Serie•Teil 5 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2020
Generierte Mitschrift
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Einstieg in das Thema und die Spannung der Predigt
Weshalb habe ich dieses Thema Buße? Er hat gesagt, das hast du vorgeschlagen. Deshalb freue ich mich eigentlich, über dieses doch auch umstrittene Thema zu euch zu sprechen. Und ich würde gerne einen Bußpsalm lesen als Einstieg: Psalm 32, den zweiten Bußpsalm von David, verfasst und geschrieben.
Wir wollen diesen Text lesen, diese elf Verse. Ich würde dann gerne eine Einleitung zum Thema Buße machen und dann fünf Punkte. Das passt ja hier in diesem Setting: fünf Punkte, nicht die Tulip-Punkte, aber fünf Punkte. Und dann schauen wir, was der Herr wirkt durch diese Predigt.
Psalm 32:
Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,
dem die Sünde bedeckt ist!
Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet,
in dessen Geist kein Trug ist.
Denn als ich es wollte verschweigen,
verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.
Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir,
dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.
Darum bekannte ich dir meine Sünde,
und meine Schuld verhehlte ich nicht.
Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen!
Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.
Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst.
Darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen.
Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten,
dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.
Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst;
ich will dich mit meinen Augen leiten.
Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind,
denen man Zaum und Gebiss anlegen muss,
sie werden sonst nicht zu dir kommen.
Der Gottlose hat viel Plage,
wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen.
Freut euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten,
und jauchzt, alle ihr Frommen.
Wenn ihr nach dieser Predigt oder diesem Vortrag depressiv geworden seid, dann habe ich das Ziel verfehlt. Denn der Psalm schließt mit dem Aufruf zur Freude: Freut euch, ihr Gerechten!
Buße, hat Martin Luther gesagt, ist ein fröhliches Geschäft.
Wenn man die Evangelisationslandschaft beobachtet, ich habe selber auch schon solche Wochen gehalten, so richtig im Zelt, mit einem Seelsorger auch daneben, wenn man sich das so von außen vielleicht auch mal beobachtet, das Leben der Bekehrten und vielleicht auch unsere Gemeinden anschaut, dann frage ich mich schon: Wo ist die Buße geblieben? In der Verkündigung, im Leben der Menschen?
Ich erinnere mich an einen Artikel, den ich gelesen habe, über eine kleine Erweckung in der Schweiz, in einem Tal. Da war eine ganze Gruppe zum Glauben gekommen. Und in diesem Interview mit diesem Pastor hieß es: Und was beschäftigt diese Menschen, die frisch zum Glauben gekommen sind? Ihre erste Frage, die ja auch nachvollziehbar war: Weshalb lässt ein Gott der Liebe so viel Leid zu in dieser Welt?
Es gab Phasen in der kirchlichen Geschichte, da war bei diesen Bekehrten die erste Frage nicht: Weshalb lässt Gott so viel Leid in dieser Welt zu?
Ich habe die Predigt gelesen von Jonathan Edwards als Vorbereitung auch für heute Morgen. Die bekannteste Predigt, lest dies, da kann man googeln, und da findet man sie ziemlich rasch. Der Titel dieser Predigt: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes.
Heute habe ich den Eindruck, manchmal, dass Predigten überschrieben werden könnten: Gott in den Händen zorniger Sünder. Oder zumindest zynischer Sünder.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Das Leiden ist eine Frage, ein Thema. Wir mussten letzten Sommer einen jungen Mann beerdigen. Familienvater, hinterlässt eine junge Frau und ein dreijähriges Kind.
Warum dieses Thema? Wo ist die Buße geblieben?
Der Ruf zur Umkehr in Schrift und Geschichte
In Lukas 13 lesen wir, und dann kommen wir zum Psalm 32, keine Angst: In Lukas 13 wird berichtet, wie Christus erzählt, dass Pilatus Menschen umgebracht und ihr Blut mit dem Blut der Opfer vermischt hat. Und dann ist auch ein Turm offensichtlich umgefallen und hat achtzehn Menschen erschlagen.
Und Christus sagt in beiden Fällen zu den Menschen: Denkt ja nicht, dass ihr, die ihr das mitbekommen habt, weniger schlimme Sünder seid als diese Menschen, die dort umgekommen sind. Was sagt er dann? Wenn ihr nicht umkehrt und Buße tut, werdet ihr ebenso umkommen.
Eine der herausforderndsten Bibelstellen finde ich das Ende der Bergpredigt, Matthäus 7, wo Christus sagt: Viele werden kommen und sagen: Herr, Herr. Die Theologie stimmt, die Anrede stimmt, das Bekenntnis stimmt. In deinem Namen haben wir religiös aktiv gehandelt. Und ich werde ihnen sagen: Geht weg von mir, ich habe euch nie gekannt.
Ich erinnere mich an Gespräche mit vorwiegend älteren Pastorenkollegen in unserem Verband. Zum Teil unter Tränen. Und wir sagen: Wir wissen gar nicht, wie viele in unseren Gemeinden wirklich echte Jünger sind, wenn man sich das Leben dieser Menschen so betrachtet. Wie viele sind wirklich echte Jünger?
Ich glaube deshalb, dass dieses Thema wirklich um unsere ewige Seele geht. Wir kommen alle in die Hölle, wenn wir nicht Buße tun.
Ich werde auch ein paar Puritaner zitieren. Ich nehme mir das raus, das darf man hier. Wenn ihr nicht wisst, was die Puritaner sind, dann geht zu Matthias oder zu Felix, noch besser vielleicht.
