
Lukas 22,35-53: "Geistlicher Kampf: Wie begegne ich dem Bösen?"
Lukas 22,35-22,5318.11.2012
Serie•Teil 47 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Rahmung des Themas
Guten Morgen, ich freue mich, wieder bei euch zu sein. Und wer die letzten vier Jahre, viereinhalb Jahre zugehört hat, der weiß, wo wir sind, nämlich im Lukasevangelium. Um genau zu sein: Wir sind schon ziemlich am Ende. Ich plane langsam so den Monat, wenn wir fertig werden. Es wird Frühjahr 2013 sein, dann werden wir so ankommen. Dann müssen wir uns überlegen, was wir Neues machen.
Wir sind quasi im Showdown. Man hat ja einen Spannungsbogen in so einem Evangelium, alles konzentriert sich da auch ein Stückchen auf den Schluss, und da stecken wir gerade.
Das Spannende an dem Text, den ich mit euch heute betrachten möchte, ist, dass die Frage, die wir betrachten, folgende ist: Wie begegne ich der Macht der Finsternis, dem Bösen in der Welt? Spannend deshalb, weil deine Einleitung das Thema hatte. Und die politische Großwetterlage spiegelt dieses Thema gerade wider. Ich glaube, es ist nicht nur so, dass irgendwo weit weg Menschen aufeinander Raketen schießen, sondern dass das ein Thema ist, das mitten hinein spricht in unser ganz persönliches Leben. Wie begegne ich der Macht der Finsternis, dem Bösen in der Welt?
Die Antwort wird ungefähr so lauten: Erstens vorbereitet, zweitens im Gebet. Und drittens in Liebe.
Den Text Lukas 22 für alle, die die Bibel haben, schon mal aufschlagen: Lukas 22,35-53. Das stimmt nicht, es geht nur bis 53, das ist falsches Manuskript. Also Lukas 22,35-53.
Und der Bogen wird gespannt. Wir starten im Obersaal, Jesus feiert immer noch Passa mit seinen Jüngern. Im Hintergrund wissen wir: Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten wollen ihn irgendwie heimlich ausschalten. Es ist ihnen gelungen, den Judas, einen seiner Vertrauten, umzudrehen. Und während in diesem Moment, wo Jesus mit seinen Jüngern das Passafest feiert und ein neues Königreich ankündigt, sitzt in diesem Moment der Verräter mitten unter ihnen und wartet auf eine gute Gelegenheit, seinen Auftraggebern mitzuteilen, wo Jesus die Nacht verbringen würde. Es ging ja darum, heimlich, ohne dass die anderen in der Stadt es mitkriegen, ganz heimlich Jesus so beiseite zu schaffen.
Lukas 22,53, da sagt Jesus am Ende seiner Gefangennahme, ich nehme den Vers einfach mal so als Überschrift vorweg, er sagt: Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Dies ist eure Stunde, es ist die Macht der Finsternis.
Die Wirklichkeit des Bösen
Finsternis ist in der Bibel ein Bild. Es ist nicht einfach nur dunkel, und jemand sagt: Na, dann mach doch eine Taschenlampe an. Finsternis ist ein Bild für das Böse, für Gottlosigkeit und für Orientierungslosigkeit.
Und was hier heute in diesem Text passiert, ist, dass nach außen hin total religiöse Leute das Recht verdrehen, um einen unliebsamen Gegner einfach auszuschalten. Und das ist schon ziemlich pervers, wenn Leute, die eigentlich für Ethik stehen, dafür stehen, dass man das Richtige tut, und für Gott stehen, wenn die einfach ohne große Gewissensbisse Dinge tun, die wir, ohne dass man sich groß anstrengen muss, sagen: Das ist doch völlig falsch, das kannst du doch nicht machen.
Und wir merken: Letztes Mal hatten wir uns angeschaut, dass der Teufel in das Herz von Judas gefahren war. Ich glaube, das Herz ist nicht nur von Judas mit dem Teufel und seinen Gedanken voll, sondern andere Herzen sind genauso vom Teufel erfüllt und werden von ihm gebraucht.
Es ist wirklich eine absolut finstere Stunde, die hier anbricht, eine ganz dunkle Stunde. Diese dunkle Stunde bricht an, und mit ihr werden wir mit einem Thema konfrontiert. Und dieses Thema heißt: Das Böse ist eine Realität.
Das Böse ist irgendwie nicht weg. Das Böse ist überall dort, wo man Recht, Ordnung, Liebe und Mitgefühl verschwinden sieht. Ich habe manchmal den Eindruck, es gibt so Zeiten in der Geschichte, da ist das fast ein Stückchen versteckt. Man denkt, das läuft doch alles gut, und dann passiert wieder irgendetwas.
Mir ist das ganz deutlich vor Augen gestanden beim Jugoslawienkrieg. Da dachte ich auch so: Ach, wir haben doch tollen Frieden in Europa, es ist doch alles schön. Ich weiß gar nicht, warum man sich hier so aufregen soll. Und dann machte es knack. Und mit einem Mal kam das Böse wie so ein Zombie, der sich in der Kanalisation versteckt hat. Plötzlich siehst du, wie der Gullideckel weggeschoben wird, und da kommt so etwas Böses raus.
Und plötzlich hörst du in Europa von Massenvergewaltigungen. Du hörst davon, dass man auf bestialische Weise andere ethnische Gruppen umbringt. Und ich dachte mir: Hallo, ganz weit weg, das ist irgendwo auf der Welt passiert. Aber hier, so dass ich mit zwei Flugstunden da bin? So ging es mir damals, als das passierte.
