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"Geistesgaben: Dienst, Hilfeleistungen, Spenden"

13.02.2011
Serie•Teil 3 / 17Gaben in der Gemeinde
Begabt sein reicht nicht: Ohne Liebe wird selbst die größte Gabe leer. Und deine Begabung beweist noch nicht, dass du Jesus wirklich kennst – entscheidend ist, wie du lebst.

Einführung in die fortlaufende Betrachtung der Gaben

So, ich hoffe, ich überrasche jetzt keinen damit, dass es in der Gabenreihe weitergeht. Gabenreihe, die dritte.
Letztes Mal kam Thomas auf mich zu. Thomas, steh mal gerade auf, weil sonst weiß ich nicht ... Dieser Hüne von Mann kam da auf mich zu, dankeschön, und sagte: „Jürgen, ich habe keine Gabe.“ Und ich dachte mir: Bei dir da passen mindestens zwei rein.
Die gute Nachricht, mit der ich euch die nächsten Wochen immer wieder mal traktieren werde, ist unser Leitvers in 1. Petrus 4,10. Ihr sollt ihn hören, ihr dürft ihn auswendig lernen, sollt ihn verinnerlichen. Da heißt es: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Wir unterhalten uns über Gaben in der Gemeinde. Wir unterhalten uns darüber, dass jeder begabt ist. Und heute geht es, wie beim letzten Mal, darum: Ich werde ein paar Vorbemerkungen machen und dann wieder zwei Gaben erklären. Ihr werdet schon sehen, wir lesen nicht vor, das ist jetzt also noch nicht so. Lasst euch ein bisschen überraschen. Stück für Stück, ihr kommt da noch schnell genug hin.
Ihr bekommt alle einen Stift. Ich habe deinen Namen dahinten leider vergessen, neben Philipp. Joscha, also wer keinen Stift hat, bekommt von Joscha einen Stift. Ihr braucht einen Stift. Ihr dürft auch eigene Stifte verwenden, aber für die, die jetzt keinen dabei haben: Ihr braucht einen.
Worum geht es? Ich möchte, dass wir ein gemeinsames Verständnis entwickeln für das Thema Gaben. Ich möchte, dass wir im Lauf der Reihe die eigenen Gaben erkennen. Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, jeder hat etwas. Insofern müssen wir etwas finden, das uns vielleicht dabei hilft, diese Gaben zu entdecken. Denn nicht jeder sagt: „Ist doch klar, ich habe halt das und das.“ Woran das liegt, werden wir uns anschauen.
Dass wir in einen Prozess eintreten, wo wir uns gegenseitig ermutigen, wo wir sagen: Hey, du bist begabt. Und ihr ahnt schon, irgendwo auf meinem Rechner befindet sich schon eine Datei, die irgendwann in einen Button oder in irgendetwas Ähnliches umgewandelt wird. Ja, da steht dann auch drauf: Du bist begabt. Dass ihr das euch auch vor Augen führen könnt. Ihr solltet das auf keinen Fall mehr vergessen.
Und so wollen wir eintreten in einen Prozess, der wahrscheinlich bis zur Gemeindefreizeit geht. Wir werden das auch in die Kleingruppen reinziehen. Ihr werdet irgendwann Mitte des Jahres sagen: Danke, vielen Dank, ich bin begabt, ja, ich habe es verstanden, das bin ich. Können wir mal was anderes machen? Da werde ich euch hinbringen. Zumindest ist das meine Idee.

Was bei allen Gaben zuerst bedacht werden muss

Vorbemerkungen heute
Es geht mir um den Punkt, dass Gaben, obwohl wir sie jetzt so pushen, nicht das Wichtigste sind. Es gibt Dinge, die tatsächlich wichtiger sind als unsere Gaben. Ist das nicht interessant? Also, ich habe da eine Gabe, und ich denke mir auch: Ich bin ja so schön begabt. Und jetzt komme ich und sage: Es gibt etwas Wichtigeres.
Und zwar mindestens zwei Sachen. Das eine hat mit Liebe zu tun, das andere hat mit Bekehrung zu tun. Wichtiger als die Gabe, die wir haben, ist also die Haltung, mit der wir diese Gabe ausüben. Eigentlich nicht kompliziert. Man kann alles irgendwie, egal wie gut man es kann, immer mit der falschen Haltung machen. Und das gilt halt auch beim Christsein.
Deshalb: Am Ende von 1. Korinther 12, das ist, wie ihr noch sehen werdet, denn der Erste Korintherbrief taucht in unserem Bibelleseplan ziemlich am Anfang auf, also wer den Ersten Korintherbrief noch nicht so gut kennt, kommt demnächst in fünf, sechs Wochen, schätze ich, ist er da. Da kommt ein ganzes Kapitel über Gaben, Kapitel 12. Und dann endet dieses Kapitel mit einem Satz. Da schreibt Paulus: „Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch.“
Also auf der einen Seite begabt, begabt, begabt. Und nachdem alle wissen: Jetzt bin ich begabt, sagt er: Da gibt es noch etwas, noch viel Besseres. Und dann fängt das neue Kapitel an, und dieses neue Kapitel trägt in vielen Bibeln die Überschrift: „Das hohe Lied der Liebe“.
