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Der Schöpfer 2/3

16.04.2010
Serie•Teil 3 / 10Wie ist Gott?
Gott ist nicht einfach „irgendwie größer“ – er sprengt unser Denken: ohne Anfang, ohne Ende, nicht greifbar und doch nah. Die Frage ist nicht, ob du ihn kontrollieren kannst, sondern ob du dich auf ihn einlässt.
Wir stehen für alle, die vielleicht heute Abend zum ersten Mal da sind, in einer Reihe mit dem Titel: Wie oder wer ist Gott?
Wir werden uns also insgesamt in zehn Vorträgen darüber unterhalten, was die Bibel über Gott sagt. Das ist so ein Thema, bei dem man vielleicht erst einmal stutzt, nach dem Motto: Gott, da weiß ich doch irgendwie schon alles.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Vorträge halten kann, weil das genau die Art von Vorträgen ist, die ich immer schon einmal machen wollte. Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt. Man ist dann irgendwie jemand, der regelmäßig Vorträge hält, und das Korsett dessen, was man sagen muss, ist immer relativ eng. Und dann macht man einmal so einen Vorschlag: Ich würde gern über Gott reden. Und dann sagt eine Gemeinde: Ja klar, kannst du machen, ist überhaupt kein Thema. Und dann atmet man natürlich auf und denkt: Herrlich. Und man sieht vor seinem Bücherschrank schon die Bücher, die man rausholen muss, und weiß, wo man nacharbeiten muss.
Und wenn jetzt jemand sagt: Was für ein Spinner, das bin ich. Ich genieße so etwas schon im Vorfeld.
Wir stecken also in der Reihe über Gott. Vortrag Nummer drei: Gott der Schöpfer. Das ist so ein Oberthema über die Vorträge zwei, drei und vier: Gott der Schöpfer, zweiter Teil.
Letztes Mal, im ersten Teil von „Gott der Schöpfer“, ging es mir darum, darüber zu reden, dass Gott aus dem Nichts eine Welt erschafft, ganz aus freien Stücken, eine sichtbare und eine unsichtbare Welt. Und ich habe versucht, euch deutlich zu machen, dass Materie deshalb etwas Gutes ist, weil Gott sie gemacht hat. Dass sie etwas Reales ist. Dass diese Welt von Gott abhängig ist.
Deshalb gibt es zum Beispiel Naturgesetze. Deswegen hat das Leben des Menschen einen Sinn. Deswegen hat Geschichte überhaupt ein Ziel. Und dann haben wir uns darüber Gedanken gemacht, dass Gott als Schöpfer unsere Anbetung verdient. Wenn Gott der ist, der alles gemacht hat, dann verdient er, weil er der Schöpfer ist und wir die Geschöpfe sind, unsere uneingeschränkte Anbetung und unseren Gehorsam.
Denn er ist derjenige, dem alles untersteht, für den alles ist. Und er hat auch das Recht, die moralischen Spielregeln festzulegen, also das, was erlaubt ist und das, was verboten ist. Es ist einfach seine Welt, und er darf uns das sagen.
Das war letztes Mal.

Der Blick auf Gottes Andersartigkeit

Heute, also der Titel heißt Transzendenz und Unendlichkeit, hört sich viel schlimmer an, als es dann wirklich sein wird. Noch einmal einen Blick zurück, sich hinstellen und sagen: Gott hat diese Welt geschaffen, Gott ist der Schöpfer, und diese Welt ist seine Schöpfung. Das ist zwar in meinen Augen die biblische Sicht auf die Dinge, aber das wird so auch in vielen christlichen Kreisen in Deutschland heute leider nicht mehr gepredigt.
Was heute in aller Munde ist, heißt Evolution. Die Evolution hat alles gemacht. Und wenn man ein bisschen Zeitschriften liest, Nachrichten schaut, Filme schaut oder Reportagen mitbekommt, dann werden die Menschen, die sich hinstellen und sagen: Ich glaube an einen Schöpfergott, häufig lächerlich gemacht.
Und immer, wenn ich so etwas mitkriege, dann ärgere ich mich. Ich ärgere mich aus zwei Gründen. Einmal, weil ich Christ bin und einfach nicht gerne lächerlich gemacht werde. Und zum Zweiten, das liegt jetzt an mir: Ich habe in meinem Leben eine Vorgeschichte. Also bevor ich in den Gemeindedienst eingestiegen bin, habe ich Biochemie studiert. Das heißt, ich bin auch noch Naturwissenschaftler. Und ich kriege dann diese Fakten präsentiert, die man mir entgegenwirft, um mir zu zeigen, wie blöd es ist, an einen Schöpfergott zu glauben. Ich schaue mir die an, und ich muss sagen, dass sogar die naturwissenschaftlichen Fakten, die man vorbringt, oft falsch, mindestens jedoch verkürzt dargestellt werden und dass das sehr einseitige Berichte sind, die man dann auf den Tisch legt.
Ich möchte nicht hier vorne stehen und sagen, dass ich als Christ oder wir als Christen auf alle Fragen der Entstehung des Lebens eine Antwort haben. Das stimmt nicht. Aber diese Antwort hat im Moment niemand. Auch das, was uns an Theorien verkauft wird und als gesichert verkauft wird, steht, wenn man ein bisschen dahinter schaut, wenn man ein bisschen nachgräbt, auf sehr tönernen Füßen. Und deswegen will ich euch Mut machen von hier vorn und sagen: Wir sind keine Dummköpfe, wenn wir an einen Schöpfergott glauben. Wir sind in gewisser Hinsicht sogar die Einzigen, die auf die Frage nach dem Woher und nach dem Wohin der Welt eine sinnvolle Antwort haben.