Ich glaube, dass Böses etwas ist, was sich immer versteckt hält. Und in dem Moment, wo wir ihm Raum geben, tritt es an die Oberfläche und versucht, so viel kaputtzumachen, wie es nur irgendwie geht.
Ich glaube, dass die Macht der Finsternis nicht nur so eine anonyme Größe ist, sondern dass das etwas ist, was Methode hat. Wenn das Böse sich entfaltet, dann stellen wir fest: Das passiert nicht irgendwie ungeplant. Dann trifft es manchmal sehr direkt. Es trifft auf eine Weise, dass man sich die Frage stellt: Wo kommt das her, dass es so genau mein Leben kaputt macht? Oder im Leben meiner Freunde? Dass man manchmal den Eindruck hat, hier werden einem die Beine weggezogen. Und man stellt sich die Frage: Warum musste genau das ihm oder ihr jetzt passieren?
Ich glaube persönlich, und ich weiß, es ist weder modern noch ist es postmodern, an den Teufel zu glauben, an einen gefallenen Engel, der wirklich das Böse plant, der die Wahrheit verdreht, der Menschen manipuliert, damit sie genau das tun, was er will. Ich weiß, es ist nicht modern, das zu glauben, aber es ist genau das, was ich glaube.
Und ich bin bereit, wenn ich sage, ich glaube heute noch an den Teufel, mich beschimpfen zu lassen als einen Fundamentalisten oder, noch besser finde ich das Wort, ich bin ein Religiot. Kennt ihr das Wort Religiot? Also, das ist die Mischung aus: Ich bin irgendwie religiös und ein Idiot. Wenn man das so zusammenfasst, wird man ein Religiot.
Wer heute an den Teufel glaubt, müsst ihr mal probieren: Stellt euch mal in die U-Bahn, klingelt mal mit irgendwas und sagt: Hallo, ich wollte mal was sagen. Also, ich glaube an den Teufel, wer hier noch? Ihr werdet feststellen, die meisten Leute halten: hehehe, he he he. Also müsst ihr immer aufpassen, dass da nicht jemand ein Handy zückt und irgendwo bei einem psychiatrischen Dienst anruft und versucht, euch da wegzuholen.
Wenn du heute an den Teufel glaubst, bist du tatsächlich ein Religiot. Du bist einer, den man nicht für ganz voll nimmt. Ich bin so einer, das wisst ihr jetzt. Jetzt müsst ihr euch entscheiden, ob ich weiter predigen darf.
Also, ich glaube nicht nur an das Böse, was irgendwie so hervorkommt und was halt irgendwie in der Welt drin ist und wir müssen versuchen, durch möglichst viel humanistische Anstrengungen, Spenden für Weihnachten im Schuhkarton, durch möglichst gute Erziehung und vernünftige Gesetze das irgendwie in den Griff zu kriegen. Ich glaube tatsächlich an den Bösen.
Und ich möchte zugeben, dass ich vor dem Teufel Respekt habe. Es ist dieses Repertoire, was er beherrscht: dieses Repertoire aus Lügen zum Beispiel, aus falschen Wundern, aus Vorwürfen, die er uns macht, aus Versuchungen, aus Einschüchterung; wie er Menschen in schwierige Situationen hineinbringt, wie er es schafft, das Gute immer wieder ins Schlechte zu verdrehen, oder wie er so oft schafft, die Entwicklung in unserem geistlichen Leben schwer zu machen. Wie er listig ist.
Paulus sagt an einer Stelle: ein Engel des Lichts. Das heißt, er gibt sich aus als Bote Gottes. Ich habe wirklich Respekt vor ihm. Für mich ist das keine Witzfigur, und ich finde es gar nicht so einfach, ihm nicht auf den Leim zu gehen. Es ist gar nicht so einfach, nicht reingelegt zu werden.
Und wenn Paulus schreibt, dass sogar Christen gefangen genommen werden für seinen Willen, ohne das groß zu merken, dann möchte ich das einfach auch in meinem Leben festhalten. Ich möchte sagen: Ja, da ist einer, der legt es wirklich darauf an, mich vor seinen Karren zu spannen. Er ist geschickt, er ist fies, er hat Methode, und er hat Zeit. Er kann warten, und er kann dich in dem Moment angreifen, wo du am schwächsten bist, wo du am wenigsten vorbereitet bist.
Deswegen ist diese Frage, wie begegne ich der Macht des Bösen, der Macht der Finsternis, eine ganz wichtige Frage?
Der erste Schritt: nüchtern und vorbereitet leben
Die erste Antwort, die wir sehen werden, lautet: Sei vorbereitet! Rechne einfach mal damit, dass dir Böses widerfährt. Sei bitte nüchtern, realistisch und besonnen.
Es heißt in Matthäus 10,16: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe.“ Das ist unsere Realität. Du bist ein Schaf. Mäh! Und die anderen sind die Wölfe. So.
Und was sollen wir tun? Jesus sagt: „So seid nun klug wie die Schlangen.“ Und weil Klugheit sich manchmal auch in Fiesheit verdrehen kann, weil man nicht nur klug, sondern auch fiesklug sein kann, deswegen heißt es: „So seid nun klug wie die Schlangen und einfältig“ – einfältig heißt nicht dumm, sondern ohne Hinterlist, ohne Hintergedanken – „wie die Tauben.“ Das ist unsere Berufung in dieser Welt.
In Lukas 10 war Folgendes passiert: Jesus hatte seine Jünger ausgesandt auf einen Missionseinsatz, und da heißt es in Lukas 10, ab Vers 3: „Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe.“ Ähnlicher Gedanke.