Das Zitat hier ist aber jetzt nicht von einem Puritaner, sondern von William Booth, dem Gründer der Heilsarmee. Er hat Folgendes gesagt. Im achtzehnten Jahrhundert, mit Blick auf das zwanzigste, und wie viel mehr gilt es für das einundzwanzigste Jahrhundert, folgendes Zitat: Er sagt, es war prophetisch, denke ich. Ich bin der Überzeugung, dass die größten Gefahren, die dem kommenden Jahrhundert bevorstehen, folgende sind: eine Religion ohne den Heiligen Geist, eine Christenheit ohne Christus, eine Vergebung ohne Buße, eine Erlösung ohne Wiedergeburt, eine Politik ohne Gott und ein Himmel ohne Hölle.
Ohne Buße gibt es keine Vergebung. Kein neues Leben aus Gott. Keine Versöhnung mit Gott.
Kritik an oberflächlicher Evangelisation und biblischer Gegenakzent
Und weil ich selbst ja auch versuche zu evangelisieren, glaube ich, das sagen zu dürfen: Wir müssen dringend diese oberflächliche Form von Evangelisation loswerden. „Entscheide dich für Jesus“, „nimm Jesus in dein Herz auf“, „bete dieses Gebet“ – das steht nirgends in der Bibel. Einfach nicht.
Ich hatte lange diesen Eindruck, auch auf der Bibelschule noch, wie geprägt war: Das ist erst evangelistisch, wenn man diesen Aufruf eben macht, dass die Leute irgendetwas tun, nach vorne kommen oder ein Handzeichen geben oder ein Gebet beten. Alle diese Dinge finden sich nicht in der Bibel. Was sich in der Bibel findet, ist 56 Mal im Neuen Testament der Ausdruck „tut Buße“, und natürlich verknüpft mit dem Glauben. Buße ist vielleicht auch schon Ausdruck von Glauben. Es gibt diesen Gott, ich bin schuldig vor ihm, er ist herrlich, ich lebe nicht für ihn, nicht für seine Herrlichkeit.
Wie hat Jesus evangelisiert? Markus 1,15: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Entscheidet euch für mich, tut Buße und glaubt an das Evangelium. Das hat er religiösen, moralischen Juden gesagt. Das war ein Schock. Was, wir sollen Buße tun?
Wie hat Petrus an Pfingsten evangelisiert, an diesem Pfingstfest, als alle frommen Juden in Jerusalem zusammenkamen? Entscheidet euch? Nein. Als es ihnen durchs Herz ging und sie fragten: Was sollen wir tun?, sagte er: Tut Buße!
Ich habe den Eindruck, diese Form müssen wir, dieses oberflächliche Evangelium, müssen wir zwingend überwinden. Im Kinder- und Jugendbereich läuft es auch manchmal so, habe ich den Eindruck. Vielleicht tue ich jetzt jemandem auch Unrecht, man soll auch nichts verallgemeinern, aber es geht manchmal so in diese Richtung: Du bist ein guter, wertvoller Mensch, einzigartig, und jetzt lebe noch ein bisschen anständiger. Gott liebt dich. Und dann denkt jeder Mensch, jeder Sünder: Ja, das ist toll, ich liebe mich auch, dann sind wir schon zwei. Gott hat einen wunderbaren Plan für ein Leben. Das ist auch toll, dann sind wir auch schon zwei, ich habe auch wunderbare Pläne für meine. Jesus hilft mir jetzt, es ist ein kleines Problem, aber ich bete schnell dieses Gebet, und dann ist alles gut.
Wir produzieren kleine Pharisäer, die Moral kennen, aber nicht den Schrei zu Gott nach Gnade und Erlösung.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Frau, einer Mutter, und einem jungen Mann. Der war bei uns in der Wohnwoche aus einer anderen Gemeinde von unserem Verband. Er war ein bisschen schwierig, dieser junge Mann. Und die Mutter sagt: Ja, er ist ein bisschen schwierig, aber er hat ein gutes Herz. Wo steht das denn in der Bibel, dass ein Mensch ein gutes Herz hat?
Busse als Gnade: Gottes Hand, die überführt
Jetzt kann man sagen: Ja, okay, zu den Juden hat Christus natürlich von Buße gesprochen. Sie hatten eine gewisse Gottesfurcht, sie kannten das Gesetz. Aber zu den Heiden, in einer Schamkultur, die nie von Gott, von Jahwe und von den Zehn Geboten etwas gehört hat, hat der Apostel Paulus sicher ganz anders evangelisiert.
Die meisten Menschen von heute wissen auch nicht, wer Gott ist, und kennen seine Gebote sicher auch nicht unbedingt. Da müssen wir doch ganz anders evangelisieren. Das denke ich auch. Das ist schon durchgeklungen: Wir müssen Wege finden, absolut. Aber schlussendlich klingt dieser Ruf zur Buße auch in Athen. Nicht unter Juden, sondern unter hochgebildeten Menschen. Diese Predigt wird ja von Apostel Paulus für alle möglichen und unmöglichen Dinge missbraucht.
Apostel Paulus spricht folgendes in Apostelgeschichte 17,30-31: Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit, diese Menschen haben noch nie vom Gott der Bibel gehört, nie, hinweg gesehen. Nun aber gebietet er nicht einmal, er lädt sie ein, er befiehlt allen Menschen an allen Orten, dass sie Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will, mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er bietet jedem Menschen den Glauben an, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Buße, Glaube, Gericht.
Die Reaktion liest sich unter anderem in Apostelgeschichte 26, einer dieser Verteidigungsreden von Paulus, Apostelgeschichte 26,19-21: Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam, sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und dann auch den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren und rechtschaffene Werke der Buße tun. Und die Reaktion dieser doch eher frommen Menschen dann auch: Das hat sie aufgeregt. Was, ich soll Buße tun? Deswegen haben mich die Juden im Tempel ergriffen und versucht, mich zu töten.