Und die ersten drei Verse, über die habe ich so oft hier in der Gemeinde gepredigt, dass ich, glaube ich, fast jeder sie auswendig kann. Wenn nicht, hört euch die Hochzeitspredigt hier von Larion Boris an oder irgendeine Predigt über Liebe. Es kommt eigentlich immer wieder. Die ersten drei Verse bringen ein Ding auf den Punkt. Ich lese euch mal vor:
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. So ein Stück Blech, draufgehauen. Nutzlos.
Und wenn ich Weissagungen habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze – das wäre doch mal was, so nach dem Motto: Husch, und der Berg plopp. Das wäre wirklich was. Oder was ich mir wünschen würde: alle Erkenntnis haben. Du kannst mir irgendeine Frage stellen, und ich muss nie wieder sagen: Weiß ich nicht. Ah, herrlich, wenn ich das hätte. Und dann heißt es da: Aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. Da bin ich nicht ein bisschen was, ein bisschen kleiner, sondern ich bin tatsächlich nichts.
Und dann Vers 3: Und wenn ich all meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.
Und wir merken: Es dreht sich hier um Gaben, aber diese Gaben sind nutzlos, diese Gaben bringen mir überhaupt nichts, wenn ich sie nicht in einen Kontext von Liebe einbette. Und Liebe, das ist jetzt für die, die letztes Jahr die Hohelied-Reihe hier mitbekommen haben: Liebe ist Sehnsucht nach Beziehung. Es ist das, was ich tue, um bewusst Beziehung aufzubauen. Und wo ich Gaben nicht mehr dazu nutze, dass Beziehungen gebaut werden, wo Gaben zu einem Selbstzweck werden, zu einem irgendwie nutzlosen Anhängsel, wo es mir vielleicht sogar um Selbstdarstellung geht. Dass ich irgendwie toll mit meiner Gabe darstelle, so: Schaut mal, wie schön ich bin.
Wenn das passiert, da sagt der Apostel Paulus, dann verlierst du irgendwie alles. Dann bist du immer noch begabt, ja, aber dann ist deine Gabe pling, pling, pling, nutzlos. Das ist nicht das, was Gott sich vorstellt. Und wir müssen das verstehen in der Beschäftigung mit Gaben, dass Liebe einfach mehr wert ist, dass ohne Liebe jede Gabe in die Bedeutungslosigkeit versinkt.
Das ist der eine Punkt: Liebe ist wichtiger als Gaben.
Der zweite Punkt: Bekehrung, also die bewusste Umkehr zu Jesus. Dieser Moment, wo ich eintrete in eine Beziehung mit dem Herrn Jesus, das ist wichtiger als Gaben. Oder lass mich andersherum ausdrücken: Eine Gabe, die ich habe, ist kein Beleg, ist kein Beweis dafür, dass in meinem Leben Bekehrung stattgefunden hat.
Das ist erst mal vielleicht neu für den einen oder anderen. Ich kann es auch noch mal anders sagen: Du kannst jede x-beliebige Gabe haben, wie in der Bibel steht, und trotzdem strunzungläubig sein. Hm, jetzt denkst du dir aber: Ist doch irgendwie so eine Geistesgabe. Die Kirchengeschichte ist voll von Versuchen, Glauben sichtbar zu machen. Also Glauben hat ja etwa so eine unsichtbare Komponente, so eine Sache, wo du sagst: Bin ich jetzt gläubig oder bin ich nicht gläubig? Ja, das ist so. Ja, woran sieht man es denn? Ja? Ich hätte auch gern einen blauen Punkt auf der Stirn in dem Moment. Du bekehrst dich, plopp, blauer Punkt. Ah, ich bin der Blaupunktträger, alles ist gut. Ist aber nicht.
Und so hat man in der Kirchengeschichte immer wieder versucht, die Echtheit der Bekehrung daran festzumachen, dass bestimmte Gaben bei den Christen dann auftauchen. Das Problem damit ist: Ich glaube schon, dass man wissen kann und auch wissen muss, dass man ewiges Leben hat. Es gibt ein ganzes Buch im Neuen Testament zu dem Thema: Woher weiß ich, dass ich ewiges Leben habe? Der Erste Johannesbrief. Und Johannes schreibt da, 1. Johannes 5,13, einen total mutmachenden Vers, den ich immer gebrauche, wenn ich mit Katholiken rede. Also nur deshalb, weil da behauptet wird, man kann nicht wissen, ob man ewiges Leben hat, sondern das weiß man immer erst am Ende, wenn man dann vor dem, ja, das ist so die Idee dahinter. Was natürlich eine schreckliche Idee ist. Stell dir mal vor, das wäre wahr. Stell dir vor, es wäre wirklich so, dass du dein ganzes Leben lang mit so einem Damoklesschwert über dir leben müsstest. Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, dass mir das wirklich wahr wäre. Ich wüsste bis zum letzten Atemzug nicht, ob ich dabei bin oder nicht.
Und wenn mir jemand erklärt: Ja, das kann man nicht wissen, dann schnappe ich mir erst 1. Johannes 5,13. Da schreibt der Apostel Johannes: Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr in den Namen des Sohnes Gottes glaubt. Das heißt: Gaben taugen nicht für die Prüfung, aber ich kann wissen, dass ich ewiges Leben habe. Wodurch? Was ist der Beleg dafür, dass ich ewiges Leben habe? Und schaut man sich den Ersten Johannesbrief an, dann stellt man fest: Mein Leben ist der Beleg. Oder anders ausgedrückt: Da, wo ich eine wirkliche Beziehung lebe, da wird diese Beziehung in meinem Leben sichtbar werden. Wenn ich sage, ich kenne Jesus, aber ich lebe nicht so wie einer, der zu Jesus gehört, der ihn kennt, dann gehöre ich auch nicht dazu.