Was sollten sie damals tun? Das war jetzt schon eine Weile, bevor die Geschichte passierte mit dem letzten Passer. Also damals war es so: „Tragt weder Börse noch Tasche noch Sandalen und grüßt niemand auf dem Weg. In welches Haus ihr aber eintretet, sprecht zuerst: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren. In diesem Haus, wo man euch aufnimmt, bleibt und esst und trinkt, was sie haben; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“
Habt ihr verstanden? Lauft los, ihr braucht euch nicht groß vorzubereiten. Ihr predigt einfach das Evangelium, braucht nichts groß mitzunehmen. Ihr predigt einfach ganz viel, und ihr schaut, wo die Türen aufgehen. Da geht ihr rein, und ihr esst, was es da gibt, und dann zieht ihr einfach weiter. Hey, ihr seid gut unterwegs, habt Spaß bei eurem Missionstrip!
Das ist die Vergangenheit.
Und dann heißt es in Lukas 22, jetzt kommen wir zu unserem Text, Vers 35 und 36: Da erinnert Jesus an diesen Missionseinsatz, der hinter ihnen lag, und sagt: Wisst ihr noch damals? „Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch wohl etwas?“ Habt ihr das noch? Erinnert ihr euch noch? Wie war das? Was war das für eine Erfahrung? Genial, oder? Ihre Antwort ist: Nichts. Ja, wir haben das gepredigt, und wir haben alles gekriegt, was wir brauchten.
„Er sprach nun zu ihnen: Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie, und ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.“ Und denkst du: Hups, ja, die Zeiten sind dabei, sich ganz dramatisch zu ändern.
Vers 37: „Denn ich sage euch, dass noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muss.“ Und jetzt ein Zitat aus Jesaja. Und er ist gemeint ist der Messias, Jesus. „Er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung.“ Aus diesem total beliebten Wanderprediger und Krankenheiler Jesus von Nazareth wird in den Augen des Volkes ein Verbrecher. Jesaja hatte das prophezeit. Jesus würde das erleben.
Und jetzt ist die Frage: Stirbt mit Jesus eigentlich auch der Missionsauftrag? Die Jünger hatten das damals gemacht, und jetzt stirbt Jesus. Heißt das, das ist Geschichte? Und Jesus sagt: Nein, dieser Auftrag, den ihr hattet, der Welt das Evangelium zu bringen, dieser Auftrag bleibt. Nur was sich ändert, sind die Randbedingungen. Was sich ändert, das ist: Ihr dürft jetzt nicht mehr davon ausgehen, dass ihr irgendwo einfach hingeht und sagt: Hallo, ich predige mal, und dann schauen wir mal, wer mich zum Abendessen einladen möchte. Diese Zeiten sind vorbei.
Sondern jetzt werden schwere Zeiten anbrechen, auf die sie sich einstellen müssen. Zeiten, wo man planen muss, wo man sich selber versorgen muss, wo man sich sogar ein Schwert besorgen muss. Achtung! Schwert hier: Es ist ein Kurzschwert. Vom Text her ist es eigentlich so etwas wie ein langes Messer. Es ist das, was jeder Reisende in der damaligen Zeit als Ausrüstungsgegenstand dabei hatte.
Es geht nicht darum, dass wir mit dem Schwert, das heißt durch den Einsatz von Gewalt, missionieren sollen. Es geht hier um Selbstverteidigung. Aber die Tatsache, dass Jesus sagt: Kauf dir ein Schwert, heißt natürlich auch: Kann sein, dass du es brauchst. Die Zeiten, wo man einfach easy mit euch umgegangen ist, wo alles glatt gelaufen ist, wo man euch gefeiert hat, wo ihr Teil einer Prozession war, die nach Jerusalem reingezogen ist und links und rechts standen die Leute: Toll!, jetzt ist es vorbei. Bereitet euch auf wirklich schwierige Zeiten vor.
Geldbeutel, Rucksack, Elektroschocker – so richtig, dass man sich an der Stelle einfach vorbereitet. Das wird schwierig.
Was heißt das für uns, wenn wir das auf uns übertragen? Und ich glaube, es bedeutet, dass Planung und Vorbereitung gute Dinge sind. Ich bin für Flexibilität. Ich bin für Spontaneität. Ich bin für eine Leitung des Heiligen Geistes, die uns aus den gewohnten Gleisen rausreißt. Aber ich habe den Eindruck, dass Jesus hier an der Stelle auch das Gegenteil betont: dass wir einen kritischen, einen realistischen Blick aufs Leben wagen und bewahren müssen. Dass wir wahrscheinlich nicht nur die Frage stellen dürfen, sondern sogar die Frage stellen müssen: Wo lauern in meinem Leben Schwierigkeiten? Wo zeichnen sich in meinem Leben jetzt schon Probleme ab? Probleme, die ich dadurch, dass ich vorausschauend handle, vielleicht in den Griff bekomme.
Ich mag diesen Satz: Das Leben ist kein Ponyhof. Kennt ihr das? Das Leben ist kein Ponyhof. Für die Älteren: kein Wunschkonzert. Für die Jüngeren: kein Zuckerschlecken. Alles dasselbe. Leben ist nicht in sich einfach so ganz simpel. Es ist schon schwierig genug, dieses Leben zu meistern, wenn man umsichtig ist. Aber wenn man das nicht ist, wenn man sich nicht über sein Leben Gedanken macht, wenn man einfach ins Blaue hinein und planlos unterwegs ist, dann ist das wahrscheinlich Wahnsinn. Und Jesus sagt: Tu das nicht. Wenn du weißt, dass Schwierigkeiten kommen, bereite dich vor.
Die Frage war: Wie begegne ich dem Bösen? Wie begegne ich der Macht der Finsternis? Wie begegne ich einer Zeit, die dunkel wird, wo ich mit Schwierigkeiten rechnen muss, die alles übersteigen, was ich jemals erlebt habe? Und die erste Antwort, ganz simpel, ist: Sei vorbereitet. Denkt nach!
