Einleitung: Die Herausforderung Jesu verstehen
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 509: Habt keine Menschenfurcht, Teil 4.
Wir befinden uns bei einem Wort des Herrn Jesus an seine Jünger, das wirklich schwer zu verdauen ist. Gleichzeitig sind es genau solche Worte, also Aussagen, die uns beim ersten Hören fast ein wenig falsch erscheinen. Es sind Aussagen, an denen wir unsere Theologie prüfen müssen.
Was meine ich damit? Wir leben nach zweitausend Jahren in einer Phase der Kirchengeschichte, in der es mehrere durchaus unterschiedliche, konkurrierende theologische Modelle gibt. Da gibt es reformiertes und nicht reformiertes Denken, den Dispensationalismus und die Bündnistheologie, postmoderne und neojudaistische Ansätze und so weiter.
Ganz ehrlich: Bis auf ein paar Spezialisten blickt dann kaum jemand wirklich durch. Und das muss man auch nicht. Für das Leben mit Jesus sind theologische Modelle weitgehend uninteressant.
Die Gefahr der theologischen Modelle
Ich denke sogar, dass Modelle schädlich sein können, weil sie dazu neigen, die Worte Jesu zu verdrängen.
Warum ist das so? Ich sehe vor allem vier Gründe dafür.
Erstens sind Modelle immer geschlossen. Sie haben also auf alles eine Antwort, auch auf Fragen, zu denen Gottes Wort nichts oder fast nichts sagt.
Zweitens leben Modelle stark von der Aura der Prediger, die sie vertreten. Sie vermitteln Sicherheit durch große Namen, hinter denen man sich verstecken kann.
Drittens lassen sich Modelle leichter studieren als die Bibel. Es gibt Bücher dazu, sodass man sich nicht mehr selbst hinsetzen und die Worte Jesu durchdenken muss.
Und viertens geben Modelle einem ein gutes Gefühl, wenn man sie verstanden hat. Das hat zwar nichts mit geistlicher Reife zu tun, aber es fühlt sich sehr wissend an.
Ich hoffe, es wird deutlich, worauf es mir ankommt.
Man sollte sich vor Modellen in Acht nehmen, ebenso vor den damit verbundenen Verallgemeinerungen, Vereinfachungen und Slogans. Am Ende geht es nämlich nicht darum, welchem Modell man gefolgt ist, sondern ob man auf die Stimme des guten Hirten gehört hat.
Jesus als Richter und das letzte Wort
Und lass mich dir zeugnishaft bekennen, dass ich im Verlauf dieses Podcast-Unternehmens schon öfter an dem Punkt war, an dem Jesus mich überrascht hat.
Gerade jetzt, in Lukas 12, sind wir an so einem Punkt. Das ist gut, denn Jesus ist derjenige, der uns überraschen darf. Er darf uns herausfordern und auch überfordern. Er hat das Recht dazu.
Er kann von uns verlangen, dass wir auf ihn hören, egal was er sagt. Er ist der Richter und hat das letzte Wort – nicht ein Prediger, nicht ein Modell und schon gar nicht wir mit unserer begrenzten Vorstellungskraft.
Kommen wir nun zu unserem Text: Lukas Kapitel 12, Verse 8 und 9.
Die Bedeutung des Bekenntnisses zu Jesus
Ich sage euch aber: Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.
Das ist sowohl eine Warnung als auch eine Verheißung. Wer mich verleugnet, den werde ich verleugnen; wer mich bekennt, den werde ich bekennen.
Aus dem Vergleich mit Offenbarung 3,5 wurde in der letzten Episode deutlich, dass die Christen, deren Namen Jesus vor Gott und seinen Engeln bekennt, nicht aus dem Buch des Lebens gelöscht werden.
Wir dürfen also davon ausgehen, dass genau das mit denen geschieht, die Jesus verleugnen und von ihm vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Das ist eine sehr ernste Aussage.
Konsequenzen des Verleugnens im Neuen Testament
Schauen wir uns deshalb noch eine andere Stelle zu diesem Thema an: 2. Timotheus 2,12.