Wo ist die Buße geblieben, ist das Thema meines Vortrags. Damit wir wissen, wonach wir suchen müssen in der evangelistischen Predigt, bei uns selber, in unserem Leben vielleicht und im Leben der Bekehrten, wonach sollen wir Ausschau halten, möchte ich diese fünf Punkte jetzt eben erwähnen aus diesem Bußpsalm von David, Psalm 32.
Wir haben hoffentlich gesehen: Buße ist zentral in der Evangelisation. Glaube und Buße sind Zwillinge, sie gehören zusammen. Wichtig ist mir jetzt unbedingt zu sagen, auch aus eigener notvoller Erfahrung: Es gibt sicher Variablen der Buße, und es gibt Konstanten der Buße. Wenn wir uns fragen, was Buße ist, wonach wir Ausschau halten, dann müssen wir wissen, was Buße ist. Da gibt es Variablen und Konstanten.
Es gibt wahrscheinlich viel Not, auch unter Christen, weil einzelne Menschen eine Erfahrung gemacht haben bezüglich dieses Themas Buße und dann sagen: So muss das sein. Immer. Wer das nicht genau so erlebt hat mit der Buße, hat nicht echt Buße getan. Wisst ihr, was ich meine? Wir sind schnell dabei, schematisch zu denken: Ich habe etwas erlebt, und das ist auch echt, und jetzt übertrage ich das auf alle anderen. Das ist gefährlich, das bewirkt auch Nöte. Es gibt auch keine perfekte Buße. Von niemandem.
Wir werden nicht gerettet, weil wir schlussendlich echt Buße tun, sondern weil die Buße vom Kreuz her kommt. Das haben wir schon gehört, und ich werde auch noch kurz versuchen, das zu erwähnen. Ein Beispiel war mir immer John Wesley, dieser große Erweckungsprediger, dieses Aldersgate-Street-Erlebnis. Der war ja schon Pfarrer und dann hat er sich noch bekehrt. Das soll auch vorkommen. Vielleicht ist hier auch ein Pfarrer, der sich noch bekehren muss. Das gibt es. Da kann es sein: Er ist schon Pfarrer, Erweckung, und bekehrt sich dann irgendwann erst. Rückblickend hat er selber aber gesagt, er wäre schon vorher gerettet gewesen. Es war einfach eine neue Erfahrung von der Heiligkeit und Gnade Gottes, dieses Aldersgate-Erlebnis.
Ich erinnere mich auch an ein Telefonat mit einer jungen Frau, die mir gesagt hat: Ich bin nicht zum Glauben gekommen, weil Gott so heilig ist und ich meine Sünde gesehen habe und dann Buße getan habe, sondern was mich angezogen hat, ich hatte keinen Vater und keine Mutter, war diese Liebe von diesem Jesus, diese unendliche Liebe. Deshalb bin ich Christ geworden, und Buße ist wie später. Das ist immer noch in meinem Leben, aber eigentlich angezogen hat mich diese Liebe von Christus. Bitte kein Schema.
Ist das gut? Gut. Fünf Punkte, Psalm 32: Erstens: Buße ist Gnade und kein Werk. Zweitens: Buße bedeutet, Gott recht zu geben. Drittens: Buße ist Abkehr von der Sünde und Hinwendung zu diesem wunderbaren Gott. Daniel hat das so schön zweimal eigentlich erklärt: Hinwendung zu diesem wunderbaren Gott. Viertens: Buße ist der Weg zur Vergebung und zum frohen Glauben. Fünfter Punkt: Buße ist Freiheit, Psalm 32.
Vielleicht gleich noch zu Beginn: Wenn du dich fragst, ob du überhaupt Buße getan hast, schau nicht nach einem Datum oder einem Zettel in deiner Bibel, sondern frage dich: Wie gehst du heute mit Sünde um? Der Terminus Bußfertigkeit war ja früher so irgendwie ein Inbegriff, oder? Lebst du heute in Bußfertigkeit? Das ist ein gutes Zeichen, dass du wahrscheinlich echt Buße getan hast.
Die erste Bewegung: Gnade statt Leistung
Fünf Punkte jetzt: Busse ist Gnade und kein Werk, Verse drei und vier.
32 Als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, sodass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.
Wenn ein Mensch schuldig ist, dann ist das nicht nur ein Gefühl. Da ist reale Schuld in seinem Leben. Bei David war das so. Und er erfährt: Gottes Hand kommt über sein Leben. Er sagt: Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir. Das ist erschreckend, wenn das nicht geschieht. Dass Gott mit seiner Hand auf dein Leben kommt, ist Gnade. Erschreckend ist es, wenn das nicht geschieht. Dann kannst du einfach in Sünde leben und fühlst dich gut dabei.
Es ist erschreckend, wie unsere Kultur sich irgendwie selbst überlassen scheint. Zumindest ist es im Moment so. Wenn das aber nicht so ist, wenn dein Gewissen überführt wird, dann ist das Gnade. Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? Gottes Güte kommt in dein Leben. Seine Hand legt sich auf dein Leben, seine schwere Hand.
David war schon vorbereitet, als Nathan kam. Dieser Nathan war auch wichtig. David war schon vorbereitet, er versuchte es zu verstecken. Buße ist kein Werk, um mit Gott ins Reine zu kommen. Das ist dieses religiöse Verständnis von Buße, diese verdienstliche Buße: Ich bete so und so viele Rosenkränze oder was auch immer. Dieses Selbstverbesserungsverständnis.
Ich erinnere mich an mein Leben, an gewisse Kämpfe mit gewissen Sünden, mit denen vielleicht Jugendliche vorwiegend kämpfen, junge Männer. Da habe ich immer zu Jesus gesagt: Herr Jesus, ich verspreche dir, vergib mir bitte, ich mache das nie mehr. Denkt ihr, das hat Gott beeindruckt? Vergibt uns Gott, weil wir irgendwie fromm beten? Nein!