Es ist logisch und richtig, wenn wir in einem intelligent geordneten Universum an einen intelligenten Schöpfer glauben, der diese Welt gemacht hat, um sich selber zu präsentieren. Und wenn jemand sagt: Jürgen, ja, aber ich bräuchte noch ein bisschen mehr Hintergrundinformation, dann habe ich euch zwei Bücher zu diesem ganzen Komplex mitgebracht: ein leichtes und ein schweres.
Das leichte ist Eheurlaubslektüre von Familie Fischer, vorletztes Jahr, glaube ich, Reinhard Juncker: Leben, woher? Das Spannungsfeld Schöpfung, Evolution. Ich finde das Buch sehr gut gemacht, ich finde es sehr fair, sehr interessant, und für Einsteiger ist Leben, woher? wirklich lesenswert.
Und wenn du einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hast, gut Englisch kannst und Lust hast, Naturwissenschaft an der Grenze zur Philosophie zu betreiben, dann rate ich dir zu einem anderen Buch: The Wonder of the World von einem Herrn, ich weiß gar nicht, wie man ihn ausspricht, Roy Abraham Varghese mit gh. Das ist tief, das ist naturwissenschaftlich, und das ist absolut der Hammer. Aber wie gesagt, du solltest einen guten naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, ziemlich gut Englisch können und vor philosophischen Gedankengängen nicht zurückschrecken, dann ist das wirklich ein umwerfendes Buch.
Es ist so umwerfend, wer bei der Geburtstagsfeier von Jörg da war, da hat Philipp von hier vorne etwas vorgestellt, dass es einen Philosophen gab, der am Ende seines Lebens noch einmal seine Meinung geändert hat. Das ist das Buch, was Anthony Flew, einen der führenden materialistischen Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts, zum Umdenken gebracht hat. Du brauchst ein bisschen Zeit, du kannst es nicht herunterlesen, eher etwas für den Urlaub, nichts fürs Klo, aber ansonsten wirklich brillant.
Zwei Bücher also, wenn du sagst, die Sache mit der Evolution, da hätte ich gerne ein bisschen mehr Information, oder ich würde zumindest mal das gesamte Feld sehen, so ein bisschen die gesamte Spannbreite entdecken.

Die Größe Gottes in Sprache und Bild

So, Thema heute: Transzendenz und Unendlichkeit. Thema eins: Transzendenz.
Transzendenz, das Wort kommt aus dem Lateinischen transcendere, also übersteigen. Gott ist als der Schöpfer derjenige, der ganz anders ist. Er überfordert unser Denken und uns als Menschen einfach mit seinem Wesen.
Und das fängt schon damit an, wenn ich die Frage stelle: Worin unterscheidet sich Gott von der ganzen Schöpfung? 1. Timotheus 6,15-16. Da beschreibt Paulus das so: Gott, der wird zu seiner Zeit, nein, die wird zu seiner Zeit, der selige und alleinige Machthaber zeigen, der König der Könige und Herr der Herren. Jetzt kommt’s: der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht bewohnt.
Gott allein hat Unsterblichkeit. Das können wir uns irgendwie gar nicht vorstellen. Gott kennt keine Vergänglichkeit. Er ist ewig. Er ist, was sein Wesen angeht, vergebt mir heute drei Fremdwörter, ontologisch ewig. Das Fremdwort ist also: Sein Kern, sein Wesen, ist einfach ewig.
Wir wissen aus Johannes 4,24, das ist das Gespräch, das Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen hat. Da sagt Jesus: Gott ist Geist. Und man könnte im ersten Moment denken: Ja, aber wir sind doch auch irgendwie Geist. Ja, das stimmt. Der Mensch ist auch Geist, zumindest teilweise. Und es gibt eine Welt der Geister, zum Beispiel sind die Engel Geistwesen.
Und jetzt sagt Jesus über Gott: Gott ist Geist. Aber Gott unterscheidet sich als Geist ganz grundlegend von uns oder den Engeln dadurch, dass er ohne Anfang und ohne Ende ist. Er ist, vergebt mir dieses komische Wort, aber mir ist nichts Besseres eingefallen, ungeschaffener Geist. Ja, das sagt man so nicht. Das darf man auch nur in einem Vortrag sagen, nicht am Sonntag in der Predigt. Aber das ist Gott: Er ist ein ungeschaffener Geist.
Und es gibt eine unglaubliche Kluft zwischen dem Schöpfer auf der einen Seite und der Schöpfung mit den Geschöpfen auf der anderen Seite. Um diese Kluft zum Ausdruck zu bringen, verwendet die Bibel einen Begriff, und dieser Begriff heißt Heiligkeit.
 Hosea 11,9. Da sagt der Prophet, beziehungsweise Gott spricht: Denn Gott bin ich und nicht ein Mensch in deiner Mitte, der Heilige. Er sagt: Gott, ich bin kein Mensch. Und jetzt beschreibt er die Kluft, und er sagt: Ich bin der Heilige.
 Psalm 99,3 und Vers 5, da heißt es immer: Heilig ist er. Der Mensch, der Gott begegnet und zum Ausdruck bringen will, wie andersartig Gott ist, der sagt: Gott ist heilig.
Und ein Blick in den Himmel, Jesaja 6,3: Da stehen die Seraphim am Thron, und was sagen sie? Heilig, heilig, heilig. Dieser Begriff heilig bezeichnet die Andersartigkeit Gottes. Er ist einfach der ganz Andere.
Und auch wenn in dieser Welt etwas als heilig bezeichnet wird, wir haben das im Alten Testament zum Beispiel: Da ist die Stiftshütte und die Geräte der Stiftshütte und der Tempel. Aber wir haben es auch im Neuen Testament: Die Gemeinde wird als eine heilige Priesterschaft bezeichnet. Dann wird damit zum Ausdruck gebracht: Ich nehme etwas und stelle es Gott zur Verfügung. Ein heiliger Tempel ist ein Tempel, der Gott zur Verfügung gestellt wird, der quasi in diese Sphäre der Göttlichkeit, der Andersartigkeit, hineingestellt wird. Es ist für Gott, es ist nicht mehr für die Schöpfung, nicht mehr für diese Welt.
