Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Gebet
Lass uns beten, lieber Vater. Wir danken dir dafür, dass du ein Vater bist, der gern in Kontakt mit uns kommt und bei uns bleibt. Du bist ein Vater, der heute durch dein ewiges Wort spricht, in dem der Heilige Geist es zu uns bringt.
Wir danken dir, dass wir dieses Privileg haben, mit dem lebendigen Gott, dem Herrscher des Universums, zu sprechen und ins Gespräch zu kommen. Wir danken dir, dass wir hören dürfen, was du zu sagen hast über das Leben für uns in dieser Welt. Wir danken dir dafür und möchten besser darin werden, dir zuzuhören. Wir möchten eine bessere Art und Weise haben, wie wir das, was du damals gesagt hast, für uns heute wahrnehmen und empfangen.
So bitten wir dich jetzt um deine Hilfe in dieser Zeit zusammen. Sei du mit mir und hilf mir, Hilfreiches zu sagen. Aber wir bitten auch für eine gute Diskussion, dass wir einander helfen können, in dieser Thematik weiterzukommen. Und das bitten wir in Jesu Namen und zu seiner Ehre. Amen.
So, danke. Es gibt noch einige dieser Blätter hier, falls ihr sie unterwegs nicht bekommen habt.
Ich möchte betonen: Ich bin kein Experte für Bibelkreise, eher zurzeit der Theoretiker als der Pragmatiker, weil ich seit einer Weile keinen Bibelkreis geleitet habe. Andere leiten die Bibelkreise, und ich gehöre dazu. Ich habe versucht, etwas zusammenzustellen, was mir wichtig scheint, und wahrscheinlich gibt es große Lücken, die ihr dann in der Diskussion füllen könnt.
Was ist unser Ziel in der Bibelarbeit? Im Hauskreis sagen wir: Das ist wahrscheinlich der Ort, wo die meisten in einer Bibelarbeit zusammenkommen. Wir wollen Gottes Stimme hören, indem wir das Wort der Wahrheit recht teilen, heißt es in 2. Timotheus. Das bedeutet: Es gibt eine richtige und eine falsche Art, das Wort zu teilen. Und man kann die Stimme Gottes verpassen, wenn wir es nicht recht teilen, indem wir irgendwie einen falschen oder mangelhaften Umgang mit dem Text haben.
Wir wollen ein wenig darüber nachdenken, wie wir versuchen können, sozusagen bibeltreu mit der Bibel umzugehen. Ich möchte betonen: Besonders für die Bibelarbeit glaube ich, dass wir das zusammen machen. Wir sitzen sozusagen nicht nebeneinander, sondern miteinander unter dem Wort. Wir sind dabei alle Kommilitonen, mehr als dass es einen Lehrer gibt, wie in der Predigt, der das auslegt. Natürlich gibt es normalerweise einen Leiter, und das ist hilfreich. Aber ich denke, das ist eher Leiten als Lehren. Und es ist eine gemeinsame Aufgabe, weil wir einander brauchen, um das Wort zu verstehen und umzusetzen.
Gemeinsames Hören unter dem Wort
Ich habe das im letzten Seminar gesagt, wie wir predigen: dass wir alle unsere eigene Brille haben. Wir sind geprägt von einer Konfession, von einer Kindheit, von einer Familie, von einer Kultur und in vielen Hinsichten geprägt. Das beeinflusst, wie wir den Text lesen.
Ich würde sagen, die Antwort der Postmodernen ist manchmal so etwas wie Verzweiflung: Ihr habt keine Chance, den Text richtig zu hören, weil wir alle so falsche Interpreten sind. Deswegen lasst alle Interpretationen zu. Das ist natürlich ein Plan der Verzweiflung.
Wir können im Grunde verstehen. Wir brauchen die richtigen Prinzipien. Wir müssen das Wort so verstehen, wie das Wort erwartet, dass es verstanden wird. Und wir haben den Heiligen Geist, und wir haben einander. Das ist vielleicht manchmal unterschätzt.
Ich merke das besonders bei uns in der Gemeinde, weil das relativ international ist. Das ist eine englischsprachige Gemeinde, und Leute kommen aus unterschiedlichen Hintergründen. Das ist eine grosse Hilfe im Bibelkreis, weil einige irgendetwas im Text sehen, was einem anderen Blickwinkel hilft, was mir hilft, das besser zu verstehen, und andersherum.
Deswegen gibt es diesen Spruch auf Englisch. Ich war mir nicht genau sicher, wie ich das übersetzen sollte: The Church as the Hermeneutical Community. Hermeneutik ist also im Grunde das Wissen über Interpretation. Das bedeutet, es ist innerhalb der Gemeinschaft der Gemeinde oder auch der übergemeindlichen Gemeinde sozusagen, innerhalb dieses Rahmens, wo wir das Wort richtig wahrnehmen sollen.
Was damit gemeint ist: Es geht nicht um eine einzelne Wahrnehmung, wo meine Vorurteile prägend sind, sondern eher um eine Wahrnehmung, die durch die ganze Gemeinde Gottes geprägt worden ist. Dann sind wir viel näher an der Wahrheit und an dem richtigen Teilen des Wortes der Wahrheit.
Die Gefahr ist, dass wir normalerweise in einer Gemeinde sind, wo wir alle relativ ähnlich geprägt sind. Das ist für uns ein Vorteil, dass wir so viele unterschiedliche Kulturen da haben und auch Konfessionen. Und deswegen hören wir vielleicht mehr von unterschiedlichen Blickwinkeln, was hilfreich ist.
Wir brauchen biblische Theologie. Ich dachte, das ist vielleicht ein bisschen zu plump, aber eine Leitplanke setzt einen Rahmen. Leitplanke bin ich richtig, an der Autobahn, damit man nicht von der Strasse wegkommt. Da kann biblische Theologie, richtig verstanden, eine Leitplanke sein, damit wir in der Interpretation auf der Hauptstrasse bleiben.
Schrift, Autorenschaft und heilsgeschichtlicher Rahmen
Selbstverständlichkeiten
Ich glaube, für uns alle hier ist klar: Die Schrift ist göttlich. Gott ist also der endgültige Autor, aber es gibt auch menschliche Autoren. Dabei will ich nur betonen: Beide sind da, und es ist wichtig, beides wahrzunehmen und auf beides zu hören, würde ich fast sagen.
Also: Diese erste Bibelstelle ist falsch. Es ist 2. Petrus 1,21, nicht 1. Petrus. Denn: Es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet. Also: Menschen haben geredet, aber getrieben vom Heiligen Geist.
Und dann 2. Timotheus 3,16. Ich glaube, alle wissen das: Das Wort ist von Gott eingehaucht, glaube ich, in der Lutherbibel.
Lukas 1 ist ein bisschen aus einem anderen Blickwinkel. Da erklärt Lukas wohl, was sein Ziel ist: Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Wortes gewesen sind. So habe auch ich es für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.