Also sehr platt, 1. Johannes 2,3: Da heißt es, und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Also woran erkenne ich, dass ich Jesus erkannt habe? Und erkennen in der Bibel ist mehr als nur: Ich kenne dich. Sondern erkennen heißt, eine Beziehung haben, mit jemandem auf Du sein, mit jemandem zusammen leben, wirklich in einen Austausch getreten sein. Woher weiß ich das bei Jesus? Na ja, und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten.
Denkst du: Ja, sowas Blödes. Schon wieder Gebote, was soll das denn jetzt bitteschön? Der Clou dahinter ist: Wenn du Jesus fragst: Herr Jesus, was ist eigentlich deine Liebessprache? Das ist ganz modern dieses Wort unter Christen, ja, fünf Sprachen der Liebe, und Jesus hat die Nummer sechs, taucht in dem Buch nicht auf. Dann würde der Herr Jesus sagen: Es kommt einfach, wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.
Das mag jemand tun, was ich so sage, das finde ich total in Ordnung. Dann merke ich, dass er mich gern hat. Und wer schon ein bisschen länger dabei ist, der weiß, dass jetzt üblicherweise an dieser Stelle mein Beispiel von meiner Frau und den dreckigen Unterhosen kommt. Weil ich meine Frau liebe, halte ich mich an das Gesetz der Werbel, und ein Gesetz der Werbel lautet: Räum deine Unterhosen weg. Das ist einfach so. Und wenn ich das nicht tue, dann zeige ich etwas, das mag sie nicht. Das meint sie überhaupt nicht.
Und Jesus ist genauso. Jesus hat bestimmte Gebote, und er sagt: Wenn du mich lieb hast, halt dich an das, was ich möchte. Und ich helfe dir sogar dabei. Und wenn es mal nicht klappt, ist auch nicht so schlimm, aber ich möchte, dass das deine grundsätzliche Haltung wird. Und auf die Weise zeigt dir dein Leben, dass du gläubig bist, dass da etwas Echtes ist, dass das nicht nur so eine Fake-Veranstaltung ist, nicht nur etwas, was aufgesetzt dann stattfindet, wenn andere zuschauen, sondern was im Inneren deines Herzens wirklich da ist.
Und die andere Seite, das ist die: Am Ende der Bergpredigt redet der Herr Jesus über falsche Propheten. Wer das mitlesen möchte: Matthäus 7,15 ff. Da treffen wir auf Menschen, die Gaben haben, aber nicht bekehrt sind. Oder schlimmer noch: Da treffen wir auf Menschen, die Gaben haben, glauben, weil sie Gaben haben, im Himmel angekommen zu sein, dann vor Jesus stehen und sagen: Hey, hier sind meine Gaben. Und Jesus sagt: Na ja, kann schon sein, aber sag mal, wer bist du? Und das ist das Schlimmste, was nie passieren darf. Es geht immer um Beziehung im Neuen Testament. Es geht immer um die Frage, ob wir in einer lebendigen, echten Beziehung leben.
Da heißt es also in Vers 15 und 16, Matthäus 7: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Merkt ihr das? Da lebt einer sein Leben, und du schaust dir einfach an, was er zusammenlebt. Und irgendwas ploppt da als Frucht raus, das schaust du dir an, und dann weißt du, um was es sich handelt.
Vers 21: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich der Himmel eingehen. So dieses plapp, plapp, plapp, plapp, ja, auch irgendwie ein Glaubensbekenntnis nachsprechen können reicht nicht, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Da sind wir wieder bei dem Thema Gehorsam. Und bitte jetzt nicht in so einem Perfektionismus abgleiten, einfach ganz nüchtern: Ich tue das, was ich von Jesus weiß, dass es ihm gefällt. Und das mache ich gern, weil ich ihn einfach lieb habe.
Vers 22: Viele werden an jenem Tag, es ist der Tag des Gerichts, viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht – und jetzt kommen absolute Powergaben, das ist so das – haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, haben wir nicht durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, haben wir nicht durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und du denkst dir: Wow, was für Typen. Stell dir vor, du hättest die in der Gemeinde. Du würdest doch nie auf den Gedanken kommen, dass bei denen im Leben irgendwas schief sein könnte. Und Jesus sagt sinngemäß: Ich lasse euch nicht rein. Ich lasse euch nicht rein.
Er sagt in Vers 23: Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter.
Das Problem mit Gaben ist, sie taugen nicht dazu, eine Bekehrung zu beweisen. Man kann geistliche Gaben, blöderweise – das sind dann vielleicht keine geistlichen Gaben mehr – aber man kann Gaben auch, zumindest die Kraft dafür, vom Teufel bekommen, und man kann ganz schlimm auf die schiefe Bahn geführt werden. Es ist einfach wichtig, dass wir das verstehen, wenn wir uns über Gaben unterhalten. Gaben sind total wichtig. Ich glaube, dass Gaben etwas Fantastisches sind, um sie zu entdecken und miteinander anzuwenden. Aber passen wir einfach auf, dass Gaben nicht wichtiger werden als Liebe und dass Gaben nicht missbraucht werden und wir glauben, unsere Bekehrung darüber beweisen zu können. Das stimmt beides nämlich nicht.