Und wenn wir sagen, dass Gott heilig ist, dann meinen wir damit, dass Gott mit Sünde nichts zu schaffen hat. Er ist charakterlich betrachtet absolut gerecht. Er ist absolut rein, er ist absolut aufrichtig. Das meinen wir, wenn wir sagen: Gott ist heilig.
 2. Mose 15,11. Mose singt ein Lied, 2. Mose 15,11: Wer ist dir gleich unter den Göttern, o Herr, wer ist dir gleich in Heiligkeit, herrlich so herrlich in Heiligkeit? Gott stellt sich dar, Mose bekommt das mit, und er packt das in ein Lied. Und das, was er empfindet, hört sich so an.
In der Offenbarung 15,4, um einfach am anderen Ende der Bibel nochmals eine Bibelstelle herauszunehmen, damit wir merken: Dieses Thema zieht sich einfach vom Anfang bis zum Ende durch. Offenbarung 15,4: Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein bist heilig, du allein bist heilig!
Und 1. Samuel 2,2, der gleiche Gedanke noch einmal. 1. Samuel 2,2: Keiner ist so heilig wie der Herr, denn außer dir ist keiner, und kein Fels ist wie unser Gott.
Wir wollen die Kluft darstellen, wir wollen sagen: Gott ist anders. Und wir können das so ausdrücken: Gott ist heilig.

Zwischen Himmelssprache und Wirklichkeit

Und jetzt treffen Menschen auf diesen heiligen Gott, und sie stellen sich die Frage: Wie kann ich beschreiben, wie kann ich mit menschlichen Worten zum Ausdruck bringen, dass Gott ganz anders ist? Sie fangen an, in der Bibel eine ganz besondere Sprache zu verwenden. Sie nennen Gott dann den Gott der Höhe, den Hohen und Erhabenen, den, der in der Höhe wohnt, oder noch etwas weiter gefasst den Höchsten. Oder den, dessen Thron im Himmel sitzt. Das habt ihr alle schon gelesen, denke ich.
Und man kann sich die Frage stellen: Darf man das wörtlich verstehen? Dachten die wirklich, er wohnt da oben? Und die Antwort lautet natürlich: Nein, die Leute sind nicht dumm. Aber sie stehen vor der Frage: Wie kann ich zum Ausdruck bringen, dass ich mit einem Gott zu tun habe, der so anders ist?
Warum benutzen Menschen Begriffe wie „der Höchste“, „der oben wohnt“ oder „der im Himmel wohnt“? Ich meine, vielleicht betet ihr ja auch manchmal: „Vater unser, der du bist im Himmel.“ Und ich weiß nicht, dann werdet ihr kaum denken: Stratosphäre, dreißig Kilometer über dem Erdboden, da wohnt Gott. Das ist Quatsch. Und trotzdem verwenden wir diese Begrifflichkeit. Warum?
Ich glaube, es hat zwei Gründe. Zum einen: Wenn man über Gott nachdenkt, dann ist es fast unmöglich, nicht auch darüber nachzudenken, wo er denn ist. Wenn wir über eine andere Person nachdenken, dann müssen wir sie irgendwie zumindest ein Stück weit in Gedanken verorten. Wir wissen natürlich, das ist Quatsch, aber so halb muss man es doch ein Stückchen versuchen zu lokalisieren.
Und der zweite Grund ist: Es gibt eine Tendenz im Denken, Höhe auch damit zu verbinden, dass jemand einen höheren Wert besitzt oder mehr Macht hat. Wir würden immer sagen: Ein General steht in der Hierarchie oben. Warum sagen wir denn, dass er oben steht? Vielleicht steht er auf Seite eins in der Beschreibung, oder vielleicht steht er in der Beschreibung sogar weiter hinten. Aber wir sagen, er steht oben, und wir meinen damit: Er hat Macht, er hat Einfluss.
Und wenn wir jetzt über Gott reden oder wenn die Menschen der Bibel über Gott gesprochen haben, dann haben sie sich überlegt: Was ist so das Höchste, was ich mir vorstellen kann? Na ja, wenn ich hier auf der Erde sitze und hoch schaue, dann sehe ich das Dach von meinem Haus, das ist schon hoch. Und dann sehe ich vielleicht einen Baum, der ist ein bisschen höher. Und dann schaue ich noch ein bisschen weiter hoch, und dann sehe ich da oben den Himmel. Und dann sage ich: Gott ist der Höchste. Gott ist der, der oben wohnt. Der hohe Gott wohnt im Himmel.
Und in dem Moment, wo Sie das sagen, sind Sie sich völlig darüber im Klaren, dass das nur ein Bild ist und nicht die Realität.
Schlagt auf 1. Könige 8. Salomo weiht den Tempel ein. 1. Könige 8,27. Salomo weiht den Tempel ein, und dann sagt er: Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.
Salomo ist sich völlig darüber im Klaren, dass die Idee, dass Gott irgendwo wohnt, dass irgendein Raum groß genug wäre, um Gott zu fassen, völliger Quatsch ist. Schon gar nicht so ein kleiner Tempel. Und dann formuliert er ein paar Verse später, in Vers 30, trotzdem: Und höre auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, das sie zu dieser Stätte hinrichten werden; du selbst mögest es hören an der Stätte, wo du thronst, im Himmel; ja, höre und vergib.
Merkt ihr die Spannung? Auf der einen Seite sagt er: Gott wohnt nicht, oder der Himmel kann ihn sowieso nicht fassen. Es ist völliger Quatsch zu sagen, Gott wohnt irgendwo. Aber dann muss er im Gebet irgendwie zum Ausdruck bringen, dass Gott der Höchste ist, und er verwendet die Begrifflichkeit, die das am besten zum Ausdruck bringt, indem er sagt: Du, der du im Himmel thronst, höre und vergib.