Also: Da ist sehr betont diese menschliche Seite. Der Heilige Geist hat durch ihn gewirkt, aber er hat mit den Augenzeugen gesprochen. Er hat all die Berichte gesammelt. Und dann hat er entschieden: Was nehme ich? Was lasse ich weg? Welche Geschichten, welche Gleichnisse werde ich weitergeben in meinem Evangelium? Es war alles Lukas’ Entscheidung, aber mit dem Heiligen Geist.
Wenn man das verstehen will, ist es oft eine gute Frage: Warum hat Lukas diese Geschichte gerade hier erzählt und nicht eine andere, die er weggelassen hat? Zum Beispiel: Das ist der Punkt, an dem die beiden Autoren wichtig sind.
Viele Schriftarten und menschliche Autoren, aber ein Handlungsstrang. Und das ist, glaube ich, ganz klar von den Vorträgen. Ich wollte nur damit für uns sagen: Lasst diese Vielfalt gelten. Also: Die Art und Weise, wie wir eine Bibelarbeit über ein Stück israelischer Geschichte machen, sollen wir anders handhaben oder anders angehen als ein Epistel oder ein Evangelium. Also lasst die Schriftart ein bisschen bestimmen, wie man an den Text herankommt, wie man das in der Bibel macht.
Jesus als Maßstab für den Umgang mit dem Alten Testament
Und dann ist sehr wichtig: Jesus und die Apostel sind die Muster dafür, wie wir mit dem Alten Testament umgehen. Das haben wir gestern in Lukas 24 gehört, wie Jesus dort gelehrt hat. Bockspringen ist nicht gestattet.
Das bedeutet, wir sollen nicht von einer alttestamentlichen Prophezeiung, zum Beispiel, einen Bocksprung machen und über Jesus und die Apostel direkt in unsere heutige Zeit kommen und sagen: Gut, diese Prophezeiung bedeutet heute X.
Ein Beispiel, das mir immer geblieben ist, ist ein Buch aus den sechziger Jahren über Endzeiten und so weiter. Dort wird, ich glaube, bei Joel, diese Prophezeiung über die Heuschrecken so gedeutet, dass das russische Panzer seien, die vom Norden her in Israel eingreifen werden. Und das war ein Bocksprung von einer Prophezeiung direkt in die heutige Zeit.
Dabei wurde die Frage gar nicht gestellt, wie Jesus und die Apostel diese Bibelstelle verstanden hätten. Nun, natürlich ist das nicht direkt von Jesus so zitiert, aber das Muster haben wir. Und wir müssen dann versuchen, so wie die Apostel es gemacht haben und wie Jesus es gelehrt hat, diese Prophezeiung zum Beispiel zu verstehen.
Deswegen sage ich: Bockspringen ist nicht gestattet. Man muss sozusagen durch Jesus und die Apostel gehen.
Vorgehen bei der Auslegung im Hauskreis
Okay, ich habe drei Punkte, und der dritte ist relativ die praktische Seite. Ich habe den Eindruck, meine Aufgabe ist eher diese Frage vom Text zur Bibelarbeit, mehr als die Frage, wie man die Bibelarbeit selbst leitet.
Text verstehen: Zunächst liest man den Text. Ich gehe davon aus, ich spreche zu Menschen, die vielleicht eine Bibelarbeit leiten werden. Man liest das zunächst ohne Hilfsmittel, ohne Kommentare und so weiter. Einfach lesen. Und man liest nicht nur den Text, sondern wenn es geht auch das ganze Buch. Natürlich ist nicht immer die Zeit dafür, aber man versucht, das ganzheitlich zu lesen.
Vielleicht könnte man drei Schritte nehmen. Zunächst eine Analyse: Was ist ganz sachlich geschrieben? Was für Literatur ist das? Wir werden natürlich die Psalmen anders lesen als ein Geschichtsbuch.
Wo befindet sich der Text? Ich glaube, Sitz sollte Stelle heißen, für besseres Deutsch, hat jemand mir erzählt. Also: Wo ist der Text literarisch einzuordnen? Ich würde da zum Beispiel Apostelgeschichte 1,8 nehmen. Ganz am Anfang der Apostelgeschichte heißt es, Jesus sagt den Jüngern: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Literarisch sozusagen kommt das ganz am Anfang des Buches, und man ist nicht überrascht, wenn man sieht, dass das der Rahmen für das Buch ist. Zuerst werden sie Zeugen in Jerusalem sein, im ersten Kapitel. Dann werden sie zerstreut, und das geht nach Samarien, in ganz Judäa und Samarien. Und dann geht es noch weiter mit Paulus bis an die Enden der Welt. Da hat man schon von der literarischen Struktur des Werkes her einen Hinweis, wie wir das ganze Buch ein bisschen verstehen sollten und was wir erwarten sollten.
Chronologisch zum Beispiel bei Prophetenbüchern: Ist das vor dem Exil, ist es nach dem Exil, wie bei Maleachi und Haggai? Das macht natürlich einen Unterschied, wie wir das verstehen.
Theologisch: Wo, und das ist das Thema dieser Konferenz gewissermaßen, passt das im Heilsplan Gottes, was wir hier lesen? Wir können das vielleicht später dann besprechen, was das konkret bedeutet.
Überraschungen, Echos und die Frage nach dem Gemeinten
Ich finde es immer hilfreich, sich zu merken, was unerwartet ist, was eine Überraschung ist. Wo hätte ich das anders geschrieben? Denn oft ist es so, dass mein Denken nicht im Einklang mit dem Denken Gottes ist. Dann eckt es mich ein bisschen an, oder ich habe etwas falsch verstanden.
Es ist auch hilfreich, gerade in der Bibelarbeit, einige Punkte zu haben, bei denen die Leute denken: Oh ja, diese Bibelstelle kenne ich sehr gut. Aber wenn man darauf hinweist, sagt sie eigentlich nicht das, was wir erwarten würden. Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir es gar nicht merken. Das kann dann Interesse in der Bibelarbeit wecken und hilfreich sein.
Ein Beispiel ist Epheser 5 über die Braut Christi. Sorry, ich meinte Epheser 4. Nein, ja, ja, ja, sorry, Epheser 5, ja genau, es war richtig. Und da wollte ich vielleicht bei Vers 29 anfangen. Meine Frage ist: Hättet ihr das so geschrieben, so herum?
Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er ernährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seine Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß.
Und wir denken: Ja, dieses Geheimnis der Sexualität zwischen Mann und Frau ist ein großes Geheimnis, das ist ein wunderbares Geheimnis. Er spricht hier von etwas ganz Intimem. Und dann sagt er: Ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Ein Fleisch werden, Sexualität, Christus und die Gemeinde? Ich meine, das ist ein bisschen schockierend, oder? Wir hätten das andersherum gesagt.