Das waren meine Vorbemerkungen für heute, jetzt zu zwei neuen Gaben. Und ich habe natürlich jetzt mal etwas ganz anderes herausgesucht, ihr habt euch das schon gedacht. Man kann ja nicht immer weitergehen mit Wort, das sowieso, ja, dann. Da sitzen so die Praktiker drin und sagen: Na ja, wann dürfen wir mal heute mal was ganz Praktisches?

Die erste Gabe: konkrete Hilfe im Alltag

Die erste Gabe ist überschrieben mit Dienst, Hilfe, Leistungen, Diakonie. Ich lese euch die Stellen vor. Die Gabe wird beschrieben in Römer 12,7, und ihr findet das alles natürlich auch auf euren Notizen zur Predigt. Römer 12,7. Da heißt es: Es sei Dienst im Dienen. Also: Dienst im Dienen. Wenn du diese Gabe hast, was das ist, werde ich gleich sagen, dann bitte mit vollem Einsatz.
Etwas anders wird sie in 1. Korinther 12,28 beschrieben, mit dem Wort Hilfeleistungen. Wir leiten von diesem griechischen Wort unseren Begriff Diakonie ab, oder das Wort Diakon. Es geht um, ich würde mal sagen, praktische Hilfe.
Im Neuen Testament, wenn wir uns anschauen, was ein Diakon tut, dann trifft man auf die ersten Diakone in Apostelgeschichte 6. Da haben wir folgendes Problem in der Gemeinde: Man ist in Jerusalem, man hat so eine Art Armenspeisung eingerichtet, es gibt Witwen, Witwen, die von weit herkommen, nämlich einen griechischen Hintergrund haben, also nicht in Jerusalem zu Hause sind. Und weil die keiner kennt, kriegen die auch nichts. Und das macht sich nie gut. Ist klar: Wenn die einen genug haben und die anderen hungern, dann fällt das irgendwann irgendjemandem auf, und es gibt Murren.
Erst kümmern sich die Ältesten darum, beziehungsweise die Apostel, und dann sagen sie: Wir brauchen jemanden für die fantastische geistliche Arbeit des Tischebedienens. Also wir brauchen jemanden, der sich darum kümmert, dass hier am Ende jeder in seiner Schüssel Suppe hat und dass da keiner vergessen wird. Und genau das ist die Aufgabe der ersten Diakone. Es geht um ganz praktische, sozial-materielle Aufgaben.
Ich habe das für mich mal so definiert: Wer hat die Gabe des Dienstes? Wer die Gabe des Dienstes hat, sieht, wo bei anderen Menschen im Sozial-Materiellen der Schuh drückt, und gibt nicht eher Ruhe, bis er Abhilfe geschaffen hat. Also es gibt Leute, die einfach einen Blick für Nöte haben.
Ich habe Eugen schon vorgewarnt, dass ich ihn heute mal herausstellen werde. Das ist das, wo mir Eugen aufgefallen ist. Wenn ich ihm erzähle, habe ich öfter gemacht, mindestens zwei oder drei Mal, glaube ich: Eugen, da oben tropft was. Also, ich bin kein Handwerker. Wer mich nicht kennt, nicht alle kennen mich, ich bin das Gegenstück zu einem Handwerker. Wenn es dafür ein deutsches Wort gäbe, ein Anti-Handwerker, ja, wahrscheinlich nennt man das einen DAU, einen dümmsten anzunehmenden User. Ich bin das, auf das immer alle Elektroartikel eingestellt werden.
Aber wenn ich sage, da tropft was, dann ist Eugen der, der noch am Sonntag gleich schnell mal nach Hause fährt, ein Zängchen holt, ein bisschen Hanf, vorbeiguckt, was er dabei hat, was er noch irgendwo rumliegen hatte, und es einfach schnell macht. Und ich dachte mir, als ich das so erlebt habe, weil ich mir natürlich irgendwie mit offenen Augen immer so Leute anschaue: Das ist so ein Typ, das ist so einer, der macht das einfach. Das ist so einer, der sieht eine Not. Und der ist vielleicht ganz unauffällig, aber so der typische Handwerker, der, der sich einfach um etwas kümmert, das ist der, der die Gabe des Dienstes hat.
Wenn das zusammengeht mit organisatorischen Fähigkeiten, wenn der noch Leute leiten kann, dann haben wir das Amt des Diakons plötzlich besetzt, weil der auch diesen praktischen Blick hat und noch einen Tick mehr braucht. Der muss auch mit Menschen können, irgendwie. Bekommt ihr ein Bild?
Also die Gabe des Dienstes ist tatsächlich, wir würden sagen, ein Handwerker, ein guter Handwerker, der nicht so einer ist, der da reingerutscht ist, weil man schon die letzten zehn Generationen den Beruf ausgeübt hat und er das eigentlich nie wollte, sondern einer, der einfach so dieser klassische: was sehen, anpacken, erledigen, nicht groß drüber reden. Das wäre der klassische Diener.
