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Jesus' Auferstehung verändert Leben! (Predigt für Ostern)

06.04.2023

Einführung in die Karwoche und die Bedeutung von Jesus Tod

Ich begrüße dich beim Bibelfit-Dienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

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Für uns Christen ist diese Woche eine ganz besondere im Jahr. In der Karwoche denken wir daran, wie Jesus von Nazareth im Jahr dreißig nach Christus gestorben ist. Was diese Woche noch einmal besonders macht, ist, dass Jesus Christus am Freitag, dem siebten April, in der Jerusalemer Oststadt zu Tode gefoltert wurde. Der siebte April ist in diesem Jahr zugleich das Datum von Karfreitag.

Was ist damals in Jerusalem passiert? Was hat Jesus erlebt? Das habe ich dir hier nacherzählt, und diese Nacherzählung ist jedes Jahr zu Ostern einer der meistgehörten Inhalte auf der Website. Es handelt sich um eine Predigt, die für mich sehr emotional ist. Sie wurde ausgerechnet am Gründonnerstag gehalten, bevor wir diesen Bibelfit-Dienst gestartet haben.

Damals waren etwa hundert Geschwister aus verschiedenen Glaubensrichtungen dabei. Es war ein sehr prägendes Ereignis für mich. Zum Glück wurde die Predigt aufgezeichnet, und du kannst sie dir gerne kostenlos anhören. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

In der Predigt erzähle ich dir von den letzten vierundzwanzig Stunden in Jesu irdischem Leben bis zu seinem Tod. Dabei gebe ich viele Hintergrundinformationen und erkläre vor allem, was das geistlich für dich und für mich bedeutet.

Falls du diese Nacherzählung noch nicht kennst, ist es klug, sie dir zuerst anzuhören, bevor du hier weiterschaust. Für alle, die diese Nacherzählung schon kennen, lade ich dich ein, die Reise jetzt weiterzugehen.

Nun kommt Teil zwei zu dieser Predigt. Wir setzen genau dort an, wo die erste Nacherzählung aufgehört hat – nämlich bei Jesu Tod.

Die Stunden nach Jesus Tod: Joseph von Arimater und die Beisetzung

Was ist in den Stunden nach Jesu Tod passiert? Was geschah am Karfreitagabend, am Karsamstag und am Ostermorgen? Vor allem: Wie hat Jesu Auferstehung die Menschen berührt? Wie hat sie Leben verändert – bis heute, auch mein eigenes? Und wie kann und möchte Jesus dein Leben verändern?

Doch ich will nicht zu viel vorwegnehmen, sondern Schritt für Schritt vorgehen. Deshalb beginnen wir mit dem Karfreitag.

Wir schreiben das Jahr 30. Ein angesehener Mann mittleren Alters, Mitglied des Synhedrions, des damaligen Hohen Rates des Volkes Israel – vergleichbar mit einem heutigen Bundestagsabgeordneten – spielt eine wichtige Rolle. Er war einer der wenigen, die sich bei der Abstimmung enthielten, was mit Jesus nach dessen Gefangennahme geschehen sollte.

Dieser Mann stammt aus einer wohlhabenden Familie von Berufspolitikern. Wahrscheinlich hatte er nach dem Tod seines Onkels ein längliches Grundstück geerbt – man könnte es heute als einen überdimensionalen Schrebergarten bezeichnen, eine Art kleiner Park, der an der westlichen Hauptstraße nach Jerusalem liegt und in die Hügellandschaft hineinragt.

Die Familie musste damals nicht schlecht staunen, denn fast fünfzig Jahre zuvor hatte der Diktator Herodes ausgerechnet an diesem Grundstück die verstärkte Stadtmauer entlangbauen lassen. „Na toll, schönen Dank auch!“, dachte man sich wohl.

Später beschlagnahmten die Römer einen Eingang zu diesem Park, um ihn als Hinrichtungsstelle zu nutzen. Als tiefgläubiger Jude war er sicherlich entrüstet darüber, wie das Erbland seiner Vorfahren auf diese Weise religiös verunreinigt wurde. Doch so war das Leben damals – man musste sich arrangieren.

Dieser Mann ist Joseph von Arimathäa. Auf ihn kommen wir gleich zurück – Teil I von III der heutigen Predigt.

Was passierte nach Jesu Tod? Es ist Freitag, der 7. April im Jahr 30. Es ist kalt und dunkel, gegen 16 Uhr nachmittags. Jesus ist seit etwa einer Stunde tot. Doch niemand kommt, um ihn zu bestatten.

Sein Adoptivvater Joseph, der nach jüdischem Recht diese Pflicht gehabt hätte, war bereits gestorben. Seine Geschwister und Brüder kommen nicht. Auch sein Cousin Johannes der Täufer, der diese Aufgabe übernehmen könnte, ist schon tot. Selbst seine Jünger erscheinen nicht, nicht einmal Johannes, der bis zum Schluss aus der Ferne zugesehen hatte.

Nach Jesu Tod war Johannes mit Maria, Jesu Mutter, bei ihren Verwandten untergekommen, um sie zu trösten. So war niemand da, um Jesus zu bestatten, bevor der um das Passahfest übliche Sabbat-Lockdown begann.

Die Römer vollstreckten gerade die Hinrichtung der beiden anderen Verbrecher, um sie anschließend auf einen der brennenden Komposthaufen der städtischen Müllhalde zu werfen.

Wahrscheinlich bewegt durch Entsetzen über diese Unmenschlichkeit und Reue über seine eigene Untätigkeit tritt Joseph von Arimathäa aus seinem Schatten. Er reitet zum Prätorium und bittet die Wachen um wenige Minuten Zeit.

Er ersucht um eine Audienz beim höchst angespannten Statthalter Pontius Pilatus. Das ist für jemanden in Josephs Stellung äußerst mutig. Ob er persönlich vorsprechen kann oder durch eine der Wachen kommuniziert, wissen wir nicht. Doch er bittet den mächtigen Präfekten um Erlaubnis, den Leichnam des noch heute Morgen verurteilten Schwerstverbrechers Jesus von Nazareth bestatten zu dürfen.