Und ich glaube, wer dazu nicht bereit ist, und das ist ein Stückchen auch eine Herausforderung an die Jugend hier im Raum: Ihr seid mir, soweit ich das sehe, nicht unbedingt die größten Denker. Ja, ich erlebe euch manchmal als einen Tick zu planlos. Einen Tick zu wenig realistisch. Einen Tick zu: wird schon werden. Das ist ein Vers für euch, nachzudenken: Wo stehen wir in dieser Welt? Wie wollen wir mit unserem Leben die nächste Generation in diesem Land erreichen?
Es ist eine Sache, tolle Lieder zu singen, und ihr wart fantastisch, vielen herzlichen Dank nochmal an der Stelle. Es ist eine andere Sache, aus diesem Wunsch, ich möchte mein Leben Gott hingeben, wirklich ein Leben zu machen, das hingegeben ist. Es wird nicht von alleine passieren. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir nachdenken, dass wir realistisch sind, dass wir uns nicht darauf beschränken: Wenn ich mich gut fühle, wird schon der Rest. Nein, wird es nicht. Tut mir leid, wenn ich das sagen muss. Es braucht vorausschauendes Handeln.
Wenn Planung an Grenzen stößt
Und das Ganze ist noch ein bisschen schlimmer. Wir wollen ja an dieser Stelle nicht so tun, als könnte man alles planen. Das stimmt ja nicht.
Es ist noch ein bisschen komplizierter, wenn wir begreifen, dass manche Probleme in unserem Leben uns unausweichlich treffen werden. Das heißt: Egal, wie gut du vorbereitet bist, es wird Probleme geben. Ja, ich sage es mal ein bisschen platt: Es wird Schwierigkeiten geben, die hat uns Gott verordnet. Die will Gott für uns. Die will er, weil sie ein Teil seines Planes mit unserem Leben sind und weil sie ein Teil der Berufung sind, die wir auf dieser Erde zu leben haben.
Und wir schauen uns einfach mal den nächsten Block an: Lukas 22,39-46. Denn Jesus steht vor so einer Erfahrung, dass da ein echtes Problem in sein Leben hineintritt. Und dieses Problem wird nicht weggehen. Dieses Problem war durch gute Planung alleine nicht zu beseitigen.
Es gibt Dinge, es gibt Schwierigkeiten, es gibt Nöte, es gibt Härten, da musst du durchgehen, ob dir das passt oder nicht. Die Frage ist nicht, ob du durchgehen musst, sondern nur, wie du durchgehst, wie du hinten rauskommst. Ob du durch diese Härte gebrochen wirst oder ob diese Härte dich ins Gebet vor den Thron Gottes treibt und du ein Ja findest zu seinem Willen und durch dieses Ja zu einem Segen wirst für die Welt, das ist nur die Frage.
Wir lesen die Verse 39-46:
Und er ging hinaus und begab sich der Gewohnheit nach zum Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger. Als er aber an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt. Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück, etwa fünfzig Meter, so die Größenordnung. Ja, ich war nie ein guter Werfer, manche kriegen mehr hin, aber ich sage mal fünfzig Meter. Also: Er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und kniete nieder, betete und sprach: Vater, wenn du diesen Kelch von mir wegnehmen willst. Doch nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, der ihn stärkte. Und als er in ringendem Kampf war, betete er heftiger. Es wurde aber sein Schweiß wie große Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen. Und er stand auf vom Gebet, kam zu den Jüngern und fand sie eingeschlafen vor Traurigkeit. Und er sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt.
Ist ein einfacher Text, oder? Ist einer von diesen schönen einfachen Texten in der Bibel.
Vor Jesus und vor seinen Jüngern liegt eine Zeit der Versuchung. Und die Versuchung für Jesus besteht darin, dass er nicht bereit ist, den Willen Gottes zu tun. Und Jesus macht uns ganz einfach vor, wie man geistliche Schlachten schlägt. Es ist ein sehr simples Prinzip: Du gewinnst eine geistliche Schlacht auf den Knien.
Und das, was wir hier sehen, das ist kein leichter Kampf. Da ist jemand, der betet, aber er betet voller Verzweiflung. Er betet voll von Angst, absolut an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit. Aber er betet mit einem unbedingten, mit einem ungebrochenen Willen zum Gehorsam. Gott der Sohn möchte Gott dem Vater gehorchen.
Und wir lernen an dieser Stelle, dass Gehorsam etwas unglaublich Bitteres sein kann. Jesus unterscheidet sich hier total von Petrus. In derselben Nacht, wenige Stunden vorher, sagt Jesus ihm: Du wirst mich verleugnen. Und Petrus sagt: Das wird mir nie passieren. Ich bin so ein toller Kerl. Ich dich verleugnen? Mann, wenn, dann werde ich mit dir sterben!
Das ist real hier. Jesus betet, und er ist total realistisch. Er soll von Gott zum Sündopfer gemacht werden. Die ganze Schuld einer Welt soll auf ihn geladen werden. Wisst ihr, wenn es schon erniedrigend war, als Gott Mensch zu werden, dann würde das, was am Kreuz passieren würde, diese Erfahrung bei weitem toppen.
Und ich denke, wenn wir ans Kreuz denken, dann dürfen wir nicht einfach nur die physische Erfahrung sehen: dieses Ausgegeißeltwerden, bis dein Rücken eine einzige blutige, fleischige Masse ist; dieses Ausgestrecktwerden; und dann jagt man so alte, rostige Nägel durch dein Handgelenk; und dann hebt man dich hoch. Das ist eine Seite. Aber das ist eigentlich die banale Seite. Das ist das, was Gott tut, damit wir irgendwie begreifen, was ihn das gekostet hat.