In Mariendorf ist mir das mal begegnet, eine alte Schwester. Die kam zu uns nach Hause, schon vor, ich weiß nicht, zwölf Jahren, fünfzehn Jahren. Und die sah unsere Couch, und wir haben auf unserer Couch Kinderstunde gemacht. Woche für Woche Kinderstunde. Das heißt, die war einfach runter. Die hatte Löcher, die war abgerubbelt. Die sah das, und ihre Antwort war: Ach, wisst ihr was, ich mache euch da einen neuen Bezug. Und dann ging die nach Hause, kaufte ein großes Stück grünen Stoff und nähte da einen neuen Bezug. Und das nächste Mal kam sie wieder und hat das drauf gemacht. Das sind so, das ist für mich ganz klassisch die Gabe des Dienstes.
Und ihr merkt, wir verstehen bei Geistesgaben vielleicht immer so etwas ganz Hohes. Ich würde es gerne herunterholen: Das sind die Leute, die in Gemeinden fast am wichtigsten sind. Und die Bibel sagt etwas darüber, wo die Gefahren liegen, wenn man so eine Gabe hat. Ich glaube, es sind zwei Gefahren.
Eine wird angesprochen in 1. Petrus 4,11. Ich lese euch den Text mal vor. 1. Petrus 4,11: Wenn jemand redet, so rede er aus Aussprüchen Gottes; wenn jemand dient, so sei es, als aus der Kraft, die Gott darreicht. Die Gefahr von klassischen Dienern ist, dass sie mehr dienen, als sie Kraft haben. Nochmal: Die Gefahr von Leuten, die die Gabe des Dienstes haben, ist, dass sie selber sich keine Grenze setzen können und sagen: Bis dahin habe ich Kraft. Und jetzt sage ich mal Nein. Sondern dass sie immer weitergehen, über diesen Punkt, wo Gott Kraft darreicht, hinaus, und am Ende total ausgebrannt auf der Strecke bleiben. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Wenn du diese Gabe hast, musst du es lernen, Nein zu sagen. Du musst es lernen, deine eigenen Kräfte einzuschätzen.
Und eine zweite Gefahr, wenn man diese Gabe hat, ist die Tendenz, so ein bisschen auf andere herabzuschauen. Sie sagen immer: Es ist doch offensichtlich, dass man hier was machen muss. Jetzt müssten doch eigentlich alle sich ein bisschen bewegen. Es ist nicht offensichtlich. Es ist nur offensichtlich für den, der die Gabe hat. Es ist ganz wichtig, dass wir das begreifen. Es kann ganz leicht dazu kommen, dass man traurig ist, vielleicht unzufrieden ist mit der ganzen Gemeinde, weil die Gemeinde nicht so schnell und so radikal und konsequent hilft, wie man das selber sehen würde.
Es ist eine Gefahr, die jede Gabe hat. Mir geht es auch so, dass ihr nicht jede Woche zwei Bibelferse lernt und regelmäßiges Bibelstudium macht. Das ist auch immer etwas, womit ich so ein bisschen, ich schubse zwar immer so ein bisschen, aber ich lebe damit, dass nicht alle so gerne Bibelferse auswendig lernen wie ich. Da atme ich dann durch und denke mir: Okay, wir sind halt unterschiedlich.
Je nachdem, woher du kommst, wo du begabt bist, wirst du immer anders wahrnehmen. Und deswegen, wenn ihr Flos Artikel in der nächsten The Rock Voice lest, dann strotzt das einfach vor Evangelisation. Logisch! Und wenn du jetzt denkst: Boah, wir hatten am Freitag Gäste, und Karl Dietmar hat sich mit Peter unterhalten und erzählte so irgendwie nebenbei, wie war das, Gespräch, Zeugnis gegeben, musste jemand kündigen, der hat sich halb bekehrt bei der Kündigung. Da denkst du dir: Ja, vielen Dank, das ist ein Evangelist.
Und wenn du jetzt sagst, das muss jetzt jeder so machen, wie ich begabt bin, vergiss es, da machst du andere kaputt. Und der Diener steht so arg in der Gefahr, weil er so viel Not sieht und so darauf gepolt ist, praktisch zu helfen, dass er an der Stelle diese Grenze nicht mehr wahrnimmt und auf andere so mit Unverständnis reagiert, wo doch diese Not so offensichtlich ist.

Selbstprüfung und Wahrnehmung dieser Gabe in der Gemeinde

Ich möchte euch jetzt bitten, die Fragen zur Selbstreflexion durchzugehen. Ich lese sie vor, und ihr macht einfach ein Kreuz, okay? Es gibt drei Spalten: Ja, Nein und in der Mitte Tendenz vorhanden. Wer keinen Stift hat, soll sich einfach noch einen besorgen. Da hinten ist noch etwas leer, okay. Fehlen noch Stifte? Nein? Wunderbar.
Erste Frage: Fallen mir sozial-materielle Nöte schnell auf? Also bist du jemand, der, wenn er so ein bisschen lebt, einfach sagt: sehe ich? Oder bist du jemand, der sagt: sehe ich auch, wenn mir jemand anderes das mal sagt oder wenn ich darüber etwas lese? Bist du jemand, der das sieht? Und trau dich ruhig, ein Ja zu machen, wenn du sagst: Ja, das ist eigentlich mein Ding. Super.
Dann zweite Frage: Fällt es mir leicht, ausdauernd zu helfen, vielleicht sogar mit einer Tendenz, mich zu übernehmen? Fällt es mir leicht? Bin ich so ein Typ, der einfach dranbleibt? Und wenn ihr das nicht seid, wenn ihr sagt: Nee, sorry, ich packe mal beim Umzug mit an, aber wenn die sich dann einrichten und die Schränke aufstellen, bin ich auch wieder zu Hause, dann ist das einfach so. Du musst jetzt hier nichts vorspielen, okay?