Und deswegen können wir beten: Vater unser, der du bist im Himmel, ohne uns lächerlich zu machen. Weil wir genau wissen: Wir sind ja nicht im Kindergottesdienst, wo man Gott dann oben einmal verortet. Wir wissen genau, was wir damit meinen. Wir meinen: Vater unser, der du der Größte bist, der Höchste bist.
Und ich glaube, wenn sich jemand lächerlich macht, dann vielleicht so jemand wie Juri Gagarin, der erste Kosmonaut, der dann wiederkommt und sagt: Ich war oben, er war nicht da. Und ich denke mir: Ja, das ist dieses Klein-Karierte, dieses Nicht-von-einer-Realität-unterscheiden-Können.
Gott ist, wird das gesagt, ungeschaffener Geist. Und damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass Gott für sich eine eigene Dimension darstellt. Gott durchdringt mit seinem Wesen die ganze Schöpfung. Paulus kann in Apostelgeschichte 17,27 sagen: Er ist nicht fern von jedem von uns.
Ich will es noch einmal wiederholen: Es gibt eine sichtbare Seite der Schöpfung, ja, das ist sichtbar, kann man anfassen. Es gibt eine unsichtbare Seite, das ist die Welt der Engel beziehungsweise der Teil, wo unser Geist hingehört. Und es gibt eine dritte Dimension. Es ist die Dimension Gottes. 1. Timotheus 6,16 drückt Paulus das so aus, dass Gott der ist, der in einem unzugänglichen Licht wohnt.
Paulus versucht das irgendwie klarzumachen, dass Gott an einer Stelle zuhause ist, lokalisiert werden muss, in einer Dimension wohnt, die für uns einfach nicht mehr begreifbar ist. Unzugängliches Licht müssen wir nicht begreifen. Gott ist Geist. Gott ist der ganz Andere. Gott steht hier, und die Schöpfung steht hier. Und so ein ganz kleines bisschen schauen wir manchmal so darüber und versuchen mit menschlichen Begriffen wie Höhe, heilig ein bisschen zu beschreiben, was wir von Gott so mitkriegen. Und an der Stelle müssen wir dann auch aufhören.
Wenn wir sagen, dass Gott Geist ist, dann sagen wir: Gott ist nicht materiell. Er kann von uns, solange er sich nicht sichtbar macht, materialisiert, auch gar nicht gesehen werden. Und wir müssen uns davor hüten, zu denken, dass Gott einen Körper hat.
Könnte jemand sagen: Ja, aber was ist dann mit den ganzen Bibelstellen im Alten Testament, wo steht, dass Gott ein Angesicht hat oder Ohren hat oder einen Arm, Hände, Füße? Was machen wir damit? Klingt das nicht danach, als hätte Gott einen Körper?
Zwei Dinge dazu. Erstens: Ja, es stimmt. Manchmal macht Gott sich sichtbar. Er begegnet Menschen. Er nimmt, wenn er Menschen begegnet, sehr oft die Gestalt eines Menschen an. Ist auch irgendwo logisch, weil er ja mit den Menschen reden möchte. Und stell dir mal vor, Gott würde zu dir reden wollen, und er materialisiert sich als 25 Tonnen schwerer, zehn Meter großer, feuerspeiender Drache. Dann würdest du weglaufen. Also ist es schon sinnvoll, dass, wenn Gott mit Menschen reden will, er als Mensch daherkommt und vielleicht nicht als der furchterregendste Mensch, den es auf der Erde gibt.
Das ist ein Grund, warum Menschen, wenn sie von Gott reden, schnell dahin kommen: Es geht ja um Kommunikation. Sie verbinden ihn mit einem Menschen. Aber die Art und Weise, wie Gott sich da präsentiert, das ist nicht seine wahre Form, sondern das ist nur die Form, die er annimmt, um Menschen zu begegnen. Er macht das manchmal auch anders. Da gibt es dann auch so Episoden, wo Gott als Feuersäule auftaucht oder schon mal durch einen Esel spricht. Also: Gott muss das nicht machen.
Zweitens: Wenn man Gott Körperteile zuordnet, dann stehen diese Körperteile für bestimmte Handlungen. Sie sind ein Bild für bestimmte Handlungen oder Haltungen, die Gott einnimmt. Beispiel: Wenn man davon spricht, dass Gottes Angesicht mit jemandem ist oder dass jemand Gottes Angesicht begegnet, dann will ich zum Ausdruck bringen, dass Gottes Gegenwart und Gottes Wohlwollen mit demjenigen ist.
Wenn man in der Bibel davon liest, dass Gott Augen und Ohren hat, dann heißt das: Gott kann sehen, hören, Gott weiß, was Sache ist. Wenn man davon liest, dass Rauch aus seiner Nase aufsteigt, Psalm 18,8, was ist damit gemeint? Dass er zornig ist. Es sind Bilder.
Da gibt es ein schönes Bild mit den Flügeln, kennt ihr das ja: dass Gott uns unter seinen Flügeln sammelt, ja wie so eine Henne ihre Küken. Gott hat keine Flügel, aber wenn ich zum Ausdruck bringen will, dass Gott ein Gott ist, der mich beschützt, zu dem ich mich jederzeit fliehen kann, ja, und ich wachse vielleicht nicht in der Stadt auf, sondern auf dem Land, wo ich schon mal gesehen habe, was passiert, wenn diese kleinen Küken da so durcheinander rennen und dann passiert irgendetwas, irgendein komisches Geräusch, und sie kriegen Angst: Wo ist Mama hin? Das will ich zum Ausdruck bringen durch dieses Bild Flügel. Und ich kann mich unter den Flügeln Gottes bergen. Er ist ein Schutz.
