil der gesetzliche Mensch Gesetze erfüllen will und
doch merkt, er kann es nicht. Bei aller Anstrengung kann er es doch nicht vollkommen erfüllen und das treibt ihn in die
Heuchelei. Vor anderen muss er dann so tun als ob er sie erfüllen würde und da ist Heuchelei immer mit auf dem Plan.
Da muss man dann vor anderen vorspielen, dass man es erfüllen kann, und kann es doch nicht. Und so wollen wir jetzt
aus dem was wir gehört haben, wie diese ganze Sache sich entwickelt hat, über die Sopherim zu den Tannaim und
Amoraim, wie aus dem guten Gesetz Gottes noch solche Menschengebote außen herum gebaut wurden, dass es am
Schluss unüberschaubar war. Wir wollen daraus lernen. Wir wollen daraus für uns Ergebnisse ziehen, dass wir Gottes
Wort höher achten, als alle Menschensatzungen. Und dass wir uns hüten, Menschensatzungen hinzuzufügen, weder als
Heilsweg, noch als Heiligungsweg. Ich muss das erklären. Als Heilsweg, dass würde bedeuten, wenn irgend welche
menschliche Vorschriften hinzugefügt werden, ohne die man nicht in den Himmel kommen kann. Dann bedeutet das,
dass man diese Dinge zum Heilsweg macht. Zum Weg der Rettung. Und wie oft ist das geschehen in den letzten 2000
Jahren? Gesetzlichkeit in dieser Form, dass noch menschliche Gebote und Satzungen hinzugefügt wurden, zu der klaren
Lehre der Schrift, des Evangeliums. Man hat das vermengt miteinander, und hat Dinge zum Heilsweg gemacht, die das
NT nicht lehrt. Wenn z.B. die Sieben Tags Adventisten lehren, in ihrer Ursprungsliteratur, man muss an Jesus glauben
und den Sabbat halten, ohne Sabbat halten, kann man nicht in dem Himmel kommen, dann ist da so ein Weg, über den
Paulus sagen würde, verflucht - In Galater 1, 8-9. Da sagt er, wenn ein Engel vom Himmel kommen würde, und ein
anderes Evangelium bringen würde, als ich es verkündigt habe, der sei verflucht. Und ein Paulus würde über dieses
Evangelium der Sieben Tages Adventisten sagen, verflucht – da werden Dinge hinzugefügt, zu der Gnade allein. Das ist
nicht die Botschaft von der Gnade was die Adventisten lehren, wenn sie sagen, Jesus und den Sabbat halten. Das
Gesetz ist nicht Heilsweg, es ist auch nicht Heiligungsweg. Durch Halten von solchen hinzugefügten Dingen kommen wir
auch nicht in der Heiligung weiter, werden wir nicht frommer, werden wir auch nicht in Gottes Augen angenehmer. Das
Gesetz ist nicht Heiligungsweg, sondern lasst uns doch erkennen, Jesus Christus allein ist unser Heil, und er allein ist
auch unsere Heiligung. In 1. Korinther 1, 30 steht, er ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, zu Gerechtigkeit, zur
Heiligung und zur Erlösung. Nicht das Gesetz ist unsere Heiligung, sondern Jesus ist unsere Heiligung. Im Hebräer 10,
14 steht, mit einem Opfer hat er für immer vollendet, die geheiligt werden. In seinem Opfer sind wir geheilt, gerettet und
auch geheiligt. Er ist unsere Heiligung, nicht das Gesetz. Das Gesetz ist nicht heiligungsfähig. Christus ist unsere
Heiligung, er ist unsere Lebensregel. Auf ihn wollen wir schauen. An ihm wollen wir uns ausrichten. In diesem
Zusammenhang fiel mir vorhin noch ein, als wir das Lied gesungen haben, Jesus dir nach weil du rufst, wir haben von
Nachfolge gesprochen.