Dritte Frage: Packe ich lieber praktisch an, als Ratschläge zu geben? Also Ratschläge wäre letztes Mal Wort der Weisheit, ihr erinnert euch? Wo stehst du? Bist du der, der zupackt, oder der, der mit anderen darüber nachdenkt, wie man das Problem auch noch lösen könnte?
Vierte Frage: Finde ich schnell kreative Wege, wie man Hilfe leisten kann? Also fällt mir das leicht, wenn da eine Not ist, einen Weg zu finden? Ja, also sehe ich das und denke: Zack, das ist es.
Fünfte Frage: Habe ich manchmal den Eindruck, dass andere mit ihrer Hilfe viel zu lange warten, und sitze selbst innerlich schon in den Startlöchern?
Gut, die Diakonsache macht ihr in Ruhe zu Hause. Ich möchte jetzt etwas anderes haben. Ich möchte jetzt: Wer könnte die Gabe in der Gemeinde haben? Augen schließen, nachdenken: Wo ist euch das bei anderen aufgefallen? Wir wollen ja in einen Prozess einsteigen, in dem wir genau Leute identifizieren. Wo kennt ihr Leute, die genau so sind? Schnell, ausdauernd helfen, hinterher sind, praktisch. Schreibt ein, zwei Namen auf. Ich denke, das wäre gut. Und jetzt nicht Eugen, die alle, weil das hatten wir schon.
Habt ihr alle etwas gemacht? Braucht noch jemand einen Stift? Ich sehe hier noch nicht überall alles ausgefüllt. Darf ich mal deins exemplarisch haben? Also, Katrin hat nicht die Gabe des Dienstes, okay? Sie kommt da ganz nach mir, und das sieht dann so aus: Ja, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Sie ist deshalb kein schlechter Mensch, sie ist einfach an der Stelle nicht begabt, okay? Das muss man einfach mal zeigen. Vielen Dank, das war jetzt einfach mal wichtig.
Dann gibt es noch... was ist denn das hier? Boris ist sich nicht ganz sicher. Also, der schwankt so ein bisschen hin und her. Das kann es durchaus geben. Das kann jetzt bedeuten, er hat da etwas, aber es ist noch nicht so weit. Kann man noch ein bisschen gießen, vielleicht kommt was raus? Es kann aber auch einfach bedeuten: Nee, tut mir auch leid. Ja, oder was heißt leid, du hast andere Gaben, das ist es wahrscheinlich nicht.
Habt ihr alle etwas hingeschrieben bei der letzten Zeile? Okay, ich würde gerne wissen, wer hat Claudia Ziegler geschrieben? Vielen Dank!
Merkt ihr was? Wir können einander an dem Punkt unterstützen. Wir können einfach einander ein Feedback geben und sagen: Schau mal, da ist etwas. Da bist du jemand, der wirklich begabt ist. Da kannst du dich mit dieser Gabe einbringen.
Okay, das war diese Sache: Dienst, Hilfeleistung, Diakonie, ganz praktisch. Was der Dienende praktisch tut, das tut die nächste Gabe mit dem Geldbeutel.

Die zweite Gabe: freigebiges Geben mit Weitblick

Ich habe es ja fast nicht geglaubt, als ich das erste Mal das studiert habe und mitbekommen habe, was das in Römer 12,8 bedeutet. Das ist so ein bisschen verklausuliert. Da heißt es: eine Gabe, der mitteilt in Einfalt. Und ich dachte am Anfang immer: der mit anderen redet. Ja, mitteilen bedeutet im Deutschen das Reden. Aber es geht überhaupt nicht um Reden. Es geht um den Geldbeutel. Es geht darum, dass mitteilen spenden heißt. Geld geben. Ich teile mein Portemonnaie.
Und ich hatte das Vorrecht, von Hansi die Spendenquittung für 2010 zu Jürgen zu transportieren. Ich hoffe, der hat sie inzwischen gekriegt. Und ich habe da so diesen Packen in der Hand gehabt. Keine Sorge, ich weiß nicht, wer und ich weiß nicht, was da drin ist. Ich habe ja nur diese Briefumschläge gesehen. Und ich muss sagen, ich hatte so ein gutes Gefühl. Ich dachte mir: Ja, da sind Leute, die mit Geld richtig umgehen, die die Gemeinde finanziell unterstützen. Und das sind ja nur die, die offensichtlich gespendet haben. Es gibt immer noch die anonymen Spender. Es sind Leute, die sich dafür einsetzen, dass Gemeinde läuft. Ich fand das total bewegend. Auch ein bisschen natürlich, weil das mein Gehalt ist, logischerweise. Und deswegen an der Stelle ein herzliches Dankeschön für das, was ihr 2010 gespendet habt. Ich denke, ich möchte das niemals für selbstverständlich halten.
So, der Herr Jesus redet in der Bibel viel über das Geld, mehr als uns lieb ist. Da gibt es in Markus 12 eine Geschichte, die fast so ein bisschen, wisst ihr, was ein Voyeur ist? Das ist fast so ein bisschen voyeuristisch hier. Jesus setzt sich im Tempel an eine Stelle, wo man sich eigentlich gar nicht hinsetzen darf. Das macht man einfach nicht. Man schaut doch nicht zu, wie andere Leute Geld spenden. Das macht man doch irgendwie nicht. Das ist doch so etwas ganz Privates.