Pilatus wird sich wohl gedacht haben: „Ihr habt sie ja nicht mehr alle. Erst könnt ihr es nicht abwarten, den Typen umzubringen, und jetzt wollt ihr ihm auch noch eine Beisetzung geben? Was kommt als Nächstes? Ein Fackelzug? Was soll das überhaupt? Die zwei Verbrecher vom letzten Passahfest waren erst nach zwei Tagen tot.“

Doch Joseph von Arimathäa lässt sich nicht abwimmeln. Klopfenden Herzens, vollkommen nassgeschwitzt, bittet er ein zweites Mal. Schließlich lässt Pilatus den Zenturio kommen.

Der Zenturio war unter anderem für die vierköpfige Einheit von strafversetzten Soldaten verantwortlich, die Jesus hingerichtet hatten. Das war damals ein fürchterlicher und undankbarer Job.

Man muss sich das so vorstellen: Ein Legionär verpflichtete sich häufig für etwa fünfundzwanzig Jahre. War man das schwächste Glied in der Einheit, der „Underperformer“, wurde man zum Hinrichten abgestellt. Das war noch schlimmer als der Latrinedienst. Denn man musste unterzeichnen, dass der Hingerichtete wirklich tot war – sonst wurde man selbst auf dieselbe Weise hingerichtet.

Es war wirklich der schlimmste Job. Deshalb fragt man sich auch, warum sie das machten. Sie hatten keine Wahl, sie wurden dazu gezwungen.

Die vier Soldaten untersuchten den Leichnam Jesu genau, bevor sie auf ihr eigenes Leben die tatsächliche Sterbeurkunde unterschrieben. Der Zenturio war selbst bei Jesu Tod dabei.

So übergibt der Zenturio Pilatus die Sterbeurkunde Jesu. Er verspricht ihm auf sein Leben – vielleicht mit den Worten: „Mein Konsul, ich gebe Ihnen mein Wort, der Galiläer ist mausetot. Ich habe seine letzten Atemzüge gesehen und bin mit der Lanze auf Nummer sicher gegangen.“

Pilatus wird sich schwer genervt an den Kopf gefasst haben. Schließlich gewährt er Joseph von Arimathäa dessen Bitte.

Nikodemus und die Vorbereitung der Beisetzung

Dann kommt Nikodemus hinzu, ein weiteres Mitglied des Synhedrions, des Hohen Rates. Du kennst ihn bereits aus Johannes 3. Er ist der Mann, der Jesus nachts aufsucht, weil er sich nicht traut, öffentlich mit ihm gesehen zu werden. Dabei stellt er Jesus viele tiefgründige Fragen über das Evangelium.

Nikodemus kommt mit einigen seiner Angestellten und Assistenten. Joseph von Arimatea ist ebenfalls dabei. Zusammen bringen sie fünfunddreißig Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe mit. Es ist ganz klar, dass sie Jesus ein kleines, aber ernst gemeintes Ehrenbegräbnis bereiten wollen. So etwas hat man schon einmal gehört.

Weißt du, als später der Rabbi Gamaliel stirbt – er ist der Enkel von Rabbi Hillel, einem der größten Gelehrten jener Zeit – werden etwa vierzig Kilogramm Balsam zu seinem Begräbnis gebracht. Und als Herodes der Große stirbt, der Kinderschlächter von Bethlehem, sind es sogar noch deutlich mehr. So kommen sie nun und balsamieren Jesus ein.

Viele wissen das nicht: Juden haben damals wichtige große Männer nach deren Tod einbalsamiert. Myrrhe kennst du aus der Weihnachtsgeschichte. Gold, Weihrauch und Myrrhe sind bekannt. Myrrhe sieht ein bisschen aus wie Honig, ist aber zähflüssiger. Wenn man das Gefäß öffnet und die Myrrhe trocknet, wird sie innerhalb weniger Stunden hart.

Diese Mischung wird dann auf den Leichnam eingerieben. Dazu kommen ein paar Aloe-Gewürze, die zwischen die Leintücher gelegt werden. Der Leichnam wird in drei verschiedenen Lagen eingewickelt. Nach wenigen Stunden wird die Mischung hart. Das bedeutet, sie klebt unwiederbringlich am Körper und lässt sich nicht mehr entfernen. So entsteht eine Art maßgeschneiderter Sarg für den Toten.

Gleichzeitig sind die Frauen, von denen wir gerade gehört haben, unabhängig davon ebenfalls unterwegs. Sie wollen Gewürze und Kräuter kaufen. Wozu? Wenn wir heute einen lieben Menschen verlieren, schmücken wir dessen Grab mit Blumen, Karten, Gedichten oder Fotos. Viele Juden legen heute einen Stein auf das Grab. Im ersten Jahrhundert schmückte man Gräber mit wohlriechenden Düften. Man kann sich das wie Badesalz vorstellen.

Das Problem ist jedoch, dass die Frauen, die die wohlriechenden Dinge einkaufen wollen, zu lange brauchen. Die Läden schließen bereits.

Man kann sich leicht vorstellen, wie das Passahfest in Jerusalem, der Hauptstadt, abläuft: Tausende Fremde, Touristen, Pilger – Menschenmengen überall. Es ist nachvollziehbar, dass sie schließlich vor der Ausgangssperre nach Hause müssen. Zwar schaffen sie es noch, einige Läden abzuklappern, aber weiter kommen sie durch die Menschenmassen nicht. Die Beisetzung sehen sie nur aus der Ferne, von der Stadtmauer herab.

Die Beisetzung in der Familiengruft und die politische Reaktion

Währenddessen legen Joseph von Arimathäa, Nikodemus, sein Kollege, und deren beide Assistenten und Mitarbeiter Jesus in die Familiengruft von Joseph. Diese Gruft hatte Joseph erst vor kurzem als Höhle ausheben lassen. Es handelt sich um eine Höhle, die Joseph für sich selbst, seine Frau und seine Kinder anfertigen ließ, nachdem er von der Hauptstadt Rama im Norden, wo auch der Prophet Samuel herkommt, in die Hauptstadt Jerusalem gezogen war.