Also überall da, wo Körperteile Gott zugesprochen werden, geht es nicht darum, dass wir anfangen und überlegen: Mann, Mann, Mann, also Gott ist schon Ohren, Augen, Flügel, Arme, Beine, Füße. Sondern es sind Bilder. Es sind Bilder für Handlungen und Haltungen. Gott ist Geist, Gott hat keinen Körper, und Gott ist unsichtbar. 1. Timotheus 1,17: Dem König der Zeitalter aber, dem unverweslichen, unsichtbaren Gott.
Es wird immer wieder in der Bibel betont: Ich kann Gott nicht sehen. Es geht sogar so weit, dass 1. Timotheus 6,16 steht: der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann. Spannend.
Und man liest das so, und eigentlich müsste jetzt sofort die Frage kommen: Stopp! Also mindestens im Alten Testament gab es doch Leute, die Gott gesehen haben? 1. Mose 32 zum Beispiel, Jakob nach der Geschichte am Pnuel, wo er mit Gott ringt. Oder mittendrin, sagt er da nicht was zu dem Thema Gott sehen? 1. Mose 32,31: Und Jakob gab der Stätte den Namen Pnuel; denn ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden.
Also auf der einen Seite lesen wir: Niemand kann Gott sehen, und es ist logisch, weil Gott ist Geist, Gott hat keinen Körper, er ist unsichtbar. Und auf der anderen Seite, und wir wollen jetzt mal Jakob nicht unterstellen, dass er lügt, sagt er: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen.
An anderer Stelle, in Richter 13,22, nur um noch eine zweite Stelle zu bringen, die Eltern von Simson sind das, da heißt es dann: Und Manoach sagte zu seiner Frau: Ganz sicher müssen wir jetzt sterben, denn wir haben Gott gesehen. Ja, der ist wirklich betroffen. Der denkt sich: Jetzt ist vorbei. Wir haben Gott gesehen. Oder: Game over.
Hm, was machen wir damit? Wenn Gott erscheint, zweites Fremdwort, dann ist das eine Theophanie, eine Gotteserscheinung. Und das ist die einzige Form, in der Menschen Gott sehen können. Mehr geht nicht. Gott in seiner ganzen Göttlichkeit, jetzt mal Gott als richtig Gott, das geht nicht. Das heißt, Gott muss sich irgendwie in einer Form präsentieren, die wir gerade noch ertragen können.
Da begegnen wir 2. Mose 33. Mose, und von ihm heißt es, der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht. Das scheint so eine Theophanie gewesen zu sein, in dem Fall eine Wolkensäule, und aus der Wolkensäule heraus redet Gott zu Mose. Und weil Mose das mitbekommt, hat Mose einen Wunsch auf dem Herzen. Und ich mag dieses Kapitel 33 sehr, weil das so hin und her geht, das ist wirklich wie zwei Freunde, die nicht ganz gleich sind, aber die so miteinander handeln. Und irgendwann rutscht es dem Mose dann raus, was er eigentlich will. Und da sagt er dann: Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen. Das ist 2. Mose 33,18. Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen, nicht nur diese Wolkensäule, das ist auch schon ganz nett, aber ich würde mal gerne so richtig dich erleben.
Und Gott antwortet dann in 2. Mose 33,20 mit einem Prinzip: Dann sprach er: Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. Und was dann passiert, ist typisch Gott. Natürlich, weil Mose sein Freund ist. Er gewährt ihm das, was gerade noch geht. Also: Ich nehme Mose, stecke ihn in eine Felsspalte, halte die Hand drauf, gehe vorbei, und dann darf Mose gerade noch so das Nachglühen der Herrlichkeit Gottes sehen. Und das war es dann aber auch. Mehr geht definitiv nicht.
Die Frage lautet: War das im Paradies anders? Ich glaube persönlich, dass es im Paradies auch nicht anders war, und ich glaube auch, dass es in der Ewigkeit nicht anders sein wird. Ich denke, dass wir die Kluft Geschöpf-Schöpfer in einem absoluten Sinn nie überwinden werden. Wir werden immer Gott begegnen in einer Form, wie er sich uns mitteilt, wie er sich uns offenbart, auf eine Weise, die wir ertragen können. Geschöpflichkeit ist von der Art und Weise, wie ich etwas aufnehme, wie ich etwas verarbeiten kann. Ich habe ja immer irgendeine Form von Körper, irgendeine Art von Sinneswahrnehmung. Nur in dieser Form kann sich Gott mir mitteilen.
Die Kluft Geschöpf-Schöpfer, so dass wir irgendwann sagen könnten: Wir sind Götter und könnten ihn ganz erfassen, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass 1. Timotheus 6,16 wirklich gilt: Gott in seiner ganzen Herrlichkeit, in seiner ganzen Göttlichkeit, in seiner ganzen transzendenten Andersartigkeit werden wir als Menschen nie erfassen. Was ein Stückchen auch bedeutet: Wir werden eine Ewigkeit lang immer wieder neu Gott kennenlernen können. Immer wieder neue Eindrücke von Gott gewinnen können. Gott wird nie wirklich langweilig, im Sinne von: Jetzt habe ich ihn. Das wird nie passieren.
Hm, das ist aber schade, dass Gott keinen Körper hat, das wäre irgendwie nett gewesen. Okay, das verstehe ich: Gott ist Geist, er ist unsichtbar, er hat keinen Körper. Wenn wir etwas von ihm sehen, ist das eigentlich nicht wirklich, sondern es ist nur so eine Form, in der er uns erscheint. Aber was heißt es eigentlich, dass Gott Geist ist?
Und in der Bibel wird Geist immer mit Leben assoziiert. Man kann fast sagen: Wo Geist drin ist, da ist Leben und Persönlichkeit drin. Und deswegen heißt es von Gott, dass er der lebendige Gott ist. Und in dem Psalm, das ist Psalm 18,47, da sagt der Psalmist: Gott lebt. Und man denkt sich: Ist aber, ja okay, Gott lebt. Was heißt das denn, dass Gott Leben und Persönlichkeit hat?