Und ich glaube, da merkt man, worauf Paulus hinweist: Die echte, ursprüngliche Ehe, die wahre Ehe, ist diese Ehe zwischen Christus und seiner Braut. Die Gemeinde und unsere menschlichen Ehen sind nur Abbilder davon. So herum, nicht andersherum. Nicht diese himmlische Sache ist eine Illustration, um uns zu helfen, was das für uns bedeutet, sondern andersherum.
Das ist zum Beispiel ein Punkt, bei dem man vielleicht denken würde: Oh, das hätte ich anders geschrieben. Und da kommt man manchmal mit diesem Punkt weit.
Was für Echos gibt es? Ja, noch einmal: Das geht über diese Frage der Heilsgeschichte und diesen Handlungsstrang. Echos können sozusagen nach vorne und nach hinten gehen. Ich meine, man kann zum Beispiel, neulich habe ich über Abraham und Isaak, Opfer und so weiter gepredigt, und das hat so ein Pre-Echo von Kreuz und so weiter. Also die Echos gehen in beiden Richtungen.
Autorintention, Wiederholung und literarische Signale
Was ist gemeint? Hier geht es um die Auslegung. Ich will betonen: die Autorität des Autors. Er ist vom Heiligen Geist inspiriert, um das zu schreiben, was er geschrieben hat, und er bestimmt, was gemeint ist. Was wir versuchen festzustellen, ist herauszulesen, was er gemeint hat, nicht hineinzulesen, was wir erwarten oder was wir hören wollen, sondern herauszulesen.
Ich denke, es gibt auch Teile, wo der Prophet selbst nicht unbedingt wusste, was er damit meinte. Jesaja 53: Was wollte Jesaja da sagen? Ich denke, es kann wohl sein, dass er nicht voll verstanden hat, was er da geschrieben hat. Deswegen muss man das ein bisschen relativieren. Aber im Grunde ist es ganz klar, zum Beispiel bei Lukas, was ich gelesen habe: Wir müssen das Lukasevangelium im Licht davon lesen, was er am Anfang gesagt hat, dass er mit den Augenzeugen gesprochen hat und ordentlich geschrieben hat usw. Ja, und man schaut auf die Hinweise, die der Autor, der Verfasser, gibt.
Hebräische Geschichte ist oft sehr subtil geschrieben. Es hat eine sehr gute literarische Qualität, es wird sehr viel in kurzer Zeit gesagt, und es ist manchmal interessant zu merken, wie das strukturiert wird. Vieles wird wiederholt. Ich glaube, man muss daran denken: Wie wäre es, wenn wir heute Computer hätten und unterstreichen könnten, Fettdruck verwenden könnten oder, wie heißt das, Kursivschrift schreiben könnten, um etwas zu betonen? Das hatten sie damals nicht. Was haben sie getan? Sie haben zum Beispiel Wiederholung benutzt. Und sehr oft im Alten Testament lernt man sehr viel, wenn man merkt, was in diesem Kapitel oder in diesem Abschnitt immer wiederholt wird.
Kopf und Fuß, also Anfang und Ende, sind oft offenbarend, sozusagen. Wir haben schon Lukas 1. Dort gibt es die Thematik des Buches, und das bedeutet, man soll es im Licht davon lesen. Bei Johannes ist es andersherum. Eigentlich versteht man Johannes erst, nachdem man das Johannesevangelium bis zum Ende gelesen hat, weil er sagt, dass er vieles andere nicht geschrieben hat. Wo steht es? Johannes 21,30-31, genau. Johannes sagt: Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Das ist ein bisschen das, was Lukas gesagt hat: Ich habe ausgewählt, was ich benutzt habe. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben in seinem Namen habt.
Und dann ist es hilfreich, zurück zum Anfang zu gehen und noch einmal zu lesen. Ich glaube, es ist nicht schlecht, dass das am Ende steht, weil man beim ersten Lesen schon vieles merkt. Aber wenn man dann ein zweites Mal liest, mit diesem Gedanken im Kopf, sagt man immer wieder: Okay, inwiefern hilft mir das, zu glauben, dass Jesus der Christus ist, und so weiter?
Roter Faden, ja: Man versucht, den roten Faden durch ein Buch zu merken.
Heilsgeschichte, Verheißung und Erfüllung
Heilsgeschichte, ja, da will ich nur unterstreichen, was schon gesagt worden ist in der Konferenz: Welche Verheißungen werden hier gegeben, vielleicht? Wie werden sie erkämpft? Ich meine damit: Wo sind sie in Gefahr?
Wir haben neulich 1. Mose 13-21, 22 als Serie gehabt. Und da sieht man, wie vorhin gesagt worden ist: 1. Mose 12 ist sehr wichtig. Diese ersten Verheißungen über Segen durch Abraham und so weiter sind da, aber ganz knapp, kurz. Nicht viel.
In den nächsten Kapiteln kommt diese Verheißung immer wieder in Gefahr. Sie können kein Kind haben. Das ist eine große Gefahr für diese Verheißung. Was noch? Abraham hat Angst vor dem ägyptischen König und sagt, das ist meine Schwester. Und sie wird fast zum Harem, oder ist eine Weile im Harem, vom König. Das ist eine Bedrohung für diese Verheißung usw. Wie Gott immer wieder siegt.
Wie wird das ergänzt? Mehrmals gibt es diese Verheißung neu in diesen Kapiteln, und jedes Mal wird sie ergänzt, ein bisschen ergänzt, so dass man ein bisschen mehr Farbe an diesem Skelett hat. Wie wird das erfüllt? Auch im Alten Testament gibt es schon Teilerfüllungen. Isaak ist geboren, das ist schon eine Erfüllung, eine Teilerfüllung.
Also merkt mal, wie wir in der Heilsgeschichte sind und was in der Heilsgeschichte passiert in diesem Teil. Und da ist noch einmal dieses Buch von Vaughan Roberts sehr hilfreich im Hintergrund. Und manchmal sind diese Diagramme auch sehr hilfreich.
Vergesst nicht, wer der Hauptakteur ist: Gott. Aber ich komme wieder dazu. Ich habe hier einen Fehler, glaube ich. Was ist gewollt? Diese erste Zeile von menschlichem, göttlichem Autor. Ich denke, das könnte vielleicht unter B sein. Was ist gemeint? Manchmal meint der menschliche Autor etwas anderes als Gott, weil der menschliche Autor irgendetwas auf einem bestimmten Niveau meint, aber Gott meint eigentlich etwas auf einem tieferen Niveau, das dieser menschliche Autor nicht verstanden hat.
Also gehe ich davon aus, dass derjenige, der Genesis geschrieben hat, wer auch immer man meinen mag, nicht alles verstanden hat, was in 1. Mose 12,1-3 vorhanden ist. Und deswegen kann man manchmal unterschiedlich urteilen, was da gemeint ist. Aber es ist wichtig, dass man versucht festzustellen, was der menschliche Verfasser hier will und was der göttliche Verfasser hier will, was er unterbreiten, offenbaren will.