Viel schlimmer, viel dramatischer, und das Eigentliche passiert woanders. Es passiert da, wo der Gott der Liebe ist, wo vollkommen Liebende auseinandergerissen werden, wo sich Gott der Vater Gott den Sohn vom Herzen reißt, wo ein Opfer gebracht wird, das für uns absolut unvorstellbar ist, wo man unendliche Liebe aufwägt gegen unendlichen Tod und diese absolute, die ewige Verlorenheit, die wir hätten erleiden müssen, von Jesus erlitten wird, wo er den Kelch wirklich bis zur Neige austrinkt.
Und weil Jesus das vor Augen stehen sieht, etwas, was später in den Worten „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ so greifbar wird, deswegen betet er. Und deswegen bebt er. Und deswegen ist jede Zelle seines Körpers angefüllt mit Angst. Und deswegen schwitzt er. Und an anderer Stelle wird das so zum Ausdruck gebracht, dass die Angst sogar das Blut nicht nur so groß wie Blutstropfen werden lässt, sondern dass das Blut selber auf seiner Haut erscheint, dass er Blut schwitzt. Durch und durch verängstigt.
Und er betet. Aber er ist bereit zu beten: Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine. Und ich weiß nicht, ob euch das so einen Stoßseufzer auslöst. Stellt euch vor, er hätte es nicht getan. Aber er tut es. Jesus betet. Die Macht der Finsternis wird gebrochen, die Versuchung wird überwunden. Wodurch? Durch Gebet.
Und was machen die Jünger? Sie schlafen. Dabei hat Jesus ihnen gesagt: Betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt. Aber sie hatten nicht gebetet, waren eingeschlafen. Ich weiß nicht warum, aber vielleicht war es einfach die Last der Umstände. Vielleicht waren es diese traurigen Gefühle. Und vielleicht kennt ihr das: Wenn man nicht mehr über etwas nachdenken will, dann kommt manchmal der Gedanke hoch: Ach komm, jetzt schnell ein Schläfchen. Einfach, ja, man sucht Trost im Schlaf.
Das Problem ist: Auf diese Weise geht das Böse im Leben nicht weg. Man schläft, aber das Böse wartet. Und sie hatten geschlafen, waren vielleicht ein Stück ausgeruht, aber sie haben die eigentliche Vorbereitung verpasst. Und in dem Moment, wo dann später das Böse in ihr Leben tritt, merkt man genau, was ihnen fehlt. Sie sind nicht vorbereitet, und sie erliegen der Versuchung.
Fazit, ganz einfaches Fazit: Wenn das Böse in unser Leben tritt, wenn Umstände schwierig werden, dann bitte verschließt deine Augen nicht davor, bitte fang an zu beten. Ich weiß, dass ihr diese Botschaft schon tausendfach wahrscheinlich von der Kanzel gehört habt, weil sie eine dieser ganz simplen Botschaften ist, wo man immer wieder als Prediger sagt: Okay, jetzt kann man noch mal predigen. Ja, kann man wahrscheinlich nicht genug kriegen. Wenn es schwierig wird, bitte fang an zu beten. Du brauchst in solchen Momenten Gebet und keinen Schlaf.
Also: Wie begegne ich der Macht der Finsternis, wie begegne ich dem Bösen in meinem Leben? Erstens: Sei vorbereitet. Zweitens: Fang an zu beten.
Und man kann dieses Thema Gebet noch einen Tick weiter fassen, und ich möchte das gerne noch tun, indem ich dieselbe Situation nehme und uns anschaue, was Matthäus noch schreibt. Matthäus schreibt in Kapitel 26, die Verse 37 und 38, er schreibt uns da noch ein Detail. Und dieses Detail finde ich ganz schön, und es ist ein sehr wertvolles Detail. Es ist etwas, worauf Jesus verzichten musste, was wir uns aber untereinander schenken können. Wir können nämlich in solchen Situationen, wo es einem schlecht geht, zum Team werden, und wir können miteinander beten.
Gemeinschaft als geistliche Stütze
Jesus sagte in Matthäus 26,37, in derselben Situation in Gethsemane auf dem Ölberg: Und er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden. Dann spricht er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir. Bleibt hier und wacht mit mir.
Die Jünger können ihm den Gebetskampf nicht abnehmen. Niemand kann für dich dein Leben leben. Du wirst durch die schwierigen Situationen immer auch alleine durchgehen. Aber du kannst Leute haben, die mit dir wachen, die an deiner Seite stehen. Aus eigener Erfahrung und aus Gemeindeerfahrung weiß ich, dass die Macht der Finsternis dann immer besonders überwältigend ist, wenn man ihr ganz alleine gegenübersteht, wenn man den Eindruck hat, da ist keiner mehr, der auf meiner Seite steht.
Ich habe das oft gesehen im Leben von Christen, von Menschen, die Schiffbruch im Glauben erlitten haben. Der erste Schritt auf diesem Weg, an dessen Ende man dann sagt: Ich weiß gar nicht mehr, ob ich noch gläubig bin, ist oft ein Schritt heraus aus der Gemeinschaft, heraus aus verbindlichen Beziehungen, wo man miteinander und füreinander gekämpft hat. Das ist dieser Punkt, wenn Leute nicht mehr oder nur noch unregelmäßig zum Gottesdienst kommen, wenn sie sich innerlich zurückziehen, wenn sie weniger beten, es aber keinem sagen, und langsam in so eine Krise hineinrutschen. Irgendwie haben sie dann diesen Gedanken, die Krise allein meistern zu können.