Kleiner Einschub: Es gibt in der Bibel keinen unpersönlichen Geist. Also wir sind nicht in den asiatischen Religionen, wo man so einem unpersönlichen Geist begegnen kann, dem man sich irgendwie dadurch annähert, dass man seinen eigenen Geist ausschaltet, indem man am besten in ein stumpfes, gedankenloses Meditieren abgleitet. Die Bibel ist das genaue Gegenstück. Gott stellt sich vor als eine Persönlichkeit, als ein denkendes Wesen mit Wissen, als jemand, der Weisheit und Verstand hat, als jemand, der seiner selbst bewusst ist, der über sich selber reflektiert.
Wenn Mose ihn fragt: Wie heißt du denn?, dann sagt er nicht: Oh, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Eine gute Frage, wirklich eine gute Frage. Sondern Gott sagt: Ich bin Yahweh, ich bin, übersetzt: der Ich bin. Der Name ist vielleicht ein bisschen komisch, da muss man ein bisschen drüber nachdenken, aber Gott weiß, wer er ist. Gott hat einen Willen, Gott ist fähig zu Beziehungen, und das wird schon daran deutlich, dass die Bibel sagt: Gott ist Liebe.
Ja, wenn man sagt, Gott ist Liebe, dann heißt das nicht, Gott ist liebevoll, das ist er auch. Aber er ist Liebe. Um Liebe sein zu können, muss Gott in sich die Fähigkeit tragen, und das geht nur durch das Konzept der Dreieinigkeit, dass da verschiedene Teile sind, die einander lieben, weil Liebe nämlich immer das ist, was zwischen einzelnen Personen ausgetauscht wird.
Und weil Gott all das ist, eine Person mit Weisheit, Willen, Verstand, mit der Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, deswegen ist Christsein das, was es ist: eine Religion, in der der Verstand nicht ausgeschaltet wird, sondern eine Religion, die auf Kommunikation hin angelegt ist, wo wir, wenn wir reifer werden im Glauben, in der Erkenntnis Gottes wachsen, wo wir fähiger werden, ihm mit unseren Worten und Gebeten zu sagen, was wir für ihn empfinden.
Sowie manche Leute mögen meine Beispiele nicht, und meine Frau sagt, ich soll irgendwann mal neue finden, hat mich jetzt gerade am Montag ein bisschen angemeckert, dass ich immer die gleichen Beispiele erzähle. Na ja, aber ich weiß kein besseres Beispiel, als zu sagen: Eine reife Ehe, eine Ehe, wo Leute schon ein Weilchen zusammenleben, zeichnet sich doch dadurch aus, dass ich den anderen kenne, dass ich nicht mehr so oft überrascht bin, so nach dem Motto: Oh, das magst du? Hätte ich nicht gedacht. Irgendwann muss ich doch mal verstehen, wie der andere so tickt.
Und natürlich ist das ein billiges Beispiel. Logisch, ja, ich werde nie meine Frau durchschauen, und sie mich wahrscheinlich auch nicht. Aber wir nähern uns so ein Stück an, und wir stellen fest: So tickt der andere. Und ähnlich, das ist ein Bild. Interessanterweise ist die Ehe ein Bild, was auch die Bibel gebraucht für die Beziehung zu Gott, Gemeinde, Gott. Es ist ein Bild, was man auf Gott übertragen kann.
Wir kommen über die Jahre, wenn wir uns mit Gott beschäftigen, zu einer bewussteren und tieferen Beziehung zu Gott. Und ich hoffe, dass wir, wenn wir angefangen haben mit so kleinen Kindergebeten am Anfang unseres Glaubens, so nach dem Motto: Herr, mach alle Menschen gesund, dass wir irgendwann an den Punkt kommen zu sagen: Nee, Herr, das ist doch nicht richtig, weil du weißt schon, warum sie krank sind. Und wir werden einfach intelligenter beten, weil wir Gott besser kennen. Aber das ist ein Wachstumsprozess, und er funktioniert nur deshalb.
Christsein ist auf Beziehung hin angelegt, weil wir ein Gegenüber haben, das ein unsichtbares Gegenüber ist, aber ein Geist ist, eine Persönlichkeit ist, jemand, der Leben in sich trägt. Das waren meine Schlaglichter zum Thema Transzendenz. Gott ist der ganz Andere, der ungeschaffene Geist, der Heilige. Wir können ihn nicht sehen, aber wir können in einer Beziehung zu ihm leben. Und wenn wir von ihm reden, dann müssen wir aus dem Erfahrungsschatz unseres Lebens herausgreifen, werden manchmal Worte benutzen, die nur im übertragenen Sinn passen, und gleichzeitig werden wir uns davor hüten, unserem Kopf anzufangen, ihm irgendwie einen Körper anzudichten oder sonst irgendetwas.

Gottes Grenzenlosigkeit

Ein Punkt, zweiter Punkt für heute Abend: Gottes Unendlichkeit, die Unendlichkeit Gottes.
Was begeistert mich an Gott? Mich begeistert, dass, wenn es irgendwelche Grenzen in der Schöpfung gibt, Gott sich einfach hinstellt und sagt: Gilt nicht. Kennt ihr das bei kleinen Kindern? Wenn man die so miteinander spielen lässt, kommt irgendwann dieses: Gilt nicht. Und Gott kann, wann immer er möchte, sagen: Gilt nicht. Weil er Gott ist.
Die einzige Ausnahme, wenn man das so will, sind Grenzen, die Gott sich selbst auferlegt. Also wenn Gott entscheidet, eine Welt zu schaffen, in der der Mensch einen freien Willen hat, dann bedeutet das auch, dass er sagt: Ich will ganz bewusst dann auch mit den Entscheidungen leben, die der Mensch trifft und die mir nicht passen. Aber das sind Grenzen, die Gott sich selber auferlegt. Alles andere: Da ist Gott einfach frei.