Und er setzte sich, Markus 12,41, und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber. Ich weiß nicht, wie nah. Ich stelle es mir immer so vor: Hier ist der Schatzkasten, und er sitzt dann so hier. Und dann kommen die Leute und wollen etwas geben. Und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte, und viele Reiche legten viel ein. Klar, da hat jemand viel, und dann gibt er viel. Und eine arme Witwe kam und legte zwei Schärflein ein, das ist ein Pfennig. Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. Begründung: Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt. Die hat nie genug. Diese aber hatte aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.
Es ist völlig normal, dass wir Geld geben für Gemeinde. 1. Korinther 9 beschreibt, wie so etwas laufen soll. Die Prinzipien habe ich euch auch in den Notizen zusammengefasst. Man soll das vorbereitet tun, man soll das nicht kärglich tun, gezielt, mit Freuden, ohne Zwang. Deswegen gibt es hier auch keinen Klingelbeutel, der durchläuft. Manche Leute fragen mich immer: Kann man euch auch was spenden? Da ist die Box. Also die sieht man kaum, aber es gibt sie. Wenn du etwas geben möchtest, tu es. Aber es soll ohne Zwang sein. Es soll nicht dieses: Jetzt habe ich diesen Beutel da. Also ich mag es selber nicht. Für mich ist das immer so ein bisschen: Jetzt muss ich irgendwie, ich muss da was reintun. Ja, und dann kramst du und dann schaust du in den Scheinen nach und denkst: Hm, der ist zu groß und der ist irgendwie zu klein. Bläh, total blöd, ja.
Und wir sollen spenden als solche, die wissen: Wenn wir geben, dann ist Gott derjenige, der uns zurückgibt. Es gibt in den Sprüchen diesen Vers, dass wir Gott mit den Erstlingen unseres Einkommens, mit dem Besten, was wir haben, dienen sollen. Und wenn wir das tun, dann wird er sich um uns in besonderer Weise kümmern: Ehre den Herrn mit deinem Besitz und mit den Erstlingen deines Ertrags, dann füllen sich deine Speicher mit Vorrat, und von Most fließen über deine Keltern. Da ist eine Verheißung, wenn wir Gott dienen, dass Gott sich unser annimmt. Das gilt allen, das hat noch nichts mit der Gabe zu tun.
Jetzt kommen wir zu der Gabe. Warum macht Gott eine Gabe des Gebens? Ich glaube, weil Gott weiß, dass wir in der Gemeinde Menschen brauchen, die in besonderer Weise gerne und großzügig geben. Schaut ihr in die Kirchengeschichte, werdet ihr feststellen: Es sind nicht immer die Armen und Mittellosen, die irgendwelche Aufgaben neu ins Leben rufen. Es sind manchmal die, die sagen können: Zum Leben habe ich genug, und ich kann jetzt einfach an der Stelle richtig reinbuttern.
Ich habe eine Definition für die Gabe, die hört sich folgendermaßen an: Wer die Gabe des Mitteilens hat, hat die Mittel. Das heißt, in diesem Fall sind die Lebensumstände relevant. Interessant, oder? Wenn du die Gabe des Mitteilens hast, aber du bist blank oder den Dispo hast du schon lange überzogen. Aber im Allgemeinen ist es so: Wenn du die Gabe des Mitteilens hast, dann hast du die Mittel, die passenden Lebensumstände, mehr zu geben als andere, und du hast besonderen Spaß daran, Geld in geistliche Projekte zu investieren. Ich sage ganz bewusst besonderen Spaß.
Mein Dienst heute hier an dieser Stelle in der Art, wie ich ihn ausführe, wäre unmöglich ohne solche Leute. Von dem, was eine normale Gemeinde zusammenlegen kann, kann man nicht leben. Ich habe die ersten sieben Jahre meines geistlichen Dienstes finanziell, ganz praktisch finanziell, überlebt, weil es eine Person gab, die gesagt hat: Jürgen, einmal alle drei Monate sagst du mir, wie weit du mies bist, und ich gleiche das aus. Eine einzige Person. Das ist eine Familie, die einen ganz einfachen Lebensstandard hat, genug beiseitegelegt hat, ein gutes Einkommen hat und gesagt hat: Jürgen, wir leben und wir sterben gemeinsam.
Das hat mich total berührt, weil es mir Druck genommen hat von meinen Schultern. Meine Familie zu finanzieren, irgendwie weiterzukommen. Das heißt nicht, dass Gott nicht trotzdem das eine oder andere finanzielle Wunder getan hat und dass wir auch Spender haben, die uns unterstützen. Aber ohne diese eine Person, die über das normale Maß hinausgegeben hat, die sowieso schon viel gibt und sich an dieser Stelle einfach hinstellt und sagt: Wir machen das gemeinsam. Fantastisch!
Ich hatte vorhin Anita. Anita kam also, hatte ich nicht mit Namen genannt. Anita war die mit der Couch. Ja, die Karne muss die Couch machen, ich mache euch was Neues. Dann kam Anne. Sorry, ich hatte dich vorhin. Aber Anne ist auch an der Stelle, sie hat da ein Händchen für. Und Anne kommt und sagt nicht: Oh, ich nähe euch mal neue Bezüge für eure, für eure, nein, hier für die Eckbank, ja. Aber Anne ist jemand, die sagt: Hm, das könnte ein Polsterer machen. Also was der eine praktisch macht und dient, da sagt der andere: Ich kann mir das leisten, euch das zu finanzieren. Und wenn ihr heute noch oben sitzt auf der Eckbank, dann ist das der zweite Bezug, an dem Anne schuld ist, also im positiven Sinne schuld ist. Sie hat ihn finanziert.