Ich weiß nicht, warum dieser Gedanke so attraktiv ist. Aber Jesus ist derjenige, der, wenn es einen gegeben hätte, der eine Krise hätte alleine meistern können, dann wäre das Jesus gewesen. Und Jesus schnappt sich seine drei besten Freunde und sagt: Könnt ihr mit mir mitkommen? Es geht mir absolut dreckig. Ich brauche euch jetzt. Das ist das, was hier steht. Ich brauche euch jetzt.
Jesus brauchte die drei und wollte sie. Er wollte, dass sie mit ihm wachbleiben. Er wollte in diesem Moment einfach nicht alleine sein. Er hätte sich Mitkämpfer gewünscht, und das Verrückte ist: Er hat sie nicht bekommen. Er betet, er kommt zu seinen Freunden zurück, und sie schlafen. Und er macht ihnen das auch so ein bisschen zum Vorwurf. Er sagt also: Nicht eine Stunde konntet ihr mit mir wachen?
Er hätte sich so sehr Mitkämpfer gewünscht. Und ich hoffe, dass wir an der Stelle begreifen, wie wichtig Gemeinschaft im geistlichen Kampf ist. Dass dieser Gedanke: Ich habe jetzt ein Problem, und ich muss das jetzt irgendwie alleine lösen, ein Gedanke ist, der von ganz unten kommt. Weil er eigentlich davon angetrieben wird: Ich habe ein Problem, und das soll keiner mitkriegen, weil ich in der Gemeinde meinen frommen Schein, meine heilige Natur, meine Unverletzlichkeit bewahren möchte. Ich möchte immer wahrgenommen werden als der, dem es gut geht, der kein Problem hat. Da muss man sich fragen: Wo kommt das denn her?
Oder: Ich habe gestern Abend einen Vortrag gehört, und da meinte jemand: Es gibt keine guten Christen. Der Begriff guter Christ ist schon falsch, weil wenn du gut bist, kannst du eigentlich kein Christ sein. Wir sind ja deshalb Christen geworden, weil wir nicht gut sind. Es gibt ja eigentlich nur schlechte Christen. Wir sind ja die einzigen, die zugeben, wie es wirklich um uns steht.
Und trotzdem passiert es uns immer wieder, dass wir, wenn es uns schlecht geht, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn der Teufel so eine richtige Boge der Versuchung auf uns zulaufen lässt, wie so ein emotionaler Tsunami, der uns packt, in dem Moment nicht zum Hörer greifen, unsere zwei, drei besten Freunde anrufen und sagen: Entschuldigung, ich brauche euch jetzt hier. Ihr habt sechzig Minuten Zeit, aber ich brauche euch jetzt hier. Sondern wir denken oft, das muss ich jetzt alleine schaffen. Und der zweite Gedanke ist dann oft schon: Mir kann hier eh keiner mehr helfen. Und dann hört man schnell auf zu beten, und dann hat der Teufel schon halb gewonnen.
Also, wie gehe ich um mit der Macht der Finsternis? Wie kriege ich sie in den Griff in meinem Leben? So weit das geht: Du wirst sie nie völlig in den Griff kriegen. Der Teufel wird mal mehr, mal weniger aktiv an deinem Stuhl sägen und versuchen, dein Leben wirklich in Schutt und Asche zu legen. Aber der eine Punkt ist Planen, der zweite ist Beten, und der dritte, der so ein bisschen zum Beten dazugehört, den habe ich so genannt: Gemeinschaft zulassen.
Liebe als Antwort auf Gemeinheit
Und der letzte Punkt, Lukas 22,47-53, hat etwas mit Liebe zu tun. Da steht: Während er noch redete – es ist ja draußen in einem Garten oder auf einem Grundstück, wo Jesus war – kam eine Volksmenge. Und der, welcher Judas hieß, einer von den Zwölfen, ging vor ihnen her und nahte Jesus, um ihn zu küssen. Das war das verabredete Signal.
Wenn ihr euch fragt, warum Judas Jesus küssen musste: Der Punkt ist, es ist stockduster. Du hast da ein paar Leute mit Fackeln, und die Frage ist: Wenn du zwölf Jünger vor dir stehen hast, oder zwölf Leute – es waren noch elf Jünger –, wer ist denn jetzt Jesus von denen? Das siehst du in der Nacht nicht so gut. Und Judas dachte sich: Ich gehe ganz nah dran, gebe dem einen Kuss, und dann wissen alle, wer es ist.
Jesus aber sprach zu ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss?
Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Das ist immer so das Naheliegende dann. Ja, also sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Frauen hätten da anders reagiert, da bin ich mir ganz sicher. Aber Männer stehen zu solchen sehr tatkräftigen Möglichkeiten. Die einen reden, der andere tut es. Und einer von ihnen schlug dem Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das rechte Ohr ab.
Also ich stelle es mir immer so vor: Er hatte so einen Helm auf, und da schaut ihm hier so die Ohrmuschel raus. Und er schlägt ein bisschen vorbei, und dann ratscht er halt hier entlang, und plopp fällt das halt runter. So stelle ich es mir persönlich vor. Wie wenn du so ein langes Fleischermesser in der Hand hast und du fuchtelst auf jemanden zu und du triffst ihn so halb. Da bleibt halt so ein Ohr auf der Strecke. Viel mehr passiert da nicht. Aber es ist natürlich schon eine hässliche Situation, wenn man sich das so vorstellt. Du stehst da, und er steht da, fängt an zu schreien und hält sich die Hand da dran, und das blutet und so. Ja, unangenehm, unangenehm.