Und ich habe ein paar Beispiele mitgebracht, was das heißt. Begriffe, die ihr vielleicht schon mal in eurem Gebetsleben verwendet habt. Ich habe das irgendwann gemacht, als ich mich hingesetzt habe, und ich habe eine Liste geschrieben sämtlicher Eigenschaften Gottes. Und dann habe ich angefangen, die zu beten. Und dann stellt man fest: Ich nehme mal das Erste. Gott ist selbstexistent. So ein Begriff ist ganz schön kompliziert: selbstexistent. Was bedeutet das? Es bedeutet: Gott ist. Punkt. Gott ist. Es gibt keinen Grund dafür, warum es ihn gibt. Er ist einfach da.
Das ist auch so lustig, wenn man dann anfängt, die Bibel zu lesen. Es gibt keine große Begründung, wo Gott herkommt und so. Das fängt einfach an mit: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Punkt. Im Anfang schuf Gott. Nächste Frage? Halt, wer ist denn da? Das brauchen wir nicht erklären. Gott ist. Das gehört zu seinem innersten Wesen: Gott ist. Er war immer, er wird immer sein, und er verdankt seine Existenz niemand sonst.
Egal, was es sonst im Universum gibt: Jedes Wesen, jedes Element, jedes kleine Fuzzelchen verdankt seine Existenz Gott. Alles, was geschaffen ist, sichtbar oder unsichtbar, hat Gott gemacht. Und er erhält es. Und wenn er damit aufhört, dann verschwindet es im Nichts, wo es ja wieder hergekommen ist. Es verschwindet einfach, wenn Gott die Welt nicht mehr erhält. Um genau zu sein: Wenn der Herr Jesus, weil das ist seine Aufgabe nach Kolosser 1, wenn der Herr Jesus aufhört, die Welt zu erhalten, dann geht sie dahin, wo sie hergekommen ist: ins Nichts.
Aber das gilt nicht für Gott. Gott ist der einzige, für den es unmöglich ist, nicht zu existieren. Für alle anderen ist das total möglich. Und deswegen lautet sein Name: Ich bin. Gott sagt nicht: Ich bin der Sturmgott oder ich bin der Sexgott oder ich bin, was weiß ich, der Wassergott. Nee, Gott sagt einfach: Ich bin.
Und du liest das und erst mal sagst du: Hä? Und danach fängst du ein bisschen darüber an nachzudenken, und dann kommst du genau hier raus: Gott sagt einfach: Ich bin, der ich bin. Wenn du Existenz zurückführen willst auf einen Punkt, sagt Gott: Hier ist er bei mir. Ich bin. Und sonst ist erst mal gar nichts. Wow, das ist ein Konzept. Weißt du, da stehst du davor. Ich mag ein bisschen Philosophie. Da stehst du davor und sagst: Ja, dem Gott möchte ich dienen. Wow, das finde ich nirgends sonst. Das ist so himmelhoch über allem, was es sonst auf der Ebene der Religionen und Philosophien gibt. Da stellst du dir an, dass das: Ich bin.
Wir legen dann so Begriffe nach wie: Er ist unverweslich, er besitzt Unsterblichkeit, er hat Leben in sich selbst. Aber es ist nur nachgelegt. In Wirklichkeit sagt Gott einfach: Ich bin. Am Anfang schuf Gott: null Erklärung. Punkt.
Ein zweiter Begriff für die Grenzenlosigkeit Gottes ist: Er ist ewig. Gott ist der ewige Gott, ohne Anfang und ohne Ende. Die Bibel sagt, er ist von Ewigkeit her, und er lebt in alle Ewigkeit. Ihr merkt schon, wie begrenzt unser Denken ist. Ist denn die Zeit nicht auch etwas, was eigentlich durch die Schöpfung erst reingekommen ist? Wir können hier Gott nur in den Grenzen unserer Begriffswelt beschreiben. Also sagen wir, er ist der Erste und der Letzte, Alpha, Omega, Anfang, Ende, einfach um zu sagen: Er ist einfach immer schon da und wird immer sein.
Und gleichzeitig befindet sich Gott außerhalb der Zeit. Für uns funktioniert Zeit so: Vergangenheit, Zukunft, und dazwischen ist der Übergang die Gegenwart. Und das ploppt immer so ein bisschen weiter. Immer wenn Vergangenheit in Zukunft rutscht, sind wir so ein Stück Gegenwart weitergelaufen. Und wir können nur, wie so auf einem Strahl, uns auf diesem Zeitstrahl entlang bewegen. Aber Gott kann eben mal zurücktreten und so von oben drauf schauen. Für ihn ist die ganze Zeit Gegenwart.
Und obwohl er als Gott sein Handeln in den Fluss der Zeit hineinwebt und in dem Sinne die Gegenwart, die wir erfahren, mit uns teilt, ist er doch gleichzeitig, was sein Wissen angeht, allumfassend von dieser Grenze Zeit kein Stückchen beeindruckt.
Und er ist allgegenwärtig. Gott durchdringt die ganze Schöpfung. So wie jemand gesagt hat: Jeder Punkt im Universum ist ein Kontaktpunkt zu Gott. An jedem Punkt im Universum kannst du Gott begegnen, weil seine Gottdimension unsere Dimension aus Raum und Zeit so durchdringt, dass er uns in jedem Moment nahe ist.
Und wenn wir in der Bibel etwas lesen, zum Beispiel Sprüche 15,29, da steht: Fern ist der Herr von den Gottlosen. Wenn sowas da steht, fern ist der Herr von den Gottlosen, dann ist nicht gemeint räumlich entfernt, sondern dann geht es darum, dass hier der Gottlose durch seine Sünde getrennt ist von Gott. Es ist eine moralische Distanz, keine räumliche Distanz. Wenn der Gottlose sagt: Ich möchte umkehren, ich möchte Buße tun, dann ist Gott sofort da. Weil er tatsächlich im umfassenden Sinn allgegenwärtig ist.