Wer Buße als Werk versteht, hat meines Erachtens von zwei Dingen keine Ahnung, oder nur sehr wenig Ahnung. Erstens von der Heiligkeit Gottes, von der Herrlichkeit Gottes. Wer denkt, ich mache etwas durch die Buße, das bewirkt dann Vergebung, der hat keine Ahnung, wie heilig und herrlich und wunderbar Gott ist.
Der Puritaner Thomas Watson hat gesagt: Im besten meiner Gebete war genug Sünde, die ganze Welt zu verdammen. Sollen wir nicht mehr beten? Nein. Aber wenn die Qualität meiner Gebete irgendetwas in Gott bewirkt, dann sind wir verloren. Wir brauchen Gnade, immer. Deshalb ist es Güte Gottes, wenn wir zur Buße geführt werden.
Wenn wir Buße als Werk verstehen, verstehen wir Gottes Heiligkeit nicht, und auch die Schrecklichkeit unserer Sünde nicht. Buße ist ja auch mit Sündenerkenntnis gekoppelt. Sonst muss man sich ja nicht Buße tun. Bei David lag diese Hand Gottes schwer auf seinem Leben. Sünde ist schrecklich. Weshalb? Primär, weil sie sich gegen Gott richtet. Gott ist wunderbar.
David sagt in Psalm 51,6, in diesem Bußpsalm: An dir allein habe ich gesündigt und Unrecht getan vor dir. Er hat Unrecht getan gegenüber Bathseba, gegenüber Uria. Aber er hat erkannt: Sünde ist schrecklich, weil Gott herrlich ist.
Jetzt ein Zitat von einem Puritaner, Ralph Venning heißt er, 1669, er ist der Unheimliche: Kein Übel missfällt Gott mehr als das Übel der Sünde. Sünde ist schlimmer als Kummer, Tod, Teufel und Hölle. Kummer ist nie so kummervoll, Tod ist nie so tödlich, der Teufel ist nie so teuflisch und die Hölle nie so höllisch, wie die Sünde es sein kann.
Diese vier Übel, die ich gerade genannt habe, sind wirklich schrecklich. Und von jedem einzelnen Übel würde jeder sofort sagen: Herr, befreie mich davon. Also von Tod, Teufel, Kummer, Hölle. Aber keines von diesen, noch alle zusammengenommen, sind so übel wie die Sünde.
Weshalb ist Sünde schrecklich? Weil Gott herrlich ist. Sünde ist ein rebellischer Akt gegen Gott. Und wenn wir aus der Buße ein Werk machen, dann haben wir das nicht verstanden. Wir haben nicht verstanden, wie heilig Gott ist, und auch nicht unsere Sündhaftigkeit.
Das Kennzeichen dafür, dass Menschen Buße als Werk verstehen, geht ungefähr in diese Richtung. Auch Christen, die sehr unversöhnlich sind, da frage ich mich immer: Das stimmt etwas nicht, das kann eigentlich nicht sein. Wenn wir entsetzt sind über die Sünden anderer, hart mit den Sünden anderer Menschen, aber sehr nachsichtig mit unserer eigenen Sünde.
Es gibt Menschen, die sind blind auf einem Auge und sehen doppelt auf dem anderen. Das kann nicht sein. Das ist kein Zeichen von Bußfertigkeit. Diese Bitterkeit, dieser Groll im Herzen, Klatsch und Tratsch in der Gemeinde – kein gutes Zeichen.
Weshalb sind Menschen so, die Buße als Werk verstehen? Weil sie sagen: Ich habe Buße getan, und deshalb hat Gott mich angenommen. Ich habe die Regeln eingehalten, ich habe mein Werk erfüllt, und jetzt ist Gott mit mir zufrieden. Jetzt habe ich ja, weil ich das getan habe, auch Rechte bei diesem Gott. Ich habe schließlich Buße getan, jetzt muss er mir geben, was ich mir wünsche.
Weshalb sind solche Menschen dann voller Bitterkeit? Weil das nicht funktioniert. Habt ihr das auch schon festgestellt? Gott gibt uns nicht immer, was wir uns wünschen. Er gibt uns sich selber. Weil das dann nicht aufgeht, werden Menschen bitter, gesetzlich, haben keine Freude im Glauben, schon gar keine Freude an Gott. Dann hat man vielleicht auch Hass auf sich selber, weil das nicht funktioniert. Ich tue doch Buße, jetzt müsste doch Gott irgendwie ... Dann tut man noch mehr Buße.
Buße ist kein Werk. Gott gibt uns in seiner Gnade eben sein Gesetz, die Zehn Gebote, Christus. Christus erklärt dir, was da wirklich gemeint ist. Nicht, um uns zu sagen, du kannst sexuell rein leben, sondern um uns allen zu sagen: Niemand von uns ist jemals sexuell rein. Und alle von uns haben das Gebot gebrochen: Du sollst nicht töten. Alle.
Das ist Gnade, damit wir unsere Sünde sehen. Das ist Gnade, wenn der Heilige Geist zu uns kommt und wir unruhig werden. Es ist ein Geschenk von Gottes Gnade und Liebe. Deshalb gibt es auch Hoffnung für alle in unserem Umfeld, in der Gemeinde.
2. Timotheus 2,25. Da schreibt Paulus an Timotheus, er soll Menschen zurechtweisen, ob Gott ihnen vielleicht Buße gebe. Es ist nicht sicher, aber Gott kann es wirken. Buße ist Gnade und kein Werk.