Eine solche Grabeshöhle oder Gruft anzufertigen, bedeutet, sie handwerklich in den Sandstein hineinzumeißeln. Das ist unglaublich teuer. Umgerechnet sind das mehrere Hunderttausend Euro, und zwar in Euro von 2019, nicht von heute. Jetzt muss Joseph sich außerdem noch eine neue Gruft besorgen und das seiner Frau erklären. Doch das kümmert ihn in dem Moment nicht. Joseph von Arimathäa will einfach für Jesus da sein, wie er es zu Lebzeiten nicht gewesen ist.

In Israel habe ich selbst solche Grabhöhlen gesehen, die tatsächlich so aussehen. Man kann sich diese beiden Bilder sehr gut vorstellen und miteinander kombinieren.

Ein kurzer Hintergrund: Das nennt man eine Meartha. Eine Meartha ist eine Grabhöhle, eine eingebaute Gruft, die in den dortigen Stein hineingehauen ist. An den Seiten findet man, wo Hanna das gemalt hat, sogenannte Kuchin oder Kuchinim. Das sind Nischen für die Gräber der Familie. Das heißt, für jedes Familienmitglied wird eine eigene Nische hineingehauen, damit alle im gleichen Grab bestattet werden können, wenn sie versterben.

Vor diesen Nischen rollt man dann eine zusätzliche Steinscheibe, die unten einrastet. Diese nennt man Golel. Hier gibt es auch ein schönes Handelsbild dazu. Vor diese Scheibe legt man wiederum einen zusätzlichen Stein, den sogenannten Duffeg, um das Ganze zusätzlich zu beschweren.

Wir wissen aus einer Abschrift, die wahrscheinlich auf damalige Augenzeugen zurückgeht, dass man circa zwei Dutzend Männer, also vierundzwanzig, heute wahrscheinlich fünfzig mit Seilen bräuchte, um ein solches Familiengrab zu öffnen. Zwei Dutzend Leute! Jetzt denkt man sich: Wie soll das sein? Aber dann fällt einem wieder ein, dass das die Gräber der sehr, sehr Betuchten sind. Wenn dort ein Ehrenbegräbnis mit zweihundert Teilnehmern stattfindet, ist das möglich.

Bei Jesus wird der Stein im griechischen Text mit mega svodra beschrieben. Das heißt, der Stein wird als extrem groß, außerordentlich groß beschrieben.

Die israelische Obrigkeit des Hohen Rates erfährt, dass einer der Ihren, aus den eigenen Reihen, Jesus ein Ehrenbegräbnis gibt. Die Meinungen dazu gehen schnell auseinander. Manche denken, Joseph solle ausgeschlossen werden aus dem Hohen Rat, aus Israel verbannt und seine Familie für immer entehrt sein. Andere stimmen dem zu und sind vom eben noch zerrissenen Tempelvorhang verängstigt und mit Reue erfüllt über das, was sie noch wenige Stunden zuvor im Nacht- und Nebeltribunal getan haben.

Wie dem auch sei, man einigt sich darauf, die Debatte um Joseph erst einmal zu vertagen. Jetzt gibt es nämlich Dringenderes.

Zwei bis drei der Oberen des Hohen Rates, die bei Jesu Hinrichtung dabei waren – vielleicht erinnerst du dich – stehen in einer Entfernung vom Kreuz von etwa zwanzig bis dreißig Metern. Näher durften sie wegen des Hinrichtungskommandanten nicht heran. Sie verspotten Jesus vor den Umstehenden mit Worten wie: „Wenn er der Messias ist, soll er doch heruntersteigen!“ Er tut es nicht, was zu beweisen war.

Jedenfalls haben sie seinen Tod beobachtet. Danach reiten sie zu Pilatus, zum Praetorium, klopfen an und bitten um eine Audienz. Sie übermitteln die Botschaft, dass sie darum bitten, dass das Grab von Jesus bewacht werden soll.

Nur mal ganz nebenbei: Damit ist auch klar, dass die anwesenden Israelis natürlich davon ausgehen, dass Jesus tot ist. Sie waren ja bis zum Ende dabei.

Pilatus stimmt dem völlig entnervt zu und gibt ihnen eine sogenannte Kustodie. Im griechischen Text steht das Wort Kustodie. Früher dachte man, damit seien die gleichen vier Henker gemeint, die Jesus hingerichtet haben. Man glaubte auch, dass die Strafe für die Custodia, wenn einer von ihnen einschläft, darin bestand, von der eigenen Einheit mit einem Morgenstern zu Tode geschlagen zu werden.

Der letzte Teil stimmt tatsächlich. In der Wache ist es nicht nur verboten einzuschlafen, sondern sich sogar hinzusetzen. Das ist eines von achtzehn tödlichen Vergehen, für die ein Legionär unter Todesstrafe gestellt wird.

Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, dass diese Einheit, die Custodia, nicht aus vier Soldaten bestand und nicht aus irgendwelchen abgesonderten, strafversetzten Underperformern. Nein, wir reden von zehn bis dreißig Menschen. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um sechzehn Elite-Soldaten von Pilatus’ eigener Leibgarde, die er ihnen mitgibt. So etwas wie das heutige GSG 9 oder die Navy Seals, einschließlich des Zenturios, der einer von Pilatus’ Vertrauten war.

Gib dir das mal. Niemals in der gesamten Menschheitsgeschichte ist es vorgekommen, dass die Leiche eines zutiefst entehrten Schwerstverbrechers, der durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, von Elite-Soldaten bewacht wird. Da muss man erst mal drauf klarkommen.

