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Episode 634: Jesus und die Kinder, Teil 2
Der Konflikt um die Kinder bei Jesus
Wir stecken mitten in einem Konflikt. In Matthäus 19, Verse 13-15, werden Kinder zu Jesus gebracht, damit er ihnen die Hände auflegt und betet. Die Jünger jedoch fuhren die Kinder an.
Jesus aber sagte: „Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solchen gehört das Reich der Himmel.“ Er legte ihnen die Hände auf und ging von dort weg.
Den Konflikt zwischen den Eltern und den Jüngern haben wir in der letzten Episode behandelt. Hier spricht Jesus den kleinen Kindern als Schöpfer das Recht auf Segen zu. Gott möchte, dass kleine Kinder zu Jesus gebracht werden und seine Liebe erfahren.
Wir müssen das gut verstehen: Unser Gott ist ein Gott der Schwachen, der Schutzlosen und derer, die gesellschaftlich am Rand stehen.
Die Bedeutung der Schwachen in der Gemeinschaft
Warum ist das so wichtig? Weil wir in einer Zeit leben, die vor allem die Macher und die Einflussreichen feiert. Diese Haltung der Gesellschaft kann sich bewusst oder unbewusst in unserem Denken widerspiegeln.
Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil Machertypen häufig Verantwortung in der Gemeinde übernehmen. Paulus sagt ihnen deshalb in Römer 15,1: „Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.“
Der Konflikt, den wir gerade betrachten, hat mit Kindern zu tun. Für den Herrn Jesus sind Kinder ein Anschauungsobjekt, damit wir verstehen, wie wir mit schwachen Menschen umgehen sollen.
Die Starken sollen sich nicht selbst gefallen und nicht zu ihrem eigenen Vorteil handeln. Stattdessen sollen sie die Schwachen im Blick haben und sich an Gott selbst orientieren.
Gottes Haltung zu den Schwachen und Fremden
Von dem heißt es in 5. Mose 10, Verse 17-19:
„Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtbare Gott, der niemanden bevorzugt und kein Bestechungsgeschenk annimmt. Er schafft Recht für die Weise und die Witwe und liebt den Fremden, sodass er ihm Brot und Kleidung gibt.“
Auch ihr sollt den Fremden lieben, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen.
Merkt ihr, wie Gott den Fremden liebt, so soll sein Volk die Fremden lieben. Die Fremden sind hier die Außenseiter, die ohne Beziehungen und Einfluss sind – also diejenigen, die darauf angewiesen sind, dass man ihnen unter die Arme greift, ihnen dabei hilft, das Leben zu meistern, und einfach lieb mit ihnen umgeht.
Jakobus kann diesen Gedanken dann aufgreifen und auf seine unnachahmliche, praktische Weise so auf den Punkt bringen.
Praktische Umsetzung von Gottes Willen im Dienst an den Schwachen
Jakobus 1,27 Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen.
Wer Gott ehren will und wünscht, dass sein ganzes Leben ein Gottesdienst ist, der soll Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis besuchen. Das ist wahrer Gottesdienst.
Deshalb ist es so falsch, wenn die Jünger die Eltern mit kleinen Kindern abweisen. Doch der Herr Jesus geht noch einen Schritt weiter. Er verwendet die kleinen Kinder als Anschauungsobjekt für die Haltung, die ein Mensch braucht, der von Jesus Segen erfahren will.
Die kindliche Haltung als Voraussetzung für das Reich Gottes
Wie muss ich sein, wenn ich von Jesus gerettet werden will?
Markus 10,14-15: Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen, und wehret ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen.“
Wer ins Reich Gottes hineinkommen will, muss sich an den Kindern ein Vorbild nehmen. Wer das nicht tut, wird nicht hineinkommen. Das Reich Gottes gehört den Kindern.
Dabei geht es nicht um eine Altersgruppe, sondern um eine Qualifikation.
Die drei Merkmale kindlicher Qualifikation für das Reich Gottes
Was meint Jesus damit?
Erstens: Bedürftigkeit. Kleine Kinder sind radikal abhängig. Sie bringen in die Beziehung fast nichts ein, sondern leben vom Empfangen. Dasselbe gilt für das Reich Gottes: Es wird empfangen, nicht verdient. Wer sich seiner eigenen Bedürftigkeit verschließt und nicht arm im Geist werden will, kann nicht in das Reich Gottes hineingehen.
Zweitens: Glauben. Ein Kind vertraut intuitiv und vollständig, weil es sich existenziell auf die Eltern verlässt. Dasselbe gilt für den Gläubigen. Wer in das Reich Gottes hineingehen will, braucht dieses kindliche Vertrauen, bei dem kein Raum bleibt für Misstrauen, Berechnung, Kontrolle oder Selbstrechtfertigung. Es geht dabei nicht um das Fürwahrhalten von Glaubensinhalten, sondern um vorbehaltlose Hingabe „an Gott als meinen Vater“.
Drittens: Status. Kinder galten in der Antike sehr wenig. Wer in das Reich Gottes hineingehen will, muss sich von allem Statusdenken lösen. Es geht nicht darum, wer ich bin und was ich mitbringe. Herkunft, Leistung, Frömmigkeit und Intellektualität spielen keine Rolle. Niemand ist von sich aus fürs Reich Gottes qualifiziert. Niemand hat einen Anspruch darauf.
Die Haltung des Herzens für den Empfang des Reiches Gottes
Lukas 18,16-17: Jesus aber rief sie herbei und sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
Was muss ich verstehen, wenn ich gerettet werden will? Ich muss begreifen, dass es nicht auf Inhalte ankommt. Das Reich Gottes ist nicht in erster Linie eine Sammlung von Glaubenssätzen.
Natürlich verlangt der Glaube nach Glaubensinhalten. Doch ein Glaubensbekenntnis macht noch keinen Gläubigen. Das liegt daran, dass es darum geht, ein Kind Gottes zu werden.
Das Reich Gottes verlangt von denen, die hineinkommen wollen, dass sie es wie ein Kind annehmen. Das bedeutet: Ich muss Gottes Segen empfangen, statt ihn erarbeiten zu wollen. Ich muss vertrauen – ohne Hintergedanken. Und ich muss klein werden, statt mich als den Guten zu präsentieren, der es irgendwie verdient, dabei zu sein.
Es geht um Gnade, um Glauben und um Demut.
Kindlichkeit versus kindisches Verhalten im Glauben
Letzter Gedanke dazu: Lasst uns kindlich sein, aber nicht kindisch.
Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Kindlichkeit und kindischem Verhalten. Paulus formuliert es ganz richtig in 1. Korinther 14,20: „Brüder, seid nicht Kinder im Verstand, sondern in der Bosheit seid Unmündige, im Verstand aber seid Erwachsene.“
Reifer Glaube zeigt sich nicht darin, dass Christen sich naiv verhalten oder kritiklos alles übernehmen, was irgendwie fromm klingt. Geistliche Reife äußert sich nicht in gedankenloser Leichtgläubigkeit, sondern in einem prüfenden, nüchternen und klaren Urteilsvermögen.
Kindlich ist derjenige, der empfängt, dem Vater vertraut und sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Kindisch dagegen ist, wer sich vor Verantwortung drückt, geistlich nicht wächst und sich weigert, zwischen Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden.
Was könntest du jetzt tun? Frage dich selbst, ob du ein Kind Gottes bist und woran man das erkennen kann.
Das war's für heute. Bete für ein Herz, das gern den Schwachen dient und sich selbst nicht zu wichtig nimmt.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und schenke dir seinen Frieden. Amen.