Von der Auslegung zur Anwendung
Dann, was ist gewollt? Das ist eher die Anwendung: Was wollen der menschliche Autor und der göttliche Autor? Nicht nur: Was haben sie gemeint? Das ist verständlich. Aber wie soll das angewendet werden? Man könnte zum Beispiel die Frage stellen: Wie hätte das erste Publikum, die ersten Zuhörer, auf diesen Brief reagiert? Was hätte Paulus erwartet, dass die Zuhörer machen oder tun würden? Damals und heute.
Das ist ein bisschen wie diese Illustration vom Boxspringen, aber nicht ganz dasselbe. Um festzustellen, was der menschliche Verfasser und der göttliche ursprünglich gemeint haben, muss man sozusagen eine Reise machen. Sagen wir nach Babylon, vielleicht um Daniel zu besuchen, und sozusagen zu hören: Was bedeutet das für einen frommen Juden, der im Exil ist? Oder wir müssen die Reise nach Korinth machen und sagen: Okay, warum beschäftigt sich Paulus mit dieser Thematik? Was war los in Korinth? Wie sollen wir das verstehen? Wie haben sie das gehört? Und das ist dann prägend für unsere Interpretation, unser Verständnis und unsere Anwendung.
Und was ich meine mit Umgehungsstraße und Stau: Wenn man nicht durch Korinth geht, ist es zum Beispiel leicht, dass man direkt zu heute kommt oder eine Umgehungsstraße um Korinth macht. Wahrscheinlich hören wir dann nur, was unsere Kultur erwartet, dass wir hören. Wir müssen zuerst hören, wie sie das damals gehört haben. Die andere Seite der Medaille ist: Wir müssen nicht im Stau kommen. Ich kenne Bibelarbeiten, wo die Leute eigentlich in Korinth geblieben sind und nie zurück zu heute gekommen sind und gesagt haben: Okay, was bedeutet das für uns?
Vielleicht mache ich eine Pause für eine Illustration. Zum Beispiel 1. Korinther 13, das Hohe Lied der Liebe, heißt der Übertitel wieder oft. Es wird sehr oft bei Hochzeiten benutzt, und man kann es auch so benutzen. Aber was hat es für die Korinther bedeutet? Das war eine sehr klare Ermahnung. Ja, sie hatten alle Geistesgaben, so spricht Paulus in 12 und 14. Aber sie hatten die Liebe nicht, und das war eine Ermahnung. Im Grunde meinte er höflicherweise, aber klar: Ohne die Liebe sind diese Geistesgaben Pusch. Und so hätte man das anders verstanden, wenn man nicht nach Korinth geht. Man könnte natürlich in einer Trauungspredigt sehr schön über die Liebe sprechen, aber man hätte nicht so richtig verstanden, was da gemeint ist. Man hätte nur so ein bisschen oberflächlich etwas mitgenommen.
So ein Beispiel hörten wir gestern. Vielleicht haben wir in Erinnerung diesen Schnittvideo von Tim Keller. Am Ende heißt es: It's not about you. Es geht nicht um dich in der Bibel, es geht um Christus und so weiter. Und das ist sehr wichtig in vielen Hinsichten, dass man immer fragt, nicht zu schnell die Frage stellt: Was bedeutet das für mich?, sondern: Was lerne ich hier über Gott?
Ich habe hier Plagiat betrieben, und ich erinnere mich vor vielleicht 25 Jahren an eine dieser Studienfreizeiten, an eine Präferenz oder Predigt oder was auch immer von Vaughn Roberts. Auf Englisch war das dreimal G: What do we learn about God, the Gospel and Godliness? Über Gott, Evangelium und wie man als Christ lebt. Das passt nicht so gut auf Deutsch. Aber zum Beispiel diese drei Fragen sind sehr hilfreich: Was lerne ich hier über Gott, das Evangelium, Godliness?
Vorbereitung und Leitung einer Bibelarbeit
Jetzt kommen wir zu dem Teil, wie man die Bibelarbeit vorbereitet. Nachdem wir für uns selbst versucht haben zu verstehen, wie wir uns vorbereiten, geht es nun darum, wie wir das mit anderen teilen.
Gib jemandem einen Fisch, und du speist ihn für einen Tag. Lehre ihn das Angeln, und du speist ihn für das Leben. So verstehe ich das, was wir in der Bibelarbeit, im Hauskreis, versuchen zu tun. Wir wollen ein Muster geben, wie wir mit der Bibel umgehen, damit die Leute in ihren stillen Zeiten richtig auf Gottes Stimme hören. Damit sie nicht einfach in den Text hineinlesen, was sie dort lesen wollen, sondern so geprägt und geformt werden, dass sie auf eine bestimmte Weise mit dem Wort umgehen.
Deswegen würde ich sagen: Natürlich kann man einen Hauskreis unterschiedlich gestalten, aber so wäre das Muster, das ich vorstellen würde. Man versucht als Leiter, die Diskussion anzukurbeln und zu moderieren, mehr als man versucht zu lehren. Wobei ich glaube, dass es einen Punkt für Lehre gibt. Es kann sein, dass man etwas zusammenfassen kann, damit man genug Zeit für Diskussion und Anwendung hat. Dann sagt man zum Beispiel: Gut, kurze Zusammenfassung: 1. Korinther. Hier ist die Situation in Korinth. Die sind sehr geistesbegabt, sie sind sehr begeistert vom Heiligen Geist, und jetzt sagt Paulus in Kapitel 13 ... Da habe ich ein bisschen gelehrt, aber im Grunde zusammengefasst, damit man auf eine richtige Linie in den Text hineinkommt.
Dann geht es darum, hilfreiche Fragen auszudenken. Ich finde, das ist eine Kunst, wirklich eine Kunst. Aber man kann sie gewissermaßen lernen. Und sie ist sehr, sehr wichtig für den Hauskreis, für die Bibelarbeit, dass man gute Fragen stellt. Nicht alberne Fragen, wo jeder peinlich dasitzt, weil es so offensichtlich ist. Aber auch nicht so esoterische Fragen, ich meine nicht im okkultischen Sinn, sondern esoterisch im ursprünglichen Sinn: so kompliziert und abseits, dass man gar nicht verstehen kann, was da überhaupt gemeint ist.
Es ist nicht leicht, aber Plagiat ist erlaubt. Das ist ein Punkt, wo man manchmal mit diesen, ich weiß nicht, wie man es auf Deutsch sagt, Bible Study Guides, also diesen Büchlein mit Muster-Bibelstudien, arbeitet. Nicht so persönlich, nur für einen Hauskreis. Es gibt diese kleinen Bücher, in denen ein Studium enthalten ist. Da sind manchmal die Fragen hilfreich, und das kann man manchmal benutzen.