Nur zur Erinnerung, um das historisch einzuordnen: Die Römer haben Anfang des ersten Jahrhunderts in Palästina nicht einmal pädophile Vergewaltiger gekreuzigt. Der römische Autor Marzial hat uns überliefert, dass die Kreuzigung die absolute Maximalstrafe war. Sie wurde jemandem auferlegt, der die Stadt Rom niederbrennen wollte oder einen Mordanschlag auf den Imperator verüben wollte. Das war Kreuzigung.

Jedenfalls wird das Grab dann versiegelt mit dem Siegel von Pilatus, das die Autorität des Imperators trägt. Ironischerweise wissen wir heute, dass dieses Siegel in Form eines Kreuzes mit zwei Striemen angebracht wurde. Unter Todesstrafe stand, wer dieses Siegel anrührt oder verändert. Derjenige würde auf dem Marktplatz zu Tode gepeitscht.

Für die Bibel ist dieses Siegel unter anderem aus Daniel 6 bekannt, aus der Geschichte von Daniel in der Löwengrube, wo ebenfalls das Ganze versiegelt wird – der Eingang, ungefähr das gleiche Siegel, das von den Persern übernommen wurde.

Der Sabbat und die Trauer um Jesus

Dann kommt der Samstag: Ausgangssperre, Sabbat. Eine Sabbatmeile darf man laufen – aber nur bei medizinischen Notfällen, zur Kinderbetreuung oder zur Pflege eines Angehörigen. Mehr nicht. Das heißt, die meisten bleiben zu Hause. Touristen in Unterkünften – das kennen wir ja.

Unter vielen Menschen setzt nun tiefste, tiefste Trauer darüber ein, dass ihr Meister jetzt tot ist. Er, Jesus, der scheinbar mit Superkräften ausgestattet war. Er, Jesus, der Brot vermehrte, der Aussätzige heilte, der Blinden das Augenlicht gab – auch den blind Geborenen –, der Lazarus Tage zuvor noch aus dem Grab gerufen hatte, der über Dämonen gebot, der über das Wasser lief, der den Sturm stillen konnte und über Naturgewalten herrschte.

Dieser Jesus, dieser jetzt zu Tode gefoltert, bodenlos entehrt und als Schwerstverbrecher gebrandmarkt. Ähnlich wie man heute sein Kind nicht Adolf nennen darf, sahen manche Römer es sogar als Schimpfwort an, nur den Namen eines Menschen zu nennen, der gekreuzigt wurde.

Bei Cicero habe ich an einem Text gelesen, dass er schreibt: Manche römische Mütter hielten es für schlechte Erziehung, wenn ihre Töchter überhaupt wussten, was eine Kreuzigung ist.

Der Ostermorgen: Die Frauen am Grab und das leere Grab

Teil zwei von drei der heutigen Predigt: Was ist Sonntagmorgen passiert?

Die Frauen, die Jesus hatten sterben sehen, wussten nichts von irgendeiner Elitewache. Woher auch? Deshalb kauften sie am Samstagabend, nach dem Ende des Sabbats, noch weitere Gewürze und Kräuter, wohlriechende Dinge, um das Grab zu schmücken. Doch dann war es zu spät und ehrlich gesagt auch zu gefährlich, mit allem, was vorher los war: den ganzen aufständischen Dingen, den vielen Menschen, die unterwegs waren, und der höchsten politischen Anspannung überall. In der Stadt hingen „Wanted“-Gesucht-Poster aus. Es war einfach zu gefährlich, außerhalb der Stadtmauern zum Grab zu gehen. Verständlich!

Am Sonntag, dem ersten Arbeitstag, machten sie sich noch vor Sonnenaufgang auf den Weg, also gegen vier Uhr morgens. Gut möglich, dass sie eine schlaflose Nacht hatten. Sie liefen durch die Parkanlage von Josef von Arimathäa, eine Art armer Schrebergarten, um das Grab von Jesus zu schmücken.

Aus unserer heutigen Sicht fast tragikomisch: Sie dachten, ihr größtes Problem sei, Hilfe zu finden, um den Stein zu bewegen. Doch dann kam der Schock: Sie sahen die Siegel des Imperators, und diese waren gebrochen. Der Stein war nicht an seinem Platz. Ein kurzer Moment der Todesangst überfiel sie. „Achte grüne Neune, könnten wir verdächtigt werden, die Siegel angefasst zu haben?“ Doch dann beruhigten sie sich: Nein, das war ausgeschlossen. Niemand würde denken, dass wir drei Frauen diesen Stein bewegen könnten. Eine Beruhigung setzte ein.

Sie wunderten sich nicht darüber, dass die Wache weg war, weil sie von der Wache nichts wussten. Wahrscheinlich sahen sie noch einige umliegende Fackeln oder Decken, aber das war es auch.

Ich möchte euch kurz drei kuriose Dinge zum Stein sagen. In mehreren Berichten, zum Beispiel Markus 16,4, steht im griechischen Text, dass der Stein „ankylio“ wurde, das heißt „hochgerollt“. Diese Vokabel wird verwendet, wenn etwas einen Abhang oder einen Anstieg hochgerollt wird. Wenn du nochmal zurückdenkst an die Stelle, wo der Stein einrastet: Er liegt in einer Kuhle, und jetzt lag er dort nicht mehr.

Es wird noch kurioser: An einer anderen Bibelstelle, in Lukas 24,2, steht im griechischen Urtext das Wort „Apokylio“ – der Stein wurde „apokylio“ vom Grab weggerollt. „Apokylio“ bedeutet, dass man zwei Dinge voneinander wegrollt, sodass sie nun durch einen Abstand getrennt sind.

Und es wird noch kurioser: Wir fragen uns langsam, wie das jetzt gemeint ist, wenn sogar der Abstand beschrieben wird. Wie weit ist der Stein nun weg? Dann schauen wir an die Parallelstelle in Johannes 20, sehr früh niedergeschrieben, wo sogar die Vokabeln „airo“ oder „anheireo“ genutzt werden. Das bedeutet so viel wie „wegtragen“ und legt nahe, dass der Stein nicht nur vom Eingang weg war, sondern von der gesamten Gruft, der gesamten Grabhöhle entfernt lag.