Die zweite Bewegung: Gottes Recht und unsere Bankrotterklärung
Zweitens: Buße bedeutet, Gott Recht zu geben.
Vers 5: Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.
Buße bedeutet, ich ergreife Partei für Gott gegen mich. „Gott, du hast recht. Was ich getan habe, wie ich gelebt habe, meine Haltung, meine Motive, das stimmt nicht vor dir.“ Es ist eine totale, radikale, umfassende, endgültige Bankrotterklärung vor Gott. Ja, so bin ich.
Das ist nicht einfach nur: Ich bin jetzt authentisch, und ich oute mich. Sondern Metanoia, Sinnesänderung. An dir, Psalm 51,6, an dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
Und die größte Frage ist dann nicht mehr: Wenn ich das erkenne, warum kann ein Gott der Liebe so viel Schweres zulassen in dieser Welt und in meinem Leben? Sondern: Wie um Himmels willen ist es möglich, dass ein guter, heiliger, gerechter Gott mir so viel Gutes gibt und mich begnadigt? Das sollte die große Frage sein von Frischbekehrten. Wie um alles in der Welt habe ich es verdient, dass Gott mich angenommen hat?
Gott hat das Recht zu sagen, was Sünde ist und was nicht. Amen. Er fragt uns nicht. Da gibt es kein Konzil, kein Differenzbereinigungsverfahren wie im schweizerischen Parlament. Wir sehen das aber anders. Wir hätten es gerne so.
Wir glauben tatsächlich: Gott hat diesem Mose da vor x hundert Jahren mit diesem Nomadenvolk in der Wüste auf diesem staubigen Berg ein für alle Mal in zehn einfachen Geboten gesagt, was gut ist und was böse ist. Das glauben wir. Gott wird seine Meinung nie uns anpassen.
Das ist erschreckend, wie selbstgerecht unsere Kultur und auch wir in unseren Gemeinden, scheint mir, so geworden ist. Wir sagen: Was Gott als Sünde deklariert? Nö, wir sehen das heute anders. Was für eine Arroganz!
Wahrscheinlich dachte David ja schon: Das ist okay mit dieser Bathseba. Die müsste ja nicht gerade jetzt dort baden auf diesem Dach. Wahrscheinlich sogar dann wären wir ganz fromm: Hat Gott es ja geführt, dass sich jetzt gleich diese Bathseba betrachtet. Mir geht es sehr schlecht, und ich brauche ein bisschen Trost. Und Gott ist ein Gott des Trostes, und er führt mich. Und ein Gott der Liebe. Ich habe so viel Liebe, die genügt für mehr als eine Frau. Gott hat mir diese Libido geschenkt, ich kann ja nichts dafür.
Nein, Buße bedeutet: Ich ergreife Partei für Gott gegen mich. Darum bekannte ich dir meine Sünde. Als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gemeinde und Gemeine. Jetzt bekenne ich meine Sünde, meine Schuld. Ich sprach dem Herrn: Ich will meine Übertretungen verhehlen. Dafür gabst du mir die Schuld meiner Sünde. Nicht Bathseba ist schuld oder das Leben ist schuld oder irgendwer. Ich bin schuld.
Das sagen ja sogar säkulare Psychologen: Der erste Schritt zur Heilung, zur seelischen Heilung, ist, dass ein Mensch Verantwortung übernimmt für sein Leben. David sagt: meine, meine, meine. Kein Verstecken, kein Schuldverschieben, keine Selbstrechtfertigung, keine Verwunderung, wie konnte ich sowas tun. Es ist vor Gott nicht richtig. Ich bekenne es. Ich ergreife Partei gegen mich für Gott. Ich gebe Gott Recht.
Dieses Beispiel aus den USA habe ich nie mehr vergessen: Da geht ein Pastor oder Evangelist in ein Gefängnis, in den Hochsicherheitstrakt, zu Schwerverbrechern. Da waren schon x Psychologen und Psychiater und alle möglichen auch dabei gewesen und versuchen, diesen Menschen zu helfen. Dieser Pastor sagt: Dass ihr hier seid, in diesem Loch, ist allein eure Schuld. Ihr ganz allein seid verantwortlich.
Und die Antwort, die vergesse ich nie: Diese Schwerverbrecher haben gesagt: Endlich nimmt uns jemand ernst. Wir sind keine Tiere, die den Trieben folgen sollen. Unsere Würde ist, dass wir verantwortlich sind vor Gott, wie wir leben. Endlich nimmt uns jemand ernst.
Buße bedeutet: Es ist kein Werk, es ist Gnade. Ich gebe Gott Recht, ergreife Partei für Gott.
Die dritte Bewegung: Rückkehr zur Quelle des Lebens
Drittens: Buße ist Abkehr von der Sünde, Hinwendung zu Gott. Der ganze Psalm spricht ja davon, dass David sich Gott zuwendet, also nicht nur Sünde bekennt, sondern sich neu Gott zuwendet. Was er vorher gehasst hat, nämlich Gott, und was er vorher geliebt hat, nämlich die Sünde, das hasst er jetzt.
Das ist, glaube ich, ein Test für echte Buße: diese Permanenz. Hasse ich die Sünde? Nicht: Bin ich perfekt? Sondern: Hasse ich die Sünde?
Dieses Bonmot von Spurgeon darf man hier sicher erzählen. Da trifft Spurgeon diesen Mann, der sich am Laternenpfahl anlehnt, betrunken ist und sagt: „Herr Spurgeon, ich bin einer von deinen Bekehrten.“ Dann sagt Spurgeon: „Das kann schon sein, dass du einer von meinen Bekehrten bist, aber wahrscheinlich nicht einer von denen des Herrn.“ Dieser Mann hat sich ja nicht Gott zugewendet.