Aber es gibt, glaube ich, zwei oder mehr Arten von Fragen, um die Diskussion anzuzünden. Ich denke ganz bewusst, dass ich Zeit dafür nehmen würde, zu überlegen: Welche Frage wird die Diskussion öffnen? Welche Frage wird uns in den Text hineinnehmen? So, dass sie nicht albern ist, nicht esoterisch, sondern wichtig und hilfreich ist, und wir dann weiterkommen.
Dann gibt es aber während man zusammen ist auch die spontanen Fragen. Jemand hat etwas beantwortet, und ich möchte, dass wir weitergehen. Oder man muss ein bisschen steuern und lenken. Das muss man spontan machen. Aber versuch mal, nach diesem Muster vorzugehen, auf das ich hier komme.
Fragen, Struktur und Gesprächsführung im Hauskreis
Vielleicht kann man das mit einem Drei-Gänge-Menü verstehen. Und noch einmal: Es ist dieselbe Frage, die wir bei unserem eigenen Verstehen benutzt haben.
Die Vorspeise: Was ist geschrieben? Manchmal braucht man einige klärende Fragen, oder man sagt es so. Zum Beispiel 1. Korinther 13. Klärende Fragen helfen dabei, am Anfang festzustellen: Was ist hier eigentlich gemeint? Immer wieder auf den Text hinweisen, noses in the text, sagen wir auf Englisch, Nasen in den Text. Vielleicht kennt ihr schon diese Hauskreise, wo man, wenn man überhaupt mit der Bibel umgeht, aber hoffentlich mit der Bibel umgeht, und ich habe es wirklich erlebt: Man liest den Text, schließt die Bibel und fängt die Diskussion an. Ja, also wir wollen die Bibel verstehen. Vielleicht haben die Leute so ein gutes Gedächtnis, dass sie alles schon parat haben, aber ich denke, für die meisten von uns ist es besser, die Bibel bleibt offen. Also die Antwort ist nicht auf der Decke, sie ist hier. Und das soll so ein bisschen die gängige Art und Weise sein, fast schon Tradition.
Das ist der Punkt unter diesen anfänglichen Fragen: Was ist geschrieben? Gibt es etwas Unerwartetes, Überraschendes, etwas, das schon gesagt wurde? Was hätten wir anders geschrieben?
Dann das Hauptgericht: Okay, was ist gemeint? Wir versuchen festzustellen, das ist ein bisschen die Korinth-Frage, die Bibelfrage. Wann wurde das geschrieben? Warum wurde das so geschrieben, wie es geschrieben ist? Warum ist es hier an dieser Stelle? Warum ist es in dieser Form? Was sagte der Heilige Geist damals durch den Text?
Ich nehme zum Beispiel Lukas 15. Ich habe Beispiele genommen, erstens, die ich gut kenne, aber auch solche, die bekannt sind. Dann brauchen wir nicht alles zu lesen, wenn wir nicht so viel Zeit haben. Lukas 15 sind die drei verlorenen Sachen: das verlorene Schaf, die verlorene Münze, der verlorene Sohn.
Und was ist gemeint? Also warum wurde das gesagt, und warum hat Lukas gesagt: Gut, ich nehme diese Geschichte und nicht andere? Die ersten zwei Verse des Kapitels sind wichtig: Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach.
Das bedeutet, er hat diese Pharisäer und Schriftgelehrten im Blick, als er diese drei Gleichnisse gesagt hat. Ist es nicht wunderbar, wenn ein Hirte das verlorene Schaf findet? Ist es nicht wunderbar, wenn die Frau, ja gut, Fenster öffnen ist gut, ihren Groschen findet? Ist es nicht wunderbar, wenn der Vater den Sohn hat? Aber was kommt dann? Der älteste Sohn, der sich nicht freut, dass der Verlorene zurückkommt und gefunden wird.
Und eigentlich ist der Sinn dieser drei Gleichnisse auf die Pharisäer und Zöllner gerichtet. Das war also die ursprüngliche Richtung von Jesus. Deswegen: Wenn man das in der Bibelarbeit studiert und diesen ältesten Sohn ausklammert, hat man eigentlich den ursprünglichen Sinn verpasst. Natürlich ist das, was man dann gelernt hat, auch richtig und wichtig. Gott liebt es, verlorene Sachen zu sich zurückzubringen. Aber man hat ein bisschen die Tiefe verpasst.
Das wäre zum Beispiel ein Beispiel, wo Lukas einen klaren Hinweis gibt, mit wem das zu tun hat, am Anfang des Kapitels. Das ist ein gutes Beispiel, ein verlorener Sohn. Das ist er nicht. Immer wieder wird dieser erste Sohn als verlorener Sohn dargestellt, eigentlich ist es der älteste Sohn. Also der ist verloren in der Hinsicht, dass er gefunden wird, ja. Trotzdem steht in der Überschrift der verlorene Sohn, und wir denken immer an diesen. Es ist eine wunderbare Geschichte, aber man vernachlässigt die andere.
Spannung zwischen Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung
Wenn ihr Fragen habt über die Frage der Souveränität Gottes und Erwählung, dann ist dies ein sehr hilfreiches Kapitel.
Denkt einmal an die ersten zwei Geschichten. Was hätte das Schaf tun können, um zurückzukommen? Gar nichts, es musste gerettet werden. Und beim Groschen muss Gott souverän handeln, damit Menschen zu ihm kommen.
Wie ist es mit dem verlorenen Sohn? Er trifft die Entscheidung, zurückzukommen. Und so verstehe ich gewissermaßen zwei parallele Linien durch die ganze Schrift: die absolute Souveränität Gottes und die Freiheit des menschlichen Willens, die Gott uns geschenkt hat.
Das Problem ist, wenn man das eine oder das andere ausklammert oder sagt, das sei eine Mischung. Es ist beides: die absolute Souveränität Gottes, aber auch unsere Verantwortung, auf die Einladung Gottes zu antworten. Und ich finde es sehr interessant, dass man in diesem Kapitel die zwei Seiten ganz klar sieht.
Gefährlich wird es dann, wenn ich als Prediger nur über den verlorenen Sohn predige und dann alle denken: Gut, also ist es absolut nur meine Entscheidung. Man muss alle drei Gleichnisse zusammen predigen, finde ich, damit man diese biblische Bilanz oder Spannung zusammenhält.
Das war also ein bisschen Nebensache, eigentlich eine Nebensache, die man in einem Hauskreis nicht laut sagen sollte. Ich meine hier: Was ist gewollt? Hier ist die Anwendung. Was sagt uns der Heilige Geist heute durch diesen Text?
Das kann allgemein sein: Gott liebt es, Verlorene zu sich zurückzuholen, wenn Verlorene sich zu ihm finden. Gott liebt das. Das ist also allgemein. Es könnte aber auch spezifisch sein. Es könnte sein, dass jemand da im Hauskreis sitzt und sagt: Das ist genau das, was bei mir passiert ist. Oder: Jetzt merke ich, ich muss eine Antwort geben. Sehr spezifisch, durch den Heiligen Geist.