Ihr müsst wissen: Damals dachte man, wenn überhaupt, an eine generelle Auferstehung aller Toten am Ende der Welt, wie es in Daniel 12 vorausgesagt wird. Die einen werden auferstehen zur ewigen Herrlichkeit, die anderen zur ewigen Schande. Auch wenige Tage vorher, als Jesus in Bethanien war, um seinen Freund Lazarus aufzuwecken, sagte er: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Lazarus wird auferstehen. Maria antwortete: „Ja, ja, Herr, ich weiß, ich weiß, am Ende der Welt, im Jüngsten Gericht, werden alle auferstanden stehen.“

Das war die damalige Vorstellung. Eine individuelle Auferstehung von einer Person war nicht im Denkhorizont vorhanden. Das finden wir in keiner jüdischen Schrift der damaligen Zeit.

Was wir aber wissen, ist, dass es im ersten Jahrhundert ein außergewöhnliches Interesse an Grabstellen von jüdischen Märtyrern, Heiligen und gelehrten Männern gab. Trotzdem: Denk mal kurz darüber nach – gibt es nicht eine einzige Überlieferung von irgendjemandem, der jemals das Grab von Jesus besucht oder gesucht hätte? Denk mal kurz darüber nach!

Jesus war einer der prominentesten Menschen der damaligen Zeit. Keiner der Menschen, die in all den dreieinhalb Jahren von Jesus Lehren gehört hatten, kam jemals und besuchte das Grab. Keiner von denen, die bei den zwei Speisungen dabei waren – der Speisung der Viertausend oder der Fünftausend – machte jemals eine Pilgerreise zu Jesus’ Grab. Keiner der Geheilten, die Jesus ewige Dankbarkeit schworen, ging jemals dorthin. Keine der Frauen, die die Jünger finanziell unterstützten, kam jemals zum Grab. Weder Petrus, noch Jakobus, Andreas, Johannes oder Jesus’ eigene Familie – seine Brüder, Schwestern oder seine Mutter.

Nicht einmal Paulus kam dorthin, um Buße zu tun für seine Vergehen und sein tief empfundenes Schuldgefühl gegenüber allem, was er sich gegenüber den Christen und Jesus versündigt hatte. Auch die Christen selbst – alles, was uns von ihnen vorliegt im Neuen Testament und außerhalb – alle Reden, Predigten und Evangelisationsversuche der Apostel setzen beim leeren Grab an. Warum? Weil das vollkommen bekannt war. Sie setzten es immer als bekannt voraus. Jeder in Israel wusste es.

Das ist auch der Grund, weshalb Paulus zu Jesus’ Auferstehung, als er darüber redet, zum ersten Mal Widerstand bekommt – im fernen Athen, nicht in Israel. In Athen, in Europa, wusste man nichts von einem leeren Grab. Aber in Israel, in Edom, in Syrien, in Ägypten hatte sich die Botschaft von Jesus’ Tod, wie bei den Emmausjüngern, und vom leeren Grab wie ein Lauffeuer verbreitet.

Später sagt Paulus vor dem syrischen König Agrippa II., also mehrere hundert Kilometer nördlich, vor ihm: Die Auferstehung von Jesus ist nicht in irgendeinem Winkel der Welt passiert, sondern in unserer Hauptstadt Jerusalem (Apostelgeschichte 26). Agrippa widerspricht ihm nicht.

Wenn also jemand behaupten will, Jesus läge immer noch in seinem Grab und das alles sei nur erfunden, gelogen oder irgendwie metaphorisch gemeint – so etwas wie „Ostern ist die Hoffnung, die jeder in sich trägt für einen Neuanfang, das ist Auferstehung“ –, dann wäre Jerusalem doch der dümmste Ort der Welt, wenige Wochen nach der superöffentlichen Hinrichtung von Jesus dort eine solche Lüge aufziehen zu wollen.

Denk kurz darüber nach: Das ist, als ob ich nach Moskau gehe, mich auf den Roten Platz stelle, vor dem Lenin-Mausoleum, und dir erzählen will, dass Lenins Leiche verschwunden sei. Du kannst einfach ins Mausoleum gehen, da liegt sie. Zack, ich bin diskreditiert.

Das hättest du in zwei Millisekunden durch die Öffnung von Jesus’ Grab widerlegen können. Und dazu hätten tausende Bewohner Jerusalems und Pilger als Zeugen auftreten können, weil sie Jesus an einem über vier Meter hohen Holzkreuz stadtweit ersticken sehen hatten.

Wenn das leere Grab eine Lüge wäre, wäre ausgerechnet Jerusalem der mit Abstand dümmste und ungeeignetste Ort mit der geringsten Erfolgschance für eine solche Lüge.

Alle Kritiker, auch die der damaligen Zeit, Kritiker der Christen, die später auftreten werden, setzen damit an, zu erklären, warum das Grab leer war. Aber nicht ein einziger Textzeug bestreitet jemals, dass es leer war. Das ist doch seltsam, oder?

Nachdem Pontius Pilatus später vom Kaiser abgesetzt wurde, stellte sein Nachfolger – der später den Apostel Paulus vor Gericht bringen wird – die jüdische Obrigkeit als Ankläger auf. Nicht einmal die jüdische Obrigkeit, die damals dabei war, bestritt vor Gericht, dass das Grab leer war.

Sie legten einen Eid auf ihre Zeugenaussage vor dem römischen Konsul, dem Stellvertreter des Kaisers, ab und sagten: „Jawohl, das Grab war leer.“ Aber sie bestreiten nicht das leere Grab. Die Römer wussten nicht, was passiert war. Pontius Pilatus musste später dem Kaiser Meldung machen.

Das Nazareneredikt und die Bedeutung der Auferstehung

Und jetzt kommen wir zu einem der spannendsten Themen, die du in diesem Halbjahr hören wirst. Halte dich gut fest!