Wir wenden uns Gott zu in der Buße, wie David hier: Ich bekenne dir meine Sünde, ich komme zu dir.
Ein Zitat von einem Puritaner, Jeremiah Burroughs, oder wie man das ausspricht, hat Folgendes gesagt. Ich denke, das korrespondiert mit dem, was Daniel uns versucht zu sagen: Jedes Mal, wenn Sünde auftaucht, führt sie zuallererst das folgende Argument an und spricht auf diese Art: Es gibt in Gott nicht genug Gutes. Obwohl er doch der glückselige, der herrliche, der allgenügsame, der ewige, der unveränderliche Gute und die Quelle alles Guten ist.
Die Sünde kommt ja nicht und sagt: „Ich bin gefährlich, pass auf.“ Sie sagt: „Du brauchst mich, bei Gott hast du nicht genug.“ Und doch sagt die Sünde immer wieder, dass es nicht genügend Gutes in Gott gebe, um die Seele damit zu sättigen. Oder warum verlässt die Seele ihn dann und geht auf sündhaften Wegen und sucht ihr höchstes Gut im Geschaffenen, wenn es doch ausreichend Gutes in Gott gibt?
Deshalb ist Buße nicht einfach: Ich bekenne die Sünde. Sondern: Ich wende mich wieder diesem Gott zu, dieser Quelle des Lebens. Ich trinke wieder von diesem Lebenswasser, welches nur Gott mir geben kann. Ich ändere meinen Sinn weg von der Sünde hin zu Gott.
Deshalb sagt David in Psalm 32,6: Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten. Oder in Vers 9: Dieses Bild aus der Landwirtschaft gefällt mir: Seid nicht wie Rosse und Maultiere, störrisch, nur mit dem Zaumzeug getrieben. Jetzt musst du Buße tun, jetzt musst du kommen und musst wieder zu Gott. Nein, das ist ein inneres, durch Gott gewirktes, freiwilliges, sehnsüchtiges Zurückkommen zu Gott in der Buße.
Weil ich erkenne, wer er ist und wer ich bin, der schrecklich Sündige, ist meine einzige Hoffnung: Ich wende mich wieder Gott zu. Ich finde mein Glück und meine Freude in Gott. Ich schreie zu Gott um Gnade.
Machst du das? Wenn nach der Predigt ein Gemeindelied sagt: Das war jetzt eine katastrophale Predigt, lieber Pastor, dann sind wir alle immer ganz heilig und freuen uns in Christus. Amen. Nein, aber wir dürfen wieder dahin kommen und Buße tun über alle anderen Gefühle. Bei Gott ist genug. Buße heißt: Ich wende mich Gott zu.
Wie Jesus mit dieser Frau am Brunnen evangelisiert, dieser Frau aus Samarien: Er sagt, schau, bei mir gibt es das Lebenswasser. Da brauchst du keine fünf, sechs, sieben Männer. Ich, wenn du wüsstest, wer ich bin. Es geht darum, dass dein Herz mich anstrebt, nicht die Männer oder die Anerkennung durch Männer oder was auch immer.
Buße ist Abkehr von Sünde, Hinwendung zu Gott.
Die vierte Bewegung: Vergebung, Freude und froher Glaube
Viertens: Busse ist der Weg zur Vergebung und zu frohem Glauben. Vers 1 und 2: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind. Wohl meint: glücklich, selig. Dem geht es gut, der fühlt sich auch gut. Nicht nur intellektuell: Ich weiss mir zu vergeben. Da fühlst du dich rundum versorgt mit Wohlsein. Das war jetzt nicht zu übersetzen.
Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist. Das ist Freiheit, keine depressive Stimmung, kein düsteres Gewand, sondern Busse. Biblisch verstanden ist sie das Tor zur Freude. Wohl dem, in der Hinwendung zu Gott. Bei Gott ist ja Freude, nie in der Sünde, nie.
Es geht mir schon zu denken. Ich kenne eine Frau, die arbeitet in Burgdorf, das ist bei uns in der Nähe die grössere Stadt. Sie ist nicht gerade so gross wie Berlin, aber da gibt es doch mehrere Altersheime. Und diese Frau arbeitet in einem Altersheim und sagt: Die frommen Patienten sind die schlimmsten. Nie zufrieden, immer am Nörgeln, bitter. Kann das sein? Wohl dem, dem die Sünde bedeckt ist, dem geht es gut, der ist zufrieden. Ich weiss, das Leben ist komplexer, aber dieses Dauerbeleidigtsein von frommen Christen, das geht mir so auf den Keks. Amen, das ist ein Ruder.
„Wenn mir doch vergeben ist. Und ich bekenne durch die Busse nur meine Schuld, Gott rechnet mir meine Sünde nicht zu, ich bin bedeckt, mir ist vergeben.“ Und diese Juden ja eben in dieser Selbstrechtfertigungsmodalität oder durch meine Werke: Sie sehen das Böse nicht in ihren guten Werken. Und solange wir auf diesem Modus sind, können wir uns ja nicht freuen, dass Gott uns vergibt, weil wir irgendwie immer noch etwas dazu tun.
Busse ist ein Geschenk von Gott. Er braucht das Mittel durch einen Nathan bei David oder durch einen Pastor, damit wir Busse tun. Aber es kommt vom Kreuz. Die Busse fliesst vom Kreuz her zu uns. Und unser Problem ist oft, dass wir uns auf die verdammenswerten guten Werke als fromme Christen auch immer noch verlassen. Und deshalb sind wir manchmal so schwierig auszustehen im Altersheim. Wir waren doch jetzt fromm. „Jetzt habe ich Rechte.“ Nein! Du lebst jeden Tag, bis du stirbst, von der Gnade Gottes. Und dass deine Schuld bedeckt ist, das ist kein Lohn deiner Busse, es ist Gnade.