Man möchte lesen, damit das so klar wird. Und dann prophetisch: Also ich bin offen für prophetische Eindrücke, die natürlich immer geprüft werden müssen, wie Paulus sagt, in Korinther gegen die Schrift. Aber vielleicht gibt es so einen Impuls von Gott an die Gruppe oder an eine einzelne Person. Das ist es, was das besonders für euch als kleine Gemeinde Gottes heute bedeutet, das will Gott besonders an euch sagen. Manchmal gibt es so diesen prophetischen Touch.
Austausch, Offenheit und Grenzen der Leitung
Ich glaube, ich lasse das zunächst beim nächsten Teil. Vielleicht komme ich noch dazu, aber wir haben schon ein bisschen Feedback bekommen. Vielleicht gibt es auch noch Rückmeldungen und Diskussionen.
Wie gesagt, ich bin kein Experte, und ich möchte, dass wir uns ein wenig darüber austauschen, was in euren Erfahrungen geholfen hat und was nicht. Oder gibt es Widersprüche? Also: Ich finde, das hast du nicht so richtig gesagt, oder irgendetwas hast du ausgelassen, was wichtig ist. Ich bin offen für eine Diskussion.
Durch den Austausch wird das alles etwas klarer, wenigstens bei uns in der Bibelarbeit. Verschiedene Eindrücke kommen zusammen, jeder hat etwas anders gelesen. Deshalb muss es immer ein Austausch sein und nicht einfach nur ein Vortrag. Das war betont worden: Dieser Austausch ist wichtig. Ich sage das auch für die Aufnahme, weil wir alle voneinander lernen können. Und deswegen ist es anders als eine Predigt. Es soll nicht sehr didaktisch sein, also nicht von vorne, nicht frontal lehren, sondern miteinander sprechen.
Aber jemand muss schon vorbereitet haben und leiten, damit sozusagen diese Leitplanken benutzt werden, damit wir nicht zu sehr abdriften von dem, was eigentlich da ist.
Es gibt ja unterschiedliche Hauskreiskontexte. Einmal zum Beispiel, dass Gemeindemitglieder im Hauskreis zusammenkommen. Es gibt aber auch evangelistische, missionarische Hauskreise, wo man die Nachbarn einlädt. Das gilt in diesem Fall wahrscheinlich nicht so dezidiert, wie du das hier beschreibst. Das ist wahrscheinlich eher für Gemeindemitglieder gedacht.
Ja, ich denke schon. Wobei ich finde, bei diesem Kurs „Christ sein entdeckt“, der jetzt auf Deutsch ist, „Christian Explored“ war das auf Englisch, ähnlich wie der Alpha-Kurs, aber, wenn ich sagen darf, ein bisschen klarer. Also: Der Alpha-Kurs hat nur zwei Einheiten über Jesus und das Evangelium, und dann, wie man als Christ lebt. „Christ sein entdeckt“ umfasst sieben Einheiten und baut darauf auf, was das Evangelium ist.
Dort lesen sie während des Kurses das Markusevangelium. Am Anfang kommen dann jede Woche Fragen wie: Was hast du in den ersten vier oder fünf Kapiteln von Markus gelesen? Was sind die Fragen dazu? Da hat man schon ein bisschen eine geleitete Diskussion. Aber das reicht nicht unbedingt für einen Nichtchristen, weil im zweiten Teil dann gelehrt wird, also wird etwas über Jesus und die Thematik des Evangeliums weitergegeben.
So meine ich, dass es auch evangelistisch eine Zeit gibt, in der man sich austauscht und vielleicht eher im Sinne der Fragen antwortet, die da kommen.
Ehrlichkeit im Umgang mit offenen Fragen
Ich meine das positiv: Was der menschliche Autor geschrieben hat, wie Lukas, ist vom Geist inspiriert. Und deswegen sollen wir ernst nehmen, wie er als Mensch geschrieben hat. Das ist ein Gegenpol zu der Aussage, das sei von Gott inspiriert, und wir nähmen nicht besonders wahr, was Lukas 1,1-4 sagt.
Vielleicht ist das nicht das beste Beispiel. Aber man kann so die göttliche Inspiration betonen, ohne dass man einiges verpasst, was man merken würde, wenn man diesen menschlichen Autor ernster wahrnehmen würde.
Ich lasse einmal stehen, was Sie gemeint haben. Man hört ja öfter, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles neben der Bibel nicht wahr sei. Das ist nicht wahr, das habe ich schon öfter gehört. Das ist Mythos, das ist Mythos und so. Das sei von Menschen geschrieben, und das könne man nicht so glauben, und das könne man so nicht glauben. Da komme ich aber in die Galle hoch, dann hätte ich so etwas.
Ja, es ist schwierig. Oft ist die Herausforderung dann, wenn Leute das sagen: Haben sie das eigentlich gelesen? Und die Herausforderung, sich damit auseinanderzusetzen, persönlich ein Evangelium zu lesen und zu erwarten, dass die Kraft Gottes da etwas tut, auch wenn sie sagen: Das ist nur erfunden. Das ist der Punkt.
Wenn man in einer Situation ist, in der der Leiter des Bibelkreises im Grunde die kritische Theologie so vertritt, was tut man dann? Was kann man da tun? Ich glaube, das ist sehr schwierig. Denn wahrscheinlich ist es so: Wenn wir eine gemeinsame Basis haben, können wir sehr viel voneinander lernen, auch wenn wir in vielen Hinsichten unterschiedliche Auffassungen haben.
Aber wenn diese gemeinsame Basis, dass es das Wort Gottes ist, nicht da ist, dann ist das schon schwierig. Betet das in eurer Gemeinde dann der Pfarrer nicht den Hauskreis leitet, sondern der Laie?
Ich hatte einen Kollegen, und er hatte diese Illustration, glaube ich, mit einem Dreieck: also Gott und wir, und in diesem Dreieck gilt: Wenn wir näher an Gott kommen, dann kommen wir näher aneinander. Damit wollte er betonen, dass wir im Hauskreis Gott näher kennenlernen wollen, zusammen, gemeinsam, einander helfen. Aber dabei entsteht die Gemeinschaft.
Ich glaube, diese Reihenfolge ist hilfreich. Ich finde, die Gemeinschaft ist sehr wichtig. Es ist nicht nur kopflastig, so zu lernen und Lehre zu haben, sondern miteinander zu sein. Und dann ist es in der Anwendung viel profitabler oder fruchtbarer, wenn man sich gut genug kennt, um ganz offen miteinander zu sein.
Das hat mich in diesem Bereich meines Lebens so geprägt. Da habe ich letzte Woche einen Fehler gemacht. Je mehr man offen ist und diese Gemeinschaft hat, desto besser kommt das Wort Gottes an, sozusagen.