In dieser Zeit erließ der Kaiser von Rom, der Imperator, ein Edikt. In manchen Schriften wird dieses auch als das Nazareneredikt bezeichnet. Das ist ein Gesetz, das früher von römischen Zeitzeugen erwähnt oder zitiert wurde. Lange Zeit waren sich Historiker und Archäologen nicht sicher, ob es echt ist oder nicht.

Doch vor wenigen Jahrzehnten wurden die originalen Tafeln davon in Nazareth gefunden. Es ist also tatsächlich passiert. Darin steht, dass ein römischer Kaiser, wahrscheinlich Kaiser Claudius, um das Jahr 40 – also etwa zehn Jahre nach Jesus – ein strenges Gesetz für Israel erlässt.

Dieses Gesetz stellte unter Todesstrafe, wenn „noch einmal jemand eine Leiche aus einem Grab entfernt“. Das Edikt wurde 1878 ausgerechnet im kleinen Ort Nazareth entdeckt. Nazareth war damals ein winziger Vorort der Großstadt Sepphoris. Das bedeutet, dass der römische Kaiser sogar vorschrieb, was in Nazareth galt. Verstehst du, was ich meine? Die Größenordnung ist bemerkenswert.

Diese Auferstehung hat große Wellen geschlagen. Sie war bedeutend genug, um ein völliges Umdenken hervorzurufen.

Ein paar Randnotizen dazu: Obwohl Jesus die meiste Zeit seines Wirkens und Lebens im nördlichen Galiläa verbrachte, liegen 28 der 53 Orte, von denen wir gesichert wissen, dass Jesus dort war, im Norden. Die meisten davon befinden sich in einem Radius von wenigen Kilometern um den See Genezareth.

Jerusalem hingegen wurde nach der Auferweckung des Lazarus zu einem lebensgefährlichen Ort für die Anhänger Jesu. Trotzdem können wir die Anfänge der weltweiten Christenheit direkt auf die frühen dreißiger Jahre zurückverfolgen – und ausgerechnet von Jerusalem aus.

Nicht von Nazareth, nicht aus der Gegend im Norden, nicht vom See Genezareth, sondern aus Jerusalem. Das ist doch seltsam.

Veränderungen durch Ostern: Sonntag, Taufe und die Jünger

Anderes Beispiel: Der christliche Sonntag

Tausend Jahre lang war in der jüdischen Tradition der Samstag als Sabbat zusammen mit dem Ritus der Beschneidung die zentrale religiöse Institution. Das war das kulturelle Alleinstellungsmerkmal des Judentums überhaupt, später mit hunderten von Regeln versehen.

Und jetzt plötzlich, in kürzester Zeit, quasi über Nacht, gibt es Versammlungen und Lesungen. Die Leute singen, sie beten – wir würden es heute Gottesdienst nennen – aber nicht mehr am Schabbat, nicht mehr am Samstag, sondern am Sonntag. Das muss jeden Kulturwissenschaftler fragen lassen, was denn vorgefallen sein muss, dass eine solche unverhandelbare, unumstößliche, felsenfeste, jahrtausendealte Säule von Juden selbst – die ersten Christen waren ja gebürtige Juden – umgeworfen wird.

So findest du in der Apostelgeschichte 20 belegt, dass der ehemalige jüdische Kommissar Paulus am Sonntag über die Auferstehung predigt, und das nur wenige Jahre nach Jesus.

Ein weiteres Beispiel ist die christliche Taufe. Die christliche Taufe unterscheidet sich von der Taufe Johannes’. Ich spreche von der Taufe, die Jesus befohlen hat. Paulus schreibt über diese Taufe: Mit ihm, mit Jesus, seid ihr begraben worden in der Taufe, und mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat (Römer 6,4). Ohne diese Bedeutung der Auferstehung gäbe es die christliche Taufe so nicht.

Doch Ostern verändert nicht nur Rituale, sondern auch einzelne Menschen. Die Apostel, die vorher völlig verängstigt waren und um ihr Leben fürchteten, gehen über Nacht mit unglaublichem Selbstbewusstsein in alle Welt hinaus. Jeder von ihnen geht an andere Orte und erzählt allen Menschen, dass Jesus wieder lebendig ist.

Mehr noch: Zeugen berichten, dass Jesus beim nächsten Mal nicht mehr als lieber Prediger oder harmloses Opferlamm kommen wird, wie beim ersten Mal, sondern dass er triumphal zurückkehren wird, um die Welt wieder in seine Vorherrschaft zu nehmen. Er selbst wird dann jeden einzelnen richten.

Zweifel an der Auferstehung und die Glaubwürdigkeit der Jünger

Was ist mit den Jüngern? Haben sie den Leichnam gestohlen? Wirklich? Dieselben Jünger, die schon panisch aus Gethsemane fliehen, wenn nur die jüdische Tempelwache mit Holzstangen ankommt? Diese Jünger? Zwei bibbernde Binnseefischer gegen eine sechzehn Mann starke, gestählte Eliteleibgarde des römischen Konsuls? Ja, nee, ist klar, bestimmt.

Haben die Jünger es sich ausgedacht? Wenn jemand das eine erlebt, aber etwas anderes erzählt, dann weiß er ja beides. Das heißt: Wenn jemand absichtlich die Unwahrheit erzählt, dann weiß er, dass es eine Lüge ist. Und das Ding mit Lügen ist – das weiß jeder von uns aus seiner eigenen Schul- und Kindergartenzeit – dass Lügen ganz, ganz schnell neue Lügen „gebären“ müssen, um die ersten Lügen aufrechtzuerhalten.

Wenn also Lügen an sich schon schwierig sind, dann ist Lügen in der Gruppe die Königsdisziplin. Und durch die geografische Entfernung – die Jünger sind ja alle an ganz unterschiedlichen Orten auf der Welt gegangen – herrschte ganz schnell kein Kontakt mehr unter ihnen. Das heißt: Wenn es eine Lüge war, dann hatten sie keine Möglichkeit, sich gegenseitig abzusprechen, wer wann wie was erzählen oder die Geschichte mit welchen Details ausschmücken soll.