Busse bewirkt ja nicht in Gottes Wesen im Blick auf uns irgendetwas, sondern Gott schenkt uns, weil er barmherzig ist, die Busse. Busse ist das Mittel. Busse bedeutet schlicht, zu erfahren, zu erkennen, einzugestehen, wie sehr wir jeden Moment unseres Lebens von Jesus und von dem abhängen, was er am Kreuz für uns ausserhalb von uns ein für allemal getan hat. Noch einmal: Busse bedeutet schlicht, zu erfahren, zu erkennen, einzugestehen, wie sehr wir jeden Moment unseres Lebens von Jesus und von dem abhängen, was er am Kreuz für uns ausserhalb von uns ein für allemal getan hat.
Gott vergibt mir und hat mir die Gerechtigkeit von Christus zugerechnet. Worauf verlässt du dich? Auf Christus allein. Wenn wir so leben, dann sollten wir im Altersheim doch um Himmels willen die besten Patienten sein, wo das Pflegepersonal gerne hingeht, oder nicht? Und weshalb ist David ein Mann nach dem Herzen Gottes? Weil er immer in dem Moment, wo er konfrontiert wurde, Busse getan hat, nicht verleugnet, nicht versteckt, und erfahren hat: Gott vergibt mir, er deckt meine Sünde zu.
Der Psalm endet ja mit Vers 11. Busse ist der Weg zur Vergebung, frommen Glauben. Vers 11: Freut euch des Herrn, seid fröhlich, ihr Gerechten, jaucht alle, ihr Frommen. Und fromm meint nicht nur äusserlich fromm, sondern echt fromm. Freut euch des Herrn. Busse ist ein Lebensstil, weil Sünde auch ein Zustand ist, ja nicht nur etwas, was wir tun.
Und ich vergesse diesen Ältesten nie mehr aus einer Gemeinde in meinem ersten Praktikum. Bis dahin hatte ich so ein Bild von Ältesten: Die sind schon irgendwie, die sind schon ganz heilig, so. Und dann hat dieser Älteste Folgendes gesagt: Je länger ich Christ bin, desto mehr erkenne ich, wie heilig Gott ist, und je länger ich Christ bin, desto mehr erkenne ich meine Sündhaftigkeit. Das geht auseinander, so eine Schere. Und je länger ich das so erlebe, desto mehr erkenne ich, was Christus am Kreuz für mich getan hat. Das Kreuz wächst, wird mir immer wichtiger.
Und wenn wir Busse so verstehen, nicht: was ich bringe, sondern: ich werfe mich auf Christus, dann werden wir uns freuen an Gott. Das geht gar nicht anders. Heilsfreude. Es gibt ja eigentlich nur ein Problem mit Sünde für Christen: dass wir sie nicht bekennen, bagatellisieren, verstecken. Es gibt auch Sieg über Sünde. Auf diesem Weg glaube ich in dieser Heilsfreude zwei, drei Beispiele.
Martin Luther hat diese erste These von diesen 95: Da unser Herr und Heiland sagte: Tut Busse, wollte er was? Einmal am Sonntag im Beichtstuhl? Dass unser ganzes Leben eine Busse sei, ein Lebensstil, der zur Freude führt, zur Vergebung, zu frohem Glauben.
Wir müssen, wenn wir einander verletzen, mit Worten nicht nur sagen: Es tut mir leid, dass ich das gesagt habe, sondern auch dahinkommen, wachsen in dieser Busse. Auch: Meine Herzenshaltung war nicht okay, mein Groll, als ich das sagte, mein Hass vielleicht auch.
Wenn du geizig bist, vielleicht soll vorkommen in der Schweiz, dann musst du nicht nur Busse tun über deinen Geiz, sondern auch darüber, dass du sagst: Gott genügt mir nicht. Ich brauche noch Geld, damit ich irgendwie einen Status habe, einen Wert. Mein Wert hängt am Bankkonto. Mein Gott genügt mir nicht als Sicherheit. Da musst du darüber auch Busse tun, dass nicht Gott deine Sicherheit ist, sondern dein Geld, dein Bankkonto.
Wenn du schlecht redest über andere, musst du nicht nur Busse tun darüber, dass du das tust. Wahrscheinlich bedeutet auch Busse tun darüber, dass du dich in dem Moment, wo du schlecht über andere sprichst, besser fühlst. Dass dir das etwas gibt. Das gibt uns ja etwas, deshalb tun wir es ja.
Jetzt sagst du ja, vielleicht bist du hier und sagst: Ja, ich vertraue doch Jesus, alles nichts Neues. Dann frage ich dich: Warum bist du dann nicht glücklicher? Freut euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten, jaucht, ihr Frommen. Zugedeckt mit der Gerechtigkeit von Christus.
Die fünfte Bewegung: Befreiung und ein Leben ohne Verstecken
Fünfter und letzter Punkt: Buße ist wahre Freiheit.
Sünde hat immer negative Folgen, das hat David erlebt. Die Gebote waren nie gegeben, damit wir durch das Halten der Gebote irgendwie zu Gott kommen. Gott erlöst uns, das haben wir ja schon gehört. Und die Gebote sind eine Hilfe, damit wir in dieser Freiheit leben können. Die Gebote zeigen uns auch, weshalb wir Gnade brauchen, jeden Tag.
Buße ist nun dieses Tor auf dem Weg zur Freiheit, weil ich glaube: Jesus allein ist meine Gerechtigkeit. Wohl dem, dem es gut geht, der kann sich freuen. Ich bin angenommen. In mir selber ist nichts Gutes, aber ich bin angenommen durch die Gerechtigkeit von Christus. Deshalb nimmt Gott mich an, wie ich wegen Jesus bin. Auf ihm ruht meine Hoffnung.