Jesus aber antwortete und sprach: Lasst es so weit. Also das war überhaupt nicht der Weg, den Jesus gehen wollte. Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn. Also vielleicht war es nicht runtergefallen, nicht nur so halb. Man hat so ein bisschen dran gebacken, Jesus hat: Es werde wieder gut. Und dann war es wieder gut. Tolle Sache.
Jesus aber sprach zu den Hohen Priestern und den Hauptleuten des Tempels und Ältesten, die gegen ihn gekommen waren: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und Stöcken? Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Merkt ihr den Unterschied in diesem Text zwischen Jesus auf der einen Seite und den Jüngern auf der anderen Seite? Jesus ist kein Stück panisch. Er ist absolut gefasst. Und ich finde, er kann auf eine völlig souveräne Weise sowohl Judas als auch diesen anderen, die ihn gefangen nehmen wollen, mit zwei kleinen Fragen zeigen, wo eigentlich ihr Problem liegt.
Er fragt den Judas: Sag mal, Judas, ist das dein Ernst, dass du den Inbegriff von Liebe, ein Kuss als Zeichen der Liebe, dafür benutzen möchtest, um zu verraten? Und er fragt die anderen: Sagt mal, ihr kommt hier mit Schwertern und Stöcken her. Ist es nicht so, dass ihr das heimlich tut? Liegt das daran, dass ihr ganz genau wisst, dass ich kein Räuber bin, vor dem es gilt, die Allgemeinheit zu schützen, sondern dass ihr ganz, ganz andere Ideen habt? Wenn ich wirklich nur ein Räuber wäre, hättet ihr mich im Tempel festnehmen können. Tut ihr aber nicht.
Merkt ihr: Jesus offenbart mit zwei simplen Fragen das Herz der anderen. Er ist absolut souverän, während die Jünger, die geschlafen hatten, die nicht gebetet haben, völlig überfordert sind. Allen voran Petrus. Während die einen, wie gesagt, noch diskutieren, zieht der andere sein Schwert, schneidet dem Knecht des Hohen Priesters das Ohr ab. Völlig sinnlos, völlig planlos, völlig unangebracht.
Und Jesus tut das, was er immer tun muss: Er bringt den Schlamassel der Jünger wieder in Ordnung. Und dann ruft er halt Petrus auch zur Ordnung, weil der muss ja auch mal aufhören mit dem Rumfuchteln und dem Messer.
Hm, ich glaube, dass es wenig Dinge im Leben gibt, die so kompliziert sind wie der praktische Umgang mit erlebter Gemeinheit. Wenn dir jemand so richtig gemein kommt, wie hier: Da kommen Leute, und jemand tut so, als würde er dich lieben und küsst dich, und in Wirklichkeit ist es der höchste Verrat, den man an dir begehen kann. Oder: Da kommen Leute und wollen dich gefangen nehmen. Du weißt genau: Ich kriege danach keinen fairen Prozess. Die wollen mich nur aus dem Weg schaffen. Wie gehe ich mit so etwas um?
Und der Umgang mit praktisch erlebter Gemeinheit ist vielleicht das schwierigste Kapitel im geistlichen Leben. Und ich kann euch schon sagen: Die Bibel hat unterschiedlichste Strategien, wie gehe ich in so einer konkreten Situation mit dem Bösen um?
Da gibt es, Jesus sagt das mal, die Möglichkeit, einfach standhaft zu sein. Eine Wange, andere Wange, eine Baff, noch mal hier ist die andere Baff. Das ist eine Möglichkeit, wie man mit dem Bösen umgeht. Man widersteht dem Bösen.
An anderer Stelle, also auch noch in der Bergpredigt, sagt Jesus: Manchmal ist Ironie angebracht. Ihr habt das vielleicht noch nie so gelesen, aber die Geschichte mit dem: Wenn dir jemand deinen Mantel fordert, dem gib auch dein Unterkleid. Habt ihr das mal gelesen? Heißt so viel wie: Wenn jemand dein Hemd haben will, dem gib auch deine Unterhosen. Hast du dir mal vorgestellt, wie der aus dem Gerichtssaal rausgeht? Ihr seid nicht? Nochmal. Kommt es langsam? Genau. Das, was Jesus sagt, ist: Wenn jemand von dir den Mantel haben will, wenn jemand dich quasi in ein Gerichtsverfahren reinzerrt, dann gib ihm doch alles und geh splitterfasernackt aus dem Gerichtssaal raus, dass aber auch jeder sehen kann, was der andere für ein Typ ist. Herr, das ist Ironie pur.
Manchmal ist Ironie das Beste, was du gegen etwas Böses tun kannst. Jürgen, das war eine total blöde Predigt. Ich danke dir dafür, dass du mir das sagst. Es wird mir helfen, beim nächsten Mal mehr zu beten. Das ist das. Jemand kommt dir blöd, und du antwortest ihm auf eine Weise, wo der andere überhaupt nicht mit rechnet. Und er merkt aber auch, dass manchmal gute Werke angebracht sind. Das Böse kommt, das Beispiel, der dich zwingt, eine Meile mitzugehen: Machen wir zwei draus, was soll's, hab eh grad Zeit. Also ich nehme einfach das Gute und leg noch was oben drauf.
Und manchmal, manchmal ist sogar Selbstverteidigung der richtige Weg. Weil wenn du mit nem Messer vor meiner Frau stehst und ich hätte glücklicherweise das dabei, womit ich die Hochzeitspredigt meines Schwiegersohns eingeleitet habe, einen Baseballschläger, dann werde ich ihn benutzen. Ich werde nicht sagen: Ach, ein Messer, warte mal, ich habe noch eins.