Noch zwei Begriffe, dann habt ihr es geschafft. Gott ist allwissend. Die Bibel sagt, er ist ein Gott des Wissens oder Psalm 147,5: Seine Einsicht ist ohne Maß.
Ich hatte ja nun Urlaub, okay, und Urlaub hieß: mal Zeit haben, sich auf eine Terrasse zu setzen und an einem Ort, wo relativ wenig Smog ist, mal den Himmel anschauen. Das heißt, du setzt dich da gemütlich raus auf die Terrasse, schaust nach oben, siehst ein paar Sternbilder, die du noch nie in deinem Leben gesehen hast, und dann hast du da die Milchstraße und denkst dir: Wow! Und dann liest du, dass Gott jeden Stern mit Namen kennt und genau weiß, wie viele Haare ich auf meinem Kopf habe. Stark, oder?
Und du liest, dass Gott nichts verborgen ist. Bevor wir reden, weiß er schon, was wir sagen werden. Das ist aus Psalm 139,4. Das finde ich so toll: Bevor ich etwas sage, weiß Gott schon, was ich sagen werde. Super!
Gott kennt unsere geheimsten Gedanken, und er weiß sogar, welche Menschen Buße tun werden. Er weiß es schon. Die Menschen wissen es noch nicht, er weiß es. Gott kennt die Zukunft. Er weiß, wer aus freien Stücken welche Entscheidung treffen wird.
Ich glaube persönlich nicht, dass Gott die Entscheidungen von Menschen vorherbestimmt hat, sondern ich glaube, dass Gott absolut souverän ist und dass er als ein souveräner Gott auf der einen Seite den Menschen einen freien Willen zugestehen kann und auf der anderen Seite die freien Entscheidungen von Menschen, wie zum Beispiel eines Judas oder eines Pilatus, nutzt und der Welt zu seinem Ziel kommt.
Ich glaube, dass wir die Welt, in der wir leben, nicht als ein Computerspiel erleben, wo wir Figuren sind und dahinter steckt ein allmächtiger Programmierer, der im Vorhinein uns dazu programmiert hat, einem geheimen Plan zu folgen. Und wir glauben nur, irgendwie einen freien Willen zu haben, aber in Wirklichkeit ist alles schon festgelegt. Sondern ich glaube, dass Gott uns und unseren freien Willen ernst nimmt, auf unsere Entscheidungen reagiert, aber – und das ist einfach schön – das gibt meinem Leben Sicherheit. Niemand kann Gott in die Suppe spucken, wirklich niemand.
In Jesaja 46 bringt Gott das so auf den Ausdruck. Da stellt er sich selber vor, Jesaja 46,10: der ich von Anfang an den Ausgang verkünde. Er ist einfach allwissend. Und von all dem her, was noch nicht geschehen ist, der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen. Und alles, was mir gefällt, führe ich aus. Gott ist Gott. Gott kann dieser Welt ihren Raum lassen, aber niemand wird Gott davon abbringen, zu seinem Ende, zu seinem Ziel zu kommen.
Letzter Punkt: Er ist allmächtig. Als der Schöpfer seine Macht und seine Potenz, seine Kreativität jenseits unserer Vorstellungskraft. Einer der Namen Gottes im Alten Testament: El Shaddai, Gott der Allmächtige. Er kann tun, was er will.
Und deswegen fragt Gott Jeremia, das ist in Jeremia 32,27, zu Recht: Sollte mir ein Ding unmöglich sein? Und die Antwort lautet: Nein. Und Hiob sagt in Hiob 42,2: Ich habe erkannt, dass du alles vermagst und kein Plan für dich unausführbar ist.
Was kann Gott nicht? Die Bibel sagt, dass Gott Dinge nicht kann. Zum Beispiel kann Gott nicht lügen oder Gott kann nicht vom Bösen versucht werden. Heißt das, dass Gott nicht allmächtig ist? Und die Antwort lautet: Nein. Das ist kein Mangel an Macht, sondern es ist vielmehr eine Demonstration seiner Allmacht. Er will nicht und wird nichts tun, und in dem Sinne kann er nicht, was seinem Wesen widerspricht.
Aber, und damit mache ich dann Schluss, Psalm 115,3 gilt: Alles, was ihm wohlgefällt, das tut er. Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben. Auf der einen Seite transzendent, der ganz andere. Und wir müssen vorsichtig sein, wenn wir ihn beschreiben und uns ihm nähern und versuchen, ihn in unsere Kategorien reinzupressen. Wir müssen ihm da Raum lassen. Und wenn er manchmal unsere Denkoptionen sprengt, wenn wir meinen: Na, aber, das kriege ich jetzt nicht mehr erklärt, dann lass es mal gut sein.
Und auf der anderen Seite ist er der Unendliche, den du gar nicht fassen kannst, der sich sowieso alldem entzieht, der, weil er allmächtig und allwissend und allgegenwärtig und ewig und selbstexistent ist, sich immer wieder als der beweist, den wir einfach nicht gegriffen kriegen.
Da machen wir heute Schluss. Beim nächsten Mal möchte ich mit euch über mindestens drei Dinge nachdenken: Erstens: Wenn Gott so anders ist, wie kann ich dann überhaupt etwas über ihn wissen? Zweite Frage: Woher weiß ich eigentlich, dass es Gott gibt? Dritte Frage: Was ist dieses ganze Thema Gottesfurcht, was ist damit eigentlich gemeint?
Das sind drei Themen, mit denen wir uns auf alle Fälle beim nächsten Mal beschäftigen, und dann verlassen wir diesen großen Bereich „Gott der Schöpfer“ und gehen einen Schritt weiter. Wir haben ja immer noch das große Thema „Gott der Retter“ und „Gott der Regent“.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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