In der Sünde wende ich mich von Gott weg, in der Buße wende ich mich wieder Gott zu. Gott ist ja immer da, mit offenen Armen. Wenn ich Buße lebe, dann habe ich immer Freiheit, zu Gott zu kommen. Ich muss es nicht verstecken oder selber verbessern. Ich stehe in der Gerechtigkeit von Christus vor Gott als sein angenommenes Kind. Deshalb freue ich mich.
Es gibt Buße auch als Weg zur Freiheit vor mir selber. Adam und Eva sind in Sünde gefallen. Was ist passiert? Sie haben sich geschämt und versteckt. Wenn wir Buße tun, ist es der Weg: Wir müssen uns nicht mehr schämen und verstecken, nicht mehr selber anklagen, nicht mehr denken: Wie konnte ich das nur tun? Hätte ich nie gedacht, dass ich zu so etwas fähig bin. Jesus allein ist ja meine Gerechtigkeit. Das bedeutet: Buße tun, ich muss mich nicht mehr schämen. Die Scham ist weggenommen.
Ich darf leben wie jener große Gottesmann, der am Schluss seines Lebens gesagt hat: Ich bin ein großer Sünder. Das stimmt. Aber Jesus ist ein noch viel größerer Erlöser, Halleluja! Da muss ich mich nicht mehr selber anklagen und verdammen. Ich darf dazu stehen und zurück zu Gott gehen. Er ist mit offenen Armen da.
Freiheit vor Gott, Freiheit vor mir selber, Freiheit gegenüber anderen auch, den anderen zu vergeben, die mich verletzt haben. Ein Beispiel nur: Hat man über euch auch schon schlecht gesprochen? Hat das jemand hier schon erlebt, dass über euch schlecht gesprochen worden ist, irgendwo? Und da wird man so eng innerlich, das wird schwierig. Man will sich rechtfertigen und die Sache ins rechte Licht rücken. Und eigentlich, wenn wir verstehen, dass wir in der Gerechtigkeit von Christus vor Gott stehen und er uns angenommen hat, dann ist die Buße auch der Weg, frei zu werden von solchen Zwängen. Es ist manchmal zwanghaft. Es geht irgendwie so. So versuche ich das zu leben: Wenn Menschen schlecht reden, dann denke ich, nachdem ich wieder denke, so schlecht, wie ich bin, können die gar nicht über mich sprechen. Die haben ja gar keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Wenn die wüssten, zu was ich fähig bin, was da abgeht in meinem Herz, die würden mir sofort kündigen.
Aber da ist ein heiliger, herrlicher Gott, der hat mich in Christus vollkommen, jetzt schon, angenommen. Meine Sünde ist zugedeckt. Ich stehe in seiner Gerechtigkeit vor diesem Gott. Und Gott allein ist mein Richter. Lass doch die Menschen reden! Wo ist das Problem? Halleluja!
Schluss: Freude, Anbetung und das Gebet um einen Geist der Busse
Gut, wir schliessen. Wo ist die Busse geblieben? Mir scheint, sie ist zugedeckt worden von all den Lifestyle-Predigten, Appellen, Moral und oberflächlichen Aufrufen.
Warum haben die Apostel so ganz anders evangelisiert, in der Kraft des Heiligen Geistes, und Menschen aufgefordert, Busse zu tun? Weil ich glaube, sie haben erlebt, wie David das auch erlebt hat.
Busse sind wie fünf Dinge, die zusammengehören:
Busse erstens ist Gnade und kein Werk.
Busse bedeutet, Gott Recht zu geben.
Busse ist Abkehr von der Sünde und Hinwendung zu Gott.
Busse ist der Weg zu Vergebung und frommem Glauben.
Und Busse ist wahre Freiheit.
Und ich möchte schliessen mit einem Zitat von Sinclair Ferguson, einem meiner Lieblingstheologen. Er sagt es so. Er eröffnet seine Vorlesungen über praktische Theologie oder systematische Theologie, ich weiss es nicht mehr, ist ja egal, immer mit einem Zitat: Wer es erlebt, der kann ein froher Christ sein. Das Ziel der Theologie ist die Diskussion, nein, das Ziel der Theologie ist Anbetung, die Körperhaltung der Theologie ist auf den Knien, die Praxis der Theologie ist Busse.
Vater im Himmel, wir beten dich an. Du bist unser Schöpfer, du bist herrlich. In dir ist mehr als genug Liebe für uns, Geborgenheit, Fülle und Freude. Du bist der Gott des Lebens.
Wie oft suchen wir nicht die Freude in dir, unsere Sicherheit im Geschöpf, im Geschaffenen, in dem, was wir erarbeiten. Und wir bitten für uns alle, dass du uns immer wieder diese Busse schenkst, dass wir kehren können zu dir, dass wir diese Freiheit erleben, diese Reue auch erfahren dürfen, die du wirkst.
Nicht unsere Sünde entschuldigen und bagatellisieren, sondern dazu stehen und erleben, wie du uns zudeckst mit deiner Gerechtigkeit, wie es keinen Grund mehr gibt, uns zu schämen, wie wir in deiner Gerechtigkeit vor Menschen auch stehen dürfen und auch in deiner Gerechtigkeit deine wunderbare Botschaft der Versöhnung hinaustragen dürfen in dieser Welt, die dich so dringend nötig hat.
Bewahre uns alle, Herr, vor Selbstgerechtigkeit. Decke du auf, ob wir nicht aus deiner Gerechtigkeit leben, und schenke neu in unseren Gemeinden diesen Geist der Busse, damit wir frohe Christen werden dürfen. Amen.