Praktische Hinweise zu Ort, Zeit und Gruppenkultur
Vielleicht ist das auch hilfreich, was ich sage. Wir führen unseren Hauskreis im Gemeindehaus durch. Da ist also nicht diese häusliche Atmosphäre, weil das oft auch abgleitet in so einen Klönkreis.
Im Gemeindehaus lesen wir die Bibel durch, von A bis Z. In der halben Stunde? Nein, hör jetzt mal zu! Das ist das, was wir machen. Wir lernen die Liebe kennen, und dann tauschen wir uns untereinander aus. Wir trinken auch eine Tasse Tee oder Kaffee und essen ein bisschen Gebäck, und dann tauschen wir uns aus, also auch über persönliche Dinge. Das ist ganz wichtig.
Ist es nur ein Hauskreis oder mehrere gleichzeitig? Es gibt mehrere Hauskreise, aber einer findet im Gemeindehaus statt, und ich finde das auch ganz gut. Der persönliche Austausch, dass wir füreinander beten, hat auch irgendwie einen seelsorgerlichen Touch, also nicht nur Lehre. Das machen wir ja gemeinsam.
Ich nehme schon wahr, dass es die Gefahr gibt, wenn man zu Hause ist, dass es zum Klönen wird. Aber das muss nicht sein. Ich persönlich finde diesen familiären Touch auch sehr hilfreich für die Gemeinschaft. Dass man als Familie Gottes zusammen bei jemandem zu Hause ist, kann auch hilfreich sein. Ich glaube, das kommt auf den Ort an, wie das ist.
Vielleicht so von unserer Sicht: Wir splitten das konsequent auf. Das heißt, wir fangen an mit gemeinsamem Singen und mit einer Bibelarbeit. Und dann nehmen alle teil. Es gibt zwar Getränke, aber es gibt auch keinen Knabberkram. Also nicht so, dass das in so einem totalen Klönschnack-Abend ausufert und daneben noch irgendwo eine halbe Stunde, drei oder vier Stunden hängt, in denen dann einfach Zeit ist, um zu reden und Gemeinschaft zu haben.
Dadurch bekommt das zwar so ein bisschen eine Art Break, aber man hat konsequent Zeit, über das Wort Gottes und über die Bibel und vielleicht auch über die Predigt vom letzten Sonntag nachzudenken. Das ist so. Da war auch jemand beim letzten Seminar, der gesagt hat, dass es eine Predigt gibt, die man dann in den Hauskreisen weiter diskutiert. Das finde ich eine sehr gute Art und Weise.
Da ist so ein bisschen eine Richtung gegeben, die Leitplanke ist da, und dann hat man vielleicht mehr Zeit für die Anwendung. Man muss nicht so viel Zeit damit verbringen, den Text auseinanderzusetzen, sondern eher mit der Anwendung. Es kann auch ein bisschen eine Mischung sein. Ich glaube, bei der Bedeutung des Textes braucht es ein klares Ziel. Aber wie das angewendet wird, da würde ich ein bisschen Raum lassen, damit der Heilige Geist vielleicht in eine andere Richtung führt, als ich es persönlich für mein Leben gelernt habe. Vielleicht erlebt man in der Gruppe, in der Gemeinschaft, einen anderen Zugang.
Ich wäre sehr offen und würde nicht zu stark steuern, solange das nicht von diesem Text abdriftet. Ja, wenn das wächst, was tut man als Nächstes? Also, ich bin kein Experte dabei. Ich glaube, da muss jede Gemeinde die Entscheidung treffen, was sie macht. Teilt man das? Aber vielleicht ist auch ein Punkt, dass man als Leiter des Hauskreises immer Ausschau hält: Wer sind andere, die eine Bibelarbeit leiten können und dann vielleicht im Laufe der Zeit einen Hauskreis als Ganzen leiten könnten? Dass man da in der Ausbildung ist und denkt?
Vorbereitung, Erwartungen und Umgang mit Unsicherheit
Wolltest du etwas zu diesem Punkt?
Die Frage ist: Wie ist es, wenn der Hauskreisleiter oder der Leiter der Bibelarbeit an dem Abend nur eine halbe Stunde Zeit hat? Ich finde, man sollte die Leute ermutigen. Als Pastor spreche ich natürlich: Ich würde die Leute ermutigen, und Axel sitzt da hinten und macht das hoffentlich auch, dass sie mehrere Tage vorher anfangen, sich mit dem Text auseinanderzusetzen. Damit sind sie in der Lage, so hilfreich zu leiten. Sonst ist es ein Tohuwabohu, sagt man auf Deutsch, gut Deutsch, als Lehrer.
Vielleicht sollte man auch bei den Hauskreismitgliedern die Erwartung wecken, dass sie den Text im Voraus lesen. Das habe ich nie gekriegt. Vor einer Weile gab es jemanden hinten, warst du das? Ja, ich würde ehrlich sein und sagen: Wir sind keine Experten. Ich erlebe das manchmal selbst. Ich komme zu einer Bibelstelle, ich muss darüber predigen, und zehn Jahre später komme ich zurück und denke: Was habe ich damals gesagt? Ich habe inzwischen ein viel besseres Verständnis, weil sich meine biblische Theologie vielleicht über zehn Jahre entwickelt hat.
Ich glaube, man kann ehrlich sein und sagen: Ich bin noch nicht so weit, dass ich dort Klarheit habe. Wenn man die Zeit hat, die Kommentare zu lesen, würde ich sagen: Ja, es gibt diese Meinung und diese Meinung, und da bin ich noch nicht sicher. Also würde ich sagen: ehrlich sein.
Aber meinst du das als Mitglied der Gruppe oder als Leiter selbst? Ja, ich würde ehrlich sein. Und vielleicht kommt dann auch ein bisschen Feedback, das dich weiterbringt. Jemand hat eine Einsicht, und dann denkt man: Ach ja, stimmt ja.
Was würde man machen, wenn die Erwartung vom Leiter ein bisschen überhöht ist? Vielleicht eine Gemeindeleiterfrage, eine Pastorfrage? Pastorfragen. Ah ja, Pastorfragen. Und wenn ich das wäre, würde ich einen Freund anrufen. Nicht unbedingt meinen Bischof. Wo war mein Erzbischof inzwischen? Mein Erzbischof, der neue Erzbischof von Canterbury, ist evangelikal geprägt. Ich war mit ihm im Theological College. Es ist ein sehr großes Wunder, dass er Erzbischof geworden ist. Wir müssen für ihn beten. Sorry, Ronald. Ich sage das dann in der Aufnahme.
Es ist immer noch die Frage: Wie ist es, wenn ich als Hauskreisleiter oder Bibelarbeitsleiter mit einer Bibelstelle nicht klarkomme, was tue ich dann? Also betont wird, dass die Autorität nicht in mir als Leiter liegt, sondern in der Bibel. Eigentlich drückt man diese Autorität der Schrift dadurch aus, dass man sagt: Da bin ich noch nicht so schlau, und ich brauche länger, um mich mit der Bibel auseinanderzusetzen und mich unter die Schrift zu stellen. So ist es besser, ehrlich zu sein, als etwas anderes.