Und obwohl sie an jedem Ort bedroht wurden, wo sie hingekommen sind, wissen wir inzwischen gesichert, dass sie bis zum Ende alle übereinstimmend dasselbe erzählt haben. Kein einziger von ihnen, isoliert von den anderen, hat jemals widerrufen oder abgeschworen – nicht unter Lebensgefahr und nicht unter Folter. Und das Einzige, was sie hätten tun müssen, um ihr eigenes Schicksal einfacher zu machen, war zu sagen: Wir haben es uns ausgedacht. Aber keiner von ihnen hat das jemals gesagt, weil sie es nicht haben.

Es gibt Menschen, die sind bereit, für eine Sache zu sterben, aber niemand ist bereit, allein für etwas zu sterben, von dem er weiß, dass es eine Lüge ist. Das hält nicht stand.

Könnte es eine Halluzination sein, wie ich früher dachte? Das scheidet aus, weil Jesus ihnen begegnet ist. Wenn Jesus ihnen nicht begegnet wäre, wenn Jesus nicht auferstanden wäre, sondern das alles nur eine Einbildung, und Jesus noch tot wäre, dann wäre das Grab nicht leer. Das wäre alles, was der Hohe Rat hätte machen müssen: Er hätte nur Jesus’ Leiche zeigen müssen, und das Christentum wäre am Ostermontag erledigt gewesen. Vorbei, finito.

Wenn ich mir als Halluzination einbilde, dass der Kühlschrank leer ist und es kein Eis mehr gibt, dann ist der Kühlschrank ja nicht wirklich leer. In Wahrheit liegt dort Eiscreme. So ist es aber nicht.

Dazu gibt es Dutzende, die den Jüngern später zustimmen. Nicht ein oder zwei, sondern allein im Neuen Testament – um nur die Sachen zu erwähnen, die dort enthalten sind – gibt es fünfzehn Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus. Fast sechshundert Zeugen werden genannt. Würde man jedem dieser Zeugen vor Gericht nur zehn Minuten Redezeit geben, wäre das eine zweiwöchige Gerichtsverhandlung, um nur alle Zeugenaussagen einmal gehört zu haben. Und das sind nur die Berichte, die im Neuen Testament enthalten sind.

Fragt man sich also: Wenn das die Spitze des Eisbergs ist, was ist dann darunter? Jesus’ eigener Bruder Jakobus, der ihm gegenüber zu Lebzeiten sehr kritisch war, kein Anhänger von Jesus, gar kein Fan, ist seit der Auferstehung ein bekehrter Christ. Er sagt und glaubt wirklich und ernsthaft, dass Jesus auferstanden ist.

Und der brutale, hasserfüllte, unerbittliche Christenverfolger Paulus berichtet plötzlich glaubwürdig und ernsthaft, dass der auferstandene Jesus ihm begegnet ist. Er hört über Nacht auf, Christen zu verfolgen, und schließt sich den Christen an – übrigens ohne dass die Christen das am Anfang wollen. Sie leisten Widerstand, denn sie wollen gar nicht, dass Paulus einer von ihnen ist.

Die Bedeutung von Ostern für Glaubende heute

Was bedeutet Ostern für uns? Dies ist der dritte Teil von drei der heutigen Predigt.

Ostern, die Auferstehung, legt die Karten auf den Tisch. Sie sagt dir zum einen, wer Jesus ist. Deshalb ist es so wichtig, dass Jesus tatsächlich körperlich auferstanden ist. Genau das ist es, was er sagt. Er sagt: „Reiß diesen Tempel ein, und ich werde ihn wieder aufbauen.“ Damit bezieht er sich auf seinen Körper. Und genau das passiert.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn jemand von den Toten aufersteht, bekommt er von mir erst einmal einen Vertrauensvorschuss. Ich lasse den Typen erst einmal ausreden. Wenn er dann gesagt hat, dass er ist, wer er ist – nämlich der Überwinder und Meister über Leben und Tod – und danach tatsächlich Leben und Tod überwindet, dann okay, okay.

Das Zweite ist: Es sagt dir, wer Gott ist. Gott wird in der Offenbarung als die Treue und die Wahrhaftigkeit in Person bezeichnet. Warum ist das wichtig? Im Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel, hat Gott versprochen, für uns Menschen den Tod zu besiegen, den wir damals über die Welt gebracht haben. Das Neue Testament ist die Erfüllung dieses Versprechens.

Gott verspricht im Alten Testament je nach Zählung über einhundertzehn bis einhundertsiebzig Mal, den versprochenen Retter der Welt zu schicken. Dieser Retter wird das Böse und das Leid in der Welt in sich aufsaugen wie ein Schwamm, bis er darin stirbt. Er verspricht auch, dass er ihn danach auferwecken und ihm die Macht über die Erde geben wird. Und genau das tut Gott.

Deshalb schreibt Paulus im ersten Thessalonicherbrief: „Er, der euch ruft, Gott, der ist treu. Was er versprochen hat, wird er euch tun.“

Drittens sagt Ostern dir, wer du bist. Die Auferstehung hat etwas mit dir zu tun. Tritt doch mal einen Schritt zurück und schau dir das große Ganze an. Wenn es die Auferstehung wirklich gegeben hat – wirklich –, dann hat Jesus das Sagen. Dann hat er die letzte Autorität und das letzte Wort in allem.

Wenn mein Wort oder dein Wort gegen das Wort Jesu steht, dann wird Jesus am Ende Recht behalten. Was Jesus sagt, das stimmt. Und das Wahrste ist dann, was Jesus sagt. Auch das Wahrste über dich ist, was Jesus über dich sagt. Es ist nicht entscheidend, was andere sagen. Es ist nicht wichtig, was du dir hast einreden lassen. Es zählt nicht, was du vielleicht fühlst, wenn das, was du fühlst, einfach nicht stimmt.

Die Wahrheit über dich ist, was Jesus über dich sagt. Und was sagt Jesus über dich? Oh Mann, die halbe Bibel ist der Liebesbrief von Gott an dich. Die gesamte Menschheitsgeschichte – von der Sintflut über Jesus bis zum Ende der Welt – ist Gottes Liebeserklärung an dich.