Die Briefe des NT sprechen nie mehr von Nachfolge. In den Evangelien, als Jesus hier als
Mensch auf dieser Erde war, da ist von Nachfolge die Rede, denn da konnte man ihm im buchstäblichen Sinn
nachfolgen, mit ihm gehen, wie es die Jünger getan haben. In den Briefen ist nie wieder von Nachfolge die Rede, da ist
die Rede von Nachahmen. Wir sollten Nachahmer Christi sein. Das könnt ihr in allen Briefen des NT nachschauen, da
werdet ihr das Wort Nachfolge nicht mehr finden. Aber Nachahmen – im griechischen mimetes, sollen wir sein. Mimen,
das Wort kennen wir heute im Theater, aber das ist kein Theater, sondern das ist etwas gutes, wenn wir Jesus Christus
nachahmen. In dieser Weise sind wir dann seine Nachfolger. Wir haben keinen menschlichen Guru mehr, dem wir
hinterherlaufen, wir haben einen auferstandenen Herren, den wir nachahmen, der unser Erlöser ist, aber auch das größte
und beste Vorbild, das es für alle Bereiche gibt. Ich möchte schließen mit einem Zitat aus diesem ausgezeichneten Buch,
dass wir oft empfohlen haben. William MacDonald, Kommentar zum NT Band 2, da hat William MacDonald den
Galaterbrief ausgelegt und dann bringt er am Ende des Galaterbriefes einen Exkurs über Gesetzlichkeit. Hier heißt es:
Gesetzlichkeit ist ein so wichtiger Teil des Christentums geworden, dass die Menschen der Ansicht sind, sie gehört dazu.
Ja die Gesetzeslehrer sind immer noch unter uns – wie sollen wir sonst all die Pastoren und Gemeindeleiter nennen, die
z.B. lehren, dass Konfirmation oder Taufe oder Gemeindemitgliedschaften notwendig für die Erlösung seien, dass das
Gesetz eine Lebensregel für die Gläubigen sei und dass wir durch den Glauben gerettet sind, doch durch die Werke im
Glauben gehalten werden müssen. Was anderes ist das, als jüdisches Gedankengut im Christentum, wenn wir
aufgefordert werden, eine von Menschen ernannte Priesterschaft zu akzeptieren, die eine besondere Kleidung hat und
Gebäude kennt mit ihren steinernen Altären und ihren ausufernden Ritualen nachgebildet sind? Und ein Kirchenjahr, das
nach Festen und Fastenzeiten aufgeteilt ist? William MacDonald nennt das Gesetzlichkeit, weil das NT davon nichts sagt.
Weil das von Menschen hinzugefügt ist. Und dann schließt er diesen Exkurs mit folgenden Sätzen: möge jedem von Gott
die Weisheit gegeben werden, die schlimme Lehre der Gesetzlichkeit in jeder Form aufzudecken in der sie auftreten mag.
Mögen wir niemals versuchen, Rechtfertigung – gerecht werden aus Glauben, aus Gnade – oder Heiligung durch
Zeremonien oder menschliche Bemühungen zu erlangen, sondern völlig und ausschließlich in allen Angelegenheiten,
vom Herrn Jesus Christus abhängig sein. Mögen wir uns immer daran erinnern, dass Gesetzlichkeit Gott beleidigt, weil
sie einen Schatten für wichtiger hält als die Realität, indem sie Zeremonien und menschliche Gebote über Christus stellt.
Das finde ich ganz großartig, wie er das hier heraus arbeitet und uns mahnend ans Herz legt. Wollen wir uns durchaus
auch prüfen, wo noch Gesetzlichkeit in unserem Leben ist – so wie wir es heute Abend definiert haben, vom AT her. Ich
glaube, Reste sind bei jedem von uns noch vorhanden – vielleicht bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Aber
lasst uns auch da wachsam sein, dass wir die Dinge im Lauf unserer Lebensgemeinschaft mit dem Herrn.