Hat das geholfen? So ein bisschen, ja. Also du meinst: Ja, es gibt keinen Experten. Es geht immer noch um die Frage, wo die Autorität liegt, und ja, dass wir nicht hierarchisch, menschlich hierarchisch denken sollten. Ja.
Stellen wir uns doch in eine Linie mit Paulus: Unser Wissen ist Stückwerk, oder? Unser Wissen ist Stückwerk, genau, ja, sehr gut. Und das sollen wir zugeben.
Nochmal die Frau, die die Frage gestellt hat: Wahrscheinlich muss man von Fall zu Fall entscheiden. Ist es wirklich eine wichtige Stelle, wo man überhaupt etwas sagen muss, oder ist es ein Nebenschauplatz, wo man einfach schweigen kann? Und wenn die Frage kommt, ehrlich sagen: Ich weiß nicht. Also ich glaube, das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.
Ja, was ist das in Frage an mich? Oh, Hilfe! Ich weiß auch, ich war an Lloyd Munlin, Floyd Munlin, Ford, Ford, Ford Munlin auf dem Büchertisch.
Also die Frage ist: Was für Kommentare und Hilfsmittel gibt es da? Eine, ich weiß nicht, ob das hier übersetzt ist, aber in England, IVP, das ist der Verlag von Christian Unions, SMD ähnlich, die haben den einbändigen New Bible Commentary, und das ist sehr hilfreich, weil man da kurz gefasste Kommentare zu allen Büchern hat. Ich schätze, das ist wahrscheinlich ins Deutsche übersetzt.
Aber ansonsten: Ah, okay, das würde ja natürlich zu einem Kommentar führen. Ich bin davon ausgegangen, du bist schon bei einem Kommentar, und es gibt unterschiedliche Meinungen zu diesem Punkt. Das betrifft auch uns als Prediger manchmal, dass wir nicht weise sind, auch wenn wir alles richtig ausgelegt haben und so weiter, dass es immer noch Punkte gibt, wo das nicht klar ist.
Zeitmanagement und Schutz vor Abschweifungen
Kommen wir langsam zum Ende, nun? Okay, ich mache das sehr schnell in zwei Minuten.
Beim Leiten ist Leiten nicht Lehren. Als Leiter kann man hilfreich erklären und zusammenfassen, damit es weitergeht. Es gibt einige Gefahren.
Ich glaube, „verkopft“ ist kein deutsches Wort, hat jemand gesagt. Ich verstehe nicht. „Kopflastig“ oder ist es schon? Verkopft, ja, gut. Also, wir wollen ja nicht verkopft bleiben, sondern wirklich das Herz erreichen. Und deswegen ist dieser dritte Teil, der Nachtisch, sehr wichtig: Was ist gewollt, was ist die Anwendung?
Bei uns in der Gemeinde ist die Gefahr, dass wir nicht genug Zeit dafür haben, weil wir uns so lange mit dem Text auseinandergesetzt haben, dass wir am Ende nicht mehr genug Zeit haben. Das ist eine Gefahr. Dann wird es kopflastig, lang und langweilig.
Ich finde, bei uns in fast jedem Hauskreis geht es zu lange. Und kein Problem, wenn es noch 45 Minuten dauert und man dann Zeit hat, miteinander zu beten und Gemeinschaft zu haben. Aber ich würde sagen: Ziel ist eine Stunde. Wenn es eine Stunde und fünfzehn Minuten sind, denke ich, dass für die meisten Menschen nach der Arbeit in der Woche 75 Minuten das Maximum sind. Also ich würde die Zügel halten.
Axel sieht verlegen aus, weil sein Hauskreis berühmt ist, dass sie so lange diskutieren, bis spät in die Nacht. Aber da sind sehr viele Studenten und junge Leute, die nicht unbedingt früh aufstehen müssen.
Also fünfundsiebzig Minuten der gesamte Hauskreis? Nein. Ich meine für die Bibelarbeit, aber sechzig ist, finde ich, genug.
Ja, sechzig Minuten sind schon lang.
Sechzig Minuten reichen. Ja, absolutes Maximum. Es kommt darauf an, auf die Gemeinde. Wäre ich in London, wo die Leute schon um sieben Uhr aufstehen müssen, um jeden Tag zu pendeln, dann würde ich noch kürzer sein, zum Beispiel.
Zeitfresser, Hunde und Kaninchen: Das ist auf Englisch, sagt man „Rabbit Trails“, wo die Leute irgendwas wie einem Spurhund folgen und immer wieder auf unterschiedliche Wege gehen und etwas aussuchen wollen, was eigentlich nicht mit dem Text zu tun hat. Da muss man ein bisschen die Zügel halten und sagen: Nein, das können wir später besprechen, aber jetzt bleiben wir hier.
Hunde und Knochen: Es gibt die anderen Leute, die wie ein Hund mit einem Knochen nicht loslassen wollen und eine Stunde mindestens über eine bestimmte Problematik reden wollen. Da muss man auch als Leiter sagen: Oh gut, machen wir später weiter.
Schluss und Gebet
Schlusswort
Das ist ein bisschen das, was ich gestern Abend auf dem Sofa gesagt habe: Man muss es nicht können, bevor man es kann. Versteht ihr, was ich meine? Ich weiß, dass das unlogisch klingt, aber ihr wisst, was ich meine.
Also betet und vertraut darauf, dass Gott euch benutzt. Wollen wir beten?
Lieber Vater, wir danken dir, dass du gesprochen hast, dass du dein Wort gegeben hast und dass du willst, dass wir verstehen und dass wir geprägt und geformt werden von deinem Wort. Wir bitten dich, dass unser Denken verändert wird, sodass wir immer mehr so denken, wie du denkst, und so leben, wie du lebst, und so lieben, wie du liebst.
Wir möchten, dass wir durch diese Hauskreise, in denen wir uns befinden, geformt werden. Dass wir einander helfen, dein Wort zu verstehen, wahrzunehmen, zu empfangen und umzusetzen. Und dafür brauchen wir deine Hilfe.
Wir merken, dass es bestimmte Praktiken gibt, die uns weiterbringen. Aber vor allem geht es um deinen Heiligen Geist. Und wir möchten bitten, dass er uns täglich hilft und wirklich im Hauskreis hilft, miteinander ein gutes Gespräch zu haben, gute Diskussionen zu führen, uns zusammen unter dein Wort zu stellen und von dir zu hören.
Wir möchten, dass in unseren Gemeinden und immer mehr im ganzen Land Hauskreise, kleine Kreise entstehen, in denen deine Stimme klar zu hören ist und in denen Leben verändert werden. Das bitten wir in Jesu Namen. Amen.