Ob du dich heute Morgen hier aus Zufall verlaufen hast oder schon seit Jahrzehnten in dieser Gemeinde bist: Dein ganzes Leben hat dich hierhin geführt, damit du jetzt heute diesen Satz hörst: Gott liebt dich. Es ist einfach kein Zufall, dass es dich gibt und dass du heute Morgen hier bist. Für keinen von uns weiß...

Der Wert von Jesu Opfer und die Einladung zum Glauben

Ein vorletztes Gedankenexperiment: Der Wert von Dingen wird dadurch bestimmt, was jemand bereit ist, dafür zu geben. Stell dir vor, du hast ein Paar gut erhaltene Rollschuhe und stellst sie auf eBay ein. Du denkst, sie sind vielleicht so um die zehn Euro wert. Doch dann bieten mehrere hundert Leute auf deine eBay-Seite mit, und am Ende bekommst du vierzig Euro für deine Rollschuhe.

Tja, dann hast du dich wohl geirrt, und die Rollschuhe waren in Wahrheit vierzig Euro wert. Denn das ist es, was Leute tatsächlich dafür geben.

Was hat Jesus tatsächlich gegeben? Sich selbst, sein Leben, für deins. Er hat getauscht. In der Passionsgeschichte finde ich persönlich den Moment besonders bewegend, in dem Barabbas, der Terrorist und Anführer der Zeloten, freigelassen wird, und Jesus dessen Stelle einnimmt. Das ist für mich einer der bewegendsten Augenblicke, weil Jesus hier zum ersten Mal ganz konkret sein Leben für das eines anderen eintauscht.

Und da könnten wir stehen. Jesus hat getauscht. Er wollte lieber über Stunden nackt bei Minusgraden zu Tode gefoltert werden und mit aufgerissenen Nervenenden ersticken, als eine Minute der Ewigkeit ohne dich zu verbringen.

Deshalb hör gut zu: Selbst wenn du der einzige Mensch auf der Welt wärst, dann wäre Jesus auch nur für dich gestorben. Und das ist die Wahrheit. Also merke dir das.

Ein letzter Gedanke: Ostern ist zum Weitererzählen. Ostern ist, wenn du kurz darüber nachdenkst, eigentlich nicht für Christen, sondern für Nichtchristen. Jesus sagt dazu in Markus 2 und Lukas 5: „Ich bin nicht in die Welt gekommen für die Gerechten, sondern ich werde sterben für die, die Versöhnung mit Gott nötig haben.“ Also für die, die sonst beim Jüngsten Gericht chancenlos sind.

Weißt du, wenn es kein kommendes Gericht geben würde, dann bräuchte es weder Golgatha noch das leere Grab. So ist es auch bei uns. Wenn du kurz darüber nachdenkst, wird eigentlich niemand als Christ geboren – das geht ja gar nicht. Deshalb gibt es ja Bekehrung, und deshalb gibt es ja Taufe.

Paulus schreibt dazu: Wenn du ehrlich aussprechen kannst, dass Jesus der Herr über alles ist und in deinem Herzen darauf baust, dass Gott Jesus tatsächlich von den Toten auferweckt hat, dann wirst du auch gerettet werden.

Jesus ist für jeden von uns gestorben, als wir noch nicht bekehrt waren, als wir noch nicht umgekehrt waren, vor unserer Taufe, bevor wir Christen waren. Paulus schreibt dazu: „Durch den Tod seines Sohnes hat Gott uns versöhnt, als wir noch Gottes Feinde waren.“ Das hat er nicht für die Leute gemacht, die schon im Club drin waren, sondern für die, die draußen sind.

Schlusswort und Segen

Was heißt das?

Mit eurer Erlaubnis möchte ich mit einer kleinen Selbstkritik schließen. Wir Christen – ich ertappe mich selbst dabei zehnmal am Tag – sind häufig so schnell dabei, uns nur um uns selbst zu drehen. Dabei vergessen wir, dass es auch Menschen da draußen gibt, die nicht gerettet sind.

So ist es auch bei Ostern, auf den Punkt gebracht: Ostern ist keine innenpolitische Angelegenheit. Ostern ist keine christliche Familienfeier, die wir im inneren Zirkel hinter verschlossenen Türen feiern. Und ja, wir passen auf, dass der Nachbar bloß nichts davon mitbekommt oder so. Das geht völlig an dem vorbei, worum es wirklich geht.

Ostern und die Auferstehung waren und sind schon immer für Nichtchristen. Der auferstandene Jesus sagt selbst dazu: „Geht und macht alle Menschen zu meinen Nachfolgern.“ An anderer Stelle sagt er: „Passt mal gut auf die Reihenfolge auf: Ihr sollt meine Zeugen sein – durch ganz Jerusalem, ganz Judäa, Samaria bis ans Ende der Erde.“ Das sagt er zu Leuten, die in Jerusalem sind. So würde er uns heute sagen: Ihr sollt meine Zeugen sein, ihr sollt da anfangen, wo ihr seid.

Deshalb möchte ich uns das Schlusswort von Paulus aus dem ersten Timotheusbrief weitergeben, das die biblische Osterbotschaft auf den Punkt bringt:

„Und so ist es nun, dass ihr alle jetzt auf den Sohn Gottes wartet, auf Jesus, den Gott von den Toten auferweckt hat und der für alle sichtbar vom Himmel wiederkommen wird. Jesus allein rettet uns vor Gottes Zorn im kommenden Gericht. Amen.“

Ihr Lieben, ich möchte uns den Segen zusprechen. Wer kann, dem lade ich ein, dazu aufzustehen.

Aus dem 13. Kapitel des Hebräerbriefs:

„Möge Gott, von dem aller Friede kommt, euch helfen, in jeder Hinsicht das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde. Ihn hat er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht. Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Ihm gebührt alle Ehre in Ewigkeit. Amen.“

Ich wünsche euch eine gesegnete Osterwoche.