Oder als wir in vollzeitlichen Dienst gegangen sind, eine andere Familie, die diese Gabe hat: aus Mariendorf, Familie Michaelis. Die kamen einfach zu und sagten: Ihr macht doch bestimmt keinen richtigen Urlaub. Das stimmt. Wir sind immer so auf Jugendfreizeiten gefahren, aber so richtige Urlaube, wir haben uns dann vielleicht mal ein Haus gemietet. Also wir haben es gemietet, da war gerade keiner da, und dann haben wir halt Housesitting gemacht irgendwo anders, auch alles toll. Und die meinen: Wisst ihr was, wir fahren nach Dänemark. Und na ja, sechs Leute, ob wir jetzt für sechs Leute ein Haus mieten oder für zehn, das macht sich eigentlich nicht mehr viel. Wollt ihr mitkommen? Wir haben ein großes Haus gemietet, und hier ist das Ticket für die Fähre, und das Nimmessen kriegen wir hin.
Weißt du, wenn jemand einfach so etwas sieht und dich damit beschenkt und gar keine Not damit hat zu sagen: Komm, take it, das ist das, was in dieser Gabe zum Ausdruck kommt. Die Gefahr, die damit einhergeht, ist auch klar. In Römer 12,8 heißt es: Wer mitteilt in Einfalt. Einfalt ohne Hintergedanken. Nicht dieses eine Hand wäscht die andere. Ich gebe dir viel, aber möchte schon wieder haben, sondern wirklich reinen Herzens: Ich gebe das. Ich gebe das gerne, und mach damit, was du willst.

Selbstprüfung und Wahrnehmung dieser Gabe in der Gemeinde

Selbstreflektion: Wo stehst du?
Die Gabe ist relativ einfach zu erkennen, ja, also vielleicht noch nicht voll entfaltet.
Fünf Fragen:
Fällt es dir leicht, Geld zu spenden? Und ich meine jetzt nicht nur fünfzig Cent, die du noch irgendwo im Findest findest, sondern vielleicht auch größere Summen. Fällt es dir leicht, das zu spenden? Es ist ein typisches Merkmal dafür, dass diese Leute sagen: „Ey, komm, dann kann ich einen Mangel an praktischer Begabung gern durch freigebiges Schenken ersetzen.“
Ich merke vielleicht: Ich möchte helfen, aber ich kann das einfach nicht. Ich bin einfach nicht der Handwerker.
Mache ich grundsätzlich gern Geschenke? Macht mir das einfach Spaß, vielleicht sogar ein bisschen darüber nachzudenken und irgendetwas Nettes zu finden?
Was mir aufgefallen ist, die vierte Frage: Pflege ich selbst einen eher einfachen Lebensstandard, um so genug Geld zum Weggeben zu haben?
Es ist mir aufgefallen, bei denen, die ich kenne und die diese Gabe haben, dass sie tendenziell nicht auf dem Niveau leben, das sie sich mit ihrem Einkommen leisten könnten, sondern bewusst darunterbleiben. Ich weiß nicht, ob sie das jetzt bewusst machen im Sinne von: Sie haben darüber nachgedacht, oder ob es einfach ihre Art ist.
Ein Freund erzählte mir von einem Chirurgen in den Staaten, so einem Spezialchirurgen, so einem, der dich, naja, das will ich dir nicht erzählen, das ist unappetitlich. Also wenn es dir mal so richtig dreckig geht, dann schnippelt er an dir rum. Der anscheinend neun Zehntel seines Einkommens jedes Jahr einfach wegschenkt, weil er sagt: „Ich brauche das nicht, das reicht des Herrn.“
Du stehst da und denkst: Wow, das ist schon irgendwie toll.
Und dann die letzte Frage: Verschafft es mir eine tiefe Zufriedenheit, wenn ich sehe oder höre, dass sich Menschen über mein Geschenk freuen?
Dieses: Ich schenke etwas, und dann merke ich auch, ich habe eigentlich mehr Spaß an dem, was ich mit meinem Schenken erreiche, als daran, es zu behalten.
Letzter Punkt, und damit ist meine Predigt für heute vorbei: Wer könnte das in der Gemeinde haben? Also bitte schön Kreuzchen machen, aha. Sieht ja schon ganz interessant aus. Das ist mit Taschengeld noch ein bisschen schwierig, das weiß ich. Aber vielleicht kommt das ja noch.
Wer könnte diese Gabe haben? Wo ist jemand, wo du merkst: Boah, der hat mich schon mal beschenkt, oder da habe ich das vielleicht mitgekriegt?
Die Gabe ist nicht so leicht zu sehen, weil keiner sich hinstellt und sagt: Habe ich gegeben. Ja, Jürgen Wibberler wird das leichter zuordnen können als Finanzer vielleicht, dass er so ein bisschen weiß, wo Gelder fließen. Da hat er vielleicht eher eine Idee. Aber dass ihr euch das überlegt: Wo ist mir das aufgefallen?
Gut, zwei neue Gaben. Wir machen nächste Woche weiter.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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