Der Umgang mit praktisch erlebter Gemeinheit ist super kompliziert. Bitte lasst uns nicht denken, dass eine Stelle irgendwo aus der Bibel herausgegriffen alles zu dem Thema sagt. Aber auch wenn es viele Liebesstrategien gibt: Im Umgang mit dem Bösen ist sinnlose Gewalt, wie wir sie hier erleben, definitiv keine.
Und das, was wir brauchen, wenn wir mit Gemeinheit umgehen wollen, was wir brauchen, ist immer eine von Liebe geprägte Weisheit. Und Petrus hat das dann glücklicherweise auch gelernt. Er schreibt im 1. Petrus 3,8 so Dinge wie: Und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheldwort mit Scheldwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, Segen zu erben.
Also bei ihm ging das schon weiter. Ich glaube, er hat das auch verstanden. Für uns einfach nur so viel: Wenn wir der Macht der Finsternis begegnen, wenn wir dem Bösen begegnen, was sollen wir tun?
Erstens: Wir sollen planen. Wann immer es möglich ist, geh doch bitte nicht unvorbereitet in dein Leben hinein.
Zweitens: Denk nicht, dass Planung alles ist, weil du wirst es immer ergänzen müssen um Gebet. Und Gebet, wo wir Gemeinschaft zulassen, wo wir voreinander transparent werden, wo wir aufhören, die Guten sein zu wollen, die Perfekten sein zu wollen, wo wir den anderen, den Geschwistern, zugeben, wie es wirklich um uns steht. Und das ist superschwer, ich weiß das. Aber das wäre ein Traum von Gemeinde, wenn das möglich wäre.
Und der dritte Punkt: dass wir in Liebe reagieren, was auch immer das in dem Einzelfall bedeutet, bis dahin, dass wir ein Ja finden zu Gottes Plan mit uns, der im schlimmsten Fall auch bedeuten kann: Hier muss ich im Rahmen meiner Berufung, weil Gottes Wille, mein Leben lassen.
Praktische Fragen zum Weiterdenken
Ich habe euch ausnahmsweise mal eine Abschlussfolie mitgebracht, die möchte ich jetzt gerne haben und eine Minute dazu verwenden, mit euch die Frage zu beantworten: Wie kann das praktisch werden, was wir hier im Text haben?
Ich glaube, es sind so Fragen, die wir uns stellen können. Vielleicht nehmt ihr euch eine Frage heraus, wo ihr sagt: Die Frage möchte ich heute Nachmittag oder heute Abend weiter durchdenken.
Erstens die Frage: Gibt es Probleme in meinem Leben, über die ich mir keine Gedanken machen will? Also, ich weiß, sie sind da, aber ich stecke den Kopf in den Sand. Ich weiß, da kommt etwas auf mich zu, aber ich will mir eigentlich keine Gedanken machen. Gibt es so etwas in meinem Leben?
Oder die andere Frage: Gibt es wichtige Lebensbereiche, in denen ich einfach naiv bin? Naiv im Sinne von: Das wird schon irgendwie werden. Das ist schon kompliziert, aber kommt Zeit, kommt Rat. Es gibt eine moderne Variante: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat. Und die ist wahrer, denn wenn Zeit kommt, kommt nicht immer Rat. Sondern manchmal kommt etwas anderes ins Leben hinein, was alles kaputt macht. Also: Gibt es so etwas, wo ich ein Stückchen naiv bin?
Dritte Frage: Weiß ich, wo ich konkret schon unter Beschuss stehe? Der Teufel schläft ja nicht. Er ist mal offensichtlicher in meinem Leben am Wirken und mal weniger offensichtlich. Kennst du deine Problemzonen? Traust du dich, auch mal reife Christen, deinen Ehepartner oder wen auch immer du vor Augen hast, danach zu fragen? „Schatz, wo siehst du in meinem Leben Schwierigkeiten, wo sehe ich nicht klar?“
Vierte Frage: Ist mein Gebetsleben ein Ringen um den richtigen Weg, bis dahin, dass ich ein Ja finde zu Gottes Weg mit mir? Oder ist das so, dass du eher selten betest, vielleicht auch aufhörst zu beten, wenn das Leben schwierig wird? Ihr merkt vielleicht, dass Gebet in diesem Kampf mit dem Teufel fast so etwas wie das A und O ist: Denken, Beten und dann in Liebe handeln.
Vorletzte Frage: Lasse ich es zu, dass Geschwister mich in meinem geistlichen Kampf erleben und begleiten dürfen? Lasse ich das zu, schwach zu sein vor anderen? Hast du Leute, die du anrufen kannst, wenn du merkst: Hier komme ich nicht mehr weiter?
Und der letzte Punkt: Bin ich jemand, der nach intelligenten Lösungen für diese ganz konkreten Gemeinheiten in meinem Leben sucht? Wir haben ja so Sachen, die immer wieder passieren, was weiß ich, auf Arbeit, in der Schule, in der Ausbildung. Es gibt ja Sachen, die laufen so irgendwie durch. Bin ich da dran? Oder bin ich vielleicht eher ein bisschen wie so ein Petrus: erst schlafen, dann schlagen. Also erst nicht darüber Gedanken machen, und dann wird dieser Mangel an Vorbereitung ersetzt durch Dinge wie körperliche Gewalt, Emotionalität, verletzende Worte.
Und wer beim Ehekurs war, das ist jetzt das Beispiel für das Nashorn. Es gibt natürlich auch die Igelbeispiele: Der zieht sich zurück, resigniert oder flüchtet sich in Unglauben. Das gibt es auch.
Nimm dir eine Frage, schreib dir diese eine Frage auf und denk noch mal darüber nach: Die Finsternis ist eine Realität. Wo musst du ran, wo darf Jesus dich verändern?
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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