Dort heißt es: „Wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen. Wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“
Hier werden zwei Verhaltensweisen gegenübergestellt: ausharren und verleugnen. Wer ausharrt, wird mit Jesus herrschen. Wer verleugnet, wird das nicht tun, sondern von Jesus verleugnet werden.
Nun folgt eine Aussage von allergrößter Bedeutung. 2. Timotheus 2 geht nämlich weiter, und zwar in den Versen 12 und 13:
„Wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen. Wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Die Spannung zwischen Jesu Verleugnung und seiner Treue
Frage: Wie passt das zusammen? Einerseits wird Jesus uns verleugnen, andererseits bleibt er uns treu. Was denn nun? Die Antwort lautet: Es gibt einen Unterschied, ob wir nur untreu sind oder ob wir Jesus verleugnen.
Schauen wir uns einen Fall an, in dem jemand untreu war: Petrus. Er verleugnet Jesus im Hof des Hohen Priesters dreimal. Lesen wir dazu Lukas 22,61-62: „Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an, und Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: ‚Bevor ein Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.‘ Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“
Woran erkennt man hier, dass dieses dreimalige Verleugnen nur Untreue ist? Man sieht es an der Reaktion des Petrus. Er ging hinaus und weinte bitterlich. Das ist die Reaktion eines Untreuen.
Hier wird jemand von seiner Angst dazu gebracht, etwas zu tun, was er nie tun wollte. Petrus liebt Jesus, er will sein Jünger sein, er will ihn nicht verleugnen. Doch ein Moment der Schwäche lässt ihn Dinge sagen und sich auf eine Weise von Jesus distanzieren, dass er kaum aus dem Hof herauskommt, ohne bitterlich zu weinen.
Petrus weint über sich und sein Versagen. Das ist es, was untreue Menschen tun.
Gottes Treue trotz unserer Untreue
Und im Blick auf solche Situationen schreibt Paulus in 2. Timotheus 2,13: „Wenn wir untreu sind, bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Gott kann sich nicht verleugnen. Er kann nicht anders, als als liebender Vater auch untreuen Kindern treu zu bleiben.
Er erkennt ihr Herz. So wie im Fall von Petrus betet er für sie, damit ihr Glaube nicht aufhört.
Die wahre Bedeutung des Verleugnens
Das Verleugnen, von dem Jesus spricht, ist etwas völlig anderes. Es handelt sich nicht um einen Ausrutscher oder einen schwachen Moment, in dem ich versage. Vielmehr ist es eine grundsätzliche Einstellung zu Jesus. Diese zeigt sich darin, dass ich ihn zwar „Herr“ nenne und mich vielleicht auch als Christ bezeichne, mein Leben aber beide Behauptungen widerlegt.
Paulus beschreibt seine Widersacher auf Kreta in Titus 1,16 so: „Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie ihn und sind abscheulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk untauglich.“ Hier wird deutlich, dass der Lebensstil die Behauptung, Gott zu kennen, durchstreicht.
Genau das ist die Art der Verleugnung, von der auch Jesus selbst spricht, wenn er sagt: „Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.“ Es geht ihm also nicht um Ausnahmen, sondern um die Regel – um jene Verleugnung, die dazu führt, dass mein Name nicht im Buch des Lebens steht. Es ist ein Lebensstil, nicht ein Ausrutscher, den ich sofort bereue.
Es geht nicht um das Einknicken unter Folter, nicht um mein Verhalten während einer manischen Phase, einer Psychose, unter dem Einfluss von Drogen oder um Demenz im Alter. Gott kennt mein Herz und beurteilt mich nach meinem Herzen.
Und das ist wichtig: Er beurteilt mich. So wie der Herr Jesus bereit ist, mich zu bekennen, ist er auch bereit, mich vor den Engeln und sogar vor Gott selbst zu verleugnen. Ihm kann ich bei aller frommen Show nichts vormachen.
Abschluss: Persönliche Reflexion und Ermutigung
Was könntest du jetzt tun? Überlege, welche Rolle theologische Modelle in deinem Denken spielen.
Das war es für heute. Wenn du es noch nie gemacht hast, dann lies in diesem Jahr deine Bibel unbedingt einmal durch.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
